… man hätte es so auch für Kunst halten können. Also, das eben. In Wirklichkeit war es Zappelpippi mit ihren Patschefingerchen, die einfach mal mittendrin den „Veröffentlichen“-Button erwischte. Also, wenn der Post in Ihrem Feedreader bei Punkt drei aufhört: das soll nicht so. Jetzt müsste es aber komplett sein.
Tag 500 – Worst greatest day.
Ich habe mir vorgenommen, mich heute ganz auf das zu fokussieren, was gut war. Was ich gemacht und geschafft habe. Hilft ja eh nix, sich in den Schlechtigkeiten zu suhlen und sich alles nochmal reinzureiben, was kacke gelaufen ist und was man nicht geschafft hat und das war heute einfach mal ein echt großer Haufen . Zumal ja morgen ganz bestimmt slles schon viel besser aussieht wenn dieses Drecksver*piiieeeeeep* PMS wieder weg ist .
Nun denn. Was ich heute geschafft habe.
- Ich bin aufgestanden.
Sie lachen. das war sehr hart. Ich habe nur kurz im Badezimmer rumgeheult weil die Küche aussah wie Sau. Es fielen Phrasen wie „Immer alles selber…“- Ich habe die Kinder fast ganz ohne Geschrei in den Kindergarten bekommen.
- Dann habe ich fast ganz alles, was wir über die Feiertage brauchen, eingekauft und dabei sogar den Kindern Geschenke besorgt.
Als hätten die nicht genug Zeug. Außerdem werde ich mich dafür noch gebührend hassen, weil Bügelperlen und ne Trommel fürs Dauerdengelkind, geht’s noch?!? - Ich habe total spontan der dauernden Sehnsüchtelei ein Ende bereitet und einen Staubsaugerroboter gekauft, völlig ohne vorher das Internet dazu durchzulesen und Exceltabellen zu erstellen und achtzehnmal hin und her zu überlegen, um am Ende dann doch den zu kaufen, den ich von Anfang an gut fand.
- Dann hab ich den ganzen Rotz die Treppe hochgeschleppt und gleich verräumt.
- Ich hab die Kassiererin im Supermarkt, die meine bezahlten Waren durch das dauernde Weiterlaufenlassen des Bandes zermanschte, nicht umgebracht
Erfolg des Tages! - Dann hab ich gesaugt UND GEWISCHT! ENDLICH GEWISCHT!
Und ich hab auch nur ein bisschen geflucht dabei und mir nur dreihundert mal unrealistischer Weise geschworen, das in Zukunft öfter zu machen. - Ich habe ein Päckchen gepackt und zur Post gebracht
es wird zwar vermutlich erst nächstes Jahr ankommen, aber tjanun. - Ich habe den Nachmittag überstanden
fast ohne die Kinder anzubrüllen. Und dabei Essen gekochtdas ich dann alleine im Schlafzimmer gegessen habe, weil es sich alleine so viel schöner selbsthasst. - Ich habe mir meine Fingernägel geschnitten und gefeilt.
- Michel weiß jetzt, wie die Babys aus dem Bauch rauskommen. Und ich glaube, er wird keine Albträume davon bekommen.
„Und als ich aus dein Bauch rausekommen war, ich so Blut am Kopf ehabt. Warum?“ Versuchen Sie mal, nen Dammschnitt 3. Grades Kindgerecht zu erklären! - Brötchenteig ist angesetzt.
- Der Rotkohl ist geschnippelt und zieht schon mal in ZuckerZitronensaftEssig
ok, das war Herr Rabe, und Apfel habe ich auch zu kaufen vergessen, aber TJANUN. - Ich habe die schlechte Laune sinnvoll genutzt und mal bei den Konferenzmenschen in Kalifornien
gar nicht mal sodezent nachgehakt, ob ich denn jetzt kommen darf oder nicht. - Ich habe diesen Blogpost geschrieben
und nur einmal hat Pippi frühzeitig auf Veröffentlichen geklickt und ich hab sie dafür auch nur ganz kurz angeranzt.
Sie sehen, ich bin total supi dupi erfolgreich gewesen heute. Und quasi ein Sonnenschein sondergleichen.
Tag 499 – Jaaaaa! Ach nee doch nicht.
