Tag 2750 – Niere im Angebot.

Leichte Gebrauchsspuren, aber wir brauchen das Geld, Michel braucht eine Zahnspange.

Spaß beiseite, niemand hier ist überrascht und das macht uns jetzt auch nicht arm, aber ich habe heute trotzdem einen leichten Schock bekommen, als ich nach dem allerersten Termin bezahlen sollte. Donnerstag geht es weiter mit Abdrücke machen. Und mit blechen.

Damit zusammenhängend muss ich mal loswerden, wie faszinierend ich Röntgenbilder vom Gebiss finde. Michel hat ja noch ein paar (wenige) Milchzähne, da ist der Kiefer einfach noch voller als eh schon, und dann diese super langen Zahnwurzeln überall! Ich habe ja mal ein Praktikum bei einem Zahntechniker gemacht und finde all sowas total spannend.

P.S. Wie normal ist es wohl, dass ich mich an dieses Praktikum noch extrem lebhaft erinnern kann? Das ist über 20 Jahre her und war nur 14 Tage lang. Ich habe Gipsgebisse gegossen, Goldzähne abgestrahlt, Drähte gebogen, Zähne aus Knete geformt und mir kleine Schlüsselanhänger in Gebissform gemacht, aus echtem Gebiss-Material. Ich weiß noch wie es roch, sich anhörte, wie schwierig es ist, Gips blasenfrei zu gießen und dass es lustig ist, sich mit der Sandstrahlpistole ein bisschen gegen den Finger zu strahlen (der aber in einem sehr dicken Handschuh steckte). Ich bekam Ärger, weil ich Gips im Gummipott habe antrocknen lassen und hackte mir beim Versuch, den Gips aus dem Topf rauszukloppen, mit dem Meißel in die Hand. Ich durfte dabei sein, wie einer Person ohne Zähne ein Abdruck von der Kieferleiste gemacht wurde und am Ende schrieb ich einen Praktikumsbericht über die Folgen von Zahnverlust und wie man sie mit Prothesen umgeht, der mehr eine theoretische zahnmedizinische Abhandlung war als das, was normalerweise von einer Zehntklässlerin nach einem zweiwöchigen Berufspraktikum erwartet wird. Ich fand alles an dem Praktikum super (minus das mit dem Gips), weil ich den ganzen Tag unter relativ nerdigen Erwachsenen sein durfte und Zeug lernen durfte, für das man eigentlich Abi braucht. Beste zwei Wochen der ganzen Mittelstufe.

Tag 2749 – Offenbar anstrengend.

In diesem Büro (irgs, Menschen!) gewesen, ganzen Tag in Meetings gesessen, soziales Tralala mitgemacht (25-jähriges Dienstjubiläum einer Kollegin), nach der Arbeit noch Sport gemacht (nach der Arbeit weil mir vor der Arbeit der Zug, den ich dafür hätte erwischen müssen, vor der Nase weggefahren ist), bei Michel im Bett eingeschlafen. Wenn ich beim Mittagessen schon am liebsten mein Essen mit in den Keller nehmen und allein essen würde, ist das wohl ein Zeichen für Overpeopeling.

Zu Essen gab es auch nichts vernünftiges. Der vegetarische Montag ist wohl gestorben, sie haben scheinbar wirklich so ausdauernd ihr abschreckendes vegetarisches Essen gekocht, dass sich genug Leute beschwert haben, also gab es heute Bratwurst. Für mich Salatbar, aber auch da war die Auswahl zum heulen (Proteine? Schon mal gehört? Hüttenkäse zählt nicht und der gehört auch nicht auf Salat). Das also zusätzlich dazu, dass wir da nach wie vor frieren und alle mit Wollpullis und Schals sitzen. Wirklich verlockend, ins Büro zu kommen, doch doch. Das Werk macht es so richtig attraktiv.

Werde jetzt einfach weiter schlafen. Michel hat sich netterweise auch schon zu mir gesellt, damit ich mich nicht allzu doll umstellen muss. Lieb.

Tag 2748 – Aufatmen.

Erholungstag. Ich war etwa eine Stunde allein zu Hause, das war schön. In der Zeit habe ich die Meerschweinchen sauber gemacht. Danach habe ich einen sehr schnellen Spaziergang gemacht, schnell vor allem deshalb, weil es saukalt war und ich nur eine Sportleggings anhatte, das wurde ziemlich schnell ziemlich kalt an den Oberschenkeln. Da hilft nur Bewegung und die Motivation, möglichst schnell wieder nach Hause zu kommen. Der Plan ging also voll auf. Spazieren gehen geht auch mit Schwitzen. Und dabei an den Beinen frieren.

Auch ansonsten habe ich heute alles mögliche gemacht, das ich mag und ich finde sogar, „Meditation“ klingt schon echt ganz ok. Dann gucke ich mir noch mal auf YouTube die Aufnahme von Ray Chen an und dann weine ich in meine Überheblichkeit und versuche es noch mal mit deutlicheren Dynamikwechseln und dann fällt mir wieder ein, dass ich mich nicht mit den Chens und Hahns dieser Welt vergleichen sollte, weil das nur zu Frust führen kann. Dann kommt Michel und sagt „Du spielst sehr gut“ und das reicht mir an Publikumskritik. Es ist schon echt ok, so für ein Hobby, ohne Lehrperson und mit etwas unter 40 Stunden Üben am Tag.

