Tag 1413 – Se Schtraggel.

Se schtraggel is riel.

Oslo. Vom Zug aus.

Downtown Eidsvoll.

Da wo ich wohne.

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Ansonsten heute 40 Minuten an einer Bushaltestelle gewartet, in der Zeit hätten eigentlich drei Busse kommen sollen, die kamen dann direkt nacheinander. Während der Zeit auch von einem Taxifahrer angeranzt worden, weil ich nicht wusste, wo ich bin, außer halt an dieser Bushaltestelle. Das GPS hatte ihn an eine Adresse geschickt, die nicht diese Bushaltestelle war, sondern woanders, vermutlich grob in der Nähe, aber woher soll ich das wissen, ich kenne mich da nicht aus sonst würde ich wohl kaum ein Taxi rufen und ins Anmerkungs-Feld schreiben „An der Bushaltestelle Blumenweg* stadtauswärts“. Irgendwie war das meine Schuld, dass ich weder genauer angeben konnte, wo ich war, noch wusste, wo im Verhältnis zu meinem Standort nun die Adresse war, an der er sich befand. Am Ende heulte ich fast, weil ich wirklich nicht mehr weiter wusste, wie ich ihm noch erklären sollte, dass ich verdammt noch mal nicht wusste, wo ich bin, an der Bushaltestelle halt, eine große Straße, in die einen Richtung ein Schild mit „Ring 3“ in die andere eins mit „Stadtteil Bahnhof“. Da sagte er zu mir, ich müsse wohl ein anderes Taxi rufen und legte auf. Wutentbrannt versuchte ich die Zentrale zu erreichen, aber da war laut Bandansage „viel Verkehr“ und niemand nahm ab. Nur dem dann doch auftauchenden Bus (dem 1. von 3en, die dann Prozessionsspinnermäßig hintereinander herfuhren) ist zu verdanken, dass ich aufgelegt habe, bevor ich jemanden ordentlich rund machen konnte.

So ein Tag war halt heute.

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*Name von der Redaktion geändert

Tag 1406 – Swuuusch.

Die letzten zwei Wochen Probezeit sind angebrochen, wo ist denn das letzte halbe Jahr hin bitte? Wie wahrscheinlich bei allen ist bei uns auch vor den Ferien die Geschäftigkeit groß, alles muss noch Ferien-fertig werden. Hier noch ein paar Altlasten abschließen, da noch was wegarchivieren, diese Zulassung noch rausschicken und jenes Zertifikat. Die nächsten Tage werden einigermaßen vollgepfropft, dann noch Montag und Dienstag nächste Woche eine letzte Inspektion, Sommerfest, Kollegenabschied, dies, das und dann: Urlaub. Ein echter, verdienter Urlaub. Verdient aber unbezahlt aber Tjanun. Nächstes Jahr dann auch bezahlt. Dieses Jahr müssen halt die Überstunden dafür herhalten, das ist schon in Ordnung.

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Michel und ich waren heute bei den Zweitklässlereltern. Das war drei Leuten sehr unangenehm: Michel, mir und dem Vater, der die Tür öffnete. Seltsame Situation, mitten in Norwegen geht man nicht einfach zu Leuten und sagt „hallo, ich wollte mal mein Gesicht zeigen und hallo sagen und dass der Tankstellenausflug gar kein Problem gewesen wäre, wenn die Jungs uns Bescheid gesagt hätten“. Es stellte sich heraus, dass auch der Zweitklässler nicht bis zur Tankstelle darf. Hups.

Den Rückweg (auf dem Hinweg war Michel mit Nörgeln beschäftigt, dass er da nicht hin will und auf gar keinen Fall irgendwas sagen wird und das überhaupt total doof ist alles) haben wir dann genutzt um ein paar Begriffe zu klären, nämlich „peinlich“ und „unangenehm“. Wie putzig mein Kind ist, es weiß nicht, was das Wort „peinlich“ bedeutet. Und erklären sie das mal, das ist gar nicht so einfach. Ich habe ihm erklärt, dass die Situation grad für mich auch unangenehm war, weil ich die ja nicht kenne und nicht weiß, wie die reagieren, aber dass mir das nicht peinlich war. Es aber ok und verständlich ist, wenn ihm das peinlich war. Dann haben wir Regeln festgelegt, zusammen. Michel darf bis zur Unterführung und nicht weiter, ohne Bescheid zu sagen. Wenn wir ihn irgendwo vermuten, er aber für länger woanders hingeht (anderer Kumpel, Spielplatz, whatever), sagt er auch Bescheid. Nicht-Befolgung führt zu Suspendierung eben dieser Privilegien.

