Bin viel zu müde zum Schreiben. Apropos: die Kinder können buchstäblich um jeden Sch… streiten. Heute stritten sie darum, wer wohl müder sei. Natürlich waren beide am müdesten.
Paradoxe Intervention-Update: wir machen jetzt keine „Massen-“Tests mehr. Die Anführungszeichen, weil ich fünf mal in 17 Tagen bei Schulkindern nicht sonderlich massig finde. Jedenfalls fallen jetzt auch diese wenigen Tests weg, weil wir nicht genug Tests haben. Man soll nur noch bei Symptomen testen.
In zwei Wochen posaunen sie dann rum, dass die Infektionszahlen zurück gehen, um was wetten wir.
Heute im Büro lief es im Prinzip gut, nur förderte das, was wir taten – im IT-Projekt herumtesten – einige Seltsamkeiten zutage. Darum muss ich mich morgen kümmern, einiges lässt sich vermutlich aufklären, einiges ist halt einfach falsch, und einiges ist im System komisch, unpraktisch, schlecht zu finden, redundant und so weiter. Außerdem haben wir alle zwar brav mit verschiedenen Leveln an Rechten getestet, aber in egal welchem Level haben wir zu viele Rechte, was dann halt, weil ich mit irre lustigen Menschen zusammenarbeite, dazu führt, dass wir in der Testumgebung jetzt die Inspekteure Mickey Mouse und Donald Duck haben, die als „Inspekteurrolle“ (in der Realität sowas schnarchiges wie „Revisor GMP“) „DasHierDarfIchGarNichtAnlegen“ haben. Ich habe mal ausprobiert, was ich als „normaler“ Inspektionsadmin denn so alles löschen darf (in der Theorie nichts) und das Ergebnis war persönlich berauschend (ALLES kann ich! Hurrrhurrrhurrr so viel Macht!) aber leider nicht so, wie wir es in der Rechtematrize definiert hatten. Aber dafür testet man ja, um sowas zu finden, BEVOR man es tatsächlich umsetzt und so welche wie ich aus purer Neugierde mal gucken, was passiert, wenn man auf das Papierkorbsymbol klickt.
Jedenfalls kommt morgen der langweiligere Teil des Testens, nämlich das Erstellen diverser „Defects“, die passender Weise einen Käfer als Symbol haben. Heute war recht lustig eigentlich, aber morgen… hmm. Mal gucken wie das wird.
Derweil sind echt viele krank, arbeiten in Isolation nach positivem Test oder mit kranken Kindern zu Hause, oder arbeiten halt gar nicht, weil auch mancher „milde“ Verlauf ganz schön heftig sein kann. Wir schreiben weiter täglich Infektionsrekorde und sind inzwischen norwegenweit bei einer 7-Tages-Inzidenz von über 2000, aber das Gesundheitssystem ist noch alive and kicking also machen wir vermutlich nächste Woche weiter auf. Ist schon angekündigt.
Schlagzeilen bei NRK heute.
Was da steht: „Gesundheitsministerin: Große Erleichterungen in Norwegen nächste Woche
Dänemark hebt zum 1. Februar alle Restriktionen auf – Das ist der Übergang in eine neue Zeit
In einer Parallelwelt macht es bestimmt Sinn, bei eh schon hohen und steil ansteigenden Infektionszahlen weiter aufzumachen. In der Parallelwelt der Politik scheint das so zu sein. Jetzt fällt hier sogar die Quarantänepflicht für Haushaltsangehörige von akut an Corona erkrankten. Man kann sich jetzt täglich aufs Neue freitesten. Mit Schnelltests. Aber die werden ja nicht kontrolliert, geschweige denn irgendwo offiziell durchgeführt, nee, die kauft man irgendwo, macht sie irgendwie zu Hause (aber nicht von der Beschreibung abweichen, nicht dass man noch was findet, wenn man im Hals statt in der Nase abstreicht!) und dann schwört man hoch und heilig, dass man das getan hat und das Ergebnis negativ war, bevor man zur Arbeit, zum Sport oder auf ein Konzert mit 1200 Besuchenden* gegangen ist – alles ohne Masken, die brauchen wir ja nicht hier, schon mal gar keine FFP2 Masken, die sind nämlich laut FHI weniger dicht als OP-Masken**. Man kann aber auch Stoff tragen, oder halt den Meter Abstand halten, reicht auch, pisst einem auch keiner an den Karren für.
