Tag 1247 – Im kalten Wasser.

Mir fiel heute auf, wie viele seltsame Redensarten es rund um das Thema Wasser gibt. Der Auslöser war, dass ich von meiner Chefin mitgeteilt bekam, dass sie mich in einer neuen Gruppe haben will, die ein noch recht junges Unternehmen hinsichtlich Herstellerlaubnis und (später dann) Zulassung für ein Produkt aus dem Bereich „Advanced Therapies“ begleiten und beraten soll. Advanced Therapies sind Therapien, die Gentherapie, Zelltherapie oder künstliche* Gewebe beinhalten. Das ist heißer Scheiß und genau das, wofür man eine junge, moderne und andere Inspektørin gut gebrauchen kann und zufällig auch genau das, was diese junge, moderne und andere Inspektørin auch sehr gerne machen möchte, weil es heißer Scheiß ist.

Ich sagte meiner Chefin, dass ich da gerne ins kalte Wasser springe.

Sie fragte, ob ich Angst hätte? Ich antwortete, nein, ich sei nur überrascht, dass es so schnell ginge. Außerdem freue ich mich über das mir entgegengebrachte Vertrauen und auf die Aufgabe**.

Seitdem denke ich darüber nach, ob ich da wohl ins Schwimmen geraten werde? Ist das dünnes Eis***? Auch unter dünnem Eis ist das Wasser kalt und dann schwimmt man. Kommt halt drauf an, ob man den Kopf über Wasser halten kann.

Ich freue mich so! Hach, hach. Und jetzt lese ich dann noch mal ein wenig in den Advanced Therapies Guidelines, damit das Eis wirklich richtig fest ist. Dann brauche ich auch keine Angst haben, ins Schwimmen zu geraten.

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*hmmhmmhmm. Künstlich klingt so nach Plastik. Das sind schon echte Zellen bzw. Gewebe. Aber „engineered“ halt. Tissue engineering. Man entnimmt einem Patienten einige Zellen und lässt diese um ein Gerüst oder ähnliches wachsen. So kann man ganze Gewebe, zum Beispiel Darmzotten oder eine Aorta, nachwachsen lassen, die dann am Ende dem Patienten transplantiert werden können.

**Jupp, ich klinge immer noch, als lebte ich in einem dauernden Vorstellungsgespräch.

***Ich hab die total vertraulichen Dokumente aus der Anfrage kurz überflogen und das Eis fühlt sich schon recht solide an.

Tag 1246 – Strategie, Plan, Vorschrift, hui.

Ich ackere mich tapfer durch meine tausend Vorschriften. Dazu hatte ich heute noch zwei Meetings mit jeweils einer meiner insgesamt vier Chefinnen.

Im ersten ging es um die Struktur, Organisation und Strategie der Behörde und ich erfuhr noch mal genaueres über die Umstrukturierung, die letztes Jahr stattgefunden hat. Das Meeting war sehr nützlich, weil ich jetzt verstehe, welche Absicht hinter der Organisationsstruktur steckt. Das nimmt der (weiterhin vorhandenen) Unübersichtlichkeit ein wenig den Schrecken und ich sehe nun, dass das gut sein kann, wenn es auch in allen Köpfen angekommen ist.

Das zweite Meeting war mit der Chefin, die für mein lag die Verantwortung hat. Auch das sehr gut, es ging um „was macht unsere Einheit, unser lag, deine Kollegen…“. Nach dem Gespräch verstehe ich nun ein paar der Zusammenhänge besser und weiß nun, mit welcher Chefin ich was besprechen kann. Das mit der Gleitzeit nämlich zum Beispiel nicht mit dieser Chefin sondern mit der, die für mich die Personalverantwortung trägt. Das hat sich aber schon gestern geklärt, alles gut sozusagen, die Gleitzeittage werden nur „verbraucht“, wenn ich nicht die volle Kernarbeitszeit da bin und das wird wohl tatsächlich eher selten so sein. Das war ein Missverständnis, dem ich da aufsaß. Heute bin ich dann auch direkt mal ne viertel Stunde eher gegangen, weil die Züge immer zu spät sind und das blöd ist. Diese meiner Chefinnen ist übrigens sehr froh, dass ich da bin, genau ich, jung und anders und modern. Das ist mal schön, das nach hundert mal „bist du QP???“ zu hören.

Die Züge sind immer zu spät und da bröckelt die Planung etwas. Ich hab da noch nicht fertig drüber nachgedacht. Ich hoffe einfach, dass es irgendeine Baustelle oder so irgendwo vor Oslo ist, die grad auf der Strecke für Verzögerungen sorgt, aber sonst die Züge wenigstens einigermaßen pünktlich fahren. Haha, ja, ich bin noch so Pendel-naiv.

Bisher ist das Pendeln noch ganz ok. Ich lese morgens im Zug, Blogs oder ein Buch oder ich höre Podcasts. Nachmittags muss ich meistens bis zum Flughafen stehen und dann höre ich Podcasts oder Musik. Das frühe Aufstehen schlaucht mich aber sehr, hoffentlich gewöhne ich mich da noch dran.

