Tag 562 – Yeah!

Ich kam klar und machte das Poster fertig! Fertig! Hurra! 

Als ich grade dachte, ich wäre fertig (so um eins) kam meine Kollegin (die, der ich jetzt immer meinen Tagesplan mitteile) herein und schaute mir über die Schulter. „Hmm, schick!“ meinte sie und dann „Aber der Text muss weg. Das liest kein Mensch. Also ich jedenfalls nicht.“. Tja. Da hat sie ja recht. Ich lese Poster mit so viel Text wie eben draufgeht auch nicht. Also speicherte ich eine Version, duplizierte sie und benannte eine Version um in „PosterGRCstichpunkte“. Aus der schmiss ich, bis auf die Einleitung, alle Texte raus und machte Stichpunkte daraus. Radikal. Zeitaufwand: ca. 30 Minuten und ich muss sagen, 30 sehr sinnvolle Minuten. Es ist echt viel besser mit weniger Text und mehr Luft und kondensierterer Information. Jetzt bin ich wirklich zufrieden*. Die neue Version schickte ich an meine Kollegin, bekam ein Daumen-hoch-Emoticon zurück und dann schickte ich beide Versionen an meinen Chef. Als der fragte, welche Version er denn öffnen solle, entschied ich mich direkt für die Stichpunkte-Version. Er fand einen typo (direkt alkylation by…), wir schnackten noch kurz über die allerallerallerneuesten Ergebnisse, die es jetzt nicht mehr aufs Poster schaffen, aber vermutlich in den Artikel, dann war es Zeit für ein Meeting (hätte ich mir sparen können/sollen, ich war so ausgelutscht, dass meine Gedanken überall waren, nur nicht bei der Sache) und zu Hause angekommen half mir Herr Rabe dabei, das Poster bei der Druckerei hochzuladen**.

Also: es ist vollbracht und ich habe mir jetzt die zwei Tage Urlaub auch redlich verdient, finde ich. 

*Ich würde es Ihnen echt gerne zeigen, aber das könnte möglicherweise gegen irgendwelche Geheimhaltungsdinge verstoßen und naja, bis zur Konferenz können Sie sicher warten, oder?

**kurze Verwirrung wegen der Größe: die Konferenzveranstalter schrieben was von 4 x 5,5 feet. Das wäre 2A0. Die Unidruckerei druckt aber nur bis A0. Und 2A0 ist auch einfach mal absurd groß. Das Poster wäre dann fast so lang wie ich. Und um das zu lesen, was unten steht, müsste man sich bücken. Neenee. A0 it is. Man muss ja den Aufsteller nicht komplett ausfüllen. 

Tag 561 – Platt. 

Auch heute kam ich klar. 

Wesentlich dazu beigetragen hat wohl, dass ich zu Fuß zur Arbeit und wieder zurück ging, jeweils so etwa 30 Minuten. Danach ist der Kopf schön leer, das ist sowohl für halbwegs konzentriertes Arbeiten als auch für einen entspannten Feierabend hilfreich. 

Das Poster wird langsam. Bei ShareLaTeX gibt es inzwischen unheimlich viele Vorlagen für alles, was man in LaTeX* machen kann (also alles außer Kaffee kochen). So auch mehrere Poster-Vorlagen. Hurra! Nach stundenlanger ein bisschen Bastelei mit den Corporate Farben der Uni (NTNU-blau ist CMYK 100,75,0,5, falls Sie das auch so brennend interessiert, wie mich) hatte ich ein Design, dann bastelte ich die Abbildungen hinein und dann soweit meine Konzentration reichte noch Text dazu. Der Rest (hauptsächlich bei drei Abbildungen das „blablablabla hier muss Text hin blablabla“ durch echten Text ersetzen und die Einleitung noch mal umschreiben, die gefällt mir noch nicht) ist morgen gut machbar. 

Ich merke, dass es nicht so der Knüller ist, 7,5 Stunden lang auf einen Punkt ca. 40 cm vor meinem Gesicht zu starren. Es fühlt sich an, als hätte ich einen Krampf in den Augenmuskeln. Sehr unangenehm und leider auch Kopfschmerz-induzierend. Außerdem bin ich nach einem kompletten Arbeitstag auch echt platt und möchte eigentlich nur noch ins Bett. Genau das mache ich deshalb jetzt auch: ins Bett gehen. 

*kleine Anekdote zum Thema „Ich lasse mir nicht helfen und schon gar nicht von Herrn Rabe“: nachdem ich meine Bachelorarbeit noch in Word schrieb und deswegen am Tag vor der Abgabe fast einen Nervenzusammenbruch hatte, lag mir Herr Rabe in den Ohren mit LaTeX und dass ich das doch lernen solle. Ich sagte immer „hmmhmmm, jaja…“. Als ich dann, ein Jahr später, in meinem Stockholmer Wohnheimszimmerchen saß und einen Projektbericht schreiben sollte, brachte ich es mir selbst bei. Herrn Rabe erzählte ich nichts davon. Kein Wort. Erst Monate später, bei einem anderen Bericht, ließ ich nebenbei fallen, dass ich noch überlege, ob ich dafür mal eine KOMA-Klasse** ausprobieren solle. Hähä. 

** Schwer zu erklären. Eher für Bücher. Variabler als normale LaTeX-Dokument-Klassen. Aber auch ungleich komplizierter, weil es eben mehr Optionen gibt. Schlussendlich schrieb ich bisher nur meine Masterarbeit und einen 15-seitigen Essay zum wenig erbaulichen Thema „cancer (stem) cell dormancy“ mit KOMA-Klassen. 

