Tag 793 – Mehr Schnipsel.

Heute früh mit Pippi beim Arzt gewesen, ein Follow-Up-Termin der „alle drei Wochen Fieber“-Geschichte. Folgendes geschah:

  • Geschrei schon beim Aufkleben des Pipibeutels, diese Dinger müssen echt unangenehm sein. Aber in einen Becher pullern hatte halt leider auch nicht geklappt.
  • Michel wollte unbedingt mit, einerseits sicher aus Neugierde, andererseits wollte er seine Schwester begleiten.
  • Vor der Arztpraxis: Pippi ruft begeistert „Trinken!“. Leute, vergesst Kinderspielzeug im Wartezimmer, stellt einen Wasserspender auf. Kinder happy.
  • In der Arztpraxis Urinbeutel weiterhin leer, Pippi weiterhin wegen des Beutels sauer.
  • Probennahme für CRP: Pippi ist echt das geduldigste Kind der Welt. Kein Mucks. Nur „Plaster?“ Und Michel gab ihr einen fetten Kuss und pustete den gepiekten Finger und ich war ganz gerührt.
  • Nach der Probennahme (mit Pflaster). Die Arzthelferin will uns rausscheuchen. Pippi marschiert schnurstracks zur Prämien-Schublade und sagt „Denne Ball.“. Ich war schon peinlich berührt (gierige Kinder…) aber Pippi ist so niedlich, die durfte dann sogar einen Flummi für die Arztpraxisflummisammlung UND ein Mammut („Elefant!“) haben. Und Michel einen Tiger. Seufz.
  • Die Ärztin bekam daraufhin von Pippi „En Elefant kom marsjeeeerende“ vorgesungen, Michel erzählte derweil, dass er morgen Geburtstag hat und dass er aber keinen Besuch bekommt und dass dafür an einem anderen Tag ein richtiges Fest ist und überhaupt sind die Kinder manchmal zum Fressen niedlich. Groß untersucht wurde nix, CRP unauffällig, Hämoglobin ein bisschen gestiegen seit dem letzten Termin (mein Plan, süß schmeckende Eisen-Kautabletten zu kaufen, damit Pippi die auch nimmt, ist voll aufgegangen) und eigentlich alles tutti. Pipiprobe: naja, nicht schlimm, sie ist ja grad eh gesund.

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Dann in den Kindergarten gefahren. Michel direkt draußen abgeliefert, aber Pippi hatte 1. noch den Pipibeutel dran und 2. keinen Draußenanzug an. Also mit Pippi hoch gelaufen, wo noch alle (!) Babys waren. SIEBEN Einjährige. Plus Pippi und ihre Freundin, die schon zweieinhalb ist. Das Urinbeutelentfernen traf auf ungefähr so viel Gegenliebe wie das Kleben, aber wie ich das so abzog von der ja doch empfindlich dünnen Haut… Au. Ja. Arme Maus. Übrigens weiterhin leer. Ich glaube, die hat das echt hochgezogen, weil ihr der Beutel so unangenehm war. Wie dem auch sei, mit Pippi zu den Babys zurückgekehrt und Pippi angezogen, die zwei Betreuer*Innen die da waren waren ein bisschen überfordert. Und KEIN WUNDER. Was für ein wuseliger Haufen so Minis sind. Ich hatte ja nur Pippi, die ja auch schon viel selbst kann, aber in einer Tour zogen sich Zwerge an mir hoch, plumpsten wieder um, sabberten mich an, krabbelten und tapsten herum, stießen zusammen, wankten auf das seit einer Nanosekunde offene Treppengitter zu… ich würde, ganz ehrlich, irre werden, müsste ich das täglich mehrere Stunden am Kopf haben. Ich kam mir vor wie in einem dieser Filmchen, wo ein Tierpfleger versucht, einen Pandakäfig auszumisten, während zwei bis vier Pandas herumwuseln und Quatsch machen. Der eine Betreuer meinte auch nur, während er lauter Schuhe in Größen 19-22 an zappelige Füßchen zog, dass es schon ganz gut sei, dass er nur selten für die Kleinsten zuständig sei. Pippi nahm das Gewusel übrigens recht gelassen hin, bis eins der Babys ihre Wasserflasche mopste und direkt anfing, am (geschlossenen) Deckel zu nuckeln. Da schimpfte sie und rupfte dem Baby die Wasserflasche unter „Nei! Min!“-Gekreische aus den Händen. Und ich war froh, als ich endlich zur Arbeit fahren konnte.

