Tag 2701 – Homeoffice.

Selbst gewähltes Homeoffice finde ich ja nach wie vor ganz gut. Auch wenn ich manchmal im Büro tatsächlich produktiver bin – aber nur, wenn ich dann nicht den ganzen Tag in Meetings rumhänge. Wenn man da so im Großraumbüro hockt, ist prokrastinieren halt schwieriger. Heute war aber auch so ein guter Homeofficetag, und was im Büro halt nicht geht, ist im Onesie rumhängen. Hier geht das, deshalb ein Hoch auf Homeoffice.

Michel geht es langsam besser, aber die Nacht war wohl wieder furchtbar, berichtete Herr Rabe. Ich habe geschlafen wie ein Stein, aber unsere Matratze, mit der ich übrigens nach wie vor überaus zufrieden bin, ist schon wesentlich bequemer. Jetzt grade höre ich aber auch kein Husten, vielleicht dürfen wir ja einfach zu zweit im Erwachsenenbett schlafen.

Morgen habe ich fachlich-soziales Tralala, den ganzen Tag, das wird… naja. Das wird schon, würd ich sagen, optimistische Frohnatur die ich bin. Immerhin sind es nur die Inspekteur*Innen und die Narkotika-Gang, also nicht so viele Leute auf einem Haufen und die meisten mag ich ja auch echt gern. Dann wird das schon. Bestimmt.

(Die Agenda verrät, dass wir „reflektieren“ sollen, ich kann mir wenig ätzenderes vorstellen, als in einer größeren Runde über das vergangene Jahr zu reflektieren. Aber das wird schon, das wird schon, das wird schon, tralalalala. Im Zweifel irgendeine Musik im Kopf auf Dauerschleife abspielen, funktioniert gut zum Bullshit und Menschen generell ausblenden.)

Tag 2700 – Hust, hust.

Hier wird heute mal nichts eingehustet. Michel hat entweder direkt die nächste fette Erkältung oder einen Rückfall, jedenfalls hat weder er noch ich nennenswert viel geschlafen, weil er wühlte, schniefte und hustete. Die ganze Nacht. Wie Herr Rabe dabei schlafen kann, ist mir ein Rätsel. Zwischendurch war ich nicht nur gefühlt sondern tatsächlich zwei Stunden so richtig wach, unter anderem weil das arme Kind verzweifelt versuchte, Schleim abzuhusten, der aber so fest saß, dass er Angst bekam, kotzen zu müssen. Das gab dann viele Tränen. Danach lag das Kind nicht mehr nur am Fußende, sondern direkt neben mir und drückte seinen brikettwarmen Körper an mich, während er weiter bei jedem zweiten Atemzug hustete. Entsprechend gerädert war zumindest ich heute morgen. Was nicht heißt, dass ich dankbar für den gewonnenen Homeofficetag war, allerdings in erster Linie, weil das eine unvorhergesehene Planänderung war und mit sowas komme ich nicht so gut klar. Flexibel wie ein Brückenpfeiler bin ich. Aber Herr Rabe hat ja recht: meistens bleibt er zu Hause, ich bin ja dauernd eh schon nicht da. Das klingt jetzt als hätte ich ihn nicht heute morgen deshalb angeschrien. Wie gesagt, flexibel wie ein Brückenpfeiler. Sowas ist für mich purer Stress.

Irgendwann hatte ich mich damit aber abgefunden, dann ging es auch, ich hab sogar sinnvoll gearbeitet und zwischendurch das Kind mit Kopfschmerztabletten, Tee und Nudeln versorgt. Michel hing ziemlich durch und… da kommt er gerade hustend angetappst, ich ziehe dann also mal in sein Bett um, damit ich heute Nacht besser schlafen und hoffentlich morgen noch geradeaus laufen kann.

Tag 2699 – Nicht viel zu erzählen.

Heute waren Pippi und ihr Übernachtungsbesuch um sechs Uhr wach. Ich war das nicht, also nicht wirklich, allerdings lag Michel bei uns schniefend im Bett und bevor ich um sechs Uhr morgens alle, inklusive Besuchskind, anschreie, habe ich mich in Michels Bett verkrochen, mit Ohrenstöpseln die Kinder ausgeblendet und noch eine ganze Weile weiter geschlafen. Danach der übliche Sonntagskram, Schweinchen sauber machen, Blumen gießen und so weiter. Dann rief ich meine Mutter an, während Herr Rabe mit Michel ein Lebkuchenhaus bastelte und Pippi inzwischen von allen Nachbarsmädchen gleichzeitig Besuch hatte. Als die weg waren, bastelte Herr Rabe ein weiteres Lebkuchenhaus mit Pippi.

Nachdem ich Pippi (die innerhalb von 30 Sekunden laut schnarchend schlief) ins Bett gebracht hatte, pröddelte ich noch ein bisschen in der Küche herum, brachte Müll raus und so, spielte eine knappe halbe Stunde Geige und ging dann baden.

Sonst war nix.

Tag 2698 – Ohrwurm.

