Tag 650 – Grenzen. 

Im Moment großes Thema: mein eigentliches PhD-Projekt. Es ist zum heulen. Ich messe mir seit über einer Woche an dem Ding nen Wolf, ohne nennenswerte Ergebnisse. Und wenn ich die dann kommuniziere, also die Nicht-Ergebnisse, sind alle total aus dem Häuschen und brummen mir weitere zehntausend Experimente auf. Und ja, sie brummen auf, sie schlagen nicht vor oder bitten darum, es geht so „Das ist ja alles sehr vielversprechend, da mach mal noch dies und das und jenes und Check das und achte auf das und dann kommen wir sicher schon ein Stück weiter.“. Das ist sicher auch zum Teil der Norwegischen Kommunikation geschuldet, da wird ja auf sämtliche Höflichkeitsfloskeln verzichtet. Das zweite Problem ist, dass ich einfach nie was sage*, sondern mit hängendem Kopf ins Labor zurückgehe und noch drölfzig Messungen mache, bis meine Frustrationstoleranz in Scherben am Boden   liegt und ich abends beim Erzählen von „wie war dein Tag?“ in Tränen ausbreche. Weil ich verdammt noch mal keine Zeit habe für so einen Scheiß. Ich habe keine Zeit mehr, tagelang nichts anderes zu machen, als Dinge in sechtausend verschiedenen Puffern (darfs noch ein millimolarchen mehr Salz sein? Wir haben hier ja auch noch dieses allerfeinste Kaliumchlorid?) zu verdünnen und dann Kapillaren reinzustecken und die in meinem kleinen Maschinchen mit einer LED beleuchten zu lassen. Und – ohne Witz – bei 29 von 30 Messungen kam *nichts* raus. Das ist, bei aller Liebe, nicht vielversprechend, sondern großer Scheiß. Und vor allem ist das Scheiß, für den ich, ich erwähnte es bereits, keine Zeit habe. Ich sollte in meinem Büro sitzen und meine Dissertation schreiben. Ich sitze im Labor und komme nicht mal zum Essen. 

Jedenfalls, dieses Verfügen über meine Zeit überschreitet meine Grenzen. Ich hasse das Wort ‚Fremdbestimmung‘ wirklich, weil es so krass inflationär gebraucht wird und ja auch außerdem das neue ‚böse‘ ist. Aber das ist eine Form der Fremdbestimmung, bei der es einfach jetzt reicht. Ich will das so nicht mehr und muss das den beteiligten Personen sagen, bevor mir im Meeting beim nächsten Mal der Arsch platzt, und ich wirklich wütend werde, wenn irgendwer das Wort ‚vielversprechend‘ im Zusammenhang mit meinen Daten verwendet. 

Da steht ein Gespräch mit dem Chef an. Das machen wir morgen früh direkt. Haha. Grenze zwei: früh aufstehen, erst stehen die Kinder gar nicht auf, dann hab ich zwei Nörgelkinder am Bein, Herr Rabe duscht erst mal 10 Minuten, die Uhr, sie tickt, keine Zeit, Kinder nörgeln, ahhh. Je.den. Mor.gen. Da muss eine andere Routine her. Ich weiß aber noch nicht, welche. Im Moment komme ich jedenfalls jeden Morgen zu spät und bin eigentlich schon reif für Schnaps, wenn die Kinder endlich in der KiTa sind. Meine Lieblingskollegin schlug heute vor, Geld fürs Snoozen zu bezahlen. 1 x Snooze, 10 Kronen. Vielleicht mache ich das. Ich bin so simpel, Gelddruck zieht bei mir immer. Hilft nur nicht gegen die nörgeligen, trödelnden Spätaufsteherkinder. 

Dritte Grenze: Pippi ins Bett bringen. Weil es einfach ewig dauert, bis sie schläft. Weil sie mich (unabsichtlich) dabei haut und tritt. Weil sie nochmal was essen will, trinken, ja, alles kein Problem, wenn du dann schläfst, liebes Kind, ach, tust du nicht, du hampelst noch rum und reißt dir am Ohr und an den Haaren und dann singst du und schau mal Schatz, ich bin hundemüde und hab noch so viel zu tun, ich kann einfach nicht mehr, ich will hier nicht den ganzen Abend sitzen und dir dabei zuschauen wie DU DICH SELBST VOM SCHLAFEN ABHÄLTST. Und morgen bist du dann wieder müde und magst nicht aufstehen. JETZT SCHLAF ENDLICH, VERDAMMT NOCH MAL! 