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Ex-Chef* angerufen. Wir waren dafür ja verabredet. Deshalb war ich auch ein bisschen irritiert, als er nicht dranging. Wiederholt. Aber tjanun, ich schrieb ihm also eine Nachricht, dass niemand ranginge und setzte mich an die Cleanbench. Eine halbe Stunde später rief er zurück. Er geht nicht an ausländische Nummern (jaja, weiß ich sogar, war schon immer so, bzw. manchmal ging er ran und sagte dann so Sachen wie „No, sorry, we are not interesting in sis conference.“, aber Herrgott, Norwegen ist ja nicht Indien…) An der rauschenden Cleanbench telefoniert es sich aber auch nur schlecht, also machte ich meinen Kram erst fertig und rief ihn dann auf dem Weg zum Kaffee holen zurück. Es folgte ein sehr nettes Gespräch, wirklich wie früher und ach, ach, ach, wieso bin ich da weg gegangen? Ich brachte mein Anliegen vor („Ich hab mich auf was beworben, wo ich viel Validieren und Qualifizieren müsste und jetzt, wonach das Vorstellungsgespräch bald hab, ist mir leider aufgefallen, dass ich das alles total vergessen hab!“) und er sagte die richtigen Worte („Richtigkeit, Robustheit, LoD, LoQ…“) um meine verschollenen Erinnerungen zu reaktivieren und nannte noch die EMA-Richtlinie dazu, genau, dachte ich, die war das. Lang ist’s her. Dann noch ein bisschen Klatsch und Tratsch und allgemeines Palaver über welche Projekte grade so laufen (zum Teil die Selben wie vor 4 Jahren, ich könnte vermutlich morgen wieder… aber lassen wir das) und „Wieso sitzt du denn noch an der Cleanbench, ich dachte du schreibst zusammen?“ und dann musste ich ihn auch mal wieder arbeiten lassen. Hachseufz. Das hatte schon Gründe, weshalb ich damals, als ich mich da verabschiedet habe, Rotz und Wasser geheult habe. Vor allen. Und es war mir auch nur ein ganz klein bisschen peinlich und im Nachhinein gar nicht mehr.

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Ziemlich genau jetzt vor fünf Jahren ging ich ins Bett. Und in ca. 30 Minuten vor fünf Jahren platzte dort auch die Fruchtblase und das war nicht nur viel wegen hohem Stand, sondern auch noch dunkelgrün wegen Mekonium und keine Unterlage der Welt (auf denen ich ja schon seit Wochen schlief) hätte das aufsaugen können. Weshalb Herr Rabe auch schon am 1. Tag einen Abstecher nach Hause machte, um Laken, Matratzenschoner und meinen Thron aus Handtüchern, auf dem ich die Ankunft der Sanitäter erwartete, zu waschen. Dafür bin ich Herrn Rabe immernoch sehr dankbar.

Tag 792 – Knapp daneben…

Da war er also, der Tag, an dem ich endlich, endlich die Mikroskopbilder für den Artikel, der wohl nie eingereicht werden wird, fixen sollte. Alles passte jetzt: „die guten“ Deckgläschen, das richtige Mounting Medium, die Färbung hatte funktioniert und die Farbstofffreien Medien hatten den Background im roten Kanal auf quasi nichts reduziert. So schön.

Und dann kolonialisieren die Drecksproteine nicht mehr. What the actual fuck?!?

Bleibt die winzige Hoffnung, dass es einfach ne blöde Idee war, die Zellen doch nicht so sehr zu stressen, damit sie nicht wie frittiert aussehen. Zellen, die auf Oberflächen wachsen, sollten nicht aussehen wie Hackbällchen, der Chef wünschte sich etwas gesündere Zellen. Vielleicht ist es ein Dosis-Effekt. Darum könnten wir herumargumentieren. Aber, Alter, hätte das nicht einfach mal klappen können? Ich wollte doch nicht meinen Kollegen drölfzig Zelllinien hinterlassen, jetzt muss ich die aber alle aufbewahren, falls ich nochmal neue aufsetzen muss. Für Bilder. Die ja einfach hätten klappen können, bittedanke.

Hrmpf.

(Bestellte Antikörper auch noch nicht da. Die Zeit rennt. Mir davon.)

Tag 791 – Wochenende schon wieder um.

