Tag 323 – Blfffftttt

Verrückter Arbeitstag, fing an mit Gesprächen mit den Bioinformatikern wegen Sequenzieren und so und da nicht komplett ahnungslos zu wirken war schon nicht so einfach. Dann „mal eben“ das noch nie gemachte und maximal schlampig geplante Experiment durchgezogen, inklusive selbst ausgedachtem Elutionsschritt und allem. Ahhhhhh, ein Spaß. Zwischendurch zwei Stunden Inkubation (also: Warten), da in die Stadt geradelt, Herrn Rabe getroffen, Pippi übernommen, sie durch die Stadt geschoben, damit er Michels Bett abholen und nach Hause bringen kann. In der Stadt kurzerhand Kaufrausch und direkt zwei Kleider und ein Paar Ohrringe gekauft. Die Kleider: 150 und 100 NOK, Da ist mir auch recht, dass ich bei dem einen eventuell unter der Brust etwas enger machen muss. Aber enger geht ja bekanntlich besser als weiter, also das schaff ich schon. Egal, zurück zum Thema, dann jedenfalls wieder zurück zur Arbeit, mit Weckerpiepen ins Labor gestolpert, alles fertig gemacht bis halb sechs. Proben in die SpeedVac (für Menschen, die nicht so Ahnung vom Labor haben: das ist eine Zentrifuge mit Absaugfunktion zum Sachen trocknen) und ab dafür. Noch schnelles Briefing wegen Urlaubsvertretungszellkulturpflege, da fiel tatsächlich das Wort „DEIN Projekt“ über das Projekt, das nicht meins ist, aber für das ich grade sehr viel mache, ich dachte nur Aha, so schnell kommt man zu einem neuen Projekt. Nach Hause, Kinder, Familie, Mann, Essen, runter kommen beim Schnecken beobachten. 

Echt total gut zum Entspannen.


Michel ins Bett gebracht, Pippi ins Bett  gebracht, wieder ins Labor, die Proben aus der SpeedVac holen. Noch schnell Bananen für Pippi und Eis für uns besorgt und nach Hause. Da Email an die geschrieben, die morgen (am letzten Tag vor ihrem Urlaub) noch die Proben untersuchen soll. 

Jetzt: Bett. Uffz. Morgen noch. Dann sind alle weg und ich kann machen, was ich will. 

Tag 322 – Da sind sie. 


Und sie leben auch alle, als wir nach Hause kamen von unserem Ausflug (wir kauften den Fahrradanhänger einer Kollegin von mir, blieben spontan zum Essen/Spielen/Eis…) dachten wir nämlich erst, sie wären ausgebüchst, dabei hatten sie sich nur unter den Gurkenscheiben versteckt. Ich freu mich sehr. Michel freut sich auch und ist total fasziniert und würde wohl am liebsten 24/7 Schnecken gucken: „Mama da guckt so bisschen raus! Guck ma, Mama, der da hinschwimmt! Der Gurke essen will elleicht!“.

Ach ja: Michels Bett wurde auch geliefert, dass muss jetzt nur noch vom Laden abgeholt werden. Und ich habe heute die kompletten Daten vom RNA-Versuch gesehen: es ist ein Traum. Echt jetzt. Ich muss mir da kurz ein bisschen auf die Schulter klopfen. Replikate top, Fehlerbalken winzig, und sogar das Ergebnis macht Sinn. Die Daten sind so gut, dass ich meinem Chef sogar heute gesagt habe, dass ich es sinnvoller fände, das von der Proteingeschichte abzuspalten und separat zu veröffentlichen. Das wird sonst nur unübersichtlich und weniger zitiert. Da kam ich mir sehr mutig vor. (Ab morgen hat er drei Wochen Urlaub, er fliegt nach Bali, da kann man schon mal mutiges Zeug vorschlagen vorher.)

Alles in allem ein sehr erfolgreicher Tag. 

Tag 317 – Mix. 

