Tag 718 – Allein Daheim Tag 4. 

Es geht mir sehr gut. Ich arbeite viel, aber in meinem Tempo, hier ist es sauber und ordentlich, ich muss kein schlechtes Gewissen haben, wenn ich erst spät nach Hause komme. Die Sonne scheint, ich kann jeden Tag zu Fuß gehen, die Blasen an meinen Füßen heilen auch langsam. Ich gucke Fernsehen, alles nötige (und ein bisschen mehr) ist fertig geölt, das Öl ist jetzt auch fast leer. Ich esse einen Haufen getrocknete Tomaten zu allem und wenn das nicht reicht*, kippe ich noch selbstgemachten Ketchup drüber. Außerdem esse ich einen Haufen Erdbeeren. Heute habe ich drei Kilo gekauft, um nochmal Marmelade zu kochen. Außerdem habe ich heute die Anmerkungen vom Chef in die Diss fertig eingearbeitet und die Abschnitte, bei denen noch Referenzen fehlten, mit diesen gefüllt. Damit bin ich jetzt – soweit – fertig, es fehlen noch Tabellen, Abbildungen und ein wenig Prosa. Ich habe auch bei jemandem nochmal angerufen, dessen Firma ich gestern eine Bewerbung geschickt habe, nur um zu sagen, dass die Bewerbung da sein müsste und hoffentlich bald auf seinem Tisch landen wird. „It’s good that you follow up!“. 

Verstehen Sie mich nicht falsch. Ich freue mich sehr darauf, dass Herr Rabe und die Kinder bald wieder da sind. Ich vermisse sie auch wirklich doll. Als wir heute telefoniert haben, hatte ich das Gefühl, Pippi spricht plötzlich viel mehr und ich verpasse alles. Und als sich Michel dann wehtat, wollte ich so gerne was tun können. Aber nichtsdestotrotz genieße ich gerade die Zeit alleine auch in vollen Zügen. Ich überlege sogar, ob ich morgen Abend einfach so alleine ein Bier trinken gehe. Weil ich’s kann.

 Dochdoch. Es ist schon alles in Ordnung so. 

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*Heißhunger auf Tomaten, ist doch bestimmt irgendein Mangel. Vitamin K? Ist aber eigentlich auch egal. 

Tag 716 – Allein Daheim Tag 2. 

Aus diversen Gründen heute bei, über und während der Arbeit geärgert. Zu Hause dem Tisch noch eine weitere Ölung verpasst (wenn man das nur alle Jubeljahre macht, hat der es halt dann sehr nötig), Kinderwäsche abgenommen und verräumt, den Schleifklotz in die Hand genommen. Innegehalten. Den Schleifklotz weggelegt, mir was ordentliches zu Essen gekocht (scharfes Curry mit Brokkoli, Möhren und kleinen Garnelen, dazu Reis), das vorm Fernseher gegessen. Verraten Sie’s den Kindern nicht. Am Tisch kann man ja auch grad, leider, leider, nicht essen. House of Cards geguckt, dann den Feedreader leer gelesen und DANN ERST die Arbeitsplatte geschliffen und geölt. Ich werde also besser, im Sinne von: entspannter. 

Jetzt Sofa, Fußbad*, Erdbeeren und die Underwoods. Könnte schlimmer sein. 

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*einer der Gründe für mein Ärgern während der Arbeit: meine Sandalen haben abgefärbt und mir insgesamt vier Blasen verpasst**. Eine ist aufgegangen und jetzt hab ich da abgefärbte Lederfarbe „indigo“ auf dem (quasi) rohen Fleisch und mein innerer Hypochonder hat eigentlich schon vom Anblick Krebs. Das Bad ist zum Entfärben gedacht. 

**für so Scheiß ist mir mein Leben zu kurz und ich hab die Sandalen gleich entsorgt. 

Tag 715 – Allein Daheim Tag 1.

