Wir sind wieder in Trondheim. Es ist sehr kalt. Außerdem sind wir alle ziemlich müde (wovon bloß?) und statt noch tausend Tonnen Kram zu packen für den morgen beginnenden Trip gen Bergen, und auch statt jetzt noch umfangreich zu bloggen, geht’s ohne Umweg ins Bett. Hier noch ein Impressiönchen aus dem Flugzeug. Beide Kinder waren da eingeschlafen und ich versuchte Go-Go-Gadgetto-Arm mäßig, beide mit aufs Foto zu kriegen. Klappte so… naja. Aber mehr gaben meine Arme einfach nicht her. 
Müde
Tag 695.2 – Was ich eigentlich sagen wollte.
Es wird alles. Bestimmt wird es das. Ich kann das Ende schon sehen, zwar noch nicht greifen, aber immerhin.
Nebenher mache ich übrigens noch ein Experiment. Es muss ja noch ein drittes Paper her, ne? Alternativ müsste ich ein Review schreiben, aber, hui, das ist viel Arbeit und muss zumindest eingereicht sein, um als Bestandteil der Diss anerkannt zu werden. Also da nur irgendwas hinklatschen geht auch nicht. Lieber Minipaper aus jetzt hastig zusammengekochten Versuchen bauen. Mithilfe der nicht mehr traurigen Masterstudentin, die aber auch „nur“ nachmittags und am Wochenende kann.
Und dann kommt der Mann um die Ecke und plötzlich macht man halbe Zukunftspläne. Aber wenn ich da jetzt auch noch zu viel drüber nachdenke, platzt demnächst mein Kopf* und die ganze Gedankensuppe klebt dann an den Wänden. Unschön stelle ich mir das vor.
Also denke ich da einfach *nicht* weiter drüber nach, stecke meine Finger in die Ohren und singe schubidu. Und schreibe Zeug über N1-methyladenine in mRNA, das geht schnell, da gibt es nämlich bisher nur eine Veröffentlichung zu. Und dann Schlaf.
*zusätzlich dazu, dass ich mir vermutlich grad mein halbes Genom wegen Stress kaputtmethyliere. R. Rabe, 32, Epigenetophobikerin
Tag 690 – Schnarch.
Ich bin so müde, ich kann einfach nicht weiter arbeiten. Und auch hier schreiben mag ich jetzt nicht mehr.
Falls Sie aber zu der Sorte gehören, die mit solchen Informationen gut umgehen können: ich habe vor, äh, über drei Jahren (das Datum im Titel stimmt nicht ;) ) mal was* (*totales Understatement) geschrieben über Krebs und späte Metastasen. Bat biwähr: itz in Inglisch.
Und hier ist der Link, ich hoffe es funktioniert.
Tag 689 – 13.
Ich wär grad echt so gern interessanter, aber ich schreibe von mittags* bis nachts und danach geht nix mehr.
* jaja, aus mir wird auch einfach kein früher Vogel mehr. Morgens mache ich halt andere Dinge, zum Beispiel Anträge auf Geld schreiben oder mich mit dem Sozialamt herumärgern.
Tag 685 – Knappe zehn Seiten.
Fast zehn Seiten habe ich jetzt. Nur Text und Anmerkungen „hier muss ein Bild hin“ und „hier eine Tabelle“. Ca. 100 Referenzen. Das größte Kapitel ist fast abgeschlossen, nur noch ein bisschen die bypass-Mechanismen aufschreiben (4 Mechanismen, maximal 8 Sätze) und an einer Stelle muss ich nochmal ran, das gefällt mir so noch nicht, da muss ein Teilaspekt rausgearbeitet werden und dafür andere Teile glaube ich raus. Aber das ist ja kein Problem in LaTeX, wird halt einfach auskommentiert und gut ist, ist ja trotzdem noch da, wenn der Chef dann meckern sollte.
