Tag 1166 – Zurück im Spidermanzimmer.

Auch wieder vorweg: es geht allen hier gut. Aber Pippi und ich sind wieder im Krankenhaus, weil sie heute früh anfing, Blut auszuspucken (da wurde uns vorher gesagt, dass das nach ca. 1 Woche, wenn sich die Borken lösen, passieren kann) und dann heute mittag auch noch brechen musste. Ich sag mal so: geschlucktes Blut, ein Nutellacroissant und ein Eis aus rotem Smoothie macht eine ganz, ganz gruselige Farbkombination. Jedenfalls riefen wir, wie es uns für diesen Fall zuvor geheißen wurde, im Krankenhaus an. Die wollten sie sehen, deshalb fuhr Herr Rabe mit ihr hin und Michel und ich strichen in der Zeit die Wand – und das schlecht, weil die Farbe unter das Malertape gelaufen ist und die Farbfläche deshalb komplett ausgefranst ist. Da muss ich nochmal ran um das zu retten, aber vorher muss ich rausfinden, was das für ein Farbton ist, der vorher an der Wand war. Seufz. Jedenfalls war irgendwann Herr Rabe mit Pippi auch dran und… sie sollte über Nacht bleiben.

Ich warf also die Impromaschine an, warf Übernachtungssachen in meinen Rucksack, rief ein Taxi* und eine Stunde später saßen Michel und ich im Zug. Zug, Bus, Laufen und „schon“ waren wir da. Man muss dazu sagen, mit dem Auto hätte es genauso lange gedauert.

Im Krankenhaus hatte Pippi grad einen schlimmen Wutanfall, weil sie nicht essen darf, aber Hunger hatte, da half auch kein Eis, kein Saft und die Infusion piept dauernd wegen „Okklusion nedstrøms“ weil Pippi mit jeder Bewegung des Ellenbogens den Schlauch abklemmt. Es dauerte eine geschlagene Stunde, sie so weit zu beruhigen, dass sie Eis und Peppa Wutz akzeptierte. Inzwischen hat sie drei Eis und zwei Gläser Saft intus, 75 mL Glucose-Infusion sind enervierend langsam in sie herein gelaufen, sie hat keine Schmerzen aber friert (nach der Eismenge wohl kein Wunder). Ich hoffe, ich kriege sie bald zum Schlafen, ich bin nämlich auch müde und vor allem hab ich Hunger, aber ich will auch nicht vor ihrer Nase Rhabarberkuchen essen.

Morgen geht es, wenn es nicht wieder blutet, wieder nach Hause. Hoffen wir, dass die Nacht besser wird, als die letzte in diesem Zimmer.

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*Also ins 50 km entfernte Krankenhaus würd ich mich nicht fahren lassen, aber für die 5 Minuten zum Zug frage ich, falls sowas nochmal passieren sollte, die Nachbarn. 215 Kronen für eine Strecke, die man als sportliche Erwachsene in 20 Minuten, mit aufgeregtem Michel aber eher nicht laufen kann.

Tag 1160 – Flink.

Vorweg: es ist alles gut gegangen, Pippi ist jetzt Mandelfrei, hat kaum Schmerzen und ist generell eigentlich wie immer.

Wir sind heute morgen aufgebrochen wie geplant, Pippi hat ungeplant im Auto nicht geschlafen, und wir haben ungeplant ein wenig im Stau gestanden, deswegen waren wir ungeplant etwas zu spät.Ging aber auch noch alles, Pippi wurde direkt Emla-verpflastert und es kamen erst der Chirurg und dann der Anesthesist. Letzterer war toll, ersterer… naja. Es kann ja auch nicht nur sympathische Norweger geben. Pippi nahm alles Warten gelassen hin, sagte aber immer wieder, dass sie Hunger habe, das ist natürlich ungünstig. Dann wurde es aber schon spannend, weil ich mir ein Haarnetz aufsetzen musste und einen Kittel überwerfen und dann ging es in den OP. Pippi zählte auf dem Weg dahin die Haarnetze und war bezaubernd wie immer. Im OP bekam sie dann wegen der etwas kurzen Einwirkzeit der Emla-Creme doch eine kleine Gasbetäubung, was sie so lange lustig fand, bis ihr schwummrig wurde, aber da war es auch schon fast gegessen und die Augen fielen einfach zu. Dann wurde ich rausgeschickt und das war dann einigermaßen fies für mich, das Warten.

