Tag 2170 – Geschafft.

Einen entspannten Arbeitstag hinter mich gebracht, jetzt fertig und bereit für Urlaub. (Ok, Freitag arbeite ich ein bisschen, aber echt nur ein bisschen und ich möchte da nicht reingeredet bekommen, danke.)

Heute Abend hätte ich deshalb gerne ein Bier aus dem Norden in Regenbogendesigndose auf der Terrasse getrunken, wegen Kopfschmerzen (natürlich, ist ja jetzt Urlaub) wurden es aber nur YouTube-Videos im Bett. Tjanun. Es wird schon noch genug Entspannung geben, bis auf kurz Freitag sieht mich die Arbeit erst im August wieder.

Tag 2162 – Schon wieder nix zu erzählen.

Ich prokrastiniere heftig eine Aufgabe, die ich schon seit einem Jahr machen muss. Sie fühlt sich sinnlos an, deshalb landet sie auf der Prioritätenliste immer wieder ganz hinten, aber meine Chefin drängelt und es wär ja auch schön, das endlich abzuhaken… aber es ist so sinnlos. Hrmpf.

Ansonsten gibt’s nicht neues. Tote Hose, Neuigkeitsmäßig. Selbst die Pandemie, so sagt man, ist in Norwegen vorbei. Keine MNS mehr, man darf wieder bis 24 Uhr Alkohol trinken und das VERBOT, mehr als 10 Leute zu sein, ist zu einer Empfehlung heruntergestuft. Ich scherze nicht. Nur Homeoffice bleibt, aber es sind ja eh fast Ferien.

Tag 2161 – Nein, nein, nein.

Nein danke, ich möchte keinen Story-Beitrag erstellen. Was soll das überhaupt sein? Ist auch egal, ich bin ja hier nicht zum Geschichten erzählen.

Pippi ist weiter in der Vorschul-alles-Verweigerungs-Phase. Hoffentlich ist die bald vorbei.

Michel hatte Musikhausaufgaben auf und sollte Fragen zu seiner Lieblingsmusik beantworten, unter anderem, ob die in ihm Gefühle auslöst. „Nein.“ schrieb er. Ich musste ein bisschen lachen und ich glaub da auch nicht dran, aber benennen kann er die Gefühle halt nicht. Ich finde das auch eine ziemlich persönliche Frage für eine Hausaufgabe. Aber immerhin ist Michel sein nicht ganz alterstypischer Musikgeschmack nicht unangenehm. Es hat auch Vorteile, wenn einem ziemlich egal ist, was andere über einen denken. Möge es weiter für ihn mehr Vor- als Nachteile haben.

Viel Arbeit (vor allem drülfzig sehr unterschiedliche Aufgaben) will noch vor dem Urlaub erledigt werden, das macht meine Lunte etwas kurz. Merke ich selbst. Noch ca. eineinhalb Wochen…

Tag 2149 – Fleißbienchen.

Ich hab heute bei der Arbeit viel Kleinscheiß weggearbeitet und wieder festgestellt, dass einige auf das Empfangen von Mails reagieren, indem sie der Absenderin sofort weitere Dokumente schicken, mit dem Hinweis, weiteres käme in den nächsten Tagen. (Falls Sie mir mal viele Donumente schicken wollen: ich bevorzuge, alles auf einmal zu bekommen. Übersicht über lauter halb fertige Dinge zu behalten, fällt mir schwer. Andere Sachbearbeiter*Innen mögen anders ticken, aber ich sag das schon immer, dass ich bitte nicht kleckerweise Dokumentation haben will, sondern in großen Stapeln. Vielleicht hört mir aber auch nie wer zu, auch möglich.) So richtig viel kleiner wird mein Kleinscheißstapel dadurch leider nicht, aber vielleicht der der anderen Seite? Ich weiß es nicht.

Morgen spaziere ich einen halben Tag ab, vielleicht komme ich diese Woche dann bei null Flexizeit-Stunden raus. Ich soll aufpassen, dass es nicht zu viele werden, weil alle über 50 zum 1. September gestrichen wird. Jaja, schön, und welche meiner Arbeitsaufgaben soll ich dann lassen?

