Heute früh dachte ich noch, ich müsse Pippi zu Hause betreuen, weil die gestern Abend echt mies drauf war und auch Fieber hatte. Als wir dann aber Michel im Kindergarten abliefern wollten, wollte sie unbedingt dableiben und war auch super gut drauf und fit. Ich ließ sie also da und fuhr alleine nach Hause – meinem Chef hatte ich nämlich schon mitgeteilt, dass ich heute nicht käme. Zu Hause prokrastinierte ich dann ein Weilchen und setzte mich irgendwann hin um mir ein Networking-Netzwerk-Profil anzulegen. Das tat ich auch, wurde aber nicht wirklich fertig, weil mir das Bild noch fehlt. Herr Rabe hat gestern Nachmittag von mir eins gemacht, auf dem ich normal (also nicht verrückt, albern oder viel müder als ich in echt bin) aussehe. Hurra. Aber es ist noch auf der Kamera, aus Nörgelkindergründen. Also machte ich da erstmal Pause und machte mich an die E-Mail-Allerts der größeren Firmen. Ich kam nicht sooo weit damit, weil ich schon bei der dritten Firma über eine Stellenanzeige stolperte, die mir leichte Schnappatmung verursachte. Ich beschloss nach dem ersten Schreck, es einfach drauf ankommen zu lassen, und mich da zu bewerben. Ha. Falls ich den Job kriege (nein, wenn ich den Job dann habe, positiv denken ist wichtig!) muss ich halt wirklich fix aufschreiben, das ist dann eben so. Vielleicht nicht das schlimmste, da ein festes Datum für mich und auch für meinen „Du könntest doch noch fünftausend Experimente machen“-Chef zu haben. Naja, jedenfalls war das Resultat meines Vorhabens, dass ich meinen Lebenslauf aktualisieren musste. Und während ich so aktualisierte, merkte ich, dass das ganz und gar uninteressant für die Stelle ist, mit welchen Massenspektrometern ich gearbeitet hab und dass ich mal Pilot-Scale DSP gemacht hab. Also schrieb ich alles nochmal um und hielt Rücksprache mit LittleB und dann schrieb ich nochmal Sachen rein und andere raus und sortierte um und dann war ich sehr müde und morgen geht’s damit weiter. Puh. Diese Bekymringswoche hat’s echt in sich.
Monat: Mai 2017
Tag 638 – Bekymringswoche Tag 3.
Ich sollte vielleicht einfach zugeben, dass ich eine Laberbacke bin. Eine müde Laberbacke.
Aber nett wars :)
Tag 637 – Bekymringswoche Tag 2.
Totaler Durchhänger, nachdem ich die 25 größten Biotech-Unternehmen auf Sitze in Norwegen überprüft hatte. Also, fast jedes Unternehmen hat hier natürlich ein Office, aber die allermeisten machen halt nur Sales und Marketing und Customer Relations und so hier. Das ist alles nicht mein Fall. Es blieben, wenn ich mich recht erinnere, 2-3 Unternehmen, die hier ernsthaft Dinge tun, davon macht eins aber Zeug mit radioaktiven Isotopen gegen Krebs, das ist jetzt auch nicht grad meine Kernkompetenz. Bleiben 1-2. Das ist keine Perspektive, sondern ein Witz.
Dann Suche ausgedehnt auf ganz Skandinavien. Wenig überraschend: Kopenhagen is the place to be. Aber alle ausgeschriebenen Stellen* klangen in etwa so „Du musst mindestens einen Professortitel haben und 15 Jahre Berufserfahrung mit top Referenzen von noch größeren Global Playern, als wir es sind, in GENAU DEM futzikleinen Spezialgebiet, was du hier machen sollst“ oder eben „Ach, Hauptschulabschluss reicht eigentlich und wir gucken mal, was du dann machen kannst, aber mach dir keine große Hoffnung darauf, dass das irgendwas interessantes sein könnte“. Frustrierend, sowas.
