Tag 1289 – Verquatscht.

Also, die Frau Wunnibar, die hat schon eine sehr tolle Familie, mit sehr sehr putzigen Kindern! Eins schläft total entspannt in Pippis Bett, während Pippi und Michel auf der Matratze auf dem Boden schlafen, das andere – das finde ich noch viel faszinierender – schläft seit neun Uhr mit nur einem Maunzer zwischendurch alleine im Gästebett. Überhaupt ein entspanntes Baby, fröhlich, neugierig und willensstark, aber dabei nicht so diffus, wie Babies ja durchaus auch oft sind. Es mag Stromkabel, das ist natürlich eine kleine Herausforderung, bei uns ist ja nichts mehr entsprechend gesichert. Aber drei Erwachsene werden schon für drei Tage aufpassen können, dass ein Baby keine Kabel ankaut. (Full disclosure: Babies sind toll, ich liebe Babies, es war auch toll, selbst welche zu haben, aber noch viel toller als das alles ist es, dass sie jetzt keine Babies mehr sind!) Die großen Kinder haben schon zusammen Laden gespielt und ein bisschen Mist gemacht, nämlich heimlich das iPad, das zur Bedienung des Lego-Roboters mit ins Kinderzimmer gewandert war, zum Mausclips gucken benutzt. Läuft also. Ich hab eine total positive Geschichte über Kindersklaven als Gute-Nacht-Geschichte vorgelesen und gucke das nächste Mal genauer worum es geht, bevor ich lese. Aber alle Kinder schlafen und wir Erwachsenen haben uns im Anschluss bei Wasser und Schokolade ordentlich verquatscht. Wenn morgen wirklich um fünf Kinder wach sind, wird das ein langer Tag.

Tag 1285 – Das Ende der Konsequenz.

Michel ist nicht so vorsichtig mit seinen Sachen, wie ich mir das wünschen würde. Genau genommen kriegt er alles ziemlich schnell kaputt, nicht mit Absicht aber aus totaler Unachtsamkeit und nicht-Mitdenken. Ich habe mich damit abgefunden, dass, seit er drei war, keine Sachen mehr an Pippi weitergegeben werden können, weil eigentlich alles, was Michel ab diesem Alter besessen und benutzt hat, danach ein Fall für die Tonne war. Zerkaute Jackenkrägen, durchgeschubberte Hosen, großgeprokelte Löcher, lauter einzelne Handschuhe. Bei manchen Sachen kann ich damit seufzend leben, bei (Winter-)Schuhen und Draußenkleidung knirsche ich aber schon recht vernehmlich mit den Zähnen und wenn ich sehe, wie es zu bestimmten Abnutzungserscheinungen kommt, kriege ich ganz schlimmes Augenzucken und nach der dritten „pass auf, du trittst schon wieder vorne die Schuhspitze kaputt“ habe ich die Ansage gemacht, dass ich diesen Winter jedenfalls nicht ein zweites Paar neue Winterstiefel kaufen werde* und wenn die Schuhspitze dann kaputt ist und er nasse und/oder kalte Zehen kriegt, sei das halt sein Problem.

Heute brachte ich Michel zum Hort und als wir ankamen und er seine Schuhe auszog, waren seine Socken von unten nass. Die Schuhe sahen trocken aus, was mich dann doch verwunderte, erst dachte ich, er sei im Flur in eine Pfütze getreten. Aber nein. Die Schuhe sind beeindruckend hinüber. Wirklich nicht mehr verantwortbar, das Kind damit rumlaufen zu lassen, Konsequenz hin oder her. Zumal ich bezweifle, dass Unachtsamkeit allein das schafft:

Die Schuhspitzen hat er selbst runtergerockt, aber…

Kein Wunder dass da nix mehr dicht ist.

Also machten die recht fitte Pippi und ich heute einen spontanen Ausflug ins Einkaufscenter, wo wir im Saisonschlussverkauf reduzierte Winterstiefel kauften, Marke und Synthetik, in der Hoffnung, dass die länger halten. Plus neue Gummistiefel für Michel, weil die alten, das merkte ich, als ich ihm die als heutigen Ersatz für die Winterstiefel brachte, mit Größe 28 gar nicht mehr passen können. Plus Winterstiefel in den wahrscheinlichsten nächsten-Winter-Größen für beide Kinder und eine Winterjacke in der nächsten Größe für Michel. Den Rest des Monats gibts hier Knäckebrot.