Ich prüddel so vor mich hin und beobachte mich. Heutige Feststellung: Dieses „Erst die Arbeit, dann das Vergnügen“-Ding sitzt bei mir ganz tief. Ich weiß gar nicht mal mehr, wer das immer gesagt hat, entweder meine Mutter oder meine Oma, aber es hat auf jeden Fall gewirkt. Zweite Feststellung (eigentlich keine Neuigkeit, aber interessant, dass es nur einen halben Tag braucht, bis es wieder reaktiviert ist): wenn es sich nicht „lohnt“, Dinge aufzuschieben, weil sie einfach nicht unangenehm genug sind, und alle Verantwortungsdiffusion wegfällt, weil keine erwachsene Person außer mir da ist, die es übernehmen könnte, mache ich viele Dinge wirklich am liebsten sofort. Spülmaschine ausräumen, Geschirr abspülen, Wäsche aufhängen. Sowas eben. Diese zwei Erkenntnisse lassen sich auch super kombinieren, heute habe ich halt (also, nach der Arbeit, da bin ich ja jetzt auch wieder…) erst schnell Kleinscheiß erledigt (Spülmaschine, Wäsche aufhängen, Trockner starten, Waschmaschine mit Kinder-Regenkleidung starten, Schnecken füttern und einsprühen), dann hab ich den Esstisch angeschliffen und geölt (das Öl stinkt so und grade ist es so warm, dass man das Fenster ruhig die ganze Nacht auflassen kann) und dann hab ich mich mit Brötchen als Abendessen und einem kleinen Glas Wein und einem Buch in den Park gesetzt, die Abendsonne genossen und die Leute um mich rum beobachtet. Das war sehr sehr fein. Gut, ich werde vermutlich auch für immer einen Ohrwurm haben, aber so ist das eben.

Vorm Ins-Bett-Gehen habe ich dann noch die Regenklamotten aufgehängt, die Handtücher aus dem Trockner zusammengelegt, verräumt, mein Weinglas gespült und die Picknickdecke aufgehängt. 

Ich bin ein bisschen fasziniert von mir selbst. Und von der Ordnung hier auch.

Tag 712 – Ein paar Gedanken.

Die letzten zwei Wochen waren ja mehr oder minder verrückt. Eigentlich die letzten fünf, und eigentlich sogar das ganze letzte halbe Jahr, aber ich wollte doch mal die letzten zwei Wochen irgendwie gefühlsmäßig sortieren. Das wird vielleicht etwas wirr, wie eben auch die letzten Wochen waren.

Also das erste: direkt nach ner Stressphase in den Urlaub starten ist gleichzeitig sehr schlau und unfassbar dämlich. Auf der Con-Seite ist da vor allem die zeitliche Unmöglichkeit, Dinge vernünftig vorzubereiten. Wenn man sowas dann nicht auf den letzten Drücker erledigt bekommt oder allzu hochtrabende Pläne notfalls einfach fahren lassen kann, sollte man das lassen. Auf der Pro-Seite ist da aber die Deadline: Bis daundda muss alles fertig sein, UND DANN IST URLAUB. Muss man der Typ für sein, denke ich. Ich bin der Typ für sowas, das reduziert aber den damit verbundenen Stress nicht wirklich.

Dann: Leute aus dem Internet in echt kennen lernen ist ne ganz großartige Sache. Alle, die ich getroffen habe, sind in echt genau so, wie ich sie mir anhand von Tweets und Blogs und DMs (und Skype und Hangout und Telefon…) vorgestellt hatte. Außer Frau Brüllen. Die ist ein bisschen größer ;)

Dann ist auch noch so eine Sache, und das mag jetzt überraschend für Sie sein, aber: ich bin gar nicht so ne schlechte Mutter. Ich war eine sehr sehr gestresste Mutter, die sehr wenig Zeit für ihre Kinder hatte und so gefalle ich mir nicht, das macht mich dünnhäutig und dann reicht der normale Kinderlärm schon aus um mich aus der Haut fahren zu lassen. Wenn ich halbwegs entspannt bin, komme ich damit und mit viel mehr viel besser zurecht und siehe da: Ich kann mich an den kleinen und großen Rübennasigkeiten oft sogar erfreuen. Manchmal halt erst im Nachhinein, wie das eben so ist mit Kindern. Ich hoffe, dass ich ein bisschen von dem Entspannungsgefühl in den Alltag mitnehmen kann. Vielleicht wenigstens die Erkenntnis, dass meine gelegentlichen mütterlichen… Aussetzer eben nur gelegentlich sind und mit weniger Stress drumrum fast komplett wegfallen.

