Tag 658 – Kurze Pause. 

Ich liege schon im Bett. Fünf Stunden Schlaf waren nicht genug und der Tag war dank Fitness (oh, wie glücklich es mich macht! Oh, welche Schmerzen ich morgen haben werde!) und Schwimmkursbegleitung doch recht anstrengend. Außerdem hab ich direkt nach dem Abschluss des einen Zellkulturversuchs den nächsten angesetzt, muss den aber morgen früh um acht Uhr starten – also um viertel vor acht da sein. Und weil mein Kopf leer ist und meine Muskeln müde sind, hab ich mich also trotz strahlenden Sonnenscheins einfach schon mal hingelegt, werde jetzt noch die letzte Folge der dritten Staffel House of Cards gucken und mir dabei Nagelpflege angedeihen lassen und dann werde ich hoffentlich einfach schlafen. 

(Ich erinnere mich etwas wehmütig an den Sommer 2014, als es so warm war, dass ich abends noch stundenlang auf der Terasse saß und las und in der ewig langen Dämmerung die Zeit vergaß. Jetzt ist es zwar sonnig, aber kalt und die Terasse haben wir auch nicht mehr.)

Tag 655 – Fetzen. 

Zusammenhängendes ist heute nicht mehr drin. Stattdessen ein paar zusammenhangslose Stichpunkte. 

  • Die Schnecken haben Frühlingsgefühle. Ich befürchte, dass wir demnächst Eier finden könnten. (Nein, ich mache keine Zucht auf und ich will auch nicht 200 Schnecken haben. Die Eier werden also eingefroren.)
  • Die Schnecken sitzen jetzt außerdem auf im Backofen hoffentlich sterilisierter Erde. Ich bin nämlich jetzt sicher, dass der Sack Blumenerde mit Erdmückeneiern verseucht ist nach ca. 2 Wochen sieht man dann Larven, nach noch mal ein paar Tagen die Mücken. Blärgs. 
  • Wir haben gestern ein Waffeleisen gekauft und waffeln seitdem so vor uns hin. Morgen gibts die Brüllen’schen Hefewaffeln und ich bin auch nur ein klitzekleines bisschen panisch, dass sich der Teig heute Nacht aus der Schüssel davonmacht.
  • Ich habe zwei neue Dinge genäht – ein Kleid und ein Shirt – aber bin noch nicht dazu gekommen, vernünftige Fotos davon zu machen. Das Shirt war ne Probe für ein weiteres Kleid, das aus Gründen* jetzt doch kurze Ärmel bekommen wird. Oder gar keine, da bin ich noch unentschlossen. 
  • Heute gearbeitet. Ich muss noch eine E-Mail an alle@Labor schicken, weil irgendeine Wurst wirklich dummen Mist gemacht hat, den ich heute korrigieren „durfte“. Was man ja mit Freude macht, am Wochenende, während man auch mit der Familie Waffeln backen könnte. 
  • Ich habe keine Lust mehr auf diese letzten Versuche, die doch nie die letzten sind. Es macht keinen Spaß mehr. Obwohl jetzt die Ergebnisse passen. Ein Zeichen für mich, dass es reicht, ich aufschreiben und meine Sachen packen sollte. 
  • Pippi braucht im Moment immer wahnsinnig relativ lange zum Einschlafen. Außer heute. Da machte sie nämlich keinen Mittagsschlaf (ergab sich so) und war dafür um halb sieben so müde, dass sie wirklich um ein Haar beim Essen eingeschlafen wäre. Beim Wickeln schlief sie dann im Badezimmer auf dem Fußboden einfach ein und wachte nicht mal auf, als ich sie umzog und ins Bett verfrachtete. Wahrscheinlich hätte ich ihr sogar im Schlaf die Zähne putzen können, so fertig, wie sie war. 
  • Michel und sein bester Kumpel haben sich in letzter Zeit öfter mal ein bisschen in den Haaren. Meistens führen sie dann so Gespräche wie „DU bestimmst hier nicht ALLES!“ – „Nein, DU bestimmst hier nicht ALLES!“. So geht das, wenn’s gut läuft, eine Weile hin und her, bis sie sich darauf geeinigt haben, wer jetzt gerade ausnahmsweise bestimmt. Wenn’s schlecht läuft, heult hinterher einer oder beide. Und da zeigt sich der komplett andere Charakter: Michels Kumpel ist eher aufbrausend, beruhigt sich aber schnell und verträgt sich auch schnell wieder. Aber nicht mit Michel, der ist dann nämlich einerseits stur und andererseits sehr nachtragend. Die schlechten Eigenschaften von Mama und Papa kombiniert, was für ein schönes Beispiel für Vererbung! 
  • Weiterhin müde, aber auf eine okaye Art. (Jetzt trotzdem schnell Licht aus!)

