Tag 343 – Sommer!

Morgen wird Sommer. Also morgen wird der Sommer sein, vielleicht übermorgen noch ein bisschen, aber ich mache mir nicht allzu große Hoffnungen, dass es dann wochenlang schön bleibt. Da man so kurze Sommer ja nutzen muss, werde ich morgen nur super fix zur Arbeit fahren, meine Zellen ein bisschen betüddeln und dann wieder abdüsen und den Tag mit der Familie und meiner Schwägerin, die heute spät abends noch kommt, am See oder am Fjord verbringen. Mit allem drum und dran und Grillen und Baden und allem Scheiß. Das wird toll und dafür liebe ich Norwegen sehr: jeder, der morgen bei der Arbeit länger als unbedingt nötig rumhängt, wird schief angeguckt werden. Anwesenheitskultur? Nicht bei 28 Grad! 

Und damit ich morgen wirklich nur die paar Futzisachen machen muss, habe ich heute den ganzen Rest der To-Do-Liste weggearbeitet, die Proben die ich gestern gemessen hab ausgewertet, in die Tischkante gebissen und die Hälfte der Daten aus der Auswertung geschmissen hübsch fertig gemacht mit Diagramm und allem Schnubbeldibupp und an die „Auftraggeber“ geschickt. Gedöns vorbereitet für Freitag (auch da werd ich nicht allzu lange arbeiten, es ist ja Pippis Geburtstag) und dann habe ich eineinhalb Stunden damit zugebracht, den Kram, den ich in den letzten zwei Wochen gemacht habe in mein Laborjournal nachzutragen. Manche Sachen lerne ich wohl einfach nie. Zum Beispiel, dass es viel einfacher (und genauer und schneller) ist, am Ende vom Arbeitstag 5 Minuten was aufzuschreiben, als dann hinterher ewig dazusitzen und zu überlegen „Wann hab ich denn nochmal das gemacht? Am Donnerstag? Nee, kann nicht sein, weil dann hätte ich ja am Freitag…“. Alle paar Wochen nehme ich mir wieder aufs Neue vor, es nicht wieder schleifen zu lassen und Tadaaa: sechs, acht Wochen später sitze ich wieder kopfkratzend in meinem Büro. 

Egal. Morgen ist Sommer. 

(Ich habe sogar, weil sonst keiner da war, als ich nach Hause kam, schon mal meine Sommerkleider gebügelt. Ja, Mehrzahl, dann ziehe ich mich eben dreimal um morgen. Jahaaaa, gebügelt! Ich! habe gebügelt*. )

*hier Tom Hanks in Cast Away vorstellen, wie er ausruft „ICH habe FEUER gemacht!“. 

Tag 342 – Entscheidung? Pending. 

Ich habe heute endlich die Proben gemessen. Ergebnis gibt’s morgen, ist aber auch eigentlich egal, Hauptsache es kommt irgendwas dabei raus, sind ja nicht meine Proben. 

Was ich mit der Hochzeit mache, weiß ich aber immer noch nicht. Herr Rabe brachte jetzt ins Spiel, doch ohne Pippi zu fliegen und dafür nur bis Samstag zu bleiben. Tja. (Falls Sie dachten, hä, wieso sieht die denn ihre Cousine nur alle  Jubeljahre mal, Portugal ist doch nicht soooo weit weg? – Meine Cousine und ihr jetziger Freund, bald Mann, wohnen in Canada. Die heiraten nur in Portugal, weil seine Familie da her kommt. Canadier haben auch ungefähr keinen Urlaub, sodass sie nicht mal zu Weihnachten regelmäßig kommen kann.)

Tag 334 – Fetzen

Kennen Sie das, wenn so viel war, dass sie sich für nix entscheiden können? 

Pippi kriegt einen neuen Zahn (vielleicht) und hat Fieber. 

Michel ist einfach so nölig, vielleicht lernt er was Neues. 

Ich habe heute auf Michels Wunsch hin erst seine und dann noch meine Fingernägel lackiert. 