Aber auch die Erkenntnis ist interessant, dass Michel so eine Art „Sozial-Akku“ hat. In der Woche in Frankfurt hatte ich ein ganz zauberhaftes Kind, ganz offen und fröhlich und es sprach so gut deutsch wie nie! Ich hatte da schon die Vermutung, dass sich das rächen würde und so kam es auch. Zwischen Frankfurt und Bergen ließ Michel, ich kann es nicht anders sagen, die Sau raus. Suchte Streit (mit uns), rastete aus, schrie und schlug und warf Dinge. In Bergen dann wieder: Vorzeigekind. Nach Bergen, genau genommen am Abend der Fahrt von Høyanger nach Dønfoss, sprach Herr Rabe aus Verzweiflung  über die Ausraster from hell iPad-Verbot für den letzten Fahrt-Tag aus. Das führte zwar erstmal zu mehr Geschrei und dann auch am Morgen nochmal zu einem mittleren Terz, aber nach einer Stunde Fahrt und mit vielen phantasievollen Geschichten vom Rücksitz piepste er unvermittelt „Papa? Ich hab mich benehmt.“ Die message war also angekommen. Und das Kind kann seine Ausraster tatsächlich ein Stück weit kontrollieren. Hurra. (Nach nochmal einer Dreiviertel Stunde Fahrt und einer längeren Pause wurde das Verbot dann aufgehoben.) Ich bin maöl gespannt, wie es nächste Woche wird, wenn Herr Rabe und die Kinder Michels Tante in England besuchen.

Insgesamt bleibt noch das Fazit: Ferien mit Kindern sind toll. Ungleich anstrengender, das ganze drumrum, man schleppt plötzlich nen fast Fünfjährigen in Bergen einen Berg runter (davon bekommt man übrigens zornigen Muskelkater in Waden und Hüften), man balanciert zwei Kinderkoffer und ein schlafendes Kleinkind durch enge Flugzeuggänge, während man das nicht lesefähige Kind zur richtigen Reihe zu lotsen versucht, ganz abgesehen von „Ich muss ganz ganz dringend aufs Klo, jetzt sofort“ in den unmöglichsten Momenten, klar, das wäre alles viel einfacher, reiste man nur mit anderen Erwachsenen. Aber Urlaub mit Kindern, das ist schon prima, wie die die Welt sehen. Nur mit Erwachsenen würde man vielleicht mehr auf Berge steigen, aber vermutlich auch weniger in Aquarien gehen. Und dabei finde ich doch Axolotl und Schlangen und Frösche (alles klassische Aquarientiere, *hust*) selbst auch ganz schön toll. (Wandern dann halt später wieder, das, haha, läuft ja nicht weg.)

So, und jetzt ist es so spät, es ist mehr als Zeit, zu schlafen. Morgen wird Pippi zwei. Das mit dem Großwerden geht auch manchmal ganz schön schnell.

Tag 711 – Zu Hause ist’s doch, ähh, naja.

Beim Reinfahren nach Trondheim wieder bemerkt, dass ich in dieser Stadt einfach falsch bin. Norwegen, ja, bitte, Trondheim, nein, danke. 

Bevor ich jetzt aber noch mehr rummecker, hier ein Video vom Wasserfall gestern. (Ab morgen dann: Geburtstagsvorbereitungen, Pippi wird schon zwei!)

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Fehler
Dieses Video existiert nicht
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Tag 710 – Berge, Bäume, Berge, Bäume…

Also ich kann mich daran ja quasi nicht sattsehen. Michel schon. Heute hat er schon ganz von selbst beim Spülen geholfen, weil ihm langweilig war. Aber morgen gehts ja auch nach Hause, dann hat auch für ihn die Sitzerei ein Ende. 

Heute gings von „Häh, wieso hab ich mir denn die ganze Zeit eingebildet, wir fahren auf dem Rückweg über Flåm?“*, nämlich Høyanger, wieder nach Dønfoss. Mit einem kleinen Abstecher, um einen Wasserfall mit besonders hübscher Brücke drüber zu besichtigen. Im strahlenden Sonnenschein und bei >20 Grad war das einfach ganz wunderbar. Wir haben wieder viel Gegend gesehen, viele freilaufende Ziegen und Schafe auf der Straße getroffen, dann aber doch keine „lokal produzierte“ Ziegenwurst gekauft, uns darüber und über die räumliche Nähe von Elchwarnschildern und Elchburgerbratereien amüsiert, haben Biowürstchen und eine Bio-Salami** gekauft und am Ende waren wir so spät am Campingplatz, dass es grad noch für ein ganz kurzes Eintauchen reichte, bevor das Schwimmbad schloss. Dafür haben wir dafür alle zusammen auch nur 50 Kronen bezahlt, statt 50 Kronen pro Person. Dann Würstchen vom Grill und Ramen-Salat***. Schon schön. 

