Tag 648 – Sonnenstrandtag. 

Heute war Sommer. Morgen sollen wieder nur 13 Grad sein und abends soll’s auch regnen, aber heute, heute waren 20 Grad und strahlender Sonnenschein und hachjahachja, da ist auch Trondheim dann echt schön. Vor allem am Wasser. Also schleppten wir die Kinder und die Sonnencreme und den Grill nach Korsvika und ließen es uns gut gehen. 


Steine ins Wasser schmeißen kann Pippi stundenlang. Mit hochgezogener Augenbraue. 



Ja, da schwimmt jemand. War aber wohl sehr kalt. 


Michel so: Ich muss pullern! Ich: dann geh doch da hin. Michel: Ich will nicht, dass mich wer sieht! Ich: dann geh an den Felsen. Michel: *geht auf den Felsen*

Und Pippi, die Klettermaus, musste dann natürlich auch auf den Felsen. 

Ach ja. Ein wirklich wunderbarer Nachmittag. 

Tag 645 – Nationalfeiertag. 

„Norwegen ist wie die DDR damals. Es gibt in jedem Laden die gleichen Produkte und am Nationalfeiertag wird mit Fahnen und Musik marschiert. Nur die haben ne Bunad* und wir hatten ne Pionieruniform.“ sagte die Lieblingskollegin. 

Wir machten heute ein wenig Sparprogramm, gingen nur kurz zum Folketåget (der Festparade) und dann zum Fest der Grundschule, neben der unser Kindergarten ist. Was wir dann verließen, als erst ein etwa dreijähriges Kind mit einem beim Dosenwerfen gewonnenen Maskara hinter Pippi herrannte, um sie zu schminken (ich hatte, da schon geschminkt, dankend abgelehnt) und sich Pippi dann zwei mal in die einzige verbliebene Matschpfützte setzte. Aber es war auch so genug Programm und die überdrehten Kinder kaum ins Bett zu bekommen.


Wir hatten drei Fahnen dabei, hier sieht man eine ein bisschen. Aber weil man Fahnen nicht auf den Boden dengeln soll (bestimmt jedenfalls) und Michel grad nicht Fahne wedeln kann, liegen die alle im Kinderwagen. 

Der 17. Mai ist ein Tag der Kinder, man zwingt sie dazu, Tracht oder schicke Sachen zu tragen und entschädigt sie mit tonnenweise Süßkram und Pølse. 
Pippi rennt und rennt. Gut, dass die so niedlich ist, sonst würden sich bestimmt dauernd Leute aufregen, die sie über den Haufen läuft. So werden Leute halt angerempelt, gucken mürrisch die Quelle suchend nach unten, sehen sie und sagen dann sowas wie „Hoppsan!“, „Heisan!“ oder „Na, läufst du hier rum?“.


Michel wippt wild, Pippi hopst hoch und höher und quietscht begeistert, Mutti macht sich Sorgen um ausgeschlagene Milchzähne. Ging aber alles gut. 


Salziges Popcorn finde ich ja total überschätzt, Pippi schaufelt sich die halbe Box rein und hebt jedes runtergefallene Popcorn-Futzelchen mit einem „Oh Nein!“-Ruf auf, um es dann noch zu essen. (Ja, das Kleid ist eigentlich zu klein.)

*Tracht, lokal sehr unterschiedlich gemustert und teilweise geschnitten, aber immer aus Wolle (Rock, Schürze zum Teil und „Wams“, wenn man hat auch noch ein Umhang) mit Leinenbluse drunter, weshalb manche glaube ich bei den heutigen 17 Grad ziemlich schwitzten. Irgendwann nähe ich mir auch sowas. Mit selbst entworfenem Einwanderer-Design. 

Tag 643 – Saftlos. 

