Wir hatten einen richtig tollen Tag, meine Schwägerin ist da, es gibt endlich mal wieder Schnee, wir waren rodeln, haben einen Schneemann gebaut und dann haben wir Kuchen gebacken und lecker gegessen und jetzt liegen wir alle im Bett und sind satt und platt und glücklich und zufrieden.
Autor: Frau Rabe
Tag 563 – Ich weiß nicht, ob Sie’s schon wussten…
… aber ich liebe meine Kinder wirklich sehr. Und wenn die weg wären gäbe es für mich wohl drei Möglichkeiten: a) retrograde Amnesie über >5 Jahre, damit ich mich gar nicht dran erinnern kann, jemals Kinder gehabt zu haben. b) sterben. c) irre werden und dann sterben.
Heißt nicht, dass die nicht auch manchmal nerven, mich manchmal auch schier in den Wahnsinn treiben, ich manchmal vor lauter Verantwortung das Gefühl habe, mich kaum rühren zu können. Insgesamt bleibt einfach das Gefühl, dass sie mein Leben sind. Der Spruch „Kinder zu haben, heißt, sein Herz für immer außerhalb des eigenen Körpers herumlaufen zu lassen“ (oder so ähnlich, Quelle: schlechtes Gedächtnis und irgendwas auf Facebook) trifft auf mich 100%ig zu. Meine Kinder stehen nicht an erster Stelle, sie sind die Stelle. Wenn ich mich wegwünsche, dann mit ihnen zusammen und an einen Ort, an dem es (primär) ihnen gut geht. Das ist vielleicht die größte Veränderung, die ich mit dem Mutter-werden durchgemacht habe: ich und die Kinder, wir sind eine Einheit. Ich würde für die zwei alles* tun. Nicht weil ich muss, weil ich die eben durchbringen muss bis sie 18 sind, sondern weil es einfach so ist. Weil das was da ist noch viel viel mehr ist, als ich je wusste, das man für einen anderen Menschen empfinden kann. Und viel mehr, als ich mit Worten beschreiben kann.
Ihr zwei. Ihr seid mein Leben.
(Morgen blogge ich dann wieder vorm Wein und nicht danach.)
*ja, alles.
Tag 562 – Yeah!
Ich kam klar und machte das Poster fertig! Fertig! Hurra!
Als ich grade dachte, ich wäre fertig (so um eins) kam meine Kollegin (die, der ich jetzt immer meinen Tagesplan mitteile) herein und schaute mir über die Schulter. „Hmm, schick!“ meinte sie und dann „Aber der Text muss weg. Das liest kein Mensch. Also ich jedenfalls nicht.“. Tja. Da hat sie ja recht. Ich lese Poster mit so viel Text wie eben draufgeht auch nicht. Also speicherte ich eine Version, duplizierte sie und benannte eine Version um in „PosterGRCstichpunkte“. Aus der schmiss ich, bis auf die Einleitung, alle Texte raus und machte Stichpunkte daraus. Radikal. Zeitaufwand: ca. 30 Minuten und ich muss sagen, 30 sehr sinnvolle Minuten. Es ist echt viel besser mit weniger Text und mehr Luft und kondensierterer Information. Jetzt bin ich wirklich zufrieden*. Die neue Version schickte ich an meine Kollegin, bekam ein Daumen-hoch-Emoticon zurück und dann schickte ich beide Versionen an meinen Chef. Als der fragte, welche Version er denn öffnen solle, entschied ich mich direkt für die Stichpunkte-Version. Er fand einen typo (direkt alkylation by…), wir schnackten noch kurz über die allerallerallerneuesten Ergebnisse, die es jetzt nicht mehr aufs Poster schaffen, aber vermutlich in den Artikel, dann war es Zeit für ein Meeting (hätte ich mir sparen können/sollen, ich war so ausgelutscht, dass meine Gedanken überall waren, nur nicht bei der Sache) und zu Hause angekommen half mir Herr Rabe dabei, das Poster bei der Druckerei hochzuladen**.