Tag 560 – Was ich noch lernen muss.

Gute Nachrichten zuerst: ich kam heute halbwegs klar. Stellen Sie sich jetzt vor, wie ich mir selbst auf die Schulter klopfe. 

Poster basteln ist aber eher so eine Herausforderung. Das Problem ist in meinem Fall: hohe Ansprüche an die Ästhetik kollidieren mit der Auswahl der Programme. Postervorlagen der Uni gibt es in PowerPoint (meine Nackenhaare stellen sich hoch) und in InDesign. Die Abbildungen, von denen ich jeweils Teile (nicht die ganzen Abbildungen, leider, das würde vieles einfacher machen) verwenden will, habe ich als .pdf und als .eps. Mein Computer bei der Arbeit sagt, .eps kann er nur mit Illustrator öffnen und bearbeiten (Herr Rabe sagt das stimmt nicht, aber, Tjanun, der Computer war sehr stur). Beim .pdf habe ich das Problem, dass die Auflösung zur Darstellung auf einem A0-Poster zu schlecht ist, wenn ich das dann entsprechend hochskalieren muss. (Kurzer Exkurs: es wundert mich immer wieder, wie Menschen, die immerhin ganze Bücher mit vielen und detailreichen Abbildungen versehen, alles in Word und PowerPoint machen. So wie mein Chef. Und der Ex-Chef von Herrn Rabe. Ich verstehe es wirklich nicht, gerade Word ist bei großen Dokumenten ein einziger großer Mist. Dieses Meme „In Word einen Punkt eingefügt. Word verschiebt alle Abbildungen, ändert die Sprache auf Koreanisch und bestellt die 35 mit extra Chilli.“ kommt nicht von ungefähr. Aber da lebt Mensch scheinbar mit, solange es einen wysiwyg-Editor bietet, freundet man sich mit den schrulligen Macken die es sonst so hat, eben an. Und dann alles per Copy-Paste. „Kannste doch einfach per Snapshot aus dem .pdf kopieren und dann einfügen!“ Gruselig.)

Lange Rede kurzer Sinn: Illustrator und InDesign sind beides keine Programme, die man sich mal so eben erschließt. Auch nicht mit fertiger Vorlage*. Die Abbildungen sind zwar jetzt halbwegs ok, aber eben auch nur halbwegs und allein das Skalieren kostet mich Nerven, die ich nicht habe. Aber ich habe ja den allerbesten Mann der Welt, der nach einem verzweifelten „Ich glaub ich machs doch einfach in PowerPoint, dann sieht’s halt kacke aus, mir doch egal!“ nach LaTeX-Vorlagen googelt und mir Hilfe bei der Bearbeitung der Abbildungen anbietet. 

Ich lieb den sehr. 

Aber seine Hilfe annehmen, das muss ich noch lernen. 

*die Vorlage ist auch so ein Witz: bis auf das Maß und einen Footer in Corporate Dings-Blau mit Logo der Uni hat die nix. Weiße Fläche und Arial. Meh. 

Gleichberechtigte Familienarbeit (Equal Care)

Anlässlich des Equal Care Day am 01. März haben wir uns die Fragen der Initiatoren vorgenommen. Es geht darum, wie und warum wir uns die Familienarbeit gleichberechtigt aufteilen, wo wir an unsere Grenzen stoßen und was wir uns wünschen würden, damit das 50/50-Prinzip (noch) besser und vor allem für mehr Familien funktionieren kann. Der komplette Fragebogen kann hier als pdf heruntergeladen werden.

Aktuelle Berufstätigkeit

Herr Rabe: Ich bin Softwareentwickler mit fester Anstellung.
Frau Rabe: Doktorandin in Molekularer Medizin.

Verhältnis der Erwerbstätigkeit und der Familienarbeit

Herr Rabe: Wir arbeiten beide norwegische Vollzeit, das heißt jeder 37,5 Stunden die Woche.
Frau Rabe: Der Rest ist Familienzeit. Familienarbeit versuchen wir gleich zwischen uns aufzuteilen.

  1. Wie ist die Care-Arbeit bei Euch zuhause auf die Erwachsenen verteilt? Gibt es feste Zuständigkeiten?

    Herr Rabe: Für viele Dinge gibt es bei uns keine festen Zuständigkeiten, aber spontan fallen mir doch ein paar kleinere ein. So putzt z.B. Frau Rabe das Terrarium der Schnecken, ich hingegen putze den Kaminofen und trage Holz aus dem Keller in die Wohnung. Und obwohl Frau Rabe gerne öfter auf Twitter etwas anzünden möchte mache ich hier meistens das Feuer im Ofen an. Dafür hat Frau Rabe das Holz bestellt und die Lieferung organisiert.
    Frau Rabe: Joa, im Grunde passt das so. Ich backe Brot, Herr Rabe putzt die Fenster und macht 90% der Kinder-Brotdosen. Wichtig ist glaube ich, dass wir beide meistens nicht den Eindruck haben, mehr als der jeweils andere zu tun.