Herr Rabe ist schuld. Ich bin ja anfällig für Ohrwürmer, gestern war es Ungarischer Tanz Nr. 5 von Brahms (das war auch Herr Rabes Schuld), heute den Tag über die Fuge aus Bachs 2. Violinsonate (selbst schuld und außerdem festgestellt, dass die noch außerhalb der Reichweite meines Könnens ist, ich kam so 5 Takte weit und brach mir dann Gehirn und Finger an den Akkorden) und jetzt ist es… Afrika von Toto. Schlimm. Könnte ich vielleicht den ungarischen Tanz noch mal sehen?

Ansonsten heute produktiv herumgepröddelt. Wir haben jetzt sowas wie einen Adventskranz, der Wohnzimmertisch und die Bank sind wieder freigeräumt, ich hab sogar einen weihnachtlichen Dekogegenstand gebastelt und ein bisschen Staub gewischt habe ich auch. Leider müssen wir wohl doch noch mal eine andere Putzhilfe suchen, die, die wir seit dem Sommer haben, ist echt nicht gut und dafür dann echt zu teuer. Wir haben die ja, damit wir nicht selbst „das Gründliche“ machen müssen, mal mit runden Ecken durchsaugen oder durchs Waschbecken wischen (ohne Putzmittel) können wir selbst und machen wir ja auch zwischendurch. Übrigens ist es fürs Gewissen echt gut, dass die Putzhilfe männlich ist und ein Unternehmen hat, wenigstens sind wir nicht mit der Leistung einer unterprivilegierten Person, die wir ausbeuten, unzufrieden, sondern mit einem (soweit wir wissen) legal operierenden Dienstleister und Geschäftspartner.

Whatever. Döö dö dö, dö dö dö dööööö Ti di di, di di di, di di, di di di, di di di, di di…

Tag 2697 – Besser?

Heute halbwegs produktiv ein paar Dinge getan. Ging endlich wieder. Haushaltsbuch-App ist jetzt von meiner Seite up to date, in meinem Kleiderschrank ist nicht mehr Sommer, diverse Rechnungen sind bezahlt, es ist halbwegs aufgeräumt, Wäsche ist gewaschen und verräumt, Krankmeldung ist eingereicht. Außerdem war ich mit Michel bei einem Termin, wo Michel sehr er selbst war. Sogar was vernünftiges zu Mittag gegessen habe ich. Michel auch, der hat sich Sushi gekauft, mir dann erklärt, dass Nigiri sein liebstes Sushi sei und mir danach Löcher in den Bauch gefragt, wie man Sojasauce macht, was ich theoretisch wissen müsste, praktisch habe ich aber nur eine vage Ahnung. Michel ist ja ein Kind, das sich keinen Quark erzählen lässt, aber gleichzeitig ist er auch ein Kind, das ein „das weiß ich nicht so genau, das muss ich selbst nachgucken“ ganz gut akzeptieren kann. Und inzwischen guckt er dann halt selbst nach. Erwarte also in den nächsten Tagen einen umfassenden Vortrag über Sojasauce.

Jetzt bin ich abgeschweift. Eigentlich wollte ich sagen, dass ich mich ein bisschen besser fühle. Nicht superduper alles spitze gleich wieder 70 Stunden arbeiten, aber ich kann wieder klarer denken und kriege keine Stresssymptome mehr davon, an meine berufliche, kilometerlange To-Do-Liste und all die überschrittenen Fristen zu all den Punkten darauf zu denken. Heute Abend gab es ein alkoholfreies Weihnachtsbier (das mag ich sehr gern, das ist wie Malzbier nur viel weniger süß und schwer) und deshalb hoffentlich morgen auch kein böses Erwachen. Noch zwei Wochen und zwei Tage Arbeit, dann ist Weihnachtsurlaub für mich. Vielleicht kürze ich das auch noch auf zwei Wochen zusammen. Mal sehen.

Jetzt mache ich mal das Licht aus. Herr Rabe schläft schon und grad hat er im Schlaf (!) „Hey, Siri!“ gesagt, wahrscheinlich wollte er das Licht (meine Nachttischlampe) ausmachen. Oder Sojasauce googeln.

Tag 2696 – Das erzähle ich später mal.

Wir hatten Elterngespräch für und mit Michel und naja, also das war erhellend, auf eine Art. Herr Rabe hat dann heute Abend auch endlich die vier Fragebögen ausgefüllt, die wir morgen abgeben sollen. Ich habe ihn nicht fluchen hören, also wird er sich wohl nicht so sehr über einzelne Fragen aufgeregt haben, wie ich gestern („Hat das Kind mindestens einen oder zwei gute Freunde?“ – was denn nun, mindestens einen oder mindestens zwei???). Aber all das werde ich vielleicht irgendwann mal erzählen, wenn wir „fertig“ mit dem Kram sind. Also vielleicht Weihnachten oder nächstes Jahr, wer weiß. Außerdem muss ich Michel erst fragen, ob er das im Zweifel überhaupt ok fände.