Also: es ist vollbracht und ich habe mir jetzt die zwei Tage Urlaub auch redlich verdient, finde ich.
*Ich würde es Ihnen echt gerne zeigen, aber das könnte möglicherweise gegen irgendwelche Geheimhaltungsdinge verstoßen und naja, bis zur Konferenz können Sie sicher warten, oder?
**kurze Verwirrung wegen der Größe: die Konferenzveranstalter schrieben was von 4 x 5,5 feet. Das wäre 2A0. Die Unidruckerei druckt aber nur bis A0. Und 2A0 ist auch einfach mal absurd groß. Das Poster wäre dann fast so lang wie ich. Und um das zu lesen, was unten steht, müsste man sich bücken. Neenee. A0 it is. Man muss ja den Aufsteller nicht komplett ausfüllen.
Tag 561 – Platt.
Auch heute kam ich klar.
Wesentlich dazu beigetragen hat wohl, dass ich zu Fuß zur Arbeit und wieder zurück ging, jeweils so etwa 30 Minuten. Danach ist der Kopf schön leer, das ist sowohl für halbwegs konzentriertes Arbeiten als auch für einen entspannten Feierabend hilfreich.
Das Poster wird langsam. Bei ShareLaTeX gibt es inzwischen unheimlich viele Vorlagen für alles, was man in LaTeX* machen kann (also alles außer Kaffee kochen). So auch mehrere Poster-Vorlagen. Hurra! Nach stundenlanger ein bisschen Bastelei mit den Corporate Farben der Uni (NTNU-blau ist CMYK 100,75,0,5, falls Sie das auch so brennend interessiert, wie mich) hatte ich ein Design, dann bastelte ich die Abbildungen hinein und dann soweit meine Konzentration reichte noch Text dazu. Der Rest (hauptsächlich bei drei Abbildungen das „blablablabla hier muss Text hin blablabla“ durch echten Text ersetzen und die Einleitung noch mal umschreiben, die gefällt mir noch nicht) ist morgen gut machbar.
Ich merke, dass es nicht so der Knüller ist, 7,5 Stunden lang auf einen Punkt ca. 40 cm vor meinem Gesicht zu starren. Es fühlt sich an, als hätte ich einen Krampf in den Augenmuskeln. Sehr unangenehm und leider auch Kopfschmerz-induzierend. Außerdem bin ich nach einem kompletten Arbeitstag auch echt platt und möchte eigentlich nur noch ins Bett. Genau das mache ich deshalb jetzt auch: ins Bett gehen.
*kleine Anekdote zum Thema „Ich lasse mir nicht helfen und schon gar nicht von Herrn Rabe“: nachdem ich meine Bachelorarbeit noch in Word schrieb und deswegen am Tag vor der Abgabe fast einen Nervenzusammenbruch hatte, lag mir Herr Rabe in den Ohren mit LaTeX und dass ich das doch lernen solle. Ich sagte immer „hmmhmmm, jaja…“. Als ich dann, ein Jahr später, in meinem Stockholmer Wohnheimszimmerchen saß und einen Projektbericht schreiben sollte, brachte ich es mir selbst bei. Herrn Rabe erzählte ich nichts davon. Kein Wort. Erst Monate später, bei einem anderen Bericht, ließ ich nebenbei fallen, dass ich noch überlege, ob ich dafür mal eine KOMA-Klasse** ausprobieren solle. Hähä.
** Schwer zu erklären. Eher für Bücher. Variabler als normale LaTeX-Dokument-Klassen. Aber auch ungleich komplizierter, weil es eben mehr Optionen gibt. Schlussendlich schrieb ich bisher nur meine Masterarbeit und einen 15-seitigen Essay zum wenig erbaulichen Thema „cancer (stem) cell dormancy“ mit KOMA-Klassen.
Tag 560 – Was ich noch lernen muss.
Gute Nachrichten zuerst: ich kam heute halbwegs klar. Stellen Sie sich jetzt vor, wie ich mir selbst auf die Schulter klopfe.