Apropos Chef: der hat sich heute endlich aus seinem Urlaub gemeldet. Ich soll den Antrag für die „Aufstockung“ der Forschungsgelder selbst schreiben und dann „signiert“ er das (will ich sehen, wie er ein online-Dings signiert, aber egal).
In den letzten Tagen viel Meta-Zeug über wissenschaftliche Veröffentlichungen gelernt, aber das ist ein Thema für einen eigenen Post, wenn es mal noch nicht ganz so spät ist.
Tag 682 – Realität.
Was ich wollte: Ganz viel schreiben.
Was ich tat: Migräne haben, Tablette nehmen, mit wattigem Kopf ein bisschen was schreiben, Paper sortieren, lesen, und in die Papers-App einpflegen. Sehr lange tat ich vor allem das letztere, weil mir erst heute Abend mal auffiel, dass die seit Monaten nicht richtig gesynct hatte. Aber jetzt sind alle 127 bisher geladenen* Artikel drin und lassen sich gut lesen. Hurra.
Jetzt Bett. (Es tut mir leid, ich wär grade auch gern interessanter. Ich wär auch grad gern mehr zu Hause. Michel fragt schon** und mein Herz bröckelt ein wenig…)
—
* Da ich erst so ca. 1/4 geschrieben habe, ist das ganz ok.
** Pippi fragt nicht. Die schreit dann halt beim ins-Bett-bringen (zu dem ich wieder grade so pünktlich zu Hause war) so lange rum, bis ich mit ihr kuschle. Dann sagt sie schluchzend „kuschln“*** und mein Herz bröckelt noch mehr.
—
*** und „Hunga“, aber ich glaube das ist eher ihr Ausdruck für „irgendwas passt nicht“.
Tag 680 – Ordnung und Dankbarkeit.
Huch, so spät schon. Schlaf kann ich für die nächsten Wochen wohl vergessen, ich kriege zwar am Abend nix wirklich produktives mehr geschrieben, aber so langweilige und stumpfsinnige Dinge wie Zitate suchen, runterladen und in die Bibliografie eindutzeln, das geht auch im Halbschlaf noch. Und morgen dann: Nitrosamine aus Tabak, Pflanzen, dem Magen und Dings und was sie mit DNA machen. Yeahy.
Des Weiteren war ich heute beim Arzt und es war blöd. Ich bin jetzt zwar krank geschrieben, aber der Vertretungsarzt war noch ganz jung und dachte wohl, ich hüpfe demnächst aus dem nächstbesten Fenster. Das habe ich sowas von nicht vor! Hinschmeißen übrigens auch nicht.
Beim NAV (der Agentur für alles Soziale) habe ich auch angerufen. Da wird sich dann ein Mensch bei mir melden. Bald.
Das Beste aber ist: es werden von meinem Institut kurzfristig kleine Forschungsmittel ausgeschrieben, ich habe mich da direkt erkundigt und ja, mein Chef kann die für mich beantragen. Hab ich ihm auch geschrieben, aber er hat sich noch nicht zurückgemeldet.
(Insgesamt ein ok erfolgreicher Tag.)
Das Allerallerallerbeste aber, das sind heute echt: Sie. Sie alle. Ehrlich. Ich freue mich riesig und bin auch ziemlich gerührt über so viel Zuspruch und die vielen praktischen Tipps und Hilfsangebote! Sie sind, das kann ich ja mal so sagen, ungefähr tausend mal hilfreicher und unterstützender, als mein Chef. Wenn ich etwas geschlafen habe antworte ich Ihnen auch morgen auf Ihre Nachrichten, wirklich hoch und heilig versprochen, aber jetzt muss ich schlafen.
Aber Danke.
Sie sind die Besten!
<3
Tag 670 – Sie wollte das Kinderfestival verbloggen, doch was dann geschah, konnte keiner glauben!
Wir waren dieses Jahr wieder auf dem Juba Juba Kinderfestival. Es war wieder sehr schön. Aber ausführlich berichten kann ich jetzt nicht mehr, nach sechs Stunden draußen und teils in der prallen Sonne brutzelnd bin ich nämlich so müde, dass ich während Michel malte fast und während ich Michel ins Bett brachte ganz einpennte.
