Tag 128 – Bielefeld Tag 4 – Reisebericht Teil 3

Hier der dritte Teil des Reiseberichts ins schöne Bielefeld, heute hauptsächlich Ankunft.

Im ICE angekommen stellte ich erst mal das Kind ruhig, indem ich ihm Cars anmachte. Laser Scream (Lightning McQueen) verfehlt seine Wirkung nie. Dann versuchte ich circa 5 Minuten, das Gepäck irgendwie sinnvoll in dem Abteil unterzubringen. Dies scheiterte an körperlicher Kraft und räumlichem Vorstellungsvermögen, sodass ich irgendwann genervt aufgab und die sperrigen Gegenstände sperrige Gegenstände sein ließ. Nach ungefähr einer halben Stunde kam ein Mann in unser Abteil und fragte ob die Plätze da noch frei seien. Ich antwortete dass sie das selbstverständlich seien, sofern er sich den Weg dorthin bahnen könne. Der Mann machte sich dann daran die Gegenstände anders sinnvoll im Abteil zu verteilen, auf diese Weise schuf er sich immerhin einen Sitzplatz. Die von ihm angekündigte Familie erschien allerdings nie.

Irgendwann hatte das Baby tatsächlich in seiner Trage ausgeschlafen und wurde wach und hatte Hunger. Danach war es mal wieder Zeit eine Windel zu wechseln, allerdings fand ich kein WC mit Wickeltisch. Also versuchte ich das Baby auf dem zugeklappten Toilettensitz zu wickeln, was dem Baby allerdings zurecht eine Heidenangst einjagte, worauf es wie am Spieß brüllte. Nach dieser Erfahrung wechselte ich in die nächste Windel (die natürlich schon nach ungefähr 20 Sekunden fällig war) einfach auf dem Schoß, was mir einen pikierten Blick und dem Baby ein „Na, hast du einen Stinker gemacht?“ von dem fremden Mann einbrachte. Ich ignorierte das, was mir leicht fiel weil in dem Moment Herr Rabe anrief. Und seine Eltern. Und meine Mutter. Herr Rabe und vor allem seine Eltern wollten wissen, in welchem Abteil beziehungsweise in welchem Zugteil ich denn säße, damit sie uns optimal vom Bahnhof abholen konnten. Meine Mutter wollte wissen wann sie endlich vorbeikommen kann. Also erklärte ich mit sehr schlechtem Empfang meinen Schwiegereltern die Sache mit dem Zugtausch und dass wir direkt hinter dem Bordbistro säßen. Meiner Mutter gestattete ich kampfesmüde noch am selben Abend vorbeizukommen.

In Hannover erschien tatsächlich noch ein weiterer Fahrgast mit seinem Sohn in unserem Abteil und fragte ob die zwei Plätze da noch frei sein. Wieder sagte ich sinngemäß dass wenn er fliegen könne er sich da gerne hinsetzen könne. Woraufhin der Vater kurzerhand das 1000 Tonnen wiegende PramPack mitsamt Kinderwagen darin ganz oben auf die Ablage wuchtete. Es passte millimetergenau. Der große Koffer landete auf der gegenüberliegenden Ablage. Ich informierte den Mann darüber dass ich schon aufgrund meiner Körpergröße keine Chance hätte die Koffer da jemals wieder herunter zu bekommen, er mir also in Bielefeld bitte helfen müsse. Der Mann war allerdings so dankbar, überhaupt einen Sitzplatz zu bekommen, dass ihm wahrscheinlich alles recht gewesen wäre. So hatte ich dann in Bielefeld angekommen noch einen Kofferträger, und der Mann half mir wirklich sehr nett die 1000 Gepäckstücke plus Kind in den 2 Minuten Halt auf den Bahnsteig zu wuchten. Das größte Problem war dabei, dass meine Schwiegereltern und mein Schwager bereits auf dem Bahnsteig warteten und unbedingt dem Kind beim Aussteigen „helfen“ mussten. Im Endeffekt zerrte meine Schwiegermutter ungeschickt am Kind herum, machte es damit komplett nervös und hielt den ganzen Betrieb auf.