Poster basteln ist aber eher so eine Herausforderung. Das Problem ist in meinem Fall: hohe Ansprüche an die Ästhetik kollidieren mit der Auswahl der Programme. Postervorlagen der Uni gibt es in PowerPoint (meine Nackenhaare stellen sich hoch) und in InDesign. Die Abbildungen, von denen ich jeweils Teile (nicht die ganzen Abbildungen, leider, das würde vieles einfacher machen) verwenden will, habe ich als .pdf und als .eps. Mein Computer bei der Arbeit sagt, .eps kann er nur mit Illustrator öffnen und bearbeiten (Herr Rabe sagt das stimmt nicht, aber, Tjanun, der Computer war sehr stur). Beim .pdf habe ich das Problem, dass die Auflösung zur Darstellung auf einem A0-Poster zu schlecht ist, wenn ich das dann entsprechend hochskalieren muss. (Kurzer Exkurs: es wundert mich immer wieder, wie Menschen, die immerhin ganze Bücher mit vielen und detailreichen Abbildungen versehen, alles in Word und PowerPoint machen. So wie mein Chef. Und der Ex-Chef von Herrn Rabe. Ich verstehe es wirklich nicht, gerade Word ist bei großen Dokumenten ein einziger großer Mist. Dieses Meme „In Word einen Punkt eingefügt. Word verschiebt alle Abbildungen, ändert die Sprache auf Koreanisch und bestellt die 35 mit extra Chilli.“ kommt nicht von ungefähr. Aber da lebt Mensch scheinbar mit, solange es einen wysiwyg-Editor bietet, freundet man sich mit den schrulligen Macken die es sonst so hat, eben an. Und dann alles per Copy-Paste. „Kannste doch einfach per Snapshot aus dem .pdf kopieren und dann einfügen!“ Gruselig.)
Lange Rede kurzer Sinn: Illustrator und InDesign sind beides keine Programme, die man sich mal so eben erschließt. Auch nicht mit fertiger Vorlage*. Die Abbildungen sind zwar jetzt halbwegs ok, aber eben auch nur halbwegs und allein das Skalieren kostet mich Nerven, die ich nicht habe. Aber ich habe ja den allerbesten Mann der Welt, der nach einem verzweifelten „Ich glaub ich machs doch einfach in PowerPoint, dann sieht’s halt kacke aus, mir doch egal!“ nach LaTeX-Vorlagen googelt und mir Hilfe bei der Bearbeitung der Abbildungen anbietet.
Ich lieb den sehr.
Aber seine Hilfe annehmen, das muss ich noch lernen.
*die Vorlage ist auch so ein Witz: bis auf das Maß und einen Footer in Corporate Dings-Blau mit Logo der Uni hat die nix. Weiße Fläche und Arial. Meh.
Tag 559 – Und nun.
Ein paar kleine Updates.