Morgen geht die neue Woche los. Bin ich bereit? Naja. Es wird schon gehen.

Tag 2747 – Wochenende.

Fing nicht so super an, mit Migräne und Sozialkater. Ging irgendwann besser durch viel Selbst-Pampering, das aus Sport, Körperpflege, Geige und sich wie ein vollwertiges, verantwortliches, erwachsenes Familienmitglied fühlen (einkaufen, Essen machen, Wäsche waschen und so weiter) bestand. Abends habe ich The Bear zu Ende geguckt und jetzt ist mir ganz warm ums Herz. Die Serie war in norwegischen Medien wärmstens empfohlen worden, deshalb hab ich überhaupt rein geschaut. Anfangs war ich allerdings sehr skeptisch und brauchte ungelogen nach der Hälfte der ersten Folge eine Pause und konnte erst am nächsten Tag weitergucken. Keine Sorge, da ist nichts brutal oder so, aber die erste (und die siebte) Folge ist einfach unglaublich stressig, so sehr, dass ich mich fragte, ob irgendwer das freiwillig guckt. Eine Freundin versicherte mir aber, dass es besser wird und das wird es auch. Und es lohnt sich. Jetzt habe ich das Bedürfnis, die Serie direkt noch mal von vorne zu gucken, weil die so gut ist. So gut. 8 kurze Folgen sind auch ein überschaubarer Zeitaufwand. Disn** +. Hint hint.

Tag 2746 – Schultern senken.

So, die erste Inspektionswoche 2023 ist überstanden. Kann ja mal passieren, dass dann im Footer der Observationsliste noch 2022 steht.

Ich mag meinen Job immer noch.

Heute waren wir um zwanzig nach vier fertig, deshalb war ich um kurz nach halb sechs zu Hause (das wäre auch früher gegangen, aber Cardos war wieder von innen die Scheibe zugefroren und ich musste erst warten, bis die aufgetaut war). Dadurch konnte ich zum ersten Mal diese Woche Essen machen und sogar zwei Kinder ins Bett verfrachten und Herr Rabe konnte dadurch zu einer Musiksession gehen. Voll gut. Ich glaube, Michel fand auch schön, sehr ausgiebig mit mir zu kuscheln, ich fand das jedenfalls schön und bin nur irgendwann wieder aus seinem Bett aufgestanden, weil ich gerne noch ne Runde Bewegung einschieben wollte. Man sitzt ja doch viel auf dem Hintern bei Inspektionen. So langsam tat mir diverses weh, lustiger Weise unter anderem die Füße, aber die steckten ja auch stundenlang in Winterschuhen und konnten sich nicht bewegen, das sind die ja auch nicht mehr gewohnt. Aber eine Runde YouTube-Ballett und schon tut mir alles anders weh als vorher und die Füße sogar gar nicht mehr, toll!

Die Woche war tatsächlich so alles in allem gut. Freue mich trotzdem auf ein Wochenende ohne viel Kommunikation.

Tag 2744 – Piep!

Immer noch im Tunnel. Es ist gar nicht so schlimm, habe bisher sogar jeden Abend noch ein Kind ins Bett bringen können, weil ich früh genug zu Hause war. Aber mein Kopf ist beschäftigt und da ist wenig Platz für anderes als Dinge, die ich nicht erzählen darf.

Ich kann ja ein bisschen herumorakeln: heute habe ich ein Analysegerät kennengelernt, von dem ich noch nie auch nur gehört hatte. Teile der Hardware hätten auch in Newtons Labor stehen können und wären da nicht aufgefallen und als der Techniker mir erklärte, was das Instrument tut, musste ich kurz einen „der verarscht mich doch!“-Impuls unterdrücken, weil sich das alles seeeehr esoterisch anhörte. Aber das ist eine freigaberelevante Methode, also ganz und gar nicht esoterisch. Ich stand derweil so neben mir und bewunderte mich ein wenig dafür, wie ich es schaffte, ein professionelles Gesicht zu behalten und halbwegs so zu scheinen, als würde ich verstehen, was mir da erzählt wurde. Mein Job ist schon manchmal sehr merkwürdig. Das Gute an dem Analysegerät: es wird von einem Computer gesteuert und die Daten mit einer Software analysiert und DAS wiederum nehme ich inzwischen recht schnell und gezielt auseinander. Auch gut: ich hab wieder was ganz neues gelernt, etwas abgefahrenes, mit nah an Null Anwendungsbereich, herrlich.

Tag 2743 – Im Tunnel.

