Tag 655 – Fetzen. 

Zusammenhängendes ist heute nicht mehr drin. Stattdessen ein paar zusammenhangslose Stichpunkte. 

  • Die Schnecken haben Frühlingsgefühle. Ich befürchte, dass wir demnächst Eier finden könnten. (Nein, ich mache keine Zucht auf und ich will auch nicht 200 Schnecken haben. Die Eier werden also eingefroren.)
  • Die Schnecken sitzen jetzt außerdem auf im Backofen hoffentlich sterilisierter Erde. Ich bin nämlich jetzt sicher, dass der Sack Blumenerde mit Erdmückeneiern verseucht ist nach ca. 2 Wochen sieht man dann Larven, nach noch mal ein paar Tagen die Mücken. Blärgs. 
  • Wir haben gestern ein Waffeleisen gekauft und waffeln seitdem so vor uns hin. Morgen gibts die Brüllen’schen Hefewaffeln und ich bin auch nur ein klitzekleines bisschen panisch, dass sich der Teig heute Nacht aus der Schüssel davonmacht.
  • Ich habe zwei neue Dinge genäht – ein Kleid und ein Shirt – aber bin noch nicht dazu gekommen, vernünftige Fotos davon zu machen. Das Shirt war ne Probe für ein weiteres Kleid, das aus Gründen* jetzt doch kurze Ärmel bekommen wird. Oder gar keine, da bin ich noch unentschlossen. 
  • Heute gearbeitet. Ich muss noch eine E-Mail an alle@Labor schicken, weil irgendeine Wurst wirklich dummen Mist gemacht hat, den ich heute korrigieren „durfte“. Was man ja mit Freude macht, am Wochenende, während man auch mit der Familie Waffeln backen könnte. 
  • Ich habe keine Lust mehr auf diese letzten Versuche, die doch nie die letzten sind. Es macht keinen Spaß mehr. Obwohl jetzt die Ergebnisse passen. Ein Zeichen für mich, dass es reicht, ich aufschreiben und meine Sachen packen sollte. 
  • Pippi braucht im Moment immer wahnsinnig relativ lange zum Einschlafen. Außer heute. Da machte sie nämlich keinen Mittagsschlaf (ergab sich so) und war dafür um halb sieben so müde, dass sie wirklich um ein Haar beim Essen eingeschlafen wäre. Beim Wickeln schlief sie dann im Badezimmer auf dem Fußboden einfach ein und wachte nicht mal auf, als ich sie umzog und ins Bett verfrachtete. Wahrscheinlich hätte ich ihr sogar im Schlaf die Zähne putzen können, so fertig, wie sie war. 
  • Michel und sein bester Kumpel haben sich in letzter Zeit öfter mal ein bisschen in den Haaren. Meistens führen sie dann so Gespräche wie „DU bestimmst hier nicht ALLES!“ – „Nein, DU bestimmst hier nicht ALLES!“. So geht das, wenn’s gut läuft, eine Weile hin und her, bis sie sich darauf geeinigt haben, wer jetzt gerade ausnahmsweise bestimmt. Wenn’s schlecht läuft, heult hinterher einer oder beide. Und da zeigt sich der komplett andere Charakter: Michels Kumpel ist eher aufbrausend, beruhigt sich aber schnell und verträgt sich auch schnell wieder. Aber nicht mit Michel, der ist dann nämlich einerseits stur und andererseits sehr nachtragend. Die schlechten Eigenschaften von Mama und Papa kombiniert, was für ein schönes Beispiel für Vererbung! 
  • Weiterhin müde, aber auf eine okaye Art. (Jetzt trotzdem schnell Licht aus!)

    * Schon blöd, wenn man einfachste Rechenoperationen vergeigt und bei einem Stoffbedarf von 1 m + 1,20 m der Verkäuferin völlig überzeugt sagt „Machen se mal 1,50 m draus, dann hab ich in jedem Fall genug!“. 