Hoffentlich hilfts was, wenn ich jetzt einfach schlafe. Mich gruselt es ein wenig vor morgen. Eigentlich doll. Um genau zu sein, möchte ich schreiend im Kreis laufen, aber ich bin zu müde. Was ja auch irgendwie ein gutes Zeichen ist. Bestimmt.
Tag 666 – Heute ist das Ende aller Tage!
Eigentlich war ich grade drauf und dran Ihnen zu gestehen, dass ich grad einen kleinen Bloghänger habe, aber in Verbindung mit dem Titel könnte das zu der irrigen Annahme führen, dass ich gar nicht mehr bloggen mag. Dem ist nämlich selbstverständlich nicht so! Ich habe nur im Moment das Gefühl, nichts Spannendes zu erzählen zu haben. Heute so: Arbeit (Todbringende Langeweile, DNA und RNA aus 68 Proben isoliert, aka. Gerenne zwischen 2 Zentrifugen, elendiges Gefummel mit den Spin-Columns, die ganze Zeit den Geruch vom Mercaptoethanol in der Nase, sechs. Stunden. Lang.), Sonnenschein, schröckliche Blasen an meinen Füßen. Dreckige und glückliche Kinder, die im Moment täglich mit allerlei wilden Storys aus dem Kindergarten kommen („Mama? Die haben alle ihre Scheiden* gezeigt. Das wollte ich nicht sehen. Da bin ich weggegangen.“). Ein Eis in der Pause und immernoch Lammkeulenreste, aber so Lammkeule (generell fast alles. Auf jeden Fall alles an Fleisch. Kalter Braten ist das geilste. Ich esse aber wirklich fast alles auch kalt gerne) kann man ja auch super einfach so kalt essen und gebraten im Kühlschrank hält die sich auch ne Weile.
Aber jetzt schwafle ich ja auch nur rum und da sind wir wieder beim Ausgangspunkt: nix zu erzählen.
Dabei hätte man den Titel super ausschlachten können.
Passender Weise lese ich gerade** dieses Buch:

Tom Egeland ist der Dan Brown Norwegens, die Bücher sind alle so „biblische Archäologen-Krimis“, spannend, ja, aber jetzt nichts, wo ich sagen würde, absolut jede*r muss das gelesen haben. Da gäb’s eh nur ein Buch von dem ich das sagen würde und das ist *trommelwirbel*: ‚Im Westen nichts Neues‘ von Erich Maria Remarque. Jedenfalls geht’s in Lucifers Evangelium nicht direkt um ein von Lucifer geschriebenes Evangelium, sondern um eine lang verschollene, Alttestamentarische Apokryphe über den gefallenen Engel Lucifer und natürlich gehen Leute über Leichen, um dieses Dokument in die Finger zu kriegen und vor allem die unfassbare Bedrohung für das Christentum, wenn bekannt würde, dass… auszuräumen. Wie gesagt, ein okayes Buch. Kurzweilig, aber nicht so spannend, dass es mich vom Schlafen abhält. Grade also genau das Richtige.
Und mit Tageszahlaktuellem Bezug, was will man mehr?
—
*Auf Norwegisch gibt’s nur ein Kinder-Wort für Geschlechtsteile: Tiss. Übersetzt wäre das sowas wie ein Piller-Teil. An dem Vorfall waren aber diesmal nur Mädchen beteiligt. Das letzte Mal warens nur Jungs. Die kleinen Kinder (also Pippi und Konsorten) zeigen sich gerne gegenseitig ihre Bäuche, das wiederum stelle ich mir ja sehr niedlich vor.
**auch schon ne Weile. Momentan schaffe ich selten mehr als vier, fünf Seiten am Abend, bevor mir die Augen zufallen.
Tag 664 – WmDedgPfMo ’17
Heute ist nicht nur Pfingstmontag, sondern auch der allerletzte Feiertag vor Weihnachten in Norwegen! Und es ist der 5. und deshalb fragt Frau Brüllen: Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?