  2. Warum teilt Ihr Euch anfallende Care-Arbeit untereinander auf? Welche Vorteile habt Ihr dadurch?

    Herr Rabe: Im Prinzip habe ich zwei Gründe. Erstens Fairness, denn in einer Beziehung sollten sich beide an der Care-Arbeit gleich beteiligen. Zweitens bin ich schon so erzogen worden und kann nicht anders. Meine Mutter hat darauf geachtet mir alles beizubringen was für ein selbstständiges Leben wichtig ist. Gerne sagte sie zu mir – wenn wir zB. am Bügelbrett standen – „Junge, entweder du kannst es selber oder Du musst Dir später eine Frau suchen, die das alles für Dich erledigt.“ Letzteres klang für mich schon immer abwegig und viel zu einschränkend, also lernte ich. Und außerdem macht es mir auch Spaß Dinge selber zu erledigen.
    Frau Rabe: Ich möchte fast entgegnen: Ich verstehe die Frage nicht. Ich habe nie ernsthaft darüber nachgedacht, Hausfrau zu sein. Für mich ist eine gleichwertige Beteiligung an der Care-Arbeit in einer Partnerschaft so selbstverständlich wie nur irgendwas. Insofern sehe ich da auch keine Vorteile drin, sondern das Herstellen eines normalen Soll-Zustands. Umgekehrt würden mir aber einige Nachteile bei einer ungleichen Aufteilung einfallen.

  3. Welche Nachteile und Schwierigkeiten gibt es, welche Hürden?

    Herr Rabe: Bei schlechten Absprachen kann es zu Unzufriedenheiten kommen.
    Frau Rabe: Ja, der einzige Nachteil ist für mich auch ein hoher Orga-Aufwand. Man muss sich immer absprechen, wegen jedem Pups. Wer geht mit dem Kind zum Arzt, wer zum Schwimmkurs, wer kauft ein, wer macht die Einkaufsliste, wer spricht mit der Babysitterin ab, ob sie am Wochenende kommen kann. Die Liste ist endlos. Kleine, feste Zuständigkeitsbereiche (so wie mit dem Holz oder dem Brot) erleichtern das ein bisschen.

  4. Wäre es nicht praktischer, eine Person des Haushalts würde sich alleine darum kümmern und so auch den Überblick und die Verantwortung behalten?

    Herr Rabe: Für mich wäre das nichts. Wir sind hier ein Team. Keine Hierarchien und so :)
    Frau Rabe: Naja, aber praktischer wäre es schon. Langweilig, ungerecht, kurzsichtig, aber praktisch.

  5. Wodurch / Wann stoßt Ihr an Grenzen der fairen Aufteilung?

    Herr Rabe: Unterschiedliche Erfahrungsgrade mit Dingen. Wenn irgendwas kaputt geht, bin dann doch ich es, der es repariert. Einerseits bin ich da ziemlich selbstsicher, andererseits kann ich das auch nicht gut delegieren. Und mit zwei Kindern kann man sowas auch nicht mehr so gut zusammen machen wie früher, da halt einer die Kinder beschäftigen muss.
    Frau Rabe: Bei mir ist es ein leichter Kontrollzwang. Ich bin ein Orga-Mensch. Ich reiße gerne so Sachen wie Urlaubsplanung (oder Holzlieferung) an mich, präsentiere dann irgendwann Herrn Rabe eine fertig befüllte mehrseitige Exceltabelle mit allen Pros und Cons und Preisen und durchschnittlichem Niederschlag und bin dann unzufrieden, wenn Herr Rabe da nicht auf Anhieb durchblickt oder sich auch nicht für irgendwas entscheiden kann. Und Krankheit halt. Aber das kann ja genauso auch immer eine klassische Rollenverteilung ins Wanken bringen.

  6. Leben Kinder in Eurem Haushalt? Hat sich die Verteilung der Care-Arbeit verändert im Vergleich zur Zeit ohne Kinder?

    Herr Rabe: Es hat sich etwas verändert, früher haben wir mehr Dinge wirklich zusammen erledigt. Heute muss einer die Kinder bei Laune halten während der andere Dinge tut.
    Frau Rabe: Hmm ja. Mehr zu tun und weniger Zeit es zu tun. Und wir waschen unsere Wäsche nicht mehr getrennt, seit wir Kinder haben! Jetzt wäscht halt jeder mal den Korb weg, der grade am vollsten ist.

  7. Was hat sich verändert mit dem Älterwerden der Kinder? Musste die Aufteilung in Frage gestellt und evtl. neu verteilt werden?

    Herr Rabe: So alt sind sie noch nicht. Veränderungen gab es bisher nur durch die Geburt der Kinder.
    Frau Rabe: Innerlich habe ich echt gefeiert, als die Kleine abgestillt war. Nächtliches Stillen schlaucht. Und die Flasche nahm sie auch nie. Da war also ein echtes Ungleichgewicht und als es wegfiel, kippte es erstmal in die andere Richtung, nach dem Motto: ich habe ein Jahr lang nicht durchgeschlafen, jetzt bist Du dran mit Banane füttern. Inzwischen hält es sich so etwa die Waage, denke ich. Und die nächtlichen Fressattacken der Kinder werden ja auch seltener.