Yolo und wenn wir so weitermachen auch gar nicht mehr so lange.
Ehrlich, es fühlt sich so an, als wäre die Regierung Coronaratlos und würde jetzt paradoxe Intervention mit dem Virus machen. Sie wissen schon, dieses Erziehungsmittel, bei dem man irgendwas für das Kind völlig unerwartetes tut, damit es aus seinem festgefahrenen Modus herauskommt, wie zum Beispiel sich selbst auf den Boden schmeißen und ganz laut schreien und auf den Boden trommeln. Wird auch in der Psychotherapie eingesetzt. Aber, liebe Politik: ein Virus DENKT NICHT. Das hat keine Erwartungshaltung und kann deshalb auch nicht überrascht werden. Ein Virus, dem erlaubt wird, sich explosionsartig zu vermehren, wird dies tun. Das Virus, das ja nicht denken kann, wird wohl auch kaum nach einer Woche ungebremsten Wachstums feststellen, dass das ganze Angestecke voll anstrengend und ja auch echt doof für die angesteckten Menschen ist und es dann lassen. Nur so als Tipp.
Noch ein Tipp, den abzugeben ich im Gegensatz zu dem oben sogar fachlich überaus qualifiziert bin: je mehr Vermehrung, desto mehr Fehler (=Mutationen) passieren, und desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass Varianten entstehen, die einen evolutionären Vorteil gegenüber anderen Varianten haben. Zum Beispiel einen noch stärkeren immune escape, noch höhere Infektiösität, längere Zeiträume, in denen man nichts bless ahnend durch die Gegend spaziert und schon stark ansteckend ist, längere Haltbarkeit in trockener Luft, stärkerer Widerstand gegen Wasser und Seife, verminderte Detektierbarkeit durch Schnelltests, you name it. Es ist ganz einfach: die Wahrscheinlichkeit für die Entwicklung von irgendwas fiesem durch das Zulassen einer riesigen Anzahl an Möglichkeiten dafür nach oben zu treiben, ist unnötig und, pardon my French, hirnrissig.
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*On-site Inspektionen mit so 5-10 Teilnehmenden dürfen wir aber nicht machen, noch mindestens bis Ende März. Da wir uns gerne im Büro aneinander anstecken können, ohne dass irgendwas gemacht wird, um das zu verhindern, gehe ich leider davon aus, dass unsere Gesundheit bei dieser Entscheidung nicht die entscheidende Rolle gespielt hat.
**fragen Sie einfach nicht. Nicht wundern, nicht fragen, nicht schreien ist mein Mantra.
Es ist ja hier öfter mal Gemecker (besser: Unverständnis) über das norwegische Pandemiemanagement. Vieles daran ist ja auch wirklich überaus seltsam, wie der immer noch verbreitete Glaube, dass in Norwegen die Aerosole nach einem Meter magisch zu Boden plumpsen*. Jetzt will das FHI auch noch ein wenig** Geld verbrennen, um die brennende Frage zu klären, ob Brillen (also normale Sehhilfen, keine Taucherbrillen oder so) vor Corona schützen. All das ist maximal wunderlich. Aber wer meckert, muss auch sagen, wenn mal was überraschend positiv läuft. Norwegen wird wohl, irgendwann demnächst, doch ermöglichen, dass Eltern selbst wählen können, ob ihre 5-11-Jährigen Kinder die für sie zugelassene Covid-Impfung bekommen! Das ist wirklich überraschend für mich, weil das Mantra ja weiterhin ist, dass Kinder nicht schwer erkranken (für die allermeisten Kinder gilt das ja auch) und die Impfung daher nicht nötig sei. Ich finde gut, dass Eltern das jetzt selbst abwägen dürfen, wie sie das Risiko einer Erkrankung gegenüber dem Risiko der Impfung einschätzen. (Implizit steckt in dem Beschluss des zuständigen Fachetats [nicht mein Arbeitgeber!] auch die Einschätzung, dass die Impfung für Kinder noch weniger Risiken hat, als die Erkrankung, das ist ja auch beruhigend.)
