Tag 2340 – Here we go again.

Es ist ein bisschen ein Flashback in 2020 kurz vor Weihnachten. Homeoffice den ganzen lieben langen Tag, jeden Tag, Remote-Inspektionen planen, sich über Pandemiemanagement im Großen und Kleinen ärgern. Ich will das alles nicht mehr, aber hilft ja nichts, ich wollte das auch schon vor nem Jahr nicht mehr und das hat die Pandemie da auch schon nicht interessiert.

Noch eine Woche Arbeit, dann ist Urlaub und ganz egal, ob wir nun weg fahren oder nicht – ich hab den nötig.

Notiz am Rande: Bester Tipp, den ich lesen durfte, zum Thema Wintersmüdigkeit: „30 Minuten Sonnenlicht am Tag sind ratsam, am besten direkt nach dem Aufstehen.“ Montag stehe ich also erst um viertel nach neun auf, das kommt meiner inneren Uhr sehr entgegen.

Ob ich dann auch um drei wieder ins Bett kann? Mir wäre danach, um ehrlich zu sein.

Tag 2338 – Einfach schwimmen.

Ständig wird alles geändert. Alles mögliche fällt spontan aus, weil Leute krank sind oder in Quarantäne und es plötzlich verboten ist. Man kriegt mit Glück mit ein paar Stunden Vorlauf Bescheid.

Und dann diese ganzen Widersprüchlichkeiten. Zur Arbeit dürfen wir, wenn wir müssen (oder uns im Speichern von Dateien schulen lassen sollen, was übrigens auch dank meines vehementen Einsatzes für uns Inspektøre komplett abgeblasen wurde), da ist alles tutti, weil wir ja Plexiglas zwischen den Tischen haben. Inspizieren dürfen wir nicht, weil das mega gefährlich ist. Vielleicht sollte ich fragen, ob’s ok wäre, zu Herstellern zu fahren, wenn ich eine eigene Plexiglasscheibe mitbringe? Die Kinder dürfen alles, weil sie in der Grundschule sind und deshalb per def ja nicht krank werden. Vielleicht sind wir durch unsere Impfung plus Delta-Infektion quasi gar nicht vor Omicron geschützt, aber auch wir werden ja nicht krank, und kriegen deshalb vielleicht gar keinen Booster. In Deutschland geht man von sehr wenigen (unter dreistelligen) Omicron-Fällen aus, während sich hier so ziemlich alle Anwesenden in einem Lokal bei einer einzigen Person angesteckt haben, obwohl man von den allerallermeisten davon weiß, dass sie voll geimpft waren.

All das macht müde und unproduktiv. Außerdem ist Zyklusende und ich mache mir demnächst vielleicht einfach ab Zyklustag 20 vorbeugende Kohlwickel. Michel schläft schlecht ein, Pippi steht morgens sehr früh auf (weshalb jetzt die Fernbedienung neben mir liegt), ich hatte vergessen, dass ich noch für die Putzhilfe aufräumen muss und saniere bald einfach warm.

So ein Tag ist halt heute. Ein Tag, an dem eins der Kaffegläser auf dem Parkett zerschellt und eine Kaffee-Glasscherben-Pfütze aufgewischt werden will.

Morgen wird bestimmt besser.

Tag 2337 – Allein, aber mit Meter.

Herr Rabes Konferenz läuft jetzt so: heute war nicht, bzw. nur Aufbau. Morgen ist mit drei Kohorten á maximal 200 Gästen (die Kohorten wurden wohl nicht voll, so groß war das Interesse an physischer Teilnahme dann doch nicht). Dann werden über Nacht wieder die Regeln geändert und deshalb ist Donnerstag dann ganz ohne Publikum.

Weil die Tage für die Orga- und Ordnungstruppe aber trotzdem lang werden, ist Herr Rabe im Hotel in Oslo. Das hat auch für mich viele Vorteile, zum Beispiel könnte ich theoretisch sogar mit offenem Fenster schlafen*. Ich muss niemandem sagen, dass Waschmaschine und Trockner bevorzugt nachts um drei laufen sollten (weil da der Strom am billigsten ist) und es klingelt kein Wecker zu völlig irrwitzigen Zeiten, weil Advent of Code ist und um sechs Uhr die Aufgaben veröffentlicht werden.

Dafür muss ich halt alleine alles machen, Kinder rumfahren, Arbeiten, zusehen, dass ich vernünftig esse.

Wird schon werden.