Ich habe jetzt Zugang zu einem der „Fahrradkäfige“ am Krankenhaus. Es kostete mich ein etwas weirdes Gespräch mit einem der Zugangskontrollentypen, in dessen (ausgesprochen kurzemund sachlichem) Verlauf er es schaffte, dreimal meinen Vornamen zu nennen. Ich finde sowas komisch. Aber das Fahrrad in so einem Ding abgestellt zu wissen, beruhigt ungemein. 


Wir haben seit heute Abend Besuch von unserer Osloer Freundin A. und ihrer Babytochter. Babys, die noch nicht mal drei Monate alt sind, sind sehr klein. Und sehr sehr niedlich. Pippi hat das Baby auch zweimal etwas verschämt angefasst und dann ganz schnell zu einem Erwachsenen geguckt, um zu überprüfen, ob wir gesehen haben, wie mutig sie ist. 

Nach dem Kindergarten waren Pippi, Michel und ich Zeug für die Schnecken kaufen. Und ein Fahrradschloss. Als wir zu Hause waren, nölte Michel erst ein wenig rum, wollte sich dann nicht die Hände waschen sondern legte sich stattdessen auf den Badezimmerfußboden und… schlief einfach ein. Herr Rabe packte ihn dann schlafend und mit ungewaschenen Händen in einen Schlafanzug und ins Bett. Und er schläft noch immer. 

Bei der Arbeit heute viel Lob für was bekommen. Also für was gearbeitetes. Und für den Kuchen. Aber „wow, this is awesome, look at those error bars“ ist mir im Arbeitskontext doch wichtiger als Kuchenlob. Obwohl der Kuchen auch einfach echt lecker war. 

Und weil ich das so supidupi gemacht hab, darf ich jetzt in der Zeit wo alle anderen Urlaub haben ein paar wichtige Dinge tun und das ist auch ganz schön. 

Dafür hat der Quatsch, den ich an meinem eigenen Projekt gemacht hab, einfach mal gar nicht geklappt. Wir bestellen jetzt ein neues Kit (und vielleicht hasse ich dieses Drecksprotein inzwischen gar sehr).

Die Schneckenfrau nervt mich etwas. Ich sollte alles was ich brauche schon vor dem Verschicken besorgen. Ich tat, wie mir geheißen. Jetzt will sie Fotos vom eingerichteten Terrarium* sehen. Ich überlege, ihr Fotos von Michel und Pippi zu schicken, damit sie sieht, dass ich mich durchaus um Lebenwesen kümmern kann. 

Das Ganze erinnert mich an die Geschichte, wie meine Ex-Kollegin mal Garnelen fürs Aquarium kaufen wollte. Der Verkäufer wollte genauestens wissen, was für ein Aquarium sie hat, mit welchen Pflanzen drin, welchen Fischen usw. Am Ende verlangte er von ihr, ihm zuerst Wasserproben aus dem Aquarium zu schicken, bevor er die Garnelen an sie verkaufen würde. Sie kaufte dann woanders welche. 

*aufgrund der noch nicht vorhandenen Größe der Babyriesenschnecken ist das erste Terrarium eine Plastikbox mit Deckel, in die ich noch Luftlöcher bohren muss. Das hat die Schneckenfrau mir so geraten und vermutlich ist das auch schlau so. 

Tag 291 – Dankbar. 

Es könnte alles so viel schlimmer sein. Manchmal muss man sich das vor Augen halten. 

Wir haben ein Dach über dem Kopf, wir haben es warm, wir haben zu Essen, wir haben Betten, in denen wir schlafen können. Wir haben Kleidung, sauberes Wasser, Seife, Waschmittel, Waschmaschine, Trockner, Spülmaschine. Wir haben Zugang zu Medikamenten und ärztlicher Versorgung, jederzeit. Wir haben ein Auto und altersgerechte Kindersitze. Wir können uns Benzin leisten. Wir können uns leisten, täglich warm zu duschen. Wir können uns eine gute Kinderbetreuung leisten und haben auch Plätze darin. 

Wir haben uns und uns lieb, nach wie vor. (Murch!)