Zu Hause heulte ich deswegen ein bisschen den Mann voll, fasste dann den Beschluss, am Donnerstag endlich ein LinkedIn-Profil zu erstellen und mich außerdem bei all den Unternehmen in die „Wir melden uns, wenn wir ne Stelle haben, die du vielleicht eventuell möglicherweise haben wollen würdest“-Liste einzutragen, die sowas haben. Kann ja nicht schaden. Und morgen werde ich noch ein bisschen über den Sinn und Unsinn von Trainee-Programmen meditieren.
Und zum Abschluss des Tages Skypte ich länglich (nicht so sehr wie gestern, das eskalierte etwas…) mit einem Ex-KollegenSlashKommilitonen, der lange in Dänemark gearbeitet hat, jetzt aber da weggezogen ist, aber nicht wegen Dänemark sondern aus Gründen halt. Dänemark klingt (Shitstorm in drei, zwei, eins) wie der kleine, unsportliche und bebrillte Bruder von Norwegen, mit längerem Sommer und undeutlicher Aussprache. Also, da das gestern nicht so ironisch rüberkam, wie es sich in meinem Kopf anhörte: Ich finde weder die Schweiz noch Dänemark wirklich furchtbar. Ich habe diffuse Bauchgefühle und weiß abseits von Käse, Schokolade, Schweinen und Strand quasi nichts über diese Länder. Weshalb ich mich, manche vermuteten es schon, mit Frau Brüllen über die Schweiz unterhielt und jetzt eben mit dem Ex-KollegenSlashKommilitonen über Dänemark. Weil Erfahrung aus erster Hand dann doch Bauchgefühle schlägt. Hätte ich mich mal mit jemandem unterhalten, der in Trondheim lebt, bevor ich herzog, wäre ich vielleicht besser vorbereitet gewesen.
Hoffen Wir mal auf einen klärenden Schlaf. (Der auch gerne länger als 4 Stunden am Stück sein darf, liebe Pippi und lieber Michel ;) )
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*Nein, ich will mich nicht jetzt schon bewerben. Macht ja null Sinn. Aber mal die Fühler ausstrecken, was gesucht wird. Noch habe ich ein bisschen Zeit, um mich eventuell gezielter vorzubereiten. Wenn ich denn erstmal weiß, was ich machen will (Kollege heute meinte auf die Bemerkung „Ich krieg zu viel in Uni-Laboren, ich brauche mehr Regeln, sonst will ich schnell alle erwürgen.“ von mir hin : eher D als R. Immerhin schon mal was.)
Tag 636 – Bekymringswoche Tag 1
Erinnerungen Sie sich noch an das Gespräch mit Cecilie? Da hatte ich ja festgelegt, dass ich mir in KW 19 ordentlich Sorgen um meine berufliche Zukunft machen würde und vorher aber nicht (mehr). Das mit dem ‚vorher nicht mehr‘ hat tatsächlich relativ gut geklappt, wobei sich mehr und mehr ein grober Plan herauskristallisiert hat, der im Wesentlichen aus einer örtlichen Wunschliste bestand, nämlich (in der Reihenfolge)
- Norwegen, speziell Oslo
- Schweden (Göteborg, Stockholm, Malmö)
- Dänemark (Kopenhagen)
- Schweiz (Basel)
Das schöne an dem Plan war, dass er sich grob genug anfühlte um nicht zu viel Druck auszuüben, aber auch konkret genug war um meine innere Unruhe im Zaum zu halten.
Und dann wurde mir letzte Woche irgendwann – während ich so mit ca. 20 Zellkulturflaschen jonglierte – klar, dass KW 19 ja am 8. Mai anfängt. Wie soll ich sagen, der Rest der Woche war dann relativ vollgepfropft, um diese Woche halbwegs frei zu haben, aber es hat funktioniert.
Und seit heute früh mache ich mir eben aktiv und bewusst Sorgen. Mein bisheriger größter Meilenstein ist das hier*:

Joa. Ich werde mich noch eingehender mit dem Thema „Wissenschaftliches Schreiben als Broterwerb, eventuell sogar in einem Unternehmen angestellt“ beschäftigen, weil ich viel zu wenig darüber weiß, um es als Vergiss-den-Quatsch abzutun.