Garniert wird der Beschluss aber mit durch die Decke schießenden Infektionszahlen, täglich neuen Rekorden, 7-Tages-Inzidenz norwegenweit über 1000 und allseits happy Omicron. Hoffentlich geht das gut.
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*Die Vermutung liegt nahe, dass das entweder mit Nordlichtern oder Elchen zu tun hat. Irgendwie. Gleich mal erforschen, der norwegische Steuerzahler bezahlt sicher gerne.
**was kostet wohl eine Studie mit 22.000 Teilnehmenden? Die kriegen da zwar sicher nichts für (vielleicht nen Kaffee zum Onboarding-Meeting), aber die muss ja jemand nachverfolgen und immer wieder Informationen einholen. Kann man bestimmt auch per App machen, aber dann muss eben jemand die App entwickeln. Und so weiter und so fort, aber Norwegen hat’s ja. Irgendwo muss das Geld aus dem Öl ja hin, bevor‘s schlecht wird.
Ich hatte es schon vermutet, dass es so kommen würde und beschlossen ist ja noch nichts (das passiert morgen), aber es sieht ganz danach aus, als würde Norwegen die Strategie „einmal kurz richtig scheiße“ statt „noch monatelang mittel scheiße“ wählen. Aber fangen wir von vorne an. Irgendwann zwischen den Jahren (oder war es noch vor Weihnachten?) kam eine Simulation vom FHI raus, die sinngemäß besagte, dass wir, abhängig von der Wirkung von Impfstoffen gegen Omicron, dessen Verdopplungszeit, und der Wirksamkeit nicht-medizinischer Interventionen im schlimmsten Fall eine furchtbare Winterwelle bekämen, die ca. jetzt über das Land schwappen würde. Am Ende der Welle wären ca. 3 Millionen Menschen in Norwegen infiziert worden. Im besten Fall würde die Welle flacher, aber auch wesentlich breiter. Erreichen würde man das hauptsächlich durch sehr harte Maßnahmen bis Mai. Die Krux, die ich da schon kommen sah: die Fläche unter der Kurve war sehr ähnlich. In Summe würden nahezu gleich viele Menschen erkranken, schwer erkranken und sterben. Ich ging da schon davon aus, dass man zeigen müsse, dass die „kurz richtig scheiße“-Strategie die Gesundheitssysteme in die Knie zwingen würde, um die Maßnahmen noch rechtfertigen zu können. Das scheint* mit Omicron in einer gut durchgeimpften** Bevölkerung aber nicht so zu sein. Heute kam dann folgendes vom FHI:
„Der Umgang mit der Winterwelle handelt deshalb von einer Balance von zwei Faktoren: 1) Man lässt die Infektion sich ausbreiten, sodass Maßnahmen vermieden werden und sich viele mit geringem Risiko jetzt infizieren (statt später) und dadurch eine höhere Robustheit gegen schwere Erkrankung bekommen. 2) Man bremst die Welle – mit möglichst wenig eingreifenden Maßnahmen – sodass die gleichzeitige Krankheitslast und die Belastung des Gesundheitswesens und der Gesellschaft nicht zu groß wird.“
Das FHI geht davon aus, dass Omicron für doppelt- oder dreifach geimpfte im Grunde kein Problem darstellt. Ebenso für Kinder. Ich habe den ganzen Report gelesen. Es scheint durch, dass sie der Regierung empfehlen, eine hohe – gemessen an bisherigen Wellen absurd hohe – Transmission zuzulassen, damit viele, die bereits geimpft sind, sowie viele Kinder (das schreiben sie so nicht, aber ist ja so), also insgesamt viele Leute mit geringem Risiko durch Omicron, sich lieber jetzt als später infizieren. Natürlicher Booster. Natürliche Immunität. Man müsse die Welle so flach halten, dass die Gesundheitssysteme grade noch funktionieren, ansonsten könne man gegen Corona insgesamt und gegen Omicron speziell sowieso wenig mehr tun, wenn man alle*** geimpft hat.
