Tag 1508 – Scheitern mit Ansage.

Wenig überraschend war meine To-Do-Liste zu lang für einen Arbeitstag, selbst bei einer extra Stunde. Ich werde also wohl am Wochenende irgendwann noch Dokumente lesen müssen (weil ich das Mäppchen bis Montag früh um neun halt bearbeitet haben muss) und nächste Woche im Flugzeug irgendwelches Zeug zum Brexit lesen, weil aus Gründen und hoffentlich breche ich nicht weinend in den Armen meiner Kollegin zusammen, weil ich doch auch keine Ahnung habe wie die das da alles lösen können, herrje, da schlagen sich seit Jahren ganze Gremien mit rum!

Den Rest hab ich aber weggearbeitet, ganz nach Plan.

Abends dann mit der Babysittermama telefoniert, das eskalierte ein bisschen (ich hätte einfach hinfahren sollen) und jetzt stehen hier Fragen im Raum herum, keine schlimmen, keine Sorge, aber halt Fragen, die man sich stellen muss (?) wenn man so Superkinder hat wie wir. Die halt einfach die supersten sind, eh, alle beide. Aber immerhin sind die nächsten Babysittertermine geklärt und ich muss keine Kinder mit zum Schulelternabend schleppen, während der Mann in Kopenhagen weilt, puh. Wir alten Businesskasper, wir.

Tag 1507 – Von allem was.

Heute morgen wollte ich gern Pippi an der Bushaltestelle aussetzen, auf dass sie sich selber zum Kindergarten brächte. Haben wir natürlich nicht gemacht, aber der Wunsch war da. Nach schlechten Nächten, weil Kinder auf mir lagen, habe ich morgens für Geschrei ebendieser Kinder noch weniger Nerven als sonst.

Arbeit ein einziger wilder Ritt. Report Hersteller A durchgehen, drucken, stempeln, unterschreiben, schicken. Programm Hersteller B entwerfen, schicken. Kollegin an entworfene Ankündigung Hersteller C erinnern, nach Genehmigung schicken. Vorbereitung für Hersteller D ausdrucken und abheften für die Kollegin. Drei Anfragen zu vollständig unterschiedlichen Dingen aufgehalst bekommen, eine mit den beiden Kollegen sofort wegarbeiten aber dafür plötzlich in einem spontanen Telefonmeeting hängen. Eine soll bis Montag beantwortet sein, eine asap. Von allen habe ich eigentlich gar nicht mal so viel Ahnung, aber „da kannst du was lernen!“, ja super. Zwischendurch eine kleine Not-Unterweisung in Rezeptkontrolle, Expedierung, Pharmazeut*Innenkontrolle und allem was sonst so in Apotheken vor sich geht erhalten, aus Gründen. Ich weiß jetzt, was der Unterschied zwischen einem Rezept und einer Requisition ist, was Reiteration ist, dass man Rezepte und Requisitionen hier noch offiziell per Fax schicken darf aber nicht per Mail und lauter andere lustige Sachen. Das alles zur Vorbereitung auf Hersteller D, nächste Woche. Morgen im Homeoffice werd ich jedenfalls gut rotieren, denke ich. Report Hersteller E und den Rest der Vorbereitung auf Hersteller D stehen an plus halt diese zwei „super dringend, supi, Frau Rabe macht das, die braucht für jede Mail eh schon ne Stunde“-Anfragen. Koselig!

Weiterhin: festgezurrt, dass wir Michels Geburtstag mit einem seiner Kumpels in der Turnhalle der Schule feiern und die ganze Klasse einladen – sonst kriegt man ja die Turnhalle nicht. Wünschen Sie mir Glück und Nerven aus Stahl.

Tag 1506 – Licht aus. Aus. AHAUS!

Irgendwas stimmt mit unseren Lampen nicht, überall geht dauernd das Licht einfach wieder an. Das ist ein bisschen störend, wenn man schlafen möchte.

