Tag 2619 – 3/3 Tag 3.

Die Woche ist um. Hurra! Das war eine heftige Woche, aber, halten Sie sich fest: es war auch schon schlimmer.

Krass ist allerdings der Unterschied zwischen „Lead sein mit erfahrenen Inspekteuren“ und „Lead sein mit frisch zugelassenem Inspekteur“. Das KANN echt viel Verantwortung und Zeitmanagement für zwei Personen mit sich bringen. Das habe ich mit meinen anderen KollegInnen so nicht, die kommen alleine gut klar. Es hat also Gründe, dass ich so geschlaucht bin. Ächz. Und vorbei ist es noch nicht, aber diese Woche ist immerhin rum, ja.

Ansonsten gibt es nicht viel zu erzählen. Morgen ist der Strompreis zwei Stunden lang unter 100 Øre/kWh, da war er glaube ich seit Mai oder so nicht mehr. Ich weiß noch gar nicht, was ich alles gleichzeitig mache. Vielleicht erlaube ich den Kindern sogar, die Heizung anzuschalten*.

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*Das war: Sarkasmus.

Tag 2619 – 3/3 Tag 2.

Die Inspektion ist weiterhin nicht so schlimm wie befürchtet. Allerdings ist sie sehr, sehr anstrengend, schon allein, weil wir nicht wie furchteinflößende Monster rüberkommen sollten, sondern freundlich, kompetent, und mit offenen Karten spielend.

Damit zusammenhängend habe ich heute Morgen eine dummy-Batchdokumentation runtergekippt, die in groben Zügen umreißt, wie wir uns sowas vorstellen. Man kommt nämlich irgendwann an den Punkt, an dem einer klar wird, dass sie nur mit „das ist nicht gut genug“ nicht weiter kommt und sagen muss, was gut genug ist.

Beste Entscheidung war, kürzere Tage anzukündigen. Dadurch war ich gestern und heute noch vor der Kinder-Bettzeit zu Hause.

Jetzt bin ich platt. Gute Nacht.

Tag 2617 – 2/3.

Ganztagsseminar mit der Arbeit überstanden. War zum Teil sogar recht interessant, es gab einen unterhaltsamen und interessanten Vortrag über Digitalisierung und „künstliche Intelligenz“. Die Anführungszeichen sind da, weil das eigentlich ein nichtssagender Sammelbegriff für alles mögliche von Regressionsanalyse bis VR ist. Der Vortragende konzentrierte sich im Zusammenhang mit künstlicher Intelligenz auf machine learning und deep learning und was man da seiner Meinung nach (die Meinung ist schon recht fundiert, der ist Professor für Soziologie und forscht seit vielen Jahren an Digitalisierung) innerhalb von Medizin und Pharmazie schon recht bald sehen wird – unter anderem, weil es andernorts schon gemacht wird. Sehr interessant und ein bisschen gruselig.

Abends war ich in der ersten Ausschusssitzung meines Lebens. Ich bin aus Gründen jetzt im kommunalen Ausschuss für Gesundheit, Pflege und Prävention. War ja noch nicht genug zu tun, ne? Jedenfalls wundert mich jetzt gar nicht mehr, warum die heutige Politik für alte Leute gemacht zu sein scheint, denn sie ist VON alten Leuten gemacht. Ich war die jüngste, zumindest nehme ich das an, eine andere, die aber nur Stellvertreterin ist, hatte auch grad vorher ihr Kind zum Korps gebracht, dürfte also grob in meinem Alter sein. Zwei weitere Mitglieder in dem Ausschuss sind so Anfang bis Mitte 50 und der Rest (so 10 Menschen) sind Rentner*Innen. Ich war wirklich geschockt. Dabei ist es ja klar, denn wann im Leben hat man schon Zeit für sowas? Sitzung mitten in der Woche von 18:00 bis 21:30, also nach einem kompletten Arbeitstag und zu der Zeit, in der Menschen in meinem Alter Kinder herumfahren, abfüttern, Hausaufgaben machen und ins Bett bringen. Natürlich sollte man vorher noch die Dokumente gelesen haben, haha. Immerhin kann ich dank meines Jobs sehr schnell lesen und on the fly Inhalte erfassen und mitdiskutieren, sowie kompetent auftreten ohne dafür eine Basis zu haben. Jedenfalls haben normale Leute in meinem Alter unter diesen Bedingungen keine Möglichkeit, sich in derlei Aktivitäten einzubringen. Eigentlich hab ich die ja auch nicht. Also erst das System ändern – Sitzungen zu normalen Tageszeiten und man wird von der Arbeit dafür freigestellt und von der Kommune für den Verdienstausfall entschädigt wäre ein Vorschlag von mir – dann eine U40-Quote einführen. Wir haben eine Frauenquote, warum also nicht begrenzen, wieviele Rentner*Innen man problemlos in Ausschüssen und Räten platzieren kann.