Obwohl ich das geahnt hatte, muss ich mich jetzt erst mal darauf einstellen.
Ich muss auch noch verdauen, dass dort schwarz auf weiß steht, dass man fortan jährlich Coronatote unter Alten und in Risikogruppen haben wird. Das war zwar auch schon lange klar, aber es jetzt vom FHI niedergeschrieben zu sehen, macht trotzdem was.
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P.S. Ich möchte die Sinnhaftigkeit dieses Verfahrens überhaupt nicht diskutieren, das ist vergeudete Lebenszeit, es sei denn, Sie sind die Gesundheitsministerin oder der Staatsminister Norwegens. Ich wollte es nur wiedergeben.
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* FHI erkennt an, dass es da große Unsicherheiten gibt
** Insgesamt nahezu wie in Deutschland (73,2% mindestens doppelt geimpft, 79,7% mindestens eine Dosis), allerdings gleichmäßiger: über 55 sind ca. 95% der Bevölkerung voll geimpft. 16-54 sind es dann so ca. 85%, zum großen Teil noch nicht geboostert, weil die Altersgruppe erst im August und September ihre zweite Dosis bekommen hat und einfach noch nicht dran ist. 12-16 bekommt regulär nur eine Dosis, die aber auch 80% angenommen haben. Bei denen unter 12 ist dafür nahezu niemand geimpft. Wer erkrankt war, bekam bis vor ganz kurzer Zeit auch nur eine Dosis, was vielleicht einige der nur einfach geimpften unter 45 erklären kann.
Quelle: vg.no
*** nur eben keine Kinder
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P.P.S. Und Ungeimpfte untern Bus. Auch das muss ich noch verdauen.
Wir haben eine neue App. Ich möchte noch ein paar Tage Erfahrungen sammeln, dann erzähle ich mehr dazu, aber es wirkt erst mal vielversprechend. In diesem Zusammenhang habe ich auch zum ersten Mal überhaupt einem App-Entwickler geschrieben. Wer weiß, vielleicht kriege ich ja eine Antwort, die auch für Sie erhellend ist.
Was mich zum nächsten Thema bringt. Facebook. Ich muss auch Facebook meiden, denn ich kann mich nicht abgrenzen von all dem, was ich da aufgrund meiner deutschen Blase lese. Ich lese sinngemäß, wer sich nicht boostert, will Risikogruppen töten (und verdient dementsprechend auch keine Teilhabe an irgendwas) und wer seine Kinder (5-11 Jahre) nicht impfen lässt, liebt diese nicht („will sie nicht behalten“). Eltern lassen ihre Kinder nicht mit ungeimpften Kindern spielen. Und ich weiß, dass das eben die deutsche Sicht ist und ich weiß, wir hier sind nicht gemeint, ich lese das aber trotzdem und schaffe es eben nicht, mich emotional dagegen abzugrenzen. Denn wir sind nicht geboostert (ich habe es versucht, heute, aber da ich nicht lügen kann, bin ich frühestens in fünf Wochen – eigentlich in Norwegen gar nicht – dran, weil ich ja Corona hatte) und die Kinder sind nicht geimpft. Wir sind *die*. Mit den schmutzigen Kindern, quasi mit einem Fuß Impfgegner.
Also auch kein Facebook mehr für mich.