    Tag 650 – Grenzen. 

    Im Moment großes Thema: mein eigentliches PhD-Projekt. Es ist zum heulen. Ich messe mir seit über einer Woche an dem Ding nen Wolf, ohne nennenswerte Ergebnisse. Und wenn ich die dann kommuniziere, also die Nicht-Ergebnisse, sind alle total aus dem Häuschen und brummen mir weitere zehntausend Experimente auf. Und ja, sie brummen auf, sie schlagen nicht vor oder bitten darum, es geht so „Das ist ja alles sehr vielversprechend, da mach mal noch dies und das und jenes und Check das und achte auf das und dann kommen wir sicher schon ein Stück weiter.“. Das ist sicher auch zum Teil der Norwegischen Kommunikation geschuldet, da wird ja auf sämtliche Höflichkeitsfloskeln verzichtet. Das zweite Problem ist, dass ich einfach nie was sage*, sondern mit hängendem Kopf ins Labor zurückgehe und noch drölfzig Messungen mache, bis meine Frustrationstoleranz in Scherben am Boden   liegt und ich abends beim Erzählen von „wie war dein Tag?“ in Tränen ausbreche. Weil ich verdammt noch mal keine Zeit habe für so einen Scheiß. Ich habe keine Zeit mehr, tagelang nichts anderes zu machen, als Dinge in sechtausend verschiedenen Puffern (darfs noch ein millimolarchen mehr Salz sein? Wir haben hier ja auch noch dieses allerfeinste Kaliumchlorid?) zu verdünnen und dann Kapillaren reinzustecken und die in meinem kleinen Maschinchen mit einer LED beleuchten zu lassen. Und – ohne Witz – bei 29 von 30 Messungen kam *nichts* raus. Das ist, bei aller Liebe, nicht vielversprechend, sondern großer Scheiß. Und vor allem ist das Scheiß, für den ich, ich erwähnte es bereits, keine Zeit habe. Ich sollte in meinem Büro sitzen und meine Dissertation schreiben. Ich sitze im Labor und komme nicht mal zum Essen. 

    Jedenfalls, dieses Verfügen über meine Zeit überschreitet meine Grenzen. Ich hasse das Wort ‚Fremdbestimmung‘ wirklich, weil es so krass inflationär gebraucht wird und ja auch außerdem das neue ‚böse‘ ist. Aber das ist eine Form der Fremdbestimmung, bei der es einfach jetzt reicht. Ich will das so nicht mehr und muss das den beteiligten Personen sagen, bevor mir im Meeting beim nächsten Mal der Arsch platzt, und ich wirklich wütend werde, wenn irgendwer das Wort ‚vielversprechend‘ im Zusammenhang mit meinen Daten verwendet. 

    Da steht ein Gespräch mit dem Chef an. Das machen wir morgen früh direkt. Haha. Grenze zwei: früh aufstehen, erst stehen die Kinder gar nicht auf, dann hab ich zwei Nörgelkinder am Bein, Herr Rabe duscht erst mal 10 Minuten, die Uhr, sie tickt, keine Zeit, Kinder nörgeln, ahhh. Je.den. Mor.gen. Da muss eine andere Routine her. Ich weiß aber noch nicht, welche. Im Moment komme ich jedenfalls jeden Morgen zu spät und bin eigentlich schon reif für Schnaps, wenn die Kinder endlich in der KiTa sind. Meine Lieblingskollegin schlug heute vor, Geld fürs Snoozen zu bezahlen. 1 x Snooze, 10 Kronen. Vielleicht mache ich das. Ich bin so simpel, Gelddruck zieht bei mir immer. Hilft nur nicht gegen die nörgeligen, trödelnden Spätaufsteherkinder. 