Wir haben jeder einen Vollzeitjob. Und wir mögen unsere Jobs. Wir können in Elternzeit gehen, ohne um unsere Jobs zu fürchten oder extreme finanzielle Einbußen hinzunehmen. 

Vor allem haben wir zwei Kinder. Zwei Kinder, die (soweit die Eltern das beurteilen können) völlig normal sind. Mit normalem Kinder- bzw. Babyschlafverhalten, normaler Gesundheit, normal hohen Bedürfnissen. Natürlich außerordentlich hübsch und niedlich, das schon, aber in allem anderen herzerfrischender Durchschnitt. Michel zeichnet vielleicht noch nicht wie Michelangelo und kann auch weder Geige spielen noch chinesisch. Aber seine Trotzanfälle und Wutausbrüche halten sich im Rahmen, er hat bisher kaum Wände angemalt und noch nie absichtlich etwas kaputt gemacht. In seinem Kopf geht viel vor, aber er scheint gut zurechtzukommen in dieser verrückten Welt von heute. Von gelegentlichen Aussetzern mal abgesehen, die aber eben so rar sind, dass wir als Eltern noch gut damit umgehen können. Pippi möchte zwar nach wie vor nur in unserem Bett schlafen und stellt gerne Unsinn an, um die Welt zu erkunden (alles Ausräumen ist gerade ein großer Hit. Vor allem Mülleimer.) aber sie hat ein grundfreundliches Wesen, ist neugierig, spielt auch mal länger allein (mit dem Mülleimer) und hängt nicht mehr dauernd an einem von uns, solange sie weiß, das wir noch in der Nähe sind. Und sie nicht müde ist, denn zum Einschlafen fordert sie eben Körperkontakt ein. Aber auch das ist für uns ok, sie schreit nicht erst stundenlang, sie wacht auch nicht ständig auf und schreit dann wieder, meist nuckelt sie bloß ein paar Sekunden und schläft dann wieder fester ein. So kriegen wir alle nahezu genug Schlaf. 

Das könnte alles ganz anders sein. Ist es aber nicht und da haben wir doch sehr sehr großes Glück gehabt, wie ich finde. 

Tag 283 – Käsetag. 

Heute gab es Frühstück. Mehr positives lässt sich über meinen Arbeitstag kaum sagen. Erst ne halbe Stunde Rumgerenne und tausend Meinungen einholen um dann doch zu beschließen, dass wirs genau so machen wie immer (nicht ich, ich bin 1. experimentierfreudig und 2. hab ich das noch nie gemacht, es gibt also bei mir noch kein „wie immer“). Aber egal, immerhin gab es am Ende einen Beschluss. Leider ging es danach noch weiter: Ich habe ein neues Kit und die Anleitung liest sich so „add dies und das, spin for 15 seconds, fertig“. Also, zumindest so ähnlich. Am Ende war es eine elendige Friemelei mit kleinen Säulchen, die in kleinen Röhrchen stecken und die man da dauernd rein- und rausbasteln muss, drölfzig Waschschritte, alles peinlich sauber natürlich, manche Schritte muss man zweimal machen, in die Zentrifuge passen für manche Schritte wegen der doofen Deckel nur 18 Proben, ich hab aber 21, und so weiter und so fort. Und schwuppdiwupp waren 4 Stunden vergangen, mein Magen schrie mich an, den Herrn Rabe musste ich anrufen, dass ich es nicht schaffe, Michel aus dem Kindergarten abzuholen und um meine Zellen musste ich mich ja auch noch kümmern. Das sind so Arbeitstage, die braucht kein Mensch. 

Danach so kaputt, dass ich eigentlich ins Bett hätte gehen wollen, aber da sind ja auch noch die Kinder, der Haushalt, das Abendessen. Wenigstens ein bisschen mit den Kindern getobt und gekuschelt hab ich. Und Duplohäuser mit runden Fenstern (naja, kreuzförmigen, weil aus Duplo irgendwas Rundes machen?Hmmnee.) habe ich gebaut. Und mit Pippi geduscht. Die hatte sich nämlich freudestrahlend bis zum Haaransatz und ins Ohr rein mit Tomatensuppe slash Soße eingeschmiert. 