Ich war heute bei einer Disputation, eine Bekannte von mir disputierte über metabolic changes, treatment response and breast cancer heterogeneity. Oder so. Also verstanden hab ich echt nicht viel, aber eins mitgenommen: zu krass vorbereitet ist auch nicht gut. Wenn der ganze Vortrag wirkt, wie vom Band abgespult, man mit trockenen Informationen zugeballert wird, selbst die Trinkpausen nach dem zweiten mal vorhersehbar sind, tja, also, dann finde ich zumindest das nicht mehr gut. Man muss es damit ja nicht übertreiben, aber man kann auch ein bisschen unterhalten. Vermutlich ist das die hohe Kunst des Vortragens: nicht roboterhaft, aber auch nicht clownsmäßig zu wirken. Oder wie es mir vermutlich gehen wird: hypernervöses Eichhörnchen auf Speed. Mit einem Gesicht rot wie eine Supernova. Und hektischen Flecken im Dekolleté. Yeah! (Doch Hosenanzug…)
Tja, aber wenigstens hatte ich viel Zeit zum Stricken. Und deshalb kann ich mit großer Freude verkünden: Ich bin fertig! (Bilder zeige ich trotzdem erst, wenn es angekommen ist, ok?) Und weiblich dann ja endlich fertig war, dachte ich, ach, nähste noch kurz das Nikki-Kleid für Pippi fertig, der Stoff ist ja schon ausgeschnitten und der Schnitt denkbar simpel, das sollte fix gehen.
Pustekuchen.
Nikki geht ja mal gar nicht. Was für ein, sorry, Arsch-Stoff. Nach ner halben Stunde hatte ich einen Ärmel dran und den anderen halb, aber mit ner festgenähten Falte und als ich die auftrennen wollte, piekte ich ein Loch in den Ärmel. Grandios. Nach der Auftrennerfahrung sparte ich mir das dann auch, schnitt den Ärmel komplett ab (inklusive der schiefen Naht, gut dass Kinder eh nicht so Figurnahe Dinge tragen, vielleicht fällt es gar nicht so auf) und verschob einen neuen Versuch auf morgen.
Und wenns nicht klappt, kriegt sie halt nen Jersey-Kleid. Das kann ich wenigstens.
Rotze.
Tag 498 – Creeeeeepy.
Mein Regenmantel hat Fahrradfahr-und-dabei-iPhone-in-der-Tasche-haben-inkompatible Taschen. Sie sind rutschig innen und wenn man auf dem Fahrrad sitzt, rutscht das ganze hoch, bis quasi die Tasche waagerecht, mit der Öffnung nach hinten ist. Und so kam es, wie es kommen musste: gestern fiel mir mein geliebtes Telefon aus der Tasche. Glücklicherweise merkte ich es sofort und hielt an, fuhr ein paar Meter zurück, geriet kurz in eine irrationale ‚Oh Gott, ein Auto ist drüber gefahren!‘-Panik und sah dann eine kleine Ecke des grünen Bumpers aus einer tiefen, schlammigen Pfütze ragen. Ich fischte es aus dem Wasser, mir fielen sofort die Versicherungswebseiten ein, die vor Wasserschäden durch innerliche Korrosion von irgendwas warnen, wenn man Smartphones zum Beispiel im Bad benutzt. Außerdem sah ich, dass der Bumper diesmal versagt hatte. Das Display war komplett gesprungen. Wegen KiTa-Schließzeit hatte ich keine Zeit zum Trauern, sondern stopfte die Misere in meinen Rucksack, fischte noch die aus dem Bumper gefallene Kreditkarte aus der Pfütze und radelte weiter.
Zu Hause besah ich mir das ganze genauer: Display gesprungen, teilweise fehlten Stücke aus dem Glas. Es ging zwar noch alles, aber man musste schon sehr aufpassen, sich nicht zu schneiden. Tatsächlich schaffte ich es dann doch noch später, mir einen fiesen Glassplitter in den Daumen zu ziehen. Aua, sage ich Ihnen. An Reperatur führte also kein Weg vorbei. Ich googlete nach einem günstigen Anbieter vor Ort und fand jemanden über Facebook (ja, das ist hier oft so, dass Menschen ihre Geschäfte hauptsächlich über Facebook betreiben), schrieb ihn an und bekam keine Minute später eine Antwort. Ich solle das Telefon am nächsten Tag (also heute) um 15:00 Uhr zu einer Adresse bringen, die Reperatur würde ca. 15 Minuten dauern und 1400 NOK kosten. Ich willigte ein, der Preis war weit unter dem vom Fachhändler und Reperatur am nächsten Tag kam mir auch sehr gelegen.
