Tag 729 – Nachdenklich. 

Ich muss aufhören, so viel über alles nachzudenken. Das macht mich ganz rappelig. Und helfen tut es auch nicht. Aber es steht so viel an, oder ist im Gange, das schon alles einzeln dafür sorgen könnte, dass ich schreiend im Kreis laufe, in der Summe ist es… so viel, dass ich es nicht mal über mich bringe, es hier aufzulisten, das macht es ja nur noch realer. 

Also versuche ich mich abzulenken, vertrödele Zeit mit Quatsch Twitter, bis es Zeit ist, das Licht auszumachen, lese dann noch so lange, bis mir wirklich die Augen zufallen und dann schlafe ich wie ein Stein. Würde ich jedenfalls gerne, in echt kriecht mir natürlich die bekymring schon wieder besonders nachts den Nacken hoch. Aber immerhin kriege ich es tagsüber hin, meine Blase der Realitätsverweigerung halbwegs stabil zu halten. Das klingt vielleicht komisch, aber das brauche ich tatsächlich, sonst sitze ich wieder wie ein Kaninchen vor der Schlange und kriege gar nix mehr hin. Hoffentlich schaffe ich es, bis zur Dissabgabe und JobsucheUmzugKitaplatzsucheOhGottWieSollIchDieDisputatiosfeierBezahlen in *mieeeeeeeep*, die To-Dos nur in handlichen Häppchen zu mir durchdringen zu lassen. Den tiden, den sorgen. („Die Zeit, die Sorge.“)

Tag 728 – Repeat. 

Ich nehme das mal so ganz achtsam einfach wahr, ohne zu werten: ich Bzw. wir als Familie machen immer dasselbe. 

Gestern verschickte ich das Geburtstagspäckchen an I. So wie 2015 und sicher auch 2016, ich weiß sogar noch, was drin war, aber da war ich im August offenbar oft sehr müde und habe nicht drüber gebloggt. 

Heute fuhren wir nach Munkholmen. So wie 2016 (nur in schön und ungestresst, wir sind ja doch lernfähig, aber sogar mit den selben Leuten) und auch 2015 waren wir da, da war Pippi noch gaaaaaaanz miniklein und ich habe noch (gerade so) nicht gebloggt. Aber Fotos gemacht. 

Beweis. (Oh Gott war die winzig! Und Michel auch noch so klein! <3)


Bald dann also: Schafe gucken, Pilze sammeln, KiTa-Eingewöhnung .

Tag 726 – Verschenkt. 

Tjaja. Natürlich werde ich das irgendwie alles schaffen. Weil ich ja immer alles schaffe. 

No pressure und so. Aber ich schaffe doch immer alles. Hab ich schon immer und deshalb wird es auch immer so sein*. 

Trotzdem fühlt es sich grad scheiße an und raubt so viel Kraft, dass ich mich heute Mittag einfach nicht mehr auf den Beinen halten konnte und erst drei Stunden später vor Hunger wieder wach wurde. „Homeoffice“.

Es war auch früher schon nicht so, als hätte ich immer alles locker geschafft. Geschafft, ja, aber locker war daran wenig. Aber gemeckert habe ich ja auch selten, also muss es wohl locker gewesen sein. Zumindest sah es so aus. 

Vielleicht sollte ich mehr meckern. 

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*meint meine Mutter jedenfalls. Alles Gute zum Geburtstag!

Tag 725 – Gedanken zum Tag. 

Den Schock vom Dienstag habe ich einigermaßen verdaut. Ich bin immernoch sauer, aber nicht mehr unproduktiv-blockiert. Vorherrschendes Gefühl da: fuck it. War jetzt kacke, ham‘ wa draus gelernt (Zeug muss raus, nen dreiviertel Jahr auf eine einzige Analyse warten ist absurd.), jetzt weiter rumheulen bringt aber auch niemanden weiter. 

Trotzdem mache ich morgen Homeoffice. Oder „Homeoffice“. Mal sehen. Aber ich muss nichts vor Ort im Büro oder Labor machen, meine Lieblingskollegin ist nicht da, alles dauert schon wieder ewig, ich mag nicht mehr. Und der Chef ist ja auch nicht da, denn…

… er versteckt sich vor mir. Nennen Sie das vermessen, aber ich glaube, er geht mir aktiv aus dem Weg. Konflikte sind offenbar nicht so seins, mit Ansage („Wir müssen reden.“-Mail vom Montag) schon mal gar nicht und dann noch mit einer potentiell (ok, ganz sicher) emotionalen Frau, da macht der gemeine Norweger gern mal den Vogel Strauß. Und reagiert nicht auf SMS oder mail. 

