Tag 2743 – Im Tunnel.

Grad ganz schlechter Empfang, bin noch bis Freitag im Inspektionstunnel. Was aber echt auch was für sich hat, weil es echt gut ist, sich eine Woche wirklich auf was fokussieren zu können, statt stündlich das Thema wechseln zu sollen und sich dabei noch zu Vorgesetzten und anderen Mitmenschen sozial verhalten zu müssen. Inspektion ist anders, da kann ich so viele Fragen stellen, wie ich will, niemand nimmt mir übel, dass ich „immer nur Probleme sehe“ und bis auf den Kollegen sehe ich die alle nur alle Jubeljahre bei Inspektionen (bei dieser Firma war ich sogar tatsächlich schon mal). Dagegen finde ich einen Manic Meeting Monday im Büro wesentlich anstrengender, ehrlich gesagt. Vielleicht spricht da aber auch grad die bisher sehr übersichtliche Findings-Liste aus mir. Wer weiß.

Tag 2731 – Unzufrieden.

Die Vorsätze klappen alle total super. Nicht. Vor allem der, sich nicht mehr wegen irgendnem Sch… bei der Arbeit fertig zu machen und viel zu lange zu arbeiten, damit ich „fertig“* werde, der klappte schon in den ersten zwei Arbeitstagen des Jahres eher so mittel gut. Immerhin habe ich mich bisher jeden Tag für irgendeine Art Bewegung aufraffen können, aber ich merke, dass ich das letzte halbe Jahr eher sehr sporadisch mal Sport gemacht habe, ich bin leider ziemlich unfit. So viel Geige üben, wie ich gern würde, geht auch nicht, weil zu viel Arbeit. Hrmpf. Die Kinder sind auch schon wieder erkältet.

Ich versuche es mal mit Schlafen. Dafür soll dieses Sport machen ja eigentlich auch gut sein, überhaupt ist das ganz toll, jaja, aber warum muss das denn dabei so anstrengend sein und wofür soll Muskelkater gut sein, warum hat der sich noch nicht weg-evolutioniert?

Sie sehen, es ist zweite Zyklushälfte.

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*man ist nie fertig. Nie.

Tag 2729 – Must I, Miss Sophie?

Muss morgen wieder arbeiten, meh. Lust habe ich nicht, ein Arbeitschat verrät, dass da schon wieder erwartet wird, dass wir IT-Projektmäßig alles stehen und liegen lassen und springen und eigentlich möchte ich nur ungern direkt morgens meine Chefin anrufen und nachfragen, was da los ist und ob irgendjemand vor hat, sich da zu involvieren, oder ob ich erst wieder rumschreien soll. Ich nehme an, alle denken, es wird schon wer sagen, was zu machen ist, die sind ja auch alle noch nicht so lange im Projekt wie ich, ich weiß, dass niemand da was konkretes sagen wird, sie erwarten einfach, dass wir machen. Also muss ich vermutlich sagen, was zu machen ist, aber das ist auch schon wieder ne Rolle, die ich nicht haben will und zu der ich nie Ja gesagt habe. Genau genommen gibt es bei uns jemanden, der dafür bezahlt wird, soll der es machen, ey*.

Nun ja. So kann man sich den letzten Ferientag auch versauen. Nächstes mal lösche ich Teams über die Ferien vom Handy.

Ansonsten war heute recht entspannt, ich war sogar bei klirrender Kälte draußen spazieren. „Nur“ spazieren, weil ich gestern ein At-Home Balletttraining gemacht habe, das mir zornigen Muskelkater beschert hat. Stange ohne Stange (oder, weil at home, Stuhllehne) ist eine sehr effektive Trainingsform, ganz sicher, aber au. Ich habe sogar Muskelkater zwischen den Rippen. Was gut ist, offenbar hab ich meinen Core sehr kompakt gehabt, aber au!

Ich habe ein neues Geigenprojektlein ausgedruckt, als nächstes spiele ich Meditation von Massenet, das sieht machbarer aus als Bach. Hat auch nur eine Seite, das ist ja quasi nichts.

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*aus Gründen ist die Einstellung von absolut allen, die ich bisher im IT-Projekt getroffen habe, dass sie es dann doch lieber selbst machen, als das er es macht. Aber ich habe ja generell eine leicht destruktive Haltung gegenüber dem Projekt angenommen, in der ich Dinge mit voller Absicht zu Demonstrationszwecken gegen die Wand fahren lasse statt sie um jeden Preis zu verhindern (der Preis sind meine Nerven und schlussendlich meine Gesundheit), vielleicht jetzt auch dieses Ding.

Tag 2707 – Schlottern im Werk.

Das Werk spart jetzt Strom und deshalb ist es da kalt. Da war es vorher schon kalt, jetzt ist es Wollpullover- und Wollsockenkalt. Meine Kollegin sitzt mit Pulswärmern am Schreibtisch, eine andere hat sich zwei Schreibtischleuchten organisiert, um damit punktuelle Wärme zu erzeugen (nein, ich verscheißere Sie nicht). Ich habe schon vor ein paar Wochen so eine Art Teppich zum Anziehen besorgt, trotzdem ist es wirklich keine sonderlich große Freude, da in Meetings oder am Schreibtisch über längere Zeiträume still zu sitzen. Am Ende des Tages waren meine Finger ziemlich blau (ok, ich hab halt auch quasi kein Melanin zur Zeit). Jedenfalls ist Büroarbeit da echt nur so mittel attraktiv, muss ich sagen.