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*Das weiß ich wirklich nicht mehr, wie das kam, aber ich war mir totsicher, bis ich gestern dann beim Navigieren den Campingplatz erst gar nicht und dann in der anderen Richtung fand. Das war… interessant. Mit sowas kann ich auch nur im Urlaub halbwegs umgehen. 

**Da stand kein Preis am Regal und ich sag mal so: das ist jetzt mein Andenken an den Urlaub. 

***Man nehme: „Das schmeckt anders als zu Hause, das mag ich nicht.“ (Gebratene Ramen-Nudeln mit Ei, anders weil Sojasauce dran) von gestern, kalt, rühre „bläh“ (Cocktailtomaten) und „das mag ich nicht, obwohl, doch, wenn’s Käse ist vielleicht schon?“ (Schafskäse) ein, würze mit „was ist das hier für grünes Zeug, das ist eklig“ (Pizzakräuter) und schon hat man einen wirklich erstaunlich schmackhaften Nudelsalat. 

Dieser kleine Wasserfall ist eigentlich ein überlaufender See, was man leider auf dem Bild nicht gut erkennt. Ist aber trotzdem hübsch.


Likholefossen bru. Danach war irgendwie mein Schuh nass, dummdidumm.

Von der anderen Seite. Zu Hause lade ich auch ein Video hoch, das ist mir grad zu teuer mit mobilen Daten.

Voll super Viewpoint mit voll super hohen Bäumen vor der Aussicht.

Endlich angekommen. Ich war schon drin, es war wirklich sehr sehr frisch. Aber schön!

Mit Untertauchen (Beweisfoto). Man sieht auch schön den momentanen Zustand von „Matschauge“. So tuts jetzt immerhin nicht mehr weh, das ist schon die halbe Miete.

Tag 709 – Tja. 

Wir müssen wohl nach Basel ziehen. 

  1. Wir haben jetzt einen Wickelfisch. Wo sonst soll ich den benutzen?*
  2. Ich hab vergessen, Frau Brüllen den extra mitgereisten (und beide Tage mitgeschleppten) Lidschatten zu geben. 
  3. Michel ist schwer beeindruckt von Little L. 
  4. Ich bin schwer beeindruckt von Offline-Vikingpedia Little Q.
  5. Herr Rabe und der Hübsche können dann Ihr Fotografie-Fachsimpeln vertiefen. 
  6. Das allerwichtigste: Pippi ist heute mit Frau Brüllen ohne uns Eltern aus dem Restaurant gegangen, wir konnten so aufessen und sie (also Pippi. Frau Brüllen auch, aber die quietschte dann doch nicht ganz so laut) hatte augenscheinlich Mordsspaß. DAS GAB ES NOCH NIE!!!

Bester Moment: Erwachsenenunterhaltung „Blablabla Chemtrails blabla.“ Little Q.: „Was sind denn Chemtrails?!?“ Frau Brüllen, mit ohne Pokerface: „Ach, es gibt so Leute, die meinen, die Kondensstreifen von Flugzeugen wären irgendwas, was da versprüht wird, mit dem unsere Gedanken kontrolliert werden sollen…“ Little Q., auch kein Pokerface: „??? Bwwaaaahahahaha!“

Sieht so aus, als hätten wir da jetzt Freunde. Echte, greifbare, Real-Life Freunde. (Verrückt, dieses Internet.)

Anbei noch die einzigen paar Fotos, die ich heute gemacht habe. Herr Rabe hat sicher mehr, aber die müssen eben in Trondheim dann erst von der Kamera auf den Computer und dann machen wir hier Dia-Abend. 

Bergen von oben. Ich war so froh, überhaupt an der Bahn zu sein, dass das Adrenalin eh schon auf Maximum war und ich die Fahrt in einer sehr vollen Glasbahn einen steilen Hang hoch quasi entspannt durchstand.

Steintürmchen-Buddies. (So schön, wie unsere Kinder da im Wald aus Gefundenem ein Spiel erschaffen, nicht wahr? Gestern spielten sie noch mit einer Nasenspray-Verpackung und Alufolie.)

