Tag 1527 – Endlich wieder 4.

Herr Rabe ist wieder da!

[Hier stand ein langer, jammeriger Text darüber, dass sich dieses Leben im Moment oft anfühlt wie auf einem Ball balancierend mit laufenden Motorsägen zu jonglieren. Aber das wird dann wieder missverstanden und deshalb hab ich’s eben gelöscht. Jetzt ist ja Herr Rabe wieder da und der Ball weg und es sind nur noch brennende Fackeln.]

Heute hatte ich zwei wirklich gute Momente. Einer davon war bei der Arbeit (wir haben zu dritt nach einem echt langen Meeting in einem Raum, in dem wir allen Sauerstoff schon lange weggeatmet hatten, eine Checkliste angesehen, die… naja. Nicht so gut ist). Der andere war, wie sich Michel abends unter der Dusche mit Shampoohaaren einen Iro gestylt und sich ausgiebig Faxen machend in der Duschtür gespiegelt hat. Als wäre ich nicht da. Hach.

Tag 1526 – Kindkrankhomeoffice die 2.

Die guten Nachrichten vorweg: Michel geht es prima, nach einem weiteren halben Tag auf dem Sofa hopste er die zweite Tageshälfte rastlos darauf herum. Das muss ein komischer Kindervirus sein, der einen Tag Fieber und Abgeschlagenheit macht und das war’s dann auch. Aber besser so als drei Tage Fieber und dann noch zwei Wochen Schleimröchelhusten, was Kinder ja sonst auch gerne mal anschleppen. Jedenfalls freut sich Michel sehr auf die Schule und hat heute Abend „ssswei Sämuitsches“ gegessen „weil, Mama, morgen ist Schule und Sport und da muss ich Kraft haben und gestern hab ich ja auch nicht viel gegessen“. Ach, so große Kinder sind schon schön.

Ich freue mich auch auf Kindergarten Arbeit, in einem richtigen Büro, Hurra! Mein Skype-Meeting heute lief nämlich nur so lala, ich muss da mal eine kleine Schulung in online-Meeting-Tools anstoßen glaube ich. *Hüstel* nicht für mich *hüstel*. Dieses Homeoffice, selbst mit krankem Kind, muss ich weiter üben, es gefällt mir eigentlich gut, aber ich muss dann echt mein Handy weit weg legen und auch irgendwann das Ende finden. So habe ich die letzten zwei Tage halt mein normales Pensum durchgezogen, nur langsamer (das Handy). Und dann abends noch Guidelines im Bett lesen oder Spezifikationen am Küchentisch bis die Augen schon ganz klein werden – das ist nix. Das ist bestimmt auch total ungesund. Aber ich mag halt auch nicht morgens um neun unvorbereitet zum Meeting, ob on- oder offline, erscheinen und all die anderen Dinge müssen ja auch erledigt werden. Immerhin habe ich mir angewöhnt, Aufgaben, die mir so zugeworfen werden und die ich nicht sofort (also wirklich SOFORT) erledigen kann, in Outlook zu speichern. So habe ich den Überblick und habe (hoffentlich) am Ende des Tages eine hübsche Liste erledigten Kleinscheißes und kann mir auf die Schulter klopfen.

(Und weil ich halt ich bin, setze ich mich mit Fristen selbst unter Druck. Es ist schwierig in meinem Kopf.)

Aber ich sag Ihnen auch mal was: ich liebe diesen Job. Auch nach neuneinhalb Monaten noch. (Bin ich eigentlich inzwischen fertig eingearbeitet? Njaaaa. Inzwischen bin ich in der Phase angekommen, wo man denkt, man sei nie „fertig“ eingearbeitet, weil immer noch wie Karl aus der Kiste irgendwas neues springt.)

Tag 1518 – Nix neues.

Alltag halt. Ohne Herrn Rabe, der kommt gleich erst nach Hause. Ich liege im Bett und habe einen Ärmel abgesteckt, jetzt mache ich gleich das Licht aus, wenn Herr Rabe zu Hause ist.

Arbeit: habe eine überaus wirre Mail an meine Chefin geschrieben – als ich sie noch mal las weil ich mich wunderte, dass ich noch keine Antwort bekommen hatte, merkte ich, dass das wohl keiner, der nicht in meinem Kopf ist, verstehen kann. Ok, genau genommen nicht mal dann weil ich auch halbe Sätze weggelassen hab. Das muss ich wohl morgen erklären, das kommt davon wenn man aus der T-Bane vom Handy noch schnell Mails schreibt.