Auch heute ein Tag eher zum Wegwerfen. Aber ich möchte ja nicht mehr so negativ sein, also erwähne ich nur ganz kurz den deutlich länger als geplant abgeschalteten Strom, die Kinderstreitereien, die kack Ergebnisse im Labor*, die Probleme mit dem einen Artikel und die Probleme mit dem anderen Artikel. Und jetzt konzentriere ich mich dann wieder auf das Gute:

  • Wunderbarstes Wetter. Echt mal. Besser als 15 Grad und Sonnenschein Mitte Mai hier in Trondheim geht nicht wirklich. 
  • Zu Fuß gehen tut mir wirklich gut und ich bin immer froh, wenn ich mir die Zeit nehme(n kann).
  • Ich habe heute meine Experimentreihe mit zwei Experimenten angefangen, die eine etwas schwierige Person aus unserer Gruppe gerne gemacht haben wollte. Sie war total überzeugt davon, dass das so nicht gehen könne, weil… Tja. Geht ja wohl. Ätschibätsch. (‚N bisschen Ahnung von Proteinen hab ich dann ja doch, nä?)
  • Überhaupt habe ich heute viel geschafft. Dass es nicht unbedingt viel gebracht hat, ist ja davon erstmal unabhängig. 
  • Sehr nettes Mittagessen mit Lieblingskollegin (there, i said it). 
  • Einen Kontakt zum wissenschaftlichen Schreiben in Unternehmen vermittelt bekommen. 
  • Ganz viele neue falsche Freunde Kontakte im Networkingnetzwerk.
  • Beide Kinder sind recht schnell eingeschlafen und liegen bisher noch in ihren eigenen Betten. 
  • Liv kommt morgen. 

Insgesamt ok, aber ich bin auch nicht traurig, dass der Tag jetzt vorbei ist. 

    * Interessantes Ergebnis: ich habe ein Protein aufkonzentriert, um dessen Bindung an ein anderes Protein besser untersuchen zu können. Nach dem Aufkonzentrieren bindet es aber gar nicht mehr an das andere Protein, und zwar egal in welcher Konzentration es eingesetzt wird. (Das aufkonzentrierte Protein ist aber  schon noch da, das habe ich als erstes überprüft. Aber vielleicht ist es kaputtgegangen? Hmmhmm…

    Tag 642 – Was für eine schöne Zahl.

    Ich bin total genervt von allem, deshalb nur kurze Meldung. 

    Die Bauarbeiten sind zu ca. 7/8 fertig. Es fehlen nur noch so Kleinigkeiten, wie Latten auf den Löchern die beim Türeneinbau gerissen wurden und irgendwie hat es auch keinen Sinn, für den Warmwasserbereiter extra einen Raum mit Brandschutztür zu bauen, wenn man dann das Stromkabel für selbigen Warmwasserbereiter durch die Tür legt, sodass man diese nicht mehr schließen kann. 


    Außerdem ist es überall furchtbar dreckig und der Staub von den Rigipsplatten hat sich in jede Pore der Holzdielen im hinteren Flur gesetzt, sodass man jetzt immer weiße Fußsohlen bekommt, wenn man da lang geht. Trotz Fegens und dann Staubsaugens auf „Saugt Wurmlöcher auf“-Stufe. 

    Außerdem Kinderkram, der mich doll orrren lässt, aber dazu eventuell später mal, es geht eh nur indirekt um unsere Kinder. 

    Stoff reichte nicht mehr für ein Kleid. 

    Und müde. Müde bin ich auch. Sehr. Letzte Nacht um eins war Pippi fast aus dem Bett gefallen (nur der Kopf lag noch auf der Matratze, der Rest auf dem Boden) und da begann eine Nacht in der ich von Bett zu Bett wanderte. Sowas strengt an. 

    So, genug genörgelt. Morgen ist ein neuer Tag.

    Tag 639 – Bekymringswoche Tag 4. 