Herr Rabe und ich haben heute, als die Babysitterin da war (da hatte ich mich neulich im Tag vertan, spielt aber ja eigentlich keine Rolle), einen Ausflug gemacht. Erstmal saß ich noch eine gute halbe Stunde mit Pippi bei der Babysitterin, weil die sich noch nicht so gut kennen. Als ich das Gefühl hatte, dass es jetzt ok wäre zu gehen und außerdem beide Kinder plus Babysitterin mit Bügelperlen und -brettern versorgt waren, machten wir uns auf den Weg. Das Wetter war wirklich grausig, wir spazierten (immerhin händchenhaltend) durch eiskalten Regen, fanden in 2 Cafés keinen Platz, das dritte hatte zu und als wir beim 4. ankamen, waren wir gut durchgeweicht und schlotterten ein bisschen. Aber egal: 2 Stunden eine normale, erwachsene Unterhaltung über normale Erwachsenendinge waren es wert. Natürlich sprachen wir auch (kurz) über die Kinder, aber nicht viel, dafür gibt es grade genug anderen Kram der ansteht, wie zum Beispiel…
… Mein Plan zum Klarkommen. Tja. Kurz gesagt: kleine, erreichbare Tagesziele setzen, mir bei der Arbeit jemanden suchen, dem gegenüber ich die auch formuliere (nicht mein Chef, der macht immer gleich ein halbstündiges Meeting aus sowas). Das Denken an „was ist in einem halben Jahr?!?“ sein lassen (das wird hart). Öfter mal Home Office machen, dafür TeamViewer auf meinem Rechner installieren (mein Plan für morgen), damit ich auch von zu Hause ins Intranet und an Daten kann. (Home Office nimmt, so meine Vorstellung, drei Sorten Druck: zeitlich mit Hinbringen zum oder Abholen aus dem Kindergarten; den Druck, irgendwie menschlich aussehen zu müssen und andere Dinge als Jogginghosen zu tragen; sozial (mit der wichtigste Punkt): ich mag manchmal nicht mit Menschen reden und das dann auch nicht zu müssen stelle ich mir sehr schön vor.) Ich glaube ich würde nicht wirklich oft Homeoffice machen, aber eine Absprache mit meinem Chef, sodass ich davon Gebrauch machen kann, wäre schon ein Erfolg. Natürlich vorausgesetzt, dass keine Experimente anstehen, aber solche Tage oder sogar Wochen hat man ja auch immer mal wieder. Weiterer Plan, der eher das Private betrifft: unbedingt die Putzhilfe behalten. Und Dinge, die mich extrem frusten ohne irgendwie zu fruchten (so wie die Heimaturlaubsplanung) vermehrt an Herrn Rabe delegieren oder zumindest ihn mehr mit einbinden. Und dann mal sehen. Wenn ich merke, dass das alles noch nicht hilft und ich einfach keine 37,5 h-Woche durchhalte, gibt es ja immernoch die Möglichkeit einer partiellen Krankschreibung. Oder den Psychologen. Wie gesagt: mal sehen.
Mehr delightful: Die Kinder sind so niedlich! Pippi spricht jetzt viel mehr und versucht, ganze Sätze zu sagen. Außerdem ist sie im Nachplapperalter angekommen und sagt alles, was man möchte. Oder wiederholt alles, was man nicht möchte. Eine ihrer Standardantworten ist aber momentan „Blablabla.“. Da kann ich nicht anders als drüber lachen, wenn die Situation ungefähr so ist:
Ich: „Ey, Pippi, nicht mit dem Essen werfen! Wenn du satt bist, lass es einfach stehen!“
Pippi: „Blablabla.“
Michel spricht ja viel besser Norwegisch als Deutsch, aber wir versuchen ihn im Moment mehr zum Deutsch sprechen zu animieren. Es wäre schon schön, wenn wir für Familienmitglieder nicht dauernd die Übersetzer geben müssten. Manchmal ist es aber auch unheimlich lustig, wenn er norwegische Dinge falsch versteht. So sagte er in den letzten Tagen häufiger voller Enthusiasmus „Jeg er en potet!“ („Ich bin eine Kartoffel!“). Darauf folgte stets irgendeine Ausführung oder Idee, wie irgendwas sein könnte oder wer irgendwas gemacht haben könnte. Es dauerte eine Weile, bis mir die Idee kam, dass er Dinozug (falsch) zitiert und eigentlich „Jeg har en hypotese!“ („Ich habe eine Hypothese!“ meint.
Auch mehr delightful: neues Schneckenbild, weil heute sauber gemacht. Wir haben jetzt (aus Gründen) zwei große (ich nehme an, ausgewachsene) und zwei kleinere Schnecken. Eier gelegt haben sie immer noch nicht, nicht, dass ich darauf scharf wäre, aber ich mache mir etwas Gedanken, ob was nicht stimmt, oder ihnen was essenzielles fehlt.
Tag 558 – Besuchskinder und Vitensenteret.
