Tag 73 – Gehacktes

Der Tag war so lang und ich so müde dass ichs fast nicht zum Ballett geschafft hätte wegen fehlender Motivation. Ich war aber doch da und es war super gut. Werde sicher Muskelkater haben morgen, aber egal, wir haben heute 45 Minuten an der Stange gearbeitet und dann noch mal 45 Minuten nur an der Choreografie. Ich tanze zwar bei der Show nicht mit, aber so ein intensives Arbeiten an einem Stück finde ich nach wie vor gut. Und auch, das dann am Ende ca. tausend mal durchzuorgeln, bis einem der Schweiß richtig läuft. Wunderbar.


Das Kind fand es ganz und gar nicht gut, dass ich zum Tanzen wollte, weil es dachte (glaube ich jedenfalls), dass ich nicht wiederkomme. Das ist natürlich absurd, aber für das Kind deshalb ja nicht weniger schrecklich. Es war dann halbwegs ok, nachdem ich ihm versichert habe, dass ich ihm noch nen Gute-Nacht-Kuss gebe, wenn ich wiederkomme. Hab ich natürlich dann auch gemacht, aber es hat schon geschlafen, zählt das trotzdem?


Beim Statistikkursübungaufgabenbesprechungstermin festgestellt, dass ich nicht der einzige Idiot bin, der an der ein oder anderen Stelle einen Hirnknoten bekommt. Gleichzeitig festgestellt, dass meine Ergebnisse nur deshalb falsch waren, weil ich eine falsche Taste am Taschenrechner gedrückt hatte. Ich bin also Schrödingers Idiot: Doch nicht doof (weil im Prinzip der Lösungsweg ja richtig war) und doch doof (weil falsche Taste gedrückt). Hmm.


Mit Baby beim Baby-TÜV gewesen. Es hat die 95er-Perzentilkurve fürs Gewicht verlassen und ist jetzt „nur noch“ zwischen der 75er und 90er, was laut der Gesundheitsschwester „kein Grund zur Besorgnis“ ist. Ich soll trotzdem einmal extra fürs Wiegen kommen und blablabla. Wärs mein erstes Kind, würde ich mir jetzt Sorgen machen. Blöde Kuh. Außerdem hat die auch die Impfspritzen quasi in Zeitlupe ins Baby geschoben. Blöde Doofkuh. Sonst ist das Baby aber top entwickelt, super stark (wusste ich ja schon) und super fokussiert (wusste ich auch schon).


Im Kindergarten beim Abliefern des Kindes zur Unterschrift auf einem Zettel genötigt worden. Den Zettel hatte ich seit drei Tagen zu Hause vergessen, unterschrieben hatte ich auch noch nix, hatte das aber vor, ehrlich! Es geht drum, dass der Kindergarten eine heimliche, geschlossene Facebookgruppe hat, in der bisher Fotos vom Kindergartentag der Kinder geteilt wurden. Und jetzt hat jemand entdeckt, dass man Facebook ja hacken kann!!! Und dann könnte jemand, der „Facebook hackt“, ja die Bilder von (dreckigen, in Regenkleidung im Matsch spielenden) Kindern verkaufen und dann könnte der Käufer damit schlimmen Schindluder treiben! So wurde es uns jedenfalls auf dem Elternabend gesagt. Ich konnte mich grade noch so zusammenreißen, meine Hand nicht laut in mein Gesicht klatschen zu lassen. (Also wenn Sie jetzt unbedingt Bilder vom Kind  sehen wollen, müssen Sie nur Facebook hacken, ich hab das jetzt unterschrieben, dass ich mir des Risikos bewusst bin.)