Die neue Putzhilfe schickt versehentlich Textnachrichten mit „Chcesz cos ze sklepu“ an mich (Google Translate sagt sowas wie „Brauchst du noch was aus dem Laden“), sie putzt super, faltet Waschlappen und Putzlappen ganz akkurat und hat, weil das Bettzeug und die gewaschenen Bezüge da noch oben drauf lagen, einfach das Gästebett bezogen. Und die Spülmaschine ausgeräumt. Ich bin schwer beeindruckt. Und froh. Vor allem froh.

Morgen wird ein Einkauf geliefert. Da bin ich sehr gespannt drauf. Ich möchte den Lieferanten gern treffen und fragen, ob es ne Möglichkeit gibt, die 8 (!) Plastiktüten in Zukunft zu umgehen. Dann müssen wir nur noch zum Vinmonopolet und zum Meny (für Brot) und doch noch mal in den Supermarkt, weil unser Waschmittel wohl nicht mehr fürs Wochenende reicht.

Nächste Woche werde ich meinen Führerschein eintauschen. Erst gegen einen vorläufigen und dann gegen einen norwegischen Führerschein. Denn im EWR sind Führerscheine aus anderen EWR-Staaten zwar unbegrenzt gültig, aber ein deutscher Führerschein ist hier kein Ausweis und ich will echt nicht immer meinen Pass zur Post mitschleppen müssen, um ein Paket abzuholen. Außerdem stelle ich es mir einfacher vor, zum Beispiel Autos zu mieten, wenn man einen Führerschein hat, mit dem die Leute hier vertraut sind. Jedenfalls musste ich für diesen Führerschein noch einen Sehtest machen, damit nun auf dem Führerschein vermerkt werden kann, dass ich eine Sehhilfe benötige und nutze und die Sehhilfe auch zur Kurzsichtigkeit passt. Michel und Pippi haben also heute gesehen, wie so ein Sehtest abläuft. Michel hat auch nur ganz am Anfang Buchstaben gespoilert, dann hab ich gesagt, dass er das in seinem Kopf machen soll und nicht laut sagen. Als wir dann aus dem Raum gingen, sagte er „Ne, Mama? Da stand F G O R P. Fgorp. Was ist das für ein Wort?“ Michel kann schon echt viel lesen und liest nun halt alles vor, was er sieht. Und er sagt, er liest gerne, das freut mich ganz außerordentlich, ein Kind das gar nicht lesen mag wäre mir irgendwie fremd.

Pippi hat heute einen Ausflug gemacht. Das machen aus ihrer Gruppe jeden Donnerstag ein paar Kinder. Nach dem ersten Ausflug kam sie freudestrahlend an und sagte, sie seien in der „Apothek!“ gewesen, das kam mir unwahrscheinlich vor. Heute waren sie jedenfalls in der „Biblothek!“, das erscheint mir auch als ein besseres Ausflugsziel. Apotheke wär jetzt irgendwie zu sehr „ganz die Mama“. Apotheken inspiziert die Behörde nämlich auch.

Ebenfalls gelernt: wir als Inspektøre können jederzeit und unangemeldet Inspektionen durchführen. Selbst in Privatwohnungen, da könnte man zum Beispiel die korrekte Lagerung überprüfen. Jetzt stelle ich mir vor, wie tierisch beliebt man sich wohl macht, wenn man bei Freunden erst mal den Medizinschank aufreißt um dann Tenperatur, Luftfeuchtigkeit und die nicht-Vorhandenheit eines rollierenden Warenmanagements zu bemängeln. „Report kommt in spätestens 30 Tagen!“

Ich sehe eine glorreiche Zukunft als Partypooper auf mich zukommen.

Tag 1245 – Das wollte ich ja so.

Ich fragte heute meine Patin, was ich wohl dringend vor der 1. Inspektion, an der ich teilnehmen werde, wiederholen sollte.

Danach lud ich das halbe Internet runter und, weil ich nicht gut stundenlang am Bildschirm lesen kann, druckte es auch gleich aus. Migräne oder Regenwald, manchmal muss Frau sich entscheiden.

Bis auf das unterste (Das norwegische Arzneimittelgesetz) sind das übrigens genau die gleichen* Dinge, die ich im April auch schon durchgeackert und danach frustriert in die Altpapiertonne gestopft hab.

Aber das wollte ich ja tatsächlich so und deshalb ist das auch nicht schlimm.

Und der Ausblick!

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Heute etwa drei mal von unterschiedlichen Seiten gefragt worden, ob ich Qualified Person** gewesen sei. Bei der nächsten antworte ich mit dem entsprechenden Paragraphen, der besagt, dass ich zu meinen Industriezeiten keine QP gewesen sein kann, weil man, um QP zu sein, zwei Jahre Arbeitserfahrung braucht. Ich bin da nicht nur altersmäßig ein Exot, ich komme außerdem aus Arbeitslosigkeit, von der Uni und war noch nicht mal QP. Ich poliere einfach weiter meine Fanfare***.

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Heute Abend dann socializing event: Weihnachtsfest für die Angestellten mit Kindern. War ganz nett, ich hab jetzt mal ein paar der anderen Menschen mit Kindern aus der Behörde kennengelernt, ich bin nicht die einzige, andere Abteilungen sind da auch stärker repräsentiert. Voll war es trotzdem wirklich nicht, aber Michel war sehr glücklich, meine neue Arbeit mal zu sehen. Herr Rabe war sehr genervt, die Kinder waren wohl auf dem Weg zur Behörde ordentlich anstrengend.