Ich holte Kaffee, parkte das Auto um, aß ein Croissant, sagte einen Arzttermin in zwei Wochen in Trondheim ab und dann war von der angekündigten Stunde immer noch viel zu viel übrig.Irgendwann war es dann aber doch vorbei und ich durfte wieder rein. Pippi schlief, hatte aber schon keine Schläuche mehr irgendwo. Sie schlief ganz friedlich noch fünf Minuten und setzte sich dann ruckartig auf, guckte sich verwirrt um, guckte auf ihren Fuß, sah die Sauerstoffklemme am Zeh und rupfte sie sich mit den Worten „Muss Finger sein!“ ab – um sie sich an den Finger zu klemmen. Vor dem Gas hatten sie ihr gezeigt, wie das geht mit dieser Klemme und das musste nachher natürlich auch so sein.

Dann… warteten wir. Darauf, dass wir auf die Station durften. Zwei Stunden. Pippi aß Eis und trank Saft mit Eis und zupfte am Zugang in der Hand und dann guckten wir ein Buch an und dann war das aber auch alles blöd und Pippi ungeduldig und hungrig und dann durften wir endlich auf die Station. Da guckte Pippi ein bisschen Peppa Wutz, wollte aber schon Ball spielen und als es Essen gab, war sie nicht mehr zu halten. Alle guten Ratschläge der Krankenpflegerin flogen zum Fenster raus, weil es Pfannkuchen gab. Pippi aß drei Pfannkuchen, ein großes Eis und einen Dreiviertel Joghurt. Ich war schon kurz davor um ne Nierenschale zu bitten, die wir mit aufs Zimmer nehmen könnten, aber Pippi war einfach fröhlich und jetzt auch satt.

Nach dem Essen erkundeten wir die Spielecke und die haben da doch echt so nen Mini-Tesla! Pippi war im Himmel, Ich war ein bisschen enttäuscht, dass ich doch ein bisschen zu groß für das Auto bin.

Irgendwann bekam ich Pippi, die sich ja noch nicht anstrengen soll, schon mal gar nicht heute, doch wieder ins Zimmer, und inzwischen hatten wir eine Zimmernachbarin bekommen. Tja, hmm, wie sag ich das jetzt: Ich werd mit der Mama von dem anderen Mädchen wohl eher keine Freundinnen, aus ganz, GANZ vielen Gründen. Es gibt schon echt seltsame Menschen.

Herr Rabe kam und holte das Auto und Pippi sah Peppa Wutz. Irgendwann wurde mir langweilig und sie unruhig, deshalb gab es keinen Nagellack für mich, dafür Zäpfchen für sie und dann ging es wieder. Wir aßen Abendessen, Pippi aß wieder den ganzen Teller leer („Mehr Möhren, Mama!“) und ich dachte, sie würde danach vielleicht ein bisschen schlafen, aber nein. Ich stolperte derweil über eine echt interessante Stelle und so habe ich zwar heute nicht meine Fingernägel lackiert und schlafe (offensichtlich) immer noch nicht, aber ich hab tatsächlich eine Bewerbung geschrieben. Pippi und ich hielten dann Pippi wach bis zur abendlichen Schmerzmittelgabe, hätte ich gewusst, dass die um neun erst ist und nicht um acht hätte ich Pippi doch um sieben schon ins Bett komplimentiert, die war nämlich eigentlich schon total fertig – verständlicherweise.

Insgesamt bin ich von den norwegischen Krankenhäusern immer wieder ganz stark positiv überrascht. Das hier ist echt ok und gar kein Vergleich zu manchen deutschen Krankenhäusern, die ich von innen sehen durfte. Vor allem wirkt keiner so gestresst oder abgekämpft. Ich glaube, es ist auch für Pippi ein okayes Erlebnis. Und immer wenn die Stimmung kippt, holen wir halt ein Eis.

Und ich bin froh, dass das schlimmste überstanden ist.

Tag 1159 – Platt und bereit.

