Tag 718 – Allein Daheim Tag 4. 

Es geht mir sehr gut. Ich arbeite viel, aber in meinem Tempo, hier ist es sauber und ordentlich, ich muss kein schlechtes Gewissen haben, wenn ich erst spät nach Hause komme. Die Sonne scheint, ich kann jeden Tag zu Fuß gehen, die Blasen an meinen Füßen heilen auch langsam. Ich gucke Fernsehen, alles nötige (und ein bisschen mehr) ist fertig geölt, das Öl ist jetzt auch fast leer. Ich esse einen Haufen getrocknete Tomaten zu allem und wenn das nicht reicht*, kippe ich noch selbstgemachten Ketchup drüber. Außerdem esse ich einen Haufen Erdbeeren. Heute habe ich drei Kilo gekauft, um nochmal Marmelade zu kochen. Außerdem habe ich heute die Anmerkungen vom Chef in die Diss fertig eingearbeitet und die Abschnitte, bei denen noch Referenzen fehlten, mit diesen gefüllt. Damit bin ich jetzt – soweit – fertig, es fehlen noch Tabellen, Abbildungen und ein wenig Prosa. Ich habe auch bei jemandem nochmal angerufen, dessen Firma ich gestern eine Bewerbung geschickt habe, nur um zu sagen, dass die Bewerbung da sein müsste und hoffentlich bald auf seinem Tisch landen wird. „It’s good that you follow up!“. 

Verstehen Sie mich nicht falsch. Ich freue mich sehr darauf, dass Herr Rabe und die Kinder bald wieder da sind. Ich vermisse sie auch wirklich doll. Als wir heute telefoniert haben, hatte ich das Gefühl, Pippi spricht plötzlich viel mehr und ich verpasse alles. Und als sich Michel dann wehtat, wollte ich so gerne was tun können. Aber nichtsdestotrotz genieße ich gerade die Zeit alleine auch in vollen Zügen. Ich überlege sogar, ob ich morgen Abend einfach so alleine ein Bier trinken gehe. Weil ich’s kann.

 Dochdoch. Es ist schon alles in Ordnung so. 

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*Heißhunger auf Tomaten, ist doch bestimmt irgendein Mangel. Vitamin K? Ist aber eigentlich auch egal. 

Tag 697 – Und… abgeschickt!

Ich habe meinen Chef soeben zu meinem Dokument eingeladen, ihm das pdf mit der Einleitung geschickt und ganz fix eine Präsentation zurechtgebastelt und jetzt bin ich erstmal reichlich fertig. ABER ICH BIN FERTIG! (Ich bin da vielleicht übermäßig euphorisch, aber egaaaaaal, ich bin fertig, ich habe eine fast fertige Einleitung zu meiner Dissertation in nicht mal drei Wochen geschrieben, Jaaaaaaaaaaaaaaaaaaa!)

Bildschirmfoto 2017-07-06 um 22.33.06

Tag 695.2 – Was ich eigentlich sagen wollte. 

Es wird alles. Bestimmt wird es das. Ich kann das Ende schon sehen, zwar noch nicht greifen, aber immerhin. 

Nebenher mache ich übrigens noch ein Experiment. Es muss ja noch ein drittes Paper her, ne? Alternativ müsste ich ein Review schreiben, aber, hui, das ist viel Arbeit und muss zumindest eingereicht sein, um als Bestandteil der Diss anerkannt zu werden. Also da nur irgendwas hinklatschen geht auch nicht. Lieber Minipaper aus jetzt hastig zusammengekochten Versuchen bauen. Mithilfe der nicht mehr traurigen Masterstudentin, die aber auch „nur“ nachmittags und am Wochenende kann. 

Und dann kommt der Mann um die Ecke und plötzlich macht man halbe Zukunftspläne. Aber wenn ich da jetzt auch noch zu viel drüber nachdenke, platzt demnächst mein Kopf* und die ganze Gedankensuppe klebt dann an den Wänden. Unschön stelle ich mir das vor. 

Also denke ich da einfach *nicht* weiter drüber nach, stecke meine Finger in die Ohren und singe schubidu. Und schreibe Zeug über N1-methyladenine in mRNA, das geht schnell, da gibt es nämlich bisher nur eine Veröffentlichung zu. Und dann Schlaf. 