Um das Abspazieren richtig zu genießen nehme ich den Zug um vier vor acht in die Großstadt und gehe zum Arzt, damit ich Hypochonder nicht schon wieder mit irgendwas bei der Hausärztin auftauche. Danach gehe ich zum Instrumentenbauer und hoffe, dass der Kinnstützen hat, die mir keine Druckstellen am Kiefer machen. Danach Update im Büro, wir wurden, wie letztes Jahr, dorthin einbestellt, weil wir dieses Update nur da machen können: nach sage und schreibe 15 Monaten Homeoffice bekommen wir nämlich endlich VPN damit wir demnächst Updates auch zu Hause machen können. Tadaaa! Japp, wir sind von der ganz fixen Sorte, kann man anders nicht sagen.

Status potentielle Steuerverbrechen: unser Sachbearbeiter ist sehr nett, wir haben beide den gleichen und wir sind keine Steuerverbrecher, im Gegenteil. Ich mag den Dialekt des Sachbearbeiters und dessen entspannte Grundhaltung und dass man ihn auch mal im Auto erwischt, während im Hintergrund Kinder „PAPAAAAA WER IST DAS???“ krähen. Insgesamt mag ich Norwegen halt schon.

Tag 2120 – Alles wäh.

Manic meeting Tuesday und dann noch eine „innsynsbegjæring“ also Antrag auf Akteneinsicht am Hals. Das hatte ich schon ausgesetzt (wir haben nur 5 Arbeitstage, um solche Anträge zu beantworten, danach gelten sie als abgelehnt und sind dann einklagbar) und heute musste es wirklich endlich raus, aber das Tool, das wir da haben und benutzen *müssen*… Hmmja. Ich hab vermutlich zwischen 15 und 17:30 Uhr heute erheblich mehr graue Haare bekommen.

Nach der Arbeit Elternabend (über Teams, yeah, endlich mal wieder ein Teams-Meeting! Hatte es in den drei Stunden seit dem letzten schon vermisst.), danach Schweinchen sauber machen (die Stellen, an denen die Terror-Wurst neulich Muffin gebissen und büschelweise Haare ausgerissen hat, sehen alle gut aus und das Fell sprießt auch wieder, uff), Wäsche waschen, essen, Vorlesen, Kuscheln, Aufräumen…

Und keine Energie mehr, Sozialkontakte per Bildschirm zu pflegen. Einfach gar nicht.

Tag 2119 – MMM.

Manic meeting monday. Und danach noch „echte“ Arbeit machen müssen. Den Lack gibt es inzwischen zu Schleuderpreisen, anders kann ich mir… Dinge nicht erklären, und überhaupt, Zyklusendlaune ist da auch keine Hilfe.

Schokolade hilft. Und Weingummi. Ich sehe schon ein neues Klamottenproblem auf mich zukommen, wenn die Pandemie irgendwann mal vorbei ist.

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Schon eine Woche nehme ich jetzt morgens Levaxin und warte danach brav mindestens 30, in der Realität eher 60-90 Minuten, bevor ich Kaffee trinke. Es ist ein seltsames Gefühl, dass ich das jetzt den Rest meines Lebens machen muss. Und ich freue mich schon auf das Pflegepersonal im Krankenhaus, das mich um sechs aus dem Bett wirft, um meine Tablette zu nehmen, damit ich um sieben frühstücken „darf“. Um solche Uhrzeiten spricht man mich besser gar nicht an.

(Bin trotzdem froh, wenn die Schilddrüse raus ist.)

Tag 2112 – Keine Worte mehr.

Ich bin leer geredet. Heute schon wieder Meeting auf Dänisch, meine Gügll diglll Sprache. Meine Theorie ist: die Dänen verstehen sich selbst gegenseitig nicht, besonders Zahlen sind willkürlich aneinander gereihte Silben, die individuell mit Wert bemessen werden. Kamelåså.

Morgen auch noch mal, mit der Dänischen Behörde. Lä-ämigglllstyrlll heißt die, echt wahr.

Generell ist Montag immer Meeting-Tag und ich fand das heute sehr nervig. Ich will nicht sieben Stunden lang nahezu ohne Unterbrechung in einen Bildschirm starren. Will nicht will nicht will nicht.