Puh. Jetzt muss ich nur noch für ein autofreies Eidsvoll von hier bis zur Unterführung sorgen, dann kann ich wieder ausatmen.

Tag 1401 – Hammer und Nägel.

Heute ein „externes Meeting“ gehabt. Das heißt, ein Meeting mit Leuten von außen. Das machen wir, wir beraten ja auch* und falls Sie planen, in Norwegen eine große Tablettenfabrik oder sowas zu errichten, bitte fragen Sie erst, wir sind da gern behilflich, jedenfalls ist uns das viel lieber als dass wir hinterher meckern müssen.

Das externe Meeting war ein erstes Treffen, es wurde uns also erst mal recht viel und detailliert über das geplante Projekt erzählt. Derjenige, der die Idee zu dem Projekt hatte ist Professor und ein überaus guter Redner, es war angenehm ihm zuzuhören, er erzählte erst eine rührende Geschichte über den Hund seiner Tochter, es war alles ganz dramatisch mit Spannungsbogen und allem, wirklich sehr unterhaltsam. Aber wie das so ist mit dem Wissenschaftsvolk: das eigene Fachgebiet ist einfach überall relevant. Die Immunsystemleute: das Immunsystem ist alles, Krebs, Alzheimer, die Waschmaschine frisst Socken: an allem ist das Immunsystem schuld. Für DNA-Reparaturleute ist es halt eine Deregulation der Reparaturprozesse. Für Mikrobiomleute: genau. Und auch dieser Professor hatte seinen Lieblingshammer und sah überall Nägel, Prostatahypoplasien, offene Diabetesbeine, der Hund der Tochter, alles Nägel, nehmt mein Zeug es wird alle Nägel versenken!!!

Doch, es war wirklich interessant. Mal gucken, ob die Geschichte weitergeht, mein Kollege und ich waren vielleicht ein wenig desillusionierend.

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*schließlich ist einer unserer Werte „Teile“. Also eigentlich „wir teilen“, nämlich Wissen, innerhalb und auch nach außen, aber so wie es in der Liste unserer Werte steht heißt es „Teile“ oder ganz streng genommen „wir sind… und Teile“ und es macht mich immer, immer, immer ganz wuschig

Tag 1400 – Alles drin.

Heute morgen dachte ich schon, dass heute ein besonderer Tag sein müsse, heute Nachmittag bestätigte sich das.

Was ich mich dabei ja oft nicht zu schreiben traue: mit „alles möglich“ meine ich nicht nur ein Verbot der AfD, Weltfrieden, Erfindung der CO2-Speicherkapsel sondern auch Meteor trifft Erde, Zombieapokalypse, sofortiges Versiegen des Golfstroms.

Tatsächlich war der Tag dann recht ok und ich wiegte mich in Sicherheit bis etwa 16:30. Arbeit war ok, ich schaffte es in den Stoffladen und kaufte da was ich wollte und nicht viel mehr und kam mit unter 15€ auf dem Bon wieder raus. Ich bekam den Zug um 16:24 und da fing es an irgendwie zu haken, der Zug war viel zu spät und dann auch überfüllt, ich hatte Kopfschmerzen und nicht so richtig Lust auf das Sommerfest der Erstklässler.

Was mir dann aber echt die Laune versaute, war, dass Herr Rabe meine Abrechnung für das Gehalt, das ich von der Chipsfabrik nie bekommen habe und das letzte Woche aus dem Lohngarantiefonds bezahlt wurde (juhu!), dabei hatte. Denn da ist dem Insolvenzverwalter ein ziemlicher Schnitzer unterlaufen, der dazu geführt hat, dass er mir viel (!) zu viel Einkommensteuer abgezogen hat. Nun hab ich ja die Einkommensteuererklärung schon längst gemacht (wir erinnern uns – da meldete sich der Insolvenzverwalter auf meine Nachfragen, wie ich das denn da angeben solle, einfach nicht), das heißt, ich darf dann wohl morgen beim Skatteetaten anrufen und nachfragen, was ich jetzt machen muss um irgendwann dann mal mit der Steuerrückerstattung dieses Geld zurück zu kriegen, eventuell halt erst nächstes Jahr. Zombieapokalypse wär mir fast lieber gewesen als nun weiter mit dieser Chipsfabriksache rumzulaborieren.