Der Weihnachtsmann war da!

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*Zwei Änderungen: Advanced Therapies sind jetzt ein eigener Part im EudraLex (statt ein Annex zu sein) und ein Annex ist dazu gekommen – Real Time Release Testing. Because apparently it’s a thing.

**Die Person in einem Herstellbetrieb, an der die ganze Verantwortung hängt, weil sie die Batchfreigabe macht. Also unter jeden Batzen Dokumente, die mit einem Produktionsbatch erzeugt wird, ihre Unterschrift setzt, dass dieser Batch so in Ordnung**** ist und verkauft/weitergegeben werden kann.

****Also nach den internen, von der Behörde im Rahmen der Zulassung so genehmigten Vorschriften und unter Einhaltung der Qualitäts-Akzeptanzkriterien und ohne besondere, qualitätsrelevante Vorkommnisse durchgeführt.

Tag 1244 – Hopps!

Michel ist heute beim Skitraining das erste mal gesprungen. Ich war drinnen in der Skihütte und habe versucht, Guidelines zu lesen*, deshalb habe ich das nicht gesehen. Was wohl gut ist, weil ich gar nicht weiß, wie begeistert ich davon wäre, würde mein Kind Skispringer. Bei den Profis sieht das hinreichend sicher aus, aber ich bin sicher, deren Eltern mussten in jüngeren Jahren öfter mal diverse Blessuren versorgen und haben vermutlich auch das ein oder andere mal in der Notfallpraxis gewartet, während drinnen das angehende-Skisprung-Profikind genäht oder gegipst wurde. Da denkt man, Langlauf sei harmlos und dann kommt der Sechsjährige mit rot glühenden Wangen angelaufen und erzählt von seinen Sprüngen. Aber Hauptsache, er hat Spaß, ne?

Und den hat er und das ist alle absurden Sorgen um ungelegte Skisprungeier allemal wert. Und auch, dass er unbedingt am Wochenende Skilaufen will, kann ich verkraften, aber wo kriege ich denn nun so schnell Ski her? Und lerne Skilaufen?

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Ich bin todmüde. Und habe heute nach einer… ich nehme mal an einfach unbedachten Bemerkung mir gegenüber der hässlichen Fratze des Impostorsyndroms direkt wieder ins Gesicht geblickt. Aber nur kurz, dann überwog schnell der Ehrgeiz, es nun allen zu zeigen. Das ist mal ein Fortschritt seit dem PhD, da war mir der echte Ehrgeiz, der, der es nicht nur irgendwie über die Ziellinie schaffen will, sondern der schon mal die Fanfaren poliert und die Flaggen bügelt, der war mir da abhanden gekommen und jetzt ist er wieder da, mein alter Freund.

Trotzdem müde. Morgens um viertel nach fünf bläst hier leider keine Fanfare.

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Steuerkarte abgerufen und Schreck bekommen: der Lohnsteuersatz war routinemäßig auf das Letztjahres-Einkommen berechnet worden. Würde ich nur diese Steuern zahlen, käme mit dem Steuerbescheid nächstes Jahr eine wirklich schmerzhafte Nachzahlung auf mich zu. Was lobe ich mir in solchen Fällen Norwegen: einmal eingeloggt lässt sich einfach unter Angabe des neuen Einkommens eine neue Steuerkarte beantragen. Das tat ich heute am frühen Nachmittag als Kaffeepausenbeschäftigung und heute Abend kam die neue Steuerkarte. Was das für ein Aufriss mit Post und Zeug in Deutschland wäre, will ich mir gar nicht vorstellen.

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*ohne Erfolg, ich döste über Partikelgrenzwerten verschiedener Reinraumklassen ein.

Tag 1243 – Neue Themen.

Das erste mal bei einem Meeting aller Inspektør*Innen gewesen. Es war auf fünf Stunden angesetzt und wurde überzogen, danach machte mein Kopf nur noch diffuses Rauschen aus dem ab und an seltsame Abkürzungen hochschwommen. Alles in allem wohl ganz normal für den 4. Tag im neuen Job. Wurde im Meeting natürlich auch vorgestellt, stotterte nur wenig herum aber so langsam macht sich das „What am I doing here?“-Gefühl breit, was wohl auch zu neuen Jobs gehört wie das lustige Bild auf der Schlüsselkarte. Immerhin, das werte ich als Kompliment und gutes Zeichen, wurde ich danach fast in ein weiteres Lag abgeworben, nämlich das der Biolog*Innen. Advanced Therapies, Large Molecules, Biopharmaceuticals, juhu, da kann ich wenigstens fachlich ein bisschen was! Aber erstmal muss ich nun das Inspizieren lernen, danach kann ich Biofachsimpeln.