Tag 56 – WMDEDGT 10/15

Da heute der 5. ist, hat Frau Brüllen zum WMDEDGT (Was machst du eigentlich den ganzen Tag?) aufgerufen. Schon alleine, weil ich mich das auch oft frage, hab ich mich diesmal zum mitmachen entschieden. Also denn…

  • 07:00/07:04 – 07:18/07:22 Die Wecker klingeln und ich drücke diverse Male auf Snooze, was gar nicht so einfach ist, weil das Baby seit der letzten Mahlzeit um 05:30 auf mir schläft und der Wecker neben meinem Kopf liegt.
  • 07:30 Ich stehe auf. Ich wälze das Baby von mir und dann mich aus dem Bett. Das Baby fängt umgehend an zu meckern, also nehme ich es mit. Der Klempner, der die Dusche reparieren soll, hat sich für 8 Uhr angekündigt und das letzte Mal, als er das tat, war er um viertel vor schon da. Ich möchte dann ungern noch im Schlafshirt sein.
  • 07:48 Ich bin mit Baby wickeln und anziehen fertig. Ich selbst bin noch im Schlafshirt. Aber immerhin war ich schon auf dem Klo.
  • 07:58 Ich bin vollständig bekleidet (Schlüpper, Socken, Stillshirt, Pulli, Joggingbuchse), habe mein Gesicht gewaschen und die Zähne geputzt. Duschen dürfen wir nicht, weil der Boden absolut trocken sein muss. Ich starte eine Maschine Windeln und schiebe dann den Wickeltisch von der Dusche weg vor die Waschmaschine.
  • 08:05 – 08:12 Ich mache Kaffee und bereite mein Müsli vor. Ich bin unkonzentriert beim Milch aufschäumen: der Kaffee wird zu heiß.
  • 08:15 Ich fange an zu frühstücken. Das Kind schleppt Spielzeugtiere an und teilt mir alle zu, bis auf den Papagei, das ist seiner. Ich freue mich.
  • 08:20 Der Klempner kommt. Auch ihm werden alle Tiere gezeigt und auch ihm wird erklärt, dass der Papagei dem Kind gehört. Der Klempner freut sich nicht und reagiert überhaupt kaum. Einmal sagt er „Papagei, ja.“.
  • 08:22 Das Kind stellt sich einen Hocker ins Bad und setzt sich hin, um dem Klempner zuzuschauen. Das Baby hat Hunger und ich freue mich sehr darüber, weil sich seit gestern meine Brüste wie steinharte, heiße Kugeln anfühlen, weil das Baby nicht trinken wollte. Wir stillen. Erleichterung. Ich esse weiter mein Müsli.
  • 08:23 Herr Rabe entfernt das protestierende Kind aus dem Bad.
  • 08:23 – 08:30 Ich lausche dem Kind-Anzieh-Prozedere im Flur.
  • 08:31 Herr Rabe und das Kind sind unterwegs. Das Baby ist satt und fröhlich. Ich packe mich wieder ein und lasse das Baby Bäuerchen machen. Es spuckt und lacht.
  • 08:33 Der Klempner kommt aus dem Bad und sagt, er sei fertig. Angekündigt waren zwei Stunden Dauer der Reparaturarbeiten. Aus Schaden klug besehe ich mir das Ergebnis. Ist ok. Ich bitte den Klempner, noch die Bohrlöcher von der alten Dusche zu verschließen. Er spritzt klares Silikon in die Löcher. Ich atme. (Irgendwann schreib ich diese Dusch-Odyssee noch komplett auf.)
  • 08:35 – 09:00 Ich gehe mit dem Baby wieder ins Bett und nehme den Kaffee mit. Der hat jetzt auch eine trinkbare Temperatur. Ich lese ein bisschen im Internet herum und schaffe es nach unzähligen Versuchen, ein annehmbares Selfie von mir, dem Baby und dem Kaffee zu machen, auf dem das Baby nicht zu erkennen ist. Ich richte das Bild als Twitter-Profilfoto ein und dutzel noch einen Hintergrund dazu. Dabei trinke ich den Kaffee aus. Das Baby schläft auf mir ein.