Also: Alles Käse, außer der Kinder. Die sind höchstens kleine Babybels. 

Jetzt Bett. 

Tag 282 – Ooooch, ich schaff das schon. 

„Nei da, det klarer jeg!“

Das sagte ich heute ca. drölfzig Mal zu Mister I trust you. Der weiß ja einschüchternd viel und hat wahnsinnige Labskills, ok, der macht das auch schon seit, ich weiß nicht, 20 Jahren vielleicht, und ich erst seit (mal überlegen…) oha 7 sind es doch auch schon. Egal, zurück zum Thema, jedenfalls will ich vor so einem nicht dastehen wie der letzte Idiot. Ich bin auch kein Idiot, ganz sicher nicht, aber der macht mich total nervös, wenn der mir beim Arbeiten zuguckt und da das heute auch irgendwie alles nicht so wirklich Routine für mich war, stand ich ziemlich unter Strom. Nun gut. Ich habe glaube ich nichts wirklich verkackt, alles läuft, nach Angstschweiß riechende Pullis kann man waschen, Frühstück braucht ja auch kein Mensch und die aus schierem Hunger eilig in die Mikrowelle geschmissene Pizza zum Mittag (Rest von gestern) schmeckte auch als zusammengebackener Batzen aus Teig, Belag und Käse recht gut. 

2. mal Feierabend um 22:30. Wenigstens ist es noch hell.


Probennahme nach zwölf Stunden überlasse ich trotzdem beim nächsten Mal ihm. Sein Sohn hatte Fußballspiel heute und ich schaffe das ja auch alleine (hier wieder Angstschweißgeruch vorstellen). Und so mega toll ist das ja nun auch nicht, nach dem Kinder ins Bett bringen nochmal loszudüsen.  


Bildunterschrift will nicht. Dann halt so: Probennahme nach 0, 1, 4 und 12 Stunden erledigt (mit Handling-Verschiebung), 24 fehlt noch. Ich bin sehr froh, dass wir den Chef vom 15-Stunden-Zeitpunkt abbringen konnten. 

(Hoffentlich lohnt sich der Quatsch wenigstens.)

Tag 278 – Durchwachsen

Heute wieder kein Oberthema. 

Ich war arbeiten. Das bringt Arbeit mit Zellkulturen so mit sich, die kann man meist nicht vier Tage alleine lassen. Ist trotzdem kacke, vor allem wenn man dann gestressten Mann mit aufgekratzten Kindern zu Hause lassen muss. 

Besser wirds auch nicht, wenn dann die Zellen immernoch genauso kümmerlich aussehen wie am Donnerstag. Gnaaahhhh, die müssen bis Dienstag aber sehr viel mehr werden, sonst wird das nix mit dem Experiment nächste Woche. 

Dafür sind zwei von meinen inzwischen 12 Flaschen nach zwei Wochen in Kultur ziemlich krass dabei. Nach zwei Tagen komplett die Flasche vollgewuchert. Schön. Leider die falsche Kultur. Unschön. 

Die Babyfüße gehen auch ab. Ich hab gefühlt ein halbes Kilo Haut verloren bisher und es geht immer weiter. Befriedigung durch Fußhautpulen. 

Brötchen und Brot gebacken. Fände schön, auch mal etwas Dankbarkeit zu bekommen. Statt dessen: „Mamaaaa, wieso keine Brötchen gibt heute, ich will nur Brötchen!“ – „Ja mein Kind, die haben wir gestern aufgegessen. In zweieinhalb Stunden gibt’s neue. Solange haben wir Brot, oder Joghurt, oder Apfel…“ – „WÄÄÄÄHÄÄÄÄÄHÄÄÄÄÄÄ ICH WILL JETZT BRÖÖÖÖÖÖTCHEN!“. 

Da hat man schon vor dem Frühstück den Kaffee auf. 

