Tag 1123 – Arbeit, Arbeit.

Heute haben wir alle viel gearbeitet, außer Pippi, die war die meiste Zeit wütend und unausstehlich. Ich habe die Badezimmer geputzt, vier Maschinen Wäsche gewaschen, zwei Wäscheständer voll gehängt, eine Trocknerladung angestellt und dann war für die Badezimmerteppiche leider kein Platz mehr und die hängen jetzt überm Treppengeländer. Ich habe außerdem einen großen Topf Apfelmus gekocht, das leider im Nachgang bitter ist. Ich muss morgen, wenn es ganz ausgekühlt ist, nochmal probieren und entscheiden, ob es wirklich so schlimm ist. Bei Apfelmus bin ich ja pingelig, wenn das nicht so schmeckt wie bei Oma, find ich’s blöd. Und das hier sieht nicht mal so aus, nachdem ich versucht habe, es mit Karamell zu retten. Jetzt ist es halt Karamellfarben. Hmm.

Herr Rabe hat Pappe weggebracht, mit Michel ein Buch über Meerschweinchenhaltung aus der Bibliothek ausgeliehen, war einkaufen, hat das Auto innerlich gereinigt und war viel sehr genervt von der dauerheulenden Pippi. Da bin ich ja immer ein bisschen froh, dass ich nicht die einzige bin, die das auf die Palme bringt.

Michel hat auch gearbeitet. Gestern kam er nämlich an und meinte, ob er Geld verdienen könne, wenn er für uns was arbeitet. Nun ist unser Rasen komplett tot (da wächst sozusagen kein Gras mehr, muhahaha), die traditionelle Aufgabe für Kinderarbeit ist also raus. Ich habe ihm auch gleich gesagt, dass ich alltägliche Dinge von ihm einfach langsam erwarte, so wie Spülmaschine einräumen, Klamotten selbst in den Wäschesammler und den Schrank bringen, Tisch abwischen, etc. Aber ich fand, er könne mal das Auto saugen, das wäre eine gute Sache, da könne er auch ein bisschen sein Taschengeld mit aufstocken. Also hat Michel heute das Auto gesaugt, bis in die kleinsten Ecken und weil ich mit Herrn Rabe keinen Preis abgemacht hatte, hat er wie ich finde ziemlich gut dran verdient. Aber es ist schon ok, ich hoffe ja auch, dass er gesehen hat, wie viel Krümel und Zeug* da immer drin liegen und dann vielleicht nicht so rumkrümelt. Wäre zu hoffen. Vielleicht krümelt er jetzt auch extra, damit er öfter saugen kann.

Schön war heute, mit meiner Tante und vorher auch mit meiner Mutter zu telefonieren und mich über die Situation auf der Arbeit auszuheulen. Da ist ja alles so absurd, allein heute hat mein Chef einen abgesprochenen Telefontermin mit einem Professor, mit dem er eigentlich gern kooperieren würde** einfach nicht eingehalten. Professionalität ist nicht so seins. Mal sehen, wer daran nun wieder schuld war.

Morgen werde ich weiter an meinem Mini-Gewächshaus bauen, das hat mich heute einiges an Nerven gekostet. Ich hab es auch nur deshalb nicht „Verf*cktes Scheißdrecksding“ genannt, weil Michel ganz eifrig zu helfen daneben stand. Es war auch gut, dass er da stand, weil mir sonst das ganze Alu-Glas-Konstrukt vermutlich auseinandergefallen wäre. Und nein, das ist nicht von Ikea, ich glaube, bei Ikea hätte ich mich lange nicht so aufgeregt, die machen wenigstens verständliche, komplette und sinnvolle Anleitungen.

___

*Unser Auto ist, für eine Familie mit zwei noch recht kleinen Kindern, eigentlich immer erstaunlich sauber. Weil mich und auch Herrn Rabe auch leichtes Chaos im Auto schon sehr schnell stört. Zum Beispiel liegt im Kofferraum nur, was wir wirklich auf der Fahrt brauchen, sowie eine Not-Einkaufstüte. Ich bin da echt pingelig, bei meinem Auto.

**was schon allein deshalb einigermaßen lächerlich ist, weil wir einfach nichts, aber auch wirklich gar nichts, zu bieten haben.