Auf dem Hin- und Rückweg durch unfassbar tristen Nebel und graubraune Schneematschlandschaften gefahren. Fast möchte ich hoffen, dass noch nicht Frühling wird, auch runtergesetzt waren Winterstiefel und Gummistiefel zu teuer um sie nie anzuziehen. Obwohl, dann kann Pippi sie auftragen. Vielleicht doch ganz schön mit Frühling.

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*wären sie in der Zwischenzeit zu klein geworden, wäre das ja noch mal eine andere Sache

Tag 1284 – Ein paar lose Enden.

Discovery. Die neue Staffel kriegt mich nicht ganz so wie die erste. Mal sehen, ob das noch wird. Spezifische Kritikpunkte (mit verklausulierten aber schon halt Spoilern):

  • Die zuletzt ausgestrahlte Folge war mir zu schnulzig
  • Die davor auch
  • Die davor war komplett absurd
  • Figuren kommen und verschwinden erklärungslos (die neue Technikerin, eine Figur, so nerdy und eigen, dass man sie so wunderbar ins Team integrieren könnte, aber sie ist halt mal sehr präsent da und dann komplett weg. Ist die Schauspielerin zwischendrin in den Urlaub gefahren? Haben die Drehbuchautor*Innen nicht miteinander geredet? Sowas ist doch Käse.)
  • „Security Consultant“. Und diese ganze Weltraum-Rowdy-Truppe.
  • Das enorme Plothole „das Mycelium wird uns sofort angreifen, wir haben nur eine Stunde, danach sind wir alle tot und das Schiff aufgelöst!“, wie es gestopft wurde „ach ja, äh, wenn wir hier durch rein gehen, ist es eigentlich safe!“, plus dass der Dings da angeblich monatelang überlebt haben soll, wo doch Kontakt zum Myzel ihn direkt hätte auflösen müssen. Aber klar, er hat sich ja mit Rinde bedeckt. Natürlich.

So. Weiterhin mag ich die verschiedenen Frauenfiguren. Vor allem Philippa Georgiou, selbst in dieser Weltraum-Rowdy-Truppe.

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Die Hort-Sache. Tja, neulich redete ich mit dem Hort-Chef und das lief wie erwartet schlecht. Er konnte mir keine Hoffnung machen, dass sich zeitnah irgendwas an der Qualität der Betreuung ändert. Des Weiteren verwies er an die Lokalpolitiker, auch für die Möglichkeit, nur den Morgen-Hort zu nutzen und dafür nicht 2000 Kronen im Monat zu zahlen, diese Möglichkeit ist nämlich nicht existent und das kommt halt „von oben“, machste nix, Pech gehabt. Nachdem die Nachbardamen aber gesagt haben, dass sie ihre Kinder ab dem Sommer auch im Sport-Hort anmelden werden und wir die Morgenstunden dann schon irgendwie abgedeckt bekämen, haben wir Michel nun kurzentschlossen doch beim Sport-Hort angemeldet, ab 1.4.* und drei Tage die Woche. Gleichzeitig reduzieren wir den normalen Hort auf 50%, entsprechend 15 Stunden pro Woche, nämlich jeden Tag eine Stunde morgens plus zwei Nachmittage. Diese Lösung kostet uns etwa 1000 Kronen pro Monat mehr, das kriegen wir hin. Und ab 1.8. dann eben nur noch Sport-Hort, 5 Tage die Woche und die Morgenstunden teilen wir uns unter sechs Erwachsenen auf, das muss ja irgendwie gehen. Spannend wird dann noch, wie wir es mit einem Auto lösen, vier Kinder und zwei Erwachsene zu verteilen. Aber auch das wird hinhauen. Hab ich jetzt beschlossen.

(Mit der Lokalpolitik werde ich trotzdem noch mal reden. Die müssten ja auch ein Interesse dran haben, dass Kinder wenigstens einen kleinen Teil der Betreuung nutzen und Eltern dafür bezahlen. Aber man muss vielleicht noch mal sehr deutlich sagen, dass 2000 Kronen für ~20 Stunden tatsächlich genutzte Betreuung pro Monat einfach nicht drin sind, die Alternative zu einem sinnvolleren Tarif ist also halt dass meins und andere Kinder gar nicht mehr angemeldet sind, das bedeutet weniger Geld für die Kommune und wegen weniger angemeldeten Kindern weniger Personal für die restlichen Kinder im Hort.)