  • 09:00 – 10:30 Ich lese Purity, es ist wirklich sehr sehr gut. Kaputte Charaktere, etwas weniger Normalos als sonst bei Franzen, eher Freaks. Kaputte Beziehungen. Wie immer aus verschiedenen Warten erzählt, jede Sicht mit eigenem Stil. Hachz. Franzen for Literaturnobelpreis.
  • 10:30 – 11:00 Ich dödel noch ein bisschen im Internet rum, schreibe einer Freundin, verabrede mich mit einer anderen morgen zum Lunch und mit einer dritten morgen nachmittag zum Shoppen.
  • 11:00 Das Baby wacht auf und hat Hunger. Dankbarkeit, dass auch die andere Seite sich nach dem Stillen nicht mehr so hart anfühlt.
  • 11:14 – 11:22 Ich nehme das Baby mit ins Bad, stelle den Wickeltisch wieder um, wechsle die Windel, lass es dabei nackt strampeln mit einer Plastikwindel als Backup unterm Po. Schlau bin ich, denn
  • 11:18 Das Baby kackt. Merke: Tran stinkt auch verdaut noch nach Tran.
  • 11:28 Ich habe meine Sportklamotten an. Minus die Hose, die ziehe ich da erst an, ich lasse aus Faulheit die Joggingbuchse an. Ich räume die Wäsche in den Trockner, träufele etwas Teebaumöl auf einen der Waschlappen, schmeiße ihn auch in den Trockner und starte das Programm. Teebaumöl killt jeden Geruch, sogar Tran.
  • 11:35 – 11:45 Ich esse sehr schnell eine kurz aufgewärmte Portion vom Abendessen von Samstag: Kartoffel-Kohl-Lasagne. Dazu viel Tee, weil Durst.
  • 11:45 – 11:50 Ich packe den restlichen Kram zusammen, den ich zum Sport brauche. Also ein Tuch zum Baby drauflegen, Spucktuch, Schnuller, Wollsocken fürs Baby, meine Sporthose und eine Flasche Wasser. Wickelset und Unterlage sind noch im Rucksack.
  • 11:55 Wir brechen auf zur Bushaltestelle. Baby meckert den Kinderwagen zuerst an und starrt dann gebannt das Waschschild im Verdeck an.
  • 11:57 – 12:05 Warten auf einen Bus in die richtige Richtung.
  • 12:05 – 12:11 Busfahrt.
  • 12:11 – 12:16 Fußweg zum Fitnessstudio.
  • 12:15 Baby schläft ein.
  • 12:17 – 12:29 Ich schleppe das Kinderwagenoberteil die Treppe hoch, ziehe mich um, mache unseren Platz im Kursraum fertig, chille ein bisschen. Das Baby schläft.
  • 12:29 Das Baby wacht auf. Ich hole es.
  • 12:30 – 13:15 Muttisport, Krafttraining. Mit Terrabändern und Baby rumwuppen und Singen und allem. Wenn ich das Baby grad nicht als Hantel brauche, lege ich es auf den Bauch. Es drückt sich prima hoch und kann sogar die Arme schon wieder unter den Körper ziehen. Ich bin stolz.
  • 13:17 – 13:19 After-Workout-Stillrunde. Das Baby trinkt aus Gruppenzwang ca. 2 Minuten und grinst mich dann an. Wir gehen umziehen.
  • 13:25 Aufbruch beim Fitnessstudio. Die meisten Muttis stillen noch. Das Baby pennt nach 2 Minuten Kinderwagen fahren ein. Ich beschließe, mir einen Kaffee zu holen.
  • 13:30 – 13:40 Kaffeeholprozedere bei 7Eleven. Mir fällt beim Betrachten der leuchtenden Schildchen auf, dass mein rechtes Auge und mein rechtes Brillenglas schon wieder nicht mehr zusammenpassen.
  • 13:42 Es ist so schönes Wetter, dass ich beschließe, zu Fuß zu gehen. Nach Hause lohnt zwar jetzt nicht mehr, aber dann geh ich halt einkaufen.
  • 13:42 – 14:15 Mit größtmöglicher Langsamkeit gehe ich Richtung Kindergarten.
  • 14:15 – 14:30 Fußweg zum Supermarkt.
  • 14:25 Kurze Verwirrung, da Textnachricht von dritter Freundin: „Bin auf dem Weg“. Sie hatte sich mit dem Shoppingtag vertan. Blöd, morgen kann sie nämlich nicht.