Als ich die Adresse suchte, kamen mir leise Zweifel. Eine Privatadresse in einem recht schäbigen Haus an einer Hauptverkehrsstraße. Von dem Typen (ich ging einfach von einem Typen aus, hallo Alltagssexismus!) wusste ich nicht mal den Namen, ich sollte einfach eine Nachricht schicken, wenn ich da bin. Er würde dann das Telefon draußen holen und nach 15 Minuten käme er wieder raus und würde es mir geben.
Ich würde also einem wildfremden Mann (?) mein ausgeschaltetes Handy geben. In einer schäbigen Ecke, in der sicher niemand bemerken würde, wenn ich einfach in den Hauseingang gezerrt würde. Schluck. Und wer sagt mir denn, dass der nach 15 Minuten wieder kommt?
Dann beschloss ich, Vertrauen zu haben.
Und es zahlte sich aus.
Der Typ ist wirklich ein Typ, vom Nachnamen her Thailänder, vom Aussehen her möglicherweise auch, aber eher Indonesier. Als Vornamen hat er sich den schönen Namen Nils gegeben (ich gehe einfach mal davon aus, dass ein eindeutig nicht hier geborener Mensch namens Tomprajangnam (Name von der Redaktion geändert) nicht mit Vorbamen Nils heißt). Er nahm das Telefon, besah es sich von allen Seiten, meinte, das bekäme er hin, nur die Kratzer am Metallrahmen, die blieben natürlich, erklärte mir noch, wo ich klingeln solle, wenn die 15 Minuten rum seien und verschwand.
Ich fuhr zur Post und zurück und klingelte immernoch ziemlich aufgeregt. Ich fragte mich auch ein bisschen, wie der Nils denn die Bezahlung annehmen würde, so viel Bargeld habe ich nämlich eigentlich nie dabei (genau genommen habe ich in Norwegen fast nie Bargeld dabei) und so auf der Straße? Ich weiß ja nicht. Könnte nach Drogen aussehen… Diesmal durfte ich aber in den Innenhof kommen (kurze Panik wegen echt zu vieler gelesener skandinavischer Krimis, ich sah mich schon ritualgemordet in irgendeinem Baum hängen), bekam mein Telefon zurück, Nils forderte mich auf, ruhig rumzuprobieren, ob alles geht und wie soll ich sagen: wie neu! Alles geht, Homebutton funktioniert weiterhin, auch TouchID, überhaupt alles halt. Soweit ich das beurteilen kann, ist der Einbau des neuen Displays fachgerecht gemacht worden und ich bin total zufrieden. Das sagte ich dem Nils und er zückte daraufhin ein mobiles Kartenlesegerät, schickte mir die Quittung per SMS (als Downloadlink zu einem PDF), bedankte sich für den Auftrag und hielt mir sogar noch die Tür auf, damit ich mit meinem Fahrrad da heraus kam. Wenn was ist, solle ich mich melden. Und das würde ich tatsächlich machen. Auch wenns ganz schön aufregend war.
(Ach ja: ich hatte noch den Tipp bekommen, das Handy bis zur Reparatur in Reis zu legen, um eventuell eingedrungene Flüssigkeit rauszuziehen. Hab ich gemacht. Keine Ahnung, obs geholfen hat, aber es sah ein bisschen traurig aus, wie es da in seinem Reisbett lag, zersplittert und zerkratzt…)
Tag 497 – Oh nein.
Ein Tag voller persönlicher Aufs und Abs. Aber alles irgendwie sehr irrelevant, weil Berlin.
Tag 496 – Weihnachtsstimmung in drei, zwei, eins…
So langsam ist es ja an der Zeit, aus meiner grinchigen Stimmung herauszukommen. Passenderweise war heute Weihnachtvorbereitungstag mit zweieinhalb Programmpunkten.