Man sollte öfter einfach Besuch einladen. Vor allem, wenn nette Menschen, die kluge Bücher schreiben, auf der Durchreise von den Lofoten wieder gen Süden sind. Es war ein total netter (früher) Abend, mit vielen interessanten Gesprächen und leckerem Essen. Niemand hat gebissen, und ich bin nur ganz kurz fast unterm Tisch versunken, als Herr Rabe unser Buch zum Signieren holte. Trotzdem sollte man wirklich einfach öfter mal Leute auch zu sich nach Hause einladen, die man eh nett findet. Was soll passieren? Also außer das mit dem Signieren. Ich wünsche jedenfalls Almut, Sascha und den Kindern noch eine gute Weiterreise und gutes Wetter zum Fjorde  anschauen!

Viel über Netflix und ein wenig über Birgit Kelle nachgedacht. Vielleicht sollte Birgit Kelle öfter mal netflixen, dann hätte sie weniger Zeit und würde nicht so schwurbeliges, in sich widersprüchliches Zeugs verzapfen. (Ich verlinke das nicht. Keine Gratis-Klicks für Mist!)

Die Schnecken brauchen, glaube ich, mehr Kalk (also zugesetzten Kalk in der Erde) und bei der Gelegenhei werde ich auch einen Farn ins Terrarium pflanzen. Auf das selbiges die Feuchtigkeit besser halte und etwas hübscher aussehe. 

Tag 724 – Riesenschnecken sind halt auch… Riesenschnecken. 

Ich wurde gebeten, mal Schneckenbilder mit Größenverhältnis zu machen. Ich habe es also riskiert, von „Papa-Schnecke“ Sasha gefressen zu werden. Sie hat es auch probiert, aber mit so einer Raspelzunge kann man höchstens ein bisschen kitzeln, mehr nicht. 





Doch, schon weiterhin ziemlich coole Haustiere. Die übrigens seit Mai hauptsächlich Löwenzahn, Breitwegerich, Giersch und anderes Gedöns von draußen fressen. Und das Erdmückenproblem hat sich dadurch gelöst, dass ich die (mit Eiern durchseuchte) Blumenerde jetzt immer einmal durchbacke (wenn ich eh backe und der Ofen noch heiß ist), bevor ich sie ins Terrarium tue. Ich mag die. Michel mag die wohl auch: der hat ihnen in Brighton am Strand Sepia-Schalen gesammelt. 

Tag 722 – Schlabberbuksen ftw. 

Ich war gestern und heute (während Pippi, die irgendwie mal wieder merkwürdig krank ist, Mittagsschlaf machte) an der Nähmaschine produktiv. Neu in meinem Schrank sind jetzt: ein T-Shirt (Schnittmuster Shelly, immer wieder gut) und zwei Hosen, nämlich eine, die ich mit einem Ausverkauf-Stoff mal ausprobieren wollte, nach einem Schnittmuster, das es dann nur in Größe 42 gab und das ich aber eh ändern wollte und dann halt auch noch wesentlich enger machte und eine andere, weil ich seit Jahren nach einer Leinenhose suche und keine finde, die mir gefällt. Auch mit geändertem Schnittmuster (das, wenn ich es so genäht hätte, wie es vorgesehen war, komplett beschissen gesessen hätte). 

Ich bin in sofern total zufrieden, weil die zwei Hosen alles haben, was ich will: sie sind bequem, sie haben Taschen (die an der Blümchenhose sind mir noch zu klein, aber hey, besser kleine Taschen als gar keine!), man kann die Beine hochbinden und sie sind nicht beige oder mit neonfarbenem Zickzackmuster versehen. 

(Ja, ich trage sowas unironisch im Alltag.)

Was man nicht sieht: die Hosenbeine haben unten einen Kordelzug.


Taschendetail, weil ich so stolz bin, dass sich das Türkis vom Bündchen im Karomuster wiederholt.




Das sieht nur so aus, als wär das Halsbündchen ganz ungleichmäßig, ’schwör!

Ich erzähle Ihnen auch gerne mal, wie ich zum Nähen kam, aber das dann an einem anderen Tag, wenn hier nicht noch ein aufgekratztes, eigentlich halbkrankes Kind rumturnt. 

Tag 721 – Sie sind wieder da <3

Ich habe meine Familie zurück. Das ist sehr sehr schön. 

Und nach der Zeit, in der es immer irgendwie hell ist, kommt die Zeit mit den fantastischen Sonnenuntergängen. 