Natürlich wollte meine (Spindeldürre) Schwiegermutter dann auch am liebsten das Kind auf den Arm nehmen, oder zumindest auf dem Trunki ziehen. Mein Schwager nahm die beiden großen Koffer, mein Schwiegervater den kleinen und ich hatte das Baby in der Trage. Meine Schwiegermutter stellte sich als zu klapprig heraus um das Kind effizient auf dem Trunki zu ziehen. Das Kind allerdings schob schon wieder Panik, weil ja jemand, denn es kaum kennt, schon wieder mit unseren Koffern von dannen zog. Kaum aus dem Bahnhof heraus eskalierte die Situation, als Schwager und Schwiegervater sich nicht auf einen Weg zum Auto einigen konnten, unterschiedliche Wege nahmen und das Kind zum kompletten Ausrasten brachten. Meine Schwiegermutter (die von Erziehung auf Augenhöhe noch nicht so sonderlich viel gehört hat) versuchte das am Boden liegende und tobende Kind hoch zu zerren („Ihhhhh, da ist es doch nass, Pfui!“) und auf den Arm zu nehmen, was das Kind natürlich noch wütender machte, bis es schließlich um sich schlug. Als ich aus ihm raus hatte, was das Problem war, ließ sich die Situation recht schnell entschärfen indem ich das Kind auf den Arm nahm und dem Schwager mit den Koffern hinterher ging. Meine Schwiegermutter meint ja sowieso immer das ich mindestens so klapprig bin wie sie und wollte mir unbedingt das Kind abnehmen. Als sie dann allerdings feststellte das es ganz schön schwer ist (15 Kilo) überließ sie mir doch beide Kinder, konnte es allerdings nicht lassen mich am Arm zu zerren. ICH HASSE DAS!!1! Aber ich sagte nichts. Nicht gleich am ersten Tag wieder mit meiner Schwiegermutter verscherzen. Außerdem: zu müde.

Am Auto angekommen zweifelte ich lautstark an dass der Kindersitz richtig im Auto befestigt war. Ich studierte das Piktogramm mit der Anleitung, konnte den Fehler jedoch nicht finden und musste mich mit der irgendwie merkwürdigen Konstruktion abfinden*. Das Baby hatte einen Maxi-Cosi geliehen bekommen und ich setzte es darein, schnallte es fest („Ist das nicht viel zu fest?“) und schnallte danach den Maxi Cosi im Auto an. Dabei ignorierte ich die Anleitung meines Schwiegervaters, sondern machte es einfach genau so wie ich gefühlte 100 mal die Woche Maxi Cosis in Autos anschnalle. Als endlich alle saßen fuhren wir in unsere Wohnung, die wir die nächsten Wochen bewohnen. Natürlich schliefen beide Kinder bei Ankunft.

  
Die Wohnung ist im Haus meines Schwagers, hier hat seine Oma gewohnt, die leider inzwischen verstorben ist. Seitdem ist die Wohnung eine Gäste-Wohnung, hat allerdings nichts von ihrem Oma-Charme eingebüßt. Die Mutter meines Schwagers (nicht meine Schwiegermutter, schwierige Familienverhältnisse und so) hatte netterweise die Wohnung weihnachtlich dekoriert. Mit zerbrechlichen Englein, Weihnachtsmann-Kerzen und weißen, Silberbestickten Tischdecken. Das frisch erwachte, sowieso schon aufgekratzte Kind erforschte erst mal die neue Umgebung und all die vielen zerbrechlichen Dekogegenstände, die ich kaum in dem Tempo retten konnte, wie sie gefunden wurden. Während dessen tanzte meine Schwiegermutter um Kind und Baby herum, wedelte mit Micky Mäusen, Keksen, Nüssen, Mandarinen, Schokolade, und was weiß ich nicht noch alles. Ich war mittlerweile so müde, dass ich überhaupt nicht mehr wusste, was ich dem entgegen halten sollte. Als das Baby Hunger hatte, wäre ich fast inmitten all der Leute beim Stillen mit eingeschlafen. Als meine Schwiegereltern endlich nach Hause fuhren, war ich dafür dankbar wie selten in meinem Leben. 