Der Kindergarten hat Ferien. 

Bei der Arbeit hab ich mich heute total verschätzt und einfach mal doppelt solange für meine Zellkulturen gebraucht, wie ich die Cleanbench reserviert hatte. 

Zu Cleanbench sagen sie hier ‚hood‘ und ich finde das total falsch. 

Alle sind im Urlaub. 

Die Schnecken mögen sehr gerne Auberginen aber keine Champignons. 

Das Terrarium ist jetzt komplett und nahezu alle Teile sind nahezu heile. 

Eine Schnecke mag gerne Schale (von Gurke, Zuccini, Kartoffel, etc.), die anderen nur Inneres. 

Pippi wird nächste Woche schon ein Jahr alt und das finde ich total krass. 

Ich muss jetzt Stillen, es wird wohl ne lange Nacht.

Tag 329 – Runtime err-orrrr. 

Heute bei der Arbeit wollte ich, getragen vom Hochgefühl, dass die Zellkulturen sich zu berappeln scheinen, ein paar Proben für meinen Kollegen messen. Auch, um einen großen Batzen von der To-Do-Liste zu streichen, damit ich mir Freitag guten Gewissens frei nehmen kann. Jedenfalls, wir messen die Aktivität für unsere Enzyme mit einem tausend zwanzig Jahre alten Assay. Da wird auch noch fröhlich mit (sehr schwacher) Radioaktivität herumgepanscht und ich musste damals als ich hier anfing extra zu einem dreitägigen Radioaktivitätskurs, in dem wir so Blödsinn ausrechnen mussten wie wieviel nach Tschernobyl immer noch strahlendes Rentierfleisch wir essen können, um die Grenzwerte zu erreichen. Es war viel. Sehr viel. Irgendwie sowas bei 70 kg im Jahr oder so. Den Kurs musste ich tatsächlich nur wegen dem einen Assay machen, den ich seither so fünf mal gemacht hab. 

Nun ja, ich strahlte also lustig rum und machte die 24 Proben fertig und sprotzte mit der (total giftigen) Zählerflüssigkeit und das dauerte alles ziemlich lange und war nervig und wirklich keine spaßige Laborarbeit. Und wie ich so mit meinen fertigen Proben zum Szintillationszähler Anno 1990 gehe, sehe ich, dass der aus ist. Ach nee, es war nur der Bildschirm aus. Den schaltete ich wieder an. (Alter Röhrenbildschirm, die machen noch dieses schöne „Fump“ beim Anschalten, erinnern Sie sich?) Aber das Programm war aus. Wenn ich auf das Icon klickte, passierte nichts. Ich versuchte den Computer herunterzufahren. Ich hatte angeblich nicht die Rechte. Ich suchte den Ausschalter, fand aber zuerst nur ein Diskettenlaufwerk. Nach langem Gesuche und der Überlegung, einfach den Stecker zu ziehen, fand ich doch noch einen Schalter. Ich machte das ganze Ding samt seinem On-Board Computer aus und wieder an. 

Dann sah ich einer Weile den rennenden Zahlen beim Booten von Windows XP (nicht mal irgendwie Service Pack 2 oder so. Aber ich sollte wahrscheinlich froh sein, dass es nicht Windows 95 war) zu. Es dauerte zwar ewig, aber der Rechner startete letztlich problemlos. Das Programm ging aber immer noch nicht. Immerhin bekam ich jetzt aber eine Fehlermeldung: „Runtime error“.


Ich probierte noch ein Weilchen herum mit aus- und anmachen, länger auslassen und so weiter. Dann warf ich das Handtuch, sagte der Geräteverantwortlichen* Bescheid und ging einfach nach Hause. 

So nen Mist braucht echt kein Mensch. 

* Die ging übrigens zum Gerät und fragte mich, ob ich es ausgemacht hätte. Ich sagte ja. Sie machte den Bildschirm aus und wieder an und sagte: stimmt, geht nicht. Das ließ ich dann mal so stehen. Sie ruft ja eh den Techniker. 

Tag 325 – Dann halt heute. 