Heute morgen eröffnete Michel uns, dass er wolle, dass M. ihn besuchen komme. Heute. Dann drängelte er so lange herum, eine Nachricht an M.s Papa zu schreiben, bis dann eine Nachricht von M.s Papa kam: M. wolle gerne Michel besuchen. Wenn wir denn so könnten. Herr Rabe schrieb zurück, dass wir nächste Woche außer Mittwoch eigentlich immer können, oder halt heute. Zack, kam eine Nachricht zurück: M. sei sehr eifrig und wolle gerne schon heute. So in anderthalb Stunden seien Sie da, wenn das passe.
Das passte perfekt, wir wollten eh noch einkaufen. Nach dem Einkauf kam eine Nachricht von H.s Mutter: ob wir Lust hätten, mit ins Vitensenteret zu gehen? Das Vitensenter („Wissenscenter“) ist so eine Art Naturwissenschaftliches Mitmach-Museum. Ich war da noch nicht drin und das Wetter ist momentan zum Heulen: vier grad und Dauerregen, also fragten wir Michel, ob das für ihn in Ordnung sei, wenn wir alle zusammen da hin fahren würden. Michel war sofort Feuer und Flamme (ich so: „wenn du lieber M. für dich haben willst, ist das auch ok!“ worauf Michel antwortete: „Ja, da sollen nur M. und ich sein. Und H. und Pippi.“) schrieb Herr Rabe zurück, das würden wir gerne, hätten aber schon M. zu Besuch. Und so kam es, dass wir uns etwas sehr deutlich später auf den Weg in die Innenstadt machten.
Erstens: nach Busfahren im völlig überfüllten Bus mit vier Kindern und drei Erwachsenen waren ein paar von uns um Jahre gealtert. Und hatten Fransen am Mund. Man kann auf einer fünf Minuten langen Busfahrt sehr häufig „Halt dich bitte fest, mit beiden Händen, du dich auch, nicht die anderen Leute anrempeln und Michel: hör auf Leute anzulecken!“ sagen. Auf dem kurzen Fußweg spielten die Jungs dann „Rockband“, erklommen einen größeren Pömpel und spielten auf ihren Kinderregenschirmen Luftgitarre und Lufttrompete. Dazu gröhlte Michel inbrünstig den Bandnamen: „Rock Babieeeees! Rock Babieeeeeees! Wir sind die Rock Babiiiiiieeeeeeees!“. Das war der evilste Name, den sich die Kinder ausdenken konnten und das war so unfassbar niedlich, ich musste fast ein Tränchen herunterschlucken. Aber ich sags mal so: so wie Michel die Luftgitarre gehalten hat, lernt er vielleicht doch besser erstmal Blockflöte (wie Mama und Papa ja auch. Traditionen und so. So wichtig.).
Nach diesem grandiosen Auftakt war das Ausflugsziel dann schon gefordert, die Latte hing hoch. Aber es war einfach super. Und das trotz happigem Eintrittspreis von 85 NOK für alle ab drei Jahren aufwärts, bzw. einem Familienpreis (zwei Erwachsene, drei Kinder) von 270 NOK. Leider habe ich es nicht geschafft, viele Bilder zu machen, sie müssen mir das also einfach glauben.

Rübennase an Periodensystem-Wand mit (soweit möglich) jedem Element als Exponat. Oder einer Erklärung, warum man das nicht ausstellen kann. Unten das worauf sie steht ist eine Murmelbahn-Bank und ihr zu erklären, dass man die Kugeln dalassen muss, sagen wir mal, eine Herausforderung.

Im „Elektrizitäts-Raum“ kann man verschiedene Geräte durch Fahrradstrampeln mit Strom versorgen und ich fühle mich ein bisschen unangenehm an Black Mirror erinnert.

Hier kann man um die Wette sparken, also so einen Stehschlitten (’spark‘) über eine Rennstrecke fahren. Beliebt bei Klein und Kleiner.