*zusätzlich dazu, dass ich mir vermutlich grad mein halbes Genom wegen Stress kaputtmethyliere. R. Rabe, 32, Epigenetophobikerin

Tag 694 – Meine (total objektiven) Top Fünf der schrecklichsten Paper.

Nachdem jetzt über 200 wissenschaftliche Artikel (cooler Wissenschaftlerinnenslang: Paper) in meiner App sind, und ich davon auch die Hälfte ca. tatsächlich gelesen und die andere Hälfte zumindest angelesen habe, muss ich es doch mal langsam loswerden:

Es gibt echt furchtbare Paper.

Platz 5: So kompliziert, dass ich es auch beim dritten mal lesen nicht begreife. Meistens ist sowas im Journal „Cell Science and Nature“ und nach drölfzig Review-Runden dermaßen experimentell ausgeufert und gleichzeitig platzmäßig eingedampft, dass man ohne abgeschlossene Habilitation in *genau dem* Fachuntersubnischengebiet nichts mehr kapiert. Wird aber zitiert wie verrückt, weil ja quasi auch die Lösung auf die Frage nach dem Leben, dem Universum und dem ganzen Rest drin steht. Bestimmt. Irgendwo.

Platz 4: Arschlangweilig. Autor*In fängt bei Adam und Eva (oder dem Urknall, nach Gusto) an. Nach einer halben Seite fallen mir die Augen zu. Nach einer Seite lege ich es weg. Wenn der Schluss gut war, werde ich es nie erfahren.

Platz 3: „Wir haben leider keine Frau(TM) gefunden, die was zum Thema sagen wollte.“ Ohne Witz. Deutsche Forschergruppe. Zwanzig Namen. Eine Frau. EINE?!? (Und da geht’s nicht um Kernphysik oder so, sondern um *Trommelwirbel* Ernährung. Das Paper ist auch nicht von 1965, sondern von 2015. Und die Männer heißen zum Großteil sowas wie „Hermann“, „Erwin“ oder „Hans-Georg“.)

Platz 2: „Ich stelle nur Chines*Innen/Japaner*Innen/Inder*Innen ein.“ Zwanzig Namen auf dem Paper, einheitlich klingende Nationalität. Alle einer Universität irgendwo in den… wait, what?… USA! zugehörig. Leiter*In der Gruppe lebt, so ergibt kurzes stalken googeln, seit 25 Jahren dort. Genau wie Platz 3 macht das natürlich das Paper nicht inhaltlich schlechter (oder besser), aber mit bis zum Anschlag hochgezogener Augenbraue liest es sich so schlecht.

Platz 1: Der/Die emeritierte Professor*In schreibt über sein/ihr Lebenswerk. Das ganze Ding trieft vor Selbstverliebtheit. Andere Gruppen, deren Irrtümer, Irrwege und Irrelevanz werden gnadenlos durch den Kakao gezogen. Eigene Verfehlungen werden unter den Tisch gekehrt. Selbstbeweihräucherung bis mir nach ca. einer Seite davon schlecht ist und ich das Ding angewidert in den Papierkorb pfeffere aus meiner App lösche.
Es gibt natürlich auch gute Paper. Es gibt auch sehr gute Paper und dann gibt es noch die Kategorie, an die ich in meiner App kleine Herzchen male.

Tag 691 – Stresslevel: kurz vor Schilddrüse. 

Mein Akku ist tiefentladen. Ich schreie schon wieder dauernd die Kinder an, am See sitze ich weil alle meinen, ich müsste mich entspannen, ich entspanne aber nicht, ich sitze da und hasse es, nicht arbeiten zu können, aber ich kann auch nicht mehr schreiben. Alles was ich geschrieben habe kommt mir grad sehr überflüssig und blöd und unverständlich vor. Auf und ab und so, grade ist ab. Ich brauche mal ne Pause und die nehme ich mir jetzt, ich gehe jetzt nämlich ins Bett. Obwohl draußen noch 25 Grad sind und der Sommer morgen schon wieder vorbei sein soll. Egal. Meine Kinder verdienen eine Mutter, die nicht bei jedem bisschen sofort austickt und losbrüllt. 

Tag 690 – Schnarch.

Ich bin so müde, ich kann einfach nicht weiter arbeiten. Und auch hier schreiben mag ich jetzt nicht mehr.