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Die Milben kamen letzte Woche, es waren tagsüber -8 Grad, ich nehme an, sie waren alle tot gefroren. Ich habe keine einzige lebende Milbe gesehen, aber vielleicht sind die ja auch ganz klein, wer weiß. Jedenfalls flogen heute wieder ganz viele Erdmücken hier rum und ich habe dann wieder die Erde getauscht und die restlichen toten Milben drin verteilt. Ich hab so die Schnauze voll von diesen kack Mücken. Und die Schnecken glaube ich auch, sobald fliegende Mücken (und nicht nur Larven in der Erde) da sind, werden sie inaktiv. Die Mücken sind aber auch dumm wie Mücken halt und fliegen den Schnecken gegen die Augen und kriechen vielleicht auch in die Atemlöcher, da würde ich mich als Schnecke auch eingraben und nicht mehr rauskommen.

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Pippi ist wieder fiebrig und hat geschwollene Lymphknoten am Hals, sonst aber nichts. Ich bete zu allen höheren Mächten, an die ich nicht glaube, dass das nicht heißt, dass die Mandelentfernung das PFAPA nicht besiegt hat. Ebenfalls bete ich, dass mir das in der Probezeit nicht irgendwie angekreidet wird.

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Das Regal habe ich, nachdem es letzte Woche endlich die richtigen Dübel bekommen hat, heute eingeräumt. Es stehen nun hauptsächlich Bücher drin, weil wir kaum Dekogegenstände haben, die ich mir heute noch in mein Wohnzimmer stellen würde. Das sind halt alles Dinge, die wir mit Anfang 20 angeschafft haben, als wir zusammenzogen, zum Teil waren die auch schon in unseren KinderZimmern vorhanden, aus denen wir damals auszogen. Ingesamt seit langem nicht mehr mein Geschmack. Habe dann lange drüber nachgedacht, was denn mein Deko-Geschmack sein könnte und naja, vielleicht sind Bücher halt auch eine ausreichende Deko. Mir fiel jedenfalls nichts ein, dass ich mir ins Regal stellen würde. Ich hatte neulich schon das Problem mit Bildern an der Wand: mein Geschmack ist da eigen, es muss was sein, das ich mir gut angucken kann, aber das meine Aufmerksamkeit nicht komplett frisst. Schon manche Landschaftsbilder waren mir da zu viel, alles mit Menschen drauf eh, Tiere, hmm, Wellen, Sinnsprüche, Ballettschuhe und so weiter genauso wenig wie TigerLöweElefantenPanther oder chomglänzende Retro-Motorräder. Wenn die Bilderrahmen für die schon längst angekommenen Plakate mit Abbildungen von blauen Blumen auch da sind, zeige ich Ihnen mal die und Sie sagen mir dann, was die Dekogegenständliche Entsprechung zu blauen Blumen ist, ja?

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Mit dem Mantel habe ich immer noch nicht weiter gemacht. Nachdem ich gestern unvorsichtiger Weise gesagt habe, ich möchte gern am Wochenende nähen, musste ich heute für und mit Michel einen Lemming nähen. Danach Hausarbeit, Regal, Erde, krankes Kind, Zack, Tag um.

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*das war möglicherweise verfrüht, weil ich „1 Monat Kündigungsfrist“ so interpretiert habe, dass ich jetzt zum Ende des nächsten Monats kündigen kann. Aber dann hieß es plötzlich „Änderung wirksam ab 2 Monate, beginnend am 1. des Monats nach der Änderung“. Aber da war’s mir dann zu schade um die Nerven, echt mal, sind dann auch nur noch mal 1000 Kronen mehr für den einen Monat, da rege ich mich nun nicht drüber auf.

Tag 1278 – 4.29.

Heute gelernt: einen 4.29 kann man immer machen, wenn einem sonst nix einfällt.

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Michel erzählte heute morgen, seine Klassenkameradin, nennen wir sie mal frei erfunden Lise, könne Spagat. In jede Richtung. Erwachsene können nicht so gut Spagat, weil die Beine länger sind und dann ist der Abstand so groß. Er kann auch keinen Spagat. (Ich fügte an dieser Stelle an, dass ich auch mal Spagat konnte, auch als ich schon erwachsen war und er das auch nur üben müsste, dann könne er das auch irgendwann.) Aber die Lise, die kann das, die geht nämlich zum Turnen.