Doch leider war auch da an ins Bett gehen noch nicht zu denken, weil ja noch meine Mutter vorbeikommen sollte. Immerhin hatte ich inzwischen einen WLAN-Schlüssel bekommen und konnte dem Kind Maus anmachen, sodass ich wenigstens einen Koffer auspacken und die dreckigen Babysachen zusammensammeln konnte. Meine Mutter hatte für uns etwas eingekauft und außerdem versprochen etwas zu Essen mitzubringen. Sie kam um sechs, mitten in der Maus, mit einem riesigen Topf Grünkohl. Total überraschend kam für sie, dass das Kind keinen Grünkohl mag. Ebenfalls total überraschend kam für sie, dass das Baby sich nicht sofort pudelwohl bei ihr fühlte, sondern genau genommen sofort anfing zu brüllen. Trotzdem ließ ich das Baby nach dem Essen bei ihr damit ich die Koffer fertig auspacken konnte. Das Baby brüllte wie am Spieß, das Kind war enttäuscht weil Oma kaum Augen für es hatte, und ich war komplett genervt. Als meine Mutter dann auch noch mit einem ihrer Ticks anfing, nämlich die ganze Zeit ein und dieselbe Melodie zu summen – sehr laut! – war ich kurz davor ihr Gewalt anzutun. Stattdessen stopfte ich mich und das Kind sehr schnell in Schlafanzüge, putzte uns die Zähne, wickelte in einem Affenzahn das Baby, und verabschiedete mich von meiner Mutter in der Schlafzimmertür. Da war es Acht. Um Viertel vor Neun schliefen wir alle. Bis zum nächsten Morgen um acht.

*heute herausgefunden, wie es wirklich geht. War tatsächlich sehr falsch. Dafür überraschend fortschrittlicher Kindersitz aus den 90ern, der sich bis 13 kg rückwärts gerichtet nutzen lässt. Ich und mein Schwager hatten beide aufs falsche Piktogramm geschaut: der Sitz war quasi angebracht, als würde er rückwärts gerichtet genutzt. Nun ja. Das nächste Mal höre ich auf meine Intuition. Es sei denn, ich bin wieder so müde. 

Tag 127 – Bielefeld Tag 3 – Reisebericht Teil 2

Wie versprochen geht es weiter mit der Beschreibung unserer Reise ins schöne Bielefeld.
Wir waren ja von Herrn Paul am Flughafen abgeholt worden, dieser schnappte sich auch gleich gentlemanlike die zwei wirklich großen Koffer, und wir gingen zum Bus. Der Bus stand auch schon bereit und sollte in 2 Minuten abfahren. Ich musste noch den Trolley loswerden bevor ich in den Bus steigen konnte, während Herr Paul mit den beiden Riesenkoffern bereits einstieg. Dies veranlasste das Kind zu kurzer Panik, dass der komische Mann mit Bart unsere Koffer klauen wolle. Als es danach aber die Plätze im Bus aussuchen durfte (ganz hinten natürlich wo die coolen Kinder sitzen) war alles wieder gut. So fuhren wir mit dem Bus zu Herr Paul, wo Herr Pauls bezaubernde Frau Jott schon das Frühstück bereitet hatte. Das Kind forderte im Bus das Schicksal und sein Immunsystem heraus indem es die Fensterscheibe ableckte. 

Bei Herrn Paul angekommen freundete sich das Baby direkt mit Herrn Schnuffke, der bunten Spielmatte und dem einen Ende eines langen Babyspielzeugs an. So besabberten die Babys fröhlich den Fußboden, und ich hatte Zeit mit dem Kind aufs Klo zu gehen. Das Kind zeigte große Begeisterung für den Seifenschaumspender, zur Abwechslung musste ich es deshalb mal nicht zum Hände waschen zwingen. Dann gab es sehr leckeres Frühstück für alle mit leckerem Kaffee für die Großen. Das Kind wollte erst mal nur ein halbes Brötchen mit Schokocreme essen, dann war es sehr viel spannender, mit Jott ein Bild für Opa zu malen und zu kleben. Jott zeigte dabei ungeahntes Talent beim Zeichnen eines Elches, Respekt! Insgesamt war es eine sehr schöne Zeit, und ich bin sehr froh, dass ich mich getraut habe Herrn Paul um dieses Treffen zu bitten. Dieses Internet ist eben doch gar nicht so unpersönlich wie man meinen könnte ;) Das Baby bekam dann noch eine frische Windel und einen sauberen Body angezogen, ich packte einen weiteren sauberen Body als Ersatzbody in meinen Rucksack und die versifften Klamotten in den Koffer. Dann war es schon wieder Zeit zum Bahnhof aufzubrechen, wir zogen uns umständlich an, das Kind schaffte es irgendwie noch Jott eine kleine Elsafigur abzuluchsen, der kleine Charmeur, und dann machten wir uns auf den Weg. 

