Tag 1170 – Abgestumpft.

Achtung, Too much information-post über Hormonspirale!

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Ich will nicht sagen, dass ich irgendwie Angst gehabt hätte, aber ich ging heut zu meiner Hausarztpraxis mit einer leichten Anspannung. Denn ich hatte schon das ein oder andere gehört über das Legen von Spiralen, wie doll das weh täte währenddessen und danach und überhaupt ganz schlimm alles. Auch dass die Ärztin mir vorher von „und dann öffnen wir den Muttermund, aber wenn wir nicht durch kommen, dann machen wir das Paket gar nicht erst auf“ erzählt hatte, hat es nicht besser gemacht.

Dann war da ja auch noch das klitzekleine Problem, dass ich Pippi mitnehmen musste. Mein Plan war da, dass ich sie in den Kinderwagen setze, damit sie auf dem Weg einschläft, denn dann schläft sie ja eigentlich immer mindestens eine Stunde, das sollte also gehen.

Pustekuchen! Beim Arzt angekommen schaute mich Pippi aus großen Augen an und war alles andere als am Schlafen. Ok, dachte ich, dann ist das jetzt eben so und ich machte mit ihr ab, dass sie auf meinem Handy Peppa Wutz gucken darf, wenn sie ruhig draußen vor dem Behandlungszimmer sitzen bleibt.

Dann wurden wir aber von der Ärztin hereingebeten und sie meinte nur, nein, das sei gar kein Problem, wenn es für mich keins sei und sie stellte Pippi ans andere Ende des Raumes eine riesige Kiste Spielzeug hin. Pippi packte schon mal alles aus und die Ärztin klärte mich auf, über Blutungen und Nebenwirkungen und all das und dann zog ich meine Schuhe aus und Pippi verkündete, sie müsse aufs Klo. Auch kein Problem, ich ging mit Pippi aufs Klo und dann war es aber wirklich Zeit.

Ich sag es mal so: das wird jetzt nicht mein verschrobenes Hobby, aber schlimm war es wirklich nicht. Die Ärztin machte erstmal eine gynäkologische Routineuntersuchung, allein das ist ja schon nicht besonders schön, und nahm dann noch eine Zellprobe vom Muttermund. Das habe ich schon in wirklich unangenehm mitgemacht, großes Lob an die Ärztin, ich hab das heute kaum gemerkt und auch nicht geblutet wie ein abgestochenes Schwein, hurra! Und auch das tatsächliche Legen der Spirale war nicht wirklich schlimm. Etwas unangenehm, ja, das zwickt und zwackt und dann drückt es seltsam, aber mehr war da bei mir jedenfalls nicht.

Pippi spielte derweil konzentriert mit dem Spielzeug und fragte nur einmal zwischendurch interessiert die Ärztin: „Ser du rumpa mamma mi?“ („Guckst du meiner Mama inn‘ Po?“) und als die Ärztin ganz nüchtern mit „Nei, det er tissen jeg ser etter.“ (Nein, ich gucke mir das [unisexwort für Geschlechtsteil] an.) antwortete war es auch schon gegessen. Puh! Ich finde ja einen entspannten Umgang mit Gesundheitsdingen, durchaus auch solchen, gut und richtig, aber bei ner Untersuchung dabei haben muss ich die Kinder eigentlich nicht. Wenn es nicht anders geht, so wie heute oder damals, als ich mit krankem Michel (da war er etwas mehr als zwei Jahre alt) zu Hause war, in der 12. Woche schwanger und plötzlich anfing zu bluten, Tjanun, dann geht es nicht anders und dann ist ja gut, dass die Ärzt*Innen in Norwegen da auch kein großes Problem mit haben (sofern das betreffende Kind friedlich in einer Ecke spielt jedenfalls).