Ansonsten war nicht viel. Ich habe mir die Haare schneiden lassen, sie sind jetzt wieder kurz. Hier im Ort hat eine neue Friseurin aufgemacht, die sogar etwas billiger ist als die 15-Minuten-Kette, aber ich wollte um jeden Preis vermeiden, mehr als „an den Seiten und im Nacken runter auf 9 mm und oben halt irgendwie wieder ne Form“ reden zu müssen. Da war selbst Termin abmachen schon eine zu große Hürde. Und für „richtige“ Salons bin ich zu geizig geworden. Das heute hat 10 Minuten gedauert. Es ist ein unkomplizierter Herrenschnitt. Da gebe ich keine 70€ für aus. Punkt.

Tag 2695 – Im Bett.

1. Tag frei, ich habe so in den Tag gelebt und das war ganz schön so. Ganz abschalten konnte ich nicht, im IT-Projekt musste ich zumindest verhindern, dass meiner armen Kollegin die Schuld für das nicht erfolgte Testen (aufgrund mangelnder Testdaten) in die Schuhe geschoben wird. Es ist alles so ein Rotz, ey.

Apropos Rotz: die Familie hat mich angesteckt. Habe Halsschmerzen und fühle mich seit dem Abend auch, als bekäme ich Fieber. Spitze.

Tag 2694 – I made it!

Inspektion überstanden und danach noch meine Kollegin durch das Erstellen einer Beschlussankündigung (Behördendinge) gecoacht. Jetzt kann ich guten Gewissens drei Tage nicht arbeiten.

Das IT-Projekt läuft auch super, wie ich erfuhr. Letzte Woche wurde uns gesagt, wir sollten diese Woche testen, Dienstag bis Donnerstag, total dringend, Bug fixes usw. Von 4 Inspekteur*Innen kann nur eine und auch nur heute und morgen. Heute war das Testsystem aber noch gar nicht fertig und es lagen auch keine Daten darin, auf denen wir hätten testen können. Spitzenmäßige Planung, Hut ab, 10 von 10 Punkten.

Auch das ist mir jetzt aber drei Tage lang egal.

Was sonst noch war: ich war beim Ballett und wenn man da nur alle Jubeljahre hin geht, ist das mörderisch anstrengend. Wenn der Kopf auch so voll ist, reicht die Konzentration auch nicht für ne ganze Stunde und man fällt am Ende fast über seine eigenen Füße. Außerdem habe ich den nur noch leicht verrotzten Michel schon mal darauf vorbereitet, dass wir es morgen mit Schule wenigstens probieren. Es bleibt spannend, weil natürlich im Onesie auf dem Sofa abhängen mehr Spaß macht. Pippi war heute wieder in der Schule, aber die ist ja eh immer sehr happy, wenn sie unter Leute darf. Michel eher nicht so. Die Kinder könnten echt unterschiedlicher nicht sein.

Tag 2693 – Rotz.

Die Reisenden sind allesamt total verrotzt. Herr Rabe hat letzte Nacht sogar geschnarcht, was er sonst eigentlich nicht tut und ich hab ab etwa halb drei deshalb mit Ohrenstöpseln geschlafen. Heute waren dann beide Kinder zu Hause statt in der Schule, während ich irgendwie sowas wie Arbeit simuliert habe (wie sehr ich Documents Core Pack hasse. Falls Sie das mal in der Hand haben, ob sie das einführen wollen oder nicht: rennen Sie schnell und weit, es ist der Teufel. Vielleicht haben Sie aber auch Geduld wie Buddha oder einen Fetisch für ständig abstürzendes Word, dann ist das genau das Richtige für Sie). Jetzt ist ein hustendes Kind in unserem Bett, aber ich habe ja Ohrenstöpsel und muss ja nur noch morgen überleben, danach ist den Rest der Woche alles egal. Eigentlich ist es mir das schon jetzt, auf gewisse Weise, zumindest das IT-Projekt kann mich mal kreuzweise.

Bevor Sie fragen: ich benutze die Lufthansa-Ohrenstöpsel aus dem Flugzeug, die sind mega. Nur kommt man da echt schlecht dran.

Tag 2692 – Lieblingsmenschen.

Die Familie ist wieder da! Pippi hat mich soooooo doll vermisst, es war herzerwärmend für etwa drei Sekunden, dann ging sie ihre Freundinnen besuchen. Michel hatte Laune, als sie hier ankamen, was einer Mischung aus Hunger und nerviger kleiner Schwester geschuldet war. Herr Rabe ist, wie ich, unterkuschelt. Jetzt sind alle im Bett und zufrieden auf ihre Arten und Weisen und das ist ja schon ganz schön so.

Gestern habe ich was über mich gelernt: ich will zwar absolut nicht betuddelt werden, wenn ich krank bin, aber alleine krank sein ist auch total scheiße und gruselig. Wie so ein Meerschwein, das so tut, als wär alles super, damit die Herde es bloß nicht allein lässt. Ich will offenbar nicht allein in einer Höhle verenden. Ich will umgeben von Leuten sein, die mein Siechtum aber ignorieren sollen. Und dann will ich ignoriert verenden.