Dank Schienenersatzverkehr mussten wir erst mal den Bus nehmen, wo es uns zunehmend schwer fiel, das Kind vom einschlafen abzuhalten. Als das Kind dann jedoch hörte, dass wir gleich mit der S-Bahn weiterfahren würden, waren seine Lebensgeister wieder geweckt. Dafür stellte es dann auf dem Bahnsteig fest, dass es dringend aufs Klo müsse. Netterweise durften wir im Kontrollhäuschen schnell pullern gehen. Dann fuhren wir mit der S-Bahn zum Ostkreuz, wo wir umsteigen mussten. Das Kind war ziemlich aufgekratzt, und rannte mehr als das es ging. Als wir aus dem Fahrstuhl ausstiegen konnte ich ihm gerade noch hinterherbrüllen, dass es nicht so schnell rennen solle, als es die wartende S-Bahn entdeckte. Das Kind rannte aber weiter auf die Bahn zu und schaffte es exakt in dem Moment, als die Türen der S-Bahn sich zu schließen begannen, in den Schuhgröße 25 großen Spalt zwischen Bahn und Bahnsteigkante zu treten. Das Resultat war: Oberkörper in der Bahn, Bein bis zur Hüfte im Spalt, die Türen im Schließen begriffen. Ich Beamte mich die drei Meter vorwärts, packte das Kind im Nacken an seiner Weste und riss es nach oben und hinten. Irgendwie glückte mir das Wunder, alle Körperteile aus dem Spalt und der Tür heile herauszubekommen, bevor die Bahn abfuhr. Danach musste das Kind vor Schreck ziemlich doll weinen, und auch mir stand die Pippi sehr weit oben in den Augen. Ich darf mir immer noch nicht ausmalen, was da alles hätte passieren können. Verkehrserziehung ÖPNV steht auf jeden Fall auf meiner inneren To-Do-Liste! 

Wir fuhren dann mit der S-Bahn ziemlich käsebleich zum Hauptbahnhof. Auf dem Weg freute sich das Kind: „Ein Leuchtturm!“. Den meisten ist dieser Leuchtturm besser bekannt als der Fernsehturm am Alex. 

Am Hauptbahnhof waren wir dann früh genug, um dem riesigen Weihnachtsbaum noch einen Besuch abzustatten. Das Kind war sichtlich beeindruckt und wir machten ein paar Fotos von uns und dem Baum und uns vor dem Baum. Dann gingen wir zum Gleis, immer noch sehr zeitig, und entdeckten eine Anzeige, die Wagenreihung sei aufgehoben und die Platzreservierung werde nicht angezeigt. Meine schöne mitten in der Nacht getätigte Reservierung im Kleinkindabteil war damit zum Teufel. Wegen des vielen Gepäcks blieb uns allerdings nicht viel anderes übrig, als uns rücksichtslos und mithilfe von Herrn Paul einen Weg in das erste Abteil zu bahnen, um uns dort augenblicklich mit unserem Gepäck sehr breit zu machen. Dann musste Herr Paul leider aussteigen (das Kind fand das sehr schade und wollte gerne dass Herr Paul mit nach Bielefeld fährt) und los ging die Fahrt. 

  
Morgen geht die Geschichte unserer Reise dann mit der Bahnfahrt und der Ankunft im schönen Bielefeld weiter. Freuen Sie sich auf meine aufgeregten Schwiegereltern, meine noch aufgeregtere Mutter, sowie drei komplett übermüdete Raben.