Nachdem die Spirale saß, was inklusive Zellabstrich und allem vielleicht 10 Minuten gedauert hat, packte Pippi das Spielzeug wieder ein und wir zogen unserer Wege. Ich mit einem zunehmenden Gefühl von Regelschmerzen, Pippi hüpfend und singend. Sie schlief übrigens auch auf dem Rückweg nicht und auch am Nachmittag nicht. Gut, dass ab Montag wieder Kindergarten ist, wenn auch erstmal nur Eingewöhnung. Ich setzte mich zu Hause mit Wärmekissen auf dem Bauch und einer Ibuprofen im Magen aufs Sofa, weil Stehen und Gehen halt zu einem ziemlich starken Regelschmerzgefühl führten, aber zum Abendessen hin ging das dann auch wieder und jetzt ist eigentlich alles wie immer. Vielleicht ist mein Uterus ein Holzklotz ohne Gefühle, abgestumpft nach zwei Schwangerschaften. Ist ja auch Wurscht, bis etwa Tag 2900 muss ich mir vermutlich keine großen* Gedanken mehr darum machen. Und ne Achtjährige will vermutlich eh lieber draußen warten und nicht Duplo-Autos zählen.

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*Jajaja, natürlich gehe ich in paar Monaten zur Kontrolle, ob alles richtig sitzt. Termin ist schon abgemacht und im Kalender gespeichert.

Tag 1169 – Wut, Angst, mehr Wut.

Es gibt vieles, das verstehe ich einfach nicht. Mein Horizont ist zum Beispiel zu eingeschränkt um zu verstehen, dass Leute sich nicht an Deadlines halten oder meinen es sei ok 2 Stunden eher oder später als verabredet zu Besuchen aufzulaufen.

Ich verstehe auch nicht, dass es Leute gibt, die fern jeder Realität sich die Welt machen wiedewiedewie sie ihnen gefällt. Die gegenüber der einen Person sagen, sie seien ja für nichts verantwortlich, leider leider, nur Berater hier, krieg nicht mal was bezahlt, so arme Wurst, dann aber wiederum meinen, sie könnten Dinge einfordern. Die zwar gaaaaar kein Geld haben, deshalb weder die Angestellten noch sonst irgendwelche noch so kleinen Rechnungen bezahlen können, aber die Firma, die gehört ihnen, zu 50%, und damit auch die Entscheidungsgewalt über die Arbeitskräfte, nämlich. Aber Konkurs melden, das können sie die Firma nicht, noch nicht mal die Firmenpost abholen. Die kündigen, aber dann weiter Projektleiter sein wollen.

Oder doch, ich verstehe das schon, ich verstehe das wie ich Leute verstehe, die Konflikte lösen, indem sie dem Gegenüber eins auf die Mappe hauen. Es ist halt eine kindische Art, sich die Rosinen aus dem Verantwortungskuchen herauszupicken. Macht ja, Verpflichtungen nein. Immer Bestimmertag haben, ohne den Abwasch nach dem Kindergeburtstag machen zu müssen. Geiles Leben. Hätte ich auch gern.

Ich bin aber nicht mehr 7 und weiß dass das nicht geht. Mit 72 sollte man das erst recht wissen.

Was man mit 72 auch wissen sollte, auch mit 7 oder mit 17: wenn dir wer sagt, du sollst nicht vorbei kommen, dann steh nicht einfach plötzlich vor der Tür.

Das nächste Mal rufe ich nämlich die Polizei. Da hilft dir dann auch keine Drohung, wem du alles erzählen willst, was für ein schrecklicher Arbeitnehmer ich bin.

Tag 1168 – Wieder zu Hause.

Wir durften das Krankenhaus verlassen. Natürlich nur, nachdem ich versprochen hatte, bei der kleinsten Blutung anzurufen und nachdem dann auch noch mal betont werden musste, dass die Entscheidung, ob das Kind vorgestellt werden muss, dann bei ihnen liegt. Also genau genommen: Sie müssen anrufen, wir sagen dann, Sie müssen kommen und wenn Sie nicht kommen, dann passiert aber was*!

Egal, wir sind jedenfalls zu Hause, Pippi darf in Zukunft nicht mehr, auch nicht ausnahmsweise, auf Michels Sitz mitfahren, weil sie erstens viel zu leicht da rausklettern kann und das dann auch tut und außerdem hat sie heute auf der Autobahn die Tür einfach aufgemacht (ok, ich hatte einfach vergessen, die Kindersicherung reinzumachen) und ich hatte fast einen Herzstillstand. Also, nein, Rübennase, vergiss es. Der Sitz ist erstmal gestrichen.