Falls Sie aber zu der Sorte gehören, die mit solchen Informationen gut umgehen können: ich habe vor, äh, über drei Jahren (das Datum im Titel stimmt nicht ;) ) mal was* (*totales Understatement) geschrieben über Krebs und späte Metastasen. Bat biwähr: itz in Inglisch.

Und hier ist der Link, ich hoffe es funktioniert.

Tag 686 – I will survive.

Vermutlich ist diese auf-und-ab der Gefühlslage auch völlig normal. So wie alles. Heute jedenfalls war ein guter Tag, ich habe den Abschnitt über Alkylierungen durch Medikamente, Umweltgifte (Tabak!) und so weiter fertig, auch die hundertundeinen Reperaturmechanismen sind beschrieben, ab morgen geht es richtig los mit Epigenetik und dem ganzen Zeug und, ja, ich freu mich schon drauf. Epitranscriptomics, was ich dann danach schreiben werde, ist ein wirklich total spannendes Thema und ich gestehe ja auch gerne, Epigenetik ist schon auch cool. Auch wenn man auch da wieder eigentlich nicht ganz so genau wissen will, wie leicht (oder schwer) man sich mal eben epigenetisch irgendwo ein Gen stillgelegt hat. Aber so aus einem reich biochemischen Blickwinkel ist das alles ziemlich cool und in jedem Fall interessanter, als welche base wo warum von N-nitrosaminen alkyliert wird. Oder von Chemotherapeutika. Und wie und warum die Zellen dann gegen die Chemotherapeutika resistent werden*.

Jetzt werde ich jedenfalls noch mal ein oder zwei Reviews überfliegen und dann hoffentlich mal eine Nacht etwas mehr Schlaf bekommen als in den letzten. Und hoffentlich, hoffentlich bleiben die Kinder auch mal in ihren Betten, das wäre sehr wünschenswert. 

(P.S. Wer war das mit dem Tipp mit den Augentropfen? Der Tipp und die Tropfen sind echt Gold wert! Gut, in Anbetracht des Preises könnte man letzteres echt meinen** und beim Bezahlen kamen mir – einer Wunderheilung der trockenen Augen gleichkommend – fast die Tränen, aber wenigstens kann ich abends noch ein bisschen was sehen und ich sehe auch nicht ganz so Zombiemäßig aus, wie ich mich fühle. Also vielen Dank für den Tipp!)

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*Das passiert bei manchen Krebsarten häufiger, bei anderen seltener, aber insgesamt ist’s schon so, dass die meisten schwerwiegenden Krebserkrankungen gegen die Behandlung irgendwann immun werden und das gehört zum Beispiel zu den Sachen, die ich lieber nicht wüsste.

**Medikamente sind hier einfach unfassbar teuer. Und Süßigkeiten hat auch: heute kaufte ich zwei 0,5 L-Becher Eis und bezahlte dafür 120 NOK. Seufz. Aber dafür habe ich jetzt einen Liter Eis!

Tag 685 – Knappe zehn Seiten.

Fast zehn Seiten habe ich jetzt. Nur Text und Anmerkungen „hier muss ein Bild hin“ und „hier eine Tabelle“. Ca. 100 Referenzen. Das größte Kapitel ist fast abgeschlossen, nur noch ein bisschen die bypass-Mechanismen aufschreiben (4 Mechanismen, maximal 8 Sätze) und an einer Stelle muss ich nochmal ran, das gefällt mir so noch nicht, da muss ein Teilaspekt rausgearbeitet werden und dafür andere Teile glaube ich raus. Aber das ist ja kein Problem in LaTeX, wird halt einfach auskommentiert und gut ist, ist ja trotzdem noch da, wenn der Chef dann meckern sollte.

Apropos Chef: der hat sich heute endlich aus seinem Urlaub gemeldet. Ich soll den Antrag für die „Aufstockung“ der Forschungsgelder selbst schreiben und dann „signiert“ er das (will ich sehen, wie er ein online-Dings signiert, aber egal). 

In den letzten Tagen viel Meta-Zeug über wissenschaftliche Veröffentlichungen gelernt, aber das ist ein Thema für einen eigenen Post, wenn es mal noch nicht ganz so spät ist.

Tag 683 – Dies und das und Kinderquatsch. 

