Tag 2238 und 2239 – Im Kaninchenbau.

Eigentlich könnte ich vermutlich die nächsten Tage auch gleich mit drauf schreiben. Es kommt grad vieles zusammen: Inspektion generell (viel Arbeit), erste on-site Inspektion seit fast einem Jahr (aufregend!), sehr viele Menschen auf einmal, sehr enger Kontakt mit Menschen, die ich seit vielen Monaten nur auf Bildschirmen gesehen habe und dass ich all das auch vermisst habe.

Trotzdem schlaucht das natürlich ungemein. Gestern bin ich abends über einer Folge RuPauls Drag Race eingeschlafen und habe dann beschlossen, nicht zu bloggen sondern einfach das Licht auszuschalten.

Anekdoten:

  • Meine Kollegin wurde bereits Mette-Marit genannt. Die Ähnlichkeit ist, äh, frappierend, oder so, so wie bei Äpfeln und Melonen ca.
  • Heute haben wir in schicker Krankenpflegekluft gearbeitet
  • Ich habe zwar alles Metall aus meinen Ohren entfernt bekommen, aber den einen Ring kriege ich nicht mehr rein
  • Eigentlich hätte ich hier nur ein paar Socken mit hinnehmen müssen (merken für‘s nächste Mal)
  • Es gibt hier zwei brauchbare Restaurants, plus das Hotelrestaurant, aber der Koch des Hotelrestaurants ist krank, also fällt das weg. Es gibt also wohl 2 x Pizza und 2 x Sushi.

Ich lieb meinen Job sehr. Er ist bekloppt aber liebenswert.

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Norwegen hat binnen einer Woche Dänemark und Schweden überholt und ist jetzt Pandemie-Erster aber wir haben die Pandemie überhaupt nicht losgelassen, nein nein! Üüüüüberhaupt gar nicht! (Hier hartes Augenzucken vorstellen.)

Tag 2234 – Orakunke.

Heute Mittag sagte ich noch zu meiner Kollegin: es fehlt noch, dass Erna oder Høie ne Pressekonferenz ankündigen, Zack, war ne Stunde später ne Pressekonferenz angekündigt (von Høie). Die 4. Welle ist da (die, die vor ein paar Wochen noch „nicht sicher“ war, ob sie überhaupt kommt, weil hier ja Andersland ist und wir magisch davor gefeit sind einfach durch Willenskraft und Wollunterwäsche!) und bricht jetzt schon alle Rekorde. Das spitzenmäßig ausgedachte System, Kontakte von Menschen U18 zu testen statt (!) zu isolieren, bricht nach nur einer Woche schon in den größeren Städten zusammen, weil, Überraschung, Jugendliche ohne irgendwelche Begrenzungen dann schnell mal 200 Kontakte haben – Schule, Sport, Hobby, Freunde, Nebenjob, you name it.

Aber wie ich auch zu meiner Kollegin und meinem Kollegen sagte: zu befürchten haben wir wohl eher nichts (in Bezug auf die Inspektion nächste Woche), denn die Regierung wird vermutlich keine neuen nationalen Maßnahmen verhängen, sondern das schön auf die neue Regierung abwälzen. Vermutlich wird eine der ersten Aktionen einer neuen Regierung sein, dicht zu machen, weil es dann doch viel ist, wenn alle Kinder gleichzeitig krank werden.

Andererseits: das wäre dann jetzt potentiell das dritte mal, dass zugemacht wird, während ich auf einer Inspektion bin. So spannend! Vielleicht kriege ich die Hand ja sogar in dieser Pandemie noch voll. Ich bin da inzwischen etwas abgestumpft und zur Zeit ziemlich zynisch statt nur resigniert. Ich mach’s mir halt im Homeoffice schön und hoffe darauf, dass meine Kinder glimpflich durch die Coronainfektion kommen.

May the odds und so weiter.

Tag 2233 – Effekt.

Es könnte alles schlimmer sein, aber ich merke schon, dass ich gestern diese Impfung bekommen habe. Der Arm tut weh, der Rest tut auch weh und ich bin schon den ganzen Tag hundemüde.

Leider (1) muss ich jetzt auch schnell schlafen, weil ich morgen super früh ins Krankenhaus (argh!) fahren muss, um eine Blutprobe zu nehmen. Die Levaxintabletten habe ich vorsorglich schon weit weg getan und in meinen Rucksack gelegt.

Leider (2) muss ich noch kurz was arbeiten, aus Gründen. Abspazieren ist nicht, stattdessen sind Überstunden angesagt (immerhin bezahlt).