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Michel war heute das erste mal beim Skitraining. Erst wollte er unbedingt, dann gar nicht mehr, dann war ihm kalt, dann gingen sie joggen und dann spielten sie Hockey (es ist halt noch kein Schnee, es wird erstmal an der Grundfitness gearbeitet) und am Ende war es ganz toll und Michel wäre gern noch eeeeewig dageblieben. Leider war das alles so aufregend, dass wir zu Hause dann einen Kaktus auf Konfrontationskurs zu uns hatten. Hoffentlich gibt sich das wieder, weil ich glaube, ein Draußensport wäre gar nicht schlecht für Michel und er hatte ja wirklich Spaß. Aber hinterher als Blitzableiter und Punchingball herhalten macht absolut keine Freude, selbst wenn man sich schon fast drauf einstellen kann.

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  • *Ich kann mir vorstellen, dass sie dann zum Beispiel Meldung an die norwegische Version des Jugendamts machen.
  • Tag 1167 – Ein paar konstruktive Vorschläge zum Thema „Ärztin-Patientin-Kommunikation“.

    Wir sind, das mag jetzt überraschen, mich hat es jedenfalls heute morgen sehr überrascht, weiterhin im Krankenhaus. Nach einer einigermaßen okayen Nacht (wie das halt so ist wenn Dinger piepen und Zäpfchen gegeben werden und bei der Zimmernachbarin Blutdruck gemessen wird und so weiter) ohne Blutungen ging ich davon aus, dass auf das Frühstück wie beim letzten Mal die Visite folgen würde und dann dürften wir wieder nach Hause. Es kam die Pflegerin der Frühschicht und sagte, Pippi dürfe dann gleich auch wieder essen, wir sollen nur auf das OK der Ärztin warten. Pippi hatte ordentlich Hunger, oder Appetit oder einfach einen leeren Magen, der von der Glukoseinfusion halt unbeeindruckt war, jedenfalls aß sie ein Eis und trank Saft und dann holte ich mir Frühstück und brachte ihr einen Joghurt mit. Gestern hatte sie ja auch Eis und Saft in rauen Mengen bekommen.

    Dann kam die Pflegerin und sagte „Hat sie davon was gegessen? Sie soll nicht essen!“, worauf ich sagte, ich hätte das so verstanden, dass sie nichts festes essen solle, damit die Wunden im Hals nicht gestört werden, worauf sie sagte, nein, sie solle gar nichts essen. Ich nahm Pippi den Joghurt weg, Pippi fand das absolut nicht cool und ich reichte ihr das Saftglas. „Sie darf auch nicht trinken. Sie soll fasten.“ „Warum denn das? Sie hat Hunger!“ „Sie kann keinen Hunger haben, sie hat Glukose bekommen. Und wenn sie doch Hunger hat, kann sie Eisstückchen lutschen.“ Sprach’s und verschwand.

    Pippi verstand nicht, dass ich ihr ihr Essen wegnahm. Und ihren Saft. Und überhaupt alles. Wie auch, sie ist drei. Ich legte aus Solidarität auch mein Essen weg und versuchte sie zu beruhigen, aber es war absolut unmöglich, sie brüllte sich in Rage. Irgendwann hatte ich davon genug und ich ging mit ihr (brüllend) auf dem Arm an den Tresen und bat um eine Erklärung, WARUM sie plötzlich fasten solle. Die Pflegerin sagte, sie frage die Ärztin und käme dann sofort wieder.

    Statt sofort kam sie eine dreiviertel Stunde später wieder. Mit der Ärztin im Schlepptau.

    Das sei Routine, sagte die Ärztin. Falls man nochmal operieren müsse. Und wir sollen bis mindestens morgen bleiben. Weil ihr Hb-Wert zu stark gesunken sei. Das sei auch Routine. Essen dürfe sie weiterhin lieber nur flüssiges kaltes, und den Joghurt.