Zwischendurch saß ich in der Meeting und konnte fast gar nicht glauben, dass ich da inmitten von Menschen sitze, die sehr erwachsen sehr erwachsene Themen diskutieren. Hier eine Auswahl:

  • Der aktuelle Status zu einer europaweiten Rückrufaktion aus dem letzten Jahr, die sich noch in dieses Jahr reinzieht.
  • Brexit und welche Folgen ein harter Brexit ganz konkret für uns hätte.
  • Ein neues Sicherheitsfeature auf Packungen mit rezeptpflichtigen Medikamenten, das zur Fälschungssicherheit beitragen soll und bald eingeführt wird.
  • Rezeptfreie Medikamente für Aquarienfische, wo diese verkauft werden können und welche Behörde (unsere oder eine andere) je nachdem für die Aufsicht dieses Verkaufs zuständig wäre.

Sie sehen, alles sehr wichtig.

Puh. Nun schlafen, aber zackig.

Update: Post noch weiter anonymisiert, sorry. Das lässt mich lauter seufzen als Sie, glauben Sie mir.

Ab jetzt dann nur noch Kinderfotos. Von hinten. Verschwommen. Mit Smileybildchen.

Tag 1242 – Bremse.

Heute ein wenig Zen praktiziert. Unfreiwillig. Mir war gar nicht so richtig klar, wie schnell ich meist gehe, wenn ich zu Fuß unterwegs bin. Selbst mit Kindern, aber da ist ja auch Michel dabei, der meistens rennt. Immer rennt. Oder nicht mehr kann. Heute war Michel aber bei seinem Kumpel und die Kombination aus Pippi, meinem sturzängstlichen Schwiegervater und meiner kniegeschädigten Schwägerin verlangte mir einiges an Geduld ab. Trotzdem schafften wir es durchs Vikingerschiffhaus und, of all things, das Freilichtmuseum. Letzteres hat im Januar quasi keine Aktivitäten, man wandert also nur so durch die Gegend und guckt alte Häuser an, das ist ziemlich kalt, wenn man sich halt in etwa der Hälfte der normalen Geschwindigkeit bewegt. Tjanun. Es war trotzdem ein sehr schöner Tag und ich starte jetzt total entschleunigt in die neue Woche.

Tag 1241 – #WmDedgT im Januar ‘19.

Hups, den ganzen Tag nicht dran gedacht, dass ja der 5. ist, sonst hätte ich früher mit dem Schreiben angefangen. Denn an jedem 5. möchte Frau Brüllen von uns wissen: Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?

Gut, dann mache ich das mal im Schnelldurchlauf.

Pippi ist um halb acht wach, aber ich grunze nur. Sie schläft noch ein bisschen weiter und dann steht Herr Rabe mit ihr auf. Gefühlte dreißig Sekunden später steht sie wieder neben dem Bett und brüllt „Michel, Mama, ganz viele Geschenke unter dem Weihnabaum!!!“. Michel steht also auch auf und ich nicht. Ich döse bis zehn, da ist das Frühstück fertig. Müde bin ich trotzdem. Geschenke kamen von meiner Schwägerin, die gestern spät abends mit meinem Schwiegervater hier angekommen ist. Michel hat ein Laserschwert und Pippi ein „Pinzessekleid“, komplett mit Heiligenschein und Feenstab. Und Schwimmflügel. Sie ist entzückt.

Nach dem Frühstück telefoniere ich mit Frau Wunnibar und wir machen ab, dass sie im Februar hierher kommen, da freue ich mich schon sehr drauf. Und bin ein bisschen aufgeregt.

Es ist dann auch schon höchste Zeit, mich fertig zu machen, zu Fuß gehen schaffe ich schon nicht mehr. Herr Rabe fährt mich zur Friseurin. Wieder lasse ich mir von der Lehrling die Haare schneiden, die aber in der Vorweihnachtszeit sehr viel geübt hat und heute wesentlich mutiger und schneller ist. Ergebnis ok. So richtig weiß ich das erst morgen, denn sie hat wieder alles über eine Rundbürste geföhnt, das habe ich das letzte Mal irgendwann in den 90ern gemacht.

Herr Rabe und die Kinder und der Besuch wollen auch noch in den Ort kommen, wir machen ab, dass ich im Café auf sie warte. Ich warte im Endeffekt ziemlich lange, mache derweil Bankdinge, bespreche per Gruppen-SMS und neu erstelltem geteilten Kalender die Halbjahresplanung mit dem Wikinger-Babysitter, mache einen neuen Termin mit der Putzhilfe ab, dödele im Internet herum, trinke einen kompletten Kaffee, besetze einen größeren Tisch und dann endlich kommen die anderen.

Michel ist total überdreht und hört nicht auf, mit dem Laserschwert herumzufuchteln.

Wir gehen zu Fuß nach Hause. Pippi ist klein und hat kurze Beine und braucht unheimlich lange. Ich erfriere derweil fast. Immerhin singt sie beim Gehen sehr niedlich. Michel schmilzt sämtlichen Schnee und die halbe Brücke mit seinem Laserschwert.

Zu Hause mache ich den Essensplan für die Woche und dann den Einkaufszettel und Herr Rabe bricht zum Einkaufen auf. Ich bastele (mit dem Mann geteilte, elektronische) Erinnerungen, damit wir abends schon das Essen für den nächsten Tag vorbereiten können, wenn möglich. Solcherlei Dinge werden hier in Zukunft Routine werden müssen, wenn wir weiter warmes Abendbrot essen wollen.