Tag 1515 – Herbstblumen.

Ich habe auch heute nicht viel zu erzählen, bei der Arbeit ist so ne Mischung aus „alle irre“ und „alle im Urlaub“, deshalb und wegen des Überstundenkontos habe ich heute auch einfach mal von 9 bis 15 Uhr gearbeitet und dabei noch eineinhalb Stunden Mittagspause gemacht. (Ok. Und im Zug auf dem Weg hin hab ich auch gearbeitet, bleibt eine Stunde Mittagspause und ich muss am Wochenende noch ein bisschen Sachen archivieren und da ist sie hin, die abgebaute Zeit, Tjanun.)

Im Garten ist es weiterhin schön, die Astern blühen jetzt bald und eine sehr verspätete Gladiole, wenn sie noch aufgeht, dann wohl nur um direkt kaputtzufrieren.

Apropos. Ich habe aus Versehen herausgefunden, dass Pileas nicht frosthart sind. Ich kommuniziere das hier als Service an Sie.

Hier drinnen blühen bald meine Orchideen wieder! Es ist ein Wunder! Warum jetzt, ich habe keine Ahnung, vielleicht gefällt es ihnen am Küchenfenster so gut, da habe ich sie nach einem Wochenendlichen Gießvorgang vergessen und jetzt bekommen sie Blütentriebe.

Und auch der Schneckenmango geht es gut.

Kleine Pflanze mit großen Blättern.

(Die Pilea kriege ich auch wieder hin. Die sind ja eigentlich unkaputtbar. Und wenn nicht habe ich etwa 12 Ableger.)

Tag 1514 – Hallo, Bett!

Nach Hause kommen, Hallo Mann, Reisekostenabrechnung machen, Hallo Dusche, Hallo Bett. Eigentlich muss ich rein vom Stundensaldo diese Woche her morgen* gar nicht arbeiten, aber mach ich natürlich trotzdem. Falls die Kopfschmerzen bis morgen weg sind jedenfalls.

(Achtung, Ironie: Irgendwas wollen mir die Kopfschmerzen bestimmt sagen, aber ich komme einfach nicht drauf, was es sein könnte.)

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*und den halben Montag auch nicht

Tag 1512 – Grüße aus den 90ern.

Heute flog ich, nach einem halben Arbeitstag, der direkt aus der Hölle zu stammen schien (zu wenig Zeit für zu viele zu komplizierte Dinge, die GAR NICHT im Bereich meiner Kernkompetenz liegen, also wirklich Ü-BER-HAUPT NICHT) dahin, wo viele Deutsche gern mal Urlaub machen und jetzt bin ich hier im Plastik-Paradies. Ich mache Ihnen morgen im Tageslicht mal ein Foto von der Wal-Statue draußen vorm Hotel.

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Anekdote: ich bin mit meiner Kollegin hier, mit der ich bei bisher allen Inspektionen war, mit der ich außerdem ca. 60% meines Arbeitsalltages aus verschiedenen Gründen zusammenhänge und die ja auch meine Patin im Werk ist. Als der Mann bei der Autovermietung ihr ihren Führerschein zurückgab und grinsend gratulierte (wohlgemerkt um 18 Uhr nach einem halben Arbeitstag, Zugfahrt, Flugzeug immer alles nebeneinander sitzend), schnallte ich es dann auch mal. Dass am Flughafen ihr Bruder angerufen hat habe ich zwar mitbekommen, aber die Gratulation ist wohl an mir vorbeigegangen. Jaja, man muss schon eine Blitzmerkerin sein, so als Inspektør. Herzlichen Glückwunsch, liebe Kollegin!

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Abends dann das weggeschafft, was wegen Reise an Zeit verloren ging. Fühle mich ein wenig schlecht, dass ich die nächste Vertreterin für die Qualitätsabweichungs-Behandlung jetzt mit lauter kleinen Feuerchen zurücklasse, die lustig herumbrennen, aber ich glaube wenn ich nachts um viertel nach elf irgendwelche hochoffiziell mündigen Entscheidungen treffe ist das genauso kacke.

Tag 1511 – Keine Zeit, keine Zeit, keine Zeit.

