Tag 632 – Schlafupdate. 

Weil heute ein richtig bekackter Tag war, schreibe ich bewusst was supergutes auf, diese Negativität von mir geht mir sonst selbst auf die Nerven. 

Also: so lief es mit unserem Projekt, Pippi aus dem Elternbett zu komplimentieren. 

  • Die erste Nacht war beschissen. Ich schrieb darüber. Die ging auch genau so weiter, übrigens. Niemand wachte in dem Bett auf, in dem er eingeschlafen war. Pippi brüllte all ihren Frust heraus. Und naja, ist ja wirklich auch ihr gutes Recht. 
  • Die zweite Nacht war sehr aufregend für alle. Das ins-Bett-Bringen dauerte immer noch ewig, aber wenigstens ging es ohne (so viel) Geschrei. Morgens lagen wir wieder alle zusammen im großen Bett, aber das ist ja auch ok. 
  • Die dritte Nacht war ok. Die Kinder ließen sich relativ gut ins Bett bringen.   Pippi nörgelte zwar immer noch herum, dass sie nicht ins Elternbett durfte, aber nur kurz. Morgens kamen beide kuscheln. 
  • Ab da lief es eigentlich sehr smooth. Am ins-Bett-bringen feilen wir noch, es ist auch nicht so, als würde Pippi schlagartig 12 Stunden durchschlafen, aber der Unterschied ist doch erheblich. Dienstag früh stand sie um 5 im Flur und nörgelte leise vor sich hin, ich holte sie ab, sie aß Banane und dann schlief sie wieder ein. Mittwoch morgen war es viertel vor sechs, aber das Szenario das Gleiche. Heute morgen ging ich um sieben mal gucken, ob die Kinder noch atmen. Taten sie und schliefen dabei auch friedlich. Um viertel nach sieben stand Pippi plötzlich im Bad, mit verstrubbelten Haaren und ihrer Raupe Nimmersatt im Arm und vielleicht habe ich im Leben noch nichts niedlicheres gesehen. 

Insgesamt können wir uns wohl kaum beschweren*. Pippi schläft jetzt entweder in ihrem oder in Michels Bett ein, irgendwann nörgelt sie im Schlaf (meist so zwischen zehn und elf, also sind wir eh noch wach), dann trösten wir sie kurz und betten sie gegebenenfalls ins eigene Bett um. Morgens kommen die Kinder manchmal kuscheln und manchmal nicht. Und seit wir Michel erklärt haben, dass Pippi auch nicht mehr in unserem Bett (ein-)schlafen darf, ist es plötzlich auch für ihn gar kein Problem mehr, im eigenen Bett zu bleiben. 

Ich rufe ein vorsichtiges „Hurra“, wohl wissend, dass ich damit vermutlich den Eltern-Murphy heraufbeschwöre. 

*trotzdem Danke für Ihren Zuspruch in der „Akutsituation“. Wirklich, das hilft sehr, zu hören, dass es bei anderen auch schwierig und anstrengend und laut war und dann aber gut wurde. Ich mag Sie alle sehr! 

Tag 631 – Mimimi. 

Ein Tag, wie geschaffen, um einen großen, GROSSEN Haufen Schokolade zu essen. 

Kurzfassung (ohne mich wieder voll reinzusteigern, hoffentlich): 

  • das Batterieladegerät meines Fahrrads lädt nicht mehr.
  • Ich habe es irgendwie geschafft, mein Fahrradschloss zu verlieren (fragen Sie nicht, ich weiß es doch auch nicht).
  • Michel hatte heute morgen beim Aufstehen schon Kopfschmerzen – ich nehme mal an, er hat zu viel Sonne abbekommen, denn
  • nach dem Kindergarten und zwei mal Sonnencreme hat Michel volle Möhre Mallorcaakne*. Wenigstens scheint es nicht zu jucken. 
  • Bei der Arbeit viel zu viel zu tun, knapp zum Essen gekommen, zum Trinken gar nicht (praktisch, dann muss man auch nicht aufs Klo, spart also doppelt Zeit) morgen wird auch ganz toll (nicht!) weil da so ein Mensch von einer Firma kommt, den ich von meinem Chef aufgrund dessen spontaner Flitterwochen geerbt habe. Den betuddel ich dann und weine nur ein minibisschen, weil ich vermutlich zu sonst nix komme morgen (aber doch so viel zu tun hab…)
  • Pippis Schuhe sind irgendwie verschütt gegangen. 
  • Pippis andere Schuhe passen eigentlich noch nicht so ganz, aber weil die anderen Schuhe ja verschwunden sind, hatte sie die einmal an und gingen direkt kaputt.
  • Herr Rabe hat extra am Montag Abend noch das Regal in unserem kleinen Flur auseinandergebaut, weil die Brandschutztür laut Nachbarin diese Woche eingebaut werden sollte und die in die andere Richtung (also in den Flur, statt in die Wohnung) aufgehen wird. Heute früh trafen wir Bob den Baumeister: sie machen das irgendwann nach dem 17. Mai. 