(Bevor Sie einen „Da kann man sicher was machen!“-Reflex bekommen: nein. In Norwegen nicht. Dafür ins Ausland reisen, mehrmals, weil ja auch die Kinder dann drei Dosen brauchen, und sich dort eine von einem anderen Staat bezahlte Impfung geben lassen, die ich hier eventuell gar nicht registriert bekomme, kommt nicht in die Tüte, so wichtig finde ich die Impfung dann tatsächlich nicht. Äh, wollte sagen, meine Kinder sind mir egal, eigentlich kann ich sie auch gleich im Wald bei den Bären aussetzen und sich selbst überlassen.)
Und die Moral von der Geschicht: Pandemie und soziale Medien vertragen sich nicht.
Der Vollständigkeit halber heute gut: Geige gespielt, Spaziergang gemacht, von beiden Kindern Hausaufgaben angehört (red riding hood und das abc. Abcdefghijk-ellomello-p.). Bei der Arbeit niemanden fern-erwürgt. Abends endlich ein Paket aus der „Instabox“, einer Art Packstation, abgeholt. Zum Glück hopste kein Tier vor‘s Auto, bei dem Nebel hätte ich es vermutlich erst gesehen, wenn es im nicht vorhandenen Kühlergrill gehangen hätte.
Unscharf, weil die Kamera auf nichts fokussieren konnte. Ein Wetter, das den Einsatz von Nebelscheinwerfern und -Schlussleuchte rechtfertigt. (Für das Bild habe ich angehalten.)
Für die interne Referenz: man konnte von der Ecke Nesvegen-Gruemyra unser Haus nicht sehen, obwohl in der Küche das Licht und am Carport die Lichterkette an war. Man konnte überhaupt nicht sehen, dass da Häuser stehen.
Eine Woche Arbeit geschafft. Sind bald Sommerferien?
Spaß beiseite: das war eine zähe Woche. Aber ich möchte mich ja auf das Positive konzentrieren, nicht wahr? E
s ist schön, die Kolleginnen und Kollegen wieder zu sehen, selbst wenn es nur online ist. Die meisten mag ich ja sehr. Es ist zwar seltsam, aber auch irgendwie schön, den Ausstand eines Kollegen über Teams zu feiern. Er war in der Pandemie eingestellt worden und dementsprechend passte das auch irgendwie wieder, dass auch der Ausstand digital war.
Trotz allem und weil es dringend nötig war, habe ich heute früh Feierabend gemacht (gut!) und statt in noch mehr Arbeit lieber eine Stunde in die Geige gesteckt (gut!). Ich übe grad ein Stück, das total Spaß macht und sich gut anhört und sich inzwischen auch in meinen Ohren von mir gespielt echt ok anhört. Hach. (Gut!)
Nach dem Üben, Abendessen und Pippi ins Bett bringen, ging ich noch zwanzig Minuten flott durch den Schnee stapfen (gut!). Es hat sehr viel geschneit und soll noch weiter schneien. Hach! Morgen und übermorgen müssen wir coole Schnee-Dinge tun, glaube ich.
Am Abend erst an einem Online-Escape-room und dann seit langem mal wieder an der Twitterkneipe teilgenommen. Beides war sehr schön, nach so einer Woche eigentlich genau das richtige, nette (teils neue) Leute erstmal mit einem Bildschirm zwischen sich zu treffen.
Langsam wäre ich aber für eine ganz langsame Gewöhnung an 3D-Menschen in physischen Büros zu haben. Nur ein bisschen.
In Deutschland (in Bielefeld jedenfalls) ist es sehr dunkel. Warum ist das so? Ist das bloß der fehlende Schnee? Gefühlt sind die Straßenlaternen wesentlich weiter auseinander und sie leuchten nicht optimal, zwischen den Laternen sind stockdustere Gruselstellen und schon auf der anderen Straßenseite ist es so dunkel, dass man keine Chance hat, den Hundehaufen auf dem Gehweg zu sehen. Hat das Gründe? Sind wir in Norwegen so reich, dass wir uns leisten können, Wohngebiete nachts zu beleuchten?
Außerdem ist Bielefeld zu klein für unser Auto.