Feststellungen:

  • Pippi will am Wochenende partout keinen Mittagsschlaf machen. Es hat auch keinen Zweck, sie hinzulegen, sich mit ihr hinzulegen, sie in den Kinderwagen oder die Kraxe zu packen oder oder oder. Bringt alles absolut gar nichts. Sie schläft nicht. Dafür kippt sie zwischen vier und fünf dann einfach wo sie grade geht und steht um und pennt ein. Was natürlich auch irgendwie blöd ist, weil sie dann nach nem Nickerchen genug Energie hat, um bis neun herumzuspringen oder aber – wenn wir sie einfach schlafen lassen – sie ist um drei Uhr nachts ausgeschlafen. Alles Murks. Aber nur ne Phase.
  • Manche Dinge erledigen sich quasi von selbst. Zum Beispiel waren beide „soll ich, soll ich nicht?“-Produkte von The Ordinary grade out of stock. Rest ist bestellt und ich bin sehr (!) gespannt. Und werde berichten. Vielleicht dürfen Sie dabei sein, wenn ich zum ersten Mal in meinem Leben Foundation* auftrage. Das dürfte lustig werden.
  • Ich brauche dringend eine andere Lösung für die Lagerung meines Schminkkrams. Jetzt fliegt alles mehr oder weniger lose in einer Schublade herum, die platzt bald und überhaupt ist das einfach unübersichtlich und blöd.
  • Fünf Stunden Schlaf sind zu wenig.
  • Am Wochenende arbeiten macht echt gar keinen Spaß, vor allem nicht, wenn man alleine im Labor ist und es aus unerfindlichen Gründen verbrannt riecht**.

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* Hieß „Foundation“ früher™ „Make Up“? Dann habe ich gestern meine letzte „Foundation“ wegen riecht komisch und trug sich auch sehr seltsam weggeworfen. Und dann habe ich das natürlich früher™ sehr wohl benutzt. Manchmal und stümperhaft. Könnte also trotzdem lustig werden. Vor allem, weil ich meine Hautfarbe nicht so wirklich gut weiß, das Ergebnis könnte also vielleicht Schweinchen Babe sein oder aber Raucherhaushaltrauhfaser.

** bestimmt nur ein Kamin, der irgendwo an war und die Lüftung hat dann den Geruch reingepustet. Bestimmt!

Tag 787 – Schnipsel.

Die Unterstützung von Ihnen allen überwältigt mich. Aber in gut. Danke. Wirklich, ich kann nicht ausdrücken, wie dankbar ich dafür bin!

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Tiefenentspannt zwei weitere Bewerbungen geschrieben. Eine, auf die ich viel Gedanken verwendet habe, und dann noch eine, die ans selbe Unternehmen geht, für eine zu 80% identische Stelle, weil ich grad so drin war. Habe konsequenterweise auch nur die 20 nicht identischen % im Text geändert und freimütig reingeschrieben, dass ich das so gemacht habe. Sie wollen Effizienz, sie kriegen Effizienz. Mal sehen, vielleicht hätte ich auch beide Bewerbungen genauso gut anzünden können, vielleicht auch nicht, trallala.

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Die Fischleute wollen jemanden, der ein HMS-Zertifikat hat. Das habe ich nicht, das zu erwerben setzt auch 40 Stunden „Unterricht“

voraus. Da habe ich grade leider keine Zeit für, ich baue einfach mal drauf, dass das herausgefunden zu haben, schon meine Motivation zeigt, diesen Zertifikatlosen Zustand ändern zu wollen und dass ich das dann mache, wenn die mich angestellt haben.

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Related: ich kriege nur ein polizeiliches Führungszeugnis (brauche ich auch, weil Pharma), wenn die Firma mir bestätigt, dass ich das wegen denen brauche. Kompliziert. Würde aber eh auch zwei Wochen dauern, ist also zu spät, tjanun.

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Auch related: mein Chef hat mir einen sehr schönen Empfehlungsbrief verfasst – und sich voll einen abgebrochen auf Norwegisch. Ich bin nämlich seit 13 (!!!) Jahren die erste, die mal wieder einen auf Norwegisch haben wollte.

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Versucht, meine Ex-Chefs zu erreichen, meine einzigen potentiellen außeruniversitären Referenzen, Juchhe. Keinen erreicht, aber es ist ja auch ein Tag nach dem Feiertag, fiel mir dann ein. (Ich hab sogar im Labor angerufen, die Telefonnummer kommt bei mir auch nach wie vor direkt aus dem Rückenmark, aber auch da ging keiner ran. Arbeitet da keiner? Tztztz. Morgen dann neuer Versuch, und dann rufe ich auch die Sekretärin und im Technikum und zur Not auch noch im Reinraum an, kann ja nicht sein, dass da NIEMAND arbeitet!)