Tja. Ehrlich gesagt frage ich mich am Ende dieses Tages, ob es sowas wie PMS auch um den Eisprung rum gibt. Denn heute morgen gings mir noch richtig schlecht, jetzt nicht mehr. Komische Sache, aber lesen Sie selbst:
Ich wurde um 03:43 vom Spruch „Papaaaaa, ich hab mir ausepullert!“ Geweckt. Das ist putzigstes Nortsch a la Michel. Es folgte eine wache halbe Stunde.
Dann werde ich wieder geweckt, um 07:28. Eigentlich eine okaye Zeit für Familien mit Kleinkindern, das weiß ich. Ich fühle mich trotzdem wie vom Laster überrollt. Und merke, dass ich in einer Pfütze liege. Die nächste viertel Stunde zähle ich nicht so grad zu den Sternstunden meiner Elternschaft, ich ranze Michel ziemlich grob an, schmeiße ihn (verbal) aus dem Bett, reiße schimpfend Bettlaken und Matratzenschoner vom Bett, stopfe alles in die Waschmaschine und schimpfe derweil wirklich grob mit Michel, weil ich so so sooooooo gerne noch eine Stunde geschlafen hätte, aber alle Betten, die in Frage kommen könnten, nass sind. Michel verzieht sich irgendwann lieber ins Wohnzimmer und spielt vor sich hin, ich schmolle auf dem nackten Bett und friere (die Bettdecke ist auch nass) und hasse alles und die Welt. Ich rolle mich zusammen und wäre am liebsten an Ort und Stelle wieder eingeschlafen, aber dazu bin ich zu, ja was eigentlich, kraftlos. Und mir ist auch zu kalt, aber ins Wohnzimmer zu gehen und mir eine Decke zu holen übersteigt wirklich alle meine Kräfte. Irgendwann kommt Michel und wir vertragen uns wieder. Ich heule mich via Telefon bei einer Freundin aus und irgendwann habe ich genug Kraft zusammengekratzt um aufzustehen. So nach… ner Stunde.
Ich stehe also auf und fange an, das Frühstück zu machen. Friere Brot ein und Brötchen. Mir fällt ein, dass wir ja Lammkeule machen wollten und ich nehme sie aus dem Gefrierfach und lege sie ins Bad, da ist es am wärmsten. Ich tue alles sehr mechanisch und freudlos, aber immerhin hab ichs gemacht. Herr Rabe und Pippi stehen auch auf und machen Kaffee. Dann Frühstück. Emotionslos. M. Geschrieben, dass wir jetzt wach sind (keine Lüge) und sie H. Gerne vorbeibringen kann (Lüge). H. wird gebracht und die Kinder nehmen direkt das Wohnzimmer auseinander. Ich stopfe den Matratzenschoner in den Trockner und die Bettdecke in die Waschmaschine. Derweil heule ich mich bei Herrn Rabe aus. Warum pullert Michel ins Bett? Er knirscht auch mit den Zähnen! Bestimmt ist er gestresst! Aus meiner Sicht gibt es dafür zwei mögliche Erklärungen: entweder ich übertrage meine Stress auf ihn, oder ich übertrage nur den angenommenen Stress auf ihn, sehe also Stress bei ihm, wo keiner ist. Diese Ansicht vertritt Herr Rabe und sagt: Michel schläft manchmal wie ein Stein, der wird einfach nicht wach, wenn er muss. Ich weiß es doch auch nicht. Wir schmieden jedenfalls einen groben Plan: da mich die Ungewissheit, was ab 19.08. passiert, offenbar an den Rande des Wahnsinns und darüber hinaus treibt, gehen wir einfach spaßeshalber davon aus, dass dann alles vorbei ist. Ich werde bis zum Juliurlaub versuchen, die ca. 60 Seiten Einleitung meiner Thesis zu schreiben. Ich werde die angefangenen Experimente noch fertig machen und dann keine neuen mehr, bis Geld „auf dem Tisch“ liegt. Und das werde ich morgen meinem Chef sagen.