Nicht neu: gemessen an Norwegen unfassbar wenige Elektroautos. Leute. So wird das nix mit dem Ausstieg aus den fossilen Energien. (Jaja, die Ladeinfrastruktur, der dreckige Strom, blablabla.)
Total seltsam: in der Innenstadt ist überall mit sehr viel Salz gestreut. Also wirklich so viel, dass es unter den Schuhen knirscht. Es sind Plusgrade. Meine armen Schuhe, die armen Tiere, die darin herumlaufen müssen, die armen Unterböden und der arme Lack von Autos, der arme Boden.
Überall ist 2G oder 2G+, das wird mehr oder weniger streng kontrolliert, bisher aber bis auf 1 Begegnung wirklich gründlich. Es tragen auch alle Masken, und während man da in Norwegen noch viele Pimmelnasen sieht (diese Maskenpflicht ist ja noch neu für uns und wird auch nicht kontrolliert) , sind die hier eher eine Randerscheinung. Meiner Meinung nach lassen Leute in Deutschland im Dezember 2021 ihre Nase auch nicht mehr aus Unwissenheit herausbaumeln, sondern machen das mit voller Absicht. ABER. Ich hätte nie gedacht, dass ich das mal sage: ich wünsche mir den norwegischen Meter. Alle scheinen sich so auf Masken und Impfungen zu verlassen, dass ÜBERHAUPT GAR KEINE Abstände mehr gehalten werden. Mir war gar nicht klar, dass der gemeine Westfale einer so auf die Pelle rücken kann, aber ich musste mich heute mehrmals sehr beherrschen, nicht Leute mit „Halten Sie bitte Abstand!!!“ anzuranzen. Es ist, als wäre ich im anderen Extrem gelandet. Während in Norwegen alle meinen, wenn man den Meter einhält, ist alles gut, meinen hier alle, wenn man geimpft ist und ne Maske trägt (also bis man die nicht mehr trägt, weil man isst, trinkt, raucht oder sich die Nase putzt), ist alles gut. Ein Mittelding wäre nett, denke ich.
Btw., man mag es Ausdenkerei nennen, aber es ist echt so passiert: wir waren heute auf dem Weihnachtsmarkt und Michel sagte sofort: das hier ist ein Corona-Risiko.
Michel spazierte heute schwer beeindruckt am Aufschnittregal im (völlig durchschnittlichen) Supermarkt vorbei. So viel Auswahl! Daran gemessen leben wir echt in der Planwirtschaft, aber da gewöhnt man sich dran, jedenfalls bin ich von der Auswahl einfach total überfordert. Ich mag inzwischen die Eintönigkeit des norwegischen Angebots sehr. Man weiß, wenn man einen Supermarkt einer Kette betritt, welches Sortiment die haben. Mit etwas Erfahrung kann man anhand der Größe auch abschätzen, was sie „außerhalb des Standards“ wohl noch haben.
Michel mag sehr gerne Käsebrötchen. Also diese überbackenen Dinger, nicht ein mit Käse belegtes Brötchen. Es ist aber schon ein bisschen lustig, wenn man mit einem doch schon ziemlich großen Kind beim Bäcker steht und erklären muss, was ein Käsebrötchen ist.
Michel trägt seine (wie immer hier) aufblühende Allergie mit Fassung. Wie ebenfalls immer verfolgen wir da einen pragmatischen Ansatz und das ist nun die eine Woche in anderthalb Jahren, in der er gut schläft, weil er Cetirizin bekommt. Er hat außerdem etwas wichtiges gelernt seit dem letzten Bielefeld-Urlaub: Augen reiben macht es nur schlimmer. Also lässt er es. Ja, tatsächlich, er hat es oft genug gesagt bekommen und selbst verifiziert dass wir recht haben und das reicht, um den Impuls, die juckenden Augen zu reiben, unterdrücken zu können. Dieses Kind ist faszinierend.