So. Darauf eine Tüte Smash**.

Und aus Gründen: ein Comic über Glauben und Abwehrhaltungen.

*Ich hab ihm echt meine Haut vererbt. Neigt zu Sonnenbrand, hat Sommersprossen und reagiert empfindlich auf ab.so.lut alles. Meh. 

**Smash ist das beste überhaupt: Salzige Maisknusperkegelchen, überzogen mit Schokolade. 

Tag 630 – Starke Mädchen. 

Neulich:

„Mama, H. sagt, dass Mädchen stärker sind, dabei stimmt das gar nicht!“

„Hmm, aber wenn H. das findet, kann er das doch sagen?“

„Aber das STIMMT ja nicht!“

„Vielleicht sieht das ja für H. so aus?“

„?“

„Guck mal, H.s Mama, M., und sein Papa wohnen ja nicht zusammen. Und meistens ist H. ja bei M.. Und die muss dann alles machen, alles, was Papa und ich uns immer teilen. M. muss immer einkaufen und kochen und H. zum Kindergarten bringen UND abholen. Jeden Tag. Das ist anstrengend, dafür muss man stark sein.“

Heute:

„Duhu, M.? Weißt du, warum Mädchen stärker sind? Weil du und H.s Papa nicht zusammen wohnt.“

Tag 629 – Waffelfest.

Meine Kollegin K. ist eigentlich gar nicht richtig meine Kollegin. Sie arbeitet auf dem selben Flur am selben Institut, aber sie ist Bioinformatikerin und macht Bioinformatikerinnensachen. Und wir machen meistens zusammen Mittagspause, in einer Gruppe aus lauter Bioinformatikerinnen und mir. Das ist eine nette Runde und wir schnacken über dies und das, manchmal Kinder, meistens aber nicht (auch wenn diese Neuerung immer noch nicht im Weihnachtslied angekommen ist, aber Schwamm drüber). Jedenfalls lud Kollegin K. uns letzte Woche alle zum Waffelfest bei sich zu Hause ein. Es gäbe Waffeln für lau, man könne an den Sportverein was spenden und vielleicht auch auf ihren Pferden eine Runde drehen, das käme darauf an, ob die zwei Teeniemädchen, die die Pferde manchmal gegen Reiten dürfen versorgen, da sind. Ich fand, das klänge schon alles sehr nach großem Spaß für die Kinder und so fuhren wir heute Nachmittag da hin.

Erstmal verfuhren wir uns, am südlichen Stadtrand von Trondheim wird nämlich wie verrückt gebaut und Google maps kannte all die neuen Straßen noch nicht und wurde etwas hektisch mit seinem „Richtung Nordosten. Danach – links abbiegen. Richtung Nordosten. Danach – im Kreisverkehr dritte Ausfahrt nehmen.“ Währenddessen kurvten wir auf der Karte im Nichts herum und es dauerte etwas, sich aus dem Baustellenlabyrinth wieder herauszuwurschteln. Irgendwann hatten wir es dann aber geschafft und Zack – waren auf dem platten Land. Nur mit Hügeln. Byneset halt, die Bauern-Halbinsel. Aber naja, K. hat ja auch Pferde, dachte ich, da ist ländlich gar nicht mal schlecht.