Danach gehe ich duschen, kombiniert mit Rasur und Babyfuß-vorbereitendem Fußbad. Ich bin zwar danach kein neuer Mensch, aber immerhin fühle ich mich schon nicht mehr ganz so wertlos. Ich stecke meine Füße in Babyfuß-Tüten. Michel und H. Kommen an, mit Erdbeerresten zwischen den Zähnen und behaupten, sie hätten nichts gemacht. Pippi kommt angelaufen, wie eine Erdbeere riechend und kräht freudestrahlend und schmatzend „Piiiist!“ (eigentlich „spist“ = gegessen). Wir lachen alle, haben sich die Rübennasen doch echt unbemerkt ne komplette Packung Erdbeeren reingezogen.
M. Kommt zurück und wir wollen raus. Alles dauert ewig. Am Ende nimmt M. Schon mal H. Und Michel mit und wir packen unseren Kram zusammen. Mittendrin schläft Pippi ein. Herr Rabe legt sie ins Bett. Ich sehe sie an und brauche all meine Willenskraft, um mich nicht einfach danebenzulegen und nie mehr aufzustehen. Herr Rabe sagt, ich solle mit rauskommen, das täte mir sicher gut. Widerstrebend leiste ich dem Folge. Quasi auf dem Weg hole ich den Matratzenschoner aus dem Trockner, stecke die Bettdecke hinein und wasche den Bettbezug. Drei Maschinen Wäsche. Vier, wenn man die nächtliche mitrechnet.
Im Flur ärgere ich mich sehr über die Holzspäne, die überall auf dem Kinderwagen liegen, weil die blöden Handwerker der blöden Nachbarin die Platten für deren blöden Fußboden da im Flur gesägt haben, ohne vorher irgendwas beiseite zu räumen.
Pippi wird wach, als wir sie ins Auto setzen. Im Endeffekt hat sie vielleicht 20 Minuten geschlafen. Wir fahren zur Ringvebukta. Es gibt kaum noch Parkplätze, so überlaufen ist es da. Gefühlt alle Familien mit Kindern sind da. Ich will nach Hause. Stattdessen schmeiße ich mit Pippi Steine ins Wasser. Nach zwei Kaffee aus der Thermoskanne fühle ich mich halbwegs imstande mit M. Zu sprechen. Wir lästern total unfein ein bisschen über ein paar andere Kindergarteneltern und deren Kinder. Das tut ein bisschen gut. Langsam fühle ich mich menschlich und nicht mehr wie ein unfähiger Haufen Rotz.
Auf dem Rückweg zum Auto bekommt H. Einen Trotz- und Wutanfall, der die Trotz- und Wutanfälle meiner eigenen Kinder für mich wieder in Perspektive setzt. Das ist bestimmt fies, das zu sagen, aber: Ich bin so froh, dass auch andere Kinder so sind (und schlimmer, manchmal), wie meine. Es sind Kinder. Die sind so. Selbst die, deren Eltern gefühlt viel bessere sind als ich.
Wir fahren nach Hause. Ich bin immer noch müde, aber nicht mehr so, dass ich mich einfach auf den Fußboden legen möchte. Stattdessen mache ich Waffelteig. Den von Kleine Fluchten (*wink*). Dazu gibt es Kaffee und einen leichten Knoblauchduft, weil ich nebenher die Marinade für die Lammkeule fertig mache. Herr Rabe schnippelt ein bisschen am Fleisch herum und wir schieben die Keule in den Ofen. Die Kinder gucken Sendung mit dem Elefanten und ich lackiere mir die Fingernägel. Dreifarbig. In apfelgrün (schön), orange (schön) und gelb, das nicht deckt und deshalb nicht so wirklich schön wird. Pippi schläft fast vor dem Fernseher ein und Herr Rabe versucht, sie ins Bett zu bringen. Michel ist sauer, weil er mit seinem Papa spielen wollte. Als Ablenkung lackiere ich ihm auch die Fingernägel. Herr Rabe kommt mit der schreienden Pippi wieder aus dem Kinderzimmer. Sie wolle von mir ins Bett gebracht werden. Hektisch schmiere ich Überlack auf die Nägel der rechten Hand und dirigiere dann Pippi zurück ins Bett, ohne irgendwas anzufassen. Es klappt einigermaßen und ich schaffe es sogar, sie unfallfrei zuzudecken. Wir gucken die Gute-Nacht-App an, danach erzählt sie mir noch was und dann schläft sie relativ fix ein. Ich denke über den Tag nach und habe Mühe, mein eigenes Verhalten vom Morgen nachzuvollziehen.
