Tag 120 – Lagerkoller

Ich war heute fast den ganzen Tag draußen und trotzdem hat mein Körper nullkommagarkein Vitamin D produziert. Das Baby und ich sind direkt vom Kindergarten zum Weihnachtsshoppen aufgebrochen. Da regnete es. Als wir beim ersten Laden ankamen, regnete es immer noch. Im Laden regnete es natürlich nicht, dafür wurde mir wieder schmerzlich bewusst, was für furchtbare Babymädchenkleidung es gibt. Und was für ungeheure Mengen an Geld man für diese ausgesuchten Scheußlichkeiten ausgeben kann. Nach tausend Stunden langem Herumgesuche fand ich ein paar gefütterte Lederpuschen, das Baby hat ja immer kalte Füße und außerdem traf ich fast genau den Betrag des Gutscheins, den ich für den Laden hatte und muss da jetzt nie wieder hin, hurra. Als ich rauskam regnete es immer noch. Die Lichtstimmung war so Ca. Bei halb vier, dabei war es 12. Nächster Laden. Einen orange-rot geringelten Anzug gefunden, Preis ok. Kasse kaputt, Kartenzahlung geht nicht. Wieder raus, Geld holen. Es regnet. In Strömen. Anzug bezahlt, nächster Laden. Magnetbuchstaben für das Kind erstanden, Baby wurde wach und hatte Hunger (verständlicherweise). Auf ins Kaffee. Durch den Regen. Kaffee zu voll, kein Platz mehr frei. Ok, dann ein anderes Kaffee. Das ist in einem Hotel, in dem ich mal eine der furchtbarsten Nächte meines Lebens verbracht habe. Also 4 Stunden davon. Aber der Kaffee ist gut da. Ich trank meinen Kaffee, das Baby trank Milch, dann brauchte es eine frische Windel, und dann wieder raus. Halb zwei, nur noch Nieselregen, aber dafür quasi dunkel. Zum Bastelladen. Der hat nicht, was ich will, und das was er hat ist komplett überteuert. Um zwei Uhr raus aus dem Bastelladen. 

Es regnete nur ein bisschen, aber mal ehrlich, so kann man doch nicht leben, wenn es den ganzen Tag über eigentlich nicht hell wird? Das ist doch komplett zum Kotzen. Grummelig zu Fuß nach Hause, auf dem Weg aus Frust ein ganz ganz ganz tolles Kleid für das Baby gekauft und Fisch für 15€, 6 Wiener Würstchen (Bio) für 6 €, plus Gedöns fürs Abendessen, für die Weihnachtsfeiern und Milch (Liter 2€, nicht Bio) eingekauft. Inzwischen 15 Uhr und Nacht. Und wieder Regen. Bio-Eier in allen Supermärkten, in denen ich war (3) ausverkauft. Andere Eier kaufe ich nicht, nienieniemals. Um halb vier war ich wieder zu Hause, kalt und nass. Das Baby hatte natürlich wieder Hunger und hörte nur auf zu Futtern, um die Windel bis kurz vorm Überlaufen zu füllen (und überhaupt: wieso laufen denn die Kack* Windeln dauernd aus im Moment??? Orrrr…). Dazu Kopfschmerzen und eine gereizte Blase von zu viel Kaffee und zu wenig anderer Flüssigkeitszufuhr. Bett musste ich auch noch abziehen, weil ich letztens ner Freundin erzählt habe, dass das Kind schon lange nicht mehr ins Bett gepullert hat. Seit ich das ausgesprochen habe (ich Idiot. Ich lerns auch nie), hat das Kind JEDE Nacht ins Bett gepullert. In UNSER Bett. Und die Waschmaschine schafft es nicht, den Matratzenschoner trocken zu schleudern, das gibt ne Unwucht, wenn der nass ist. Also braucht das blöde Ding ewig im Trockner. Da kann man schon mal etwas angepisst* sein. 

Das Essen war sehr lecker. Und das Baby wollte gerne Kartoffel probieren. Durfte es auch. Fand es auch lecker. Zutzelte sich ein zu großes Stück ab, bekam es in den falschen Hals und kotzte mir sehr viel Milch mit etwas Kartoffel auf die Hose. 