Grad ganz schlechter Empfang, bin noch bis Freitag im Inspektionstunnel. Was aber echt auch was für sich hat, weil es echt gut ist, sich eine Woche wirklich auf was fokussieren zu können, statt stündlich das Thema wechseln zu sollen und sich dabei noch zu Vorgesetzten und anderen Mitmenschen sozial verhalten zu müssen. Inspektion ist anders, da kann ich so viele Fragen stellen, wie ich will, niemand nimmt mir übel, dass ich „immer nur Probleme sehe“ und bis auf den Kollegen sehe ich die alle nur alle Jubeljahre bei Inspektionen (bei dieser Firma war ich sogar tatsächlich schon mal). Dagegen finde ich einen Manic Meeting Monday im Büro wesentlich anstrengender, ehrlich gesagt. Vielleicht spricht da aber auch grad die bisher sehr übersichtliche Findings-Liste aus mir. Wer weiß.

Tag 2741 – Die kleinen Alltagskatastrophen.

Neulich wusch ich Wäsche. Ich glaube Donnerstag. 40 Grad hell, aber ist eigentlich auch egal, es war noch ein Sack Socken mit drin, weil Michel überhaupt keine sauberen Socken mehr hatte, aber das erledigte sich durch den spontanen Kauf eines 7er-Packs, das Kind kriegt ja auch immer größere Füße. Weil da ja jetzt neue Socken in Michels Schrank waren, war es nicht so eilig mit dem Aufhängen der gewaschenen Wäsche, aber spätestens gestern fing ich an, mich drüber zu ärgern, dass das noch niemand gemacht hatte. Heute wollte ich es endlich machen, noch vor dem Frühstück, stellte dann aber fest, dass die Wäsche noch dreckig und das Waschmittel im Fach trocken war, also hatte ich die Maschine neulich wohl nicht angemacht, hoppla.

Aber dann sagte Herr Rabe etwas später, die Maschine laufe doch aber gar nicht. Diesmal war ich extra daneben stehen geblieben, bis ich das Geräusch der Pumpe hörte, war also ganz sicher, sie angemacht zu haben. Das war seltsam, denn ganz offenbar drehte sich die Trommel nicht und das Waschmittel war auch immer noch trocken. Also mal ausgemacht, abgepumpt, wieder angemacht, nichts. Flusensieb aufgemacht, extrem viel Wasser abgelassen, wieder angemacht, nichts. Leichte Panik jetzt, Wäsche und Waschmittel aus der Maschine geräumt, Reinigungsprogramm angemacht, nichts. Wäsche war unten nass, es ging also Wasser sowohl rein als auch raus, aber die Bewegung der Wäsche in der Maschine ist ja ein wichtiges Element beim Waschen, und dass das Wasser erst mal durchs Waschmittelfach läuft und das Waschmittel mitnimmt, auch.

Halten wir fest, es ist entweder der Motor oder irgendwas an der Steuerung kaputt. Beides bei einer 8 Jahre alten, damals günstigen, nicht-Gütersloher-Marken-Waschmaschine und norwegischen Handwerkerpreisen leider wirtschaftlicher Totalschaden. Tja, RIP Waschmaschine, du hast uns treue Dienste geleistet, Windeln und Bettdecken und Kuscheltiere gewaschen und dabei fast nie gemeckert. Zwei mal bist du mit uns umgezogen, oder vielleicht auch drei mal, das kriegen wir nicht mehr so auf die Kette (wenn drei mal, bist du sogar noch älter). Jetzt war also eine Maschine Handtücher, Geschirrtücher und Unterhosen deine letzte. Ich hätte dir gern einen würdevolleren Abschied bereitet, vielleicht Wolle, weil das Waschmittel (das einzige bei uns, das nach was riecht) so gut riecht. Morgen wirst du abgeholt zur Bestattung und du kommst sicher in den Waschmaschinenhimmel, wo das Flusensieb täglich mit lauwarmem Wasser durchspült wird.

Morgen kommt nämlich die eilig bestellte neue Waschmaschine und der Liefermensch nimmt die alte gleich mit und entsorgt sie. Der nimmt auch den Verpackungsmüll von der neuen wieder mit und entsorgt den. Was die 99 Kronen, die letzteres kostet, echt wert ist, weil ich grad gestern erst beim Entsorgungshof war und da 100 Kronen bezahlt habe um unter anderem Styropor und Pappe zu entsorgen. Außerdem hab ich mich auf dem Weg verfahren, ich war da ja bestimmt erst 10 mal und dann waren wir 2 Minuten vor Schluss da und die ganze Aktion war stressig und doof.

Naja, spontan ne neue Waschmaschine bestellen war nicht weniger stressig und doof, ehrlich gesagt. Aber immerhin konnten wir dieses Problem mit Geld bewerfen und es löst sich nun schnell. Den Stress und den kaputten Sonntag hätte ich allerdings nicht gebraucht.

Und wir wissen jetzt, was es inzwischen für Waschmaschinenschnickschnack auf dem Markt gibt. Wifi und weiß nicht was. Unsere neue wird Wäsche waschen und vermutlich knappe 8 Jahre halten, sie hat diverse Programme und ist energiesparend und das… reicht ja irgendwie auch? Als Bonus müssen wir nicht das Sparkonto komplett leeren für eine neue Waschmaschine.

Nächstes Wochenende bitte ruhiger.