    Heute früh dachte ich noch, ich müsse Pippi zu Hause betreuen, weil die gestern Abend echt mies drauf war und auch Fieber hatte. Als wir dann aber Michel im Kindergarten abliefern wollten, wollte sie unbedingt dableiben und war auch super gut drauf und fit. Ich ließ sie also da und fuhr alleine nach Hause – meinem Chef hatte ich nämlich schon mitgeteilt, dass ich heute nicht käme. Zu Hause prokrastinierte ich dann ein Weilchen und setzte mich irgendwann hin um mir ein Networking-Netzwerk-Profil anzulegen. Das tat ich auch, wurde aber nicht wirklich fertig, weil mir das Bild noch fehlt. Herr Rabe hat gestern Nachmittag von mir eins gemacht, auf dem ich normal (also nicht verrückt, albern oder viel müder als ich in echt bin) aussehe. Hurra. Aber es ist noch auf der Kamera, aus Nörgelkindergründen. Also machte ich da erstmal Pause und machte mich an die E-Mail-Allerts der größeren Firmen. Ich kam nicht sooo weit damit, weil ich schon bei der dritten Firma über eine Stellenanzeige stolperte, die mir leichte Schnappatmung verursachte. Ich beschloss nach dem ersten Schreck, es einfach drauf ankommen zu lassen, und mich da zu bewerben. Ha. Falls ich den Job kriege (nein, wenn ich den Job dann habe, positiv denken ist wichtig!) muss ich halt wirklich fix aufschreiben, das ist dann eben so. Vielleicht nicht das schlimmste, da ein festes Datum für mich und auch für meinen „Du könntest doch noch fünftausend Experimente machen“-Chef zu haben. Naja, jedenfalls war das Resultat meines Vorhabens, dass ich meinen Lebenslauf aktualisieren musste. Und während ich so aktualisierte, merkte ich, dass das ganz und gar uninteressant für die Stelle ist, mit welchen Massenspektrometern ich gearbeitet hab und dass ich mal Pilot-Scale DSP gemacht hab. Also schrieb ich alles nochmal um und hielt Rücksprache mit LittleB und dann schrieb ich nochmal Sachen rein und andere raus und sortierte um und dann war ich sehr müde und morgen geht’s damit weiter. Puh. Diese Bekymringswoche hat’s echt in sich. 

    Tag 632 – Schlafupdate. 

    Weil heute ein richtig bekackter Tag war, schreibe ich bewusst was supergutes auf, diese Negativität von mir geht mir sonst selbst auf die Nerven. 

    Also: so lief es mit unserem Projekt, Pippi aus dem Elternbett zu komplimentieren. 

    • Die erste Nacht war beschissen. Ich schrieb darüber. Die ging auch genau so weiter, übrigens. Niemand wachte in dem Bett auf, in dem er eingeschlafen war. Pippi brüllte all ihren Frust heraus. Und naja, ist ja wirklich auch ihr gutes Recht. 
    • Die zweite Nacht war sehr aufregend für alle. Das ins-Bett-Bringen dauerte immer noch ewig, aber wenigstens ging es ohne (so viel) Geschrei. Morgens lagen wir wieder alle zusammen im großen Bett, aber das ist ja auch ok. 
    • Die dritte Nacht war ok. Die Kinder ließen sich relativ gut ins Bett bringen.   Pippi nörgelte zwar immer noch herum, dass sie nicht ins Elternbett durfte, aber nur kurz. Morgens kamen beide kuscheln. 
    • Ab da lief es eigentlich sehr smooth. Am ins-Bett-bringen feilen wir noch, es ist auch nicht so, als würde Pippi schlagartig 12 Stunden durchschlafen, aber der Unterschied ist doch erheblich. Dienstag früh stand sie um 5 im Flur und nörgelte leise vor sich hin, ich holte sie ab, sie aß Banane und dann schlief sie wieder ein. Mittwoch morgen war es viertel vor sechs, aber das Szenario das Gleiche. Heute morgen ging ich um sieben mal gucken, ob die Kinder noch atmen. Taten sie und schliefen dabei auch friedlich. Um viertel nach sieben stand Pippi plötzlich im Bad, mit verstrubbelten Haaren und ihrer Raupe Nimmersatt im Arm und vielleicht habe ich im Leben noch nichts niedlicheres gesehen. 