Es klingelt und der Spediteur steht vor der Tür. Er liefert endlich unsere Bücher. Es ist ein bisschen wie Weihnachten, abgesehen davon, dass ich erstmal panisch meine Bank anrufen und die Möglichkeit zur Auslandsüberweisung aktivieren muss, damit ich den Spediteur direkt bezahlen kann. Ich quittiere den Erhalt unserer Bücher und der Spediteur und ich geben uns noch mal die Hand, er entschuldigt sich für das Chaos und dann ist dieses Kapitel endlich abgeschlossen.

Herr Rabe braucht ziemlich lange. Ich habe schon ziemlichen Hunger und fange mit dem Kochen an, soweit möglich. Leider ist das nicht sehr weit und beschränkt sich auf Zwiebeln schneiden und Nudelwasser aufsetzen (und dann herunterschalten, damit nicht sämtliches Wasser verkocht).

Herr Rabe braucht wirklich sehr lange. Ich google den Einkaufsservice, von dem mir Instagram neulich Werbung gezeigt hat. Sie arbeiten mit der Supermarktkette, zu der wir auch immer gehen, zusammen und liefern in unserer Region kostenlos. Bingo. Ab nächster Woche bestellen wir da. Ich hätte auch einen gewissen Obulus dafür bezahlt, da bin ich ja ganz neu gewordener Großbonze, denn schon allein nicht ewig auf Herrn Rabe warten zu müssen mit Kindern im Schlepptau den Wocheneinkauf erledigen zu müssen wäre mir einiges wert. Aber so ist es natürlich noch besser.

Als Herr Rabe endlich kommt, muss ich mir Mühe geben, ihn nicht anzufallen vor Hunger. In Windeseile koche ich Nudeln mit Lachs-Tomatensauce.

Wir essen. Michel isst ein paar Nudeln mit Ketchup und mag auch die Quarkspeise, die Herr Rabe zum Nachtisch gemacht hat, nicht. Pippi isst zwei große Portionen Nudeln mit reichlich Soße und nimmt vom Nachtisch noch zwei mal nach. Kein Wunder, dass ihr sowohl Hosen als auch Pulliärmel grad alle über Nacht zu kurz werden.

Nach dem Essen müssen die Kinder ins Bett. Während Pippi sich von ihrer Tante ins Bett bringen lässt, besteht Michel drauf, von mir ins Bett gebracht zu werden, weil er aus seinem (norwegischen) Buch vorgelesen haben will. Ich lese vor, danach kuscheln wir und ich döse ein. Michel dann wohl auch irgendwann. Vorher hatte ich noch Herrn Rabe gebeten, Bolognesesauce für morgen zu kochen, von der „Welches Rezept denn?“-SMS werde ich wach. Ich lese den Artikel, über dem ich eingeschlafen war, zu Ende und gehe dann runter. Herr Rabe hat schon Gemüse geschnippelt und ist sehr genervt, weil total platt. Wir ranzen uns ein wenig an und dann koche ich die Bolognese, während er in der Küche herumrödelt und scheinbar hat er genug dampf abgelassen, jedenfalls ist sein Ton jetzt wieder freundlicher. Er bietet dem Besuch Wein an und so sitzen wir noch eine ganze Weile zusammen und trinken Wein, während die Bolognese köchelt und Herr Rabe die Preise checkt, die für Häuser in unserer unmittelbaren Umgebung grad aufgerufen werden. Wir haben jedenfalls definitiv nicht zu viel bezahlt, ist die sehr beruhigende Erkenntnis.

Dann Bloggen und feststellen, dass der 5. ist.

Gleich Bett und morgen vom Wecker geweckt werden, damit wir nicht allzu spät los kommen, wir wollen nämlich nach Oslo und ins Wikingerschiffhaus und ins Kon-Tiki-Museum. Oder ins Fram-Museum, mal sehen. Michel wird den Tag mit seinem Kumpel B. verbringen, denn der hatte wegen Schlitten fahren angefragt und Schlitten fahren mit Kumpel ist mit sechs halt viel cooler als Schiffe angucken mit Opa. So große Kinder hab ich schon, hach, hach.

Tag 1240 – Glückseligkeit mit und ohne Klang.

Hier weiter alles super. Unter anderem weil ich zum Arbeiten Kopfhörer bekommen habe. Wir sitzen ja nun in einem Großraumbüro, das ist naturgemäß kein Ort der Stille (auch wenn ale nur schleichen und flüstern) und vor allem wollte ich meinen Kollegen nicht mit dem „Im Staat starten“-Video auf den Zeiger gehen, deshalb fragte ich nach Kopfhörern und bekam sie. Leider gingen sie zunächst nur über Kabel, weil sowohl Computer als auch Kopfhörer mit der Vielfalt an Bluetooth-Geräten im Büro heillos überfordert waren. Heute habe ich deshalb sowohl Computer als auch Kopfhörer mit nach Hause genommen und nachdem Herr Rabe die Kopfhörer erst mal resettet hat und dann Updates eingespielt und die Geräte gründlich einander vorgestellt hat, geht nun alles und es ist super.

Fieser Blitz, weshalb das erste Foto auch in die Hose ging.

Well.