Als wir ankamen, staunte ich wirklich nicht schlecht: K. hat nicht nur Pferde, sondern einen richtigen Hof. Freilaufende, äh, Flauschhühner begrüßten uns, Pippi geriet total aus dem Häuschen und rief erst „Gagagei!“ und dann nach Aufklärung „Kikiki!“ und „Pook, pook, poooook!“. Michel freundete sich mit Sara, dem Minischwein an und fütterte es mit Waffeln (das durfte er, wir haben gefragt). K. zeigte alles den Kindern, Michel durfte sogar auf dem einen Pferd sitzen (die Teeniemädchen waren nicht da) und das totale Highlight war, als es aus dem Hühnerhaus plötzlich laut und ausdauernd zu gackern anfing und K. zu Michel sagte „Weißt du, was jetzt passiert ist? Jetzt hat ein Huhn ein Ei gelegt!“ und ihn mitnahm, das Ei zu holen. Michel war unglaublich beeindruckt, es waren sogar zwei Eier und er bekam die Eier geschenkt, weil er so toll mitgeholfen hatte. Stolz wie Oskar trug er seine Trophäe herum und passte wirklich gut drauf auf, dass den Eiern bloß nichts passiert. Pippi lernte ein paar neue Worte, nämlich „jaukeln“ (schaukeln), „Hahn“, „Huhn“, Fääät“ (Pferd) und „hest“ (norwegisch für Pferd), „grisen“ (norwegisch für Das Schwein) und natürlich „Waffen“ (Waffeln). Und das ganze bei strahlendem Sonnenschein und 17 Grad. Ehrlich, es war so schön, dass mir vor lauter Harmonie lauter Schimpfwörter im Kopf herumirrten, als Kompensation sozusagen. „Scheiß die Wand an, ist das schön hier.“ Vielleicht war ich zu lange in Westfalen. 

Gagagei?


Jaukeln.


Kleinpferd. Island-Pony.





Auch sehr beeindruckend für Michel: des Teenies Reich. Der baut ganz offensichtlich sehr gerne Lego. Es standen sicher 4 bis 6 große (riesige!!!) Lego-Expert-Sets aufgebaut herum, in der Mitte des Raums (der Teenie bewohnt quasi den ganzen „Heuboden“, der aber als Wohnraum ausgebaut ist) steht ein sehr großer Tisch mit dem aktuellen Projekt: dem Simpsons Quick-e-Mart. Aber: alles nicht zum Anfassen gedacht.


Die Chefin. Also, eine davon.


Michel und seine Eier. (Da ist er noch wach. Später schlief er im Auto ein, hielt aber nach wie vor die Eier fest.)


Was für ein wunderbarer Tag. 

(Ach so, ja, die Waffeln waren auch lecker.)

Tag 628 – Geschafft.

Mit dickem Kopf einschlafen heißt meistens, mit dickem Kopf aufwachen. Das weiß ich, gehört aber zu den Dingen, die ich offenbar einfach nicht wahrhaben will, sonst würde ich mich ja dementsprechend verhalten. Naja, es sieht also so aus, als hätte ich einfach ne fette Erkältung – die Nase ist verstopft und/oder läuft, der Kopf tut ohne Schmerzmittel ordentlich weh und der Hals kratzt. Unangenehm, aber nix wildes.

Entsprechend heute (langsam und vorsichtig) die ToDo-Liste abgearbeitet:

  • Maus gucken
  • Ausführliche Körperpflege (Fingernägel!)
  • Schminkpinsel waschen („man“ sollte das wohl so ca. Einmal die Woche tun. Wegen der Hygiene. Leuchtet ein, aber ob ich wöchentlich dazu komme, wird die Zukunft zeigen)
  • Fahrradreifen aufpumpen
  • 2 Stunden arbeiten (ja, und morgen auch. Gestern auch schon. Nein, das macht mir nicht besonders Spaß, muss aber trotzdem sein)
  • Der Familie hinterherfahren zum „Valborgsmässoafton“, der schwedischen Walpurgisnacht. Exilschweden in Norwegen sind auch nicht kontaktfreudiger als die Norweger. Auch ansonsten ein völlig normales Norwegisches Fest: es gab ein Lagerfeuer, aber erst, als die meisten Familien schon weg waren, weil Feuer ja so wahsninnig gefährlich ist und sich kleine Kinder ja bekanntermaßen gerne mal direkt in die Flammen stürzen. Während die Familien da waren, gab es Würstchen und Schokoladenkuchen. Ein paar schwedische Flaggen dazu und hier und da sprachen Menschen schwedisch. Aber was hatte ich an einem Nachmittag auch erwartet? Vielleicht sollte ich jetzt nochmal in die Bucht fahren…
  • Den Rest des Tages in der Küche verbracht. Quiche gemacht, Brötchen gebacken, Brot gebacken. Sauerteige geführt und mit Michel zusammen neue Teige für ein zweites Brot morgen angesetzt. Michel meinte „Ich will immer mit dir backen, Mama. Und dann sage ich allen meinen Freunden, dass das mein Brot ist. Und du kannst das dann deiner Familie sagen.“

Jetzt Bett*. Verdient. 