Tag 1118 – Abendbeschäftigung.

Heute morgen war ich um halb neun im eine Stunde entfernten Krankenhaus, um Pippis PFAPA-Therapie zu planen. Und ich war pünktlich! Nach vier Stunden Schlaf! Pippi war toll, hat vom Arzt bis zu den wartenden älteren Damen bei der Blutabnahme absolut alle bezirzt und da hatte sie sich das Eis* dann auch mehr als verdient. Ich habe wirklich ein sehr tolles Kind. Zwei sehr tolle Kinder. Ach ja: Pippi hat im Krankenhaus allen erzählt, sie und Michel seien beste Freunde. Ich hab sehr gelacht – manchmal sind sie das kurz, aber meistens hauen sie sich wegen irgendwas die Köppe ein.

Dann Arbeit (Chipsmann ist krank, ich war etwas kopflos und sehr müde und hab dann beschlossen, dass ich zu Hause produktiver sein kann), zu Hause die angekommenen und wieder Erwarten in Anbetracht des Preises nicht aus massivem Gold bestehenden Küchenschubladen eingebaut, gesaugt, ein paar Mails geschrieben, Pippi abgeholt, essen, nicht eingeschlafen und dann…

… mit einer ehemaligen Angestellten einer Insolvenzverwaltung telefoniert (Antiklimax, ich weiß). Nur mal so für ne Freundin fragen, was man als Arbeitnehmerin so beachten muss, wenn man denkt, die Firma könne eventuell nicht so ganz zahlungsfähig sein. Also so rein hypothetisch halt, für ne Freundin.

___

Auto-Lobhudelei: nicht in Panik geraten, als die Tankanzeige blinkte, weiterhin nicht die (Arbeits-)Nerven verloren und hab ich erwähnt, dass wir pünktlich waren? Dass Berufsverkehr und Stau war und wir trotzdem pünktlich waren?

___

*wenn alle immer von Eis** reden, ist das für so einen kleinen Menschen ja auch schwer zu verstehen.

**für nach der Mandelentfernung***

***im Oktober. Auf Anraten des Arztes wird kalt operiert, wir müssen wegen der Stunde Fahrtzeit noch eine Nacht bleiben und danach soll Pippi zwei Wochen nicht in den Kindergarten. Wie ich an Herrn Rabe schrieb „Wer weiß, was ich dann für nen Job hab.“

Tag 1116 – GÄNSEFÜSSCHEN Vereinbarkeit GÄNSEFÜSSCHEN.

Heute mal kein Gemecker über meinen aktuellen oder generell Arbeitgeber. Sondern Gemecker über Kraftgrenzen und Elternakkus und Geduldsfäden.

Ich bin hundemüde. Ich weiß, vier Wochen sind noch nicht genug, um darüber eine definitive Aussage zu treffen, aber das Pendeln und die Vollzeit und die dadurch langen Tage, das ist für mich tierisch anstrengend. Ich bin kein Morgenmensch, das ist ja nun auch kein Geheimnis, aber wenn ich um acht bei der Arbeit sein will, müssen Pippi und ich eigentlich um zehn nach sieben das Haus verlassen. 3 Minuten um alles im Auto und angeschnallt zu haben, 25 Minuten zum Kindergarten, 10 Minuten um Pippi abzuliefern, 12 Minuten zur Arbeit. Um das zu schaffen, weil ich morgens die lahmste Ente der Welt bin, muss ich eigentlich um viertel vor sechs aufstehen. Sechs würde auch nich reichen, wenn ich dann denn auch echt sofort aufstehen würde. Was ich nie tue. Was scheiße ist, aber der Geist und das Fleisch und überhaupt alles ist morgens sehr schwach. Ich mache mich dann fertig, Herr Rabe macht die Kinder fertig, einer von uns macht Kaffee und zum ersten Mal seit wir sie haben, finde ich, die Kaffeemaschine frisst morgens zu viel Zeit. Jedenfalls reichen die anderthalb Stunden nie. Irgendwas fällt immer hinten rüber. Ich muss mein Make-up mitnehmen, weil ich es nicht mehr schaffe, mich zu schminken. Ich kriege kein Frühstück. Der zweite Kaffee wird halt nicht im Auto getrunken, weil ich nicht mehr schaffe, einen weiteren Kaffee zu machen. Oder ich komme halt zu spät. Und muss dann eben länger bleiben, was ja kein großes Problem ist, der Kindergarten hat ja bis viertel nach fünf auf. ABER. Pippi schläft immer auf dem Rückweg ein. Je später das ist, je schwieriger wird es, sie noch mal aufzuwecken, wenn wir dann irgendwann zwischen viertel vor fünf (gut!) und viertel vor sechs (richtig schlecht) wieder zu Hause sind. Dann ist irgendwie kochen und Essen und dann müssen die Kinder eigentlich auch schon wieder ins Bett, weil sie sonst nämlich morgens nicht aus den Federn kommen, weshalb wir dann morgens wieder alle extra gestresst sind und… arrrrgh. Jedenfalls sehen die Kinder das meist gar nicht ein und es wird immer zu spät. Wir Erwachsenen sind nach dem Tag auch so platt, dass außer vielleicht noch ne Maschine Wäsche anstellen und die Spülmaschine versorgen nicht mehr viel geht. Meist ist es sogar zu spät für Netflix. Oder wäre es, wenn wir vernünftig wären. Und ach ja, bald kommt ja abends noch das Bewerbungen schreiben dazu. Wie schön.