    Dritte Grenze: Pippi ins Bett bringen. Weil es einfach ewig dauert, bis sie schläft. Weil sie mich (unabsichtlich) dabei haut und tritt. Weil sie nochmal was essen will, trinken, ja, alles kein Problem, wenn du dann schläfst, liebes Kind, ach, tust du nicht, du hampelst noch rum und reißt dir am Ohr und an den Haaren und dann singst du und schau mal Schatz, ich bin hundemüde und hab noch so viel zu tun, ich kann einfach nicht mehr, ich will hier nicht den ganzen Abend sitzen und dir dabei zuschauen wie DU DICH SELBST VOM SCHLAFEN ABHÄLTST. Und morgen bist du dann wieder müde und magst nicht aufstehen. JETZT SCHLAF ENDLICH, VERDAMMT NOCH MAL! 

    Und dann knallen mir irgendwann die Sicherungen durch und dann fliegen Türen oder Kissen und es fließen Tränen und das ist schon alles nur meiner gut trainierten Selbstbeherrschung zu verdanken, früher** gingen in solchen Situationen Dinge kaputt. 

    Da muss also auch noch was passieren. 

    Morgen. Oder Übermorgen. 

    *was ich sagen will: „Das ist nicht vielversprechend, habt ihr mir zugehört? Das ist gar nichts, nicht signifikant, nichts! Hört auf in dieses Scheißprotein irgendeinen Kack reinzuinterpretieren, der da nicht ist! Und vor allem lasst mich da raus!“

    **vor den Kindern, das letzte Mal war’s eine Schranktür in der Schwangerschaft mit Michel.  

    Tag 643 – Saftlos. 

    Auch heute ein Tag eher zum Wegwerfen. Aber ich möchte ja nicht mehr so negativ sein, also erwähne ich nur ganz kurz den deutlich länger als geplant abgeschalteten Strom, die Kinderstreitereien, die kack Ergebnisse im Labor*, die Probleme mit dem einen Artikel und die Probleme mit dem anderen Artikel. Und jetzt konzentriere ich mich dann wieder auf das Gute:

    • Wunderbarstes Wetter. Echt mal. Besser als 15 Grad und Sonnenschein Mitte Mai hier in Trondheim geht nicht wirklich. 
    • Zu Fuß gehen tut mir wirklich gut und ich bin immer froh, wenn ich mir die Zeit nehme(n kann).
    • Ich habe heute meine Experimentreihe mit zwei Experimenten angefangen, die eine etwas schwierige Person aus unserer Gruppe gerne gemacht haben wollte. Sie war total überzeugt davon, dass das so nicht gehen könne, weil… Tja. Geht ja wohl. Ätschibätsch. (‚N bisschen Ahnung von Proteinen hab ich dann ja doch, nä?)
    • Überhaupt habe ich heute viel geschafft. Dass es nicht unbedingt viel gebracht hat, ist ja davon erstmal unabhängig. 
    • Sehr nettes Mittagessen mit Lieblingskollegin (there, i said it). 
    • Einen Kontakt zum wissenschaftlichen Schreiben in Unternehmen vermittelt bekommen. 
    • Ganz viele neue falsche Freunde Kontakte im Networkingnetzwerk.
    • Beide Kinder sind recht schnell eingeschlafen und liegen bisher noch in ihren eigenen Betten. 
    • Liv kommt morgen. 

    Insgesamt ok, aber ich bin auch nicht traurig, dass der Tag jetzt vorbei ist. 

      * Interessantes Ergebnis: ich habe ein Protein aufkonzentriert, um dessen Bindung an ein anderes Protein besser untersuchen zu können. Nach dem Aufkonzentrieren bindet es aber gar nicht mehr an das andere Protein, und zwar egal in welcher Konzentration es eingesetzt wird. (Das aufkonzentrierte Protein ist aber  schon noch da, das habe ich als erstes überprüft. Aber vielleicht ist es kaputtgegangen? Hmmhmm…

      Tag 640 – Bekymringswochenabschluss und #12von12 im Mai ’17.