Und dann knallen mir irgendwann die Sicherungen durch und dann fliegen Türen oder Kissen und es fließen Tränen und das ist schon alles nur meiner gut trainierten Selbstbeherrschung zu verdanken, früher** gingen in solchen Situationen Dinge kaputt. 

Da muss also auch noch was passieren. 

Morgen. Oder Übermorgen. 

*was ich sagen will: „Das ist nicht vielversprechend, habt ihr mir zugehört? Das ist gar nichts, nicht signifikant, nichts! Hört auf in dieses Scheißprotein irgendeinen Kack reinzuinterpretieren, der da nicht ist! Und vor allem lasst mich da raus!“

**vor den Kindern, das letzte Mal war’s eine Schranktür in der Schwangerschaft mit Michel.  

Tag 642 – Was für eine schöne Zahl.

Ich bin total genervt von allem, deshalb nur kurze Meldung. 

Die Bauarbeiten sind zu ca. 7/8 fertig. Es fehlen nur noch so Kleinigkeiten, wie Latten auf den Löchern die beim Türeneinbau gerissen wurden und irgendwie hat es auch keinen Sinn, für den Warmwasserbereiter extra einen Raum mit Brandschutztür zu bauen, wenn man dann das Stromkabel für selbigen Warmwasserbereiter durch die Tür legt, sodass man diese nicht mehr schließen kann. 


Außerdem ist es überall furchtbar dreckig und der Staub von den Rigipsplatten hat sich in jede Pore der Holzdielen im hinteren Flur gesetzt, sodass man jetzt immer weiße Fußsohlen bekommt, wenn man da lang geht. Trotz Fegens und dann Staubsaugens auf „Saugt Wurmlöcher auf“-Stufe. 

Außerdem Kinderkram, der mich doll orrren lässt, aber dazu eventuell später mal, es geht eh nur indirekt um unsere Kinder. 

Stoff reichte nicht mehr für ein Kleid. 

Und müde. Müde bin ich auch. Sehr. Letzte Nacht um eins war Pippi fast aus dem Bett gefallen (nur der Kopf lag noch auf der Matratze, der Rest auf dem Boden) und da begann eine Nacht in der ich von Bett zu Bett wanderte. Sowas strengt an. 

So, genug genörgelt. Morgen ist ein neuer Tag.

Tag 639 – Bekymringswoche Tag 4. 

Heute früh dachte ich noch, ich müsse Pippi zu Hause betreuen, weil die gestern Abend echt mies drauf war und auch Fieber hatte. Als wir dann aber Michel im Kindergarten abliefern wollten, wollte sie unbedingt dableiben und war auch super gut drauf und fit. Ich ließ sie also da und fuhr alleine nach Hause – meinem Chef hatte ich nämlich schon mitgeteilt, dass ich heute nicht käme. Zu Hause prokrastinierte ich dann ein Weilchen und setzte mich irgendwann hin um mir ein Networking-Netzwerk-Profil anzulegen. Das tat ich auch, wurde aber nicht wirklich fertig, weil mir das Bild noch fehlt. Herr Rabe hat gestern Nachmittag von mir eins gemacht, auf dem ich normal (also nicht verrückt, albern oder viel müder als ich in echt bin) aussehe. Hurra. Aber es ist noch auf der Kamera, aus Nörgelkindergründen. Also machte ich da erstmal Pause und machte mich an die E-Mail-Allerts der größeren Firmen. Ich kam nicht sooo weit damit, weil ich schon bei der dritten Firma über eine Stellenanzeige stolperte, die mir leichte Schnappatmung verursachte. Ich beschloss nach dem ersten Schreck, es einfach drauf ankommen zu lassen, und mich da zu bewerben. Ha. Falls ich den Job kriege (nein, wenn ich den Job dann habe, positiv denken ist wichtig!) muss ich halt wirklich fix aufschreiben, das ist dann eben so. Vielleicht nicht das schlimmste, da ein festes Datum für mich und auch für meinen „Du könntest doch noch fünftausend Experimente machen“-Chef zu haben. Naja, jedenfalls war das Resultat meines Vorhabens, dass ich meinen Lebenslauf aktualisieren musste. Und während ich so aktualisierte, merkte ich, dass das ganz und gar uninteressant für die Stelle ist, mit welchen Massenspektrometern ich gearbeitet hab und dass ich mal Pilot-Scale DSP gemacht hab. Also schrieb ich alles nochmal um und hielt Rücksprache mit LittleB und dann schrieb ich nochmal Sachen rein und andere raus und sortierte um und dann war ich sehr müde und morgen geht’s damit weiter. Puh. Diese Bekymringswoche hat’s echt in sich. 