Trotzdem sehr sehr schön. Active Noise Cancelling sollte den Friedensnobelpreis bekommen und auch beim Abspielen von Musik sind die Dinger einfach der Hammer. Ich bin hin und weg. Schade, dass mein Job nicht aus Musik hören besteht und auch sich total abschotten eher ungünstig wäre, wenn man dauernd mit Leuten reden muss, aber um mich durch den Ordner voll Zeug zu arbeiten wird das ganz fein!

Und das hier musste ich Ihnen ja nich nachliefern.

Seit heute funktioniert auch das Bezahlen in der Kantine mit der Karte problemlos.

Jetzt aber endlich ins Bett. Meine Güte, bin ich erledigt. Aber sehr glücklich dabei, nicht nur über die Kopfhörer, aber hab ich erwähnt, dass sie unfassbar gut klingen? Und Active Noise Cancelling haben?

Tag 1239 – Schwuppdiwupp!

Heute um viertel vor Acht bei der Arbeit gewesen. Wann ich dann aufstehen muss, möchten Sie gar nicht wissen. Aber dafür echt einiges getan, trotz meiner etwas begrenzten Möglichkeiten. Zum Beispiel die Mailbox sortiert und Termine abgemacht und schon mal einiges gelesen, und auch die Zeiterfassungsapp geht nun. Das war ein wenig komplizierter als geplant, weil ich mich da mit meiner Bank-ID anmelden musste, aber erst meine Bank-ID auf dem neuen Handy einrichten und dafür brauchte ich meinen TAN-Generator und auf dem, stellte ich heute morgen fest, hat irgendein Kind mindestens fünf mal die falsche PIN eingegeben und ihn damit gesperrt. Ich hatte dann schon befürchtet, dass ich den TAN-Generator einschicken muss oder so, aber ein Anruf bei der Hotline der Bank und viele Fragen später konnte mir der Bankmensch dann die Bank-ID doch einfach so direkt am Handy einrichten, ohne TAN-Tralala. Nun kann ich also einfach per Klick ein- und ausstempeln oder auch Homeoffice* oder freie Tage oder wasweißich eintragen.

Überhaupt. Arbeitszeit. Ich hatte heute auch ein sehr (sehr!) langes Gespräch mit meiner Patin, über das Arbeiten in der Behörde im Allgemeinen und als Inspektør im Besonderen. Im Anschluss an das Gespräch gab sie mir den Plan für die kommenden sechs Monate, in dem die Inspektionen vorgemerkt sind. In der Einarbeitungsphase soll ich auf so viele Inspektionen mitgehen, wie möglich, in diesem ersten halben Jahr wären dass dann… 9 glaube ich, bevor ich im Juni das erste Mal nicht mehr nur Anhängsel in der Einarbeitung wäre sondern so richtig heruminspizieren würde. Zwei dieser Inspektionen dieses Jahr sind mit echten Reisen verbunden (es geht unter anderem auf die Lofoten!), der Rest ist in und um Oslo. Es ist also sehr gut, dass wir unseren Wikinger-Babysitter gefunden haben und auch die Haushaltshilfe hat heute sehr schön zum ersten Mal geputzt, ich werd viel nicht hier sein. Darauf war ich schon eingestellt, auch auf das, was meine Patin dann sagte: ich werde an diesen Tagen schnell Überstunden anhäufen, denn Inspektionstage sind mindestens 10-Stunden-Arbeitstage. Nicht so ganz eingestellt war ich auf die nächste Nachricht: ich darf maximal 50 Überstunden haben, dann fangen Chefs an, auf Abfeiern zu drängen und wenn ich das dann nicht ganz schnell tue, verfallen weitere Überstunden. Ich darf aber gleichzeitig nur 25 Tage pro Jahr abfeiern und (und das ist der Knackpunkt) jede Nicht-Erfüllung des Stunden-Solls an einem Tag wird von der Zeiterfassung als kompletter abgefeierter Tag gerechnet. Ich habe also zum Beispiel gestern schon einen meiner 25 Abfeiertage verbraten, weil ich erst um neun angefangen habe, aber um vier gegangen bin. Meine Patin gab mir den Rat, das dringend mit meiner Chefin (aus verworrenen Team- und Hierarchiegründen ist ihre Chefin nicht meine Chefin) zu besprechen, und da hat sie sehr Recht mit. So nett ich komplett freie Tage finde: die Absprache mit Herrn Rabe und mein eigenes Bedürfnis, nicht jeden Tag zur Bahn zu rennen, damit ich’s grade noch so zum Abholen in die KiTa und zum Hort schaffe sehen eher vor, dass ich die Überstunden zeitnah als Randstunden abfeiere. Und da sind dann 25 Tage sehr wenig, wenn ich auf der anderen Seite 60 Inspektionstage habe. Natürlich weiß ich auch, dass es, vor allem in der Einarbeitungszeit, noch schwierig sein wird, überhaupt irgendwas abzufeiern, denn solange ich noch mehr Klotz am Bein als voll einsatzfähige Mitarbeiterin bin, verringert sich ja der Workload meiner (überlasteten) Kolleg*Innen nicht und ich trippele halt hintendrein. Aber dann irgendwann sollte sich der Workload ja auf ein Paar Schultern mehr verteilen und dann wäre es sicher gut, schon klare Absprachen getroffen zu haben. Huff. (Das ordnet sich. Sicher. Kein Grund schon wieder zu grübeln, Frau Rabe!)