Rosa Prosecco an Wäscheberg und Fußball.


Ich hatte mir gestern einen Prosecco kalt gestellt, den wollte ich abends trinken, weil ich einfach mal ein richtig super tolles Ergebnis bei der Arbeit hatte und sehr stolz auf mich bin. (I’m a fuckin‘ genius!!!) Das ganze Gerödel am Donnerstag bis spät und so, das selbst erfundene Verfahren zur Elution, sogar der verrückte Antikörper, alles hat bombig funktioniert. ICH SEHE DAS ZEUG IM CHROMATOGRAMM, HALLELUJAH! Es ist da, und es ist angereichert! Das heißt konkret jetzt für mich erstmal Prost und dann den ganzen Kram nochmal in Groß und dann pünktlich am 1.8. nach deren Urlaub den Sequenziermenschen Proben geben, von denen ich sicher sein kann, dass sie genug Zeug von guter Qualität enthalten. Und in der Zwischenzeit Daumen sehr fest drücken, dass kein Anderer mit ner Veröffentlichung um die Ecke kommt (da dürfen auch Sie gerne mitmachen).

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Herr Rabe hat heute Michels Bett aufgebaut. Sein Zimmer ist jetzt voll. Aber das Bett ist echt super. Groß, stabil, schlicht. 

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Die Schnecken sind so toll. Heute hab ich ein Video gemacht, wie die eine Schnecke Salat frisst. Das klingt unspektakulär, aber da man durch die Haut alles sieht, sieht es doch interessant aus.

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Pippi ist einfach zu niedlich. Trotz gerade mega Einschlafgenerve mit Kneifen und Kratzen und Geschrei und wieso zur Hölle drückt sie denn Müdigkeit mit Mama Kneifen aus, bitte? Aber dann hält sie mir beim Wickeln die nackten Füße ins Gesicht und macht „Pffftpffft!“ und lacht sich dann kringelig, wenn ich an ihren Füßen rieche und so tue, als würden die furchbar stinken und „Puuuhhhhh!“ mache. Und dann ist alles gut. 

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Ich bekam von jemandem™ den Tipp, die Eucerin Sonnencreme für das Gesicht sei ganz gut. Und die ist tatsächlich sogar total super. Die mattiert wenigstens mal! Also bei mir. Vermutlich kriegen die meisten anderen Leute davon trockene Haut, aber meine ist eben zur Zeit wirklich furchtbar ölig. Ich teste die jetzt gegen meinen zweiten Tester von Paula’s Choice. Und ja, man ist ja durch und durch Wissenschaftler, also kommt Eucerin auf die linke Gesichtshälfte und Paula’s Choice rechts. Beide sind LSF 50 und ich werde ja zum Glück eh nicht braun, da ist also kein Unterschied in der Gesichtsfarbe zu befürchten. Aber ich denke nach ca. einer Woche kann ich wenigstens sagen, ob die eine oder die andere mehr Pickel verursacht. 

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Donnerstag Arzttermin. Die arme Vertretung meines eigentlichen Arztes wird überhäuft werden mit Wääähhh. Haut Wäh, Zyklus Wäh, Schilddrüse Wäh (weil hart, vermutlich Krebs, sagt Dr. Google-Hypochonder). Irgendwie Gesamt-Hormon-Wäh. Tut mir leid für die Vertretung, andererseits bin ich eh das letzte Mal in der Praxis, weil ich ENDLICH für Pippi und mich Plätze in einer nah bei uns gelegenen Hausarztpraxis ergattert habe. Ich hoffe auf eine schnelle Überweisung zur endokrinologischen Poliklinik. Und kein „ich kann Ihnen die Pille verschreiben, das hilft gegen Haut und Zyklus“.