    Insgesamt können wir uns wohl kaum beschweren*. Pippi schläft jetzt entweder in ihrem oder in Michels Bett ein, irgendwann nörgelt sie im Schlaf (meist so zwischen zehn und elf, also sind wir eh noch wach), dann trösten wir sie kurz und betten sie gegebenenfalls ins eigene Bett um. Morgens kommen die Kinder manchmal kuscheln und manchmal nicht. Und seit wir Michel erklärt haben, dass Pippi auch nicht mehr in unserem Bett (ein-)schlafen darf, ist es plötzlich auch für ihn gar kein Problem mehr, im eigenen Bett zu bleiben. 

    Ich rufe ein vorsichtiges „Hurra“, wohl wissend, dass ich damit vermutlich den Eltern-Murphy heraufbeschwöre. 

    *trotzdem Danke für Ihren Zuspruch in der „Akutsituation“. Wirklich, das hilft sehr, zu hören, dass es bei anderen auch schwierig und anstrengend und laut war und dann aber gut wurde. Ich mag Sie alle sehr! 

    Tag 631 – Mimimi. 

    Ein Tag, wie geschaffen, um einen großen, GROSSEN Haufen Schokolade zu essen. 

    Kurzfassung (ohne mich wieder voll reinzusteigern, hoffentlich): 

    • das Batterieladegerät meines Fahrrads lädt nicht mehr.
    • Ich habe es irgendwie geschafft, mein Fahrradschloss zu verlieren (fragen Sie nicht, ich weiß es doch auch nicht).
    • Michel hatte heute morgen beim Aufstehen schon Kopfschmerzen – ich nehme mal an, er hat zu viel Sonne abbekommen, denn
    • nach dem Kindergarten und zwei mal Sonnencreme hat Michel volle Möhre Mallorcaakne*. Wenigstens scheint es nicht zu jucken. 
    • Bei der Arbeit viel zu viel zu tun, knapp zum Essen gekommen, zum Trinken gar nicht (praktisch, dann muss man auch nicht aufs Klo, spart also doppelt Zeit) morgen wird auch ganz toll (nicht!) weil da so ein Mensch von einer Firma kommt, den ich von meinem Chef aufgrund dessen spontaner Flitterwochen geerbt habe. Den betuddel ich dann und weine nur ein minibisschen, weil ich vermutlich zu sonst nix komme morgen (aber doch so viel zu tun hab…)
    • Pippis Schuhe sind irgendwie verschütt gegangen. 
    • Pippis andere Schuhe passen eigentlich noch nicht so ganz, aber weil die anderen Schuhe ja verschwunden sind, hatte sie die einmal an und gingen direkt kaputt.
    • Herr Rabe hat extra am Montag Abend noch das Regal in unserem kleinen Flur auseinandergebaut, weil die Brandschutztür laut Nachbarin diese Woche eingebaut werden sollte und die in die andere Richtung (also in den Flur, statt in die Wohnung) aufgehen wird. Heute früh trafen wir Bob den Baumeister: sie machen das irgendwann nach dem 17. Mai. 

    So. Darauf eine Tüte Smash**.

    Und aus Gründen: ein Comic über Glauben und Abwehrhaltungen.

    *Ich hab ihm echt meine Haut vererbt. Neigt zu Sonnenbrand, hat Sommersprossen und reagiert empfindlich auf ab.so.lut alles. Meh. 

    **Smash ist das beste überhaupt: Salzige Maisknusperkegelchen, überzogen mit Schokolade. 

    Tag 630 – Starke Mädchen. 

    Neulich:

    „Mama, H. sagt, dass Mädchen stärker sind, dabei stimmt das gar nicht!“

    „Hmm, aber wenn H. das findet, kann er das doch sagen?“

    „Aber das STIMMT ja nicht!“

    „Vielleicht sieht das ja für H. so aus?“

    „?“

    „Guck mal, H.s Mama, M., und sein Papa wohnen ja nicht zusammen. Und meistens ist H. ja bei M.. Und die muss dann alles machen, alles, was Papa und ich uns immer teilen. M. muss immer einkaufen und kochen und H. zum Kindergarten bringen UND abholen. Jeden Tag. Das ist anstrengend, dafür muss man stark sein.“

    Heute:

    „Duhu, M.? Weißt du, warum Mädchen stärker sind? Weil du und H.s Papa nicht zusammen wohnt.“

    Tag 629 – Waffelfest.