    So. Und da, liebe Pflegekräfte, kommt jetzt mein „arrogantes Pflegekraftgebashe“. Ich möchte nämlich was dazu sagen. Ich habe direkt in der Situation auch zwei Sachen gesagt, nämlich

    • Es war noch nie die Rede von „nochmal operieren“ und ich hätte das gern schon gestern gewusst, wenn das im Raum stand/steht
    • Wieso wurde Herrn Rabe nicht gestern schon gesagt, dass es eventuell (sogar deutlich) mehr als eine Nacht Aufenthalt hier werden könne? (Denn es ist viel einfacher, 5 Unterhosen einzupacken und im Zweifel halt 4 ungetragen wieder aus, als sich von Tag zu Tag immer noch eine Unterhose nachliefern zu lassen.)
  • Bei beiden Dingen wurde, meiner Meinung nach, unterirdisch, nämlich gar nicht, mit uns kommuniziert.
  • Und da wird’s dann halt kompliziert, liebe Pflegekräfte und Ärztinnen. Denn ich bin durchaus nicht doof und vor allem wirklich kooperativ eingestellt. Ich möchte nur gerne verstehen, warum was gemacht wird. Weil ich eben nicht blöd bin. Ich kann mir beileibe nicht vorstellen, dass es viele Eltern gibt, die sagen „Ach so, Routine, ja gut, leuchtet ein.“, weil Routine nun mal keine Begründung darstellt. Bei mir kam es so an, dass mir nicht erklärt wurde, dass und warum gefastet werden sollte, aber mitmachen sollte ich es bitte und zwar ohne Nachfragen, denn auf Nachfragen wird man schnippisch. Es wurde nicht _erklärt_, warum wir noch hier bleiben sollen, bis der Hb-Wert wieder besser ist. Es wurden nicht mal Werte genannt, also weiß ich halt auch nicht, ob der Wert von 11 auf 9,8 oder von 12 auf 7,5 gefallen ist. Was ich aber weiß ist, dass Glukoseinfusion und Wassereis keinen Hb-Wert über Nacht verbessern werden. Weil ich, ich wiederhole mich, nicht blöd bin.
  • Wenn ihr meint, ein Kind muss, ungeachtet dessen ob es Schmerzen hat oder nicht, sechsmal am Tag Schmerzmittel kriegen: erklärt es bitte.
  • Wenn ihr meint, ein Kind muss eventuell nochmal operiert werden und sollte deshalb fasten: erklärt es bitte (und auch, wieso es am einen Tag anders gehandhabt wird als am nächsten, das ist mit btw immer noch nicht klar). Kommuniziert es und erklärt es. (Ich kann mir keine Eltern vorstellen, die auf eine Erklärung, dass nach einer Blutung wie dieser manchmal noch viel schwerere Blutungen auftreten können, die dann operativ gestoppt werden müssen wofür das Kind halt möglichst nüchtern sein sollte, sagen, scheiß drauf, YOLO, rein mit dem Schnitzel. Wirklich beim besten Willen nicht.)
  • Wenn ihr der Meinung seid, der Hb-Wert sei kritisch weit gefallen und rechtfertigt einen weiteren stationären Aufenthalt: Nennt Zahlen. Und dann: tut was, damit der Wert steigt. Zum Beispiel hättet ihr ja wenigstens mal fragen können, ob wir Vegetarier sind. So als Tipp.
  • Ganz generell: denkt nicht, alle die „nicht vom Fach“ sind, sind unmündige Idioten, die man gar nicht erst nicht aufzuklären braucht. Es könnte passieren, dass die ihren Groll ins Internet schreiben. Es könnte aber auch passieren, dass die tatsächlich einfach gehen. Dass die keinen Bock mehr haben, ihre Kinder erklärungslos mit Zäpfchen, Blutabnahmen und Fasten drangsalieren zu lassen, wenn sie keinen Sinn dahinter sehen, weil das einzige „Argument“ dafür, das sie zu hören bekommen, ist „das ist eben Routine“. Vielleicht kommen die bei der nächsten Geschichte dann einfach gar nicht mehr, weil sie fürchten, dass aus „nur mal gucken“ ein mehrtägiger Aufenthalt ohne Information aber mit FastenZäpfchenTralala wird.
  • Informed consent. Zwei Worte, beide davon so wichtig. Ohne Information kann kein Patient eine Entscheidung treffen, ob eine Behandlung sinnvoll ist oder nicht. Patienten, die den Sinn einer Behandlung nicht sehen, sind wenig kooperativ. „Routine!“ ist keine Information. „Routine!“ ist gewissermaßen der Rausschmeißer einer Diskussion und eine Ausrede. Das nächste mal, wenn ihr wen als unkooperativ abstempeln wollt: fasst euch mal kurz an die eigene Nase und fragt euch, was eure Kommunikation damit zu tun haben könnte.
  • Grüße –
  • Eine Mutter. Weder vom Fach noch doof.
  • Tag 1166 – Zurück im Spidermanzimmer.