Tag 617 – Fertig. 

In jedem Wortsinn. 

Morgen noch zum Altkleidercontainer, meine bisherige Winterjacke brauche ich dank heutigem Neuerwerb* nicht mehr und die Unterhosen, die ich von meiner Oma bekommen habe, sind am Bund so eng, dass mein bisschen Bauchspeck davon zu einem ordentlichen Muffintop zusammengeschnürt wird. Größe 44/46 steht drin. Äh: niemals, meine H&M-Unterhosen (ist ja nicht gerade bekannt für üppige Schnitte, der Laden) sind aus Komfortgründen eine locker sitzende 40/42. Aber egal, die komischen Unterhosen sind ja ansonsten noch gut und wandern also morgen früh auf dem Weg auf die Autobahn in die Altkleidersammlung. 

Dann noch ein Spargelbüdchen finden**, das um acht schon auf hat und dann: 4 Stunden Autobahn. 

Bald wieder entspannte Kinder. Das wird so schön. 

Ich war noch nie nach einem „Urlaub“ so müde. Vielleicht überlege ich mir das nochmal mit dem „näher an Bielefeld ran ziehen, damit man öfter mal herkommen kann“. 

*eine Herrenjacke, weil Frauen™ scheinbar keine warmen Jacken tragen oder gerne mehrere Jacken übereinander anziehen. Könnte ich mich schon wieder drüber aufregen, aber, ach. Zu müde. Dafür hat die jetzt halt tausend Taschen, innen, außen, ich hab also Platz für alle meine Lippenstifte. 

**bevor Sie hyperventilieren: wir werden uns nicht allzu lang mit der Suche aufhalten. Wenn nich, dann nich. 

Tag 603 – WmDedgT im April ’17

Whee, es ist der 05. und da braucht sich der Tagebuchbloggende Mensch nichts besonderes ausdenken, denn wir erzählen heute alle einfach Frau Brüllen, was wir so den ganzen Tag gemacht haben.

Aufgestanden bin ich. Jawohl. Sogar schon nach nur recht kurzem Rumgesnooze. Als ich Michel weckte, sagte er „Aber meine Augen sind doch noch ganz müde!“ das war sehr niedlich und ich kann das auch sehr gut verstehen. Meine Augen und auch der ganze Rest von mir waren heute morgen auch noch müde. Nach ner Dusche ging das aber schon besser, dann hab ich mich im Gesicht angemalt (mit ein bisschen Glitzer, Glitzer hilft gegen innerlich müde Augen enorm!), meinen Teil zum Kinder anziehen beigetragen (ich weiß nicht mehr genau, in was der bestand) und dann die Kinder zum Kindergarten gebracht, in der Praxis heute: Pippi im Anhänger mit dem Fahrrad gezogen und Michels Geheul wegen „Ich hab kein Cap mitgenommen, buhuhuuuuu!“ (Übersetzt: „Ich bin total müde weil ich gestern erst um neun im Bett war, buhuhuuuuuu!“) während des Fahrradfahrens ertragen. 