Andererseits war ich heute echt produktiv in den 3 Stunden, in denen keine Meetings waren. Und die großen Bildschirme sind auch ganz nett.

Heute Morgen gab es auch noch Zugchaos und ich saß eine Stunde länger als geplant im Zug, weil im Tunnel vor Oslo eine Hochspannungsleitung gerissen und auf einen Zug gefallen war. Die Leute in besagtem Zug (bzw. sogar zwei Zügen) hatten es jedoch noch deutlich schlimmer, die saßen nämlich vier Stunden mit Notstrom (also kein Licht, keine Heizung, kein Klo) im Zug im Tunnel fest. Wir konnten immerhin im Schneckentempo über die Dörfer statt durch den Tunnel fahren.

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Mein Immunsystem wehrt weiter tapfer Herrn Rabes und Michels Infekt ab, ich bin gesund, dafür habe ich aber die halbe Nacht mit Pippi im Bett geschlafen, weil die schlimme Ohrenschmerzen hatte. Heute gönnten wir ihr dann auch einen Tag mit Nasenspray und Schmerztabletten auf dem Sofa, statt das wehe Ohr draußen 10 Minusgraden auszusetzen. Morgen möchte sie aber sehr gerne zur Schule, weil dann ja St. Lucia ist. Wir werden sehen. Herr Rabe bügelt jedenfalls soeben das Luciakleid.

Tag 2702 – Müde.

Todmüde zum Fachtag gefahren. Pippi hat nämlich nachts gebrochen, immerhin nichtig unser Bett (Meilenstein!!!) und dann hat niemand vernünftig geschlafen. Herr Rabe vielleicht, der hat zumindest geschnauft. Ich weiß übrigens schon lange vorher, dass Pippi bald brechen wird, keine Ahnung woher.

Der Fachtag war exakt wie befürchtet schlimm. Nicht durchgängig, aber besonders zu Anfang, wo eine externe Vortragende eingeladen war um mit uns über „Arbeitsfreude in stressigen Zeiten“ zu sprechen. Es war dann aber viel, hmm, wie beschreibe ich es? Nicht sonderlich relevant für uns. Weil wir als Gruppe in einer großen, schlecht geführten Organisation, halt nur zu einem gewissen Grad in der Hand haben, welche Ressourcen wir haben und wie wir sie nutzen. Es lief dann darauf hinaus, dass wir bitte uns fixen sollen, aber ohne, dass wir dafür einen Rahmen oder Unterstützung von oben bekommen. Bitte macht mehr und ohne zu meckern, wir tun dafür exakt gar nichts und wenn es aussieht, als hättet ihr den Kopf gerade so über Wasser, kommen wir direkt mit der nächsten Sache an. Teile des Vortrages möchte ich der Direktion ans Herz legen, aber die sind ja damit beschäftigt, alles an uns runter zu delegieren.

Und das wo ich daran arbeite, mich als Einzelperson nicht mehr fixen zu wollen, nur damit ich weiter für Arbeitgeber und co. funktioniere und insgesamt nicht unangenehm auffalle. Da kommt das selbe in Grün auf Gruppenebene um die Ecke.

Abends waren wir dann noch Essen, das war nett, aber ich bin jetzt gerädert und möchte nicht mit Menschen reden, wenn sich das vermeiden lässt.

(Auftritt IT-Projekt, wo ich heute [bin im Kalender als abwesend markiert] angerufen wurde, weil drei meiner Kolleginnen ein Meeting morgen abgelehnt haben. Ob ich einen anderen Terminvorschlag machen könnte und den Kolleginnen sagen könnte, sie sollen das bitte priorisieren. Als würden die Meetings einfach aus Jux und Dollerei oder um das IT-Projekt maximal zu ärgern, ablehnen. Orrrrrrr ey.)

Tag 2701 – Homeoffice.

Selbst gewähltes Homeoffice finde ich ja nach wie vor ganz gut. Auch wenn ich manchmal im Büro tatsächlich produktiver bin – aber nur, wenn ich dann nicht den ganzen Tag in Meetings rumhänge. Wenn man da so im Großraumbüro hockt, ist prokrastinieren halt schwieriger. Heute war aber auch so ein guter Homeofficetag, und was im Büro halt nicht geht, ist im Onesie rumhängen. Hier geht das, deshalb ein Hoch auf Homeoffice.

Michel geht es langsam besser, aber die Nacht war wohl wieder furchtbar, berichtete Herr Rabe. Ich habe geschlafen wie ein Stein, aber unsere Matratze, mit der ich übrigens nach wie vor überaus zufrieden bin, ist schon wesentlich bequemer. Jetzt grade höre ich aber auch kein Husten, vielleicht dürfen wir ja einfach zu zweit im Erwachsenenbett schlafen.