Ich geh jetzt schlafen und freue mich auf Urlaub und Sonnenlicht. 

* im wahrsten Sinne des Wortes 

Tag 119 – … und immer schön an den Beckenboden denken!

Das Baby und ich waren heute bei einem Physiotherapeuten-Gruppentreff mit anderen Babys. Ich dachte, das sei Pflicht, sonst hätte ich mir das gespart, denn die Informationen waren ungefähr wie folgt:

– Babys, die robben, aber nicht krabbeln können, auf glatten Boden legen

– Babys, die gerade krabbeln lernen auf rutschfesten Boden legen

– Babys nicht zu lange in Wippen/Kindersitzen/Türhopsern o.ä. sitzen lassen

– Beim Tragen auch an den eigenen Rücken denken

– zwischen 9 und 18 Monaten ist der Normalbereich fürs Laufen lernen, der Durchschnitt ist bei 13-15 Monaten

Und last but not least:

– Nicht das Beckenbodentraining vernachlässigen!!!

Danach sind das Baby und ich endlich mal wieder zum Sport gegangen. Beckenbodentraining machen. 

Tag 115 – Behindernd. 

Heute ist internationaler Tag der Menschen mit Behinderungen und da passt es ja, dass ich gestern schon über was schreiben wollte wo ich dann aber drüber weggekommen bin. Ich bin nämlich gestern bei Facebook über eine Werbung gestolpert. Die Kinder-Outdoormarke Vossatassar veranstaltet einen Adventskalender und man sollte da so nen Beitrag kommentieren und konnte dann Regenzeug oder so gewinnen. Jedenfalls hatte eins von den Kindern auf dem Bild offensichtlich Trisomie 21. Völlig unkommentiert, einfach zwischen den anderen Kindern. Und ich so: YEAHHHHH! EIN BEHINDERTES* KIND, HIER, INKLUSION UND SO!!! Und dann ganz schnell der Gedanke, wie scheiße das doch eigentlich ist, dass mir sowas so auffällt. Dass es eben immer noch heraussticht aus der Masse der heile-Welt-alle-gleich-süß Kinderwerbung. Geht man mal davon aus, dass übern ganz großen Daumen jede elfte in Deutschland lebende Person als schwerbehindert gilt, ist es doch mehr als verwunderlich, dass ein Kind mit Trisomie 21 in einer Werbeanzeige ins Auge fällt wie ein Osterhase unter Weihnachtsmännern. Ich finde es schlimm, wenn ich lese oder höre, wie wenig Inklusion tatsächlich passiert, wie viele Steine Menschen mit Beeinträchtigungen ständig in den Weg gelegt werden. Ich schäme mich sehr dafür, als Teenager oft das Wort „behindert“ als Synonym für „doof“ benutzt zu haben („schwul“ übrigens auch und haben Sie schon mal versucht, sich eine schlechte (Sprach-)Gewohnheit abzutrainieren? Das ist sehr schwer. Aber der Mühe Wert.). Ich finde schade, dass man nicht mehr Vielfalt sieht im Alltag. Dass den einen beeinträchtigten Dozenten an der Uni, der seinen Rollstuhl mit einem Pusteball (?) steuert, wirklich jeder kennt, statt dass man sagen muss: welchen meinst du denn? Denn rein statistisch gesehen müsste es überall verschieden beeinträchtigte Menschen geben. Jede/r elfte eben. 

Was jedenfalls ein Schritt in die richtige Richtung ist, ist der ungezwungene Umgang mit Beeinträchtigungen. Und da finde ich eben die Werbung oben ganz toll. Ein Kind unter vielen. Die Firma hat übrigens dazu gesagt, dass sie Daniel als Model ausgewählt hat, weil ihnen der Blog der Mama so gefallen hätte. Ich freue mich auch immer über die Geschichten von Noah bei der Sendung mit dem Elefanten. Denn Beeinträchtigungen werden erst durch die Umwelt und deren Barrieren zu Behinderungen. 

Für mehr Vielfalt!