Nebenbei hab ich in der Weltgeschichte herumtelefoniert und beispielsweise Medikamentierungsfragen, die beim Lesen von Beipackzetteln so auftauchen können, beantwortet bekommen. Seit ich viel mit PharmazeutInnen zusammen arbeite, habe ich zwar eine gewisse Skepsis, was die Kenntnis von Mediziner*Innen über Wechselwirkungen angeht, aber dies war eine Frage, die sich mit Erfahrung >> 1 Patientin* sicher lösen lässt, nichts spezielles**. Eine Antwort bekam ich dann auch schnell und bin beruhigt.

Bitte lesen Sie immer die Packungsbeilage und bewahren Sie diese auch auf, bis das Medikament aufgebraucht oder abgelaufen ist. Abgelaufene Medikamente sollte man nicht mehr nehmen, die kann man zur nächsten Apotheke bringen, da werden sie entsorgt***.

Hilfe, alle Sätze sind schon ganz schief, ich muss die Augen zu machen.

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*also Leute vom Fach statt mir

Und Dr. Google hilft nur in seltensten Fällen überhaupt, aber bei Schilddrüsensachen noch mal weniger. Vielleicht ist das ja ein bisher unerkanntes Schilddrüsensymtom: nervtötender Diskutierdrang mit Schwurbelneigung.

***ohne Gewähr, dass sich in Deutschland diese Praxis nicht in den letzten 7,5 Jahren geändert hat oder dass wegen Corona alles nur in mehreren Lagen reinraumgerechten Einwegmaterials**** verpackt abgegeben werden kann.

***Ich bin heute über einen ISO-Standard zu Tests und Akzeptanzkriterien für die Überprüfung der Versiegelung schlusssterilisierter Medizinprodukte gestolpert. Wir leben in aufregenden Zeiten.

Tag 2101 – Große Trauer.

(Drei Tage Inspektion via Teams und ich bin völlig gar in der Birne. Auf eine ganz und gar seltsame Art war es aber auch wieder richtig schön und ich hab sogar am Ende aus ganz unerwarteter Richtung ein ganz tolles Kompliment bekommen. Hach!)

Pippi und Michel waren heute traurig. Michel war schon die ganze Zeit echt… nicht so nett zu Pippi und dann hat er auch noch einen Stock von ihr kaputt gemacht, mit Absicht, und das war der schönste Stock aller Zeiten und sie hat diesen Stock doch so lieb gehabt und so weiter und so fort. Großes Drama. Am Ende bin ich mit ihr noch mal zum Kindergarten gefahren, einen neuen Stock suchen. Denn da und nur da gibt es die *wirklich* schönen Stöcke. Aber der ist natürlich trotzdem nicht so schön wie der von Michel zerstörte und so weiter und Neustart selbes Drama.

Kurz vor und beim ins Bett bringen fand ich dann heraus, weshalb Michel schon die ganze Zeit so kotzig drauf war. Er hat erkannt – und die Erkenntnis war bitter – dass es nur sieben Harry Potter Bücher gibt und die Geschichte dann endet. Das kann die Welt eines Achtjährigen schon mal schwer erschüttern, und wenn man ein Achtjähriger ist, der sich problemlos alles Schlimme in den schillerndsten Farben ausmalen kann, während Alternativen eher als Schatten am Bildrand in Erscheinung treten, dann ist die Aussicht, danach vor einem buchmäßigen Vakuum zu stehen, zum Verzweifeln. Auch wenn das noch mehrere Jahre dauern wird, weil er sich (zweiter Verzweiflungspunkt) in den Kopf gesetzt hat, die illustrierte Ausgabe zu sammeln und keine nicht-illustrierte zu lesen. Mit den verfügbaren illustrierten Bänden sind wir jetzt durch* und nun muss der Illustrator erst mal weiter illustrieren. Drama. Riesiges Drama mit Schluchzen und Einschlafen ohne Vorlesen, weil eh nichts Harry Potter ersetzen kann, jemals.

Ach, armer Zwerg. Ach, arme Maus. Ich fühle das so mit, und gleichzeitig denke ich, man kann ja eh nichts dran ändern, Stock kaputt ist Stock kaputt und Buch zu Ende ist Buch zu Ende, aber vielleicht musste ich auch erst ne ganze Menge kaputter Stöcker betrauern und jahrelang auf Harry Potter Bücher warten und weinen, als der siebte Band ausgelesen war, um zu diesem Langmut** zu gelangen.