Tag 323 – Blfffftttt

Verrückter Arbeitstag, fing an mit Gesprächen mit den Bioinformatikern wegen Sequenzieren und so und da nicht komplett ahnungslos zu wirken war schon nicht so einfach. Dann „mal eben“ das noch nie gemachte und maximal schlampig geplante Experiment durchgezogen, inklusive selbst ausgedachtem Elutionsschritt und allem. Ahhhhhh, ein Spaß. Zwischendurch zwei Stunden Inkubation (also: Warten), da in die Stadt geradelt, Herrn Rabe getroffen, Pippi übernommen, sie durch die Stadt geschoben, damit er Michels Bett abholen und nach Hause bringen kann. In der Stadt kurzerhand Kaufrausch und direkt zwei Kleider und ein Paar Ohrringe gekauft. Die Kleider: 150 und 100 NOK, Da ist mir auch recht, dass ich bei dem einen eventuell unter der Brust etwas enger machen muss. Aber enger geht ja bekanntlich besser als weiter, also das schaff ich schon. Egal, zurück zum Thema, dann jedenfalls wieder zurück zur Arbeit, mit Weckerpiepen ins Labor gestolpert, alles fertig gemacht bis halb sechs. Proben in die SpeedVac (für Menschen, die nicht so Ahnung vom Labor haben: das ist eine Zentrifuge mit Absaugfunktion zum Sachen trocknen) und ab dafür. Noch schnelles Briefing wegen Urlaubsvertretungszellkulturpflege, da fiel tatsächlich das Wort „DEIN Projekt“ über das Projekt, das nicht meins ist, aber für das ich grade sehr viel mache, ich dachte nur Aha, so schnell kommt man zu einem neuen Projekt. Nach Hause, Kinder, Familie, Mann, Essen, runter kommen beim Schnecken beobachten. 

Echt total gut zum Entspannen.


Michel ins Bett gebracht, Pippi ins Bett  gebracht, wieder ins Labor, die Proben aus der SpeedVac holen. Noch schnell Bananen für Pippi und Eis für uns besorgt und nach Hause. Da Email an die geschrieben, die morgen (am letzten Tag vor ihrem Urlaub) noch die Proben untersuchen soll. 

Jetzt: Bett. Uffz. Morgen noch. Dann sind alle weg und ich kann machen, was ich will. 

Tag 322 – Da sind sie. 


Und sie leben auch alle, als wir nach Hause kamen von unserem Ausflug (wir kauften den Fahrradanhänger einer Kollegin von mir, blieben spontan zum Essen/Spielen/Eis…) dachten wir nämlich erst, sie wären ausgebüchst, dabei hatten sie sich nur unter den Gurkenscheiben versteckt. Ich freu mich sehr. Michel freut sich auch und ist total fasziniert und würde wohl am liebsten 24/7 Schnecken gucken: „Mama da guckt so bisschen raus! Guck ma, Mama, der da hinschwimmt! Der Gurke essen will elleicht!“.

Ach ja: Michels Bett wurde auch geliefert, dass muss jetzt nur noch vom Laden abgeholt werden. Und ich habe heute die kompletten Daten vom RNA-Versuch gesehen: es ist ein Traum. Echt jetzt. Ich muss mir da kurz ein bisschen auf die Schulter klopfen. Replikate top, Fehlerbalken winzig, und sogar das Ergebnis macht Sinn. Die Daten sind so gut, dass ich meinem Chef sogar heute gesagt habe, dass ich es sinnvoller fände, das von der Proteingeschichte abzuspalten und separat zu veröffentlichen. Das wird sonst nur unübersichtlich und weniger zitiert. Da kam ich mir sehr mutig vor. (Ab morgen hat er drei Wochen Urlaub, er fliegt nach Bali, da kann man schon mal mutiges Zeug vorschlagen vorher.)

Alles in allem ein sehr erfolgreicher Tag. 

Tag 317 – Mix. 

Ich habe jetzt Zugang zu einem der „Fahrradkäfige“ am Krankenhaus. Es kostete mich ein etwas weirdes Gespräch mit einem der Zugangskontrollentypen, in dessen (ausgesprochen kurzemund sachlichem) Verlauf er es schaffte, dreimal meinen Vornamen zu nennen. Ich finde sowas komisch. Aber das Fahrrad in so einem Ding abgestellt zu wissen, beruhigt ungemein. 