Hier noch ein Bild, das Herr Rabe heute gemacht hat:

* Ach ja, Update Schlafsituation: Gestern bzw. heute früh schliefen die Kinder friedlich in Michels Bett bis um sechs. Und ich war auch nur zwei Mal panisch gucken, ob sie noch leben. Das ist ganz wunderbar gelaufen, auch wenn Herr Rabe und ich uns noch dran gewöhnen müssen: wir schliefen nämlich beide regungslos jeweils ganz außen im Bett, mit ca. einem Meter freiem Platz zwischen uns. Heute früh kamen dann erst Pippi (ok, die kam nicht, sondern weckte uns mit rufen und fröhlichem brabbeln) und dann Michel an, zum kuscheln. Ich kuschle viel lieber, wenn ich nicht die ganze Nacht zwangsbekuschelt werde. Heute Abend brachte Herr Rabe dann zuerst Pippi und dann Michel in Michels Bett. Das klappte ganz gut, wird im Alltag aber vermutlich zeitlich etwas eng.

Tag 627 – Dicker Kopf. 

Heute Abend brachte Herr Rabe beide Kinder in Michels Bett. Michel motzte zwar zuerst ein wenig, weil er Angst hatte, dass Pippi wieder Theater machen würde. Pippi wollte auch in der Tat wieder nicht schlafen, sondern hampelte noch eine Weile herum und erzählte was. Ich weiß das, weil ich, quasi auf Abruf, unten in ihrem Bett lag. Falls sie doch runter will oder Michel wachhält. Ich hörte also Pippi hampeln und Michel sehr bald schnaufen. Ich hörte, wie Pippi langsam zur Ruhe kam. Dann kam ich auch ein bisschen sehr doll zur Ruhe, mir fiel jedenfalls das Handy aufs Gesicht und ich gönnte mir ein paar Minuten Schlaf. Als ich wach wurde, hatten sich meine latenten Halsschmerzen, die ich schon den ganzen Tag mit mir rumschleppe, manifestiert und es hatten sich Kopfschmerzen und eine maximal luftundurchlässige Nase hinzugesellt. Krank innerhalb von 5 30 Minuten. Danach war nicht mehr viel zu machen, außer ins Bett plumpsen und jetzt hoffentlich alles wegschlafen. 

Tag 626 – So funktioniert es also schon mal nicht. 

Projekt Pippi aus dem (Eltern-)Bett bekommen, 1. Versuch. Komplette Katastrophe. 

Wir dachten so, dass es für Pippi vielleicht einfacher wäre, wenn sie gleich ganz aus unserem Zimmer auszöge und bei Michel mit ein. Eventuell sogar einfach in Michels Bett, aber der hat ja ein Hochbett und so wurde das schnell wieder verworfen. Also bauten wir heute das (nie als solches genutzte) Beistellbett in ein normales, flaches Kleinkindbett um und bastelten es origamimäßig unter Michels Bett. Pippi war total begeistert, setzte sich rein, sagte „Bett“, legte sich hin, tat so als würde sie schnarchen. Wir werteten das als gutes Zeichen und machten die Kinder hoffnungsfroh bettfertig. 

Zuerst wollte Michel unbedingt mit in Pippis Bett liegen, während wir die „Eule anguckten“. Ich dachte kurz: auch gut, dann schlafen sie halt unten zusammen. Aber dann war Pippi aufgekratzt und Michel wollte doch nach oben. Kaum hatte der sich hingelegt, wollte aber Pippi auch nicht mehr unten liegen bleiben, sondern hoch. Mit ihrem „Bärchen“, einem Teddy, der fast so groß ist wie sie selbst. Oben legte sie erst den Bären hin, sagte „Alle gut, Bärsen. Ginken? Njamjamjam. So, Bett, Chrrrrr pschsch!“ und legte sich dann daneben. Und setzte sich wieder hin. Und erzählte wieder was. Michel fing schon an, genervt zu seufzen. Ich machte die Spieluhr an. Pippi hampelte. Michel seufzte. Pippi nörgelte. Michel bat darum, dass sie sich endlich hinlegen solle oder eben weggehen. Pippi entschied sich für weggehen, schnappte sich das Bärchen und wollte heruntergehoben werden. Ich wollte, dass sie sich dann unten ins Bett legt. Aber sie fing direkt an zu schreien. So arg, dass Herr Rabe sie nach einer hilflosen SMS abholen wollte. Allerdings hatte sie da Michel schon wieder richtig wachgebrüllt, sodass beide Kinder mit Herrn Rabe ins Wohnzimmer loszockelten. Ich lag beleidigt in Pippis Bett, bis Herr Rabe Michel ins Bett brachte und ich auf die fröhlich spielende Pippi aufpassen musste. Als Herr Rabe Michel ins Bett gebracht hatte, wollte er sein Glück nochmal mit Pippi versuchen.