    Auch wieder vorweg: es geht allen hier gut. Aber Pippi und ich sind wieder im Krankenhaus, weil sie heute früh anfing, Blut auszuspucken (da wurde uns vorher gesagt, dass das nach ca. 1 Woche, wenn sich die Borken lösen, passieren kann) und dann heute mittag auch noch brechen musste. Ich sag mal so: geschlucktes Blut, ein Nutellacroissant und ein Eis aus rotem Smoothie macht eine ganz, ganz gruselige Farbkombination. Jedenfalls riefen wir, wie es uns für diesen Fall zuvor geheißen wurde, im Krankenhaus an. Die wollten sie sehen, deshalb fuhr Herr Rabe mit ihr hin und Michel und ich strichen in der Zeit die Wand – und das schlecht, weil die Farbe unter das Malertape gelaufen ist und die Farbfläche deshalb komplett ausgefranst ist. Da muss ich nochmal ran um das zu retten, aber vorher muss ich rausfinden, was das für ein Farbton ist, der vorher an der Wand war. Seufz. Jedenfalls war irgendwann Herr Rabe mit Pippi auch dran und… sie sollte über Nacht bleiben.

    Ich warf also die Impromaschine an, warf Übernachtungssachen in meinen Rucksack, rief ein Taxi* und eine Stunde später saßen Michel und ich im Zug. Zug, Bus, Laufen und „schon“ waren wir da. Man muss dazu sagen, mit dem Auto hätte es genauso lange gedauert.

    Im Krankenhaus hatte Pippi grad einen schlimmen Wutanfall, weil sie nicht essen darf, aber Hunger hatte, da half auch kein Eis, kein Saft und die Infusion piept dauernd wegen „Okklusion nedstrøms“ weil Pippi mit jeder Bewegung des Ellenbogens den Schlauch abklemmt. Es dauerte eine geschlagene Stunde, sie so weit zu beruhigen, dass sie Eis und Peppa Wutz akzeptierte. Inzwischen hat sie drei Eis und zwei Gläser Saft intus, 75 mL Glucose-Infusion sind enervierend langsam in sie herein gelaufen, sie hat keine Schmerzen aber friert (nach der Eismenge wohl kein Wunder). Ich hoffe, ich kriege sie bald zum Schlafen, ich bin nämlich auch müde und vor allem hab ich Hunger, aber ich will auch nicht vor ihrer Nase Rhabarberkuchen essen.

    Morgen geht es, wenn es nicht wieder blutet, wieder nach Hause. Hoffen wir, dass die Nacht besser wird, als die letzte in diesem Zimmer.

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    *Also ins 50 km entfernte Krankenhaus würd ich mich nicht fahren lassen, aber für die 5 Minuten zum Zug frage ich, falls sowas nochmal passieren sollte, die Nachbarn. 215 Kronen für eine Strecke, die man als sportliche Erwachsene in 20 Minuten, mit aufgeregtem Michel aber eher nicht laufen kann.

    Tag 1165 – Na gut.

    Pippi schläft jetzt die dritte Nacht in Folge ohne Windel. Ich nehme an, das wird funktionieren. Es ist nämlich so: Pippi hat das selbst so bestimmt, dass das mit den Windeln jetzt vorbei ist und dann zieht sie das jetzt auch durch. Gestern und vorgestern morgen musste sie dann eben sehr früh sehr dringend aufs Klo, aber das ist ja auch in Ordnung. Ich glaube jedenfalls nicht, dass Pippi sagen würde, sie könne ohne Windel schlafen, wenn sie da nicht absolut sicher wäre. (Im Gegensatz zu Michel, bei dem ich das ja sogar total gut verstehen kann, dass er wirklich, WIRKLICH gern Groß sein will und große Jungen nässen nicht ein, aber… naja. Hin und wieder, inzwischen nur noch ganz selten, kaum noch öfter als wir eh unsere Bettwäsche wechseln würden*, passiert es halt doch. Wir machen da kein Drama draus, es ist ihm eh schon peinlich genug. Aber die Kinder sind halt verschieden, ich denke jedenfalls Pippi zieht das jetzt durch.