    * Schon blöd, wenn man einfachste Rechenoperationen vergeigt und bei einem Stoffbedarf von 1 m + 1,20 m der Verkäuferin völlig überzeugt sagt „Machen se mal 1,50 m draus, dann hab ich in jedem Fall genug!“. 

    Tag 650 – Grenzen. 

    Im Moment großes Thema: mein eigentliches PhD-Projekt. Es ist zum heulen. Ich messe mir seit über einer Woche an dem Ding nen Wolf, ohne nennenswerte Ergebnisse. Und wenn ich die dann kommuniziere, also die Nicht-Ergebnisse, sind alle total aus dem Häuschen und brummen mir weitere zehntausend Experimente auf. Und ja, sie brummen auf, sie schlagen nicht vor oder bitten darum, es geht so „Das ist ja alles sehr vielversprechend, da mach mal noch dies und das und jenes und Check das und achte auf das und dann kommen wir sicher schon ein Stück weiter.“. Das ist sicher auch zum Teil der Norwegischen Kommunikation geschuldet, da wird ja auf sämtliche Höflichkeitsfloskeln verzichtet. Das zweite Problem ist, dass ich einfach nie was sage*, sondern mit hängendem Kopf ins Labor zurückgehe und noch drölfzig Messungen mache, bis meine Frustrationstoleranz in Scherben am Boden   liegt und ich abends beim Erzählen von „wie war dein Tag?“ in Tränen ausbreche. Weil ich verdammt noch mal keine Zeit habe für so einen Scheiß. Ich habe keine Zeit mehr, tagelang nichts anderes zu machen, als Dinge in sechtausend verschiedenen Puffern (darfs noch ein millimolarchen mehr Salz sein? Wir haben hier ja auch noch dieses allerfeinste Kaliumchlorid?) zu verdünnen und dann Kapillaren reinzustecken und die in meinem kleinen Maschinchen mit einer LED beleuchten zu lassen. Und – ohne Witz – bei 29 von 30 Messungen kam *nichts* raus. Das ist, bei aller Liebe, nicht vielversprechend, sondern großer Scheiß. Und vor allem ist das Scheiß, für den ich, ich erwähnte es bereits, keine Zeit habe. Ich sollte in meinem Büro sitzen und meine Dissertation schreiben. Ich sitze im Labor und komme nicht mal zum Essen. 

    Jedenfalls, dieses Verfügen über meine Zeit überschreitet meine Grenzen. Ich hasse das Wort ‚Fremdbestimmung‘ wirklich, weil es so krass inflationär gebraucht wird und ja auch außerdem das neue ‚böse‘ ist. Aber das ist eine Form der Fremdbestimmung, bei der es einfach jetzt reicht. Ich will das so nicht mehr und muss das den beteiligten Personen sagen, bevor mir im Meeting beim nächsten Mal der Arsch platzt, und ich wirklich wütend werde, wenn irgendwer das Wort ‚vielversprechend‘ im Zusammenhang mit meinen Daten verwendet. 

    Da steht ein Gespräch mit dem Chef an. Das machen wir morgen früh direkt. Haha. Grenze zwei: früh aufstehen, erst stehen die Kinder gar nicht auf, dann hab ich zwei Nörgelkinder am Bein, Herr Rabe duscht erst mal 10 Minuten, die Uhr, sie tickt, keine Zeit, Kinder nörgeln, ahhh. Je.den. Mor.gen. Da muss eine andere Routine her. Ich weiß aber noch nicht, welche. Im Moment komme ich jedenfalls jeden Morgen zu spät und bin eigentlich schon reif für Schnaps, wenn die Kinder endlich in der KiTa sind. Meine Lieblingskollegin schlug heute vor, Geld fürs Snoozen zu bezahlen. 1 x Snooze, 10 Kronen. Vielleicht mache ich das. Ich bin so simpel, Gelddruck zieht bei mir immer. Hilft nur nicht gegen die nörgeligen, trödelnden Spätaufsteherkinder. 