Ich habe Nackenschmerzen von der Schädelbasis bis zu den Schultern und kann mich kaum rühren. Keine Ahnung, woran das jetzt schon wieder liegt, verlegen, zu wenig bewegt, Handynacken… jedenfalls nicht am Schreibtischstuhl, auf dem habe ich seit einer Woche nicht gesessen. Ich trage das mit etwas weniger Fassung und versuche, mit warmem Duschen und Ibuprofen dagegen anzukommen, aber unbedarfte Bewegungen führen trotzdem zu wärmepflasterwerbungswürdigen Gesichtsausdrücken und Schmerzgeräuschen.
Ansonsten heute: sehr gut gegessen, sehr gewundert über das mit der Risikogruppe bis zum Rand gefüllte Restaurant. Ungetestet, weil 2G. „Man“ fühlt sich so sicher, ich denke nach dem Osloer Julebord: hoffentlich geht das gut. Mit Michel sein Magitrax aufgebaut, eine Art fancy Murmelbahn für größere Kinder, die man immer wieder anders zusammenpuzzeln kann. Ich will jetzt auch ganz viel Magitrax und den 48-Stunden-Tag. Außerdem hab ich ein echt schlaues Kind, das sich, nachdem es das System kapiert hat, sehr schnell gute Lösungen für auftauchende Probleme (zum Beispiel unterwegs verhungernde Kugeln) ausdenken kann. Wie gesagt, dieses Kind ist faszinierend. Wissenshungrig, logisch denkend, schnelle Auffassungsgabe und wenn er will, auch große Selbstdisziplin. Aber wehe, er kann etwas Neues nicht sofort, ohne lernen und ohne üben.
(Ich habe ein dumpfes Gefühl, dass ich auch so war. Minus das Wüten. Ich hab, glaube ich, nur in mir selbst gewütet und mich selbst runtergemacht. Ist das besser? Nein. Nur weniger auffällig. Weniger nervig für die Umwelt.)
Diese Fährüberfahrt haben wir ja schon vor Monaten gebucht. Ich weiß nicht mehr, was da mit uns los war, spontane Spendierlaune oder so, aber wir haben statt der üblichen Minikabine eine etwas größere mit Doppelbett und Schrank gebucht. In der ist eine mit Snacks (Nüssen, Schoko) und Softdrinks gefüllte Minibar enthalten, und, für so Leute wie uns wesentlich wichtiger, WLAN. Wir haben also zum ersten Mal die ganze Überfahrt über Netz und deshalb kann ich auch jetzt noch schreiben.
Die Fahrt bisher war relativ unspektakulär. Wir kamen nahezu pünktlich los und super durch, waren also schon vor 12 am Boot Schiff. Aufgeregte Kinder waren natürlich aufgeregt. Aufgeregte Erwachsene (ich) waren auch aufgeregt, aber Herr Rabe managte alles, sodass ich mich überaus wichtigen Übersprungshandlungen widmen konnte, wie noch schnell das Spülmaschinensieb sauber zu machen.
Auf dem Boot Schiff ist es super leer. Ich glaube nicht, dass sich diese Fahrt für Color Line lohnt. Für uns ist das natürlich schön, es gibt kaum Wartezeiten auf irgendwas, Abstand halten ist überhaupt kein Problem, das Personal ist überaus zuvorkommend. (Letzteres ist eigentlich immer so, aber jetzt fällt es noch mal extra auf, weil die alle sehr entspannt scheinen. Ist ja auch kaum was los, da kann man dem einzelnen Gast mehr Zeit widmen.)
Alles in allem fühlt sich das sehr luxuriös an und ich sag es mal so – ich brauche diese Kinder-Unterhaltungsshow gar nicht so dringend. Oder die Erwachsenenshows. Oder Shows generell. Oder viele Menschen auf einem Haufen. So ist schon ok.
(Es ist dann auch viel einfacher, Michel Ängste zu nehmen, weil WENN das Boot Schiff sinken würde, könnten wir vermutlich ein Rettungsboot pro Person haben.)