Kinder im Kindergarten abgeliefert, mit Zusatzinfo: Pippi war sehr früh wach heute morgen und Michel sehr spät gestern Abend noch, also haben beide Kinder potentiell schlechte Laune (Übersetzt: „Wenn die komisch drauf sind heute, steckt ihnen bitte nicht sofort ein Fieberthermometer in den Po.“). Kein Problem. Wieder nach Hause, das Fahrrad abgestellt. Da ist nämlich schon wieder was losgeruckelt und mit so einem laut klappernden Rad fahren macht viel weniger Spaß, als im Sonnenschein zur Arbeit zu spazieren.

Spaziergang zur Arbeit. Vor der Krankenhausapotheke meinen Co-Supervisor getroffen, bei dessen Anblick mir auch siedend heiß einfiel, dass wir später ein Meeting haben würden. Kurz Hallo gesagt und Bis später und dann öffnete auch schon die Apotheke und er ging rein. 

Noch auf dem Weg gedacht: hoffentlich geht es Frau Herzmolekül gut, die meldet sich gar nicht. Dann große Freude: sie hat sich gemeldet und die Twin-Moleküle sind jetzt da und da musste ich glatt ein Tränchen verdrücken und auch von hier sei noch mal ganz herzlich gratuliert!

Arbeit, Arbeit. Emails, Reisekostenabrechnung noch mal kontrollieren, kurz mit dem Chef gesprochen. Dann kurzes Motivationsloch, das ich durch Erledigen meiner Steuererklärung gestopft habe. Wie auch schon im letzten Jahr hat das ca. 5 Minuten gedauert, wovon der Größte Teil für das Einloggen mit gefühlter fünfzig-Phasen-Authentifizierung draufging. Fazit: meine Daten waren alle korrekt bei der Steuerbehörde eingegangen, im Juni werde ich dann etwas unter 8000 NOK an zuviel gezahlter Einkommenssteuer erstattet bekommen. Schön, schön. Beflügelt beim Hausarzt angerufen, ob ich einen Termin zur Blutabnahme brauche, das halbe Jahr seit der letzten Kontrolle der Schilddrüsenwerte ist schon wieder rum. Ich brauche keinen Termin und außer Freitags kann ich immer einfach vor elf Uhr vorbei kommen. Gut, das mache ich gleich morgen.

Dann Labor, Mittagessen, Labor. Verzweifelte Suche nach Glykogen, weil die *miieeep* Stoffkartothek der Uni mich nicht einloggen ließ. Irgendwann im anderen Stockwerk Glykogen gefunden, 12 mikroliter entnommen und zu meiner Probe gegeben, alles eingefroren und fertig. Auf dem Weg aus dem Gefrierschrankraum dem Typen in die Arme gelaufen, dem ich von meiner Glykogen-Suche berichtet hatte und der mir Glykogen geben wollte. Ihm stattdessen das Röhrchen zurück gegeben.

Mit einer Kollegin Kaffee geholt und dabei über Literatur gesprochen, sie mag Kafka, ich nicht so. 

Mit halb ausgetrunkenem Kaffee zum Meeting spaziert. Mein Chef hat jetzt so ein Hipster-Fahrrad ohne Gänge. Außerdem hat er ab nächstem Jahr eine Woche Urlaub mehr pro Jahr, weil er nächstes Jahr 60 wird. Ich war aber auf dem Weg hauptsächlich damit beschäftigt, mich über meine Fitness zu freuen, ich schnaufe nämlich jetzt nicht mehr wie eine Dampflock, wenn ich auf dem Hauptcampus der Uni (auf einem Berg) angekommen bin. Das war vor drei Jahren eine reine Katastrophe, mit meinen Schilddrüsenwerten musste ich teilweise 10 Minuten eher losgehen als alle anderen, weil ich immer wieder so aus der Puste war auf dem kurzen Weg, dass ich anhalten musste. Heute war das also gar kein Problem und ich sehe dem Termin morgen gelassen entgegen. Tatsächlich erwischte ich mich kurz bei dem Gedanken, dass es endlich mal normale Verhältnisse sind: Ich (Anfang 30) bin deutlich fitter als Mr. I trust you (Mitte 40), der wiederum ist deutlich fitter als der Chef (fast 60).