Wer weiterlesen möchte, sehr umfangreiche Informationen gibt es bei leidmedien.de. Über das Leben mit einem schwerstbehinderten Kind in Deutschland schreibt sehr berührend Mareice Kaiser vom Kaiserinnenreich, da habe ich mich schon viele Male festgelesen. Besonders die Rubrik „behinderte Momente“ Ihres Blogs geht mir immer sehr zu Herzen. 

*Behindert ist eigentlich ein doofes Wort, siehe oben. Ich versuche noch, es mir abzugewöhnen, hier lasse ich es stehen um die Impulshaftigkeit meiner Reaktion zu unterstreichen. 

Tag 114 – Geschafft

Heute war die Statistikkursklausur. Die war aus mehreren Gründen tricky. Zuerst mal war die am ungefähr unwahrscheinlichsten Ort der Welt: Einer großen Sportwettkampfhalle, die sich einfach mal auf keinem der drei Campi (Campusse?) befindet. Dort wurden heute ca. drölfzig Klausuren zeitgleich geschrieben, das heißt, nachdem ich mir die Hacken abgerannt hatte (habe ich erwähnt, dass es sehr vereist ist zur Zeit?) und um 08:53 Uhr die Halle erreichte, lief ich erst mal zielsicher in den falschen Raum, da stand dann natürlich nicht mein Name auf der Liste, also rannte ich herum und checkte verzweifelt das Internet auf meinem Telefon. Den richtigen Raum fand ich dann um 08:59 Uhr und ich schwitzte auch nur ein bisschen. Ich wäre gerne früher da gewesen, aber zu diesem unwahrscheinlichen Ort brauche ich länger und das war nicht eingeplant gewesen. Nun ja, ich habe es ja geschafft, bekam den letzten Platz und sofort die Aufgaben.

Hrmhrm. Kann ich… Blaue Bälle, rote Bälle, jo… Hmm… Ok, das hier ist doof, das hab ich doch irgendwo aufgeschrieben? Blätterblätter… Nee doch nich, aber ich glaub das ging so… Wurzel oder nicht Wurzel, das ist hier die Frage… Och menno, wieso ist denn jetzt hier 13 und Wurzel aus 13 als Antwortmöglichkeit gegeben, das ist doch doof… Egal, erst Quadrat und dann wieder Wurzel, zack, passt schon… Oh das ist wieder einfach… Schreibschreib… mal 0. Oh. Mal 0. Dann ist ja das ganze Ding 0. Hääää? Das macht keinen Sinn. Schwitz. Schwitzschwitzschwitz. Nee, Formel ist richtig. Blätterblätter. Schwitz. AHHHH! 1- übersehen. OK. 1-0=1. Macht zwar nicht viel mehr Sinn, aber so isses halt. Weiter zu den langen Aufgaben. Rechnerechne. Jo, das geht so. Hupsi, Ergebnis sieht komisch aus. AHHHH! Standardfehler ist nicht Standardabweichung, genau, dann is das hier ja so und das durch das ist… Hrmhrm, accept H null, no difference blablabla, ok confidence interval, WTF wieso steht der kack Wert denn nicht in der Tabelle??? Hab ich doch die falsche Formel genommen? Nee, die andere Formel ist auch nicht sinniger… Ach verdammt, ich laber jetzt hier rum und mach das kleinere Intervall, dann isses noch sicherer, geht ja nur drum, dass das auch über 0 geht, so zack. Oh hier, schön Männer gegen Frauen, wer überlebt am längsten? Testtest, rechnerechne, hmm ok hier auch accept H null, no difference, blablabla. Was will er denn hier? Da steht ja die Lösung schon in der Frage? Will der mich verarschen? Nä, hier, zack, in other words the intervall is given by the probability blabla, muss man nix rechnen, is ja auch mal schön. Oh, erst halb elf und fertig. Alles fein abschreiben auf das hochoffizielle Durchschlagpapier und weg damit. Viertel nach elf. Etwas mehr als die Hälfte der Zeit.