Ich sag es mal so: ich hoffe, unsere neue Teamchefin hat verstanden, worauf wir als „Inspektorat“ heute drei Stunden unserer aller Arbeitszeit verschwendet haben. Weil sonst würd ich mich echt noch viel mehr als eh ärgern, dass ich heute 3,5 Überstunden gemacht habe (und wenn meine Kollegin nicht einen ihrer Urlaubstage hätte sausen lassen, wäre es noch mehr geworden) um alles wegzuschaffen, was nun mal heute Anstand, wofür ich aber keine Zeit hatte, weil ich in Meetings herumsaß, unter anderem um zu erklären, dass wir alle bei aller Liebe die Hände genug mit dem zu tun haben, was unsere (gesetzlich verankerte!!1!elf!) Pflicht ist, und dass da Jobbe på tvers („quer arbeiten“ ich kann das jetzt nicht mehr erklären, ich bin wirklich gar) und all diese hübschen Konzepte von Kommunikation und Teilen von Kompetenz und blablabla hinten rüber fallen MÜSSEN.

Anderenfalls arbeiten wir uns alle kaputt. Das ist ja auch keine Lösung. Es darf eh schon keiner länger krank werden.

Ich jedenfalls habe mein Hirn heute so leer gearbeitet, dass ich am Ende die einfachsten Sätze von norwegisch nach englisch mit Google Translate übersetzen musste. Ich möchte bei der Gelegenheit auch kurz anmerken, dass ich diese Überstunden-gleich-Karriere-Kultur für völligen Bullshit erkläre. Selbst wer, der doppelt so „gut“ ist wie ich läuft nach 10 Stunden Arbeit doch nur noch auf 30% Hirnkapazität, kriegt aber unter Umständen auch noch wegen Zuschlägen mehr Geld dafür als wenn einfach sinnvoll geplant würde und die Arbeit sich in normaler Arbeitszeit erledigen ließe. Und dann wird das auch noch als Beförderungsargument herangezogen?

Pfft.

Echt mal.

Tag 1508 – Scheitern mit Ansage.

Wenig überraschend war meine To-Do-Liste zu lang für einen Arbeitstag, selbst bei einer extra Stunde. Ich werde also wohl am Wochenende irgendwann noch Dokumente lesen müssen (weil ich das Mäppchen bis Montag früh um neun halt bearbeitet haben muss) und nächste Woche im Flugzeug irgendwelches Zeug zum Brexit lesen, weil aus Gründen und hoffentlich breche ich nicht weinend in den Armen meiner Kollegin zusammen, weil ich doch auch keine Ahnung habe wie die das da alles lösen können, herrje, da schlagen sich seit Jahren ganze Gremien mit rum!

Den Rest hab ich aber weggearbeitet, ganz nach Plan.

Abends dann mit der Babysittermama telefoniert, das eskalierte ein bisschen (ich hätte einfach hinfahren sollen) und jetzt stehen hier Fragen im Raum herum, keine schlimmen, keine Sorge, aber halt Fragen, die man sich stellen muss (?) wenn man so Superkinder hat wie wir. Die halt einfach die supersten sind, eh, alle beide. Aber immerhin sind die nächsten Babysittertermine geklärt und ich muss keine Kinder mit zum Schulelternabend schleppen, während der Mann in Kopenhagen weilt, puh. Wir alten Businesskasper, wir.

Tag 1506 – Licht aus. Aus. AHAUS!

Irgendwas stimmt mit unseren Lampen nicht, überall geht dauernd das Licht einfach wieder an. Das ist ein bisschen störend, wenn man schlafen möchte.

Apropos schlafen: Herr Rabe und ich liegen beide schon im Bett. Herr Rabe ist verschnupft und ich fühle mich irgendwie auch nicht so ganz auf dem Damm. Ob nun, weil knapp 10 Überstunden in 3 Tagen wirklich schlauchen, oder weil im Flugzeug sitzen wirklich schlaucht, oder weil der Fischtrailer, der den ganzen Tag im Hafen, nicht weit entfernt vom Hersteller, vor sich hinbrannte und alles draußen in schwarzen Qualm hüllte, der natürlich über die Lüftungsanlage auch rein kam, irgendwas tödliches ungesundes abgegeben hat – ist ja eigentlich egal. Ich hab mich vom Zwang des Fitnesstrackers für heute losgesagt und hoffe, nach einer Nacht im eigenen Bett geht es besser. Morgen geht der normale Bürobetrieb wieder los und es stehen jetzt schon allerlei Termine an, von Fischfutter bis Steriltests ist da alles bei, damit bloß keine Ruhe einkehrt Langeweile aufkommt.