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Morgen gehen wir mit der Arbeitsgruppe essen, und ich weiß nicht wieso. Eventuell wurde ich auch nur eingeladen, weil ich zufällig dabei stand, als der Chef die Core Facility (Chef leitet die und die meisten meiner direkten Kollegen arbeiten da) einlud.

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Übermorgen dann eine Disputation, über, tadaaa, das bitch-Protein. Die Kandidatin ist im 9. Monat schwanger und wird nach der Defense auf ihr Nord-Trønderskes Dorf zurück ziehen und da mit ihrem Mann den Bauernhof versorgen und nach der Babyzeit dann Lehrerin werden. Ist halt auch ein Lebensentwurf von unzähligen möglichen.

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Trøtt og lei (müde und es leid) galore. Mag nicht mehr Labor machen. Horde Zellkulturen (zur Zeit: 17, in 4 verschiedenen Medien) und werde vermutlich am Wochenende und Anfang nächster Woche wie bekloppt meine letzten (Zell-)Versuche durchkloppen. Die Westerns habe ich wegdelegiert (höhö, hallo Führungserfahrung), fehlen noch Lokalisierungen, also Mikroskopzeug, das kann ich ja jetzt. Plus halt das Nukleinsäure-Gedöns aus den ca. 50 Pellets isolieren, die ich nach den Zellversuchen haben werde. Dabei auch noch ne Studentin (Führung!) anleiten, damit die dann die 108 (!!!) Pellets für einen Kollaborator (Teamarbeit! Interdisziplinäres Trallafitti!) bearbeiten kann, weil, hahaha, wann soll ich das denn machen?

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Wie immer alle gucken, wenn ich sage: ich schreibe dann das dritte Manuskript über irgendwas, was eben bei den Versuchen rauskommt, ich habe dafür ca. 3 Wochen. Als wäre das ein komplett hirnrissiger Plan. Äh. Ich stelle mir das eher so vor, wie einen (sehr viel besser belegten und anders geschriebenen und überhaupt ganz anderen) Praktikumsbericht.

Weil ich ja einfach das da rein klatschen werde, was da ist an Ergebnissen. Das wird schon irgendwas sein, und selbst wenn ich bei 4 Proteinen in 3 Nukleinsäurespezies gar keine Unterschiede sehe (Spoiler: hahaha. Mindestens bei 3 Proteinen sehe ich sehr große Unterschiede, das weiß ich schon, weil ich das schon drölfzig mal gemacht habe) ist das immernoch ein Ergebnis: die Einzelkomponenten des Komplexes haben halt keinen Einfluss auf die Prozessierung von chemisch eingebrachten Nukleinsäuremodifikationen. Zackbumm. Nicht schön, muss es aber ja auch nicht sein.

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Am Ende des Tunnels ist mindestens ne Kerze.

Tag 786 – Sitzt ne Frau und trinkt Kaffee…

und beschwert sich über das Bewerbungen schreiben, auf die man nie irgendeine Rückmeldung erhält, da klingelt das Telefon.

„Ja, R. Rabe?“

„Ja, hier K. von den Fischleuten*, hast du 10 Minuten Zeit?“

„Ja, kein Problem.“

„Ich hab deine Bewerbung angesehen und wir möchten dich gerne zu einem Interview einladen.“

„Oh!“

„Ja, würde es nächsten Freitag passen?“

„Ja klar, äh, diesen [norwegisch: førstkommende] Freitag oder nächste Woche [norwegisch: neste] Freitag?“

„Haha, nein, nächste Woche. Am 13. Haha, ich hoffe du bist nicht abergläubisch!“

„Haha, nein, Freitag der 13. passt gut**.“

„Gut, möchtest du hier her kommen, oder lieber per Video?“

„Ich kann auch gerne nach Oslo kommen, das ist kein Problem.“

„Gut, dann sagen wir 14:30 Uhr? Dann machen wir eine Laborführung und du lernst die Abteilungsleiter der Forschungsbereiche kennen und dann machen wir das Interview?“

„Ja, das klingt super! Da freue ich mich drauf!“

„Ja, wir uns auch! Dann bis nächsten Freitag!“

(Natürlich ging mir hinterher auf, dass um Reisekostenerstattung bitten vermutlich schlau gewesen wäre, aber tjanun. EGAL! Stößchen!)