Tag 126 – Bielefeld Tag 2 – Reisebericht Teil 1

Wie versprochen hier der ausführlichere Reisebericht. Dies ist ein Fortsetzungsroman wegen Überlänge der Geschichte (und des Tages), meiner Unfähigkeit mich kurz zu fassen, und der späten Uhrzeit. 

Hier Teil 1: Zu Hause bis Berlin

Der Tag fing mit 4:00 Uhr Jahr zu einer wirklich unchristlichen Zeit an. Natürlich klappte es auch überhaupt nicht, sich aus dem Bett zu schleichen während die Kinder noch schlafen. So waren beide Kinder mit uns zusammen wach und aufgekratzt wie nie. Trotzdem schaffte ich es irgendwie zu duschen und Herr Rabe machte Kaffee und bespaßte dabei die Kinder. Dann packte ich den Rest und schon allein um mir das Kind vom Hals zu halten räumte Herr Rabe mit dem Kind gemeinsam den schon fertig gepackten Kram ins Auto. Durch diese grandiose Teamarbeit schaffen wir es tatsächlich nur 9 Minuten nach der angepeilten Abfahrtszeit loszufahren.

Am Flughafen angekommen mussten wir noch das PramPack abholen. Die Security-Angestellten waren dabei unheimlich langsam, was Herr Rabe zunehmend nervös machte. Nach abholen des PramPacks packten wir den Kinderwagen rein, noch das Kickboard und den Helm dazu, und machten uns daran unser Gepäck aufzugeben. Durch die Dödeligkeit der Security-Angestellten hatten wir das Gepäck genau 5 Minuten vor Abschluss des Check-Ins abgegeben. Gut, dass am Flughafen sowieso noch nichts aufhatte, so gingen wir einfach direkt durch die Sicherheitskontrolle. Auch gut, dass das Kind noch ziemlich müde war, so fiel der „Papa-bleibt-hier“-Protest ziemlich mild aus. Nach der Sicherheitskontrolle gingen wir direkt zum (am weitesten entfernten) Gate zum Boarding. Noch einmal schnell die Wasserflaschen aufgefüllt, und schon hörten wir die „letzter Aufruf“-Durchsage. Also direkt ins Flugzeug, irgendwie das Handgepäck ins Gepäcksfach gestopft, und umringt von sichtlich genervten Passagieren Platz genommen. 

  
Das Kind war total aufgeregt und konnte überhaupt nicht schlafen, guckte aber glücklich Cartoons auf dem kleinen Bildschirm ohne Ton. Das Baby hatte zuerst Hunger, schlief dann ein bisschen, wurde wach und drückte sich brummend die Hose voll. Zum schlafen hatte ich das Baby in die Trage gesteckt, was ich jetzt als fataler Fehler herausstellte. Denn in der Trage wird gewissermaßen die Windel komprimiert und hat dann so ungefähr gar kein Fassungsvermögen mehr. Und natürlich wollte auch das Kind nicht alleine auf dem Platz sitzen bleiben, so dass ich auf der super engen Flugzeugtoilette versuchte das Baby komplett umzuziehen (dabei hatte ich extra die super niedlichen Anziehsachen  ausgesucht), während das Kind sich auf den verbleibenden 20 Quadratzentimetern in die Toilette quetschte. Nach vollendeter Tat setzten wir uns wieder hin, weiterhin von genervten Fluggästen umringt. Nach 10 Minuten musste das Kind aufs Klo. Also machten wir uns wieder auf dem Weg aufs Klo, das Kind pieselte ein bisschen, und wieder hingesetzt. Da waren wir dann auch schon fast gelandet und mussten uns wieder anschnallen. Das Baby war irgendwie unruhig, aber ich schob das auf den Druckausgleich, was sich wenig später als Trugschluss herausstellte, als es zum zweiten Mal mit viel Gebrumm in die Hose machte. Mit einiger Verzweiflung weil kein zweiter Wechselbody zur Hand war, wechselte ich in Windeseile dem Baby die Windel, während die Passagiere langsam das Flugzeug verließen. Ja, auf dem Sitz. Ja, ich hatte etwas untergelegt. Ja, ich wurde von einem Steward angepampt. 