Pippi hat Verstopfung. Heute ne halbe Stunde Gezeter (beim Frühstück, die Laune heute früh war bei allen trotz lange schlafen und so irgendwie mies) für ein ungelogen erbsengroßes Häuflein. Ich würd ihr so gern helfen, aber außer viel Stillen und ihr das Bäuchlein massieren kann ich auch nicht viel machen. Heute gabs erstmal Bohnen mit ordentlich Öl und Käse zum Abendbrot, vielleicht hilft das was. Hoffen wirs. 

Herr Rabe hat Michel ein gebrauchtes Fahrrad gekauft. Mit Pedalen. Ohne Stützräder. Michel weiß noch nichts davon, wir werden morgen mal sehen, ob wir ihm das geben oder lieber was anderes machen. Ich würds ja echt gerne ausprobieren.

Morgen gehen wir außerdem mit allemann Essen. Ich bin (an-)gespannt. 

Telefonat mit meiner Mutter. Paket ist noch nicht losgeschickt. Ich. Raste. Aus. 

Was gut war: kuschelige Kinder. Zwei Stück. Hachz. 

Tag 276 – Die Sache mit dem Arbeiten

Ich arbeite ja jetzt seit zwei Wochen wieder. Letzte Woche wurde ich deshalb in einem Kommentar gefragt, wie das denn so für mich wäre. Naja, also Hier kann man nachlesen, wie es mir unmittelbar davor ging. Kacke, nämlich. Inzwischen ist es etwas anders. 

Die Rahmenbedingungen sehen so aus: Pippi ist jetzt fast zehn Monate alt. Ich stehe gegen halb sieben auf, je nach Müdigkeitsstatus klappt das mehr oder weniger gut. Dann mache ich mich fertig und mir einen Kaffee. Den nehme ich in meiner heiß geliebten Thermotasse mit und verlasse gegen halb acht (seien wir ehrlich: viertel vor) das Haus. Meist schlafen da noch alle. Dann bin ich gegen acht bei der Arbeit, frühstücke da, arbeite eben so vor mich hin, führe Erwachsenengespräche auf Englisch und Norwegisch und Deutsch wild durcheinander, werde gefragt, was der Nachwuchs so treibt, zücke mein Telefon, zeige Fotos herum, gebe Anekdoten zum Besten und Zack ist es halb drei und schon wieder Zeit nach Hause zu fahren. Ich habe nämlich den unheimlichen Luxus der Stillpausen von eigentlich 2 (!!!) Stunden am Tag, außerdem ist „Sommer“ und der Arbeitstag geht regulär eh nur bis um drei… Aber irgendwas will man ja trotzdem wegschaffen. Das ist meine deutsche Mentalität, die da durchschlägt. Ich bin also gegen drei wieder zu Hause. Das deckt sich auch gut mit meiner Milchproduktion und dem Bedürfnis zu Stillen. Siebeneinhalb Stunden bin ich insgesamt weg, ca. acht bis neun Stunden sind es für Pippi ohne Stillen. 

Das klingt jetzt viel härter als es für uns alle ist. Klar, die ersten Tage habe ich mich bei der Arbeit komplett fehl am Platze gefühlt. Das geht wohl jeder Person so, die mal so eine lange Zeit (es waren jetzt ja 10 Monate insgesamt) nicht der gewohnten Erwerbstätigkeit nachgegangen ist, dann aber zurück kommt. Man selbst ist halb anders, halb gleich geblieben, das gleiche gilt für die Arbeitsumgebung. Kurz: es ist weird. Aber ich habe mich schnell wieder daran gewöhnt. Jetzt sind eben wieder Meetings normal und geregelte Pausenzeiten und damit verbundenes Essen und Laborgedöns und Geräte reservieren und so weiter und so fort. 