Tag 2616 – 1/3.

Heute Arbeits-Aktion 1 erledigt. Es war ein langer Tag, aber lange nicht so lang wie befürchtet. Alle Testcases sind ein Mal durchgeorgelt und 11 Defects erstellt. Ich durfte mir anhören, dass das ja komisch sei, dass wir so viel finden und meine größte Leistung heute war, daraufhin demjenigen nicht ins Gesicht zu springen. Ich würd ja auch lieber nichts finden, schon allein weil ich dann weniger Arbeit hab. Defects dokumentieren ist nämlich echt nervig und viel Arbeit. Deshalb hab ich das auch heute gemacht, während meine KollegInnen die Tests gemacht haben. Jetzt habe ich aber ein bisschen Pause vom Projekt, weil ich ja noch 2/3 und 3/3 habe. Meine Kollegin übernimmt die Defects.

Außerdem hab ich heute ein Visum für Indien beantragt. Meine Güte, was die alles wissen wollen. Und das Foto bitte quadratisch. Naja, da müssen sie jetzt auf einen Teil meines Haupthaares verzichten, das musste ich vom Foto abschneiden, um das Foto quadratisch zu machen. Wer braucht schon Haare oder Hals.

Abends tatsächlich gebügelt.

Jetzt Bett, morgen ist 2/3.

(P.S. Mein rechter Fuß tut weh. Ich bin ernsthaft in dem Alter, in dem mir nach einem einzigen Tag in normal schmalen Schuhen der Fuß wehtut, weil mein großer Zeh so nach innen gebogen wird und mein Hallux das gar nicht gut findet. Noch ein bisschen und ich kaufe mir entweder Barfußschuhe [ahhhhhh so viel Kohle für so ein Öko-Achtsamkeits-Statussymbol, ahhhhhhh!] oder diese hässlichen extra breiten Gesundheitslatschen, von denen mein Schwiegervater mehrere Paare hat. Ich kann ja nicht immer in Turnschuhen [da rede ich jetzt nicht von „guten“ Turnschuhen, sondern von sehr sportlichen, Laufschuh-anmutenden Schuhen, die aber halt vorne breit und überall recht elastisch sind] rumlaufen. Aber Mann ey, so ein Rotz. Stilvoll altern und Gesundheitslatschen kriege ich noch nicht gut überein.)

Tag 2611 – Frau Rabe redet laut am Telefon.

Herr Rabe sagt das und jetzt sagt es auch noch der Lieblingskollege. Ich merke das nur leider gar nicht.

Ansonsten war Arbeit so lala, ehrlich gesagt graut mir vor nächster Woche schon sehr gründlich. Auf der Rückfahrt rief auch noch meine Teamchefin an und überbrachte Hiobsbotschaften zum IT-Projekt. Und das wo ich grade Hoffnung geschöpft hatte, dass es tatsächlich was wird bis Montag. Darüber hinaus wurde eine Reise nach Indien gebucht und wir sind damit spät dran und deshalb werden wir jetzt auf beiden Wegen total gerädert ankommen. Und wir schaffen es noch nicht mal, alle drei im gleichen Flieger zurück zu fliegen, weil die Kollegin und ich einen Tag länger bleiben als der Lieblingskollege, der zufällig zeitgleich eine andere Site im selben Land inspiziert. Zitat Lieblingskollege: meh. Die Teamchefin fragte auch, ob ich wirklich echt Herbstferien haben will, weil wir da ja ne neue Kollegin bekommen und „alle“ anderen in Dublin auf einem Seminar sind (nicht alle, aber mehrere). Aber ich habe frei, weil ich nicht auf dieses Seminar fahre. Ich wäre gern auf dieses Seminar gefahren! Aber es sind so viele Hardcore-Inspektionen bis Weihnachten, dass ich ein bisschen Realismus walten lassen muss, was meinen Akku angeht. Arbeiten statt Beine hochlegen ist deshalb in dieser Woche keine Option, auch nicht, wenn das heißt, dass ich die neue Kollegin erst so richtig nach der Indien-Reise kennenlerne. Manchmal haben die da bei meiner Arbeit lustige Ideen, alle miteinander.