    Dritte Grenze: Pippi ins Bett bringen. Weil es einfach ewig dauert, bis sie schläft. Weil sie mich (unabsichtlich) dabei haut und tritt. Weil sie nochmal was essen will, trinken, ja, alles kein Problem, wenn du dann schläfst, liebes Kind, ach, tust du nicht, du hampelst noch rum und reißt dir am Ohr und an den Haaren und dann singst du und schau mal Schatz, ich bin hundemüde und hab noch so viel zu tun, ich kann einfach nicht mehr, ich will hier nicht den ganzen Abend sitzen und dir dabei zuschauen wie DU DICH SELBST VOM SCHLAFEN ABHÄLTST. Und morgen bist du dann wieder müde und magst nicht aufstehen. JETZT SCHLAF ENDLICH, VERDAMMT NOCH MAL! 

    Und dann knallen mir irgendwann die Sicherungen durch und dann fliegen Türen oder Kissen und es fließen Tränen und das ist schon alles nur meiner gut trainierten Selbstbeherrschung zu verdanken, früher** gingen in solchen Situationen Dinge kaputt. 

    Da muss also auch noch was passieren. 

    Morgen. Oder Übermorgen. 

    *was ich sagen will: „Das ist nicht vielversprechend, habt ihr mir zugehört? Das ist gar nichts, nicht signifikant, nichts! Hört auf in dieses Scheißprotein irgendeinen Kack reinzuinterpretieren, der da nicht ist! Und vor allem lasst mich da raus!“

    **vor den Kindern, das letzte Mal war’s eine Schranktür in der Schwangerschaft mit Michel.  

    Tag 642 – Was für eine schöne Zahl.

    Ich bin total genervt von allem, deshalb nur kurze Meldung. 

    Die Bauarbeiten sind zu ca. 7/8 fertig. Es fehlen nur noch so Kleinigkeiten, wie Latten auf den Löchern die beim Türeneinbau gerissen wurden und irgendwie hat es auch keinen Sinn, für den Warmwasserbereiter extra einen Raum mit Brandschutztür zu bauen, wenn man dann das Stromkabel für selbigen Warmwasserbereiter durch die Tür legt, sodass man diese nicht mehr schließen kann. 


    Außerdem ist es überall furchtbar dreckig und der Staub von den Rigipsplatten hat sich in jede Pore der Holzdielen im hinteren Flur gesetzt, sodass man jetzt immer weiße Fußsohlen bekommt, wenn man da lang geht. Trotz Fegens und dann Staubsaugens auf „Saugt Wurmlöcher auf“-Stufe. 

    Außerdem Kinderkram, der mich doll orrren lässt, aber dazu eventuell später mal, es geht eh nur indirekt um unsere Kinder. 

    Stoff reichte nicht mehr für ein Kleid. 

    Und müde. Müde bin ich auch. Sehr. Letzte Nacht um eins war Pippi fast aus dem Bett gefallen (nur der Kopf lag noch auf der Matratze, der Rest auf dem Boden) und da begann eine Nacht in der ich von Bett zu Bett wanderte. Sowas strengt an. 

    So, genug genörgelt. Morgen ist ein neuer Tag.

    Tag 639 – Bekymringswoche Tag 4. 