Leider (3) schießen die Infektionszahlen hier in die Höhe, kein Wunder, bei Schulen auf grünem Niveau. Die Welle wird nun ein Mal durch die ungeimpften Gruppen ziehen, hier in Norwegen sind das hauptsächlich Menschen unter 18. Aber dafür auch einfach mal alle Menschen unter 18, minus der Handvoll 12-18-Jähriger, die so schwere Vorerkrankungen haben, dass sie bereits geimpft wurden. Und da dürften auch viele Immunsupprimierte bei sein, die keinen ausreichenden Impfeffekt haben. Es ist zum Heulen. May the odds be ever in our favor.

Tag 2232 – Gute Nacht.

Den Termin für meine 2. Impfdosis hatte ich ja nicht in den Kalender eingetragen, weil ich davon ausging, dass der noch geändert wird. Den Sommer über gab es dann immer mal wieder Nachrichten über mehr oder weniger Impfstoff, aber da hatte ich ja eh andere Sorgen. Dann kam die Regierung (Wahlkampf!) mit YEAH ALLES SUPI ÖFFNUNG FRÜHER WIR IMPFEN ALLE ZWEI WOCHEN FRÜHER! um die Ecke, um Freude und Sonnenschein unter dem Volk zu verteilen, und ich machte mich bereit, dass der Impftermin verschoben würde. Die Kommune sagte da aber noch: näääää, keine Lust, voll viel Arbeit diese Terminverschieberei (ehrlich wahr, sie drückten es nur gewählter aus). Dann kam Polen und gab uns eine Million extra Dosen, und dann kam die SMS, ich könne, wenn ich wolle, den Impftermin ändern. Und deshalb war ich jetzt doch zwei Wochen früher dran. Hurra.

Mit Herzchen! (Weil ich Beta-Blocker nehme.)

Wie erwartet, geht es mir seit ein paar Stunden zunehmend nicht so super, ich fühle mich, als würd ich was ausbrüten, mit Gliederschmerzen an den seltsamsten Stellen und großer Müdigkeit. Auf Anraten der Dame, die die Spritze setzte, nahm ich eben zwei Paracetamol und liege jetzt im Bett und werde hoffentlich die heiße Phase der Immunantwort einfach verpennen. Und wenn nicht, ist es immer noch besser, als richtiges Covid zu kriegen.

Tag 2229 – Uuuuufffff.

Also für jemanden, die sehr introvertiert ist und die auch ganz schlecht damit umgehen kann, wenn Leute dumm sind sich Argumenten verschließen, mag es ungewöhnlich erscheinen, sich politisch zu engagieren und sich sogar an einen Stand zu stellen und da Flyer zu verteilen und mit Wildfremden über schmelzendes Eis, Öl und CO2-Ausstoß zu reden.

War’s auch. Danach bin ich auch trotz Kaffee erst mal auf dem Sofa eingeschlafen, weil alle Akkus tiefenentladen waren. Aber von nix kommt ja bekanntlich nix und jede Person, die weggeht und denkt, schau an, das sind ja gar nicht einfach seltsame Ökos mit weltfremden Ideen, sondern schlaue, informierte und normale* Leute, vielleicht ist ja doch was an dem dran, was die sagen, ist ein Gewinn.

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* normal erscheinende, die halt hinterher auf dem Sofa einschlafen aber die immerhin nicht mal den „schlimmste Partei der ganzen Welt, alles Idioten und Lügner“ pöbelnden Typen erwürgt haben

P.S. Michel möchte sich in die Schülervertretung wählen lassen, hat aber erst gefragt, ob das ok für uns wäre. Natürlich! Revolution von innen! Teilhaben, teilnehmen, Raum nehmen, mitentscheiden! Das hab ich alles nicht gesagt, sondern nur „Natürlich kannst du das machen. Ich finde das gut. Ich war auch in der Schülervertretung, als ich zur Schule ging.“. Wir sind uns halt echt sehr ähnlich.

Tag 2228 – Ferienende.

Diese Woche hatte ich noch mal frei, deshalb auch so viel Zeit für alles mögliche, aber so richtig Lust auf Arbeiten habe ich nun auch nicht, muss ich sagen.

Morgen werde ich erst mal früh aufstehen und dann gegen Wale kämpfen um das Gefühl zu haben, dass ich nicht untätig dabei zusehe, wie das Klima immer weiter und mit durchgedrücktem Gaspedal an die Wand gefahren wird.