Suchbild mit Norwegischer Waldkatze.


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*neineinein, die gehen NUR im Rhein und auch NUR in Basel, alles andere will ich auch nicht hören!

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P.S. Augen-Update: es wird. Gestern war’s schlimm, sowohl optisch als auch schmerzmäßig, heute schon besser, jetzt ist es halt ein deutlich fühl- und sichtbarer Pickel innen am Lid. Ich bin mir nicht sicher, ob’s das Antibiotikum ist, das wirkt, oder einfach die Zeit, aber die Augenklappe wird vielleicht doch nicht nötig.

Tag 708 – Die Sache mit dem Gin. 

Einstmals, ich lebte in einer 9er-WG, nachdem das mit meinem Ex und dem Zusammenleben so toll geklappt hatte, dass er dann eben mein Ex wurde. Die WG-Zeit war eine tolle, der ich manchmal noch ein bisschen hinterherheule, unter anderem, weil man mit so vielen Leuten in wirklich engen Kontakt kam, die man sonst kaum getroffen hätte. Das war manchmal anstrengend („Wessen Topf ist das hier? Von Hubi? Aber der ist seit ner Woche im Urlaub…?“), manchmal skurril (eine Mitbewohnerin hatte Kinder-Rheuma und kochte sich einmal pro Woche so einen Sud aus irgendwelchen Chinesischen Heilpilzen, das stank total abartig, aber sie schwor drauf), oft aber lehrreich. Ich lernte zum Beispiel da erst richtig kochen. Vor allem vegetarisch kochen. Ich lernte, dass auch Soziolog*Innen/Psycholog*Innen/Fotodesigner*Innen/Geschichtswissenschaftler*Innen/Informatiker*Innen und so weiter normale Menschen sind, die jedenfalls nicht per se irgendwie merkwürdig sind, im Einzelfall natürlich schon, aber das trifft besonders auch auf Biotechnolog*Innen zu. Die besten Parties ergaben sich – wie so oft in WGs – spontan in der Küche, wo dann jeder aus seinem Zimmer irgendwelchen Alkohol herzauberte und wir tranken und rauchten (ach ja, genau: ich lernte da auch Zigaretten drehen) und quatschten und manchmal gingen wir danach noch weg. 

An einem dieser Abende holte eine meiner Mitbewohnerinnen, ich nenne sie mal Julia, weil gefühlt 30% der Frauen meines Alters Julia heißen, ich könnte sie auch Stefanie oder Melanie nennen, aber egal, ich schweife ab, sie holte jedenfalls Gin. Billigen, aus dem Aldi, schätze ich, wir lebten ja quasi alle von BAFöG. Dazu Tonic und die partyerprobten Plastikbecher. Eis hatten wir keins. Und ich sag mal so: IGITT. Wie kann man sowas trinken? Bah. (Kurz darauf trank ich dieselbe Kombi nochmal bei der Besten Freundin und kam zu dem gleichen Schluss.)

Fast forward 10 Jahre, letzte Woche bei Little B. Sie fragt, ob ich einen Gin möchte, ich sage, wahrheisgemäß, dass ich noch nie Gin getrunken hätte, den ich gemocht hätte, aber ich hätte wohl bisher auch nur schlechten Gin getrunken. (Wenn ich nur Burbon kennen würde, wäre ich wohl auch der festen Überzeugung, ich möge keinen Whisk(e)y.) So kam ich zu einem Probierportiönchen Bielefelder Gin und fand es… sehr lecker! Pur, einfach so. (Es kam nicht zu mehr wegen… keine Ahnung, zu viel geredet und zu müde?) Aber, so sagt zumindest Little B., der Bielefelder Gin ist auch etwas speziell, und ich würde mich jetzt nicht als Gin-Kennerin bezeichnen, weil ich einmal einen lecker fand. Deshalb war ich heute von der beeindruckenden Gin-Karte bei Royal Burger dezent überfordert und bestellte mir etwas hilflos einen Gimlet. (Da ist auch Little B. dran Schuld, so als Instagram-Influencerin.) Und der war auch sehr lecker. Sehr lecker!