Und beim Turnen, ne Mama, da nimmt man auch ab.

Der Satz hat mich wütend und traurig und alles gleichzeitig gemacht und ich habe Michel dazu erst mal ein paar Takte gesagt, nämlich

  • Dass man Sport nicht macht um abzunehmen, sondern zu allererst mal weil’s Spaß macht und dann vielleicht irgendwann weil man davon fitter wird
  • Dicke Leute können viel Sport machen und sehr fit sein und sich pudelwohl fühlen
  • Schlanke Leute machen umgekehrt auch nicht alle Sport und sind vielleicht ganz und gar nicht fit oder gesund
  • Und überhaupt und ganz wichtig: SECHSJÄHRIGE SOLLTEN SICH ÜBERHAUPT NOCH KEINEN KOPF UMS ABNEHMEN MACHEN
  • Herrschaftszeiten. Das wird ein schöner nächster Elternabend. Da freue ich mich jetzt genauso drauf, wie auf den im Kindergarten, wo ich mal anmerken werde, dass Leuten, die beim Abliefern und Abholen vorm Kindergarten das Auto einfach laufen lassen, offenbar an der Zukunft ihrer Kinder nicht so viel gelegen ist, jedenfalls an keiner auf einem Planeten mit halbwegs in-Ordnung-em Klima.
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  • Heute zum ersten Mal im nicht-mehr-ganz-Dunkeln das Haus verlassen, um 07:03 wurde der Himmel im Osten schon blau. Auch im noch-nicht-ganz-Dunkeln nach Hause gekommen. Wäre nicht der Zug hoffnungslos verspätet gewesen (ich habe von Schreibtisch zu Couch 1 Stunde 50 Minuten gebraucht), wäre es noch heller gewesen und das tut dem Gemüt außerordentlich gut sage ich Ihnen. Das schafft keine Vitamin-D-Tablette, was länger werdende Tage mit mir machen. Noch 5 Wochen ca. und dann ist es endlich wieder länger hell als dunkel (und ja, der Tag der Tag-und-Nacht-Gleiche ist überall gleich, dieses Jahr am 20. März). Hach!
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  • Das mit dem total verspäteten Zug war aber doof, denn ich musste erst sehr lange warten, dann fuhr der Zug auf einem anderen Gleis, was ich aber erst raffte, als er auf dem anderen Gleis einfuhr und dann musste ich sehr schnell sprinten (was ich hasse und normalerweise tue ich mir würdeloses Rennen zum ÖPNV nicht an, aber ich hatte ja schon ewig gewartet) und dann war natürlich in Eidsvoll auch kein Bus zu kriegen und ich musste vom Bahnhof aus nach Hause laufen. Letzteres war noch am wenigsten schlimm, dachte ich erst, aber mein Uterus meinte dann ab der Hälfte des Wegs, er hätte nun genug und krampfte sich um die Spirale und das war dann sehr unangenehm. Zu Hause plumpste ich auch nur noch aufs Sofa und schlief recht bald bei Mickey Mouse ein.

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    Pippi kuschelte sich beim Fernsehen an mich und als ich wieder wach wurde konstatierte, ich sei sehr weich und würde gut riechen. Das ist doch mal ein schönes Kompliment.

    Tag 1276 – Füße hoch!

    Wochenende ist zum Wäsche waschen, Fingernägel lackieren und Füße hochlegen da. Ersteres und letzteres haben wir heute ausgiebig getan, war auch nötig. Pippi hielt auf mir einen langen Nachmittagsschlaf, was dazu führte, dass Herr Rabe dann bei der etwas ausufernden Einschlafbegleitung einschlief. Michel schaute während Pippis Mittagsschlaf eine norwegische Kindersendung, in der Teams aus drei Kindern gegen den Steampunk-Lord „Daidalos“ antreten müssen, der sie durch Labyrinthe schickt, in denen sie auf seine Erfindungen und Maschinen treffen, die allesamt nur ein Ziel haben: die Kinder mit grünem Schleim einzuspritzen. Das ist gar nicht mal schlecht gemacht oder so, aber es ist für mich wie 99% aller Kindermusik: ich fremdschäme mich furchtbar. Vermutlich, weil ich als Kind Sendungen wie „1, 2 oder 3?“ super gut fand und Rolf Zuckowski sich durch Dauerbeschallung in den Lebensjahren 5-10 für immer in meine Gehirnwindungen gebrannt hat. Wie gern wär ich so ein Kind im Fernsehen gewesen. Heute gucke ich sowas an und ich mag die Kinder nicht, gekünstelte Anspannung, Altklugheit, gekünstelter Triumph, schreckliche Team-Sprüche. Eine Mädchengruppe sprach offensichtlich abgesprochen dauernd im Chor. Im Chor! Leider war ich ja von Pippi ans Sofa gefesselt. Und Michel findet die Sendung ganz toll, es hält ihn nicht auf dem Sofa:

    Nach dem Essen erzählte mir Michel dann noch ganz viel in seiner Michel-Art, vieles hat er aus der Schule, manches denkt er sich dann selbst dazu und dann wird es sehr lustig. Zum Beispiel:

    „Mama? Haben wir im ganzen Körper Wasser?“

    „Ja, überall in unserem Körper ist Wasser.“

    „Auch IM Gehirn???“

    „Ja, im Gehirn auch.“

    „Aber warum denke ich dann nicht nur ‚Wasser, Wasser, Wasser‘?“

    oder auch

    „Es ist gut, dass wir eine Haut am Auge haben. Wenn sonst eine Fliege ins Auge fliegen würde, käme die direkt ins Gehirn rein und wenn man dann reden würde, würde man nur ‚Bssss Bssss‘ sagen.“

    Ebenfalls fiel mir heute auf, wie unsauber wir manche Worte aussprechen, nachdem Michel einen Zettel an seine Tür gehängt hatte, auf dem er um den Besuch seines Ladens und das Bezahlen in ONKLIE PENER bat. Das sollte wohl „ordentlige penger“ heißen, also „richtiges Geld“ (schlaues Kerlchen), aber genauso wie ENKLICH statt egentlig/eigentlich ist ordentlich auch bei mir so ein Wort, wo ich mir wohl mehr Mühe beim Aussprechen geben sollte. Note to self: ooantlicha attikulian.

    Pippi hat heute auf ihrem Telefon Videos geguckt. Komplett mit danach suchen, dann scrollen, dann anschalten und das Telefon quer auf den Tisch stellen, an eine Wasserflasche gelehnt. Pippis Telefon ist ein hellblaues Plastikteil aus den frühen 2000ern, mit Antenne und ohne Bildschirm, nicht mal einem angedeuteten, einzeiligen Display wie man es ja doch meist hatte, damals, als man mit Telefon noch nicht automatisch Handy meinte und das Attribut „schnurlos“ noch durchaus Sinn besaß. Für Pippi heißt Telefon Smartphone, damit kann man Fotos machen und Videos angucken, so.

    Tag 1271 – Møte, møte, møte.

    Einleitung 1: Ich wollte heute gern ein klärendes Gespräch mit meiner Team-Chefin führen, die ist aber so etwa bis in zwei Wochen durchgehend in irgendwelchen Meetings.

    Einleitung 2: selbige Team-Chefin sagte heute im Meeting (sic) zur Besprechung des Jahresberichts und den darin auftauchenden Diskrepanzen zwischen Fristen und tatsächlichem Abliefern: „Ein Problem ist auch, dass wir alle zu viel in Meetings sitzen. Dadurch schaffen wir unsere eigentliche Arbeit nicht mehr.“

    (Da möchte man ja schon ganz Loriotesk „ACH!“ rufen, aber es kam ja noch besser.)