Und dann ist Wochenende. Und so viel Haushalt ist liegen geblieben. Ab und an muss man auch Einkaufen. Vier Menschen leben auch hier und die brauchen irgendwie dauernd irgendwas, von Unterhosen bis Blumenerde, für das man halt dank neuem Dorfleben irgendwo hingurken muss. Die Kinder finden aber (zurecht), dass sie uns unter der Woche kaum gesehen haben und drehen frei. Alle drehen dann frei. Am Ende heulen die Kinder weil wir gesagt haben, sie dürfen zum Einkaufen nicht mehr mitkommen, wenn sie so UNGLAUBLICH RUMNERVEN. Die Kinder finden das und generell uns dann natürlich gemein. Aber herrje. Morgen stehen schon wieder 2 Brote und der Haushalt* an, wir wollen zum Bauernhof und eventuell nochmal zum Gartencenter, weil das so hübsche Gartenmöbel zu gar nicht mal so absurden Preisen (und morgen auf) hat, wir alle wollen schlafen und ich würd auch gern in Frieden einen Podcast hören, ohne dass neben mir lautstark bis 366 gezählt wird. Ich mag nicht die Kinder noch mehr abschieben, aber es geht echt nicht, die zum Einkaufen mitzunehmen, dann zerfleischen wir uns alle am Ende.

Ohne Witz: die Aussicht darauf, vielleicht bald wieder sehr viel Zeit zu Hause zu verbringen, finde ich grad ganz verlockend. Dann kann ich wenigstens schon unter der Woche Backen, oder auch putzen, oder den Wocheneinkauf machen. Alternativ wäre ein ausreichend gut bezahlter Job auch eine Hilfe, denn dann könnten wir immerhin eine Putzhilfe engagieren und müssten nicht beim Einkaufen drauf achten, im günstigen Supermarkt die günstigen Sachen zu kaufen, sondern könnten halt mal was vom Weg mitbringen, auch wenn da halt nur ein Meny ist und da die Milch 22 Kronen kostet.

Aber eigentlich kann’s das doch auch nicht sein, dass man halt entweder Vollzeit arbeitet, um genug Geld zu verdienen, damit man sich dann Personal und Dienstleistungen kaufen kann, damit man neben der Vollzeit-Erwerbsarbeit noch irgendwas anderes als Essenputzenschlafen schafft, oder es kann halt nur einer pro Paar arbeiten, pendeln, müde sein usw.

Ich jedenfalls finde das kacke. Aber vielleicht** ist es ja einfach nur die blöde Situation bei der Arbeit, die mich grad alles kacke finden lässt. Hoffen wir’s.

___

Auto-Lobhudelei: weder Gartensitzgruppe, noch Gewächshaus spontan gekauft. Und auch nur die zwei Paar Schuhe***, die die zwei Paar Schuhe ersetzen werden, die nach diesem Sommer leider aber eindeutig ein Fall für die Mülltonne sind.