Als wir endlich fertig waren und unsere Sachen anhatten, raffte ich schnell unseren Kram zusammen und wir liefen als letzte aus dem Flugzeug. Dann mussten wir nur noch gefühlte 500 m über das Rollfeld laufen, durch Kälte und Nieselregen, und schon waren wir im Terminal. Die Gepäcksausgabe war so schnell, dass unsere Koffer schon an uns vorbei fuhren, so schnell konnte ich leider nicht reagieren, was das Kind zu einem kleinen Ausraster brachte. Als unsere Koffer wenig später wieder auf dem Band auftauchten war das Kind allerdings beruhigt, ich packte die Koffer auf einen Trolley, das Kind obendrauf und raus aus dem Terminal. Den eingepackten Kinderwagen zog ich dabei, und das war genau so schlimm wie ich mir das ausgemalt hatte. Und aus genau dem Grund hatte ich auch im Vorfeld Herrn Paul angefragt ob der uns nicht vom Flughafen abholen könne bzw. vor allem wolle. Der hatte nicht nur zugesagt sondern kam überpünktlich quasi zeitgleich mit uns in der Vorhalle an. Ich war nie so dankbar, einen nahezu völlig fremden Menschen zu treffen. Er war tatsächlich gekommen, mein Retter in der Gepäcknot. Uffz.  

Morgen dann Teil 2: Berlin und Familie Herr Paul-Schnuffke

Tag 122 – Weihnachtsfeier

Ich war mit dem Baby heute bei der Weihnachtsfeier meiner Arbeitsgruppe an der Uni. Da bringt jede Person was zu Essen mit, aus einer Kasse werden Weinschläuche und Bier besorgt, irgendwie gibt es auch immer Schnaps und viele bringen ihr selbst gebrautes Bier mit. Ich habe zum Zwecke der Schonung meiner Energiereserven eine Packung fertigen Kartoffelsalat mit einigen frischen Pellkartoffeln gestreckt, oben drauf ein paar hartgekochte Eier in Vierteln verteilt und etwas Petersilie dazwischen dekoriert. Dazu kleingeschnittene Wiener Würstchen (von einer Delikatessenmarke und Bio, also quasi in Gold aufgewogen), die ich vor Ort mittels Zahnstochern in hübsche Spießchen verwandelte. Und dann hatte ich auch noch dieses super niedliche Baby dabei… Call me Supermom! 

Leider war das Baby gegen halb sieben nicht mehr ganz so niedlich und wollte nach Hause. Als ich ging, holte mein Chef grade den Schnaps aus dem Kühlschrank. 

Tag 121 – Julegrøt

Wir waren heute beim besten Freund (sofern man das bei Dreijährigen sagen kann) des Kindes Julegrøt essen. Das ist Milchreis mit einer Mandel drin, wer die findet bekommt eine Überraschung. Bei Erwachsenen wäre das Schnaps gewesen. Bei Kindern eher nicht. Zufällig *hier riiieeesiges Augenzwinkern vorstellen* waren zwei Mandeln im Milchreis, und beide (!!!) waren in den zuvor für die Kinder bereitgestellten Tellern. Verrückt, nicht wahr? So ein Zufall. 

Jedenfalls hatte ich eine Vorahnung, dass es möglicherweise zu einem Geschenkeaustausch kommen könnte und habe in Windeseile heute Mittag eine Mütze genäht. Und eingepackt*. Und ein Kärtchen geschrieben. Und das alles, während das Baby wach war! Aber dafür können die Jungs beim nächsten Mal die Bude im mützenmäßigen Partnerlook auseinandernehmen. 

Ich bin jetzt reif fürs Bett. 

*und danach hab ich dann dran gedacht, das man ja auch mal ein Foto hätte machen können. Nun gut. Roter Jersey mit blauen Sternen, zum Wenden. Müssen Sie sich jetzt eben vorstellen. 