    Tatsächliche Story: in selbigem Meeting, nach der Besprechung des Jahresberichts, diversen Neuerungen auf Datenmanagement-Seite (die neue Team-Chefin macht nicht alles so weiter, wie es der alte Team-Chef seit immer gemacht hat und die Inspektør hier seufzt aus Gründen erleichtert) und „bitte tragt eure Urlaubswünsche da und da ein“ bekamen wir noch Besuch. Der Besuch stellte uns ein neues Tool vor, eine Art Datenbank, die wir ab demnächst benutzen müssen, allerdings längst nicht alle von uns und vor allem brauchen wir diese Datenbank eigentlich nur, um einen ganz bestimmten Prozess nachvollziehen zu können. Die Vortragenden stellten uns aber sämtliche drülfzig verschiedenen, zum Teil noch unausgegorenen und zum Teil auch noch gar nicht implementierten Funktionen vor. Über eineinhalb Stunden lang. Nach etwa dreißig Minuten dachte ich, ja, alles klar, ich klicke also dann da und dann sehe ich, was da passiert ist und kann dann überlegen, ob ich da oder da anrufe und wen ankacke frage, was da wohl los war. Gut! Nein. Denn es ging noch ewig so weiter. „Wir können auch alle Mails an Sie alle weiterleiten!“ (Äh, nein Danke? Ich möchte bitte nur Mails, die für mich relevant sind, nicht tonnenweise Spam…) „Und dann können Sie hier einfach immer gucken…“ (Genau. Wie ich dann demnächst* immer sagen werde „Und wie stellen Sie sicher, dass da auch geguckt wird?“) „Hier machen wir dann noch diese Funktion hin, aber das muss noch von der EU…“ (Jesus. Ich will keine schöne Zukunftsmusik hören. Was zählt ist was jetzt da ist.)

    Und weil das alles ja noch nicht reichte, ignorierte der Ex-Team-Chef nach Kräften meinen sehr demonstrativ mit den Hufen scharrenden** Kollegen und besprach noch tausendundeine Feinheit der „vielleicht irgendwann mal“-Features dieses Systems mit dem Besuch. Während 15 weitere Anwesende an ihren Schreibtisch dachten und an die schlechten Ergebnisse im Jahresbericht.

    Nach dem Meeting ging ich an meinen Schreibtisch zurück und hängte die verschwendete Stunde hinten dran. Mit leicht rauchendem Kopf. Und wenn es mir so geht, auf deren Tisch noch gar keine Fristsachen liegen, wie soll es dann denen gehen, bei denen die Deadlines schon wie Zombies über den Schreibtisch wanken und die sich zudem grad anhören durften, wie schlimm das ist, dass sie ihre Ziele nicht erfüllen weil sie permanent in Meetings rumhängen? Gnarfz.

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    Abends mit Michel Hausaufgaben gemacht und viel Spaß gehabt. Ich sehe das mit den Hausaufgaben ganz entspannt, dadurch geht es auch bei Michel einigermaßen ohne Wutausbrüche. Dafür macht er nur Blödsinn. Tjanun, möchte ich da sagen, nach einem 10-Stunden-Tag in Hort und Schule und dann wieder Hort würd ich vielleicht auch nur noch rumalbern und mal mit beiden Händen oder mit geschlossenen Augen schreiben.

    Was ich aber faszinierend finde: dass er gar nicht merkt, dass die „Lösung“ für die Aufgaben dauernd daneben steht. Die Aufgabenstellungen sind nämlich oft so: ein Bild von einem Baum, darunter steht „Baum“, daneben die Wörter „Baum, Traum, Ball“. Aufgabenstellung: „Kreise das richtige Wort ein und schreibe es darunter.“ Vielleicht bin ich echt übermäßig systematisch veranlagt, ich würd nach den zwei gleich aussehenden Wörtern suchen, einkreisen, abmalen, fertig. Vermutlich könnte ich bis heute nicht schreiben. Aber das bin ja nur ich, und ich bin 33 und kann seit fast 30 Jahren lesen, insofern bin ich da wirklich kein Maßstab und die Macher*Innen von Schreiblernbüchern denken sich ja sicher was dabei. Und so hab ich was zu wundern, win-win.

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    *genau genommen ab morgen. Wünschen Sie mir irgendwas, am besten, dass mich das verfluchte „Ich kann das nicht!“-Gefühl nicht wieder einholt

    **noch nie habe ich jemanden so aggressiv Zettel einsammeln sehen

    Tag 1270 – Akute Unlust.

    Pippi hat heute festgestellt, dass Schnee kalt ist. Und tiefer Schnee tief* und dass man da schlecht drin laufen kann. Dementsprechend hatte sie plötzlich gar keine Lust mehr auf Schlitten fahren, als wir an der Rodelbahn angekommen waren.

    Ich nahm sie auf den Schoß und wir schauten Michel und Herrn Rabe beim Schlitten fahren zu. Herr Rabe und ich hätten uns da natürlich abwechseln können, aber ich bin bei der ersten Tour mit Michel sehr unelegant vom Schlitten gesegelt und hatte danach frischen Puderschnee in jeder Falte meiner Kleidung, im Kragen, in der Hose und, ach, also Schlitten fahren finde ich nur so mittel gut.