Apropos schlafen: Herr Rabe und ich liegen beide schon im Bett. Herr Rabe ist verschnupft und ich fühle mich irgendwie auch nicht so ganz auf dem Damm. Ob nun, weil knapp 10 Überstunden in 3 Tagen wirklich schlauchen, oder weil im Flugzeug sitzen wirklich schlaucht, oder weil der Fischtrailer, der den ganzen Tag im Hafen, nicht weit entfernt vom Hersteller, vor sich hinbrannte und alles draußen in schwarzen Qualm hüllte, der natürlich über die Lüftungsanlage auch rein kam, irgendwas tödliches ungesundes abgegeben hat – ist ja eigentlich egal. Ich hab mich vom Zwang des Fitnesstrackers für heute losgesagt und hoffe, nach einer Nacht im eigenen Bett geht es besser. Morgen geht der normale Bürobetrieb wieder los und es stehen jetzt schon allerlei Termine an, von Fischfutter bis Steriltests ist da alles bei, damit bloß keine Ruhe einkehrt Langeweile aufkommt.

Tag 1505 – DOC-KF.04.ME.58-Version 1.03.

Für mehr sinnvolle Dokumentnamen!

Heute war wirklich anstrengend. Ich fühle mich wie ne ausgepresste Zitrone, in der zwei Elektroden stecken und ab und an macht’s bzzz bzzzz und dann kommt ein Gedanke vorbeigeflogen aber so richtig zu packen kriege ich ihn nicht.

Aber sehr leckere Fischsuppe zum Abendessen gegessen, in einem ganz kleinen Restaurant. TripAdvisor hat ja schon oft recht mit den Bewertungen.

Heute Mittag, falls Sie das interessiert, gab es, weil ich mir für mich vegetarisches Essen gewünscht habe, dann Chili Sin Carne für alle. Das war zwar, wie auch bei uns im Werk, eher so eine würzige Tomaten-Bohnen-Suppe, aber mit extra Jalapeños, die die QA-Dame noch holte, dann doch Chili und sehr lecker. Kam ganz ohne Fleischersatz aus und es hat sich am Tisch niemand beschwert. Ha! Ein Punkt für den Vegetarismus. (Ok. Ich fühle mich jetzt sehr aufgepustet, aber ich glaube fast, ich vertrage Kidneybohnen in so rauen Mengen eher schlecht.)

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Die Nordlichtvorhersage sagt, es geht hier grad total ab mit den Nordlichtern. Ich seh aber nix. Ich prangere das an.

Tag 1504 – Grüße aus dem hohen Norden.

Absolut bescheiden geschlafen. Warum möchten Kinder immer ihre Beine auf eine*n drauflegen?

Dafür hab ich mich heute wahrlich wacker geschlagen. Ich war fast pünktlich aus dem Haus und mit einem kleinen Rollkoffer-Hochhackige-Stiefeletten-Sprint habe ich noch den Bus erwischt. Der Zug von Lillehammer nach Oslo war 3 Minuten zu spät, den habe ich also auch noch bekommen. Dann stand ich überraschend lange am Bag-Drop-Off-Label-Print-Automaten, dann überraschend lange in der Sicherheitskontrollenschlange, dann überraschend lange in der Kaffeebarschlange und dann war das Gate in Terminal B und da muss man ein Stückchen weiter hinlaufen als zu A und als ich dann am Gate ankam, hatte das Boarding grad begonnen und meine Kollegin sah sich schon leicht hektisch nach mir um. Ich war aber weiterhin hundemüde tiefenentspannt und boardete so vor mich hin, als ich plötzlich einen Krümel im Mund hatte, der sich anfühlte wie ein Sandkorn und der eine Miniecke meines rechten oberen Schneidezahns war. Super. Aber nicht zu ändern. Ich inspizierte mit meiner Handykamera den Zahn auf weitere Schäden, fand aber keine und beschloss dann, dass es nicht so schlimm ist. Passiert.

Im Flugzeug dann auch entspannt und gegen die Müdigkeit zum Zeitvertreib die Präsentation so weit überarbeitet, dass jetzt alle Schriften einheitlich groß sind und Überschrift und Fußzeile immer an der selben Stelle. Eigentlich PowerPoint 101 aber die Präsentation ist ja quasi geerbt und vorher „natürlich gewachsen“, sprich, etwa 5 verschiedene Leute haben hier und da dran rumgepfuscht gearbeitet. Aber jetzt ist alles hübsch und wenn meine Kollegen lieb bitte sagen, leg ich meine Version sogar auf den Server, da bin ich ja nicht so.