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Wir haben seit heute Abend Besuch von unserer Osloer Freundin A. und ihrer Babytochter. Babys, die noch nicht mal drei Monate alt sind, sind sehr klein. Und sehr sehr niedlich. Pippi hat das Baby auch zweimal etwas verschämt angefasst und dann ganz schnell zu einem Erwachsenen geguckt, um zu überprüfen, ob wir gesehen haben, wie mutig sie ist. 

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Nach dem Kindergarten waren Pippi, Michel und ich Zeug für die Schnecken kaufen. Und ein Fahrradschloss. Als wir zu Hause waren, nölte Michel erst ein wenig rum, wollte sich dann nicht die Hände waschen sondern legte sich stattdessen auf den Badezimmerfußboden und… schlief einfach ein. Herr Rabe packte ihn dann schlafend und mit ungewaschenen Händen in einen Schlafanzug und ins Bett. Und er schläft noch immer. 

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Bei der Arbeit heute viel Lob für was bekommen. Also für was gearbeitetes. Und für den Kuchen. Aber „wow, this is awesome, look at those error bars“ ist mir im Arbeitskontext doch wichtiger als Kuchenlob. Obwohl der Kuchen auch einfach echt lecker war. 

Und weil ich das so supidupi gemacht hab, darf ich jetzt in der Zeit wo alle anderen Urlaub haben ein paar wichtige Dinge tun und das ist auch ganz schön. 

Dafür hat der Quatsch, den ich an meinem eigenen Projekt gemacht hab, einfach mal gar nicht geklappt. Wir bestellen jetzt ein neues Kit (und vielleicht hasse ich dieses Drecksprotein inzwischen gar sehr).

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Die Schneckenfrau nervt mich etwas. Ich sollte alles was ich brauche schon vor dem Verschicken besorgen. Ich tat, wie mir geheißen. Jetzt will sie Fotos vom eingerichteten Terrarium* sehen. Ich überlege, ihr Fotos von Michel und Pippi zu schicken, damit sie sieht, dass ich mich durchaus um Lebenwesen kümmern kann. 

Das Ganze erinnert mich an die Geschichte, wie meine Ex-Kollegin mal Garnelen fürs Aquarium kaufen wollte. Der Verkäufer wollte genauestens wissen, was für ein Aquarium sie hat, mit welchen Pflanzen drin, welchen Fischen usw. Am Ende verlangte er von ihr, ihm zuerst Wasserproben aus dem Aquarium zu schicken, bevor er die Garnelen an sie verkaufen würde. Sie kaufte dann woanders welche. 

*aufgrund der noch nicht vorhandenen Größe der Babyriesenschnecken ist das erste Terrarium eine Plastikbox mit Deckel, in die ich noch Luftlöcher bohren muss. Das hat die Schneckenfrau mir so geraten und vermutlich ist das auch schlau so. 

Tag 291 – Dankbar. 

Es könnte alles so viel schlimmer sein. Manchmal muss man sich das vor Augen halten. 

Wir haben ein Dach über dem Kopf, wir haben es warm, wir haben zu Essen, wir haben Betten, in denen wir schlafen können. Wir haben Kleidung, sauberes Wasser, Seife, Waschmittel, Waschmaschine, Trockner, Spülmaschine. Wir haben Zugang zu Medikamenten und ärztlicher Versorgung, jederzeit. Wir haben ein Auto und altersgerechte Kindersitze. Wir können uns Benzin leisten. Wir können uns leisten, täglich warm zu duschen. Wir können uns eine gute Kinderbetreuung leisten und haben auch Plätze darin. 

Wir haben uns und uns lieb, nach wie vor. (Murch!)

Wir haben jeder einen Vollzeitjob. Und wir mögen unsere Jobs. Wir können in Elternzeit gehen, ohne um unsere Jobs zu fürchten oder extreme finanzielle Einbußen hinzunehmen. 