    Genauso zieht sie die Sache mit den Schmerzmitteln** durch und da weiß ich nicht so ganz, was ich davon halten soll. Es ist einerseits total lustig. Es ist auch bewundernswert, wie abgebrüht sie ist. Es ist aber auch, von wegen Nein heißt Nein und so, echt bedenklich. Denn die Schmerzmittelgabe läuft hier so:

    „So, Pippi, vorm Bett gibt’s aber noch einmal Zäpfchen.“

    „Nein, ich will nicht!“

    „Das verstehe ich gut, das ist ja auch unangenehm, aber das muss trotzdem sein.“

    „Orrrr!“

    „Soll Papa oder ich dir das Zäpfchen geben?“

    „Mama! Und Einhorn-Salbe***!“

    Und dann zieht sie die Hose runter und sagt „aber schnell!“.

    Ich sehe das wie gesagt mit gemischten Gefühlen. Weil einerseits habe ich es natürlich so lieber, als ein Kind, dass sich zweidreiviermal täglich zehn Minuten unter Gebrüll auf dem Badezimmerfußboden windet, aber eben trotzdem das vermaledeite Zäpfchen kriegen muss. Einem schreienden Kind Zäpfchen geben ist ja noch viel schlimmer als einem, das das (unter Gemecker, aber eben) einfach über sich ergehen lässt. Ich rede mir ein, sie hat die „Du kriegst sonst Schmerzen im Hals und das will ich nicht und du bestimmt auch nicht.“-Vorträge verstanden, aber so recht glaube ich nicht dran. Ich glaube sie hat gelernt, dass es das Zäpfchen eh gibt, Geschrei hin oder her, und dann… pickt sie ihre battles. Ganz die Mama****. Wenn es sein muss, dann schnell und mit Einhornsalbe. Ich hoffe wirklich, sie nimmt das, grade bei so körperlichen Sachen, nicht fürs Leben mit. Denn Mächtigere als sie wird es halt immer geben aber nicht alle haben nur die Vermeidung von postoperativen Halsschmerzen im Sinn.

    Anekdote passend dazu: Gestern kam Michel ins Bad und Pippi aß, nach der Zäpfchengabe, ein Eis. Michel fragte daraufhin etwas ungehalten, warum Pippi Eis äße (Subtext: und er nicht). Pippi meckerte daraufhin zurück: „Weil ich ein Aua gekriegt habe, in meinem… in meinem Po!“

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    *Ich würd aber nicht so oft die Bettdecke und Übermatratze waschen, ehrlich gesagt. Schon allein, weil das unsere Waschmaschine regelmäßig vorm Schleudern kapitulieren lässt.

    **Im Krankenhaus war die Ansage ganz klar: die erste Woche durchgehend Schmerzmittel geben, damit sie gar nicht erst Schmerzen bekommt, eventuell aufhört zu essen und zu trinken und dann mit trockenem Hals noch mehr Schmerzen bekommt. Ich nehme das schon ernst, im Gegensatz zum Krankenhaus wecke ich sie nur nachts nicht auch noch für ein Zäpfchen.

    ***Eine Tube Wund-und-Heilsalbe, die Pippi mit im Kindergarten hatte, falls sie mal einen wunden Po hätte, der Pflege bedarf. Auf Pippis Namensschildern ist ein rosa Einhorn***** und so wurde das die Einhorn-Salbe.

    ****Das sage ich ganz ohne Stolz. Meine herausragende Fähigkeit, mich durchzubeißen und Mist auszuhalten ist nicht gerade was, worauf ich stolz bin. Ein bisschen mehr frühzeitiges auf meine Grenzen hören, ein bisschen mehr Self-care, das wäre oft gut. Ähnlich wie meine helle Haut hatte ich vergeblich gehofft, davon nicht zu viel weitergegeben zu haben.