  8. Welche Reaktionen bekommst Du von anderen für Dein Tun als Mann bzw. als Frau?

    Herr Rabe: Wir leben ja in Norwegen. Zwar sind wir hier nicht nur wegen der Vereinbarkeit von Beruf und Familie, aber ein bisschen schon. Und was soll ich sagen, dass klappt hier wirklich gut. Mit der gleichberechtigten Aufteilung bin ich hier kein Sonderfall, sonderen eher Durchschnitt.
    Frau Rabe: Ja, das stimmt. Wir sind hier jedenfalls keine Sonderlinge wegen unseres Familienmodells. Im Kindergarten zum Beispiel trifft man (sofern die Eltern der Kinder zusammen leben) eigentlich immer beide Partner, weil alle es so machen wie wir auch: ein Elternteil bringt, das andere Elternteil holt ab. Genauso läuft es bei der Arbeit ab: jede*r mit Kindern muss mal früher weg, weil Kindkotzt/Schulaufführung/Kadertraining.

  9. Erzähle von einer Situation, ein Gespräch, in dem Du eine positive und eine, in dem Du eine negative Reaktion erfahren hast.

    Herr Rabe: Bis jetzt kann ich mich nur an positive Situationen erinnern. Entweder gab es keine negativen Reaktionen oder ich habe das nicht mitbekommen. Obwohl, an eine negative Erfarung von vor Michels Geburt kann ich mich gut erinnern. Wir waren auf einem Flohmarkt für Kinderklamotten unterwegs um uns mit Ausstattung einzudecken. An einem Stand wurde uns, bzw. eher nur an Frau Rabe gerichtet ein Wickelbody empfohlen, denn „damit könne sogar der Vater das Kinde wickeln“. Auch heute noch finde ich es eine Frechheit mir, bzw. Vätern generell, die Fähigkeit abzusprechen, sich um seine Kinder zu kümmern.
    Frau Rabe: als negative Reaktion könnte ich den Klassiker anbringen: als ich, damals noch in Deutschland, meinem Chef verkündete, ich sei schwanger, fragte er mich nach der Gratulation, wie viele Jahre ich denn zu Hause bleiben wolle. Als ich sagte, ich hätte so an sieben Monate nach der Geburt gedacht, damit wir die Elternzeit fair aufteilen könnten, kam ein belächelndes „Jaja, warte mal ab, wenn das Baby dann da ist…“. Positive Reaktionen kriege ich wenn überhaupt nur indirekt an den Mann adressiert mit: „Ach, das ist ja auch toll, dass sich die jungen Väter heutzutage so einbringen.“ (Von meiner Oma.) Meine Mutter hat uns gelobt dafür, dass wir das so gleichberechtigt hinbekommen. Aber zählt das, wenn die eigene Mutter das sagt?

  10. Was würdest Du Deinem jüngeren Ich mit auf den Weg geben, das weder Kinder hat noch in einer Partnerschaft lebt, wie es mit dazu beitragen kann, dass Equal Care gelingen kann?

    Frau Rabe: Haha, ich könnte höchstens sagen: mach du mal, das passt schon. Such dir nen Partner, der die Dinge so sieht wie du. Dem Zeit wichtiger ist als Geld, der aber auch weiß, dass Geld nicht auf Bäumen wächst. Und der bügeln kann, das lernst Du nämlich in diesem Leben wohl eher nicht mehr.
    Herr Rabe: Ich bin eigentlich mit mir ganz zufrieden, so wie es ist, von daher würde ich auch einfach sagen, mach das, was du machst.

  11. Was wünschst Du Dir von Politiker*innen?

    Frau Rabe: in Deutschland wäre das: 1. Mehr Elterngeld. Ich meine: wir leben hier in einem Land mit echt hohen Löhnen. Und trotzdem bekommt man in Norwegen mindestens 80% des vorherigen Nettoeinkommens als Elterngeld, für 59 Wochen. Alternativ 100% für 49 Wochen. Dann gilt nämlich auch das Argument nicht mehr, dass ein Partner nicht länger als 2 Monate zu Hause bleiben kann, weil dann zu viel vom Haushaltseinkommen wegfällt. Um das zu unterstreichen, könnte man die, ähäm, „Vätermonate“ ausweiten. 2. Mehr gute und bezahlbare Kinderbetreuung. Obwohl hier alles andere sehr teuer ist, ist Kinderbetreuung vom Preis her ok. Geradezu günstig. Und das bei einer Qualität, die ich nicht mehr missen möchte. Der Betreuungsschlüssel unserer KiTa ist 1:3,5. Welcher Kindergarten in Deutschland schafft das schon? Und dass Eltern ihre Kinder nicht einfach verwahrt wissen wollen, sondern wirklich betreut, ist wohl allen klar.
    Herr Rabe: Mit den Zuständen in Norwegen bin ich sehr zufrieden. Ich würde mir wünschen, wie es auch schon Frau Rabe beschrieben hat, dass die Politik in Deutschland sich mehr an der Skandinavischen Familienfreundlichkeit orientiert.

  12. Was wünschst Du Dir von anderen Entscheidungsträger*innen?

    Frau Rabe: Ich wünsche mir, dass es normaler wird, sich gleichberechtigt an der Care-Arbeit zu beteiligen. Dass Frauen™ nicht mehr so oft und Männer™ dafür öfter gefragt werden, wie denn die Kinderbetreuung organisiert ist. Dass mehr Paare sich die Elternzeit gerechter aufteilen. Dass mehr Väter bei ihren Arbeitgebern auf ihr Recht bestehen, Elternzeit zu nehmen. Dass im Gegenzug der Rabenmuttermythos endlich ausstirbt. Dass Medien aufhören, Politiker dafür abzufeiern, dass sie einmal pro Woche das Kind aus der KiTa abholen, während die Schlagzeilen bei der schwangeren Politikerin deren Leistungsfähigkeit anzweifeln. Zusammengefasst: eine gleichberechtigte Elternschaft soll keine Randerscheinung mehr sein. Bitte.
    Herr Rabe: Ich wünsche mir, dass Väter mehr ermutigt werden sich Zeit für ihre Familie zu nehmen. Das es selbstverständlich und kein Problem ist, wenn man dem Chef sagt, man müsse los um das Fieberkind aus der Kita abzuholen. Mein Teamleiter wünscht mir zum Beispiel in solchen Fällen nur gute Besserung für das Kind.