Michel hatte nach der Schule einen Platten am Rad, wogegen ich von Oslo aus herzlich wenig tun konnte. Aber Herr Rabe konnte ihn, von Oslo aus, überreden, sein Rad zum Fahrradladen zu bringen, mit dem er vorher besprochen hatte, dass er das morgen oder Freitag bezahlt. Aber ich glaube wirklich, Michel dachte, ich schwänge mich mal eben in den Zug, um dann meine heilenden Hände auf den Reifen zu legen und ihn zu reparieren. Ich hab das letzte mal so vor 25 Jahren einen Reifen geflickt, ich weiß noch nicht mal, ob, und wenn, wo, wir Flickzeug haben. Aber Herr Rabe hat es ja nun fern-gefixt.

Auch heute war wieder ein lustiges Vereinbarkeitsgehampel, was durch einen vergessenen Schlüssel und einen Schlüssel, der statt in der Schlüsselbox auf dem Terrarium im abgeschlossenen Haus lag, auf die Spitze getrieben wurde. Auch da wieder die Erwartung, dass ich sofort komme, wen juckt es, dass die kleine Schwester zum Tanzen muss. Es löste sich übrigens auch das Thema recht einfach, Michel fuhr mit seinem Kumpel zum Schlagzeugunterricht und hing danach noch etwas bei ihm ab bis Pippi und ich wieder da waren. Aber ich bin jetzt mal bereit für einen entspannten Tag im Homeoffice, an dem ich zumindest theoretisch irgendwelche Fahrräder irgendwo abholen könnte und sich die Frage nach dem Haustürschlüssel gar nicht stellt. Wie haben wir das 2019 eigentlich noch alles gemacht? (Der Notfallschlüssel ist aber auch wieder in der Schlüsselbox.)

Tag 2605 – Alltagsgeraffel.

Arbeit war heute so, dass ich am Ende einfach den Rechner ausgeschaltet habe und wenn mir morgen noch danach ist, sehr bissige Mails zu schreiben, ist ja auch morgen noch ein ausgesprochen guter Tag dafür.

Nach der Arbeit war ich beim Entsorgungshof und habe unsere alte Matratze plus was so rumflog an Spezialabfall (alte Bratpfannen, diverse alte Trinkflaschen aus Metall und Hartplastik, große Pappkartons usw.) weggebracht. Danach war ich einkaufen und habe festgestellt, dass es jetzt norwegische Äpfel gibt, weshalb es zum Abendessen Apfelpfannkuchen gab. Die Kinder wurden enterbt, weil sie die nicht mögen, wenn Äpfel drin sind.

Der Abend ging für Aufräumen für die Putzhilfe (jetzt neu auch in Steuern abführend) drauf.

Jetzt Bett und schlechte Laune vom Aufräumen. Sisyphus hatte eigentlich Kinder, denen er 24/7 hinterherräumen musste.

Tag 2603 – Noch müder.

Ein anstrengender Termin am Vormittag, danach zwischendurch immer mal in die Mails gelinst und das IT-Projekt eskaliert weiter, abends doch nicht zum Ballett gegangen, weil Pippi eskalierte und das Michel (und mich) so stresste, dass ich mich bereits umgezogen und nachdem ich mir ein Bein ausgerissen hatte, um zeitlich Korps, Essen und Ballett zu koordinieren, dagegen entschieden habe.

Dann habe ich beide Kinder ins Bett verfrachtet und bin Podcast hörend bei Michel eingeschlafen. Jetzt hoffe ich auf einen besseren Tag morgen, bin da allerdings sehr skeptisch, wenn ich so in meinen Kalender gucke.

Ich hatte vor drei Wochen doch noch Urlaub.

Tag 2602 – Sehr müde.