    Meine Kollegin K. ist eigentlich gar nicht richtig meine Kollegin. Sie arbeitet auf dem selben Flur am selben Institut, aber sie ist Bioinformatikerin und macht Bioinformatikerinnensachen. Und wir machen meistens zusammen Mittagspause, in einer Gruppe aus lauter Bioinformatikerinnen und mir. Das ist eine nette Runde und wir schnacken über dies und das, manchmal Kinder, meistens aber nicht (auch wenn diese Neuerung immer noch nicht im Weihnachtslied angekommen ist, aber Schwamm drüber). Jedenfalls lud Kollegin K. uns letzte Woche alle zum Waffelfest bei sich zu Hause ein. Es gäbe Waffeln für lau, man könne an den Sportverein was spenden und vielleicht auch auf ihren Pferden eine Runde drehen, das käme darauf an, ob die zwei Teeniemädchen, die die Pferde manchmal gegen Reiten dürfen versorgen, da sind. Ich fand, das klänge schon alles sehr nach großem Spaß für die Kinder und so fuhren wir heute Nachmittag da hin.

    Erstmal verfuhren wir uns, am südlichen Stadtrand von Trondheim wird nämlich wie verrückt gebaut und Google maps kannte all die neuen Straßen noch nicht und wurde etwas hektisch mit seinem „Richtung Nordosten. Danach – links abbiegen. Richtung Nordosten. Danach – im Kreisverkehr dritte Ausfahrt nehmen.“ Währenddessen kurvten wir auf der Karte im Nichts herum und es dauerte etwas, sich aus dem Baustellenlabyrinth wieder herauszuwurschteln. Irgendwann hatten wir es dann aber geschafft und Zack – waren auf dem platten Land. Nur mit Hügeln. Byneset halt, die Bauern-Halbinsel. Aber naja, K. hat ja auch Pferde, dachte ich, da ist ländlich gar nicht mal schlecht.

    Als wir ankamen, staunte ich wirklich nicht schlecht: K. hat nicht nur Pferde, sondern einen richtigen Hof. Freilaufende, äh, Flauschhühner begrüßten uns, Pippi geriet total aus dem Häuschen und rief erst „Gagagei!“ und dann nach Aufklärung „Kikiki!“ und „Pook, pook, poooook!“. Michel freundete sich mit Sara, dem Minischwein an und fütterte es mit Waffeln (das durfte er, wir haben gefragt). K. zeigte alles den Kindern, Michel durfte sogar auf dem einen Pferd sitzen (die Teeniemädchen waren nicht da) und das totale Highlight war, als es aus dem Hühnerhaus plötzlich laut und ausdauernd zu gackern anfing und K. zu Michel sagte „Weißt du, was jetzt passiert ist? Jetzt hat ein Huhn ein Ei gelegt!“ und ihn mitnahm, das Ei zu holen. Michel war unglaublich beeindruckt, es waren sogar zwei Eier und er bekam die Eier geschenkt, weil er so toll mitgeholfen hatte. Stolz wie Oskar trug er seine Trophäe herum und passte wirklich gut drauf auf, dass den Eiern bloß nichts passiert. Pippi lernte ein paar neue Worte, nämlich „jaukeln“ (schaukeln), „Hahn“, „Huhn“, Fääät“ (Pferd) und „hest“ (norwegisch für Pferd), „grisen“ (norwegisch für Das Schwein) und natürlich „Waffen“ (Waffeln). Und das ganze bei strahlendem Sonnenschein und 17 Grad. Ehrlich, es war so schön, dass mir vor lauter Harmonie lauter Schimpfwörter im Kopf herumirrten, als Kompensation sozusagen. „Scheiß die Wand an, ist das schön hier.“ Vielleicht war ich zu lange in Westfalen. 

    Gagagei?


    Jaukeln.


    Kleinpferd. Island-Pony.