Osloer Julebord-Update: es sind wohl bei der Chipsfabrik noch ein paar dazu gekommen, genaue Zahlen konnte ich aber grad so schnell nicht finden. Insgesamt knackt Norwegen heute aber die 500er-Inzidenz und Oslo marschiert auf die 1000 zu (900 heute). 320 liegen im Krankenhaus, damit sind wir nur noch 5 belegte Betten vom Allzeit-Coronahoch vom 1.4.2020 entfernt. Es ist alles total toll, und deshalb haben wir jetzt den Meter wieder und Norwegen hat jetzt auch beschlossen, dass Lüften ne gute Idee ist. Ich bin gespannt, ob der Zaunpfahl „MEHR Homeoffice“ dieses Mal von meinem Arbeitgeber aufgegriffen wird. Mir ist es ja egal, niemand zwingt mich ins Büro, aber ich denke, es wäre ein gutes Signal, dass man die Entwicklung auch bei uns ernst nimmt. Außerdem ist die Ventilation bei uns grottig.

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*praktisch wäre selbst mir das jetzt grad zu kalt, draußen sind nachts so -15 Grad. Außerdem muss ich dann erst die Geige ausquartieren, neulich hatten sich nämlich schon zwei Wirbel gelöst, durch, so vermute ich jedenfalls, zu starke Temperaturschwankungen bei gleichzeitig sehr trockener Winterluft.

Tag 2336 – Unnötig undurchsichtig.

Falls Sie sich fragen, wie man in Kontakt mit der Schulschwester von V. Barneskole Eidsvoll kommt: da suchen Sie erst im Internet, da steht es schon mal nicht. (Letztes Jahr stand da noch ne Telefonnummer, die war aber zu der vorherigen Schulschwester, die da schon seit 2018 oder so nicht mehr ist.) Sie schreiben also der Lehrerin. Die ruft zurück und sagt, das wisse sie auch nicht so genau, man solle im Sekretariat anrufen. Sie rufen im Sekretariat an und haben gleich die Rektorin dran, die sagt Ihnen dann, dass die Schulschwester grad eine Weiterbildung macht und Examen hat (also Klausurphase), aber Freitag da sei. Sie sollen ihr Anliegen am besten per Mail an die Rektorin schicken, die das dann weiterleitet. Sie verdrängen alles, was sie jemals über Datenschutz wussten und schreiben sensitive Personendaten an eine Person, die diese gar nichts angehen, damit diese sie dann weiterleitet. Hurra.

(Sie sind verzweifelt und deshalb machen Sie das.)

Bei der Arbeit war Manic Meeting Monday. Gnah. Hab da immer schnell das Gefühl, Zeit zu verplempern, vor allem weil mir grad alles über den Kopf wächst, das bis Weihnachten erledigt sein sollte.

Osloer Julebord-Update: 130 positiv getestete Personen, etwa die Hälfte bestätigt Omicron. Las darüber schon bei Spiegel Online. Wir lächeln und winken einfach (und ich bunker mich im Homeoffice ein). Omicron sonst so: ein Ausbruch an einer Waldorfschule, ein Ausbruch auf einer Messe, ein Ausbruch auf einem weiteren Julebord (der, halten Sie sich fest, Chipsfabrik! So klein ist die Welt). Japp, scheint recht ansteckend zu sein, der Quatsch, und dabei waren wir ja schon mit Delta ziemlich gut dabei, die Krankenhäuser zu füllen. Lächeln und winken.

Morgen kommen schon wieder neue Maßnahmen. Zum dritten Mal in einer Woche.

Lächeln und winken.

Tag 2335 – Müdolaus.

Es war so ein Tag, an dem ich eigentlich dem einen Kind gerne ne Rute in den Stiefel gesteckt hätte. Zumindest bis mittags. Danach übten wir uns in paradoxer Intervention (oder so) und fuhren schwimmen, inklusive dem Kind, das sich morgens noch um spontane Adoption beworben hatte, was beide Kinder sehr froh stimmte. Der Rest des Tages verlief dann tatsächlich größtenteils harmonisch. Ich bin so müde von dieser ständigen Streiterei.

Den späteren Nachmittag vertrieb ich mir mit der vierten Lage. Ich habe da so eine Etüde, zu der ich eine innige Hassliebe pflege. Sie ist nicht sonderlich schön oder interessant, dafür aber schwer und schnell. Schnell ist nicht mein Freund. Schwer kriegt mich nicht klein, schwer ist eine Herausforderung und ich werde sie bezwingen! Die vierte Lage ist noch nicht so bequem wie die 3., aber nachdem ich die 2. Lage übersprungen habe (ich schiebe das bequem auf meine frühere Lehrerin, ich hab ja einfach da wieder angefangen, wo ich damals aufgehört habe) und das nach der 3. bereut habe, wollte ich nicht den Fehler wiederholen, indem ich gleich mit der 5. anfange.