  • 14:30 – 14:40 Baby meckert. Wir kaufen Geburtstagskram fürs Kind. Nicht-gegendert und ohne Disney. Pappteller, Plastikbecher, kleine Tütchen für Goodiebags.
  • 14:40 – 14:45 Baby meckert noch immer. Wir kaufen Käse und Bananen, ich schuckel-schiebe den Kinderwagen.
  • 14:45 – 14:55 Ich lasse mich schuckelnder Weise in der Apotheke zu Zahnpasta für empfindliche Zähne und entzündetes Zahnfleisch beraten. Kaufe Zahnpasta, die das zehnfache der Billigzahnpasta kostet, die ich sonst benutze. Lerne, dass man die Zahnpasta nur ausspucken soll, nicht nachspülen.
  • 14:52 Baby schläft wieder ein.
  • 14:55 – 15:10 Fußweg zum Kindergarten.
  • 15:10 – 15:20 Das Kind ist noch auf dem Klo. Ich bin umringt von Kindern, die das Baby angucken wollen. So beliebt war ich noch nie…
  • 15:25 Aufbruch vom Kindergarten. Das Wetter ist noch schön, das Baby schläft, das Kind will auf den Spielplatz.
  • 15:25 – 15:35 Fußweg zum Spielplatz.
  • 15:35 – 16:45 Spielplatz. Treffe auf Helikoptereltern und einen Fahrradfahrer in fast-professioneller Montur, der im Park hält um eine Zigarette zu rauchen. Das Kind malt mit einem Stock „Drachen“ in den Algen-Belag des Brunnens. Dann fällt der Stock ins Wasser und das Kind macht sich daran, Schuhe und Socken auszuziehen, um den Stock zurückzuholen. Ich schreite ein und sage, dass ich nach Hause möchte. Das Kind protestiert kurz dagegen, nicht im Brunnen baden zu dürfen. Dann gehen wir. Zu Hause gucke ich aufs Thermometer: Es sind 6°C.
  • 16:50 – 16:52 Das Kind verlangt nach Hustensaft. Genau genommen verlangt es nach einer Lakritzschnecke, mit der wir es zur Einnahme des Hustensafts bestechen. Hustensaft wird genommen.
  • 16:55 – 17:25 Das Kind ist müde. Wir gucken Sendung mit der Maus. Das Kind isst Lakritzschnecke. Das Baby stillt. Wir alle kuscheln.
  • 17:30 Herr Rabe kommt nach Hause und fängt an zu kochen.
  • 17:35 – 17:55 Das Kind springt ihm vor den Füßen rum, will auf den Arm oder helfen oder spielen oderoderoder. Dreimal fängt es wegen nichts an zu weinen und ich muss es trösten. Es ist wirklich, wirklich kaputt.
  • 17:58 Ich höre: „Fass das nicht an, der Topf ist heiß!“ – „Wääähhhh!!!“ Das Kind kommt angelaufen. Nichts passiert, aber es weint und will kuscheln. Wir kuscheln.
  • 18:00 Das Kind ist eingeschlafen.
  • 18:10 Herr Rabe zeiht das schlafende Kind um und bringt es ins Bett. Das Essen ist fertig.
  • 18:15 – 18:50 Wir essen gemütlich und reden über den Tag. Das Baby schläft auf mir und ich tropfe es mit Suppe voll.
  • 19:00 – 19:30 Herr Rabe geht sein Fahrrad reparieren. Ich und das Baby wechseln eine Windel und wandern dann wieder aufs Sofa. Ich dödel nochmal ein bisschen im Internet herum.
  • 19:30 – 21:40 Ich schreibe einhändig den Tag auf, weil ich mit der anderen Hand das Baby halte und/oder schuckel. Es dauert tausend Jahre. Zwischendurch muss ich stillen und einmal aufs Klo, mit Baby denn
  • 19:45 Herr Rabe bricht auf zum Fußball.
  • 21:30 Herr Rabe kehrt zurück und zieht sich um. Auch er darf nicht duschen. Wir stinken gemeinsam.
  • 21:40 – 21:51 Ich schreibe beidhändig den Rest des Tages auf. Das geht viel schneller. Herr Rabe liegt mit dem Baby im Bett. Ich gehe da jetzt auch hin, nachdem ich mir mit meiner neuen Zahnpasta die Zähne geputzt hab. Die Wäsche leg ich morgen zusammen.