Meeting. Langweilig. Sehr. Es geht voran (gut), „wir“ (die PostDoc vom Co-Supervisor) schreiben fleißig an Artikeln (gut), für ein Journal mit hohem Impact-Factor brauchen wir aber noch dies und das und jenes und Mr. I trust You und ich haben da grad keine Kapazitäten für, so sad (natürlich ist das wirklich doof, aber ich nehme mir das nicht persönlich zu Herzen. Wenn ich ein Laboräffchen bekomme, mache ich das, ein nicht, mache ich das vielleicht in einem halben Jahr). Viel Gelaber über Impact Factors. Nervt mich unendlich ab, das ist echt der Schwanzvergleich der Wissenschaftler*Innen: alle wissen, es ist Quatsch und sagt eigentlich nichts aus, aber es wollen trotzdem alle den längsten, ähh, höchsten Impact Factor haben.

Nach dem Meeting in die Stadt spaziert um *ZENSIERT* zu kaufen. Ich scheiterte fast am Kauf von *ZENSIERT*, am Ende und im dritten Laden gelang es mir aber doch, etwas meine hohen Ansprüche halbwegs befriedigendes zu finden. Kurz durch die Sale-Artikel für mich geschaut, aber alles war entweder aus ekligem Plastik-Stoff, den ich nicht auf der Haut haben mag, oder unmöglich geschnitten oder grauslich gemustert. Meh. Weiter in Richtung Solsiden spaziert, da bei Clas Ohlsson eine größere Ferien-Box für die stark gewachsenen Schnecken gekauft, in die ich noch Löcher machen muss, die Schnecken werden in unserem Urlaub wieder bei meiner Kollegin und von ihren Kindern betreut. 

Nach Hause spaziert. 15.500 Schritte heute.

Kurz für ein halbes Stündchen auf dem Sofa versackt und mit Herrn Rabe geschnackt, während die Kinder Mausclips guckten. Dann gekocht, gespült, Spülmaschine ausgeräumt. Gegessen (Gefüllte Paprika* und dazu Vollkornreis mit Tomatensauße, sehr lecker das alles) und dann wollte auch schon Michel in Bett gebracht werden, der war auch einfach reichlich fertig. Pippi war beim Essen erst sehr zufrieden, dann kurz angestrengt und dann wollte sie mal wieder partout nicht ausgezogen werden, was zum Windeln wechseln aber nun mal unumgänglich ist. Entsprechend hörte ich sie noch aus Michels Bett im Bad kreischen. Armer Herr Rabe. Als Michel eingeschlafen war, las ich noch ein bisschen bei Twitter herum und kämpfte gegen den Schlaf an. 

Irgendwann dann doch wieder aufgestanden, etwas in der Küche gerödelt und jetzt sitze ich hier und tippe, auch schon seit einer guten Weile. Eigentlich wollte ich für das Geburtstagskind morgen noch eine Mütze nähen, aber vielleicht mache ich das zugunsten von Schlaf einfach nicht. Ich habe das Gefühl, das mit dem Schlafen könnte heute vielleicht sogar vor Mitternacht klappen, das sollte ich dann wohl nutzen.

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*Paprika-Füllung: ca. 4 Scheiben weißes Brot in kleine Würfelchen schneiden und in Olivenöl mit Knoblauch anrösten. Dazu ein ordentliches Stück Feta (in Würfeln) geben, ein bis zwei Esslöffel saure Sahne, vier in Ringe geschnittene Frühlingszwiebeln und das Ganze gut vermanschen. Mit weißem Pfeffer, Kräutern nach Gusto und Paprikapulver würzen und in entdeckelte Paprika stopfen (ca. 4). Den Paprika-Deckel wieder draufstehen, auf ein Tomatensoßenbett setzen und bei ca. 200 °C ca. 30 Minuten bei Umluft backen. Fertig. Lecker.

Tag 589 nachgetragen – Das Kleinkind! Der Jetlag! Hurz!

Weshalb ich gestern nichts schrieb, ist prinzipiell sehr schnell erklärt: ich bin mit Pippi im Bett eingeschlafen. Sonst habe ich ja dann gerne mal nachts noch eben sowas geschrieben, gestern eben nicht, ich wollte nämlich einfach nur eins: bis zum Morgen weiterschlafen. (Und dann um fünf ausgeruht aufstehen und hier schreiben, was ich für ein Genie bin und dass ich endlich den Jetlag besiegt habe.)