Dann bin ich durch den Nieselschneeregen und die Kälte und über das Eis zur Bibliothek gelaufen, hab da dann (im Stehen, weil irgend so eine doofe Veranstaltung war und nix zum sitzen frei) die ganzen bunten Klebis aus dem Statistikbuch wieder rausgefummelt und das Buch abgegeben. Juhu, anderthalb Kilo weniger nach Hause schleppen. Kurz in der Krankenhausapotheke nach Nasentropfen für das verrotze Baby geguckt: Äh Mist, mit Wirkstoff gibts hier nicht für Babys und Salzwasserlösung ist ausverkauft. Wäre auch überteuert, so schwer ist das ja nun nicht: 9 g Salz auf 1 L kochendes Wasser. Abkühlen lassen. Tadaa, Isotone Kochsalzlösung, kann man die Nase mit beträufeln oder Inhalieren oder als Kontaktlinsennotfallspüllösung verwenden. Aber eigentlich hätte ich lieber was mit Wirkstoff gehabt, das arme Baby kann nämlich kaum noch aus der Brust trinken vor lauter Schleim im Rachen und in der Nase. Morgens hatte es sich komplett verweigert, da musste ich also auch noch unter Zeitdruck (der Bus! der Bus!!!) die übervolle Brust leerpumpen. Hurra. Als ich wieder zu Hause ankam, hatte es immer noch nichts getrunken, konnte aber auch wieder nicht stillen und brüllte mich frustriert und hungrig an.

Netterweise bekam ich sehr schnell sehr viele Tips und nach Absaugen des Schleims aus der Nase konnte das Baby immerhin ein bisschen von der morgens abgepumpten Milch aus einer Spritze nuckeln. Damit spülte es den Rachen auch noch halbwegs frei und konnte danach stillen. Und seitdem steht hier ein Topf mit Thymianaufguss auf dem warmen Ofen und wir inhalieren einfach alle mit dem Baby mit. Riecht ja auch gut. Trotzdem war das Abendessen irgendwie etwas geschmacksarm. Ich hab kaum die Tomaten aus dem Risotto geschmeckt, was schade ist, weil ich dieses Tomaten-Mozzarella-Risotto wirklich sehr gerne mag. Nun ja. Außerdem haben wir dank der morgens abgepumpten Milch und der gestern aus dem Gefrierschrank in den Kühlschrank transferierten 2 Portionen jetzt sehr viel Muttermilch übrig. Endlich können wir mal Quatsch damit machen, wie zum Beispiel sie dem Baby in die Nase tröpfeln (gegen den Rotz) oder dem Baby auf den nach wie vor manchmal wunden Po schmieren oder vielleicht baden wir morgen das Baby mal drin, in der Hoffnung dass es das besser findet, wenn wenigstens das Badewasser lecker schmeckt.

Tag 113 – .

Sagen wir mal so: ich hoffe sehr, dass heute der Zenit meiner Erkältung war und es morgen besser wird. Sonst wird das schwierig mit der Klausur (zumal ich mangels Stimme höchstens pantomimisch Fragen zu den Aufgaben stellen könnte). Ich liege auch tatsächlich schon im Bett um meine Chancen auf Besserung zu maximieren. Muss aber noch mal aufstehen und meinen Schal holen, glaube ich. 

Tag 112 – Das Kranksein nutzen

Weil mein Hals kratzt als hätte ich ne Muskatreibe geschluckt, bin ich heute nicht zum Sport gegangen. Also schon wieder nicht. Das letzte Mal war ich dann vor drei Wochen da. Schlimmschlimm. Und da sich auch das Baby die Rotzerei eingefangen hat und rumschnorchelt und Schnodderblasen produziert und etwas unleidlich ist, war ich auf einen nervigen Babytragetag gefasst. Aber siehe da: das Baby wollte eigentlich den ganzen Tag schlafen (obwohl es glaub ich kein Fieber hat, ich hab nicht gemessen, aber es schien mir nicht so) und so konnte ich vier (!!!) meiner Übungsklausuren durchorgeln und wenn jetzt nicht irgendwas totaaaal verrücktes* drankommt, sollte ich dem gewachsen sein. Hurra! Fertig gelernt! Ich freu mich und werde morgen möglicherweise zum Stoffladen fahren, um das zu feiern. Ich muss nämlich eh zum Arzt und mir Blut abnehmen lassen und der Stoffladen ist da in der Nähe. 