Tag 120 – Lagerkoller

Ich war heute fast den ganzen Tag draußen und trotzdem hat mein Körper nullkommagarkein Vitamin D produziert. Das Baby und ich sind direkt vom Kindergarten zum Weihnachtsshoppen aufgebrochen. Da regnete es. Als wir beim ersten Laden ankamen, regnete es immer noch. Im Laden regnete es natürlich nicht, dafür wurde mir wieder schmerzlich bewusst, was für furchtbare Babymädchenkleidung es gibt. Und was für ungeheure Mengen an Geld man für diese ausgesuchten Scheußlichkeiten ausgeben kann. Nach tausend Stunden langem Herumgesuche fand ich ein paar gefütterte Lederpuschen, das Baby hat ja immer kalte Füße und außerdem traf ich fast genau den Betrag des Gutscheins, den ich für den Laden hatte und muss da jetzt nie wieder hin, hurra. Als ich rauskam regnete es immer noch. Die Lichtstimmung war so Ca. Bei halb vier, dabei war es 12. Nächster Laden. Einen orange-rot geringelten Anzug gefunden, Preis ok. Kasse kaputt, Kartenzahlung geht nicht. Wieder raus, Geld holen. Es regnet. In Strömen. Anzug bezahlt, nächster Laden. Magnetbuchstaben für das Kind erstanden, Baby wurde wach und hatte Hunger (verständlicherweise). Auf ins Kaffee. Durch den Regen. Kaffee zu voll, kein Platz mehr frei. Ok, dann ein anderes Kaffee. Das ist in einem Hotel, in dem ich mal eine der furchtbarsten Nächte meines Lebens verbracht habe. Also 4 Stunden davon. Aber der Kaffee ist gut da. Ich trank meinen Kaffee, das Baby trank Milch, dann brauchte es eine frische Windel, und dann wieder raus. Halb zwei, nur noch Nieselregen, aber dafür quasi dunkel. Zum Bastelladen. Der hat nicht, was ich will, und das was er hat ist komplett überteuert. Um zwei Uhr raus aus dem Bastelladen. 

Es regnete nur ein bisschen, aber mal ehrlich, so kann man doch nicht leben, wenn es den ganzen Tag über eigentlich nicht hell wird? Das ist doch komplett zum Kotzen. Grummelig zu Fuß nach Hause, auf dem Weg aus Frust ein ganz ganz ganz tolles Kleid für das Baby gekauft und Fisch für 15€, 6 Wiener Würstchen (Bio) für 6 €, plus Gedöns fürs Abendessen, für die Weihnachtsfeiern und Milch (Liter 2€, nicht Bio) eingekauft. Inzwischen 15 Uhr und Nacht. Und wieder Regen. Bio-Eier in allen Supermärkten, in denen ich war (3) ausverkauft. Andere Eier kaufe ich nicht, nienieniemals. Um halb vier war ich wieder zu Hause, kalt und nass. Das Baby hatte natürlich wieder Hunger und hörte nur auf zu Futtern, um die Windel bis kurz vorm Überlaufen zu füllen (und überhaupt: wieso laufen denn die Kack* Windeln dauernd aus im Moment??? Orrrr…). Dazu Kopfschmerzen und eine gereizte Blase von zu viel Kaffee und zu wenig anderer Flüssigkeitszufuhr. Bett musste ich auch noch abziehen, weil ich letztens ner Freundin erzählt habe, dass das Kind schon lange nicht mehr ins Bett gepullert hat. Seit ich das ausgesprochen habe (ich Idiot. Ich lerns auch nie), hat das Kind JEDE Nacht ins Bett gepullert. In UNSER Bett. Und die Waschmaschine schafft es nicht, den Matratzenschoner trocken zu schleudern, das gibt ne Unwucht, wenn der nass ist. Also braucht das blöde Ding ewig im Trockner. Da kann man schon mal etwas angepisst* sein. 

Das Essen war sehr lecker. Und das Baby wollte gerne Kartoffel probieren. Durfte es auch. Fand es auch lecker. Zutzelte sich ein zu großes Stück ab, bekam es in den falschen Hals und kotzte mir sehr viel Milch mit etwas Kartoffel auf die Hose. 

Ich geh jetzt schlafen und freue mich auf Urlaub und Sonnenlicht. 

* im wahrsten Sinne des Wortes 

Tag 119 – … und immer schön an den Beckenboden denken!