Natürlich habe ich am Ende des Tages doch Schokolade in die Stiefel verteilt und keine Ruten und auch keine Kohlestücke (letzteres ist auch eh irgendwie nicht so zeitgemäß). Morgen können die Kinder dann wieder in der Schule von dem super besonderen Tag erzählen, den wir haben und sonst keiner. Ein paar importierte Traditionen muss man ja haben.

(Ein Wort zum Adventskalender: als Werbeopfer habe ich da einen Notkauf am 29.11. getätigt, und runtergesetzte Adventskalender für mich und Herrn Rabe bestellt. Schokoladenpralinen für Herrn Rabe und Lakritzpralinen für mich. Ich bin zwar immer noch recht skeptisch gegenüber der Kombination Lakritz und (Milch-)Schokolade, kann nach 5 Tagen aber mit Verzücken feststellen, dass die Kombination Lakritz und Himbeere ganz und gar köstlich ist. Selbst mit Schoko. Ich hoffe, es kommt noch ganz viel mit Himbeere.)

Tag 2334 – Frust.

Michel hat Laune. Teils verständlich. Ich musste ihm heute mitteilen, dass seine Weihnachtsfeier, obwohl draußen, nicht so stattfinden kann wie geplant. Weil sich (Osloer Julebord-Update) vermutlich über 100 Leute bei einer einzigen Aktion mit einer neuen Variante von Corona angesteckt haben, obwohl die alle geimpft waren. Michel hat das Gefühl, Corona hört nie auf. Verständlich also. Ein Teil seiner Wut ist aber gar nicht auf irgendwas zurückzuführen und der Teil nervt dann halt doch irgendwann sehr. Heute zum Beispiel. Jaja, begleiten und so weiter, aber es ist halt nicht so ganz einfach, mit jemandem zusammen zu leben, der eigentlich nur noch schreiend kommuniziert und alternativ „aus Spaß“ auch mal boxt. Weil, haha, die lustigen vollgekoksten Typen auf YouTube machen sowas ja auch dauernd. Weshalb es jetzt mal ne Weile kein YouTube mehr gibt. Es reicht wirklich.

Tag 2333 – Nänänä.

Ich hatte heute einen „ich hab’s euch doch gesahagt!“-Moment und hab ihn verpasst, weil ich die Schulelternratsgruppe zwischenzeitlich stumm geschaltet hab, weil ich sonst ausfällig geworden wäre. Was ich gesagt hatte, was aber erst (murrend) akzeptiert wurde, als die Kommune das selbe sagte: es ist nicht schlau, zur Zeit viele Erwachsene auf einem Haufen zu versammeln, auch wenn es erlaubt ist. Die Kommune hat uns nun Weihnachtsfeiern mit Eltern in Schulen und Kindergärten untersagt, und ich feiere das ein bisschen. Die Kinder dürfen feiern, aber halt nicht mit Erwachsenen und Tombola und tralala.

Ansonsten hab ich meine Konzentration wieder, oder der Zeitdruck ist so enorm geworden, dass ich halt einfach MUSS, oder eine Kombination aus beidem. Die Nase tut aber noch weh und wenn ich sie putze, ist das, was rauskommt, rosa bis rot.

Omicron wirkt auf mich immer gruseliger, während andere frohlocken, dass das Delta verdrängen wird und dabei milde Symptome macht. Ich will mich darüber jetzt nicht auslassen, aber solange man nicht weiß, wie ausgeprägt die Symptomatik in wievielen Fällen ist, würde ich mir das Frohlocken verkneifen.

Osloer Julebord-Update: 20-30 weitere Infizierte, nämlich Leute, die zur gleichen Zeit wie das Julebord in dem Lokal waren. Jaja, Abstand halten reicht…

Ich erfand heute für die zukünftigen Jahre das Julibord. Weihnachtsfeier einfach schon im Juli machen, mit Ribbe vom Grill und Pinnekjøtt vom Lagerfeuertopf. Vorteile: niemand bricht sich nachts betrunken auf glatten oder schneematschigen Straßen die Haxen und man umgeht den vorweihnachtlichen Coronapeak. Nachteile: keine.