(Ach so, ja, genau. Wir haben heute Familie Brüllen getroffen. Und eigentlich könnten Sie einfach Frau Brüllens Beitrag nehmen und die Namen umdrehen, jedenfalls ab „Akvariet“, aus unserer Sicht war’s nämlich genauso. Inklusive „Vielleicht sind die doch doof oder die Kinder finden uns blöd“-Angst, die sich als absolut unberechtigt herausstellte. Irgendwie schade, das Pippi um halb acht dafür sorgte, dass wir doch lieber das Restaurant verließen, ich hätte gerne noch einen Gin getrunken. Pur, vielleicht mit gefriergetrocknetem Rotz mit Kernen Maracuja-Fleisch.)

Pic of the day.

Tag 707 – Karl Dall grüßt aus Bergen!

Wir sind in Bergen angekommen, unsere Air-BnB-Unterkunft (die ich statt des doppelt so teuren und alle-in-einem-Zimmer-Hotels buchte, nachdem ich rausgefunden hatte, dass man für den Parkplatz so oder so das Gleiche zahlen muss) ist sehr fein und hat einen Jacuzi, den die Kinder schon ausprobiert haben, die Erwachsenen aber noch nicht. Das noch nicht lag hauptsächlich an gründlich verkorkster Abendplanung, weil ich fast zwei Stunden bei der legevakt, also der Notfallpraxis für Wochenenden/spät abends/Urlauber ohne eigenen Hausarzt vor Ort verbrachte. Gestern Abend erwachte ich nämlich nochmal mit einem ordentlich schmerzenden Auge. Inspektion ergab eine Schwellung am Augenlid. Ich hoffte auf Wunderheilung über Nacht, was natürlich nicht passierte: heute früh war es noch viel schlimmer. Ich erblickte auch sowas wie ein Bläschen am Lidrand und dachte an Augenherpes, woher auch immer ich den hätte haben sollen, aber es sind ja fast alle Menschen eh Herpesinfiziert, wasweißich. Über den Tag würde es erst ein minibisschen besser und ich schöpfte Hoffnung, die ich aber gegen Abend dann doch fahren lassen musste. Ich rief bei der legevakt an und man sagte mir, ich solle ruhig kommen. Das tat ich dann auch. Und dann wartete ich. Und wartete. Und wartete. Nach eineinhalb Stunden wurde ich ins Behandlungszimmer gebeten. Da wurde dann Fieber gemessen (warum auch immer) und ich wartete nochmal. Dann trat er endlich ein: der missgelaunteste Arzt aller Zeiten. Aber egal. Ein Arzt. Er rupfte unsanft an meinem Auge herum, fragte, ob ich Kontaktlinsen benutze (nein, die Brille trage ich aus Spaß!) und diagnostizierte nach 30 Sekunden: Lidentzündung. Man könne den Entzündungsherd nicht sehen, leider, sonst könnte man ihn aufstechen. So müsse ich jetzt halt antibiotische Salbe benutzen, dreimal täglich, vorsichtshalber auch aufs Lid. Dann sagte er noch was von Hände und Gesicht waschen, mit lauwarmem Wasser (warum Gesicht? Keine Ahnung) und verschwand, um mein Rezept auszustellen. Darauf wartete ich dann nochmal 10 Minuten, mit Hunger und schmerzendem Auge und sinkender Laune. Dann kam er wieder – das Rezept sei online, gute Besserung – ich bezahlte und ging. Bzw. fuhr, denn ich musste ja das Rezept an der Notapotheke einlösen. Die wir erstmal nicht fanden und dann kann man da auch gar nicht parken und überhaupt. Bergen machte sich heute echt nicht beliebt. 

Jetzt hab ich also Salbe, nach deren Auftragen ich nichts mehr sehe, ein weiterhin geschwollenes und schmerzendes Auge und googeln ergab, dass Lidentzündungen abseits von Gerstenkörnern (verstopften und entzündeten Drüsen, meist am Lidrand) häufig chronisch sind. Relativ verzweifelt suchte ich doch nochmal nach einer halbwegs Gerstenkornmäßigen Erscheinung und wurde fündig: innen unterm Oberlid, einen halben Zentimeter vom Lidrand sitzt das Scheißteil. Und sieht nicht aus, als würde es demnächst mal aufgehen. 