___

*wenigstens nicht so schlimm wie letzte Woche, weil es recht aufgeräumt ist und wir letzte Woche wirklich gründlich waren. Außerdem habe ich Rexto Plexto heute endlich ausgepackt und werde sie jetzt gleich noch durchs Wohnzimmer rödeln lassen.

**gaaaaaanz bestimmt. Nicht.

***im „50% noch mal auf den Sale-Preis, echt, wir schmeißen die sonst weg, komm, du kriegst noch Schuhcreme und nen Lolli dazu, ich Schenk dir sogar die Tüte, Hauptsache du nimmst diese Schuhe mit!“-Sale. Sonst ist der Geiz grad sehr stark in mir.

Tag 1111 – Schnaps! Schnaaahaps!

(Und bis zur nächsten Schnapszahl dauert es wieder über drei Jahre! Kinder, wie die Zeit vergeht!)

Bei der Arbeit läuft alles seinen gewohnt absurden Gang, außer dass der Kollege ob seiner nächste Woche anstehenden Prüfung immer nervöser und dadurch reizbarer wird. Das überträgt sich auch auf mich und ich bin eh vielleicht grad etwas reizbar, das ist keine so gute Kombi. Aber so ist es eben jetzt, wir haben uns bis zum Hals in Artikeln eingegraben, damit wir besser einschätzen können, ob es das wert wäre, den einen oder anderen Prozess eingehender zu untersuchen und morgen früh sollen wir das dem Chipsmann dann präsentieren. Ähäm. Okay. Der Chipsmann selbst versucht Loyalitäten auszuloten und wenn ich was nicht leiden kann, dann wenn man versucht, mich zu manipulieren, ich bin dagegen, wie Michel sagen würde, allergisch, denn ich kriege Kopfschmerzen von diesem vielen Gedenke und nicht-Aussprechen und Geheimnisse haben. Urgs. Schreckliche Situation.

Apropos Michel: der meint auch, er sei allergisch gegen Licht, weil er morgens schlechte Laune und manchmal Kopfschmerzen hat. Ich denke ja, das liegt am Schlafmangel, genau wie Dauergeheul am Nachmittag/Abend. Leider hab ich heute auch wieder unter Beweis gestellt, das meine Mutter-Skills nicht so auf der Höhe sind, weil ich das mit dem Schlafmangel und „es ist eigentlich auch schon wieder Bettzeit“ ausgesprochen habe (–> mehr Geheul) und mir dann bei Michels Aufzählung, wie lange er sparen muss um sich irgendein Objekt der Begierde zu kaufen, nämlich „UND WIE LANGE SOLL DAS DAUERN, HÄH? SIEBEN UND SIEBEN UND SIEBEN UND SIEBEN UND SIEBEN MAL? UND SIEBEN UND SIEBEN…“ ein Schmunzeln nicht verkneifen konnte –> „MAMA LACHT ÜBER MICH!!! WÄÄÄHÄHÄHÄHÄHÄ!“.

Tjanun. Muss alles, wird alles werden, irgendwie. (Heute für mich keinen Schnaps, morgen klingelt der Wecker auch wieder früh.)

___

Auto-Lobhudelei: Ich werd durch den Job noch sowas wie diplomatisch.

Tag 1108 – Feierabend.

Herr Rabe weilt auf dem Sommerfest seiner Firma, deshalb habe ich heute beide Kinder von ihren Einrichtungen abgeholt, mit Michel Hausaufgaben gemacht (weil er wollte, nicht weil er musste, er wollte wirklich unbedingt und naja, Bögen malen und Worte die mit S anfangen markieren, das kann man auch von den Hausaufgaben der nächsten Woche vorziehen. Überhaupt meckert Michel ein bisschen über den langsamen Lern- und Lehrfortschritt, das gibt sich hoffentlich noch.), habe gekocht und wir haben zusammen gegessen, dann habe ich beide Kinder ins Bett gebracht, die Küche aufgeräumt und dann stand ich vor der Entscheidung, direkt ins Bett zu gehen oder halt nicht. Nach der Woche wäre ersteres vermutlich klug, aber herrje, es ist Freitag und ich gucke jetzt einen Film, den Herr Rabe wohl eh eher nicht sehen wollen würde (The Hunger Games, ganz was erbauliches) und dabei esse ich Trauben-Nuss-Schoko, die Herr Rabe wegen der Trauben auch nicht mag und genieße, dass ich morgen nicht früh aufstehen muss. Ich hab auch echt genug von Tabellen und Artikeln und für jemanden, der nicht gern telefoniert, habe ich in den letzten Tagen sehr viele Menschen, die ich überhaupt nicht kenne, wegen echt wichtiger Dinge angerufen. Ja, ich bin echt gar. Aber ich brauch auch noch ein bisschen zum runterkommen.