Geweckt worden von Pippi, die mir die norwegische Version von „Old MacDonald had a farm“ („Per Olsen har en bondegård“) vorsang. Das war schon recht putzig, wenn auch, für meinen Wochenendgeschmack, mit halb sieben viel zu früh. Aber niedlich. „Mømømøøø, mømømøøø, hiieja hiieja ho!“.  Michel war dann auch gleich wach und wollte aufstehen, dann war Pippi natürlich Feuer und Flamme „augeeehn!“ und wir standen auf. Herr Rabe noch nicht, der hätte dafür nächtliche Bananenfütterungen übernommen. 

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Ich bin komplett im Arbeitsmodus und schaffe es kaum, abzuschalten. Beispiel? Heute morgen im Halbschlaf fiel mir irgendwann ein, dass „Processing of alkylated bases in mRNA – facts and uncertainties“* doch ein schönes Thema für einen Review-Artikel wäre. Den ich schreiben könnte. Als drittes Manuskript. 

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Michel hat heute Mittag so langweilig mit seinem TipToi-Buch gespielt, dass Pippi dabei eingeschlafen ist. Und danach hat er -während Pippi schlief – noch ne Stunde damit weiter gespielt. Leise. Und alleine. Beste Kinder. 

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Michel hat letztens meine (uralten) Stoffmalstifte gefunden. Heute schleppte er dann ein T-Shirt an und bat darum, dass ich ein „richtiges Fußball-T-Shirt“ daraus mache. Er ist im Moment auf eine lustige Art Fußballbegeistert. Ich glaube nicht, dass er gerne Fußball spielt, auch nicht, dass er gerne dabei zusieht, aber er ist gerne Fan. Er singt dauernd das „Rosenborg“-Lied und will halt Fußballmäßig angezogen sein. Wir sollen deshalb auch ständig seine weißen Socken waschen. Das eine Paar. Aber nun gut, ich fragte also, was auf das T-Shirt soll. Eine Nummer, die 4. Und sein Name, klar. Und dann eine Flagge. Die von Schweden, ach nee, doch die norwegische**. Und dann noch die von Bielefeld. Und auf dem Ärmel „so Streifen“, die hat er dann aber selbst gemalt. 

Hinten.


Und dann noch die Vorderseite. Michel fragte mich, was denn noch so auf „richtigen Fußball-T-Shirts“ sei, mir fiel aber nur „Hmm, Werbung.“ ein. Also kam Werbung drauf. 

Vorne.


Michel ist jedenfalls sehr zufrieden. 

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Danach ist alles irgendwie eskaliert und das hier war das Ergebnis: 

 

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Herr Rabe, der beste Mann der Welt, hat dann am späten Nachmittag die Kinder mit zum Einkaufen genommen und ich habe in der Zeit ein bisschen was runtergeschrieben***. Das Feintuning und das „zu jedem Nebensatz drei Referenzen raussuchen“ dann später, aber wenn ich das on the fly mache, komme ich in keinen Schreib-Flow. Aber immerhin, eine Dreiviertel Seite in anderthalb Stunden ist eher so das, was ich anpeilen würde. 

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Darf ich mir was von Frau Brüllen wünschen? Ich hätte gerne das Foto von dem Hefewaffelrezept mal in scharf. Zwinker, Zwinker. 

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Ab ins Bett. Morgen MGMT, und ich meine nicht die Elektropopband. 

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*“Processing“ wäre voll gut, dann hätte man nämlich decay und repair mit drin. Und dann müsste es nicht mal unbedingt ein Review sein, man könnte auch mit wirklich einfachen, schnell gemachten Versuchen ein paar hübsche Daten selbst generieren. Bzw. hab ich ein paar davon schon. Harrharr. (Größenwahn, ick hör dir trapsen.)

**im ersten Anlauf habe ich die Flagge von Island gemalt. Shit happens. (Sowas ist übrigens der Grund, weshalb ich eigentlich immer alles erstmal google. Sonst geht’s nämlich oft genug in die Hose.)

***es gibt dafür jetzt ein neues Wort: hubschraubern. Es entstand aus einem Tippfehler, aber das ist ja eigentlich egal. Es bezeichnet das „über dem Thema schweben, alles im Blick behaltend, ohne zu sehr ins Detail zu gehen“. Sie dürfen sich das gerne leihen, ich möchte das verbreiten.