Dann Inspektion. So ein schöner Dialekt hier. Love it. Ansonsten – neuer Hersteller, neue Seltsamkeiten. Love that one too.

Abends dann unverantwortlich viel Knoblauch gegessen, sorry Mitmenschen morgen. Aber lecker war’s und voll im Tagessatz. Hotel auch sehr schön, alles ganz neu, das ist schon cool, und ich hab mega viele und dicke Kissen, zu viele sogar, dass ich das noch mal sage. Dabei hab ich sogar meinen Teddy vergessen.

Leider Nacken-Schulterschmerzen aus der Hölle. Deshalb abends erst 35 Minuten bei kurz-vor-laufen-Geschwindigkeit (und mit mitgebrachten Sportschuhen) auf dem Laufband gegangen, dann noch 15 Minuten Krafttraining für Schultern, Arme und Bauch. Seither schmerzfrei, aber ich kann jetzt echt nicht täglich eine Stunde Sport einschieben damit mein Schmerzlevel unter Ich-beiß-gleich-wen kommt. Das kann’s echt alles nicht sein.

Aber echt ein guter Tag, so insgesamt. Trotz müde und aua.

Tag 1503 – Bullerbü-Tag.

Wir hatten heute Besuch aus der Großstadt, von A. und MM und das war einfach ganz großartig toll. Bei wunderschönem Spätsommerwetter gab es Kaffee, Kuchen, quatschen* und einen Ausflug zum persönlichen Bullerbü, Tiere gucken und Kürbisse! <3

Das war einfach ein toller Tag.

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* ich bin nicht allein mit meinem Haareraufen, was die Schnarchnasigkeit der Norweger*Innen beim Umwelt- und Klimaschutz angeht. Man hat hier manchmal das Gefühl, die Norweger*Innen glauben, weil sie alle Tesla fahren, haben sie ihren Teil getan und können hemmungslos unfassbare Mengen Plastikmüll erzeugen, zweimal im Jahr ins Warme fliegen und jeden Tag Fleisch essen. Meh.

Tag 1502 – Bestimmt langweilig, aber…

… heute ist halt nicht so viel passiert. Wir waren in Jessheim, neue Jogginghosen und Leggins für die momentan wie Unkraut wachsenden Kinder kaufen (Pippi hat Hosengröße 110. HUNDERTZEHN!!!), das war wegen mangelnder Compliance seitens Pippi überaus anstrengend. So sehr, dass ich danach, als das Brot im Ofen und Herr Rabe und die Kinder Pizzateig kaufen waren beim „nur kurz in Ruhe auf dem Sofa sitzen“ sofort eingeschlafen bin. Danach tat aber meine Schulter noch mehr weh als eh schon und ich sah mich quasi gezwungen, einen schnellen Spaziergang zu machen. Danach tat es etwas weniger weh und die Pizza war fast fertig in der Mache. Grünkohl auf Pizza ist sehr lecker. Grünkohl ist eigentlich immer lecker.

Um wenigstens das Gefühl zu haben, was geschafft zu haben, habe ich dann abends meine 3 identischen Hosen und 5 Blusen, davon 3 im identischen Schnitt, gebügelt. Morgen früh packe ich dann für den (tatsächlich) hohen Norden. Bügeln ist weiterhin nicht mein Freund, aber solange ich keine Reinigung finde, die das zu einem vertretbaren Preis macht, muss ich damit wohl ab und an leben. (Disclaimer, Hinweis, das übliche: wenn Sie total gerne bügeln oder auch aus Prinzip gar nicht bügeln oder aus diversen Gründen seit 1997 Reinigungen boykottieren, ist das schön für Sie (oder auch nicht, kommt jetzt auf die Gründe für den Boykott an), hilft mir aber beim Bügeln nicht. Ich möchte gebügelte Chinos und Blusen anziehen.)

Tag 1501 – Trekkteori.