Wie heißt es so schön? Jede Firma kriegt den Insolvenzverwalter, den sie verdient.

Zur Auflockerung: heute keine Zombieapokalypse und ein Bild, das Michel beim Sommerfest gemacht hat.

Tag 1396 – Noch drei Tage drei.

Gestörtes Verhältnis zu ungeraden Zahlen, man kennt das. Ich leide seit 97 Tagen.

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Heute so: Kinder weggebracht, einziger Tag diese Woche, Montag bis Donnerstag habe ich immer abgeholt und dafür halt super früh den Bus genommen, damit ich vor acht bei der Arbeit bin. Schlaucht. Morgens Die Kinder wegbringen schlaucht allerdings auch. Michel macht ja einigermaßen mit, der trödelt nur, aber Prinzessin Sturkopf ist halt morgens schlecht drauf UND hat ihre ganz eigenen Ideen von allem und das strengt an. Heute zum Beispiel wollte sie den Werkzeugkoffer samt Inhalt mit in den Kindergarten nehmen. Ich sagte, sie könne eine Sache aus dem Koffer mitnehmen, „aber nicht den ganzen Koffer!“, woraufhin sie den Koffer in ihren Rucksack ausleerte und alles mitnahm, außer dem Koffer selbst. Widerstand durch Eltern zwecklos, es sei denn man will weitere 20 Minuten vergeuden, weil das Kind schreulend auf dem Boden liegt.

Bei der Arbeit: guter Tag. Dinge getan, die sich erwachsen und kompetent und ernst genommen anfühlten. Außerdem weiter ausgebildet worden zur Behandlung von (internationalen) Qualitätsfehlern, weil ich Ende Juli da „Vikar“ sein werde, also katholischer Geistlicher Vertretung für die Frau, die das bei uns hauptamtlich macht. Das ist Teil meiner Jobbeschreibung als Inspektørin und ich glaube, ich werde da Spaß dran haben, jedenfalls hatte ich an der Einarbeitung schon viel Spaß. Ich kann ja inzwischen auch sehr gut damit leben, überall Streberin und flink pike zu sein, habe ich heute gemerkt, weil natürlich hatte ich die Hausaufgabe gemacht und natürlich hatte ich die SOP frisch ausgedruckt dabei. Wenn sowas anderen aus der Gruppe nicht gefällt sagt das ja mehr über sie aus als über mich, ne? Jedenfalls freue ich mich darauf, da Geistliche Vertreterin zu sein. (Trotzdem bitte nicht in den Reaktor spucken, falls Sie bei einem Pharmaunternehmen arbeiten. Danke.)

Die Verabschiedung der Kollegin war einigermaßen traurig für mich. Für die meisten anderen war sie wohl eher heiter. Die meisten anderen sind auch schon lange da und machen sich nicht so viele Gedanken drum, dass nun innerhalb von 6 Monaten 3 Inspektørinnen gekündigt haben und ob das wohl möglicherweise irgendwas bedeuten soll. Ich mag den Job aber weiterhin.

Außerdem heute Geld ausgegeben. Ich hoffe auf Enthüllung am Dienstag, dann sollte was in der Post sein, das dann hoffentlich was erklärt, das mich ein gutes Stück voranbringen sollte, mit dem letzten Jahr abzuschließen. Aber Geld ausgeben geht schon mal und ich brauche wirklich neue Sommerschuhe – meine Chucks fallen auseinander und die letztes Jahr reduziert gekauften haben mir in den letzten Tagen in kürzester Zeit furchtbare Blasen beschert. Für sowas ist das Leben zu kurz. Im Vorbeigehen heute außerdem Birkenstock’s hübsch gefunden. Es geht vielleicht auch einfach zu Ende mit mir.

Nun Bett. Noch ist kein Kind hier, das muss genutzt werden.

Tag 1378 – Erster Tag geschafft.