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* Cedric Digorrys Tod wurde mit sehr viel Unglauben und vielen Nachfragen, ob der jetzt wirklich tot sei, aufgenommen. Voldemorts wieder-Körper-Gewinnung wurde unter der Decke versteckt angehört. Aber bisher keine vermehrten Albträume, soweit ich das sagen kann***.

** ahahaha. Ich.

*** Michel schläft ja eh eher schlecht und kommt gerne nachts angetapst, wegen schlecht geträumt/was gehört/von Mücke angehustet worden.

Tag 2100 – Ein paar Bemerkungen zu Herstellerlaubnissen.

In grob logischer Reihenfolge. Das allermeiste davon hat nichts mit Herstellern von Covid-Impfstoffen zu tun und zielt auch nicht indirekt auf diese ab.

(Ich weiß auch nicht wesentlich mehr als Sie über diese Impfstoffgeschichten und um ehrlich zu sein bin ich da auch froh drum. Diejenigen meiner Kolleg*Innen, die da stark involviert sind, sind nicht zu beneiden. Aber das nur am Rande.)

  1. Wer ein Medikament herstellen will, braucht eine Herstellerlaubnis
  2. Ja, auch wenn’s nur ein Wirkstoff für ein Medikament ist
  3. Ja, auch wenn’s nur für eine klinische Studie hergestellt wird
  4. Wer eine klinische Studie beantragt, muss angeben, wo das Medikament hergestellt werden soll
  5. Der Hersteller braucht, Ich sagte es bereits, eine Herstellerlaubnis
  6. Die Studie wird nicht bewilligt, bevor ein Hersteller mit Herstellerlaubnis angegeben ist. Mancherorts wird der Antrag noch nicht mal über den Punkt „ist ein Hersteller mit Herstellerlaubnis angegeben?“ hin angeschaut
  7. Herstellerlaubnisse auf europäischem Boden erteilen die jeweiligen Mitgliedstaaten (NICHT die EMA. Nein, auch nicht für zentral zugelassene Produkte)
  8. Herstellerlaubnisse werden in aller Regel nicht erteilt, bevor eine Inspektion stattgefunden hat und etwaige Mängel ausgebessert wurden
  9. Das machen die Mitgliedstaaten. Die EMA hat keine Inspekteure.
  10. Am Ende gibt’s ein „hübsches“ Zertifikat. Wenn nicht grad Corona ist, sogar mit Stempel
  11. Eine bewilligte Studie haben, heißt nicht, dass Sie das Produkt an jede*n die*r Lust hat, das mal auszuprobieren, verkaufen dürfen
  12. Das gilt auch, wenn Sie eine Herstellerlaubnis haben
  13. Eine Herstellerlaubnis für Herstellung für klinische Studien heißt nicht automatisch, dass Sie egal was für egal welche Studien herstellen dürfen
  14. Oder dass Sie das Produkt an egal wen verscherbeln dürfen (ich sagte es bereits)
  15. Sie dürfen das auch nicht irgendwo hin verschicken, die*r nicht im Rahmen einer bewilligten Studie dazu befugt ist, das Produkt zu bekommen (und/oder zu verabreichen). Nein, auch nicht, wenn kein Geld fließt
  16. Eine Herstellerlaubnis für Herstellung für klinische Studien und eine Herstellerlaubnis für Herstellung zugelassener Produkte sind zwei unterschiedliche Dinge
  17. Wenn Sie eine Zulassung für ein Produkt beantragen, müssen Sie einen Hersteller angeben, der die relevanten Herstellerlaubnisse hat (s.o., es ist das gleiche in grün, inklusive möglicherweise neuer Inspektion weil Routineherstellung und Herstellung für klinische Studien sehr unterschiedlich sein können)
  18. WENN dann irgendwann der Hersteller die nötige Herstellerlaubnis hat UND eine bewilligte klinische Studie gezeigt hat, dass das Produkt sicher und wirksam ist und der Produktionsprozess und die Analytik die Qualität sicherstellt, UND die entsprechenden Zulassungsbehörden (EMA oder ein oder mehrere EU/EWR-Staaten) ihr ok gegeben haben, DANN haben Sie ein zugelassenes Produkt. DANN dürfen Sie das verscherbeln
  19. Uns sehen Sie dann mindestens alle drei Jahre, denn Sie wollen ja ihr Zertifikat, nicht wahr?

Herzlichen Glückwunsch, bitte werden Sie jetzt reich.