Betrachten Sie den Begriff Julibord bitte ab jetzt als eingetragene Marke.

Tag 2332 – Everybody panic!

Pali(ndro)m Palim.

Spontan ist Omicron jetzt doch sehr gefährlich und deshalb gibt es, genau, tiltak. Nachdem sich am Wochenende vermutlich 50-60 Leute auf einer Weihnachtsfeier mit Omicron angesteckt haben, und heute alle 37.000 Besuchenden einer Landwirtschaftsmesse aufgefordert wurden, sich testen zu lassen, hat man dann doch beschlossen, dass man keine Lust hat mit dem weltweit größten Omicronausbruch in der weltweiten Presse zu landen das etwas begrenzen möchte. Um Mitternacht treten damit neue Regeln in Kraft, erstmal nur in Oslo und rundum (erst hatten sie unser Kaff und ein weiteres Kaff vergessen, also wirklich einfach vergessen, was zu allgemeiner Verwirrung führte). Stichworte Mundbinde, Versammlungsgrößenbegrenzung, Homeoffice. Für uns Raben heißt das:

  • Homeoffice, mehr als jetzt, vielleicht 100%
  • Im Laden und sonstwo drinnen Mundbinde auf
  • Herr Rabes Konferenz nächste Woche fällt flach

Der letzte Punkt ist dramatischer als er klingt, denn das ist die Konferenz die Herr Rabe jedes Jahr mit seinem Verein (mit)organisiert. Das steht quasi alles, Leute sind fast schon unterwegs zum Aufbau, für die Speaker sind Hotels gebucht, die Location und allerlei Gedön muss bezahlt werden, aber nichts kann so stattfinden, wie geplant. Die Konferenz sollte Dienstag losgehen. Heute kamen diese neuen Beschränkungen. Das ist ziemlich großer Mist für den Verein (as in: es ist eigentlich eine Katastrophe aber wir atmen ja alle mit dem Bauch und haben Eis im Bauch und das ordnet sich alles, jaja).

Das wäre alles auch ohne neue Variante schon sinnvoll gewesen, wenn man auf die Infektionszahlen und die Todeszahlen schaut (Krankenhausbelegungen gehen noch grad so, ich vermute, dass viele ältere Menschen nicht dort landen und woanders versterben). Man könnte jetzt sagen, das Resultat ist entscheidend, ist doch egal, weshalb sie das jetzt eingeführt haben. Aber jetzt ist es eben eine Panikaktion, das hätte so nicht laufen müssen, sondern wäre auch in kontrollierter gegangen – und dann hätte es vermutlich auch weder Weihnachtsfeier noch Landwirtschaftsmesse gegeben.

Unsere Weihnachtsreise steht auf wackeligen Füßen, fürchte ich.

Tag 2331 – Schön und gleichzeitig nicht.

Es war schön, die Kolleginnen und Kollegen mal wieder alle zusammen und in 3D zu sehen und über was anderes als Arbeit zu reden. Wirklich sehr schön. Ich hab die und sowas ja doch ein bisschen vermisst.

Das wäre aber meiner Meinung nach noch netter gewesen, wenn es nicht in einem bumsvollen Restaurant gewesen wäre, in dem es hallt, in dem man wirklich wie die Hühner auf der Stange sitzt, und in dem man sich dank (zusätzlich zum Hall) mittellauter Lounge-Musik schon über den ca. 60 cm tiefen Tisch weg anschreien muss, damit man überhaupt was versteht. Nach dem Essen wurden wir quasi rausgekehrt, weil der Tisch neu vergeben war. Jedes Glas, das man ausgetrunken hatte, wurde einer nahezu entrissen, bevor man es überhaupt abgestellt hatte. Keine Nachfrage, ob man noch Nachtisch, Kaffee, Wein möchte, keine Erklärung, weshalb man so hektisch ist (dass der Tisch neu vergeben war, ist meine Interpretation der Geschwindigkeit, in der um uns rum Tische abgeräumt, neu gedeckt und neu besetzt wurden). Das wird definitiv nicht mein Lieblingsrestaurant, Pandemie oder nicht.

Das Essen war aber gut, ich hatte die vegetarische Alternative, ein ziemlich scharfer Hot Pot mit Tofu, Saitan und grünen Bohnen.

Auf dem Rückweg las ich im Zug, dass sich vermutlich mindestens 30-40 Menschen Freitag Abend auf einem Julebord (ist ja erlaubt!) mit Omicron angesteckt haben. Soviel zu „wir wollen die Verbreitung verlangsamen“.