Zuerst waren wir einen Weihnachtsbaum besorgen. Da gibt es hier in nicht allzu großer Entfernung einen Hof, der eigene Weihnachtsbäume anbietet, zum Selberschlagen, und an den zwei Wochenenden vor Weihnachten mit ein bisschen Programm drumrum, dann gibt es Kaffee und Kekse am Lagerfeuer und je nach Wetter kann man Pferdeschlitten fahren oder die Kinder können Ponyreiten. Das Wetter als wir ankamen war allerdings unterirdisch schlecht. 2 Grad und Regen, der Untergrund komplett vereist, wirklich kein Wetter, bei dem man lange in einem Weihnachtsbaumfeld herumstapfen möchte. Eigentlich kein Wetter, um länger als unbedingt nötig draußen zu sein. Wir waren dementsprechend froh, dass es auch fertig geschlagene Bäume da gab, kauften nach kurzer Diskussion* eine der letzten drei „Edeltannen“, verstauten das Ganze im Auto, ignorierten Pippis skeptischen Blick (die Plane, in die wir den Baum eingewickelt hatten, damit nicht das ganze Auto vollgenadelt wird, hing nur ein paar cm über ihrem Kopf) und fuhren direkt wieder nach Hause. Bis wir da waren, waren beide Kinder eingeschlafen. Endlich kurz Ruhe.
Herr Rabe hat den Baum dann zu Hause auch gleich aufgestellt. Nicht dass uns noch wer ans Bein pisst, wegen Brandschutz und Bäume im Flur oder so.
Danach hab ich mit Michel zusammen sehr, sehr viele Kekse gebacken. Ich hatte viel Augenzucken dabei, aber irgendwie haben wir es doch fast ohne Streit geschafft.
Sogar verziert haben wir, aber das steht alles noch in der Kühlung (also hinten im Flur), deshalb keine Bilder.
Und dabei hörten wir die ganze Zeit norwegisches Weihnachtsradio mit dem mich würgen machenden Namen P7 Klem (Umarmung). Da laufen die ganze Zeit nur Weihnachtslieder. Es gibt offensichtlich ein komplettes Enya Weihnachtsalbum.
https://twitter.com/i/tfb/v1/quick_promote/ios/809725000525746176
Wer da nicht in Weihnachtsstimmung kommt, der muss echt komisch sein. So wie ich, vielleicht.
* Michel hat den Baum ausgesucht. Ihn dann noch ablehnen hätte hundertprozentig zu einem Meltdown im eisigen Regen geführt. Pick your battles…
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Was ganz anderes: Alles alles Gute an Herrn Paul, Herrn Schnuffke, Jott, IHN und SIE! Wie schön, dass ihr jetzt zu fünft seid! Und auch noch am gleichen Tag Geburtstag wie Flavius und Brutus, sehr umsichtig, dann müssen Leute wie ich sich nicht so viel merken!
Tag 495 – Janteloven.
Ein besonders bekloppter eigener Wesenszug der Norweger ist ihr unerschütterlicher Glaube ans Janteloven, das Gesetz von Jante. Kurz gesagt bedeutet das Janteloven, dass alle gleich sind. Gleich wertvoll, gleich gut. In allem. Niemand soll sich anderen überlegen fühlen. Das ist alles bestimmt total in Ordnung so, wenn man damit aufgewachsen ist und die feinen unausgesprochenen Momente der Kritik oder des Lobs aus dem immer gleichen „Super, gute Arbeit, weiter so!“ heraushören kann.
Für mich war es zu Anfang wahnsinnig schwer. Norweger sagen einem nicht, wenn man was verbockt hat. Eher beißen sie sich die Zunge ab. Aber ich weiß ja trotzdem, wenn ich was verbockt hab, deshalb fühlte ich mich absolut nicht ernst genommen, wenn ich mit Kackergebnissen vor meinem Chef stand und er meinte „Great! Good job!“, als hätte ich ihm gerade nen Nature-Artikel eingebracht. Genauso gibt es aber auch kein echtes, so gemeintes Lob, denn: dann fühlt sich das Gegenüber ja möglicherweise besser als andere. Man muss schon über ein gutes Selbstwertgefühl verfügen, um da nicht irgendwann an sich selbst zu zweifeln. (Spoiler: es sind ja einfach auch nicht alle in allem gleich gut. Fertig aus.)