    Heute früh dachte ich noch, ich müsse Pippi zu Hause betreuen, weil die gestern Abend echt mies drauf war und auch Fieber hatte. Als wir dann aber Michel im Kindergarten abliefern wollten, wollte sie unbedingt dableiben und war auch super gut drauf und fit. Ich ließ sie also da und fuhr alleine nach Hause – meinem Chef hatte ich nämlich schon mitgeteilt, dass ich heute nicht käme. Zu Hause prokrastinierte ich dann ein Weilchen und setzte mich irgendwann hin um mir ein Networking-Netzwerk-Profil anzulegen. Das tat ich auch, wurde aber nicht wirklich fertig, weil mir das Bild noch fehlt. Herr Rabe hat gestern Nachmittag von mir eins gemacht, auf dem ich normal (also nicht verrückt, albern oder viel müder als ich in echt bin) aussehe. Hurra. Aber es ist noch auf der Kamera, aus Nörgelkindergründen. Also machte ich da erstmal Pause und machte mich an die E-Mail-Allerts der größeren Firmen. Ich kam nicht sooo weit damit, weil ich schon bei der dritten Firma über eine Stellenanzeige stolperte, die mir leichte Schnappatmung verursachte. Ich beschloss nach dem ersten Schreck, es einfach drauf ankommen zu lassen, und mich da zu bewerben. Ha. Falls ich den Job kriege (nein, wenn ich den Job dann habe, positiv denken ist wichtig!) muss ich halt wirklich fix aufschreiben, das ist dann eben so. Vielleicht nicht das schlimmste, da ein festes Datum für mich und auch für meinen „Du könntest doch noch fünftausend Experimente machen“-Chef zu haben. Naja, jedenfalls war das Resultat meines Vorhabens, dass ich meinen Lebenslauf aktualisieren musste. Und während ich so aktualisierte, merkte ich, dass das ganz und gar uninteressant für die Stelle ist, mit welchen Massenspektrometern ich gearbeitet hab und dass ich mal Pilot-Scale DSP gemacht hab. Also schrieb ich alles nochmal um und hielt Rücksprache mit LittleB und dann schrieb ich nochmal Sachen rein und andere raus und sortierte um und dann war ich sehr müde und morgen geht’s damit weiter. Puh. Diese Bekymringswoche hat’s echt in sich. 

    Tag 617 – Fertig. 

    In jedem Wortsinn. 

    Morgen noch zum Altkleidercontainer, meine bisherige Winterjacke brauche ich dank heutigem Neuerwerb* nicht mehr und die Unterhosen, die ich von meiner Oma bekommen habe, sind am Bund so eng, dass mein bisschen Bauchspeck davon zu einem ordentlichen Muffintop zusammengeschnürt wird. Größe 44/46 steht drin. Äh: niemals, meine H&M-Unterhosen (ist ja nicht gerade bekannt für üppige Schnitte, der Laden) sind aus Komfortgründen eine locker sitzende 40/42. Aber egal, die komischen Unterhosen sind ja ansonsten noch gut und wandern also morgen früh auf dem Weg auf die Autobahn in die Altkleidersammlung. 

    Dann noch ein Spargelbüdchen finden**, das um acht schon auf hat und dann: 4 Stunden Autobahn. 

    Bald wieder entspannte Kinder. Das wird so schön. 

    Ich war noch nie nach einem „Urlaub“ so müde. Vielleicht überlege ich mir das nochmal mit dem „näher an Bielefeld ran ziehen, damit man öfter mal herkommen kann“. 

    *eine Herrenjacke, weil Frauen™ scheinbar keine warmen Jacken tragen oder gerne mehrere Jacken übereinander anziehen. Könnte ich mich schon wieder drüber aufregen, aber, ach. Zu müde. Dafür hat die jetzt halt tausend Taschen, innen, außen, ich hab also Platz für alle meine Lippenstifte. 

    **bevor Sie hyperventilieren: wir werden uns nicht allzu lang mit der Suche aufhalten. Wenn nich, dann nich. 

    Tag 603 – WmDedgT im April ’17

    Whee, es ist der 05. und da braucht sich der Tagebuchbloggende Mensch nichts besonderes ausdenken, denn wir erzählen heute alle einfach Frau Brüllen, was wir so den ganzen Tag gemacht haben.

    Aufgestanden bin ich. Jawohl. Sogar schon nach nur recht kurzem Rumgesnooze. Als ich Michel weckte, sagte er „Aber meine Augen sind doch noch ganz müde!“ das war sehr niedlich und ich kann das auch sehr gut verstehen. Meine Augen und auch der ganze Rest von mir waren heute morgen auch noch müde. Nach ner Dusche ging das aber schon besser, dann hab ich mich im Gesicht angemalt (mit ein bisschen Glitzer, Glitzer hilft gegen innerlich müde Augen enorm!), meinen Teil zum Kinder anziehen beigetragen (ich weiß nicht mehr genau, in was der bestand) und dann die Kinder zum Kindergarten gebracht, in der Praxis heute: Pippi im Anhänger mit dem Fahrrad gezogen und Michels Geheul wegen „Ich hab kein Cap mitgenommen, buhuhuuuuu!“ (Übersetzt: „Ich bin total müde weil ich gestern erst um neun im Bett war, buhuhuuuuuu!“) während des Fahrradfahrens ertragen. 