Gute Nacht :)

Tag 46

Ich bin müde und schlecht gelaunt und ich möchte gerne um neun ins Bett, deshalb fasse ich mich kurz.

War beim Muttisport. War gut, hab ordentlich geschwitzt aber so soll das ja auch. Das Baby lacht sich über die bunten Gymnastikbälle total kaputt, das ist sehr süß. Dann haben wir die Babys wieder etwas rumgewuppt, das fand das Baby so mäßig cool und dann hab ichs zum Angeben und um die tummy-time für heute abzuhaken auf den Bauch gelegt. Und es hat sich auch brav hochgedrückt und fröhlich das Baby auf der nächsten Matte angelacht. 5 Minuten lang. Ha. Mein Baby ist das stärkste.

Nach dem Training noch kurz gestillt (es ist absolut göttlich, wenn nach den Stunden da neun, zehn verschwitzte Frauen im Kreis auf den Sofas sitzen und stillen) und dann fix Dosendusche und umgezogen und zu einer Veranstaltung der Hochschule für Kindergartenlehrer gegangen. Ja, Erzieher ist hier ein Studiengang. Und die Hochschule hatte zu einem „Säuglingscafe“ eingeladen. Mit Vorträgen über alle möglichen Baby- und Kleinkindthemen von Lehrenden der Hochschule und gratis. Als wir ankamen, wären wir grade perfekt pünktlich zum 2. Vortrag gewesen, aber das Baby brüllte wie am Spieß und beruhigte sich auch in der Trage nur sehr langsam, weshalb wir dann effektiv genau pünktlich zum (gratis) Lunch da waren. Es gab Wraps und ausnahmsweise auch mal ne vegetarische Variante. In jedem Wrap war ne Olive versteckt, na gut, kann man ja rauspulen, aber irgendwie schmeckte der Feta in unmittelbarer Oliven-Nähe auch sehr olivig. Egal, ein Hoch auf die vegetarische Version, das ist nämlich in Norwegen ganz und gar nicht selbstverständlich (leider). Die Vorträge nach dem Lunch waren auch gut, es ging um Abenteuer und Märchen in der Erziehung und um Freundschaften im Kleinkindalter. Ich habe mitgenommen, dass Kinder ihre Freunde selbst aussuchen (jau) und man den Freundschaften, egal wie weird sie auch erscheinen mögen, Raum geben soll (ok). Und dass man Kindern alles erzählen kann, aber wichtiger als der Inhalt die Gestik und Mimik des Erzählten sei und dass selbst ganz kleine Kinder schon „Geschichten“ mit unterschiedlicher Dynamik erfinden.

Danach hab ich mit beginnenden Kopfschmerzen (in dem kleinen Raum waren ca. 50 Muttis mit Babys gewesen!) das Kind abgeholt, das aber grad im Kindergarten einer erzieherischen Maßnahme unterzogen wurde, deshalb musste ich noch kurz warten. Das Kind hatte Quatsch gemacht („bråk“, das heißt Krach/Lärm/Radau), es wurde ihm gesagt, es solle das lassen, ob es das verstanden hätte. Das Kind antwortete nicht und versuchte, den Erzieher offensiv zu ignorieren. Daraufhin durfte es mit dem Erzieher so lange in der Küche sitzen, bis es eine zufriedenstellende Antwort auf die Ausgangsfrage gegeben hatte. Juchhe, Autonomiephase und noch mehr juchhe, dass wir nicht die einzigen sind, die sich mit dem manchmal weit über die Stränge schlagenden Kind herumschlagen müssen. Das Kind darf ja sehr viel bei uns, es muss sich ja auch ausprobieren, aber manche Sachen gehen eben nicht (mit Töpfen gegen die Wände hauen etc.) und genau das mit „ich tu so als hätte ich die Mama/den Papa/den Erzieher nicht gehört und mache einfach weiter“ haben wir hier auch oft. Und ja, ich nehme das Kind dann auch beiseite, erkläre ihm, wieso ich nicht möchte dass es das macht (weil es mich zu Tode nervt!!!) und ringe ihm ein „okay…“ ab. Meistens macht es dann genau den selben Scheiß nicht nochmal, sondern wandelt minimal ab. Also nimmt dann die Pfanne und haut damit gegen den Tisch z.B…. Das hat man dann vom konkret sein.