Apropos Einarbeitung: ich habe den Eindruck, das soll alles möglichst zackig über die Bühne gehen. Das liegt mir ja eh, ich freue mich drauf, viel neues zu lernen und einiges altes aufzufrischen. Aber erste Inspektion als Anhängsel in drei Wochen schon ist… ambitioniert. Verständlich ist es ja auch, ich soll halt nicht lange Klotz bleiben. Entsprechend motiviert stürze ich mich in den vierseitigen Plan und stolpere hier und da über technische Schwierigkeiten, die in so einer Behörde nicht mal so eben zu beheben sind. Denn „nur K. kann dir helfen!“. Blöd, dass K. nur eine 40%-Stelle hat und dementsprechend nur zwei Mal die Woche da ist. Aber wenn mir K. dann geholfen hat, dann werd ich – schwuppdiwupp – Inspektørin. So richtig. Gnihihi. (Ich freue mich immer noch sehr.)

Etwas abgekämpft, aber immer noch sehr glücklich.

Ein bisschen Feedback habe ich heute auch bekommen: ich sei sehr offen und gehe auf die Leute zu, extrovertiert sei ich sicher? Ich gab zurück, dass ich das ganz und gar nicht per se sei, aber mich so willkommen fühle und mich gleichzeitig so auf die neuen Aufgaben und Leute freue, dass es mir leicht falle, mit den Leuten in Kontakt zu kommen. Das meinte ich auch so, war aber trotzdem hinterher überrascht über meine einigermaßen geschliffene Antwort. Ich bin mal gespannt, wann ich nicht mehr dauernd das Gefühl habe, in einem einzigen großen Assessmentcenter oder fortlaufenden Bewerbungsgespräch zu sitzen.

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*Homeoffice ist eher unüblich aber grundsätzlich möglich. Muss halt immer genehmigt werden und ist eh nichts, was ich ab Tag 1 sofort machen würde.

Tag 1238 – Hallo, ich bin die Neue.

Meinen ersten Tag als Inspektør soweit ganz gut überstanden. Ich war pünktlich da, aber zu verwirrt, um mich anzumelden, aber da war auch noch eine andere, und die war auch nicht angemeldet, ha. Und die durfte trotzdem rein, pfft. Ich jedenfalls nicht, aber ich wurde auch ohne Voranmeldung von meiner neuen Teamleiterin E. abgeholt, musste mich dann eben noch über das fancy Bildschirm-Dingsi eintragen und mir einen Aufkleber ausdrucken lassen. Dann gingen wir rein und WHOAAAA! So schick! So hell, so Holz und Glas und Metall und alles offen und WHOAAA! Ich bekam den Mund kaum zu. Natürlich gibt es auch eine Garderobe, wo man seine Straßenschuhe ablegt und irgendwas zwischen Birkenstock und Pumps anlegt, wie man halt mag. Ich hatte meine Schuhe schon in der Lobby getauscht, stellte also nur meine Tüte da ab und zog meinen Mantel aus. Dann wurde mir mein Büroplatz gezeigt, der ganz am Ende des, äh, Raumes (? Ist es trotzdem ein Raum, wenn es eine Wendeltreppe und diverse Meetingraum-Glaskästchen in der Mitte hat?) liegt und natürlich wurde ich schon Leuten vorgestellt. Mein Arbeitsplatz ist auch so ein fancy modernes Ding, ich hab zwei Bildschirme und komme mir jetzt fast wie eine IT-lerin vor. An meinem Arbeitsplatz stand auch schon ein Namensschild, es lag da ein Computer mit meinem Namen und ein Telefon und eine SIM-Karte und ein Gutschein für den Kaffeeladen unten im Haus. Ich war ganz verzückt, stellte aber nur meine Tasche ab und ging mit meiner neuen Chefin in den Meetingraum „Curie“*. Vorher stellte sie mich noch der Kaffeemaschine vor, die recht anständigen Kaffee braut, auch der Espresso ist in Ordnung. Hach!

Dann erklärte mir E. das gar nicht mal so einfache System von Gruppen und „lag“** und Leiter*Innen und irgendwie anderen*** Leiterinnen und Abteilungen und demnächst werde ich wohl dann auch den Oberchef kennen lernen. Weiter ging es mit den Hauseigenen SOPs und dem dazugehörigen Datenmanagementsystem und äh, Ja, Behörde halt. Alles sehr… strukturiert. (Das kommt mir Ja sehr entgegen, nur jetzt so am Anfang ist es erst mal viel.)

Ehrlich gesagt war ich danach schon recht gar, aber es stand ja noch die Begrüßungsrunde an. Vom dritten bis in den sechsten Stock arbeiteten wir uns durch die Abteilungen und irgendwo bei den Jurist*Innen spätestens war mein Kopf so voll mit neuen Gesichtern, dass die in meiner Erinnerung nun alle gleich aussehen und Siv Irgendwas heißen. Immerhin ging mir nach dem fünften Mal „Ich fange in der Kontroll-Abteilung an.“ – „Sie ist GMP-Inspektør.“ selbst auch „Ich bin GMP-Inspektør!“ über die Lippen. Und die Reaktion war immer „Oh, DAS ist gut!“, weshalb ich einen hohen Workload auf mich zukommen sehe. Äh, ich meine natürlich, mein lag.