Ganz entspannten Abend mit Herrn Rabe auf dem Sofa verbracht, das war wirklich mal nötig. Wir werden jetzt so etwa zwei Tage lang nach Knoblauch riechen, aber was soll’s.

Heute bei der Arbeit nichts spezielles erlebt. Fast wäre meine Kollegin bei einem Lachanfall erstickt, aber das wäre ja nicht zulässig während der Stillarbeitszeit. Dabei hatte ich nur einen trockenen Kommentar zu einer Mail gemacht, die ganz ernsthaft mit YO! begann.

Außerdem war ich recht spontan bei einem Infomeeting über den neuen Rekrutierungsprozess und zu was da welche Tests eingesetzt werden. Ich bin jetzt guten Arbeitspsychologischen Tests gegenüber nicht mehr ganz so negativ eingestellt. Die HR-Dame, die vorher schon sehr viel mit solchen Tests gearbeitet und auch daran geforscht hat, hat das überzeugend genug verkauft und da reine Vorstellungsgespräche wohl wirklich nicht das Gelbe vom Ei sind (ein paar Stichpunkte, die ich nach einem Bier noch im Kopf habe: – extrovertierte Menschen wirken sympathischer als introvertierte – man mag, wer einer ähnlich ist – Diskriminierung auf allen vorstellbaren Ebenen) ist so ein halbwegs objektives Tool vernünftig angewendet sicher ganz nützlich. Die schlechte Nachricht, falls Ihnen solche Tests bevorstehen: die guten kann man nicht wirklich üben und (bis auf wen anders den Test machen lassen, was dämlich ist, weil das ganz fix auffliegt, wenn Test und Arbeitsverhalten dann nicht zusammen passen) auch kaum bescheißen. Die gute Nachricht: wenn der Test sagt, dass man gut zu dem Job passen könnte, passt der Job auch eher zu einer. (All das lässt natürlich das ANY WILL DO, GIB MIR EINFACH IRGENDEINE ARBEIT, BIIIITTEEEEEE!!!-Gefühl das längere Zeit Arbeitssuchende befällt völlig außer acht. Aber zumindest der HR-Dame heute war das sehr bewusst.) Fun fact: ich war eine der ersten, die im Werk überhaupt getestet wurde, weil sich „meine“ zuständige HR-Frau schon früher zertifiziert hatte als der Rest von HR.

Man lernt nie aus.

Tag 1500 – Dankbar.

Für dieses kleine Blog. 1500 Tage sind eine lange Zeit um was täglich zu tun, ich klopfe mir da mal kurz auf die Schulter… so. Viel erlebt habe ich auch dadurch, viele Freunde*Innen gewonnen*, manche auch wieder verloren.

Aber vor allem war das Schreiben und waren Sie alle, die das gelesen haben, mir eine Stütze, als es mir echt schlecht ging. Dafür allein bin ich so dankbar, dass gar keine Worte für da sind, in meinem Kopf jedenfalls nicht.

Danke, Blögchen, fürs geduldige Aushalten all der Belanglosigkeit und der Rotze und der Müdigkeit. Danke fürs Festhalten all der guten Zeiten und wunderbaren Tage. Danke fürs Dasein und fürs Netz-sein.

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*Feinde*Innen würd ich so nicht sagen, das wär zu hart, aber ich weiß, auf welche Bloggertreffen ich wohl eher nicht gehen würde und wem ich, sollte man sich zufällig irgendwo treffen, eher aus dem Weg gehen würde und dass das ganz sicher auf Gegenseitigkeit beruht.

Tag 1499 – Vielleicht morgen.

Morgen früh habe ich eigentlich gar nichts zu arbeiten im Zug, vielleicht schreibe ich da mal drüber dass sich hier alles grad deutlich entspannt, zwar ganz langsam, aber halt im Endergebnis übers letzte Jahr schon deutlich spürbar.

Und warum mache ich das nicht heute schon? Weil ich altersweise bin erfahrungsgemäß seit zwanzig Minuten schlafen müsste, um morgen gut aus dem Bett zu kommen.

Große (hier RIESIGE Luftkommata vorstellen) Kinder sind schon toll.