    Pippi war zwar auf meinem Schoß wenigstens ruhig und weinte nicht mehr, aber nach jeder Tour, die Herr Rabe und Michel auf dem Schlitten machten meinte sie „So! Jetzt können wir fahren.“ Michel ließ sich dann aber tatsächlich auch nach recht kurzer Zeit zum Aufbruch nach Hause überreden, es wehte ein kalter Wind und wir alle hatten Hunger. So war das dann ein eher kurzer Ausflug.

    Fehler
    Dieses Video existiert nicht

    Was auch nicht so gut lief wie geplant war meine Fingernägel zu lackieren. Irgendwie hatte ich es nach anderthalb Händen so gründlich vermurkst, dass ich dann alles abgemacht habe und dann war es so spät, dass die Zeit nur für Pflegelack reichte. Naja, Hauptsache nicht nackige Nägel: ein Nagellack hat abgefärbt und jetzt sehen meine Fingernägel leider aus, als würde ich rauchen, aber mit allen 10 Fingern gleichzeitig.

    An sich aber ein sehr schöner und geruhsamer Wochenendtag.

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    * der Schnee war so hoch, dass ich kurz befürchtete, ich würde Michel, der direkt nach Ankunft an der Piste mal musste, dafür hochheben müssen. Seine Körpergröße reichte dann aber grade so, um auf den Schnee zu pullern statt nur dagegen.

    Tag 1269 – Supermus.

    Michel hat uns heute sein Malheft aus dem Hort gezeigt. Es ist sehr niedlich alles. Ich glaube, hier hat er unser Haus gemalt:

    Es ist nämlich so: unser Garten ist halb rund und neben dem Haus (Check), vorm Haus steht direkt eine Straßenlaterne (Check) und unsere Fenster haben Kreuze drin (Check).

    Dann gibt es wohl neues von Supermus:

    Man erkennt es am Cape. Vielleicht ist es auch ein Meerschweinchen oder ein Igel, auf jeden Fall mit Cape also ein Superheld.

    Noch ein paar Bilder von unserem Essen heute, einfach weil es so lecker war und ich, die ich nur alle Jubeljahre Fleisch zubereite und für jeden Pups erst im Internet nach Rezepten suchen muss, das doch ganz gut hingekriegt hab. (Vegetarier*Innen können nach den Maiskolben aufhören zu lesen.)

    Das kann ich noch ohne Rezept. Sous-vide Maiskolben (klingt viel besser als „waren in so ner Vakuumverpackung und da drauf stand ‚vor dem Servieren 3-5 Minuten in kochendes Wasser legen, dann aufschneiden‘, also hab ich das so gemacht“) und Butterkartoffeln.

    Sabber, Sabber

    Medium-Rare. Für’s nächste mal (in fünf Jahren dann) hier die Mischung aus verschiedenen Tipps aus dem Internet

    • Backofen vorheizen, 150 Grad, dazu auch schon einen Teller reinstellen
    • Fleisch wirklich heiß anbraten, 1 Minute pro Seite. Fettspritzerschutz nicht vergessen
    • Mit Zange umdrehen
    • Soeben angebratene Seite mit Salz und Pfeffer würzen
    • Wenn beide Seiten angebraten und gewürzt sind: in den Ofen auf den Teller. 5 Minuten ca.
    • Draufdrücken: sollte etwa so fest sein wie die Nasenspitze
    • Fertig. Achtung: heißer Teller sieht aus wie kälter Teller.

    Omnomnom. Das war wirklich sehr lecker. Und so simpel.

    Tag 1263 – Ausgeschlafen.

    Herr Rabe hat mich heute früh ausschlafen lassen, das war sehr gut, ich erwachte nämlich mit ordentlichen Kopfschmerzen. Irgendein Wein gestern Abend war wohl zu viel gewesen. Also mir ging es schon schlechter nach übermäßigem Alkoholkonsum, auch deutlich, aber ich war dann doch froh heute früh Kaffee und Rührei serviert zu bekommen und sie nicht noch selbst machen zu müssen. Der Tag verlief dann auch sehr faul und langsam, aber ich hatte eh nicht wirklich was vor. Orchideen wässern, Ohrring kleben, Blusen bügeln*, Wäsche waschen, Schminkpinsel waschen, Fingernägel lackieren. Alles gemacht. Herr Rabe und ich haben die kommende Woche besprochen, jetzt mache ich noch eine Brotdose für Michel fertig und dann gehe ich ins Bett, in der Hoffnung, dann auch zeitig schlafen zu können.