  13. Was wünschst Du Dir konkret für Deinen Alltag anlässlich des Equal Care Day 2017?

    Frau Rabe: Ich wünsche mir mehr Geschichten, wie andere Paare sich die Familienarbeit gleichberechtigt aufteilen oder wenn nicht, was sie davon abhält.
    Herr Rabe: Ich wünsche mir, dass der Equal Care Day zum reflektieren der eigenen Situation anregt und dazu ermutigt Missstände anzusprechen. Ich wünsche mir, dass das Thema gleichberechtigte Familienarbeit diskutiert wird, nicht nur auf politischer Ebene, sondern ganz konkret in Familien und Freundeskreisen.

Tag 559 – Und nun.

Ein paar kleine Updates. 

Herr Rabe und ich haben heute, als die Babysitterin da war (da hatte ich mich neulich im Tag vertan, spielt aber ja eigentlich keine Rolle), einen Ausflug gemacht. Erstmal saß ich noch eine gute halbe Stunde mit Pippi bei der Babysitterin, weil die sich noch nicht so gut kennen. Als ich das Gefühl hatte, dass es jetzt ok wäre zu gehen und außerdem beide Kinder plus Babysitterin mit Bügelperlen und -brettern versorgt waren, machten wir uns auf den Weg. Das Wetter war wirklich grausig, wir spazierten (immerhin händchenhaltend) durch eiskalten Regen, fanden in 2 Cafés keinen Platz, das dritte hatte zu und als wir beim 4. ankamen, waren wir gut durchgeweicht und schlotterten ein bisschen. Aber egal: 2 Stunden eine normale, erwachsene Unterhaltung über normale Erwachsenendinge waren es wert. Natürlich sprachen wir auch (kurz) über die Kinder, aber nicht viel, dafür gibt es grade genug anderen Kram der ansteht, wie zum Beispiel…

… Mein Plan zum Klarkommen. Tja. Kurz gesagt: kleine, erreichbare Tagesziele setzen, mir bei der Arbeit jemanden suchen, dem gegenüber ich die auch formuliere (nicht mein Chef, der macht immer gleich ein halbstündiges Meeting aus sowas). Das Denken an „was ist in einem halben Jahr?!?“ sein lassen (das wird hart). Öfter mal Home Office machen, dafür TeamViewer auf meinem Rechner installieren (mein Plan für morgen), damit ich auch von zu Hause ins Intranet und an Daten kann. (Home Office nimmt, so meine Vorstellung, drei Sorten Druck: zeitlich mit Hinbringen zum oder Abholen aus dem Kindergarten; den Druck, irgendwie menschlich aussehen zu müssen und andere Dinge als Jogginghosen zu tragen; sozial (mit der wichtigste Punkt): ich mag manchmal nicht mit Menschen reden und das dann auch nicht zu müssen stelle ich mir sehr schön vor.) Ich glaube ich würde nicht wirklich oft Homeoffice machen, aber eine Absprache mit meinem Chef, sodass ich davon Gebrauch machen kann, wäre schon ein Erfolg. Natürlich vorausgesetzt, dass keine Experimente anstehen, aber solche Tage oder sogar Wochen hat man ja auch immer mal wieder. Weiterer Plan, der eher das Private betrifft: unbedingt die Putzhilfe behalten. Und Dinge, die mich extrem frusten ohne irgendwie zu fruchten (so wie die Heimaturlaubsplanung) vermehrt an Herrn Rabe delegieren oder zumindest ihn mehr mit einbinden. Und dann mal sehen. Wenn ich merke, dass das alles noch nicht hilft und ich einfach keine 37,5 h-Woche durchhalte, gibt es ja immernoch die Möglichkeit einer partiellen Krankschreibung. Oder den Psychologen. Wie gesagt: mal sehen. 

Mehr delightful: Die Kinder sind so niedlich! Pippi spricht jetzt viel mehr und versucht, ganze Sätze zu sagen. Außerdem ist sie im Nachplapperalter angekommen und sagt alles, was man möchte. Oder wiederholt alles, was man nicht möchte. Eine ihrer Standardantworten ist aber momentan „Blablabla.“. Da kann ich nicht anders als drüber lachen, wenn die Situation ungefähr so ist:

Ich: „Ey, Pippi, nicht mit dem Essen werfen! Wenn du satt bist, lass es einfach stehen!“

Pippi: „Blablabla.“

Michel spricht ja viel besser Norwegisch als Deutsch, aber wir versuchen ihn im Moment mehr zum Deutsch sprechen zu animieren. Es wäre schon schön, wenn wir für Familienmitglieder nicht dauernd die Übersetzer geben müssten. Manchmal ist es aber auch unheimlich lustig, wenn er norwegische Dinge falsch versteht. So sagte er in den letzten Tagen häufiger voller Enthusiasmus „Jeg er en potet!“ („Ich bin eine Kartoffel!“). Darauf folgte stets irgendeine Ausführung oder Idee, wie irgendwas sein könnte oder wer irgendwas gemacht haben könnte. Es dauerte eine Weile, bis mir die Idee kam, dass er Dinozug (falsch) zitiert und eigentlich „Jeg har en hypotese!“ („Ich habe eine Hypothese!“ meint. 