An der Stelle hätte ich vermutlich abbrechen und nach Hause gehen und Kleider nähen sollen, stattdessen machte ich den Fehler und googelte Unternehmen, die Menschen wie mich möglicherweise anstellen wollen könnten. In Norwegen. Das Ergebnis war mehr als ernüchternd: es gibt hier (also, in Oslo) kaum entsprechende Unternehmen. Wirklich nur ganz ganz wenige und die sind zum allergrößten Teil sehr kleine Buden. Und als ich meine Suche ausdehnte, kam einiges weniges in Schweden dazu, etwas mehr in Dänemark und sehr, sehr viel in der Schweiz und in Deutschland. An der Stelle machte ich das einzig Sinnvolle und ging mit meiner Kollegin draußen in der „Sonne“ (lies: Nieselregen) einen Kaffee trinken. Danach war ich wenigstens wieder so gut drauf um die Google-Ergebnisse Google-Ergebnisse sein zu lassen und statt mich zu grämen, weil wir eventuell in ein so grauenvolles Land wie Dänemark oder gar die Schweiz zu ziehen, Gespräche mit Menschen anzuleiern, die eben da wohnen. Und obendrein noch eins zum Thema Schreiben. Alleine komme ich da auf keinen grünen Zweig und „Wie ist das Leben in der Schweiz“ zu Googlen macht vermutlich in etwa so viel Sinn, wie eine Suchmaschine nach „was ist das für ein komischer Knubbel an meinem Finger“ zu befragen.
Außerdem ist das DIE Gelegenheit, mal mit Leuten in echt zu reden.
Wird schon. Morgen gehts weiter.
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*Ach, schade, ich dachte, ich hätte den ganzen Zettel fotografiert. Naja, dann zeige ich Ihnen den morgen.
Tag 635 – Katzen! Pinguine! Schafe!
Ich habe Binge-genäht.
Das kam so: Michel und Herr Rabe wachten beide relativ krank auf und ein Sofatag wurde schnell beschlossen. Ich hatte gestern abend noch mein Shirt vom Freitag zerschnitten und den „Schnitt“ abgenommen (die Gänsefüßchen sind da, weil das wirklich so simpel ist, dass die Hälfte von Ihnen vermutlich gleich lacht). Naja, die Familie hing also eh rum, Brot hatte ich keins zu backen, also: Nähmaschine raus.

Das „Schnittmuster“. Einzige Schwierigkeit: die asymmetrischen Ärmel. Wobei ich mich ja auch oft frage, was schwieriger ist: ein ganzes Teil rundum sauber ausschneiden oder den Stoff exakt glatt im Bruch auslegen und dann zuschneiden. Letzteres dauert bei mir jedenfalls immer sehr lange und – siehe Muster – es geht auch oft etwas schief.
Das Shirt ist wirklich ganz schnell gemacht. Ganz ganz schnell. Und irgendwann lerne ich auch noch, die Muster grade hinzubekommen. Bis dahin muss meine Umwelt mit leicht schiefen Mustern leben.

Jupp, mein Kreuz *ist* so breit. Das, liebe Kinder, passiert, wenn man in früher Adoleszenz unter entsprechendem körpereigenen Hormoneinfluss sehr viel schwimmt.
Der dunkelgraue Jersey ist so dünn und weich, dass er sich etwas zickig nähte. Aber nix Wildes. Man sieht es ein bisschen an den Ärmeln, was ich meine: obwohl ich (ich schwöre!) nicht am Stoff gezogen habe, sieht die Naht etwas gestaucht aus. Auf meiner Wunschliste ist für irgendwann später, wenn wir mal voll viel Geld haben und auch entsprechend viel Platz: eine Overlocknähmaschine und für deutlich zeitnaher: eine Zwillingsnadel.