___

Auto-Lobhudelei: den Nachmittag mit den Kindern wirklich entspannt verbracht, sogar Michels Hausaufgaben-Übermut in konzentrierte Bahnen gelenkt.

Tag 1103 – Ordentlich platt.

Man verlernt das mit dem Tanzen ja nicht und ich hatte gestern wirklich sehr viel Spaß. Völlig nüchtern, denn ich bin gefahren. Der letzte Zug von Oslo nach Eidsvoll geht nämlich um 0:44 Uhr, das ist für einen Club ja nix. Aber von Ankunft bis Laden schließt habe ich die 2,5 Stunden eigentlich konstant durchgetanzt, mit einer Pinkelpause auf dem Unisex-pro-Kabine-nur-eine-Person-sonst-fliegste-raus-Klo. Hachja. Doch, das war sehr schön. Trotzdem war heute ein recht gammeliger Tag, ich war eben erst um fünf im Bett und außerdem habe ich furchtbaren Muskelkater.

Die Kinder haben sich weiter mit den Nachbarsmädchen angefreundet, die klingelten einfach an der Tür und dann tobten sie hier zu viert durchs Haus und die Gärten, das freut mich nach fünf Jahren Norwegen mehr als ich gedacht hätte. Ich bin ein Einsiedler geworden hier, der sich beim Klang der Klingel* fast erschreckt und dann fragt, ob sie was bestellt hat, aber es ist ja Sonntag und…? Und dann stehen da zwei Mädels und fragen „Kann Michel zum Spielen rauskommen?“ Hachz. Michel hat die zwei dann übrigens schwer beeindruckt, indem er sich einen Eimer kaltes Wasser übergegossen hat. Wir haben Videos, das wird ein schöner 18. Geburtstag. Besonders schön auch in Kombination mit dem Video von Pippi: während Michel nach dem Gießen herumspringt wie ein Frettchen auf Speed, gackert wie ein Huhn und lautstark kundtut, wie kalt das ist, gießt Pippi einfach und antwortet auf Nachfrage, ob das kalt ist: „Joa.“ Ich habe mich darüber sehr amüsiert.

Jetzt Bett, morgen müssen wir dem Chipsmann sagen, was Sache ist. Das wird… nicht so schön.

___

*sie klingt sehr schön. Überhaupt finde ich unser Haus nach wie vor sehr sehr schön. Hachz.

Tag 1100 – Eingeschult!

Michel ist jetzt ein richtiges Schulkind.

Wir haben auch direkt einen Haufen Zettel zum Ausfüllen bekommen (zum Beispiel wird das Kind furchtbar schädliche 9 Stunden am Tag in der Schule verbringen, man stelle sich das vor, das arme Kind, hätten wir uns das mal eher überlegt, dann hätten wir den eben nicht bekommen, weil wir uns nicht leisten können, beide Teilzeit zu arbeiten*) und Michels Name wurde, da bin ich sehr sicher, beim Vorlesen vergessen. Aber das ist alles nicht so wichtig, wichtig ist das Ausflippen vor Freude über den Spidermanpulli und das „Danke, Mama!“.

Ein richtiges Schulkind. Hachseufz.

___

Mein Meeting war leider ziemlich furchtbar, sie haben mich nach meiner Meinung zu Sachen gefragt, was soll ich da machen, lügen? Hab also meine Meinung gesagt, alles an der Tafel vorgerechnet und befürchte jetzt, dass es eher eine Frage von Wochen als Monaten ist, bis Konkurs angemeldet wird. Vielleicht sind’s auch nur Tage. Es ist alles nicht so sehr erfreulich.