Ja, aber wie geht es mir jetzt damit? Gut. Doch. Gut. Das hat sicher mehrere Gründe. Zum einen geht es Pippi bei Papa total prima und die beiden können jetzt noch mal eine engere Bindung aufbauen, das finde ich für uns alle vier gut. Sicher ist es für mich auch beruhigend zu sehen (Gluckenalarm!!!), dass ich trotzdem noch Pippis Nummer eins bin, das will ich gar nicht verschweigen. Auch das mit dem Essen klappt gut, sie ist jedenfalls noch an keinem Tag komplett ausgehungert gewesen als ich zurückkam. Zum Anderen mag ich meine Arbeit im Grunde ja doch, und dass mich mein Chef mit Arbeit zuschüttet ist auch recht willkommen. So habe ich nämlich keine Zeit, darüber nachzudenken, ob und wie doll ich mein Baby vermisse. (Klar vermisse ich sie.) Es ist auch gut, dass hier in Norwegen fast alle Mütter nach ca. 7 bis 10 Monaten wieder arbeiten gehen. Denn man stößt auf viel Verständnis, alle haben das durch, viele Stillen weiterhin, alle vermissen ihre Babies oder größeren Kinder. Aber dieses Rabenmutter-Ding fällt weg. Arbeiten ist normal, mehrjährige Elternzeit die absolute Ausname. Ich bin also auch kein Exot.

Und der schönste Moment des Tages ist es, nach Hause zu kommen und das riesig breite Grinsen meines Babys zu sehen, wenn sie mich sieht. Dann guckt sie zu Papa, sagt „Da! [Ist die Mama wieder, guck mal Papa!“ und krabbelt auf mich zu. Da geht mir das Herz auf, wir kuscheln und Stillen und dann hole ich Michel aus dem Kindergarten ab, bevorzugt ohne Pippi, damit er wenigstens 20 Minuten Exklusivzeit mit mir hat. Und auch die sind meistens richtig schön. 

Also insgesamt war es doch die richtige Entscheidung. Aber am Tag davor geht einem ja gerne mal die Düse… 

Tag 272 – Wartepflanzen-Update und so

Gucken Sie mal!

Stockrosen unbekannter Farbe


Wenn alles gut geht, werden bald auf Lademoen in Trondheim Stockrosen aus dem Bielefelder Westen (Siggi mei lohf!) wachsen und ich freue mich so so doll. Heimat. 

Und da kommen auch zwei (man sieht sie kaum, etwa auf 2 und halb drei). Die Samen habe ich von meiner Oma, die weiß auch nicht so ganz genau, wie die heißen. (Ich nehme mal an, ‚Judentaler‘ ist allerhöchstens ein Trivialname.)

Pflanze unbekannten Namens. Nennen wir sie Silbertaler.


Bei der Arbeit beim Lesen für das RNA-Projekt über Dinge zu meinem eigentlichen Projekt gestolpert. Dinge wie „Frau Rabe hat vermutlich recht, Proteine wie das, was Frau Rabe untersuchen soll, sind oft fiese kleine Arschgeigen ohne Struktur.“. Nun ja. Vielleicht trage ich all diese Artikel mal zusammen und gestalte meinen nächsten Vortrag für die Projektmeetings etwas anders. Das wird den NMR-Leuten nicht gefallen. 

Meine Zellen leben alle noch. Aber wenn man so Sachen ausknockt, die für das Überleben der Zellen nicht so ganz unerheblich sind, dann wachsen Zellen nicht so gut. Will heißen, sie sind immer noch sehr dünn und weit entfernt von den ca 6 Teilungen, die ich für die Experimente bräuchte. Schnarch. 

Wir müssen Wünsche konkreter formulieren. „Pippi braucht Schuhe, Größe 18 oder 19, von Bama myfirst, mit der weichen Sohle.“ Das war, was wir sagten. Ich sagte noch „Am Besten wären Sandalen, Halbschuhe haben wir ja noch von Michel und die hatte er nie an.“, aber ich glaube, das wurde nicht an die Schwiegereltern weitergegeben. Heute packten sie jedenfalls die Schuhe aus:

Rosa. Mit Glitzer.


Also ähh, Hmm. 