Jetzt kann ich mir bis morgen überlegen, was ich aus dieser Information mache: Salbe *aufs* Augenlid erscheint mir wenig sinnvoll, als würde die die komplette Haut plus das quasi komplette Augenlid durchdringen um dann da an die Entzündung zu kommen. Haha. Auch nicht schminken muss ich noch überdenken. Aussehen wie Karl Dall ist schlimm genug mit Schminke, ohne ist es… vergiss es! Ich geh so nicht unter Leute! Und schon gar nicht treffe ich Leute, die nicht mal Kaffee im Hotel trinken, ohne sich vorher geschminkt zu haben Frau Brüllen! Und was soll es bringen: die Entzündung sitzt nicht am Rand, wird also von Make-Up nicht sonderlich beeinträchtigt. Sie ist auch nicht „offen“, es suppen also auch keine Bakterien herum und verseuchen mein Make-up. Ich habe ein Ersatz-Maskarabürstchen, das ich auswaschen kann, und auch Schminkpinsel kann man waschen (und seit kurzem tue ich das auch regelmäßig), dann halt vielleicht lieber nach jedem Gebrauch und echt nur einmal damit ins Töpfchen. 


Kacke, ey. Ich hab mich selten so hässlich gefühlt. 

Tag 706 – Nynorskland. 

Heute wird’s etwas fotolastig. Da müssen Sie jetzt durch. Ich mache das (der Übersichtlichkeit halber) mal chronologisch und fange auf unserem Campingplatz von gestern an. 

Überaus hübsch am Fluss gelegen.

Und mit „Naturbad“. Auf dem Rückweg sind wir nochmal eine Nacht hier und die Wettervorhersage sagt, da soll es richtig sonnig sein, dann können wir hier baden.


Heute fuhren wir gegen Mittag recht entspannt los, mit einer Gesamtfahrzeit von dreieinhalb Stunden vor uns. Und tatsächlich waren wir so entspannt, dass wir hier und da einfach Sightseeing machten, statt stumpf geradeaus zum Ziel zu fahren. Das war schlau, so doll ist nämlich der jetzige Campingplatz nicht.

Erstes „Oh, schau mal!“ war ein kleinerer Wasserfall. 

Ein wenig windig war’s…

… und laut auch.

Aber schön.

Andere Seite.


Dann fuhren wir weiter und kurz vor einem laaaangen Tunnel ging es rechts ab zum „Trollstigen“. Und Herr Rabe so „Das ist eins DER norwegischen Sights, komm, da fahren wir jetzt hin!“. Und so waren wir dann „am höchsten Fjordaussichtspunkt Norwegens (von einer Straße aus)“. Das war, äh, hoch. Ja. UPDATE: Herr Rabe sagte grade, das war noch gar nicht der Trollstigen, sondern bloß Dalsnibba. Nicht, dass Sie am Ende herkommen und dann merken, dass Sie für den Trollstigen noch mal 40 km oder so fahren müssen. 

Hui. Da unten ist Geiranger.

Lauter kleine Steinhaufen…

Und Miniblümchen gab’s auch. Beeindruckend: die trotzen nicht nur dem Wind und dem Wetter da oben, sondern auch einer Menge trampelnden Touristen.

„Bleib mal stehen, ich wollte ein Foto von dir machen!“ Sagte ich zu Michel, woraufhin er sich so hinstellte.

Kurz stand ich versehentlich auf diesem Gitter.

Gitter von unten. Hahahahahaha. Ha.

Noch ein bisschen mehr Ausblick.

Und noch mehr.


Dann fuhren wir durch ca. Drölfzigtausend Tunnel. Die waren alle komplett schwarz innendrin und mit so funzeligen Lämpchen ausgestattet. Voll schön für Leute mit latenter Panik in langen Schläuchen unter ABERWITZIG VIELEN TONNEN VON GESTEIN. Aber es ist wider Erwarten nichts über uns eingekracht und so konnten wir noch ein bisschen mehr Aublick fotografieren.

Ausblick mit hübscher Spiegelung.


Gegen sechs (nach einem kurzen Einkauf) kamen wir dann auf unserem heutigen Campingplatz an und… naja. Es ist halt alles auf Nynorsk hier. Bekloppte Norweger. Zwei offizielle Sprachen.

Der Campingplatz hier hat zwar kein so tolles Badebecken, aber immerhin einen großen Spielplatz, auf dem ich auch nur bei der Hälfte einem Viertel der Spielgeräten etwas Angst habe, sie könnten spontan das zeitliche segnen, während eins meiner Kinder damit oder darauf spielt. 

Pippi lässt hüpfen.

Und auch hier wieder: Fluss.