*die machen Medikamente und Impfstoffe für die Fischzuchtindustrie

**der Kindergarten hat eh zu und ich Urlaub, Michel hat vorher Geburtstag und sich gewünscht, dass wir wegfahren (eigentlich auf Zelttour) und Herr Rabe wollte sich eh freinehmen… so besuchen wir unsere Osloer Freunde und das ist doch auch sehr sehr schön!

Tag 785 – Nix zu sagen.

Ach, war halt alles wie immer, ne? Hirnarbeit schlaucht ziemlich.

Guten Text gelesen über „Seinen Doktor machen“, der ist aber auf Norwegisch. Aber ein paar von Ihnen können das ja vielleicht. Also Å fullføre en doktorgrad. (Anmerkung: dieses „ohne Geld weiterarbeiten“… it‘s a thing. Ich frage mich wirklich, wie die das alle machen. Haben die solche Unsummen an Erspartem? Oder nehmen die dafür Kredite auf, in der Annahme dass ja nach der Promotion das große Geld wartet? Mein Erspartes reicht für drei Monate Leben hier ODER einen Umzug quer durch Europa.)

Hier noch nachgereicht ein Bild vom neuen Kleid:

Tag 781 – Wie jeder andere.

Im Moment ist eine gewisse Eintönigkeit zu verzeichnen:

  • Aufstehen, meist zu spät
  • Schminken, meist bunt (yeah!)
  • Kinder in die KiTa bringen
  • Arbeit, Arbeit, Arbeit
  • Nach Hause fahren, meist spät
  • Kinder, Küche, Essen, Zähneputzen, Vorlesen
  • Bewerbungen schreiben (oder Ersatztätigkeit zu Ablenkungszwecken)
  • Bloggen
  • Buch
  • Bett

Und so war das heute auch.

Bemerkenswert vielleicht: ich sehe sowas wie ein Licht am Ende der Laborarbeit, ich schreibe sympathisch-authentische Bewerbungen (und muss nicht die ganze Zeit innerlich brechen, weil das alles so ekelhaft verlogen ist), Pippi hat beim Abendessen unglaublich niedlich gesungen, Michel ist auf meinem Schoß eingeschlafen und wird hoffentlich, hoffentlich nicht doch noch richtig krank.

Tag 778 – Cliffhanger.

Nachdem ich nahezu dazu genötigt wurde, habe ich ein weiteres Bjuti-Video gemacht. Jetzt ist aber das Internet hier so enervierend langsam (zumal Herr Rabe noch arbeitet und auch ein bisschen Upload-Kapazität braucht), dass das wohl bis morgen warten muss, bevor es auf „sehen nur Leute, die den Link haben“ gestellt wird. Ich kann ja schon mal so viel sagen, dass meine Haare jetzt seidig weich sind und meine Haut sehr rein ist. So als Teaser.

Rest des Tages… war. Immernoch alles sehr Jobsuche-zentriert hier und sehr, sehr komische Ergebnisse bei der Arbeit, ich denke da einfach nicht weiter drüber nach, sonst liegen die Nerven direkt wieder blank. Den Versuch mit den komischen Ergebnissen werde ich jedenfalls noch mal wiederholen, und zwar blind, um Fehlerquellen durch Bias auf meiner Seite zu minimieren. Ich weiß noch nicht, wie ichs mache, vermutlich werde ich einfach die Platten mit den Zellen drauf meiner Kollegin geben und die soll die randomisieren (die Filzmarker kriegt man ja mit Ethanol gut weg, oder sonst halt neue Deckel nehmen) und mir erst nach der kompletten Analytik sagen, was was war. Wenn wieder das gleiche rauskommt, kann ich demnächst sehr viele Paper debunken, das gewinnt mir zwar keinen akademischen Blumentopf, aber ist ja auch wurscht.

Dann Kinderschuhe sortiert, die Kinder mehr (Michel) oder weniger (Pippi) gezwungen, Wintersachen anzuprobieren, damit wir im Zweifel noch Nachschub besorgen können. Alles passt noch, aber „Der Anzug ist doof, Mama, den ziehe ich nicht an.“. Tjanun, wir werden sehen, als Ersatz wenn der andere nass oder allzu dreckig ist, werden wir den „doofen“ Anzug jedenfalls behalten.