Auch mehr delightful: neues Schneckenbild, weil heute sauber gemacht. Wir haben jetzt (aus Gründen) zwei große (ich nehme an, ausgewachsene) und zwei kleinere Schnecken. Eier gelegt haben sie immer noch nicht, nicht, dass ich darauf scharf wäre, aber ich mache mir etwas Gedanken, ob was nicht stimmt, oder ihnen was essenzielles fehlt. 

Tag 558 – Besuchskinder und Vitensenteret. 

Heute morgen eröffnete Michel uns, dass er wolle, dass M. ihn besuchen komme. Heute. Dann drängelte er so lange herum, eine Nachricht an M.s Papa zu schreiben, bis dann eine Nachricht von M.s Papa kam: M. wolle gerne Michel besuchen. Wenn wir denn so könnten. Herr Rabe schrieb zurück, dass wir nächste Woche außer Mittwoch eigentlich immer können, oder halt heute. Zack, kam eine Nachricht zurück: M. sei sehr eifrig und wolle gerne schon heute. So in anderthalb Stunden seien Sie da, wenn das passe. 

Das passte perfekt, wir wollten eh noch einkaufen. Nach dem Einkauf kam eine Nachricht von H.s Mutter: ob wir Lust hätten, mit ins Vitensenteret zu gehen? Das Vitensenter („Wissenscenter“) ist so eine Art Naturwissenschaftliches Mitmach-Museum. Ich war da noch nicht drin und das Wetter ist momentan zum Heulen: vier grad und Dauerregen, also fragten wir Michel, ob das für ihn in Ordnung sei, wenn wir alle zusammen da hin fahren würden. Michel war sofort Feuer und Flamme (ich so: „wenn du lieber M. für dich haben willst, ist das auch ok!“ worauf Michel antwortete: „Ja, da sollen nur M. und ich sein. Und H. und Pippi.“) schrieb Herr Rabe zurück, das würden wir gerne, hätten aber schon M. zu Besuch. Und so kam es, dass wir uns etwas sehr deutlich später auf den Weg in die Innenstadt machten. 

Erstens: nach Busfahren im völlig überfüllten Bus mit vier Kindern und drei Erwachsenen waren ein paar von uns um Jahre gealtert. Und hatten Fransen am Mund. Man kann auf einer fünf Minuten langen Busfahrt sehr häufig „Halt dich bitte fest, mit beiden Händen, du dich auch, nicht die anderen Leute anrempeln und Michel: hör auf Leute anzulecken!“ sagen. Auf dem kurzen Fußweg spielten die Jungs dann „Rockband“, erklommen einen größeren Pömpel und spielten auf ihren Kinderregenschirmen Luftgitarre und Lufttrompete. Dazu gröhlte Michel inbrünstig den Bandnamen: „Rock Babieeeees! Rock Babieeeeeees! Wir sind die Rock Babiiiiiieeeeeeees!“. Das war der evilste Name, den sich die Kinder ausdenken konnten und das war so unfassbar niedlich, ich musste fast ein Tränchen herunterschlucken. Aber ich sags mal so: so wie Michel die Luftgitarre gehalten hat, lernt er vielleicht doch besser erstmal Blockflöte (wie Mama und Papa ja auch. Traditionen und so. So wichtig.).

Nach diesem grandiosen Auftakt war das Ausflugsziel dann schon gefordert, die Latte hing hoch. Aber es war einfach super. Und das trotz happigem Eintrittspreis von 85 NOK für alle ab drei Jahren aufwärts, bzw. einem Familienpreis (zwei Erwachsene, drei Kinder) von 270 NOK. Leider habe ich es nicht geschafft, viele Bilder zu machen, sie müssen mir das also einfach glauben. 

Rübennase an Periodensystem-Wand mit (soweit möglich) jedem Element als Exponat. Oder einer Erklärung, warum man das nicht ausstellen kann. Unten das worauf sie steht ist eine Murmelbahn-Bank und ihr zu erklären, dass man die Kugeln dalassen muss, sagen wir mal, eine Herausforderung.

Im „Elektrizitäts-Raum“ kann man verschiedene Geräte durch Fahrradstrampeln mit Strom versorgen und ich fühle mich ein bisschen unangenehm an Black Mirror erinnert.

Hier kann man um die Wette sparken, also so einen Stehschlitten (’spark‘) über eine Rennstrecke fahren. Beliebt bei Klein und Kleiner.

Das war so eine coole Murmelbahn! Erst muss man selbst kurbeln, damit eine Kugel losgeschickt wird, die dann durch einen Parcours mit vielen verschiedenen (echt tollen) Möglichkeiten läuft. Überall gongts und schepperts und fällt und springt es. An manchen Stellen muss man den Kugeln dann noch weiter helfen, indem man Rädchen dreht. Ich hätte Stunden an diesem Ding zubringen können und hab deshalb Pippi als Alibi mitgenommen.