Das IT-Projekt ist heute wieder an den Punkt gekommen, wo ich es am liebsten alles einfach hinwerfen würde. Also wirklich. Ich wollte in einem Meeting aufstehen und einfach wortlos gehen, weil es sowieso nicht interessiert, was wir sagen. Beim darauf folgenden Not-Meeting mit meinen Chefinnen wäre ich fast in Tränen ausgebrochen und nachdem ich mich gründlich bei meinem hausinternen Lieblings-ITler ausgeheult hatte, der btw diesem Trainwreck eines Projektes auch mit zunehmender Verwunderung und Verzweiflung und Mitleid zusieht, habe ich eine Mail geschrieben. In der Mail steht so ca. „Nein. Ja, mir ist klar, dass das das Projekt noch mal nen Monat verzögert. Trotzdem nein.“ und jetzt warte ich eigentlich nur drauf, dass ich morgen (da habe ich frei) von drülf Leuten aus allen Ebenen der Projektleitung angerufen und je nach Anrufender*m telefonisch gelyncht oder manipuliert werde.

Es ist alles sehr schön und ich bin einfach furchtbar müde und will doch einfach nur arbeiten. Die inzwischen wöchentlich stattfindenden Meetings in denen neue Projektpläne durchgewürgt werden sollen, zermürben.

Tag 2595 – Auswahl.

Irgendwas fällt halt hinten rüber, wenn man dreieinhalb Stunden damit beschäftigt ist, von A nach B zu pendeln. Ich war um 09:22 im Büro, seit 09:15 aber in einem Meeting. Dann waren Meetings bis 15 Uhr, unterbrochen nur von 30 Minuten Mittagspause. Eine kurze Session Schreibtischarbeit, da war ich aber unkonzentriert weil nach den ganzen Meetings echt gar. Also fuhr ich nach Hause. Da half ich kurz beim Essen machen, dann gab es essen, dann fuhr Herr Rabe mit Michel zur Cosplay-Werkstatt um sich das mal anzuschauen. Pippi hatte alle drei Nachbarsmädels zu Besuch, die spielten draußen, aber ich musste mit Getränken versorgen und das Mädchen, das sich einpullerte, mit sanfter Gewalt davon überzeugen, dass das ein guter Anlass sei, nach Hause zu gehen. Die Mädels wollten dann noch eine Runde Fahrrad fahren, währenddessen packte ich ein Postpaket fertig, als ich das Postpaket grad zum Abholen in den Briefkasten steckte, schmiss Pippi ihr Rad in voller Fahrt von sich, weil da „ein gruseliges Tier“ drauf gesessen hat. Ich tröstete das Kind und untersuchte das Rad auf gruselige Tiere, fand aber keine. Pippi fuhr weiter, ich setzte mich kurz aufs Sofa, hörte aber nach 2 Minuten Pippi draußen keifen und dann heulen. Irgendein Mädchen-Streit. NIE MEHR wird sie mit dem Nachbarsmädchen spielen, NIE MEHR! Es gab dann erst mal Suppe für Pippi und dann bastelte sie einen Brief an das Nachbarsmädchen, weil sie das ja doch gar nicht so gemeint hatte, sie wäre ja doch gern weiter ihre Freundin. Aber das kann sie jetzt nicht mehr sagen, nur schreiben. Danach durfte ich Pippi endlich ins Bett bringen. Hinten runter gefallen sind Pippis Hausaufgaben, um viertel vor acht fange ich nicht auch noch an, sie zu überreden, mindestens 10 Minuten in einem Buch zu lesen. Da ist das Drama ja vorprogrammiert.

Ich war also heute eine gute Arbeitnehmerin und eine gute Mutter. Und jetzt gehe ich ganz achtsam ins Bett, ich habe das Gefühl, mein Körper möchte mir mit der bleiernen Müdigkeit irgendwas* sagen.

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*KAFFEEEEEEE! sagt er. Kriegt er aber nicht (schon mal gar nicht um die Zeit). Ich möchte mal eine Weile nur einen großen Latte am Tag trinken, damit es wieder mehr Genuss als Sucht ist und ich von einer gelegentlichen höheren Dosis auch wieder mehr Effekt habe. Außerdem spart es Geld und Kuhmilch, da ich mich nicht mit Pflanzenmilch anfreunden kann, mache ich statt replace halt reduce. Zwei Wochen habe ich schon durchgezogen. Entzugserscheinungen dürften also eigentlich überstanden sein. Bin trotzdem dauernd müde, aber war ich ja vorher auch, haha.