    Auch sehr beeindruckend für Michel: des Teenies Reich. Der baut ganz offensichtlich sehr gerne Lego. Es standen sicher 4 bis 6 große (riesige!!!) Lego-Expert-Sets aufgebaut herum, in der Mitte des Raums (der Teenie bewohnt quasi den ganzen „Heuboden“, der aber als Wohnraum ausgebaut ist) steht ein sehr großer Tisch mit dem aktuellen Projekt: dem Simpsons Quick-e-Mart. Aber: alles nicht zum Anfassen gedacht.


    Die Chefin. Also, eine davon.


    Michel und seine Eier. (Da ist er noch wach. Später schlief er im Auto ein, hielt aber nach wie vor die Eier fest.)


    Was für ein wunderbarer Tag. 

    (Ach so, ja, die Waffeln waren auch lecker.)

    Tag 628 – Geschafft.

    Mit dickem Kopf einschlafen heißt meistens, mit dickem Kopf aufwachen. Das weiß ich, gehört aber zu den Dingen, die ich offenbar einfach nicht wahrhaben will, sonst würde ich mich ja dementsprechend verhalten. Naja, es sieht also so aus, als hätte ich einfach ne fette Erkältung – die Nase ist verstopft und/oder läuft, der Kopf tut ohne Schmerzmittel ordentlich weh und der Hals kratzt. Unangenehm, aber nix wildes.

    Entsprechend heute (langsam und vorsichtig) die ToDo-Liste abgearbeitet:

    • Maus gucken
    • Ausführliche Körperpflege (Fingernägel!)
    • Schminkpinsel waschen („man“ sollte das wohl so ca. Einmal die Woche tun. Wegen der Hygiene. Leuchtet ein, aber ob ich wöchentlich dazu komme, wird die Zukunft zeigen)
    • Fahrradreifen aufpumpen
    • 2 Stunden arbeiten (ja, und morgen auch. Gestern auch schon. Nein, das macht mir nicht besonders Spaß, muss aber trotzdem sein)
    • Der Familie hinterherfahren zum „Valborgsmässoafton“, der schwedischen Walpurgisnacht. Exilschweden in Norwegen sind auch nicht kontaktfreudiger als die Norweger. Auch ansonsten ein völlig normales Norwegisches Fest: es gab ein Lagerfeuer, aber erst, als die meisten Familien schon weg waren, weil Feuer ja so wahsninnig gefährlich ist und sich kleine Kinder ja bekanntermaßen gerne mal direkt in die Flammen stürzen. Während die Familien da waren, gab es Würstchen und Schokoladenkuchen. Ein paar schwedische Flaggen dazu und hier und da sprachen Menschen schwedisch. Aber was hatte ich an einem Nachmittag auch erwartet? Vielleicht sollte ich jetzt nochmal in die Bucht fahren…
    • Den Rest des Tages in der Küche verbracht. Quiche gemacht, Brötchen gebacken, Brot gebacken. Sauerteige geführt und mit Michel zusammen neue Teige für ein zweites Brot morgen angesetzt. Michel meinte „Ich will immer mit dir backen, Mama. Und dann sage ich allen meinen Freunden, dass das mein Brot ist. Und du kannst das dann deiner Familie sagen.“

    Jetzt Bett*. Verdient. 

    Hier noch ein Bild, das Herr Rabe heute gemacht hat:

    * Ach ja, Update Schlafsituation: Gestern bzw. heute früh schliefen die Kinder friedlich in Michels Bett bis um sechs. Und ich war auch nur zwei Mal panisch gucken, ob sie noch leben. Das ist ganz wunderbar gelaufen, auch wenn Herr Rabe und ich uns noch dran gewöhnen müssen: wir schliefen nämlich beide regungslos jeweils ganz außen im Bett, mit ca. einem Meter freiem Platz zwischen uns. Heute früh kamen dann erst Pippi (ok, die kam nicht, sondern weckte uns mit rufen und fröhlichem brabbeln) und dann Michel an, zum kuscheln. Ich kuschle viel lieber, wenn ich nicht die ganze Nacht zwangsbekuschelt werde. Heute Abend brachte Herr Rabe dann zuerst Pippi und dann Michel in Michels Bett. Das klappte ganz gut, wird im Alltag aber vermutlich zeitlich etwas eng.