Nach der Begrüßungsrunde war ich außerdem sicher, dass ich tatsächlich so eine der jüngsten da bin und da sicher 70% Frauen arbeiten. Wobei unsere Abteilung noch verhältnismäßig viele Männer beschäftigt.

Danach war es erst 11 und ich eigentlich reif fürs Heiabettchen, aber ich hatte ja noch gar nicht meinen fancy Arbeitsplatz eingeweiht und mich eingeloggt in das heilige Intranet. Ich sage mal so: 274 E-Mails. Morgen*** muss ich dringend ein paar lustige Regeln aufstellen nach denen die Mails sortiert werden. Sowas wie „wenn es an alle@Behörde geht und ich nur im CC stehe, schieb es in diesen Ordner of Doom in den ich nur schaue, wenn ich sonst wirklich gar nichts zu tun habe, also nie“.

Aber hey, immerhin ging alles, Windows 10 ist des Teufels aber da werd ich nicht gefragt. Grad als ich drauf und dran war, wen anzufallen vor Hunger sprangen alle auf und riefen „Lunsj!“ und damit hatte sich auch mein vergeblicher Versuch, das Wifi auf meinem Handy ans Laufen zu kriegen, erledigt.

Kantine. Gut und verhältnismäßig günstig, ein bisschen was**** tut auch die Behörde dazu. Ich hatte leckere Tomatensuppe und Salat und dabei hab ich einer Gruppe Menschen Ü50 erklärt, in was ich meinen Doktor gemacht hab und die waren dann doch schnell ziemlich abgehängt. Hihi.

Danach stritt ich mich weiter mit meinem Computer und dem Wifi am Handy, was leider auch meine Patin, K.-M. nicht beheben konnte. Sehr seltsam, es geht einfach nicht, bei drülfzig Diensten kann ich mich mit meinem Login und Passwort (das ich, dank hundertfünfzig fehlgeschlagenen Wifi-Verbindungsversuchen, auch schon auswendig kann) anmelden, nur da nicht. Irgendwann hab ich auf und suchte erst mal nach einer Steckdose, um das neue Telefon zu laden. Haha. Der Schreibtisch ist so fancy, und ich so trottelig, dass mir erst mein Kollege (und heute noch, aber morgen nicht mehr, lag-Leiter) J. zeigen musste, wie ich die Abdeckung vom versteckten Kabelkanal öffnen kann, um an die Mehrfachsteckdosenleiste zu kommen. Gleich voll professionellen Eindruck gemacht.

Nach dieser schweißtreibenden Aktion kam, was kommen musste: Fototermin für die Zugangskarte. Oh je. Ob es nun am Lichteinfall, an meiner vornehmen Blässe oder an zu viel Highlighter lag: ich war eine Lichtgestalt. Mein Gesicht war eigentlich nur ein weißer Fleck, darunter dunkles Kleid, darauf aschblondes Haar. Erst als ich meine Brille abnahm, ging es halbwegs und so kann ich morgen früh eine Karte abholen, auf der ich völlig untypisch keine Brille aufhab, immernoch sehr sehr hell aussehe und leicht verwirrt dreinschaue. Huff.

Zurück an meinem Arbeitsplatz hatte J. meinen Einarbeitungsplan soweit fertig gestellt, der morgen mit seiner Nachfolgerin als lag-Leiter abgesprochen und dann von ihr unterzeichnet wird. Der Plan umfasst 4 Seiten in tabellarischer Form und da ist von Brandschutz bis Verwaltungsrecht alles mögliche dabei und auch von „am besten gestern“ bis „irgendwann dieses Jahr noch“. Mir wird ganz sicher nicht langweilig werden. Morgen muss ich erst mal all die Menschen, die mir Dinge beibringen sollen (Brandschutz zum Beispiel, am besten gestern!) zu Meetings einladen, denn das müssen die Neuen alles selbst machen, jaja, damit sie es lernen.

Kurz zusammengefasst: ich fühle mich da sehr wohl. Alle waren ganz ganz nett zu mir, niemand scheint meine Qualifikation anzuzweifeln, es hat alles Hand und Fuß und Regeln und Ansprechpartner*Innen und hach. Es war einfach wirklich gut, wenn auch viel. Bester Indikator: keine Kopfschmerzen trotz all der neuen Siv Irgendwasse. Ich werd jetzt gleich wie ein Stein schlafen.

Morgen auch Bilder. Wir haben einen Fahrstuhl mit Spiegel!

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*Nicht, dass Sie denken, die hätten da alle solche Namen. Einer heißt zum Beispiel auch „Kreativität“.

**Ein lag ist eigentlich eine Mannschaft oder Gruppe, hier vielleicht am ehesten als Projektgruppe zu verstehen. Das mit den lag ist echt irre, es gibt über 100 aktive lag zur Zeit, weil jeder in 2-10 lag ist und da… zu beiträgt. Ähm.

***as if. Aber bald.

****entsprechend etwa 3 Mittagessen im Monat, aber das ist auch schon mehr als es an der Uni je gab und eh mehr als ein Chef, der einem aus Dominanzgehabe raus das eigene Essen wegisst.