Pustekuchen. Pippi wollte nicht ins Bett. Gar nicht. Sie fing hysterisch zu brüllen an. Kreischte, was das Zeug hielt. Irgendwann hielt Herr Rabe es nicht mehr aus und ging. Ich setzte mich zu ihr. Und hörte mir das Wut- und Frustgebrüll an. Lange. Anfassen durfte ich sie wieder nicht. Trösten auch nicht. Sie schrie einfach. Sie kann das wirklich sehr, sehr lange. Irgendwann kam Herr Rabe zurück und löste mich ab. Pippi brüllte. 

Irgendwann, nach über einer Stunde Gekreische, hörte ich aus dem Kinderzimmer das Geschrei abebben. Dann hörte es ganz auf. Pippi war auf Herrn Rabes Arm eingeschlafen. Natürlich auch Mist, weil sie so nicht mitbekommt, dass sie in ihr Bett gelegt wird und dann nachts orientierungslos alleine im Dunkeln aufwacht, obwohl sie doch eben noch bei Papa auf dem Arm war. 

Update: Wurde sie schon. Ich liege jetzt bei ihr im Bett. Genau so hatte ich mir das gedacht…

Tag 624 – Das muss doch alles irgendwie besser gehen. 

Ach Mann, jetzt ist es schon so spät geworden. Ich hatte doch so vor, mal ein paar meiner Leser*Innen nachhaltig zu vergraulen. Aber das wird mit jetzt für heute zu viel, morgen dann, ja? 

Weshalb ist es so spät? Weil Herr Rabe und ich uns noch über Erziehungsdinge angezickt unterhalten haben. Es ist nämlich so, dass im Moment hier dauernd meine Grenzen überschritten werden, einmal so ganz generelle (ich möchte mein Bett zurück) und dann auch ganz spezielle, Michel ist nämlich in einer krassen Knutschphase und ich kann das überhaupt nicht ab. Vor allem (!!!) nicht, wenn er irgendeinen Mist gemacht hat und dann als Übersprungshandlung mich anspringt und mich abknutscht oder ableckt (!!!!!!!). Ich sage ihm dann auch recht deutlich, dass ich das nicht will, weil ich das nicht mag und dass er aufhören soll. Er hört aber nicht auf. Herr Rabe sagt, ich muss das deutlicher machen, mich auch körperlich entfernen oder ihn wegschieben. Ich finde ‚Nein heißt Nein‘ muss reichen. Er findet, das kann Michel noch nicht verstehen, weil er ja erst 4,5 Jahre alt ist. Und da sind wir dann auch am Ende der Diskussion, weil ich es einfach nicht weiß, wann Kinder dazu in der Lage sind. Oder vielleicht ist Michel auch ein empathieloser Klotz. Gnäh. Nächstes Thema: Fernsehen Slash Bildschirmzeit. Wir sind zu inkonsequent und werden da jetzt mal andere Saiten aufziehen. Michel ist nämlich ein richtiger kleiner Bildschirmjunkie und hört einfach *nie* von selbst auf, wenn er genug hat (haben wir probiert, ja). Wir werden das auf eine halbe Stunde pro Tag begrenzen (nicht so wie es jetzt klingt, eher so: eine Sendung. Wenn die 20 Minuten dauert, ist danach Schluss. Wenn er gerade was spielt, was noch 5 Minuten dauert, machen wir auch nicht nach Punkt 30 Minuten das iPad aus, sodass er seinen Spielstand verliert oder was weiß ich. Wobei er so komplexe Dinge auch noch gar nicht spielt) und wenn es wegen der Begrenzung Theater gibt, ist am nächsten Tag komplett Pause. Wir rechnen mit Theater. 