In diesem Sinne: gute Nacht! 

Tag 720 – Allein Daheim Tag 6. 

Wissen Sie noch, der Prototyp?

Heute habe ich mir mal die Zeit genommen, die seit Monaten fertig zugeschnittenen Teile für das eigentliche Stück zusammenzusetzen. Und dann habe ich mir fast den Arm ausgerissen und diverse Wirbel verrenkt, um Fotos davon zu machen. Hat nur so mittel geklappt, damit müssen Sie jetzt leben. 

Ich bin jedenfalls sehr zufrieden. Herbst kann kommen. 

Selfie-Arm. Ach wäre mein Arm doch ein biiiiischen länger.

Locker aus der Hüfte.


Selbstauslöser.

Tag 719 – Allein daheim Tag 5.

Ich bin gar nicht zu Hause. Ich sitze in meinem Lieblingsrestaurant. Alleine. Also natürlich sitze ich hier nicht alleine, es ist sogar ziemlich voll, aber an meinem Tisch, da sitze nur ich. Und auch wenn mich die Ahnung beschleicht, dass das hauptsächlich der vorübergehenden Natur meines Alleinseins geschuldet ist, finde ich das ganz großartig. 

Hinter mir sitzt eine Geburtstagsgesellschaft. Die reden laut und sind wohl auch schon eine Weile hier, auf jeden Fall hat die Gastgeberin eben die letzte Runde ausgerufen, danach sollen die Gäste selbst zahlen. Daraus, dass fast keiner sofort zum Bestellen aufsprang, ließe sich vieles schließen, aber ich lasse das einfach. Die haben alle Spaß und bestimmt bin ich jetzt alleine und mit meiner Rentierpizza indirekt auf ganz vielen Fotos. 

Ein paar Tische weiter sitzt unsere Nachbarin von oben. Mit ihrem Freund. Den kannte ich bisher nur akustisch. Auch da: ich lasse das einfach. Das Starren und das Spekulieren. 

Mir gegenüber hängt ein Bild vom Trondheimer Leuchtturm. Offenbar ist der etwas schief. Ist mir in echt noch nie aufgefallen. Aber eine kleine Kontrolle in der Fotomediathek ergibt: doch, ist schief. 

Links von mir hängt auch ein Bild, aber das ist gemalt. Ich habe sehr viele Fragen zu diesem Bild. Darauf ist (von unten nach oben): eine schemenhaft angedeutete Frau, die etwas wedelt, was aussieht wie so ein Band von der Rhythmischen Sportgymnastik. Aber mit mehreren Enden. Das Band ist rosa. Ein schemenhaft angedeuteter Mann (blau), der eine Glaskugel in der Hand hält. Irgendwelche Dinger, die ein bisschen aussehen, wie Eisskulpturen. Dinge, die aussehen wie Blumenranken, aber in blau. Das zentrale Element ist eine Art verästelte Wurzel, hinter der ein überdimensionales Katzengesicht abgebildet ist. Oben mündet die Wurzel in… nichts, nur mehr Wurzel, die dann an der Oberfläche, die eher Wolke als Erde ist, sich flach ausbreitet. Das Katzengesicht hat keine Schnurrhaare und das irritiert mich wohl am meisten. Über dem Ganzen thront in einer Ecke ein märchenhaft anmutendes Schloss mit vielen Türmchen. 

Rechts von mir hängt eine Fotografie von den Häusern am Fluss, die man von der Gamle Bybro aus sieht. Bei Nacht und mit hübscher Spiegelung der Häuser und Lichter im Wasser. Ich witzele gerne mal, dass das Trondheims einziger schöner Spot ist, weshalb er auch auf 90% der Postkarten abgebildet ist. Das Bild kostet 7900 NOK. Aber dafür ist es vom Fotografen signiert. Signiert man üblicherweise Fotografien? Offenbar. Zumindest dieser Fotograf tut das. Ich schmunzle kurz über den Gedanken, mir dieses Bild zu kaufen und dann irgendwo hin zu hängen, wenn wir mal nicht mehr hier wohnen. Den einzigen schönen Spot Trondheims. 

Auf der anderen Straßenseite ist ein Haus, in dem viele Geflüchtete wohnen. Viele improvisierte Gardinen hängen da, damit die Leute vom Restaurant gegenüber nicht direkt in die Wohnung gucken können. In ein Fenster hat jemand ein billiges Metalldekodings gestellt, in ungleichmäßig großen Buchstaben steht da „HOME“.