    *****Tja, was sich Pippi halt so aussucht, wenn man sie lässt. RosaGlitzerEinhornPrinzessinnen. Oder Dinosaurier. Oder Peppa Wutz oder Elsa.

    Tag 1164 – Alles so hübsch bunt!

    Wir wollen unsere Wand streichen. Wir haben deutlich mehr als eine Wand im Haus, ja, aber wir fangen mal klein an und streichen eine Wand, nämlich rund um die Wohnzimmertür. Na gut, und um die Küchentür auch noch, und dann vielleicht den Schornstein in einer Kontrastfarbe und… nee. Erstmal die eine Wand. Da soll mein kleiner lila Schrank stehen und wir haben eine Uhr gekauft, die ausreichend lange Zeiger hat um den Raum darüber sinnvoll auszufüllen (das war gar nicht so einfach!). Die Uhr haben wir, weil die Farbe in der wir streichen wollen dunkel sein soll, in Silber gekauft und nicht in Schwarz. Die Herausforderungen bei der Farbwahl sind:

    • Muss zum Schrank passen (fliederfarben)
    • Muss zum Fußboden passen (Eiche halt… so gelblich holzfarben, recht warm.)
    • Muss zu der restlichen Wandfarbe passen (abgetönt hellbeige)
  • Pippi und ich waren also heute im Baumarkt und haben Farbkarten geholt. Wir haben jetzt vier identische rosa Farbkarten und diverse dunkelgrün-petrol-Türkis-dunkelblau-mitternachts-Eismeerblautöne und auf dem Bild sehen die alle ganz ähnlich aus, sind sie aber in Wirklichkeit nicht. Meinen eigentlichen Favoriten aus der Vorrecherche habe ich vergessen oder vielleicht ist er auf dem Beifahrersitz in die Ritze gerutscht, ärgerlich, aber morgen ist ja auch noch ein Tag. Herr Rabe will auch noch mal bei Tageslicht gucken.
  • Ansonsten: der grüne Schrank hat ein paar richtig üble Macken abbekommen und natürlich weiß ich die Farbcodes nach 10 Jahren nicht mehr (ich weiß aber noch, dass das Innenleben nicht weiß ist, sondern quasi ein homöopathisch verdünntes grün des Restes, nur einen Hauch bläulicher). Ich habe also heute einen Splitter abgeprokelt und mit in den Laden genommen und da mit dem Farbfächer abgeglichen. Zuvor hatte ich eine App eines Farbenherstellers geladen, die Farben bestimmen kann und ich muss sagen, die App hat das überraschend gut getroffen, bei der Ladenbeleuchtung bin ich nämlich auch nicht sicher, welche der beiden Farben besser passt. Ich glaube aber 0575-G20Y ist es.
  • Man bedenke: Handykamera nix gut, in echt sah 0575-G20Y einen Tucken besser passend aus, auf den Fotos ist es umgekehrt.
  • Den Splitter bekommt jetzt übrigens der Spediteur zugeschickt, dann soll der auch noch mal schauen. Ich dachte zwar, das sei eine RAL-Farbe, aber da gibt es nur ein Grün, das in die Richtung geht und das passt in den RGB-Farbcodes irgendwie nicht so zu den beiden Farben, die ich hier ermittelt habe. Und ungefähr beim Umrechnen von RAL in RGB verliere ich auch ganz schnell die Lust, es hat schon Gründe, weshalb ich keine Graphikdesignerin geworden bin.
  • Tag 1163 – Winter is coming.

    Jaja, ich weiß, bei Ihnen sind immernoch überall 35 Grad und Sie grillen und baden den ganzen Tag, aber hier ist der Winter-Struggle schon ein bisschen realer. Wir haben zwar etwa genau das Wetter, was ich in Trondheim immer vermisst habe, nämlich… naja hauptsächlich trockenes und vor allem beständigeres, die Sonne scheint und die Luft ist klar und herbstlich und das alles ist einfach perfekt, geht aber mit Kälte einher. Nachts frierts und morgens friert Michel auf seinem Fahrrad. Tagsüber blieb es dann in den letzten Tagen auch frisch, maximal 8 Grad heute, aber so muss das im Herbst ja auch sein. Ich finde das jedenfalls ganz wunderbar und schiebe es einzig und allein auf die Herbstluft, dass mein seltsamer Reiz(?)-Husten endlich fast weg ist.