Das Baby und ich waren heute bei einem Physiotherapeuten-Gruppentreff mit anderen Babys. Ich dachte, das sei Pflicht, sonst hätte ich mir das gespart, denn die Informationen waren ungefähr wie folgt:

– Babys, die robben, aber nicht krabbeln können, auf glatten Boden legen

– Babys, die gerade krabbeln lernen auf rutschfesten Boden legen

– Babys nicht zu lange in Wippen/Kindersitzen/Türhopsern o.ä. sitzen lassen

– Beim Tragen auch an den eigenen Rücken denken

– zwischen 9 und 18 Monaten ist der Normalbereich fürs Laufen lernen, der Durchschnitt ist bei 13-15 Monaten

Und last but not least:

– Nicht das Beckenbodentraining vernachlässigen!!!

Danach sind das Baby und ich endlich mal wieder zum Sport gegangen. Beckenbodentraining machen. 

Tag 115 – Behindernd. 

Heute ist internationaler Tag der Menschen mit Behinderungen und da passt es ja, dass ich gestern schon über was schreiben wollte wo ich dann aber drüber weggekommen bin. Ich bin nämlich gestern bei Facebook über eine Werbung gestolpert. Die Kinder-Outdoormarke Vossatassar veranstaltet einen Adventskalender und man sollte da so nen Beitrag kommentieren und konnte dann Regenzeug oder so gewinnen. Jedenfalls hatte eins von den Kindern auf dem Bild offensichtlich Trisomie 21. Völlig unkommentiert, einfach zwischen den anderen Kindern. Und ich so: YEAHHHHH! EIN BEHINDERTES* KIND, HIER, INKLUSION UND SO!!! Und dann ganz schnell der Gedanke, wie scheiße das doch eigentlich ist, dass mir sowas so auffällt. Dass es eben immer noch heraussticht aus der Masse der heile-Welt-alle-gleich-süß Kinderwerbung. Geht man mal davon aus, dass übern ganz großen Daumen jede elfte in Deutschland lebende Person als schwerbehindert gilt, ist es doch mehr als verwunderlich, dass ein Kind mit Trisomie 21 in einer Werbeanzeige ins Auge fällt wie ein Osterhase unter Weihnachtsmännern. Ich finde es schlimm, wenn ich lese oder höre, wie wenig Inklusion tatsächlich passiert, wie viele Steine Menschen mit Beeinträchtigungen ständig in den Weg gelegt werden. Ich schäme mich sehr dafür, als Teenager oft das Wort „behindert“ als Synonym für „doof“ benutzt zu haben („schwul“ übrigens auch und haben Sie schon mal versucht, sich eine schlechte (Sprach-)Gewohnheit abzutrainieren? Das ist sehr schwer. Aber der Mühe Wert.). Ich finde schade, dass man nicht mehr Vielfalt sieht im Alltag. Dass den einen beeinträchtigten Dozenten an der Uni, der seinen Rollstuhl mit einem Pusteball (?) steuert, wirklich jeder kennt, statt dass man sagen muss: welchen meinst du denn? Denn rein statistisch gesehen müsste es überall verschieden beeinträchtigte Menschen geben. Jede/r elfte eben. 

Was jedenfalls ein Schritt in die richtige Richtung ist, ist der ungezwungene Umgang mit Beeinträchtigungen. Und da finde ich eben die Werbung oben ganz toll. Ein Kind unter vielen. Die Firma hat übrigens dazu gesagt, dass sie Daniel als Model ausgewählt hat, weil ihnen der Blog der Mama so gefallen hätte. Ich freue mich auch immer über die Geschichten von Noah bei der Sendung mit dem Elefanten. Denn Beeinträchtigungen werden erst durch die Umwelt und deren Barrieren zu Behinderungen. 

Für mehr Vielfalt!

Wer weiterlesen möchte, sehr umfangreiche Informationen gibt es bei leidmedien.de. Über das Leben mit einem schwerstbehinderten Kind in Deutschland schreibt sehr berührend Mareice Kaiser vom Kaiserinnenreich, da habe ich mich schon viele Male festgelesen. Besonders die Rubrik „behinderte Momente“ Ihres Blogs geht mir immer sehr zu Herzen. 

*Behindert ist eigentlich ein doofes Wort, siehe oben. Ich versuche noch, es mir abzugewöhnen, hier lasse ich es stehen um die Impulshaftigkeit meiner Reaktion zu unterstreichen.