Das war so eine coole Murmelbahn! Erst muss man selbst kurbeln, damit eine Kugel losgeschickt wird, die dann durch einen Parcours mit vielen verschiedenen (echt tollen) Möglichkeiten läuft. Überall gongts und schepperts und fällt und springt es. An manchen Stellen muss man den Kugeln dann noch weiter helfen, indem man Rädchen dreht. Ich hätte Stunden an diesem Ding zubringen können und hab deshalb Pippi als Alibi mitgenommen.
Aber was solls, Alibi. Das Wasserkraftwerk habe ich dann alleine angetrieben, den Elektromotor alleine ausprobiert, habe ein paar Logikspielchen (ein eigener Raum für Logikspielchen! <3 ) gemacht und Kuh-Pupse eingesammelt. Ein Raum (der mit den Schlitten) ist nämlich im Moment mit Kinder-Erfindungen belegt: 10-13-Jährige haben sich Dinge ausgedacht, die man mal erfinden sollte. Zum Beispiel die Super-Schlitten, die schnell wie Autos fahren können, aber umweltfreundlich sind, weil sie ja nur mit Muskelkraft betrieben werden. Oder eine Gasabsaugmaschine, die zwischen Kuh-Pupsen und -Rülpsern und normaler Umgebungsluft unterscheiden kann und so Methan direkt am Entstehungsort absaugt. Oder Roboterhummeln, die den Nektar sammeln und Blumen bestäuben und so die vom Aussterben bedrohten Hummeln ersetzen könnten.
Es gibt noch mehr Räume, einen Körperraum zum Beispiel, wo man die Kraft seines Händedrucks messen kann (22,5 Dings, Newton?), seine Reflexe testen oder auch gegen jemanden „Mindball“ spielen kann, indem man mittels „Gedankenkraft“ (die über Elektroden am Kopf gemessen wird) versucht, einen Ball zum Gegner hin zu bewegen.
Was ich nicht probiert habe, war, den riesigen Roboterarm zu steuern, Mindball, Schach gegen einen Computer zu spielen (ich kann gar kein Schach spielen), sieben der neun Logik-Spiele und tausend andere Sachen. Im Planetarium war ich auch nicht.
Also Fazit: wenn sie ein bisschen nerdy sind, oder nerdy Kinder haben, und mal an einem Regentag in Trondheim sind: das Vitensenteret ist echt richtig cool. Und für jedes Alter ist was dabei, selbst die Kleinsten können auf irgendwelche Knöpfe drücken und an irgendwelchen Rädchen drehen und Murmeln murmeln lassen und überall britzt und kullert und leuchtet was. Für die meisten großen wird sich auch noch was finden, was sie noch nicht wussten oder was man puzzeln oder spielen oder pumpen oder einfach angucken kann. Und im Zweifel guckt man die Kinder an, wenn sie eine Plasmakugel anpusten oder an einer Kordel ziehen, woraufhin sich eine Metallspirale in 3 Metern Höhe wellenförmig zu schlängeln beginnt.
Langweilig wird einem jedenfalls eher nicht.
(Danach lief der Rest des Tages erstaunlich entspannt ab und ich glaube, wir haben bei dem Papa von M. durch unseren Ausflug etwas Eindruck gemacht. So kann ein Samstag mit Kindern gerne öfter sein.)
Tag 557 – Zu viel.
Ich hatte echt nen Kacktag. Bei der Arbeit war unser zweiwöchentliches Gruppen-Meeting und ich war Cake-Responsible und dachte, das geht schon alles, ist ja bloß ne Stunde oder so. Dann wurden es aber zwei Stunden* plus backen und vorher war ich schon so gestresst, dass mir das hier passierte:
und nachher war ich einfach komplett im Eimer, inklusive Kinder anschnauzen und Mann anranzen und insgesamt unausstehlich sein.
Ich weiß, nächste Woche ist wohl noch zu früh um wieder arbeiten zu gehen, aber die Deadline! Das blöde Poster muss fertig sein bis Freitag. Leider auch Arbeit, die mir keiner abnehmen kann.