Nun gut, zu Hause angekommen waren die Kopfschmerzen dann doch recht ordentlich und das Baby am schreien und das Kind am nerven, sodass wir uns erstmal aufs Sofa gesetzt haben und ziemlich lange Bobo Siebenschläfer-Folgen geguckt haben. Dann gab es die letzten drei Pickerts vom letzten Jahr aufgetaut zum Abendessen und ich musste an meine Großeltern denken und wurde ein bisschen traurig, ok nicht nur ein bisschen sondern ganz schön doll, weil der Himmel einfach zu weit weg ist, aber ich glaube ich bin auch einfach müde und geschafft, es war ja auch ein langer Tag. So und deshalb: Gute Nacht.

Ach ja: der neue Schnuller funktioniert tatsächlich. Zielsicher hat das Baby als einzig akzeptable Schnullerform die kieferschädlichste überhaupt ausgesucht. Naja, aber unsere Finger sind erstens noch kieferschädlicher und zweitens furchtbar unhygienisch und das Kind konnten wir auch nach ca. nem halben Jahr auf eine andere Form umpolen, weil auch das Kind nämlich nur die kiefertötenden haben wollte anfangs und die aber schwer zu bekommen sind. Erstmal bin ich sehr froh, dass das Baby jetzt überhaupt einen Schnuller mal nimmt. Ehrlich, so Vollblut-Attachment-Parenting ist nix für mich. Aber dazu gibts auch noch mal einen gesonderten Artikel irgendwann.

Tag 25

Ein neuer Tag beginnt bekanntlich erst nach einer längeren Schlafepisode. Dementsprechend gilt das hier noch für gestern.

Der Bericht fällt auch kurz aus, da komplett fertig.

Muttisport Part II, Kondition. Trainerin schwanger. Keine Pippi diesmal. Mona. Wir hüpften auf Bällen. Interessant war das und anstrengend auch, aber nicht so doll anstrengend dass ich denke, joaaa, das hat nen Trainingseffekt. Naja, sehen wir mal wies weitergeht. Singen mussten wir auch, das Lied ist sehr norwegisch. Übersetzt geht es so:

Lauf im Wald, Lauf im Wald, Hacke Holz, Hacke Holz, Frier an den Füßen, Frier an den Füßen, Lauf lauf zur Mama heim.

Hmm ja.

Dann haben wir Freunde mit kleinem Baby besucht. Also, noch kleiner als unseres. Das war sehr nett, obwohl ich das Baby zweimal und mich einmal vorher umziehen musste wegen Babyverschmutzter Klamotten. Und sich das Baby dann auch noch bei den Freunden durchpillerte. Also mit geliehenen Klamotten nochmal umgezogen. Aber der Besuch war schön.

Dann zu Hause alles vorbereiten für den Besuch, der in diesen Minuten eintrudelt. Das ging so mäßig, weil das Baby am laufenden Band gebrüllt hat. Sogar im Tragetuch. Aber es hat irgendwie doch geklappt. Jetzt möchte ich aber gerne 8 Stunden am Stück durchschlafen, was nicht passieren wird.

Ach so: Marmelade kann anbrennen. Heute getestet. Ist nicht zu empfehlen.

Tag 21 – Muttisport

Ich habe mich zu einer Probewoche im Frauen-Fitnessstudio angemeldet. Die hat heute begonnen. Das Fitnessstudio wirbt mit so Sätzen wie „Wickeln, Füttern und Beschmusen der Kinder ist bei uns nicht nur möglich sondern ganz normal!“, das Logo ist pink und der Laden heißt „Femme“. In mir übergibt sich alles aber hier gibt es keine Rückbildungsgymnastik, was will Frau also machen.