Nachdem Pippi schläft, beziehe ich die Betten. Dann lege ich mir und den Kindern Anziehsachen raus. Ich packe meine Sportsachen und die Schwimmtasche für den Schwimmkurs von Michel. Und wundere mich selbst ein wenig über meine Energie.
Es gibt essen. Lammkeule und Bohnen, wegen der späten Waffelmahlzeit verzichten wir auf die Kartoffeln. Für die Erwachsenen gibts außerdem jeweils ein Becks. Michel ist sehr müde und es ist etwas anstrengend mit ihm. Er will auch wieder keine Nachtwindel anziehen. Ich schnaube nur innerlich, als Herr Rabe ihm das genehmigt.
Herr Rabe bringt Michel ins Bett, ich packe Papiermüll und Glasmüll zusammen. Die Sonne scheint. Herr Rabe kommt aus dem Kinderzimmer und ich mache mich auf den Weg, den Müll wegzubringen und Geld für die Putzhilfe zu holen.
Im Flur ärgere ich mich sehr über die Holzspäne, die überall auf meinem Fahrrad und in meinem Helm liegen, weil die blöden Handwerker der blöden Nachbarin die Platten für deren blöden Fußboden da im Flur gesägt haben, ohne vorher irgendwas beiseite zu räumen.
Ich bringe den Papiermüll und den Glasmüll zur Entsorgungsstation. Fahre zur Tankstelle und hole Geld. Kaufe Eis um kleinere Scheine herauszubekommen. Bekomme einen niegelnagelneuen 200-Kronen-Schein und frage mich, was das wohl für ein Fisch da drauf ist, bestimmt ein Dorsch, denke ich, die Norweger sind so, die drucken ihren Dorsch auch auf Geldscheine.
Als ich über die Ampel fahre, fällt mein Fahrradschloss aus der Halterung. Die scheint nicht mehr zu halten. Damit hat sich wenigstens auch geklärt, wie ich mein altes Schloss verlieren konnte. Ich sinniere darüber, wieso es mir morgens (und gestern und vorgestern) noch so kacke ging und jetzt ist alles wie weggeblasen? Ich schiebe es auf Hormone, was besseres fällt mir einfach nicht ein.

Zu Hause esse ich Eis und lese über den Geldschein nach. Es tun sich ungeahnte Welten des Designwahnsinns auf: hinten auf den neuen Geldscheinen sind Balken. Diese symbolisieren in ihrer Länge die Skala der Windstärken, mit zunehmendem Geldwert werden die Balken länger. Das Oberthema der neuen Scheine ist „das Meer“. Der 200er trägt den Titel „Das Meer, das uns Nahrung gibt.“ Drauf ist tatsächlich ein Dorsch und ein paar Heringe, denn „dies sind die Fische, um die sich die meisten Mythen ranken“. Jaja, mystische Heringe hier. Außerdem ist drauf: ein Fischernetz und ein Fischerboot, hinten, also angeblich ist da eins, ich sehe es nicht. Der Papageientaucher (der Vogel) ist auf jedem neuem Schein als Wasserzeichen, und auch die Ankerkette ist auf jedem Schein. Ich habe Spaß. Und dann schreibe ich anderthalb Stunden lang den Tag auf. Das wird mir morgen früh möglicherweise leid tun.