Michel hat übrigens beim Nähen geholfen. Er hat den Fadenvernähknopf am Anfang und Ende jeder Naht gedrückt, Unterfaden aufgespult und Stecknadeln gereicht und wieder angenommen. Der Preis für seine Hilfe war, dass er auch etwas genäht haben wollte. Also habe ich ein Kinder-T-Shirt genäht, für das er sich (mit leichter Unterstützung) den Stoff selbst ausgesucht hat. Den „Schnitt“ habe ich fix von einem gut passenden T-Shirt in Größe 110 abgepaust. Polarn o‘ Pyret fällt immer recht groß aus…

Jetzt können Michel und ich im Partnerlook gehen! Zweimal! (Und der lila Stoff ist immer noch nicht ganz alle, herrje.)
Michel machte dann noch einen späten Mittagsschlaf, er ist also wirklich krank, der arme Zwerg. Ich nutzte die Zeit für noch ein Shirt für mich, diesmal mit Schafen und blau.

Im Vergleich zum grauen Oberteil habe ich den Rücken oben ca. drei cm schmaler gemacht. So ist der Halsausschnitt nicht so groß und es steht auch hinten nichts mehr ab.
Doch, ich bin zufrieden mit mir. Das hat mir wieder richtig Spaß gemacht. Als nächstes dann vermutlich ein Kleid.
Tag 634 – Herr Rabe…
… ist der Beste.
Erstens hat der heute Geburtstag.
Zweitens hat der sich überlegt, dass er gerne mal echte Carbonara-Soße machen möchte. An seinem Geburtstag.
Drittens ist ihm beim Rezept lesen aufgefallen, dass er da vier Eigelb, aber null Eiweiß braucht.
Viertens hat er sich daraufhin ein Rezept für einen Baiserlastigen Zuckerschock als Geburtstagskuchen herausgesucht.
Fünftens hat er sich das selbst gebacken.
Ich bin hier völlig überflüssig.
Ich lieb‘ Dich!
Murch!
P.S. Herr Rabe hat gesagt, ich soll auch schreiben, dass er jetzt seine Socken auf einen Sockenring zieht und sie in die Wäsche in ein Wäschenetz tut, auch wenn er das ein bisschen spießig findet.
Tag 633 – #WmDedgT Mai ’17
Oh, mein Opa hat heute Geburtstag und ich hab’s bisher vergessen. Kann man da jetzt noch anrufen? Vielleicht lieber morgen…
Jedenfalls ist ja der 5. und da will Frau Brüllen von der gemeinen Blogger*In wissen: Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?
Erstmal stehe ich zu spät auf. Irgendwie bin ich nach dem Weckerklingeln in einem Döse-Zustand, nur kleine Patschfüße und „Mama?“-Rufe aus der Küche reißen mich dann doch aus dem Bett. Dann Frühstück machen für die Kinder, Kaffee machen für die Großen. Nebenbei Twitter aufgemacht. Böser Fehler, weil schwuppdiwupp eine Diskussion über arm und reich und Verdienst und Abgaben und weiß nicht was gestartet. Vorm ersten Kaffee. Ich empfehle das nicht. Sowas regt auf und frisst Zeit. Und regt auf.
Naja, irgendwann Dusche, Zähneputzen, Make-up in der Sparversion wegen keine Zeit, Kinder mit Frühstück versorgen, Kinder anziehen (das meiste davon hat aber Herr Rabe gemacht, genauso wie Zähne putzen und Eincremen) Kaffee trinken und los. Ach nee, erst noch merken, dass auf meinem Shirt Schokoflecken sind, also schnell ein anderes Shirt angezogen. Kinder in den Kindergarten gebracht, da erfahren, dass die Kitaleiterin die Schuhe von Pippi mitgenommen hatte – ihr Sohn hat welche die ganz ähnlich aussehen. Noch mit der Betreuerin abgeklärt, dass Pippi bei 15 Grad und strahlendem Sonnenschein nicht Wollunterwäsche, dicken Wollanzug UND Spielanzug anhaben muss. Sollte.