Neulich schickte uns meine Mutter Adventskalender. Ich wusste das nicht vorher, es kam mir aber sehr gelegen, weil ich das völlig vergessen hatte. 

Jedenfalls ist der fürs Kind von Playmobil und so eine riesige Box, die zu 90% aus Luft besteht. Und da wir ja fast die Hälfte der Adventskalenderzeit in Deutschland sind, müsste ich also den halbleeren aber immer noch riesigen Adventskalender mitschleppen. Das war uns zu doof und deshalb packten Herr Rabe und ich (und das Baby, aber das sabberte und rotzte eigentlich nur alles voll) heute alles aus und in Geschenkpapier wieder ein. So sieht es schöner aus und lässt sich besser mitnehmen. 

  
Merke: die nächsten Wochen wird nix getoastet. 

Unser Adventskalender ist übrigens mit 24 Sorten Kaffee. Ich werde berichten. 

*Power of Hypothesis Tests wäre sowas Verrücktes. Da renkt sich mein Hirn aus irgendwie. 

Tag 109 – Morgens 

Letzten Sonntag bekam ich eine Nachricht meiner lieben Freundin A. A.’s Tochter M. ist so alt wie das Kind und vor drei Wochen wurde T., die kleine Schwester von M. geboren. Bis jetzt war noch der Papa von M. und T. tagsüber da, aber der muss wieder arbeiten, deshalb auch die Nachricht, die sie an mich, die *hust* Koryphäe auf dem Gebiet „Alltagsbewältigung mit zwei Kindern“ richtete:

A.: Ab Morgen bin ich zwei Kids „alleine“😱
A.: Oh Gott
A.: Panik!!
A.: Wie bekommt man das hin😳?

Ich: Ja Hmm also äh
Ich: Hier so: ich versuche mich aus dem Bett zu schleichen, ohne dass das Baby aufwacht.
Ich: Das klappt selten.
Ich: Dann mach ich mich fertig
Ich: „Fertig“ haha. Ich ziehe ne Jogginghose an und putze mir die Zöhne und setze ne Mütze auf.
Ich: Dann mache ich Frühstück für das Kind und wenns super gut läuft noch seine Brotdose und wenns fantastisch läuft weil beide Kinder weiterhin schlafen mach ich mir nen Kaffee.
Ich: Dann wecke ich das Kind und der frühstückt dann und ich zieh ihn an und putze ihm die Zähne. Das Baby schlafend in den Kinderwagen und los geht’s zum Kindergarten.
Ich: Da sind anderthalb Stunden rum.
Ich: Nach’m Wegbringen versuche ich bei Gelegenheit zu duschen/Haare zu waschen/ zu Frühstücken/ Kaffee zu machen.
Ich: Und meistens klappt das alles mal gar nicht und beide Kinder stehen mit mir auf, wollen bespaßt werden, müssen gewickelt werden, können mit einem Mal nicht mehr alleine essen und so weiter. Dann gibt’s keinen Kaffee und potentiell schlechte Laune. 😐
Ich: Und dann kommen wir auch oft erst auf den letzten Drücker im Kindergarten an.

A.: Du kannst einen wunderbar aufheitern mit deinen Beschreibungen😄
A.: Ich, schon bevor es soweit ist vorm Nervenzusammenbruch, dann kommt deine Alltagsbeschreibung und relativiert sich alles ein wenig!!
A.: Danke😘

(Bitteschön liebe A. Dafür haben wir uns ja. Muttifreundinnen 4-ever <3 !)

Tag 108 – Krankes Kind (3)

Heute war ich mit dem Kind beim Arzt. Herr Rabe hat einen Kinderkrank-Tag eingereicht, damit ich nicht das Baby in ein Wartezimmer voller verrotzter  Menschen mitschleppen musste. Besser wars auch, denn der Ausflug dauerte wesentlich länger als erwartet.