Dieses Wochenende waren insgesamt 10 verschiedene, andere Kinder als unsere eigenen hier. Das war zwar wirklich sehr schön aber auch etwas viel, dementsprechend liegt die U7 hier auch schon eine Weile und schläft. Ich habe Pippis und meine Sachen für die Operation und eine anschließende Übernachtung im Krankenhaus gepackt, den Anmeldekram ausgefüllt und bei den Nachbarn konnten wir Emla-Pflaster schnorren, ich hab nämlich vergessen, dass wir ja welche brauchen, also vielleicht jedenfalls, vielleicht auch nicht, weil die das da sicher selbst haben. Wir werden sehen. Jedenfalls habe ich TipToi-Bücher und iPad und „Bebi“, die Puppe, wobei Pippi alle ihre Kuscheltiere Bebi nennt, eingepackt. Und meinen Computer, falls ich ne Bewerbung schreiben will, ein Buch, Nagellack, eine Gesichtsmaske und ein paar Beutel Tee. Morgen um sechs Uhr fahren wir hier los, Pippi nüchtern und ich mit einem Kaffee auf die Faust und dann hoffen wir mal, dass sie auch morgen operiert wird und sie uns nicht wegen der Schnodderei von vor zwei Wochen oder der PFAPA-Episode letzte Woche wieder nach Hause schicken.

Es ist alles sehr aufregend (für mich, Pippi scheint nur den Teil mit „… und hinterher darfst du ganz viel Eis essen!“ zu verstehen) und ich hoffe ich kann gleich schlafen.

Tag 1155 – Welch ein Glück…

… dass ich dringend ins Bett gehöre. Sonst würde ich mich noch aufregen. Anlass hätte ich genug, denn ich fuhr heute nach meinem Termin über den ich nicht reden möchte an der Chipsfabrik vorbei um für den italienischen Studenten was abzugeben, dann war das aber ganz falsch da und ich musste nochmal 20 km weiter fahren, dann ist man fast in Schweden aber so ist das eben. Jedenfalls fuhr ich auf dem Parkplatz rückwärts in ein Auto, das da halt stand, mit der Fahrerin drin und tja, dann wohl keine Badewanne für uns erstmal. Könnte man sich jetzt drüber aufregen, aber hilfts? Nein.

Auch echt blöd ist, dass beide Kinder krank sind. Michel mehr als Pippi. Michel hat morgen Geburtstag und wird den wohl zu Hause verbringen und nicht auf seinem nigelnagelneuen Fahrrad zur Schule cruisen. Bei Pippi ist das doof wegen der Op.

Ach ja, die OP. Also. Es ist mitnichten so, dass ich wegen ein, zwei Infekten meinem Kind lustig im Hals rumschnippeln lasse. Sie hat, das habe ich auch hier und hier schon mal ausführlicher geschrieben, Periodisches Fiebersyndrom, eine total sinnlose Krankheit, bei der die Kinder bloß Fieber kriegen und sich scheiße fühlen und das alle drei Wochen. Wenn die Antroposophen recht hätten mit ihren „Entwicklungsschüben durch Krankheiten“ könnten wir Pippi eigentlich schon mal an der Uni anmelden statt im neuen Kindergarten. Gegen diese Krankheit hilft nur Warten (bis zum 10. Lebensjahr wenns blöd läuft) oder die Mandeln zu entfernen. Und weil Pippi außerdem schnarcht wie ein (sehr niedliches) Sägewerk werden die Polypen auch gleich gekürzt, das sollte auch die Infektanfälligkeit noch mal verringern. So eine Operation ist nicht ohne Risiko und auch das weiß ich, auch dass die Mandeln ein Organ des Immunsystems sind, weiß ich auch, aber, Achtung, Anekdote: seit nunmehr 28 Jahren lebe ich ganz gut ohne. Ich bin nicht häufiger, schwerer oder anders krank als der Durchschnitt, jedenfalls nicht im Hals. Dafür konnte ich die Grundschule deutlich häufiger besuchen als den Kindergarten, weil ich nämlich – Überraschung – auch alle paar Wochen krank war bis zu der OP. Also wir hoffen alle sehr, dass die OP gut läuft und dieses blöde Syndrom ein für alle mal beendet, denn was ganz sicher nicht helfen wird, sind irgendwelche Zucker-Weizenpillen. Auch nicht mit Birkenkohle. Das einzige, was wir davon haben, ist ein Kind, das dauernd krank ist *und* jedes mal Pillen reingeschoben bekommt. Und ein leereres Portemonnaie, das haben wir dann auch. Man merkt es vielleicht: ich halte ü-ber-haupt gar nichts von Homöopathie. Nicht bei Beulen, nicht bei Husten, nicht bei seltsamen Fiebererkrankungen, schon mal gar nicht bei schweren Infekten und jede*r, der Homöopathie gegen Krebs anbietet gehört eingesperrt. So, ist das auch mal gesagt.