Auf dem Weg zur Arbeit nur das Rad zu Hause abgestellt und dann zu Fuß gegangen. Kaffee und Banane als Ersatzfrühstück auf dem Weg. Ich Google nach Herrn Rabes Geburtstagswunsch und gucke in die Röhre. Weiter Twitterdiskussion, aber das geht alles viel besser (und macht mich nicht so aggressiv) nach Kaffee und den ersten Kalorien im Magen. Auf dem Weg überall grün. Es wird wirklich Frühling hier, kaum zu fassen.

Dann Arbeit. Unheimlich stressig. Ich schachtele alles und rotiere sechs Stunden lang quasi ununterbrochen. Mein Mittagessen hole ich während eines Roboterprogramms von 14:32 Minuten (!) Länge beim vegetarischen Imbiss und esse es stehend im Flur vorm Labor. Leider sind Teile der Versuche nur von mäßigem Erfolg gekrönt und am Ende gehen mir auch noch die Materialien aus. Als letzte Amtshandlung bestelle ich also neuen Kram (von der Firma, deren Vertreter gestern da war – das hätten wir einfacher haben können…), exe 2 Gläser Wasser, amüsiere mich über den Titel der Doktorarbeit meiner Kollegin und gehe dann nach Hause.

Ich spaziere nach Hause. Das Wetter ist „deilig“ (das g ist stumm), also wunderbar. Ich schwitze ein bisschen in meiner Jacke, die Sonne scheint, es ist einfach ganz toll und ich denke die ganze Zeit „DEILIIII!“. Alle Menschen, denen ich begegne, Lächeln. Was so ein bisschen Vitamin D mit den Leuten macht!
Zu Hause hole ich das Fahrrad und fahre in den Kindergarten. Hole zwei dreckige, aber glückliche Kinder ab, schnacke noch ein bisschen mit der KiTa-Leiterin, unterschreibe einen Wisch, dass in dem Altenheim, das Michel öfter mit den anderen großen Kindern besucht, eine Reportage über Kindergartenbesuche in Altenheimen gedreht werden darf und dass es ok ist, wenn Michel da mit auf den Bildern ist. Michel will unbedingt nach Hause laufen, also schiebe ich das Fahrrad und den Anhänger mit Pippi drin nach Hause. Ist egal, die Sonne scheint („DEILIIIII!“).
Zu Hause Wäsche ich den gröbsten Dreck von den Kindern, dann dürfen sie essen. Beide Kinder wollen getoastetes Brot mit „nur Butter“. Meine Kinder halt. Nach dem Essen will Michel Peppa Wutz gucken. Pippi guckt mit und ich ergoogle mir ein Alternativgeschenk für Herrn Rabe. Dann habe ich es plötzlich eilig, Herr Rabe kommt nach Hause und ich sprinte quasi sofort los. Radle („DEILIIII!“) wo hin, erfülle meine geheime Mission und radle zurück. Wieder zu Hause sacke ich die Kinder ein und fahre kurz entschlossen zum Stoffladen. Mein Ersatzshirt von heute früh ist schuld. Das war mal mein Lieblingsshirt. Jetzt, nach nur 10 Jahren regelmäßigen Tragens selbst in zwei Schwangerschaften, ist es aber langsam hinüber. Der Stoff ist schon ganz dünn und nach ca. einer halben Stunde Tragen geht es total aus der Form. Vermutlich ist das Elasthan langsam tot. Aber ich hab ja noch schöne Jerseystoffe. Ich brauche nur noch was neutraleres, damit man vom gemusterten Kinderstoff nicht erschlagen wird. Und dann nehme ich einfach (haha) den Schnitt von dem jetzt langsam hinüberen Shirt.