Um 13:45 hatten wir einen kurzfristigen Termin bekommen. Ich parkte neben der Praxis auf einem Wohngebietparkplatz und hoffte sehr, dass ich nicht wieder einen Strafzettel über 800 NOK (knapp 100!!!€) bekommen würde. Die Praxis war ganz schön voll und wir kamen erst um zehn nach zwei dran. Da gings dem Kind, das morgens noch halbwegs fit gewesen war, schon wieder recht dreckig und ich musste es die ganze Zeit tragen und auf dem Schoß haben.

Die Ärztin hörte ab, guckte in die Ohren, guckte in den Hals und wurde volle Möhre dabei angehustet. Sagte, sie hätte gerne nen CRP-Wert und nen Halsabstrich, Mandeln wären zwar normal aber man weiß ja nie. Der linke Lungenflügel würde etwas Rasseln bis tief in die Bronchien. Also setzten wir uns wieder ins Wartezimmer. Wurden irgendwann wieder aufgerufen für den Pieks in den Finger, der das Kind so schockierte, dass der darauf folgende Halsabstrich mit wenig Protest abging. Dann gab es ein buntes Pflaster und einen Flummi und viel Pusten von Mama. Und wieder ins Wartezimmer. Dann wieder zur Ärztin rein: Hmm, der CRP ist eigentlich ok, das ist alles komisch, gehen Sie bitte zum Lunge Röntgen ins Krankenhaus. Da war ich dann erst mal ziemlich geschockt: Krankenhaus??? So schlimm? Lunge Röntgen klingt auch nicht gut. Egal, erstmal dem Kind Sicherheit vermitteln. Und den Herrn Rabe anrufen, der und das Baby müssen mit, sonst kriegt das Baby Hunger und dann? Ja eben. Mann und Baby eingesackt, auf dem Rückweg noch schnell wegen tausend Einbahnstraßen verfahren, und ab ins Krankenhaus. Auch da: Warten. Lange.

Das Röntgen der Lunge war dann ein besonderer Spaß, weil das Kind partout nicht vor der Platte sitzen oder stehen bleiben wollte. Es erforderte eine blitzschnelle Röntgenassistentin, die just in dem Moment, als das Kind mal kurz richtig davor saß, auf ihr Knöpfchen drückte. Die seitliche Aufnahme war trotzdem etwas schief, aber da das Kind schon wieder völlig aufgelöst war und an mir hing wie eine Klette, meinte sie, vielleicht reicht es ja dem Arzt auch so, erstmal ausruhen und wenn doch noch ein neues Bild gemacht werden muss, dann machen wir das eben später. Ok. Also wieder: Warten. Auf die Bildauswertung.

Das Kind schlief auf Herrn Rabe ein, das Baby hatte Hunger und wurde gestillt, kackte und wurde gewickelt, war müde und wurde herumgeschleppt, die Uhr tickte vor sich hin und dann endlich kam jemand und rief uns auf: Gehen Sie bitte in die Kinder-Notaufnahme. Da wurde mir etwas flau, aber es half ja nichts. Ab in die Kinder-Notaufnahme. Die fanden wir zunächst nicht und irrten, jeder ein Kind und diverse Jacken schleppend, in der Kinderklinik herum. Irgendwann begegnete uns ein Arzt, der uns den Weg sagte. Also hin da und: Warten.