Tag 1099 – Der Ernst des Lebens.

So wurde mir das damals verkauft. Die Schule geht los und damit der Ernst des Lebens. Ich bin ja allgemein wirklich kein Freund von „und uns hat das auch nicht geschadet!“, aber ich bin im Nachhinein schon sehr froh, dass mir die Unkenrufe weder die Vorfreude auf die, noch die Freude an der Schule vermiesen konnten. Ich war so heiß auf Schule, ich nervte sämtliches Lehrpersonal das ganze erste Jahr massiv, weil ich alles schon wusste und konnte und WO IST DENN DA DIE HERAUSFORDERUNG BITTE HALLO ICH BIN ZUM LERNEN GEKOMMEN!!! Ich war dann auch nicht soooo beliebt, sag ich mal.

Michel freut sich auch sehr auf die Schule. Er freut sich aufs Lernen, er übt gern mit seiner Uhr, wir zählen jedes Wochenende das Taschengeld durch und wenn er fragt, was drei und zwei ist, ermutige ich ihn, es doch mit den Fingern zu probieren*. Meistens klappt es dann und das Ergebnis ist ein sehr stolzes Kind. Aber ein bisschen bin ich schon froh, dass er nicht schon alles perfekt kann, denn dann bleibt ihm vielleicht wenigstens die Langeweile** erspart.

Hach, mein großer kleiner Zwerg, da fängt er schon in der Schule an. So schnell kann das also gehen***. Hachseufz.

___

(Mein höchst eigener Ernst des Lebens ist morgen ja die Challenge, dem Finanzmann und dem Geschäftsführer klarzumachen, dass wir eklatante Sicherheitsmängel haben, jede Menge Ausstattung brauchen und für einen Verkauf unserer Produkte erstmal als Hersteller zugelassen werden müssen, ohne dabei durchblicken zu lassen, dass ich es für das Beste halten würde, den Laden zu schließen, bevor noch mehr Geld verbrannt wird. Das möchte ich nämlich lieber dem Chipsmann schonend beibringen, wenn er aus dem Urlaub kommt.)

___

*Ist bestimmt didaktisch ganz schlimm, mir egal.

**Ich nehme mal an, von außen Klinke runterdrücken gehört nicht zum Standardrepertoire einer norwegischen Grundschule 2018. ich hoffe es.

***Naja, in Bielefeld hätten wir es für dieses Jahr noch wählen können, denn schulpflichtig wäre er da erst ab 2019.

Tag 1097 – Alles so spannend!

Meine beiden Kollegen und ich haben heute den Pilotreaktor in Betrieb genommen. Das ist ja schon ziemlich spannend, auch wenn das alles quick and dirty und genau genommen sehr Fußnagelhochrollend unsauber geschehen ist, aber wir haben ja nix und es ist eh nur um dem CEO und dem CFO, die am Donnerstag vorbei kommen wollen, zu zeigen, dass wir was tun. Bisschen ungünstig halt, dass der Chef (CTO, wobei, vielleicht bin das auch ich, man weiß es nicht so genau bei dem Laden) locker flockig durch die Berge wandert und der Rest die geballte Kompetenz von einem Maschinenbauer (in den Endzügen des Bachelors), einem Biotechnologen (in den Endzügen des Masters) und mir halt (noch nie mit Mikroalgen gearbeitet, aber einen PhD, immerhin, und Grundschulmathematik kann ich auch*) besitzen, was nicht viel ist. Aber egal. Alles für den Vorstand, alles für den Club.

Apropos Donnerstag: da wird ja Michel eingeschult und deshalb habe ich heute Zeug für die Schultüte besorgt. Jaja, nicht grad früh. Zum Ausgleich bekommt er auch keine mega fancy Sachen** sondern etwas besondere Stifte, Erstklässlerhefte zum Schreiben/Zahlen/Uhrzeit üben, einen Kinderkrimi aus seiner Lieblingsreihe und Anziehsachen. Ein bisschen Schlickerkram und, stimmt, ein Zip-Licht. Pippi kriegt auch eine kleine „Schul-„Tüte mit einem Ziplicht und einem Zahlenbuch, weil ich grad die Nerven einfach gar nicht habe, um empörtes Geheul während der Einschulung des großen Bruders aufzufangen. Meine Nerven werden ja damit beschäftigt sein, rechtzeitig beim Meeting aufzulaufen und dann einen, äh, souveränen Eindruck zu machen und nicht durchblicken zu lassen, dass ich am liebsten schreiend vor der Firma davonrennen würde.