Morgen ist dann passender Weise auch Elterngespräch im Kindergarten, da können wir dann so wunderbare Themen ansprechen wie „Warum messt ihr bei Pippi eigentlich dauernd Fieber?“, „Wie kommt Michel auf die Idee, dass alle Frauen lange Wimpern haben?“ und „Woher hat Michel die ganzen Schimpfwörter*?“.

Wunderbar. Ich freue mich schon totaaaaaal drauf. 

*wenns jetzt „Arsch“ oder „Wurst“ oder „verdammte Kacke“ wäre, würde es mich ja gar nicht wundern. Aber er sagt „dumming“ [Dummer], „luring“ [schwierig, å lure ist jemanden hereinlegen, ein luring müsste also ein Betrüger oder sowas sein?] und so weiter und vielleicht ist das auf Norwegisch ja alles gar nicht so schlimm**.

**vermutlich zumindest „dumming“ schon. 

Tag 621 – Ich will ja nicht nörgeln, aber…

… nach der anfänglich so guten Fahrt gestern war der Rest leider zum Kotzen, das fand jedenfalls Pippi, bzw. beschissen, das fand ich. Dazu kam dann noch ein saftiger Schneesturm quasi mit Überfahren der Grenze zu Sør-Trøndelag, so richtig mit großer Aufregung und Schlittern und vielem Fluchen und kaum noch was sehen, sodass wir dann um halb vier endlich und komplett gerädert und mit einem ziemlich nach anverdauter Banane riechendem Auto zu Hause ankamen. 

Heute war der Rest des Tages entsprechend geprägt von massivem Durchhängen wegen Magen-Darm (Pippi und ich), Auspacken und Wäsche waschen (Herr Rabe), Unausgelastetheit (Michel) und einem furchtbar schlechten Gewissen gegenüber sämtlichen Menschen, die wir gestern eventuell angesteckt haben könnten. Einziger Lichtblick: Herr Rabe und Michel geht’s gut. 

(Langsam reicht’s dann auch mal mit dem Kranksein, finde ich.)

Tag 620 – Katzensabber und Autospaß. 

Nach einem wirklich schönen Tag mit Geburtstagsnachfeierei und durchweg niedlichen Kindern und Babys und grade so nicht mehr Babys und leider auch Gliederschmerzen und diffusem Unwohlsein meinerseits sind wir jetzt auf dem Rückweg. Wir werden voraussichtlich irgendwann mitten in der Nacht ankommen, dann können wir morgen durchhängen und übermorgen wieder frisch und fröhlich arbeiten gehen, juhu. Und außerdem werde ich Montag in Erfahrung bringen, wie man in Norwegen einen Allergietest machen lässt. Wir vermuten nämlich, dass Michel gegen Katzensabberenzyme allergisch ist. Umgangssprachlich nennt man das Katzenhaarallergie, aber ist ja egal, wie man es nennt, jedenfalls hatte Michel immer nachdem er mit der Katze gekuschelt hatte rote Flecken um den Mund, rieb sich die kleinen, roten Augen und sagte, seine Nase juckt. Im Nachhinein erklärt das auch die komische „Oma-Reaktion“, dass er immer, wenn meine Mutter uns in Bielefeld traf, anfing, sich die Augen zu reiben, die dann auch rot und geschwollen waren. Armes Kind und arme Mama, die ja so gerne wieder ne Katze hätte. Und ja, ich weiß, dass es „Allergikerkatzen“ gibt, aber da müsste man dann aufs einzelne Tier testen und, ach. Erstmal gucken, vielleicht bilden wir uns das ja alle auch nur ein. Pippi will auf jeden Fall auch ne Katze. 

Habe ich jemals über das langweilige Fahren in Norwegen gemeckert? Nach anderthalb Wochen als Beifahrerin in Deutschland singe ich hier Loblieder auf das Autofahren. Wie unglaublich entspannt das ist! So eine begrenzte Maximalgeschwindigkeit hat schon was, vor allem da wo die Straße trotzdem gut ausgebaut und mehrspurig ist. Tempomat auf 120* und lass laufen. Wenn man mal wen überholen möchte, ist das kein Affront, sondern wird einfach ohne besondere Eile erledigt, man lässt sich gegenseitig Platz, niemand fährt einem halb auf die Stoßstange oder versucht einen auszubremsen. Auch da wo die Straße nur einspurig ist, nimmt man gegenseitig Rücksicht und macht an günstigen Stellen den Hinterherfahrenden Platz zum Überholen. I f*cking love it!

*Jaja, eigentlich natürlich 110.