Um so überraschender (oder vielleicht gar nicht?), dass die Norweger überdurchschnittlich Sport- und Sportwettkampf-begeistert sind. Es ist schon fast ein Running gag im Labor, dass ich mich absolut gar nicht für Sport interessiere, erst recht nicht als bloße Zuschauerin. Viele Menschen rennen einem Ball hinterher? Gähn. Viele Menschen laufen im Kreis Ski? Meine Augenlider werden schwer. Viele Menschen spielen Schach? Komatöser Tiefschlaf. Aber nein, die Norweger verfolgen alles. Vor allem das, in dem Norweger gut sind. Sogar Schach. Und wenn dein Kind in einem Sportverein ist, machst du alles in deiner Macht stehende, damit es in dem Sport brilliert. (Kein Witz: Schulen reglementieren teilweise die Sportausstattung, nachdem Schüler zum Sportunterricht vier Paar Ski mitbrachten.)
Jetzt erzählte mir neulich eine Kollegin, wie dann so ein Turnier abläuft. Sie war nämlich bei dem ersten Handballturnier der siebenjährigen Tochter einer Freundin. Sowas ist natürlich total aufregend, zumal eben das erste mal und erst seit einem halben Jahr dabei und sieben Jahre ist ja auch noch nicht wirklich groß. Und dass man bei Siebenjährigen auch keine Siegerehrung mit Riesen Brimborium durchzieht, möglichst noch den Zweit-, Dritt- und Letztplatzierten dazu zwingt, die entsprechenden Plätze auf dem Podest einzunehmen, kann ich ja auch gut verstehen.
Was aber meine Kollegin erzählte: jedes Kind bekam am Ende eine Medaille. Weil es keinen Sieger gab. Also wirklich nicht. Weil alle Tore eines Spiels zusammen gezählt wurden, egal, wer sie gemacht hat.
Janteloven galore.
(Und die nächste Generation, die weder fähig ist, Kritik zu üben, noch zu empfangen, wächst heran. Herrje.)
Tag 494 – Ufffffz. Und Weihnachtsdings 4.
Ich hab’s geschafft. Ich habe für dieses Jahr fertig gearbeitet. Unheimlich befriedigend, wenn man dann drei Boxen mit Proben in den -80er räumt, zwei Boxen mit Zellen vom -80er in den Stickstofftank räumt, überschüssiges Medium wegschüttet, den Laborkittel in die Wäsche stopft, nochmal über die Arbeitsplatte wischt und dann ENDLICH DIE LABORTÜR HINTER SICH SCHLIESST. Hachja.
Dann Weihnachtsfeier, quasi nahtloser Übergang, nur ne Tour zum Supermarkt, Bier kaufen, war noch drin. Zum Vinmonopolet, Wein kaufen, hätte ich nicht mehr geschafft, leider. Tjanun. Also Bier und dazu das ganze tolle Essen. Ich liebe ja meine Gruppe für Ihre Internationalität, da gibt es dann auf der Weihnachtsfeier ordentlich scharfes indisches Curry, pakistanisches Chicken Biryani, Stollen, Lasagne und Rakfisk (marinierter, roher Laks) alles durcheinander. Mjammi. Leider trank ich mein Bier etwas zu schnell und war um sechs ziemlich betrunken, da gab es erstmal ne Weile Wasser und Unterhaltungen im Stehen, den Aquavit lehnte ich auch ab, obwohl er mir mehrfach von allen möglichen Seiten angepriesen wurde. Nach Bier Nummer drei wurde etwas albern zu alberner Musik getanzt, ich dachte kurz drüber nach, ob es auch kulturelle Aneignung ist, wenn die indische Kollegin begeistert den Time Warp tanzt (dabei war sie erstaunlich textsicher. Es stellte sich heraus: wie bei so vielen Filmen gibt es auch die Rocky Horror Picture Show als Bollywood-Kopie) und dann wurde die Musik sehr weird (die 6 (!) italienischen PhD-Studenten hatten die Musikanlage gekapert) und ich schloss mich dem nächsten Heimgeh-Trupp an.
Jetzt Bett und morgen hoffentlich keine Kopfschmerzen.
Tag 493 – Clumsy.
Meine kleine Cousine, die eben noch ein kleines Baby war und dann ein Kleinkind, mit dem ich meine ersten Babysitter-Erfahrungen sammeln durfte (unvergessen, wie ich einmal nicht wusste, dass man die zwei rausnehmbaren Gitterstäbe aus dem Bett auch wieder reinmachen kann. Und dann das Zwergenkind drei, viermal wieder auf der Matte stand. Am Ende guckten wir zusammen Wetten, dass…? und dabei schlief sie dann ein.) also die ist jetzt 17 und malt sich gerne Sachen auf die Fingernägel. Tat sie zumindest ne Weile lang. Das waren richtige kleine Kunstwerke, ich erinnere mich an kleine bunte Cupcakes mit Verzierungen und allem. Auf beiden Händen, versteht sich. Und sie meinte damals auf meine bewundernden Worte hin sowas wie „Ach, soooo schwer ist das gar nicht…“.