Um zehn war Pippi wach. Herr Rabe war aber auch noch wach und holte sie zum Banane essen ab. Sie aß eine komplette Banane. Dann brachte Herr Rabe sie wieder und sie schlief recht fix wieder ein. 

Um halb zwölf kam Herr Rabe ins Bett, Pippi rödelte daraufhin im Bett herum und beschwerte sich. Ich glaube, sie konnte sich so spontan nicht entscheiden, mit wem sie lieber wrestlen kuscheln wollte. Nach ca. 15 Minuten schlief sie wieder ein. Ich brauchte für dieselbe Tätigkeit ca. 30 Minuten. 

Um eins war Pippi wieder wach. Richtig wach, mit Treten und Brüllen und allgemein schlechter Laune wegen

  1. Hunger (ja, echt, schon wieder!)
  2. Durst
  3. Der Schlafanzug hat Füße (hier Weltuntergangsankündigungsmusik* vorstellen)

Also aß sie noch eine halbe Banane, trank einen halben Becher Wasser und wir zogen ihr mitten in der Nacht den Schlafanzug aus und einen Body an. Inzwischen war es halb zwei, aber Pippi schlief recht schnell wieder ein.

Ich hingegen war dann erstmal wach. Richtig „Ich könnte jetzt aufstehen und den Tag starten“-wach. Bis drei. Oder jedenfalls so ungefähr, ich gucke nachts fast nicht auf die Uhr, das stresst ja doch nur, zu wissen, wie wenig Schlaf noch bis zum Weckerklingeln bleibt. Ich lag also im Bett und dachte so vor mich hin, keine schlimmen Grübeleien, eher so Alltagskram:

  • Würde es Sinn machen, aufzustehen? Ich könnte dann die Wäsche aufhängen. Und die Schnecken einsprühen, Herr Rabe hat das bestimmt vergessen. Hmm, lieber nicht noch den Kreislauf ankurbeln.
  • Ich könnte auch jetzt den Blogeintrag schreiben. Hinterher machen sich Leute Sorgen, wenn ich nicht schreibe! Hmm, lieber nicht, das Displaylicht würde mich bestimmt auch noch wacher machen. Obwohl, es ist ja nachtgedämpft. Ach nee, besser nicht.
  • Ich könnte lesen. Ach nee, mein Buch liegt irgendwo, nicht hier, weil ich das beim Schwimmen mithatte.
  • Schlafmittel? Nee, dann komme ich morgen vor Mittag gar nicht raus.
  • OK, Autogenes Training. Mein rechter Arm ist ganz schwer. Mein rechter Arm ist
  • Ich könnte vielleicht tRNA als internen Standard nehmen. Oder gleich als Oligo-Ersatz.
  • Mein rechter Arm ist ganz schwer. Mein
  • Ahhhh, nee, dann würde ja an allen Us… Obwohl, nee, UNG wirkt nicht an RNA. Oder? 
  • Mein rechter
  • Wenn ich kompetitiv vom Antikörper eluiere, kann ich dann nachher noch Nukleoside quantifizieren? Hmm. Sind einzelne Nukleoside in dem Fällungszeug löslich? Bestimmt. 
  • Mein rechter Arm ist
  • Ooooder ich mache das dann über die Säulchen, muss ich ja eh. Ja. Das klappt.

Sie haben ein Bild. Natürlich war es mir dann um fünf Uhr gänzlich unmöglich, aufzustehen. Um sechs beschloss ich, es einfach zu lassen mit dem Aufstehen. Um sieben war Pippi wach und sang und wurde dann von Herrn Rabe abgeholt. Michel war auf Nachfrage noch nicht wach, sondern „sliten“ (kaputt) und kuschelte sich an. Um halb acht weckte Herr Rabe uns mit den Worten „Es schneit!“. 