Genauso wie zuckersüße Werbeaussagen von pinken Frauenfitness-Anbietern hasse ich übrigens das Wort „After-Baby-Body“. Also bevor jetzt irgendwer meint, mir ginge es nur darum, wieder irgendwie auszusehen, nein, so ist es ganz sicher nicht. Ich seh ganz ok aus, finde ich, klar bin Ich nicht 20 und überall wahlweise straff oder prall, aber mein Körper hat zwei Kinder gemacht, zwischendurch noch eine klitzekleine Hyperthyreose überstanden und so wie er jetzt ist gefällt er mir besser als zuvor. Doch halt! Das ist nur die halbe Wahrheit. Denn so ein After-Baby-Body hat einfach mal ganz schön was mitgemacht. Der Beckenboden ist labberig, die Haltung dadurch scheiße. Die Bauchmuskeln können sich über ein sie trennendes Tal Begrüßungen zujodeln, statt sich wie sonst die Hand zu reichen. Macht die Haltung nicht besser. Die Brüste sind, ähhhh, gigantisch. Man schleppt dauernd ein Baby herum. Schläft ohne sich zu bewegen, um ja nicht das Baby zu zermatschen. Und an richtigen Sport (was auch immer das für die Einzelne sein mag) ist schon Wochen vor der Geburt nicht zu denken gewesen. Ergebnis von all dem bei mir sind Rückenschmerzen from hell. Dadurch dann auch wieder Kopfschmerzen. Und den Menschen in meiner Umgebung immer weniger zumutbare Laune. Deshalb der Muttisportkurs. Ich könnte auch zu Hause alleine und so aber dafür bin ich zu faul. Ein Ansporn wie „das hat tausend Millionen Euro gekostet, jetzt muss ich da auch hin!“ hilft da enorm.

Jedenfalls versuchte ich heute meinen Zynismus zu Hause zu lassen und ging zu einer Stunde „Mutter und Mini: Kraft“. In dem Raum fand noch die vorhergehende Stunde statt. Mütter robbten im Army-Style über den Boden, neben ihnen ihre Kinder auf Fitnessmatten. Es beruhigte mich etwas, dass man offensichtlich keine Sportschuhe brauchte, weil ich sowas seit der Schule nicht mehr besitze. (Ich könnt meine Spitzenschuhe dafür anziehen. Sind ja auch Sportschuhe…) Es lief gehirnfressende Fitnessmusik. Dem Baby fiel prompt ein, dass es am Verhungern war. Und mich empfing eine ca. 24-Jährige mit den Worten „Hallo, ich bin Pippi, hat schon jemand deine Bauchmuskeln untersucht?“ Ich sach mal so: es hätte geiler sein können. Dann kam noch eine Arbeitskollegin von mir herein, von der ich weiß, dass sie, wenn sie nicht grad ein Kind geboren hat, Marathon läuft. Alle hatten Funktionskleidung in verschiedenen Pinktönen an. (Das ist so ein Norweger-Ding. Die haben immer Funktionskleidung an. Manche gehen damit arbeiten. Auf mich wirkt das immer als würden sie sagen wollen „Sonst mach ich ja richtigen Sport.“.) Ich persönlich finde Mikrofaser auf der Haut eklig und es riecht auch meiner Meinung nach schlimm, wenn man drin schwitzt. Aber mit meinem hellblauen Baumwollshirt fiel ich schon etwas aus dem Rahmen, optisch gesehen.

Nun ja, der Kurs war ganz ok, bis zu dem Punkt wo wir uns im Kreis aufstellen mussten und zu der Melodie von „Blue“ jeder den Namen seines Kindes singen sollte und dazu eine Bewegung machen die dann alle nachmachen sollten. Also so: „Æ e Pippi“ *macht Kniebeugen* und dann alle: „Dabedidabedei, dabediiidabeidei, dabediiidabeidei“ *machen Kniebeugen*. In solchen Momenten suche ich immer die versteckte Kamera, weil das völlig absurd ist, dass ich in einem Kreis mit zwanzig pinken Damen stehe, mein Baby wie eine Hantel herumwuppe und ein Lied singe, dass ich vor 16 Jahren mal echt gut fand.

Danach waren aber wenigstens die Rückenschmerzen für drei Minuten weg.

Ich glaub, nächste Woche geh ich wieder hin.