Im Stoffladen eskaliert alles ein bisschen. Wie immer. Dann erfüllen Michel, Pippi und ich unsere geheime Restmission, Michel muss aufs Klo, neben uns versucht eine Frau ihren Einkaufswagen mit in die Klokabine zu nehmen und lässt am Ende einfach die Tür auf. Michel ist beeindruckt. Beide Kinder grabbeln auf dem Supermarktklo alles an und das stresst mich sehr. Wir waschen alle sehr gründlich die Hände und kaufen dann noch Himbeeren. Etwa sechstausendmal sage ich „Nein, wir kaufen das jetzt nicht.“, beim sechstausendersten Mal mag ich nicht mehr und Michel kann seine Tüte Knusperfische haben. Stolz drückt er seine Trophäe im Auto an sich, bis er einschläft. Pippi fallen auch die Augen zu, aber irgendwie gelangt es mir, ihr Einschlafen zu verhindern.
Zu Hause gibt es frisch erwachten Nörgelmichel und frisch gemachten Kirschmichel. Die Kinder wollen nicht so recht. Dann geht es erst für Michel ins Bett. Ich kleide derweil Pippi um, die sich sehr über die vielen kleinen „Bäsen“ auf ihrem Schlafanzug freut. Dann putze ich ihr die Zähne. Aus dem Schlafzimmer kommt die Meldung: Michel schläft noch nicht. Ich schaue mit Pippi Eule und dann noch zwei Mausclips. Michel schläft ein und ich bringe Pippi ins Schlafzimmer.
Ich wasche alle dunklen Stoffe und lese ein bisschen im Internet herum. Ich höre Pippi brüllen.
Deutlich später löse ich Herrn Rabe ab. Pippi möchte nicht ins Bett. Pippi möchte herumbrüllen. Nach einer halben Stunde trösten und kuscheln gebe ich auf. Pippi will nicht schlafen. Wir gehen aufs Sofa, wo ich diesen Beitrag schreibe und Pippi spielt. Irgendwann, Pippis Augen sind schon ganz klein, steckt Herr Rabe sie in die Manduca. Ich tippe. Ich döse weg. Ich wache auf und tippe weiter. Jetzt bin ich fertig. Und reif fürs Bett.
Tag 632 – Schlafupdate.
Weil heute ein richtig bekackter Tag war, schreibe ich bewusst was supergutes auf, diese Negativität von mir geht mir sonst selbst auf die Nerven.
Also: so lief es mit unserem Projekt, Pippi aus dem Elternbett zu komplimentieren.
- Die erste Nacht war beschissen. Ich schrieb darüber. Die ging auch genau so weiter, übrigens. Niemand wachte in dem Bett auf, in dem er eingeschlafen war. Pippi brüllte all ihren Frust heraus. Und naja, ist ja wirklich auch ihr gutes Recht.
- Die zweite Nacht war sehr aufregend für alle. Das ins-Bett-Bringen dauerte immer noch ewig, aber wenigstens ging es ohne (so viel) Geschrei. Morgens lagen wir wieder alle zusammen im großen Bett, aber das ist ja auch ok.
- Die dritte Nacht war ok. Die Kinder ließen sich relativ gut ins Bett bringen. Pippi nörgelte zwar immer noch herum, dass sie nicht ins Elternbett durfte, aber nur kurz. Morgens kamen beide kuscheln.
- Ab da lief es eigentlich sehr smooth. Am ins-Bett-bringen feilen wir noch, es ist auch nicht so, als würde Pippi schlagartig 12 Stunden durchschlafen, aber der Unterschied ist doch erheblich. Dienstag früh stand sie um 5 im Flur und nörgelte leise vor sich hin, ich holte sie ab, sie aß Banane und dann schlief sie wieder ein. Mittwoch morgen war es viertel vor sechs, aber das Szenario das Gleiche. Heute morgen ging ich um sieben mal gucken, ob die Kinder noch atmen. Taten sie und schliefen dabei auch friedlich. Um viertel nach sieben stand Pippi plötzlich im Bad, mit verstrubbelten Haaren und ihrer Raupe Nimmersatt im Arm und vielleicht habe ich im Leben noch nichts niedlicheres gesehen.