Morgen habe ich fachlich-soziales Tralala, den ganzen Tag, das wird… naja. Das wird schon, würd ich sagen, optimistische Frohnatur die ich bin. Immerhin sind es nur die Inspekteur*Innen und die Narkotika-Gang, also nicht so viele Leute auf einem Haufen und die meisten mag ich ja auch echt gern. Dann wird das schon. Bestimmt.

(Die Agenda verrät, dass wir „reflektieren“ sollen, ich kann mir wenig ätzenderes vorstellen, als in einer größeren Runde über das vergangene Jahr zu reflektieren. Aber das wird schon, das wird schon, das wird schon, tralalalala. Im Zweifel irgendeine Musik im Kopf auf Dauerschleife abspielen, funktioniert gut zum Bullshit und Menschen generell ausblenden.)

Tag 2694 – I made it!

Inspektion überstanden und danach noch meine Kollegin durch das Erstellen einer Beschlussankündigung (Behördendinge) gecoacht. Jetzt kann ich guten Gewissens drei Tage nicht arbeiten.

Das IT-Projekt läuft auch super, wie ich erfuhr. Letzte Woche wurde uns gesagt, wir sollten diese Woche testen, Dienstag bis Donnerstag, total dringend, Bug fixes usw. Von 4 Inspekteur*Innen kann nur eine und auch nur heute und morgen. Heute war das Testsystem aber noch gar nicht fertig und es lagen auch keine Daten darin, auf denen wir hätten testen können. Spitzenmäßige Planung, Hut ab, 10 von 10 Punkten.

Auch das ist mir jetzt aber drei Tage lang egal.

Was sonst noch war: ich war beim Ballett und wenn man da nur alle Jubeljahre hin geht, ist das mörderisch anstrengend. Wenn der Kopf auch so voll ist, reicht die Konzentration auch nicht für ne ganze Stunde und man fällt am Ende fast über seine eigenen Füße. Außerdem habe ich den nur noch leicht verrotzten Michel schon mal darauf vorbereitet, dass wir es morgen mit Schule wenigstens probieren. Es bleibt spannend, weil natürlich im Onesie auf dem Sofa abhängen mehr Spaß macht. Pippi war heute wieder in der Schule, aber die ist ja eh immer sehr happy, wenn sie unter Leute darf. Michel eher nicht so. Die Kinder könnten echt unterschiedlicher nicht sein.

Tag 2693 – Rotz.

Die Reisenden sind allesamt total verrotzt. Herr Rabe hat letzte Nacht sogar geschnarcht, was er sonst eigentlich nicht tut und ich hab ab etwa halb drei deshalb mit Ohrenstöpseln geschlafen. Heute waren dann beide Kinder zu Hause statt in der Schule, während ich irgendwie sowas wie Arbeit simuliert habe (wie sehr ich Documents Core Pack hasse. Falls Sie das mal in der Hand haben, ob sie das einführen wollen oder nicht: rennen Sie schnell und weit, es ist der Teufel. Vielleicht haben Sie aber auch Geduld wie Buddha oder einen Fetisch für ständig abstürzendes Word, dann ist das genau das Richtige für Sie). Jetzt ist ein hustendes Kind in unserem Bett, aber ich habe ja Ohrenstöpsel und muss ja nur noch morgen überleben, danach ist den Rest der Woche alles egal. Eigentlich ist es mir das schon jetzt, auf gewisse Weise, zumindest das IT-Projekt kann mich mal kreuzweise.

Bevor Sie fragen: ich benutze die Lufthansa-Ohrenstöpsel aus dem Flugzeug, die sind mega. Nur kommt man da echt schlecht dran.

Tag 2675 – That’s all I want.

Tjanun, schon wieder sehr spät nach sehr viel Arbeit. Der Akku was soziales angeht ist, naja, äh. Ich habe niemanden umgebracht und auch bisher geschafft, nicht darum zu bitten, dass Möhren, Äpfel und Knäckebrot generell verboten werden und dass man ansonsten bitte sämtliche Menschen aus dem Frühstücksraum des Hotels entfernen möge. Das werte ich als Erfolg. Dass es mich aus der Fassung bringt, dass das Hotel die Tassen heute morgen wo anders stehen hatte, als sonst, ist allerdings eher so mittelmäßig vielversprechend, was morgen angeht. Also jetzt ganz schnell Licht aus und allen Schlaf kriegen, der noch drin ist.

Gut: heute 2 Konzertkarten gekauft. Mahler nächste Woche, The Offspring im Mai.

Tag 2673 und 2674 – MÜDE!!!

Gestern bin ich über meiner Reisekostenabrechnung eingeschlafen. Heute bin ich auch erst jetzt im Bett und werde jetzt sehr schnell die Augen zumachen.

Bin übrigens bei 34 Mails in 3 Tagen bisher, die ich alle nicht gelesen habe. Nicht ganz alle, weil mir manchmal eine Qualitätsfrau von hier Dokumente schickt, so… zwei mal bisher. Der Rest ist fast ausschließlich IT-Projekt.