Ansonsten war hier heute nicht viel los. Morgens hab ich Michel seine Sportsachen in die Schule hinterhergefahren und danach eine sinnlose Blutprobe gemacht (sinnlos weil ich morgens im Halbschlaf das Levaxin genommen hatte), aber jetzt weiß ich immerhin, dass mein Kalziumspiegel wieder völlig normal ist. Abends habe ich erst gegen Michel (und viele andere) im MarioCart verloren und dabei viel Spaß gehabt und dann Herrn Rabe knapp geschlagen und auch viel Spaß gehabt. Hurra!

Tag 2227 – Herbst.

Das hier war ein Plan für den Sommer, den ich dann gestern endlich durchgeführt habe:

Keine Sorge, da kommt keine Sonne hin, höchstens früh morgens und da ist der Rolladen unten.

Das Bild (links) hängt auch wieder und harmoniert überraschend gut mit der Wandfarbe. Ein Farbklecks im Moor.

Apropos Farbklecks: ich war heute im Wald, nicht besonders weit und ganz und gar nicht fernab jeder Zivilisation, ich glaube maximal war ich etwa einen Kilometer von einem Wohngebiet entfernt. Und es ist tatsächlich Herbst, und zwar die Sorte Herbst, die ich liebe.

Ungelogen 1 Meter in den Wald rein, direkt am Weg, zwar abgeerntet, aber vielversprechend [Spot the Pfifferling, kostenloser Schnellkurs mit Frau Rabe].

Wirklich nicht übertrieben 5 Meter weiter:

[Spot the Pfifferling, Anfänger-Level.]

Insgesamt war ich zwei gemütliche Stunden unterwegs, ganz allein und meistens nur Wald hörend. Das war wie ein kleiner Wellnessurlaub.

Suchbild mit Kröti (Froschi?)

Kurz bevor ich wieder beim Auto ankam, dachte ich „jetzt hab ich so viele Pilze gefunden, aber keine Stoppelpilze, schade“ und stolperte quasi über jede Menge Stoppelpilze, direkt am Spielplatz beim Parkplatz.

Ausbeute.

Beim Putzen auf der Terrasse kam mir nur eine Spinne entgegen, die ich versehentlich aus dem Wald mitgebracht hatte, und selbst die schüttelte ich sanft und ohne Kreischen auf den Boden, auf dass sie sich ein lauschiges Plätzchen unter den Terrassenplanken (oder sonstwo) suche.

Hier ist die Ausbeute noch mal sortiert:

Pfifferlinge. Die waren schon mal sehr lecker, die gab es nämlich direkt.
Stoppelpilze oben, Edel- oder Fichtenreizker (beide essbar, beide lecker, auch wenn das orange-grün zugegebenermaßen wenig verlockend erscheint) unten.
Kleine Porenpilz-Sammlung, überraschend viele Steinpilze.

Hach, das war schön, hoffentlich finde ich die Zeit noch mal.

Tag 2225 – Tabula rasa.

Hier werfen große Ereignisse ihre Schatten voraus. Da ist ein leerer Plan (nicht mal Essen steht drauf, das sollte eigentlich anders sein, ist über die Ferien aber so eingerissen), der mit allerlei Hobbies und Verpflichtungen gefüllt werden will. Vor einem Jahr haben wir auch Bürotage eingetragen, haha, wie lustig wir waren. Das machen wir wohl erst mal nicht.

Im Spiegelbild der Wasserkanister, weil wir mal wieder unser (Trink-)Wasser abkochen sollen. Hach ja, gut, dass wir die Hamstervorratskanister haben.

Morgen ist hier großer Tag.

Schultüte und kleine Schultüte, wie auch Pippi sie bekommen hat, als Michel eingeschult wurde.

Ich musste da selbst basteln, Schultüten gibt es hier ja nicht, also auch keine Bastelsets. Der „Pippi darf ihn nicht in die Finger kriegen“-Flüssigkleber ist jetzt leer (Nachschub schon besorgt), ich habe den gefühlt 35. Anspitzer für Michel gekauft, beschriftet und in seine kleine Tüte gepackt, sowie Radiergummis und keinen neuen Bleistift, weil seiner zwar zerkaut ist, aber die Mine noch intakt und ein neuer sofort ebenfalls zerkaut wäre. Herr Rabe sagt, das habe er auch als Kind gemacht. Ürgs. Pippi kriegt viel Mal- und Bastelkram und beide ein kleines bisschen Süßigkeiten. Schultüten haben hier ja gar keine Tradition, da fände ich es falsch, drei Welpen und eine Diamantkette da rein zu tun. Es ist so schon besonders genug und ich glaube, Pippi wird ausrasten vor Freude.

Hach, schon Schulkind. Die kleine Zwergmaus, die hat doch eben erst laufen gelernt.