Aber was solls, Alibi. Das Wasserkraftwerk habe ich dann alleine angetrieben, den Elektromotor alleine ausprobiert, habe ein paar Logikspielchen (ein eigener Raum für Logikspielchen! <3 ) gemacht und Kuh-Pupse eingesammelt. Ein Raum (der mit den Schlitten) ist nämlich im Moment mit Kinder-Erfindungen belegt: 10-13-Jährige haben sich Dinge ausgedacht, die man mal erfinden sollte. Zum Beispiel die Super-Schlitten, die schnell wie Autos fahren können, aber umweltfreundlich sind, weil sie ja nur mit Muskelkraft betrieben werden. Oder eine Gasabsaugmaschine, die zwischen Kuh-Pupsen und -Rülpsern und normaler Umgebungsluft unterscheiden kann und so Methan direkt am Entstehungsort absaugt. Oder Roboterhummeln, die den Nektar sammeln und Blumen bestäuben und so die vom Aussterben bedrohten Hummeln ersetzen könnten. 

Es gibt noch mehr Räume, einen Körperraum zum Beispiel, wo man die Kraft seines Händedrucks messen kann (22,5 Dings, Newton?), seine Reflexe testen oder auch gegen jemanden „Mindball“ spielen kann, indem man mittels „Gedankenkraft“ (die über Elektroden am Kopf gemessen wird) versucht, einen Ball zum Gegner hin zu bewegen. 

Was ich nicht probiert habe, war, den riesigen Roboterarm zu steuern, Mindball, Schach gegen einen Computer zu spielen (ich kann gar kein Schach spielen), sieben der neun Logik-Spiele und tausend andere Sachen. Im Planetarium war ich auch nicht. 

Also Fazit: wenn sie ein bisschen nerdy sind, oder nerdy Kinder haben, und mal an einem Regentag in Trondheim sind: das Vitensenteret ist echt richtig cool. Und für jedes Alter ist was dabei, selbst die Kleinsten können auf irgendwelche Knöpfe drücken und an irgendwelchen Rädchen drehen und Murmeln murmeln lassen und überall britzt und kullert und leuchtet was. Für die meisten großen wird sich auch noch was finden, was sie noch nicht wussten oder was man puzzeln oder spielen oder pumpen oder einfach angucken kann. Und im Zweifel guckt man die Kinder an, wenn sie eine Plasmakugel anpusten oder an einer Kordel ziehen, woraufhin sich eine Metallspirale in 3 Metern Höhe wellenförmig zu schlängeln beginnt. 

Langweilig wird einem jedenfalls eher nicht. 

(Danach lief der Rest des Tages erstaunlich entspannt ab und ich glaube, wir haben bei dem Papa von M. durch unseren Ausflug etwas Eindruck gemacht. So kann ein Samstag mit Kindern gerne öfter sein.)

Tag 557 – Zu viel. 

Ich hatte echt nen Kacktag. Bei der Arbeit war unser zweiwöchentliches Gruppen-Meeting und ich war Cake-Responsible und dachte, das geht schon alles, ist ja bloß ne Stunde oder so. Dann wurden es aber zwei Stunden* plus backen und vorher war ich schon so gestresst, dass mir das hier passierte: 

und nachher war ich einfach komplett im Eimer, inklusive Kinder anschnauzen und Mann anranzen und insgesamt unausstehlich sein. 

Ich weiß, nächste Woche ist wohl noch zu früh um wieder arbeiten zu gehen, aber die Deadline! Das blöde Poster muss fertig sein bis Freitag. Leider auch Arbeit, die mir keiner abnehmen kann. 

Irgendwie muss ich das also hinbekommen, Donnerstag und Freitag habe ich eh frei, drei Tage sind es also, die ich durchhalten muss. Und mehr als durchhalten geht offenbar noch nicht. (Klarkommen! Wer kommentierte das hier? Ich muss klarkommen. Erledigen was anliegt. Nicht mehr und nicht weniger.)

*extra Stress: der Kollege, der mir unterstellte, ich hätte mehr oder weniger absichtlich eine Liste und zwei Abfallboxen aus dem Radioaktivitäts-Labor verschwinden lassen. Es dauerte 30 Minuten, zu rekonstruieren, dass einfach über ein Jahr lang (während ich in Elternzeit war) niemand in dem Labor gearbeitet hat und somit die einzige Liste aus 2016 die ist, die im Juli 2016 beginnt und noch immer an der Bench hängt. Aber zwischendurch schwitzte ich schon sehr. 

Tag 556 – Keine Lust. 

Erstmal: vielen vielen vielen Dank für all Ihre netten Kommentare. Echt. Danke. Ich bin immernoch manchmal sprachlos, dass hier so viele nette Menschen mitlesen und kommentieren. Dafür viel <3!

Leider muss ich Sie aber heute enttäuschen. Aus akuter Unlust, noch mehr über das PhD-Thema nachzudenken und akutem Mangel an Spaziergang-tauglichem Wetter habe ich mich heute den größten Teil des Tages exzessiver Realitätsflucht hingegeben. The Hunger Games „Catching fire“ hab ich jetzt auch durch.

Bleibt noch die Frage: wenn am Samstag die Babysitterin kommt, aber Kackwetter ist und wir die nicht einfach rausschicken können und wir auch gar nix zu putzen oder zu machen haben, was machen wir denn dann? 

Tag 555 – Schnaps!

Ich ging heute 20.000 Schritte, sagt mein Handy. Einen Teil davon ging ich nicht ganz freiwillig, weil ich mich mit dem Bus verfahren habe und dann von City Lade nach Sirkus Shopping lief und dann noch ein Stückchen weiter am rosa Fitnessstudio vorbei zur Bushaltestelle. Um dann festzustellen, dass ich den Rest auch noch hätte gehen können, das war dann auch nur noch ein Kilometer oder so, aber egal. 