    Kinder im Kindergarten abgeliefert, mit Zusatzinfo: Pippi war sehr früh wach heute morgen und Michel sehr spät gestern Abend noch, also haben beide Kinder potentiell schlechte Laune (Übersetzt: „Wenn die komisch drauf sind heute, steckt ihnen bitte nicht sofort ein Fieberthermometer in den Po.“). Kein Problem. Wieder nach Hause, das Fahrrad abgestellt. Da ist nämlich schon wieder was losgeruckelt und mit so einem laut klappernden Rad fahren macht viel weniger Spaß, als im Sonnenschein zur Arbeit zu spazieren.

    Spaziergang zur Arbeit. Vor der Krankenhausapotheke meinen Co-Supervisor getroffen, bei dessen Anblick mir auch siedend heiß einfiel, dass wir später ein Meeting haben würden. Kurz Hallo gesagt und Bis später und dann öffnete auch schon die Apotheke und er ging rein. 

    Noch auf dem Weg gedacht: hoffentlich geht es Frau Herzmolekül gut, die meldet sich gar nicht. Dann große Freude: sie hat sich gemeldet und die Twin-Moleküle sind jetzt da und da musste ich glatt ein Tränchen verdrücken und auch von hier sei noch mal ganz herzlich gratuliert!

    Arbeit, Arbeit. Emails, Reisekostenabrechnung noch mal kontrollieren, kurz mit dem Chef gesprochen. Dann kurzes Motivationsloch, das ich durch Erledigen meiner Steuererklärung gestopft habe. Wie auch schon im letzten Jahr hat das ca. 5 Minuten gedauert, wovon der Größte Teil für das Einloggen mit gefühlter fünfzig-Phasen-Authentifizierung draufging. Fazit: meine Daten waren alle korrekt bei der Steuerbehörde eingegangen, im Juni werde ich dann etwas unter 8000 NOK an zuviel gezahlter Einkommenssteuer erstattet bekommen. Schön, schön. Beflügelt beim Hausarzt angerufen, ob ich einen Termin zur Blutabnahme brauche, das halbe Jahr seit der letzten Kontrolle der Schilddrüsenwerte ist schon wieder rum. Ich brauche keinen Termin und außer Freitags kann ich immer einfach vor elf Uhr vorbei kommen. Gut, das mache ich gleich morgen.

    Dann Labor, Mittagessen, Labor. Verzweifelte Suche nach Glykogen, weil die *miieeep* Stoffkartothek der Uni mich nicht einloggen ließ. Irgendwann im anderen Stockwerk Glykogen gefunden, 12 mikroliter entnommen und zu meiner Probe gegeben, alles eingefroren und fertig. Auf dem Weg aus dem Gefrierschrankraum dem Typen in die Arme gelaufen, dem ich von meiner Glykogen-Suche berichtet hatte und der mir Glykogen geben wollte. Ihm stattdessen das Röhrchen zurück gegeben.

    Mit einer Kollegin Kaffee geholt und dabei über Literatur gesprochen, sie mag Kafka, ich nicht so. 

    Mit halb ausgetrunkenem Kaffee zum Meeting spaziert. Mein Chef hat jetzt so ein Hipster-Fahrrad ohne Gänge. Außerdem hat er ab nächstem Jahr eine Woche Urlaub mehr pro Jahr, weil er nächstes Jahr 60 wird. Ich war aber auf dem Weg hauptsächlich damit beschäftigt, mich über meine Fitness zu freuen, ich schnaufe nämlich jetzt nicht mehr wie eine Dampflock, wenn ich auf dem Hauptcampus der Uni (auf einem Berg) angekommen bin. Das war vor drei Jahren eine reine Katastrophe, mit meinen Schilddrüsenwerten musste ich teilweise 10 Minuten eher losgehen als alle anderen, weil ich immer wieder so aus der Puste war auf dem kurzen Weg, dass ich anhalten musste. Heute war das also gar kein Problem und ich sehe dem Termin morgen gelassen entgegen. Tatsächlich erwischte ich mich kurz bei dem Gedanken, dass es endlich mal normale Verhältnisse sind: Ich (Anfang 30) bin deutlich fitter als Mr. I trust you (Mitte 40), der wiederum ist deutlich fitter als der Chef (fast 60).