Um halb neun hatte ich die Kinder (alles, vor allem den Schnee, abgrundtief hassend) mit dem Schlitten in den Kindergarten gezerrt, stellte fest, dass ich meine Kopfhörer vergessen hatte, ging wieder nach Hause und machte mir einen Kaffee. Hängte die Wäsche auf und sprühte die Schnecken ein. Packte meine Ballettsachen. Und dann fuhr ich, halbwegs besänftigt und nicht mehr ganz so hasserfüllt mit dem Bus zur Arbeit. 

Das mit dem Jetlag könnte dann bitte auch mal langsam ausgestanden sein. Und Pippis Schlechtschlafphase auch. Bittebitte.
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* ich bin mir ganz sicher, dass es da für den Fall der Fälle eines sich kurzfristig ankündigenden, direkt bevorstehenden Weltuntergangs á la Independence Day zu diesem Zweck von Hans Zimmer vorkomponierte Musik gibt, die dann über Lautsprecher weltweit abgespielt wird. 

Tag 587 – I will survive.

Tatsächlich ging es den ganzen Tag halbwegs gut mit der Müdigkeit, jedenfalls mit zwei großen Kaffee zwischendurch. Aber seit dem Pippi-ins-Bett-bringen geht nix mehr, erst schlief ich mit ein, dann wurde ich wach, jetzt habe ich Kopfschmerzen und mir ist warm und schlafen kann ich auch nicht mehr. 

Blöde Schwimmkursdinge sind blöd. 

Wir haben eine Lösung gefunden, die hoffentlich allen gerecht wird: Michel wird den Schwimmkurs wiederholen, aber mit seinem besten Kumpel zusammen. Der hatte nämlich das gleiche Problem: die Lehrer*Innen sehen ihn nicht, obwohl er alles anfangs top mitmachte, er bekam nie eine positive Rückmeldung. Jetzt lässt ers halt, das Mitmachen. Und kriegt eine „schlechte Bewertung“ (eigentlich ist es nur eine Empfehlung, aber die koppeln sie an das Vortrittsrecht und die Kurse sind alle voll, wenn man das nicht hat…). Bei Michel lautete die „Ist sehr vorsichtig und weicht daher Übungen aus. Muss sich erst sicherer im Wasser fühlen.“. Wir reden hier von einem Kurs, dessen Ziel es war, den Kindern „Treiben“ beizubringen. Das machten sie in der, wenn ich mich recht erinnere, dritten oder vierten Stunde. Michel, und alle anderen auch, trieben. Sie hüpfen auch durch Ringe. Hüpfen vom Beckenrand ins tiefe Becken. Michel liebt tauchen und holt alles vom Beckenboden hoch. Aber die Lehrerin sieht in Michels Fall nur, dass er herumhampelt, wenn sie sich länger mit einem anderen Kind beschäftigt (was sie wirklich oft tut). Sie bezieht ihn aber auch einfach nicht mit ein, in das was die Gruppe macht, sondern ignoriert ihn lässt ihn halt hampeln. Nach dem Herumhampeln kommt dann das Desinteresse. Kurz gesagt: die Schwimm-Kompetenz der Lehrer*Innen will ich in keinem Fall in Frage stellen, aber die pädagogische ist… ausbaufähig. Und das gedenke ich der Schwimmlehrerin auch so zu sagen. Möglichst sachlich und freundlich auch wenn die mein Baby beleidigt hat das ja wohl das großartigste Kind der Welt und zudem herausragend talentiert im Treiben ist. Auch die Mutter von Michels Kumpel will das ansprechen. Kostet ja auch nur 150€ so ein achtwöchiger Kurs, also Schwamm drüber. Puh. Ich hoffe eonfach, dass er ganz bald schwimmen lernt (noch drei mal 150€…) und wir die Schwimmkurssache dann abhaken können. Ich grummel immernoch sehr darüber, dass man überhaupt 4-Jährige durch 17-Jährige bewerten lässt. Aber ich sehe auch, dass er unaufmerksam wird, wenn er nicht genug Beachtung bekommt und das kann er dann ja mit seinem Kumpel zusammen üben (und sich gegenseitig Beachtung geben und zu zweit um die Gunst Aufmerksamkeit der Lehrer*Innen buhlen), das hoffen wir Erwachsenen jedenfalls.