___

Auto-Lobhudelei: ganz viel Sachen entschieden, einige Sachen auch gegen leichten Widerstand durchgedrückt, nur wenig Haare gerauft bei „Warum hat denn niemand das Medium aus dem Kühlschrank geholt?“ und ich weiß seit heute dann auch, wie man mit dem Prius einem anderen Auto Starthilfe gibt. Und schamlos die neue Stelle in neue Bewerbungen eingearbeitet (Sachen entscheiden! Sachen durchdrücken! Sachen planen! Budgets ausrechnen!).

___

*kleine Spitze, aus Gründen

**Ich bekam damals einen Anspitzer, das weiß ich noch, der war so schön. Aber es gab heute keine schönen. Ich bekam auch damals so dicke Buntstifte, die Stummel davon habe ich heute noch. Und eine Uhr, die habe ich aber irgendwann in der Schwimmbadumkleide verloren, irgendwie.

Tag 1087 – Nix mit ausschlafen.

Mit dem Schlafen klappt es bei mir grad eh wieder nicht so super, aber heute mussten wir tatsächlich auch noch beide Kinder wecken, um nämlich deren neue Schule bzw. Kindergarten anzuschauen. Michels neue Schule ist recht nah und 2/3 des Wegs liegen mit Herrn Rabes Weg zum Zug zusammen. Noch ist ja keine Schule sondern Ferienbetreuung, aber wenigstens haben wir schon mal ein paar Kinder gesehen und in Erfahrung gebracht, welche Art Brotdose Michel am Montag braucht. Frühstück nämlich wenn er sehr früh kommt, sonst eigentlich nichts. Ansonsten gibt es über die Ferienbetreuung nicht viel zu sagen. Angenehm finde ich, dass hier alle auf Pendler*Innen eingestellt sind und recht lange Betreuungszeiten anbieten. Das erleichtert uns vieles. Michel freut sich ein bisschen und ein bisschen geht ihm auch die Düse, das ist also auch alles ganz ok.

Pippis neuer Kindergarten hingegen ist halt echt weit weg. Mit einem kleinen Umweg liegt er auf meinem Arbeitsweg, anders würde es echt nicht gehen. Aber dafür ist das mal der krasseste Kindergarten, den ich bisher gesehen habe. Er wurde erst im Februar eröffnet, es ist also alles ganz neu. Ganz ganz neu. Es gibt gefühlte 30 Gruppen mit jeweils 20 Kindern, Pippi ist jetzt in der Türkisen Gruppe. Zwei der Betreuerinnen sind eher im Oma-Alter, das finde ich ja recht sympathisch. Und ganz anders als vor zwei Jahren bei der Eingewöhnung aus der Hölle fing Pippi direkt an mit den anderen Kindern, den Spielsachen und den Betreuerinnen zu spielen. Yeah! Als wir den Rest des Kindergartens anschauen wollten, blieb sie sogar auf eigenen Wunsch hin in der Gruppe und verpasste so eigentlich das beste. Nach Mal- und Bastelraum, Bibliothek, Turnraum und Küche wurde uns nämlich der „Wasserspielraum“ gezeigt. Ein Kindergartenspa. Eine große, aber flache Wanne, in der jeweils zwei bis drei Kinder planschen können. Pippi wird AUS-RAS-TEN! Ein Kindergarten mit Badebecken.

Auch draußen ließ der Kindergarten absolut keine Wünsche offen (außer grünes Gras vielleicht, aber was willste machen bei totalem Bewässerungsverbot) und wenn das so gut weiterläuft, wie es sich angedeutet hat, haben wir da wirklich Glück im Unglück gehabt, dass alle Kindergärten in der Nähe von unserem neuen Wohnort voll waren.

___

Auto-Lobhudelei: nach 4 Schubladen die restlichen 4 in Rekordzeit zusammengebaut. Und endlich Klamotten ausgepackt.