    Pünktlich zu diesen Herbstgefühlen kam heute ein Zettel mit Michel aus der Schule, darauf Werbung für den Skiverein. Michel war gleich Feuer und Flamme und probiert das nächste Woche mal aus. Ich werde jetzt also, of all things, Skimutter, und morgen wird meine erste Amtshandlung darin bestehen, den Verein zu kontaktieren, was die Kinder denn brauchen. Muss jedes Kind einen Eimer Schnee mitbringen? Man weiß es nicht. Dann wird Michel neue Ski brauchen, denn die Kinderski sind viel zu kurz, Wollsocken haben wir neulich neue gekauft, Wollunterwäsche auch. Heute haben wir außerdem Winterstiefel für Michel gekauft, mit super dickem Futter, als Dauer-an-den-Füßen-Friererin bin ich fast ein bisschen neidisch. Einen Winteranzug hat er noch, den mag er zwar nicht, weil ja nur Babies Einteiler tragen, aber das Ding hat über 1000 Kronen gekostet, das wird angezogen, bumms aus. Der muss nochmal imprägniert werden. Die Schuhe auch. Bei Pippis Sachen muss ich noch schauen, was davon noch passt, jedenfalls habe ich schon einen gefütterten Regenanzug und mindestens einen Schneeanzug gefunden, der ihr passen müsste. Bei den Winterstiefeln hege ich gewisse Zweifel, ihre Füße sind schon recht groß und eventuell einfach zu groß um das letzte Paar Winterstiefel, das Michel nicht komplett abgerockt hat, auftragen zu können. Dann müssen wir noch mal Winterstiefel kaufen. Ächz.

    Winter is coming, Winter is making a lot of Arbeit and Winter is schon auch teuer.

    Tag 1162 – Laune.

    Morgen muss produktiver werden, denn heute Abend ist meine Laune so im Keller, dass ich von Grundschule bis Zäpfchenfabrik alles anzünden möchte. Ich werd jetzt auch nur noch schauen, ob die eine Schnecke ihr Gelege, von dem ich gestern nur drei Eier fand, fertig gelegt hat und dann werde ich ins Bett fallen und hoffentlich nicht mehr grollen weil einfach alles heute so super kacke war.

    Tag 1161 – Irgendwo in Skandinavien.

    Pippi und ich sind wieder zu Hause. Was gut ist, im Krankenhaus hätte ich sonst heute wen umgebracht, weil sich eine ganz schlechte Nacht, PMS und die missglückte Lieferung unseres Krams aus Deutschland ganz ungünstig auf meine Laune auswirkten. Der Spediteur kam nämlich heute *nicht* um zwölf, wie er gestern Abend (was ja auch schon totaaaaal weit im Voraus und super gut für uns planbar war) angekündigt hatte, sondern um zehn. Und dabei hatte er den Schrank, den Stuhl, den Lampenfuß und drei Umzugskartons. Drei. Es waren 13. 10 unserer Umzugskartons, nämlich

    • 6 mit Büchern
    • 2 mit CDs und
    • 2 mit Küchen- und Dekokram

    sind verschollen. 7 sind angeblich in Umeå und der Spediteur meint, das seien alle, das könne gar nicht sein, dass er die anderen vielleicht in Linköping vergessen habe, wir hätten nur sieben weitere gehabt. Äh, nein, es waren 10, die stehen auf der Liste und wir haben Fotos davon und ich will verdammt noch mal meine Bücher haben. Die sieben in Umeå versehentlich ausgeladenen Kartons werden vermutlich im Dezember abgeholt, da fährt der Spediteur nämlich nach Tromsø und kommt dann ja quasi da vorbei.

    Ich bin etwas sehr angesäuert. Das einzige, was mich besänftigt ist mein Schatz Schrank. (Wechselt vielleicht noch in die Küche, das müssen wir mal messen, andererseits: was soll dann da ins Wohnzimmer? Hmm.)

    Der sieht so klein aus. Das Ding ist riesig. Und ich liebe es.

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    Auto-Lobhudelei: Keinen gebissen, noch nicht mal wen angeschrien, dafür immerhin versucht, wen anzurufen (der dann aber nicht dranging).