Irgendwie muss ich das also hinbekommen, Donnerstag und Freitag habe ich eh frei, drei Tage sind es also, die ich durchhalten muss. Und mehr als durchhalten geht offenbar noch nicht. (Klarkommen! Wer kommentierte das hier? Ich muss klarkommen. Erledigen was anliegt. Nicht mehr und nicht weniger.)
*extra Stress: der Kollege, der mir unterstellte, ich hätte mehr oder weniger absichtlich eine Liste und zwei Abfallboxen aus dem Radioaktivitäts-Labor verschwinden lassen. Es dauerte 30 Minuten, zu rekonstruieren, dass einfach über ein Jahr lang (während ich in Elternzeit war) niemand in dem Labor gearbeitet hat und somit die einzige Liste aus 2016 die ist, die im Juli 2016 beginnt und noch immer an der Bench hängt. Aber zwischendurch schwitzte ich schon sehr.
Tag 556 – Keine Lust.
Erstmal: vielen vielen vielen Dank für all Ihre netten Kommentare. Echt. Danke. Ich bin immernoch manchmal sprachlos, dass hier so viele nette Menschen mitlesen und kommentieren. Dafür viel <3!
Leider muss ich Sie aber heute enttäuschen. Aus akuter Unlust, noch mehr über das PhD-Thema nachzudenken und akutem Mangel an Spaziergang-tauglichem Wetter habe ich mich heute den größten Teil des Tages exzessiver Realitätsflucht hingegeben. The Hunger Games „Catching fire“ hab ich jetzt auch durch.
Bleibt noch die Frage: wenn am Samstag die Babysitterin kommt, aber Kackwetter ist und wir die nicht einfach rausschicken können und wir auch gar nix zu putzen oder zu machen haben, was machen wir denn dann?
Tag 555 – Schnaps!
Ich ging heute 20.000 Schritte, sagt mein Handy. Einen Teil davon ging ich nicht ganz freiwillig, weil ich mich mit dem Bus verfahren habe und dann von City Lade nach Sirkus Shopping lief und dann noch ein Stückchen weiter am rosa Fitnessstudio vorbei zur Bushaltestelle. Um dann festzustellen, dass ich den Rest auch noch hätte gehen können, das war dann auch nur noch ein Kilometer oder so, aber egal.
Jedenfalls lief ich dann von Rotvoll (Erinnerungen an den Waldorf-Kindergarten wurden wach, eieiei) nach Ringve (verrückt: den Teil des Ladestien bin ich das letzte Mal gegangen, als Pippi grade ein paar Wochen (3! 3 Wochen! Wahnsinn.) alt war. Mit Kinderwagen und Laufrad und leicht durchhängendem Beckenboden), da wollte ich eigentlich im Sponhuset einen Kaffee trinken, das hatte aber zu also lief ich aus Frust einfach weiter bis nach Korsvika (57 Treppen), ging am Lade Torget beim Narvesen Kaffee holen und dann nach Hause. Fast 13 km sagt das Handy, aber da ist ja auch noch zwei Mal der Weg zum Kindergarten* und zurück dabei.
Gelöst habe ich dabei null meiner Probleme. Aber wenigstens bin ich jetzt müde und ausgepowert. Das hilft gegen das Gedankenkarussell.





*Beide Kinder gingen heute wieder in die KiTa. Nachdem Pippi gestern eigentlich schon wieder recht fit war, nur sehr viel schlief, wollten wir die Nacht und den Morgen abwarten und dann entscheiden, ob ich einen weiteren Tag mit Kind Gewinne oder nicht . Heute früh war sie dann, bis auf eine ordentliche Rotznase, wie immer, schaufelte sich das Frühstück rein als gäbe es kein Morgen, schleifte ihren Rucksack zur Tür, zog sich selbst die Stiefel an und war bereit. Wäre Michel mal so kooperativ! Trotzdem rechnete ich fest damit, dass die KiTa irgendwann anriefe, ich solle sie abholen kommen. Tat sie aber nicht und als ich mich diesbezüglich safe fühlte, marschierte ich los.