Vor allem haben wir zwei Kinder. Zwei Kinder, die (soweit die Eltern das beurteilen können) völlig normal sind. Mit normalem Kinder- bzw. Babyschlafverhalten, normaler Gesundheit, normal hohen Bedürfnissen. Natürlich außerordentlich hübsch und niedlich, das schon, aber in allem anderen herzerfrischender Durchschnitt. Michel zeichnet vielleicht noch nicht wie Michelangelo und kann auch weder Geige spielen noch chinesisch. Aber seine Trotzanfälle und Wutausbrüche halten sich im Rahmen, er hat bisher kaum Wände angemalt und noch nie absichtlich etwas kaputt gemacht. In seinem Kopf geht viel vor, aber er scheint gut zurechtzukommen in dieser verrückten Welt von heute. Von gelegentlichen Aussetzern mal abgesehen, die aber eben so rar sind, dass wir als Eltern noch gut damit umgehen können. Pippi möchte zwar nach wie vor nur in unserem Bett schlafen und stellt gerne Unsinn an, um die Welt zu erkunden (alles Ausräumen ist gerade ein großer Hit. Vor allem Mülleimer.) aber sie hat ein grundfreundliches Wesen, ist neugierig, spielt auch mal länger allein (mit dem Mülleimer) und hängt nicht mehr dauernd an einem von uns, solange sie weiß, das wir noch in der Nähe sind. Und sie nicht müde ist, denn zum Einschlafen fordert sie eben Körperkontakt ein. Aber auch das ist für uns ok, sie schreit nicht erst stundenlang, sie wacht auch nicht ständig auf und schreit dann wieder, meist nuckelt sie bloß ein paar Sekunden und schläft dann wieder fester ein. So kriegen wir alle nahezu genug Schlaf. 

Das könnte alles ganz anders sein. Ist es aber nicht und da haben wir doch sehr sehr großes Glück gehabt, wie ich finde. 

Tag 283 – Käsetag. 

Heute gab es Frühstück. Mehr positives lässt sich über meinen Arbeitstag kaum sagen. Erst ne halbe Stunde Rumgerenne und tausend Meinungen einholen um dann doch zu beschließen, dass wirs genau so machen wie immer (nicht ich, ich bin 1. experimentierfreudig und 2. hab ich das noch nie gemacht, es gibt also bei mir noch kein „wie immer“). Aber egal, immerhin gab es am Ende einen Beschluss. Leider ging es danach noch weiter: Ich habe ein neues Kit und die Anleitung liest sich so „add dies und das, spin for 15 seconds, fertig“. Also, zumindest so ähnlich. Am Ende war es eine elendige Friemelei mit kleinen Säulchen, die in kleinen Röhrchen stecken und die man da dauernd rein- und rausbasteln muss, drölfzig Waschschritte, alles peinlich sauber natürlich, manche Schritte muss man zweimal machen, in die Zentrifuge passen für manche Schritte wegen der doofen Deckel nur 18 Proben, ich hab aber 21, und so weiter und so fort. Und schwuppdiwupp waren 4 Stunden vergangen, mein Magen schrie mich an, den Herrn Rabe musste ich anrufen, dass ich es nicht schaffe, Michel aus dem Kindergarten abzuholen und um meine Zellen musste ich mich ja auch noch kümmern. Das sind so Arbeitstage, die braucht kein Mensch. 

Danach so kaputt, dass ich eigentlich ins Bett hätte gehen wollen, aber da sind ja auch noch die Kinder, der Haushalt, das Abendessen. Wenigstens ein bisschen mit den Kindern getobt und gekuschelt hab ich. Und Duplohäuser mit runden Fenstern (naja, kreuzförmigen, weil aus Duplo irgendwas Rundes machen?Hmmnee.) habe ich gebaut. Und mit Pippi geduscht. Die hatte sich nämlich freudestrahlend bis zum Haaransatz und ins Ohr rein mit Tomatensuppe slash Soße eingeschmiert. 

Also: Alles Käse, außer der Kinder. Die sind höchstens kleine Babybels. 

Jetzt Bett.