    Morgen früh entscheiden wir spontan, ob Pippi in den Kindergarten geht oder nicht. Heute war sie fitter als gestern, hatte auch kein Fieber, ging aber noch merklich in den Seilen. Unsere Strategie, alle paar Stunden Nasenspray zu geben, zahlte sich aus, sie klagte jedenfalls nicht noch mal über Ohrenschmerzen und auch ihre Augen und… eigentlich ihr ganzes Gesicht war nicht mehr so verquollen. Dafür läuft halt der Rotz und das dauernde Naseputzen ist natürlich auch nicht so toll für die Haut und deshalb hab ich ihr heute mit Bepanthen-Nachmacherprodukt einen Drachen auf die Wange gemalt, der Feuer bis unter die Nase spuckte, das war nämlich die einzige Art, wie sie sich an den wunden Stellen eincremen ließ. Falls Sie gut schläft wird sie morgen mitsamt Taschentüchern und Salbe in den Kindergarten gebracht. Falls nicht, bleibe ich mit ihr zu Hause, Herr Rabe hat ja letzte Woche schon drei Kindkranktage verbraten. Vielleicht fahren wir dann nach Jessheim, dann kann ich da meinen neuen Führerschein beantragen und könnte mir den Termin am Mittwoch Morgen sparen. Mal sehen. Ich hoffe, sie ist einfach fit genug, das zieht sich ja nun auch schon seit einer Woche mit dieser Erkältung.

    Ach ja: jemand kommentierte, ob Pippi denn nun das PFAPA los sei? Ja. Seit Oktober hatte sie jedenfalls kein Fieber mehr ohne sonst krank zu sein. Puhhhhhh! Sie erzählt aber noch von der Operation, bzw. dem 2. Ausflug ins Krankenhaus wegen der Nachblutungen. Zum Beispiel erzählt sie gerne allen möglichen Leuten, dass sie „Masse Blut im Mund!“ hatte, und jetzt wo sie krank ist, sagt sie, sie muss ins Krankenhaus. Heute hat sie Ärztin gespielt, mir allerlei Gerät in den Mund gesteckt und mich dann aufgeschnitten. „So, jetzt bist du wach! Jetzt ist’s besser!“ war das Entlassungsgespräch, da war ich ja froh.

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    *Jemand hier oder bei Twitter gab mir den Tipp, zum Ärmel bügeln ein aufgerolltes Handtuch in den Ärmel zu stecken. Das klappt super, endlich keine Bügelfalten mehr im Ärmel, vielen Dank für den Tipp!

    Tag 1262 – Badetag.

    Pippi ist wieder kränker statt gesünder geworden. Heute morgen klagte sie über Ohrenschmerzen, zudem tränen ihre Augen, es scheint also alles an Nebenhöhlen vollgekleistert zu sein, was geht. Nach Nasenspray (mit Wirkstoff) und Ibuprofen gegen die Schmerzen hörte sie wenigstens mit dem Dauergeheul auf. Bis nachmittags. Dann schlief sie im Bad auf dem Teppich ein (klassischer Fall von „Ich bin gar nicht müde“) und als sie aufwachte, war sie unglaublich schlecht gelaunt und ich zu Ihrer Bespaßung, Bedienung und Bekuschelung auserkoren. Leider war ich grade dabei, die Schnecken sauber zu machen. Kampf den Erdmücken und so. Raubmilben sind bestellt, bis die kommen wechsle ich jetzt jede Woche die Erde. Hilft natürlich nicht gegen den Befall in den Topfpflanzen, aber tjanun. Jedenfalls also die Schnecken. Hier die größte, die mir dann als Pippi wach wurde und Terror schob, fast abhaute:

    Wie ich immer denke, größer würden die jetzt aber echt nicht mehr und dann geht doch noch was. Schon cool!

    Jetzt schläft Pippi mit chemisch frei geblasener Nase und fühlt sich verdächtig warm an. In 35 Minuten kommen die Nachbarinnen und ich trage noch Wollunterwäsche und mein Gesicht ist nackt, das möchte ich so nicht lassen, deshalb mache ich hier nun Schluss.