Tag 2306 – Ein ganz normales Wochenende.

Endlich mal wieder ein Wochenende ohne irgendein extra-Gehampel. Keine Geburtstagsfeiern, keine Kinderkonzerte, ich muss nicht mal Wäsche bügeln, weil nächste Woche irgendwas wäre. Hallelujah.

Dementsprechend gibt es vom heutigen Tag auch nicht so viel zu erzählen. Herr Rabe war beim Friseur, Pippi mit einem Freund aus dem Kindergarten im Kino (Paw Patrol) und dann noch bei ihm, Michel war mit der PS5 verwachsen und ich habe den Bankwechsel finalisiert (hoffentlich jedenfalls), generell Gelddinge betrieben, habe nach Ferienhäusern geschaut, Geige gespielt, Essen gemacht und war in der Badewanne. Und danach war immer noch genug Zeit und Kraft über, um mit Herrn Rabe eine Folge Netflix zu schauen. Wir hinken dem Trend ein paar Kilometer hinterher und schauen Squid Game. Die erste Folge auf Koreanisch mit Untertiteln, mal schauen, ob wir noch auf eine synchronisierte Version wechseln. Ich fand es übrigens nicht so schrecklich wie einige Medien es dargestellt haben – da ist Hunger Games* lesen härtere Kost (bisher). Natürlich ist es trotzdem nichts, was ich mit meinen Kindern gucken würde, aber die sind ja auch erst sechs und neun.

Damit morgen ein produktiverer Tag wird, ist jetzt aber Schlafenszeit. Nattinatt.

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*oder 95% der skandinavischen Krimis, die ich konsumiere

Tag 2304 – Auserwählt.

Herr Rabe durfte sich endlich eine PS5 kaufen. Dass er das bisher nicht durfte, lag keineswegs an mir, sondern an Mikrochipmangel, der PS5-Knappheit bedingt, die mit sich bringt, dass hier in Norwegen Elektromarktketten die Möglichkeit, eine PS5 zu kaufen, verlosen. Herr Rabe hat endlich gewonnen.

Jetzt ist aber die Musik vom Lern-deinen-Kontroller-kennen-Spiel so einlullend, dass mir als passive Zuschauerin die Augen zufielen.

Deshalb: gute Nacht!

Tag 2300 – Grusel.

Michel war natürlich erst mal sehr traurig. Wir hatten ihn aber gestern schon darauf vorbereitet, dass Muffin vielleicht bald stirbt und er fing sich recht schnell und ging dann gewohnt pragmatisch an die Sache. „Wo ist Muffin jetzt?“ – „Draußen. In einem Schuhkarton.“ [Aus zwei Gründen, 1. wollte ich nicht, dass Michel morgens als erstes über den toten Muffin stolpert, 2. wollte ich lieber kein totes Tier mit dem Bauch voller Gas bei Raumtemperatur aufbewahren. Den Karton hatten wir noch Raubtiersicher verpackt, für alle Fälle.] „Können wir den Karton einfach mit begraben?“ – „Ja, so war das gedacht.“ [Deshalb haben wir vorher noch sämtliches Klebeband abgefriemelt, ich hebe ja eigentlich keine Schuhkartons und ähnlichen Müll auf, in dem hier hatten wir mal Post bekommen und dann war er in den Abstellraum gewandert.] „Ok, gut, ich will das JETZT machen.“

Also hatten wir eine sehr spontane kleine und sehr unzeremonielle Beerdigung auf Raben-Art (unsentimental). Michel hat einen Platz unter seinem Apfelbäumchen ausgesucht, als Grabbepflanzung dient ein fast abgegraster Topf Petersilie aus der Küche und Michel möchte noch einen Stein bemalen. Beide Kinder haben noch mal geguckt, wie Muffin im Schuhkarton lag und jetzt wird er Apfelbaumdünger.

Abends hat Michel das Grab dekoriert. Mit „Augen“.

Pippi war auf einer Halloweenparty, als Gruseleinhorn-Patomimen-Prinzessin. Als ich sie abholte, kam sie mir freudestrahlend entgegen: „Mama, ich hab ganz viel Cola getrunken!“

Memo to self: Allen, wirklich allen Norwegern, die mit den Kindern zu tun haben, mitteilen, dass MEINE KINDER KEINE COLA DÜRFEN, GAR KEINE, AUCH KEINE ZUCKERFREIE.