Insgesamt können wir uns wohl kaum beschweren*. Pippi schläft jetzt entweder in ihrem oder in Michels Bett ein, irgendwann nörgelt sie im Schlaf (meist so zwischen zehn und elf, also sind wir eh noch wach), dann trösten wir sie kurz und betten sie gegebenenfalls ins eigene Bett um. Morgens kommen die Kinder manchmal kuscheln und manchmal nicht. Und seit wir Michel erklärt haben, dass Pippi auch nicht mehr in unserem Bett (ein-)schlafen darf, ist es plötzlich auch für ihn gar kein Problem mehr, im eigenen Bett zu bleiben.
Ich rufe ein vorsichtiges „Hurra“, wohl wissend, dass ich damit vermutlich den Eltern-Murphy heraufbeschwöre.
—
*trotzdem Danke für Ihren Zuspruch in der „Akutsituation“. Wirklich, das hilft sehr, zu hören, dass es bei anderen auch schwierig und anstrengend und laut war und dann aber gut wurde. Ich mag Sie alle sehr!
Tag 631 – Mimimi.
Ein Tag, wie geschaffen, um einen großen, GROSSEN Haufen Schokolade zu essen.
Kurzfassung (ohne mich wieder voll reinzusteigern, hoffentlich):
- das Batterieladegerät meines Fahrrads lädt nicht mehr.
- Ich habe es irgendwie geschafft, mein Fahrradschloss zu verlieren (fragen Sie nicht, ich weiß es doch auch nicht).
- Michel hatte heute morgen beim Aufstehen schon Kopfschmerzen – ich nehme mal an, er hat zu viel Sonne abbekommen, denn
- nach dem Kindergarten und zwei mal Sonnencreme hat Michel volle Möhre Mallorcaakne*. Wenigstens scheint es nicht zu jucken.
- Bei der Arbeit viel zu viel zu tun, knapp zum Essen gekommen, zum Trinken gar nicht (praktisch, dann muss man auch nicht aufs Klo, spart also doppelt Zeit) morgen wird auch ganz toll (nicht!) weil da so ein Mensch von einer Firma kommt, den ich von meinem Chef aufgrund dessen spontaner Flitterwochen geerbt habe. Den betuddel ich dann und weine nur ein minibisschen, weil ich vermutlich zu sonst nix komme morgen (aber doch so viel zu tun hab…)
- Pippis Schuhe sind irgendwie verschütt gegangen.
- Pippis andere Schuhe passen eigentlich noch nicht so ganz, aber weil die anderen Schuhe ja verschwunden sind, hatte sie die einmal an und gingen direkt kaputt.
- Herr Rabe hat extra am Montag Abend noch das Regal in unserem kleinen Flur auseinandergebaut, weil die Brandschutztür laut Nachbarin diese Woche eingebaut werden sollte und die in die andere Richtung (also in den Flur, statt in die Wohnung) aufgehen wird. Heute früh trafen wir Bob den Baumeister: sie machen das irgendwann nach dem 17. Mai.
So. Darauf eine Tüte Smash**.
Und aus Gründen: ein Comic über Glauben und Abwehrhaltungen.
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*Ich hab ihm echt meine Haut vererbt. Neigt zu Sonnenbrand, hat Sommersprossen und reagiert empfindlich auf ab.so.lut alles. Meh.
**Smash ist das beste überhaupt: Salzige Maisknusperkegelchen, überzogen mit Schokolade.
Tag 630 – Starke Mädchen.
Neulich:
„Mama, H. sagt, dass Mädchen stärker sind, dabei stimmt das gar nicht!“
„Hmm, aber wenn H. das findet, kann er das doch sagen?“
„Aber das STIMMT ja nicht!“
„Vielleicht sieht das ja für H. so aus?“
„?“
„Guck mal, H.s Mama, M., und sein Papa wohnen ja nicht zusammen. Und meistens ist H. ja bei M.. Und die muss dann alles machen, alles, was Papa und ich uns immer teilen. M. muss immer einkaufen und kochen und H. zum Kindergarten bringen UND abholen. Jeden Tag. Das ist anstrengend, dafür muss man stark sein.“
—
Heute:
„Duhu, M.? Weißt du, warum Mädchen stärker sind? Weil du und H.s Papa nicht zusammen wohnt.“