Jetzt Bett. Ist nötig. Sehen Sie morgen dann mein seidiges Haar! (Und vielleicht* habe ich ganz viele tolle neue Lidschatten bestellt und freue mir schon nen Ast, Ihnen die zu zeigen!)

*ganz sicher

Tag 775 – Erleichterung.

Vielleicht liegt es an den zwei Gläsern Wein. Wahrscheinlich aber nicht, denn wenn es mir so schlecht gehen würde, wie gestern, hätte ich nichts getrunken, da bin ich ja sehr eigen und trinke nichts, wenn ich deprimiert bin. Dass ich also Lust auf ein Bier oder ein Glas Wein hatte, ist schon ein sehr gutes Zeichen. Ich denke, meine heute sehr viel bessere (im Sinne von: gelassenere, egalere, zuversichtlichere und vor allem weniger selbsthassende) Laune hatte in erster Line tatsächlich mit dem unglaublich lieben Paket aus dem Internet zu tun, das ich gestern bekommen habe. Dass sich da einige Frauen zusammengetan haben um mir lauter kleine Mutmacher und schöne Dinge* zu schicken, macht mich immernoch ganz verlegen und selig und überhaupt, da stecken so viele Gedanken drin, ich war und bin überwältigt. Danke, ihr.

Auch eine große Erleichterung war, dass ich heute eine Bewerbung weggeschickt habe, die mich gestern buchstäblich den letzten Nerv gekostet hat (und jetzt hat mein ultimativer „Bilder für den Artikel“-Zettel leider Tränenflecken). Gestern war es wirklich so schlimm, dass nichts mehr ging. Aber auch da: Hilfe von anderen (ihr wisst, wer ihr seid!) fühlt sich im ersten Moment dann komisch an, dann aber genau richtig. Nach dem erneuten Lesen dieser… Anregungen habe ich mich heute dann sogar getraut, bei der entsprechenden Stelle anzurufen und hatte ein sehr nettes Gespräch und danach ging das Bewerben (wieder unter Zuhilfenahme der Anregungen) schon viel besser. Dann noch halbwegs okaye Ergebnisse am Mikroskop (hui, was das ausmacht, anständiges Medium zu benutzen! Ich hab im roten Kanal sonst kaum was gesehen, jetzt mit gutem, nicht-roten Medium habe ich schon auf unserem nicht ganz so tollen Mikroskop so schicke Bilder, dass ich mich richtig auf ein Date mit dem tollen Core-Facility-Mikroskop freue) und eine heiße Dusche am Abend, schon fühle ich mich zwar noch nicht wie ein neuer Mensch aber immerhin wie ein Mensch und nicht wie was, was man normalerweise versuchen würde mit einem Stöckchen aus dem Schuhprofil zu prökeln.

Vielleicht liegts aber auch daran, dass ich mir endlich die Fingernägel gefeilt hab und jetzt auf dem Handy wieder tippen kann.

Jedenfalls ein Lichtblick im Grau.

Und morgen ein Date mit der Nähmaschine. Michel möchte eine gelbe Jogginghose.

Tag 771 – Bekymring Deluxe.

Ich möchte eigentlich nicht darüber reden aber ich habe mir grade mit Ansage den Abend versaut, indem ich nach Stellen gesucht habe. Es ist mehr als zum Heulen. Naja, vielleicht wird ja das worauf ich mich gestern beworben habe was. Nein, nicht die ehrliche Bewerbung, die war nur zum Abreagieren, neinein, ich habe mich ein paar Kilometer aus meiner Komfortzone herausgegeben und mich auf eine Forscher*Innenstelle beim Legemiddelverket (das ist… kompliziert, eine Mischung aus Zulassungsbehörde und der Instanz bei der Krankenkasse, die festlegt, welche Medikamente und Behandlungen bei welcher Indikation zu welchem Anteil übernommen werden. Nur gibt es ja hier so einen Schmarrn mit drölfzig Krankenkassen nicht, sondern es gibt eben eine für alle. Und die ist staatlich, deshalb ist das Legemiddelverket auch eine Behörde) beworben. Auf norwegisch, juppheidi, weil das gefordert wurde, dass man fließend norwegisch kann und weil ich mir dachte, dass nichts schneller auffliegt, als dass ich das doch gar nicht so gut kann, habe ich auch keinen Muttersprachler Korrektur lesen lassen. No risk no fun.

Falls die Diss mich nicht den letzten Nerv kostet, dann in jedem Fall die Jobsuche.