      Was ein Tag. Aber es wäre nicht der 12., wenn man nicht 12von12 machen könnte (für mehr Informationen dazu und zur Sammlung der 12von12-Beiträge gucken Sie doch im Kännchen-Blog vorbei). 

      Der Tag fing etwas hektisch an, weil um acht der Strom abgestellt werden sollte. Wurde er dann nicht, aber Tjanun. 


      #1von12 von #12von12 Fahrradakku kann nach wie vor nicht geladen werden, ohne Akku fahren macht wegen des Fahrradgewichts nicht so richtig Spaß. Ich parke mein Fahrrad im Garten, weil im Flur (Yeah, Bauarbeiten) kein Platz ist.


      #2von12 von #12von12 Definiere Luxusproblem: ich hab meine Sonnenbrille vergessen und muss nochmal in die Wohnung hoch. Außerdem schwitze ich mit Schal. Es ist wirklich sehr schlimm alles.


      #3von12 von #12von12 Gleich gibt’s Frühstück.

      Mittlerweile ging mir der Magen ziemlich auf den Knien, also war das ganz gut, dass es mal es zu essen gab. 


      #4von12 von #12von12 Mein (geteiltes) Büro ist überfüllt. Ich kann so nicht #KW19.

      Tja. Die Masterstudentin muss Montag abgeben und sitzt mit ihrem Betreuer und dem Chef am Rechner um die letzten Korrekturen einzuarbeiten. Zwischendurch steht der Chef immer wieder auf und diktiert im Gehen Sätze. Er macht mich wahnsinnig damit. Trotzdem kriege ich irgendwie den CV fertig. 


      #5von12 von #12von12 Mittach mit Aussicht. (DEILIIIII!)

      Jaja, es ist schlimm, ich sag’s doch. 

      (Leider erwischten mich diverse Leute in der Mittagspause, darunter der Chef. Es wird beschlossen, ein Experiment zu wiederholen. Asap. Ich soll noch heute Zellen auftauen. Was tut man nicht alles für Nature, ne?)


      #6von12 von #12von12 CAPSLOCK IST KAPUTT!!! (Nicht mein Ordner!)

      Apropos Zellen auftauen. Mache ich dann mal. Seufzend. 


      #7von12 von #12von12 Na toll. Erst stand da „nur CV“, jetzt doch cover letter. Ja. Schreibe ich mal eben, ne?

      Dann wollte ich den CV hochladen. Und stellte fest: man darf auch nen Cover letter dazu tun. Mir kommt das im Grunde sehr gelegen, so nen Anschreiben bringt ja doch nochmal viel mehr Persönlichkeit rüber. Aber eigentlich wollte ich dich früh nach Hause… egal. Das mache ich noch. 


      #8von12 von #12von12 Manche Dinge kann ich auch einfach nicht lassen.

      Man wird übrigens später gefragt, was für ein Geschlecht man den habe, es gibt aber auch die Ankreuzmöglichkeit „I prefer not to disclose this information“. 


      #9von12 von #12von12 #Nachhausewegselfie (endlich!) Vor meinem Lieblingsgebäude hier.

      Doch wieder etwas frisch, deshalb doch der Schal. Aber total happy, kein Wunder: ich hab ja gerade locker drei Stunden darüber meditiert, warum ich total toll bin und man mich unbedingt einstellen sollte. 


      #10von12 von #12von12 Obligatorisches Abendessenbild (Reis mit Scheiß). K2 is(s)t fröhlich, K1 is(s)t bei seinem Kumpel.


      #11von12 von #12von12 K2 hat sich selbst den Schlafanzug angezogen. Inklusive Schuhe.

      Während Herr Rabe Michel abholt, habe ich sehr viel Spaß mit Pippi. Die ist so unglaublich niedlich! Ich krieg mich fast nicht mehr ein vor lauter Hachzen. Sie spricht jetzt auch Mehrwortsätze, zum Beispiel: „Se! Schuh-ä! Mama sin!“ (Guck mal! Schuhe! Mama ihre!) was übrigens völlig korrektes Norwegisch oder auch westfälisch ist. 