Hier waren recht viele Kinder zum Trick-or-treat-en, Herr Rabe hatte da vorgesorgt und deshalb war das auch gar kein Problem. Besonders freute mich das Mädchen, das über seinem Zombiekostüm eine Reflexweste des norwegischen Diabetesverbandes trug. Chrchrchr.

Tag 2299 – Sicher auch alles falsch.

Alle Mühen waren vergebens und jetzt liege ich hier auf dem Sofa, mit Muffin auf dem Bauch, der zu schwach ist, auch nur den Kopf zu heben oder die Beine zu bewegen. Den Päppelbrei lässt er seit heute morgen einfach aus dem Maul laufen. Gestern hatte er schon einiges an gekautem Zeug im Mund, das er wohl nicht geschluckt hat. Ich mache mir schlimmste Vorwürfe, weil das sicher alles meine Schuld ist, weil ich hätte zusehen müssen (wie???), dass er von dem eigentlich alle Schweinebedürfnisse abdeckenden Futter (Heu, Check, reichlich frisches Gemüse, Check, keine Pellets, Check) die richtigen Dinge frisst oder sich mehr bewegt oder was weiß ich. Das Dimeticon hätten wir früher besorgen können und öfter geben. Mindestens hätte ich heute nicht so lange schlafen müssen, dann hätten wir es zum Tierarzt geschafft und der hätte diese Quälerei beenden können. Jetzt bade ich das halt aus, indem ich versuche, wenigstens jetzt ganz am Ende da zu sein, damit Muffin nicht ganz allein sterben muss. Zu den anderen zwei wollte ich ihn nicht setzen, weil ich keine Ahnung habe, wie Meerschweinchen mit kranken Meerschweinchen umgehen. Im besten Fall ignorieren sie ihn und dann hat er da auch nichts von, dachte ich. Denke ich. Aber das ist sicher auch falsch.

Das hier ist der Grund, weshalb ich keine Kleinnager mehr wollte. Überhaupt Haustiere. Man hängt sein Herz dran und steckt Arbeit und Geld rein und am Ende sterben sie qualvolle Tode* und man kann nichts machen außer gegebenenfalls früh genug erkennen, dass das nichts mehr wird und dem Tier schlimmeres ersparen.

Es tut mir wirklich leid, Muffin.

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* meine Ratten starben alle an diversen Tumoren, bzw. wurden wegen solchen eingeschläfert als es wirklich nicht mehr ging.

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P.S. während ich die Tags setzte, hörte ich das letzte Schnappen nach Luft und ich glaube, jetzt hat er es endlich geschafft. Mach’s gut, Muffin.

Tag 2298 – Sollte…

… nicht schreiben mit diesem Müdigkeitslevel. Wirklich einfach nein. Ich nehme mir jetzt zu Herzen, was ich Michel neulich gesagt habe, nämlich dass alles, was vorm einschlafen schlimm, schrecklich und furchtbar erscheint, morgens meistens schon viel besser ist.

(Das Meerschwein ist es nicht, auch wenn es dem nach wie vor nicht gut geht.)

Tag 2295 – Yes, ma‘am.

Der Tunnel ist tief.

Die Sprachbarriere, die Verzögerung, die völlig anderen Hierarchien und dass man halt einfach nicht dort ist – all das macht das grad ganz und gar nicht einfach.

Muffin geht es überraschend gut. Er hat die Narkose und das Zähne abschleifen gut überstanden und mümmelt jetzt vorsichtig ein bisschen vor sich hin.

Michel hatte heute Korpskonzert – darauf, dass das wohl eine große Sache mit Solo(!!!)-Auftritten aller Korpsmusiker*Innen ist, waren wir nicht eingestellt, wie auch, wenn man erst eine Woche vorher Bescheid bekommt. Deshalb hab ich es auch verpasst, weil ich Leute auf einem anderen Kontinent durchs Internet anschreien dazu bewegen musste, sich durch Produktionsanlagen zu bewegen. Herr Rabe war da und hat aus lauter schlechtem Gewissen 40 Lose gekauft, von denen dann 5 gewonnen haben. Außerdem hat er ein Video von Michels Solo aufgenommen, so konnte ich wenigstens hinterher gucken, wie es war.

Ist echt erst Dienstag? Ich wäre bereit für baldigen Freitag.