    Meeting. Langweilig. Sehr. Es geht voran (gut), „wir“ (die PostDoc vom Co-Supervisor) schreiben fleißig an Artikeln (gut), für ein Journal mit hohem Impact-Factor brauchen wir aber noch dies und das und jenes und Mr. I trust You und ich haben da grad keine Kapazitäten für, so sad (natürlich ist das wirklich doof, aber ich nehme mir das nicht persönlich zu Herzen. Wenn ich ein Laboräffchen bekomme, mache ich das, ein nicht, mache ich das vielleicht in einem halben Jahr). Viel Gelaber über Impact Factors. Nervt mich unendlich ab, das ist echt der Schwanzvergleich der Wissenschaftler*Innen: alle wissen, es ist Quatsch und sagt eigentlich nichts aus, aber es wollen trotzdem alle den längsten, ähh, höchsten Impact Factor haben.

    Nach dem Meeting in die Stadt spaziert um *ZENSIERT* zu kaufen. Ich scheiterte fast am Kauf von *ZENSIERT*, am Ende und im dritten Laden gelang es mir aber doch, etwas meine hohen Ansprüche halbwegs befriedigendes zu finden. Kurz durch die Sale-Artikel für mich geschaut, aber alles war entweder aus ekligem Plastik-Stoff, den ich nicht auf der Haut haben mag, oder unmöglich geschnitten oder grauslich gemustert. Meh. Weiter in Richtung Solsiden spaziert, da bei Clas Ohlsson eine größere Ferien-Box für die stark gewachsenen Schnecken gekauft, in die ich noch Löcher machen muss, die Schnecken werden in unserem Urlaub wieder bei meiner Kollegin und von ihren Kindern betreut. 

    Nach Hause spaziert. 15.500 Schritte heute.

    Kurz für ein halbes Stündchen auf dem Sofa versackt und mit Herrn Rabe geschnackt, während die Kinder Mausclips guckten. Dann gekocht, gespült, Spülmaschine ausgeräumt. Gegessen (Gefüllte Paprika* und dazu Vollkornreis mit Tomatensauße, sehr lecker das alles) und dann wollte auch schon Michel in Bett gebracht werden, der war auch einfach reichlich fertig. Pippi war beim Essen erst sehr zufrieden, dann kurz angestrengt und dann wollte sie mal wieder partout nicht ausgezogen werden, was zum Windeln wechseln aber nun mal unumgänglich ist. Entsprechend hörte ich sie noch aus Michels Bett im Bad kreischen. Armer Herr Rabe. Als Michel eingeschlafen war, las ich noch ein bisschen bei Twitter herum und kämpfte gegen den Schlaf an. 

    Irgendwann dann doch wieder aufgestanden, etwas in der Küche gerödelt und jetzt sitze ich hier und tippe, auch schon seit einer guten Weile. Eigentlich wollte ich für das Geburtstagskind morgen noch eine Mütze nähen, aber vielleicht mache ich das zugunsten von Schlaf einfach nicht. Ich habe das Gefühl, das mit dem Schlafen könnte heute vielleicht sogar vor Mitternacht klappen, das sollte ich dann wohl nutzen.

    ___

    *Paprika-Füllung: ca. 4 Scheiben weißes Brot in kleine Würfelchen schneiden und in Olivenöl mit Knoblauch anrösten. Dazu ein ordentliches Stück Feta (in Würfeln) geben, ein bis zwei Esslöffel saure Sahne, vier in Ringe geschnittene Frühlingszwiebeln und das Ganze gut vermanschen. Mit weißem Pfeffer, Kräutern nach Gusto und Paprikapulver würzen und in entdeckelte Paprika stopfen (ca. 4). Den Paprika-Deckel wieder draufstehen, auf ein Tomatensoßenbett setzen und bei ca. 200 °C ca. 30 Minuten bei Umluft backen. Fertig. Lecker.