Pippi war um viertel vor fünf wach und dann um viertel vor sieben (aka viertel vor Abfahrt) wieder total müde. Das ist nicht schön, beides. Es regt mich sogar richtig auf aber was soll man machen. Gut, das schabende und am Bettlaken rumzupfende Kind fesseln und knebeln hätte mir vielleicht die fehlende Dreiviertelstunde Schlaf gesichert, aber das kommt ja irgendwie nicht so richtig gut an. Jedenfalls hatte ich um halb acht beide Kinder samt Kram verteilt und saß im Zug, hatte aber auch die Krawatte echt auf. Dann im Zug arbeiten macht es auch nicht besser. Nunja. Der Arbeitstag war dann auch… interessant (hier Biolek-Gesicht vorstellen). Mit einem deutlichen Tief am späten Vormittag, danach ging es aber bergauf. Seit 14:08 denke ich mit einem Teil meines Hirns darüber nach, ob ich meine Telefonnummer wohl erfolgreich und verständlich auf einen Anrufbeantworter gesprochen habe. Meine Telefonnummer enthält die Nummern 7 (sprich: schüh) und 22 (sprich schüetu) direkt hintereinander und das ist echt mein Endgegner im Norwegischen, weshalb ich dazu übergegangen bin, die 7 als sühv und die 22 überbetont als chüeh-tuh auszusprechen. Aber genau wie bei meinem Namen (Rave? Raabe? Und den Vornamen vergessen wir einfach mal komplett.) scheint da die Verbindung von meinem Mund zum Ohr des Gegenübers sehr oft sehr verschlungen zu sein. Angenehm für die nächsten Wochen ist auch, dass ich mich nicht langweilen werde. Das war bis nach dem Mittagessen eine ernsthafte Befürchtung von mir. Die A-Karte ist nämlich seit heute auch abgearbeitet und weg, weg, weg!

Nachmittags dann zu Vikinger-Babysitter und aufgedrehten Kindern nach Hause gekommen, die Wäsche war noch nicht trocken, der Garten dank Regen nicht zu wässern und Kartoffeln kochen ist ja auch nicht grad mit daneben stehen verbunden, also hatte ich tatsächlich einen recht entspannten Abend, bis dann die Kinder ins Bett sollten. Die überdrehte und völlig übermüdete Pippi wollte nämlich ü-ber-haupt-gar-nicht schlafen und hampelte noch ewig rum, dann döste ich auch weg und das macht mir ja immer schlechte Laune, zumal ja noch Brotdosen gerichtet und Klamotten rausgelegt werden wollten. Also zwang ich mich aus dem Kinderbett, aber nun ist alles so weit für morgen bereit.

Ach ja: Michels Hausaufgabe war, das Märchen von Goldlöckchen und den drei Bären nachzuerzählen. Er stellte sich ungemein an, er könne das nicht und die Geschichte sei sowieso doof und wenn überhaupt würde er das lieber malen als erzählen. Und dann erzählte er murrend die Geschichte nach. Quasi wortgetreu. Nur mit mehr „und der kleine Bär so… und der große Bär so…“. Goldig. (Wenn bloß das Gemecker vorher nicht immer wär.)

Snipp snapp pute, eventyret er ute!

Tag 1373 – Rasenflaum und Sommergeruch.

Off topic: das ist ja wohl ne Zahl zum davor gruseln. Mir als bekennender Geradzahlfreundin rollen sich dabei die Fußnägel nach oben. Ist das eine Primzahl? Ja, oder? Irgs.

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Ich hab die Arschkarte weggearbeitet. Es war schlimm und stumpfsinnig aber hell yeah, ich bin fertig und habe das gut gemacht. Sogar einen halben Tag eher als geplant. Da kann ich mich ab morgen wieder dem Aufbau meines theoretischen Wissens widmen.

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Der Rasen sprießt, der Briefkasten ist umgehangen (dass ich das noch erleben darf!) und das Blumenbeet blüht komplett. Das ganze Blumenbeet? Nein, die Kugelprimeln sehen unglücklich aus und ich weiß nicht, warum. Der Rest der Blumen macht sich aber sehr gut, das Kastenbeet steht nun auch und bald können da diverse Pflanzenkinder einziehen.

Wenn ich jetzt noch wüsste, was Gurki hat.

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Beide Kinder, aber besonders Pippi, kamen heute dreckig und sommerduftend nach Hause. Dieser ganz spezielle Geruch nach… wahrscheinlich einfach Dreck und Sonnencreme, romantisiert halt Sonne, Wind und wildes Toben, der ist schon ganz speziell. Falls Sie sich fragen, ob der einen Namen hat: natürlich. Seit heute. Sogar zwei.

Ich mag den Sommer.
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Heute schon war alles viel besser als gestern. Wahrscheinlich waren das gestern also nur Hormone. Hormone sind doch echt doof.