Nun habe ich ja den Essie-Adventskalender und dadurch ca. tausend neue Nagellacke. Unter anderem
Und
Und da dachte ich so: ich Male einen Fingernagel (an der linken Hand! Ich bin ja nicht größenwahnsinnig.) helllila an, und dann in glitzergrün eine Schneeflocke drauf. Wenn die ömmelig aussieht, kann ich immernoch einen Stern draus machen, das sollte machbar sein.
Tjanun. Grobe Selbstüberschätzung, würde ich sagen. Sehr grobe. Schneeflocke ging schon mal gar nicht. Höchstens ne geschmolzene. Und auch der Stern sah hinterher eher aus wie ne Mischung aus Qualle und Nickelodeon-Blob. Und nein, ich hab das nicht fotografiert, das war selbst mir zu peinlich.
Ergebnis: noch größere Bewunderung für die Nail-Art meiner Cousine (und aller anderen, die das machen) und ein nachlackierter linker Ringfingernagel, der immer noch nicht trocken ist.
(Aber das Grün ist wirklich schön. Wirklich sehr.)
Tag 492 – Selig.
Ich weiß immer noch nicht so ganz, was ich sagen soll. Außer Danke. Aber das sagte ich schon.
Vor ein paar Wochen meckerte ich bei Twitter, dass ich bei keiner Wichtelrunde mitmachen kann, weil die arme Sau, die mich zugelost bekäme, gefühlte drei Millionen Euro für den Versand auf den Tisch legen müsste.
Tja, und statt mir mein Köpfchen virtuell zu tätscheln, taten sich ein paar tolle Frauen zusammen, um uns gemeinsam ein Paket zu schicken. Ohne Wichteln, jedenfalls nicht so richtig, weil, hmm, also dann müssten wir ja auch an wen was schicken und ja, also, äh, also scheinbar nicht. Die haben das alle einfach so gemacht. Wenn ich so drüber schreibe, muss ich direkt wieder losheulen, weil ich so gerührt bin.
Das Paket kam heute an, ich holte es von der Post ab und nach kurzer Motivation machten auch die Kinder beim Auspacken mit. Wir machten sogar ein Unboxing-Video, das wurde aber 20 Minuten lang und in der Zeit sagen wir ca. dreihundert mal die echten Namen der Kinder, deshalb kann ich Ihnen das jetzt hier leider nicht zeigen. Aber ein Foto hab ich. 
Für die Kinder war es wie vorgezogenes Weihnachten. Für mich war’s besser, weil ohne den (selbstgemachten) Perfektionsstress. Und überhaupt: was für tolle Sachen! So schöne selbstgemachte Dinge, so leckeres Marzipan (das norwegische schmeckt nicht), Tee, Adventskerze, das beste Bild der Welt (kommt in mein Büro, Doktorarbeit schreiben birgt sicher noch Potential zum Sachen anzünden), wohlriechender Körperpflegekram, Nagellack, und erst die Bücher für die Kinder! Ihr seid so toll, ey, echt mal.

Und wie niedlich Pippi immer „Ooooiiiiii!“ gesagt hat, erst beim Auspacken, und dann mit der Badepille in der Wanne. Zum Abknutschen. Michel möchte euch jetzt übrigens auch was schicken ;)
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Auch toll: mein Mann. Der trotz dauernd „Ich muss heut länger.“, „Ich muss am Sonntag.“, „Ich fahr ne Woche auf ne Konferenz.“ immer noch nicht die Flucht ergriffen hat.
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Auch toll: ich darf nach Kalifornien fahren. Mein Chef sagte „Kein Problem, hast ja Recht, die klingt echt toll!“. Davor ist noch eine „Bewerbung“, ich hoffe das ist nur proforma, die hab ich dann jedenfalls gleich abgeschickt und jetzt warte ich gespannt auf die Antwort des Conference Chair.
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Aber alles nicht so toll wie ein paar Menschen, die ich kaum kenne und die mich kaum kennen und die sowas nettes für uns machen. Schnüff.