Jetzt hab ich mich doch ein wenig aufgeregt. Tjanun. Jetzt aber Bett.

Ach ja, ich hab es heute endlich bezahlt, jetzt kann ich Ihnen auch mal das Kleid zeigen.

Entspannte Haltung.

Entspanntes Gesicht. (Es braucht übrigens keine Sicherheitsnadel, aber sie beruhigt ungemein.)

Tag 1118 – Abendbeschäftigung.

Heute morgen war ich um halb neun im eine Stunde entfernten Krankenhaus, um Pippis PFAPA-Therapie zu planen. Und ich war pünktlich! Nach vier Stunden Schlaf! Pippi war toll, hat vom Arzt bis zu den wartenden älteren Damen bei der Blutabnahme absolut alle bezirzt und da hatte sie sich das Eis* dann auch mehr als verdient. Ich habe wirklich ein sehr tolles Kind. Zwei sehr tolle Kinder. Ach ja: Pippi hat im Krankenhaus allen erzählt, sie und Michel seien beste Freunde. Ich hab sehr gelacht – manchmal sind sie das kurz, aber meistens hauen sie sich wegen irgendwas die Köppe ein.

Dann Arbeit (Chipsmann ist krank, ich war etwas kopflos und sehr müde und hab dann beschlossen, dass ich zu Hause produktiver sein kann), zu Hause die angekommenen und wieder Erwarten in Anbetracht des Preises nicht aus massivem Gold bestehenden Küchenschubladen eingebaut, gesaugt, ein paar Mails geschrieben, Pippi abgeholt, essen, nicht eingeschlafen und dann…

… mit einer ehemaligen Angestellten einer Insolvenzverwaltung telefoniert (Antiklimax, ich weiß). Nur mal so für ne Freundin fragen, was man als Arbeitnehmerin so beachten muss, wenn man denkt, die Firma könne eventuell nicht so ganz zahlungsfähig sein. Also so rein hypothetisch halt, für ne Freundin.

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Auto-Lobhudelei: nicht in Panik geraten, als die Tankanzeige blinkte, weiterhin nicht die (Arbeits-)Nerven verloren und hab ich erwähnt, dass wir pünktlich waren? Dass Berufsverkehr und Stau war und wir trotzdem pünktlich waren?

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*wenn alle immer von Eis** reden, ist das für so einen kleinen Menschen ja auch schwer zu verstehen.

**für nach der Mandelentfernung***

***im Oktober. Auf Anraten des Arztes wird kalt operiert, wir müssen wegen der Stunde Fahrtzeit noch eine Nacht bleiben und danach soll Pippi zwei Wochen nicht in den Kindergarten. Wie ich an Herrn Rabe schrieb „Wer weiß, was ich dann für nen Job hab.“

Tag 1013 – Back in the game.

Pippi hat Fieber, schon seit Samstag, ist halt periodisch, das periodische Fiebersyndrom.

Ich schreibe wieder Bewerbungen.

Michel hat seinen allerbesten Freund immernoch sehr lieb.

Die Schnecken stehen wie letztes Jahr total auf Löwenzahn.

Auch die zur Promotion von der Fakultät geschenkt bekommene Orchidee geht mir ein (wirft zumindest die Blüten von sich, ja, ich weiß, dass man die nicht oft und nicht viel gießen soll, mache ich auch nicht, geht trotzdem kaputt).

Herr Rabe lädt Fotos hoch und killt damit wie immer unser Internet.

Ab morgen wieder KiTa für mindestens Michel, mal sehen, wie Pippis Nacht so wird.

Alles wieder wie immer also.

Tag 964 – Ferienende.

Ach, irgendwie bin ich wehmütig. Morgen geht Herr Rabe wieder arbeiten, Michel in den Kindergarten, ich passe auf Pippi auf (immernoch periodisches Fieber, jaja, die drei Wochen sind schon wieder rum). Hmm. Und vermutlich müssen auch bald wieder Bewerbungen geschrieben werden und diese Ferienblase gefiel mir eigentlich doch ganz gut.

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Auto-Lobhudelei: trotz wirklich kräftigem Muskelkater von gestern Workout gemacht, gut gekocht.