Überhaupt sind meine Schwiegereltern ziemlich anstrengend. Und meine Schwiegermutter macht mir Sorgen. Heute aß sie vom Abendessen fast gar nichts, wirklich, sie zerfledderte einen Grillspieß, fütterte die Kinder damit, ließ den Rest liegen. Sie selber aß vielleicht zwei Gabeln Salat ohne Soße. Getrunken hat sie auch nichts. Dafür im Laufe von 5 Minuten dreimal ihre Brille gesucht (sie war jedes Mal in ihrer Handtasche). Puhh. Mein Schwiegervater macht einen etwas resignierten Eindruck. Herr Rabe guckt schon den ganzen Abend die wirklich sehr lustigen Videos von Simone Giertz, der „Queen of shitty robots“. Das ist wohl seine Art, das zu verdauen. 

Weitere Trivia von der Arbeit: C. Ist auch schwanger. A. Bekam heute ihr Baby (wooohoooo, morgen wieder Baby angucken!). M. färbt wegen schwanger ihre Haare nicht mehr und hat in ihrem langen, schwarzen Haar eine silberne Strähne. Das sieht so unfassbar toll aus, dass ich es ernsthaft schade finde, vermutlich nie sichtbar graue Haare zu bekommen. Dafür saß ich dann im Bus neben einer Frau mit wallendem, weißen Haar. Vielleicht sehe ich ja mal so aus. 

Tag 267 – Gute Zeiten, nicht ganz so gute Zeiten

Was gut ist: frische Luft am Morgen. Macht wach und froh. 

Was nicht so gut ist: ich bin zu unfit, um mit dem Fahrrad zur Arbeit zu fahren und danach in den 5. Stock hochzulaufen ohne im 4. Stock fast zu krepieren (und dabei von meinem super fitten Chef erwischt und überholt zu werden. Ey, der ist fast 60!!!). 

Was gut ist: meine zwei „großen“ Pipetten sind jetzt justiert. Und wieder innerhalb der Hersteller-Spec.

Was nicht so gut ist: das hat drei Stunden gedauert und war Ultra nervig und die „kleine“ Pipette kann ich wegen unzureichender Waagenauflösung leider nicht justieren. Hrmpf. 

Was gut ist: meine Zellen leben noch. 

Was nicht so gut ist: im falschen Medium (nicht meine Schuld, sondern die von Mr. I trust you).

Was gut ist: jetzt sind sie im richtigen Medium.

Was nicht so gut ist: möglicherweise überleben sie das nicht so gut, vermutlich sind sie auch etwas gestresst jetzt und das ist nicht gut für die Experimente.

Was gut ist: Pippi kommt ausgesprochen gut mit Herrn Rabe klar. Heute haben sie mich bei der Arbeit besucht und wir haben Kaffee in der Sonne getrunken. Das hat Pippi aber verschlafen. 

Soooooonne!


Was nicht so gut ist: sobald ich nach Hause komme, klebt sie sich wie mit Superkleber eingeschmiert an mich. Ich kann nicht mal aufs Klo ohne ein heulendes Baby an meinem Bein. Da waren wir schon mal weiter. Ich kanns ja auch verstehen, aber nerven tuts trotzdem. 

Was gut ist: ich habe mir einen (schweineteuren) Still-BH gekauft MIT BÜGELN (in your face, norwegische Still-BH-Industrie!) und er sitzt bombig. 

Was nicht so gut ist: „nude“ ist keine Farbe.

Wozu mit kein „was gut ist“ einfällt und was einfach total für’n Eimer ist: ich vertrage irgendwas nicht. Irgendwas macht mir ab dem frühen Nachmittag Bauchschmerzen und kurz drauf muss ich immer an die Frauen aus der Activia-Werbung denken, die in pastellfarbenen Blusen in sehr weißen Küchen und Wohnzimmern ihren ebenfalls in Pastelltönen gekleideten Freundinnen, Müttern und Töchtern schamvoll offenbaren: „Ich fühle mich so aufgebläht!“. Das zieht sich dann bis in die Nacht. Erst dachte ich an den Frühstücks-Joghurt, aber der ist es nicht. Dann dachte ich an die Eisentabletten, aber die sind es auch nicht. Bleibt: Müsli oder ein Bestandteil davon (unwahrscheinlich, leider) oder (und das wäre für mich wirklich schlimm) Vollkornbrot.