Dieses Mal mussten wir nur sehr kurz warten und wurden von sehr netten Kinderkrankenschwestern in Empfang genommen. Die stellten erstmal drölfzig Fragen und untersuchten das Kind ein bisschen. Wieder über 40 Grad Fieber. Oha.  Das Kind bekam dann ein Eis und ein Trinkpäckchen und 310 mg Paracetamol als Zäpfchen und zwei Emlapflaster falls Blut abgenommen werden müsse (nachdem es auf die Frage: „Tut’s dir irgendwo weh?“ seinen Finger mit dem bunten Pflaster vorgestreckt hatte) und eine Elektrode an den Fuß. Wir bekamen jeder einen Becher Wasser und das Baby einen Kinderwagen zum drin schlafen. Dann mussten wir wieder (Sie ahnen es sicher bereits) warten. Das Pflaster wirkt ja eh erst nach ner Stunde und außerdem war grade Schichtwechsel und sie wollten abwarten, wie das Paracetamol wirkt. 45 Minuten später schliefen alle außer mir. Die Schwestern kamen wieder und weckten alle wieder auf, maßen noch mal die Temperatur (jetzt nur noch 37,8) und gingen wieder raus. Nach noch mal 10 Minuten kam endlich der Arzt, ein netter, ziemlich kleiner, älterer Herr mit starker Brustbehaarung der die in meinen Ohren schönste Sprache der Welt sprach: Schwedisch. Es ist so schön. Hachz. Nun ja, er hörte noch mal ab, besah sich dann nochmal das Röntgenbild, guckte auf den CRP-Wert und machte viele hmms dabei. Und erklärte uns im Endeffekt könnten wir nichts weiter machen, die Lunge hört sich schlimm an, sieht aber so schlecht gar nicht aus, also Entzündung ja, aber keine schlimme, Bakterien sinds nicht, dann wäre der CRP höher, Viren vielleicht, obwohl dann eher auch Ohren und/oder Augen mit betroffen sein müssten, vielleicht auch Mycoplasmen, man weiß es halt nicht. Samstag sollte das Fieber wegsein. Wenns Montag noch nicht weg ist, nochmal zum Arzt. Von dem Husten hätten wir jetzt aber länger was, der alleine sei aber dann nicht mehr ansteckend. Viel trinken. Sei besser als jeder Hustensaft.

Mir fielen erstmal tausend Steine vom Herzen, das das Kind nicht im Krankenhaus bleiben musste. Und tatsächlich hab ich mich noch nie so über nen normalen Wutanfall gefreut, den es zu Hause wegen irgendwas und der runtergefahrenen Temperatur bekam. Darauf eine Pizza für alle!

Tag 107 – Krankes Kind (2)

Das Kind ist immernoch krank. Herr Rabe hat sich heute mal einfach drüber hinweggesetzt, dass das Kind sagte, es wolle nicht Fieber gemessen bekommen: 40,3 Grad. Ja Hmm. Das erklärt einiges. Zum Beispiel dass es den ganzen Tag weint. Ehrlich. Regression zum Baby hier. Und wer meint, mit Baby sei man fremdbestimmt, ist herzlich eingeladen mal vorbeizukommen. Das Kind und das Baby definieren grade gemeinsam Fremdbestimmung völlig neu. Und ich hasse es sehr doll. Das Kind will, dass ich mit ihm auf dem Sofa kuschel und keinen Meter weggehe. Das Baby will herumgetragen werden. Beide weinen sehr laut und ausdauernd, wenn ich ihren Wünschen nicht nachkomme. Zähneputzen? Nicht für Mama. Essen? Nicht für Mama. Aufs Klo? Nicht für Mama. Aaarrrrrrggggg!

Und. Ich. Muss. Für. Diese. Scheiß. Statistikklausur. Lernen. Wiesollichdasdennbittemachenverdammtnochmal??? 

Orrrrr. Echt. 

Morgen gehen wir zum Arzt, soll der mich auslachen aber is mir egal, so geht’s nicht weiter. 

Tag 106 – Krankes Kind

Gnaaaaa die Worpress App hat meinen Eintrag kaputt gemacht und meine Motivation jetzt alles nochmal zu tippen geht gegen null. 

Kurzfassung: Kind ist immer noch krank und ich komme deshalb tagsüber zu null Komma gar nix. 

War beim Erste-Hilfe-Kurs für Babys und Kleinkinder. Dauerte anderthalb Stunden. In einem muffigen Raum. Zusammenfassung: checken, ob offensichtlich was im Hals steckt, dann entfernen. Rauspulen oder Kind übers Knie legen und kräftig auf den Rücken schlagen. Wenn Kind nicht atmet: 5 mal kurz pusten (das ist der einzige Unterschied zum Erwachsenen), dann Wiederbeleben mit 30 mal Pumpen und 2 mal pusten. Weitermachen bis Ambulanz kommt. Ach ja genau: Ambulanz rufen nicht vergessen. Die Telefonnummer ist 113 hier, das ist für mich verwirrend, aber soweit ich weiß wird man im Zweifelsfall von 112 umgeleitet.

Und jetzt ins Bett.