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Heute auf dem Rückweg von der Arbeit hörte ich ein wenig (laut) Montreal auf Spotify. Die habe ich mit Herrn Rabe zusammen vor gefühlten 100 ca. 8 Jahren mal auf irgendeinem Festival gesehen und da waren die so lala, jedenfalls nicht so toll, dass ich mir ein Album hätte kaufen wollen. Aber so vom Band als Datei kann man das gut anhören (wenn man melodischen Lärm mag).

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Sonst war nix, nein sonst war nix, sonst war nix, sonst war nix (Peter Licht).

Tag 1368 – Home, Sweet Home.

Nach einem laaaangen Tag wieder zu Hause. Die Kinder ins Bett gebracht und ein bisschen extra gekuschelt. Sehr schön. Und wahrscheinlich werd ich vom Satz „Mi har jo prosedyre på det!“ (Mit skarre-r und der sehr distinkten südnorwegischen Satzmelodie) träumen.

Das war eine gute Inspektion. Und vier Nächte mit >95% Schlafqualität laut App waren auch mal ganz nett. Jetzt kuschle ich mich aber an Michel und lausche seinem Zähneknirschen.

Tag 1366 – Klettermaus.

Huiuiuiuiui. Der Hersteller, den wir diese Woche inspizieren ist sehr groß, sowohl marktmäßig als auch platzmäßig. Es ist ein Wirkstoffhersteller, das heißt: Industrie. Keine schnieken Abfüllanlagen, in denen klare Flüssigkeit in tausende kleine Ampüllchen gefüllt wird, nee, hier wird Puder in 1000-kg-Säcke gefüllt. Hier gibt’s keine Reinräume, hier gibt es mehrere Etagen hohe Reaktoren und allerlei lustige Lösemittel, weshalb alles als explosionsgefährdeter Bereich eingestuft ist und das heißt, mein FitBit (Elektronik!) hat gar nicht mitgekriegt, wie ich mir heute die Füße plattgelaufen hab. Treppe hoch, Treppe runter, wieder hoch, nächster Produktionsraum, Treppe hoch, runter, weiter runter, drei Räume weiter, vier Räume wieder zurück. Mit Schutzhelm auf und Sicherheitsschuhen an in irgendwelche Räume mit riesigen Destillationssäulen (macht ca. 45 Grad Raumtemperatur) gehen und da rausfinden, weshalb Wasser auf dem Boden ist, dann wieder raus, 20 Grad, was ist das hier, warum steht das da, was wird hier gemacht, Treppe rauf, Treppe runter. Ich habe durch Bullaugen Zeug gesehen, das aussah wie Milch, wie Öl, wie Baisermasse. Wenn die da Backpulver herstellen würden würde es mich nicht im geringsten überraschen, außer dass ich seit heute halt weiß, was alles in diese Prozesse reinwandert und das ist eben ein biiiisschen mehr und ein biiiiisschen außergewöhnlicher als Pottasche und Hirschhornsalz.

Macht immernoch sehr viel Spaß das Ganze, aber nach einem ganzen Arbeitstag Begehung brauche ich etwa drei Liter Wasser und eine Stulle, damit ich bis zum Abendessen nicht meine Kollegen angenagt hab.

Abendessen auch so ne Sache. Heute aßen wir im Hotel und ich hab kein Trinkgeld gegeben, das mache ich nur sehr selten, aber der Service war… bemüht, äh, hat’s probiert, aber nein. Bei drei Leuten von denen zwei identische Rechnungen haben, vier Fehler machen geht nicht. Außerdem hatte ich den „Fisch des Tages“, „Lyr“, ein Weißfisch. Ich weiß ja nicht wie das bei anderen so ist, aber ich werde von einem Stück Fisch, drei Minikartoffeln und 4 Stangen grünem Spargel nicht satt. Insofern liest sich der heute Beitrag vielleicht etwas hangry. Ich bitte, dies zu entschuldigen.

Tag 1365 – „Ferien“.

„Mama, wann kommst du wieder von deinen Ferien?“ sagte Michel am Wochenende. Nun ist das hier ganz und gar kein Urlaub, das Überstundenkonto lacht über die Vorstellung und – ich will nicht meckern, aber – das ist hier auch echt nicht einfach, aber es gibt rein landschaftlich deutlich schlimmere Orte, an denen man arbeiten kann. Heute haben wir das gute Wetter genutzt und zwischen Inspektion und internem Durchgang einen kleinen Ausflug gemacht, das war schon wirklich toll. Der Kopf wurde auch gut durchgepustet, genau das richtige an so einem FerienTag.