Jedenfalls lief ich dann von Rotvoll (Erinnerungen an den Waldorf-Kindergarten wurden wach, eieiei) nach Ringve (verrückt: den Teil des Ladestien bin ich das letzte Mal gegangen, als Pippi grade ein paar Wochen (3! 3 Wochen! Wahnsinn.) alt war. Mit Kinderwagen und Laufrad und leicht durchhängendem Beckenboden), da wollte ich eigentlich im Sponhuset einen Kaffee trinken, das hatte aber zu also lief ich aus Frust einfach weiter bis nach Korsvika (57 Treppen), ging am Lade Torget beim Narvesen Kaffee holen und dann nach Hause. Fast 13 km sagt das Handy, aber da ist ja auch noch zwei Mal der Weg zum Kindergarten* und zurück dabei. 

Gelöst habe ich dabei null meiner Probleme. Aber wenigstens bin ich jetzt müde und ausgepowert. Das hilft gegen das Gedankenkarussell. 






*Beide Kinder gingen heute wieder in die KiTa. Nachdem Pippi gestern eigentlich schon wieder recht fit war, nur sehr viel schlief, wollten wir die Nacht und den Morgen abwarten und dann entscheiden, ob ich einen weiteren Tag mit Kind Gewinne oder nicht . Heute früh war sie dann, bis auf eine ordentliche Rotznase, wie immer, schaufelte sich das Frühstück rein als gäbe es kein Morgen, schleifte ihren Rucksack zur Tür, zog sich selbst die Stiefel an und war bereit. Wäre Michel mal so kooperativ! Trotzdem rechnete ich fest damit, dass die KiTa irgendwann anriefe, ich solle sie abholen kommen. Tat sie aber nicht und als ich mich diesbezüglich safe fühlte, marschierte ich los. 

Tag 554 – Und nun?

Drei Viertel meiner Krankschreibung sind rum. Die letzten zwei Tage verbrachte ich in weiten Teilen mit Pippi im Bett, was ein sehr komisches Gefühlsmischmasch ergab. Einerseits nämlich das Gefühl großer Ruhe, und zu Hause sein, wenn ich in Pippis schlafendes Gesicht sehe, ihre kleinen Hände an ihre Wangen gedrückt, den Mund leicht auf. Manchmal gebe ich ihr ein Küsschen auf die Stirn, um zu checken, ob das Fieber zurück kommt. Und weil ich sie so einfach auffressen könnte vor lauter Liebe, wenn sie so schläft. Und jetzt kann ich das auch wieder feststellen und genießen. 

Aber da ist noch ein anderes Gefühl, nämlich Nutzlosigkeit. Von Pippi ans Bett gefesselt lässt es sich wenig tun und für alles, das sich tun ließe, fehlt mir weiterhin die Motivation. Durch das spazieren Gehen letzte Woche hatte ich was zu tun und die ärztliche Anordnung war genug Motivation. Ja, so simpel ticke ich im Moment: sag mir was ich machen soll und ich mache es. Sag es mir nicht und ich mache… nichts. 

Das schlimmste Gefühl ist aber erst in den letzten zwei Tagen dazu gekommen. Das Gefühl nämlich, daraus jetzt Konsequenzen ziehen zu müssen. Und nicht zu wissen wie. Arbeitsstunden reduzieren? Wäre vielleicht schlau (um mein Projektgeld zeitlich in die Länge zu ziehen), vielleicht aber auch total dämlich angesichts eventueller Arbeitslosigkeit irgendwann und entsprechend weniger Arbeitslosengeld. Außerdem: ich kenne mich doch. Als würde ich dann tatsächlich weniger arbeiten. Das Problem ist glaube ich auch nicht die Arbeit, sondern dass sie mich nie loslässt. Und das sich das Abschließen wie so ein unbezwingbarer Berg vor mir auftürmt, mit einem Bergführer, der eh nicht damit rechnet, dass das dieses Jahr noch was wird und nach dem Aufstieg hisse ich dann mein kleines Fähnchen und hopse in den Abgrund, oder wie? Ein weiterer Punkt ist, dass ich nur sehr schlecht damit leben kann, wenn Herr Rabe dann noch deutlicher mehr verdient als ich. Also Stunden reduzieren ist nur so mittel. Aber was dann? Ja, wir haben jetzt eine Putzfrau (Hurra!!!), da ist also für Entlastung gesorgt. Unsere eh schon nur sporadisch Zeit habende Babysitterin wird hoffentlich trotzdem weiter kommen, vielleicht zu anderen Zeiten, dann haben vielleicht auch Herr Rabe und ich mal wieder Zeit füreinander. Der Frühling kommt bestimmt (in drei Monaten, haha) und damit hoffentlich weniger oft kranke Kinder. Vielleicht kann ich ein paar mal die Woche spazieren gehen in meinen Alltag integrieren*, aber reicht das dann?

Ich hasse es, weder Pläne noch Ahnung zu haben. So. 

*Nein, ich werde mir definitiv keinen Hund anschaffen. Das ist echt, was ich nicht brauche: noch mehr Verantwortung für ein hilfloses Wesen. Und was sollen wir machen, wenn wir mal in den Urlaub fahren? Wir haben ja kein soziales Netz. Nein, jemand wie ich** sollte keinen Hund haben.

**der überdies keine Hunde mag