      Irgendwann sind die Kinder im Bett und ich tatsächlich noch wach. Auf dem Sofa TeX-e ich das Abschreiben zur Bewerbung und schicke es Herrn Rabe zum drüberlesen. Dann schrauben wir gemeinsam an ein paar Formulierungen rum, Herr Rabe zerhackt drei bis vier Satzschlangen und wir teilen uns ein bisschen Osterschoki. Und irgendwann lade ich tatsächlich die Bewerbung und den CV hoch. Verrückt. 


      #12von12 von #12von12 Die Bewerbung ist weg. Ich fühle mich in etwa so wie dieser Hase aussieht.

      (Nämlich leer und ein bisschen kopflos.)

      So, und jetzt erklärt mir mal bitte wer, wieso WordPress mal wieder keine Bildunterschriften haben will? 

      Tag 639 – Bekymringswoche Tag 4. 

      Heute früh dachte ich noch, ich müsse Pippi zu Hause betreuen, weil die gestern Abend echt mies drauf war und auch Fieber hatte. Als wir dann aber Michel im Kindergarten abliefern wollten, wollte sie unbedingt dableiben und war auch super gut drauf und fit. Ich ließ sie also da und fuhr alleine nach Hause – meinem Chef hatte ich nämlich schon mitgeteilt, dass ich heute nicht käme. Zu Hause prokrastinierte ich dann ein Weilchen und setzte mich irgendwann hin um mir ein Networking-Netzwerk-Profil anzulegen. Das tat ich auch, wurde aber nicht wirklich fertig, weil mir das Bild noch fehlt. Herr Rabe hat gestern Nachmittag von mir eins gemacht, auf dem ich normal (also nicht verrückt, albern oder viel müder als ich in echt bin) aussehe. Hurra. Aber es ist noch auf der Kamera, aus Nörgelkindergründen. Also machte ich da erstmal Pause und machte mich an die E-Mail-Allerts der größeren Firmen. Ich kam nicht sooo weit damit, weil ich schon bei der dritten Firma über eine Stellenanzeige stolperte, die mir leichte Schnappatmung verursachte. Ich beschloss nach dem ersten Schreck, es einfach drauf ankommen zu lassen, und mich da zu bewerben. Ha. Falls ich den Job kriege (nein, wenn ich den Job dann habe, positiv denken ist wichtig!) muss ich halt wirklich fix aufschreiben, das ist dann eben so. Vielleicht nicht das schlimmste, da ein festes Datum für mich und auch für meinen „Du könntest doch noch fünftausend Experimente machen“-Chef zu haben. Naja, jedenfalls war das Resultat meines Vorhabens, dass ich meinen Lebenslauf aktualisieren musste. Und während ich so aktualisierte, merkte ich, dass das ganz und gar uninteressant für die Stelle ist, mit welchen Massenspektrometern ich gearbeitet hab und dass ich mal Pilot-Scale DSP gemacht hab. Also schrieb ich alles nochmal um und hielt Rücksprache mit LittleB und dann schrieb ich nochmal Sachen rein und andere raus und sortierte um und dann war ich sehr müde und morgen geht’s damit weiter. Puh. Diese Bekymringswoche hat’s echt in sich. 

      Tag 637 – Bekymringswoche Tag 2.

      Totaler Durchhänger, nachdem ich die 25 größten Biotech-Unternehmen auf Sitze in Norwegen überprüft hatte. Also, fast jedes Unternehmen hat hier natürlich ein Office, aber die allermeisten machen halt nur Sales und Marketing und Customer Relations und so hier. Das ist alles nicht mein Fall. Es blieben, wenn ich mich recht erinnere, 2-3 Unternehmen, die hier ernsthaft Dinge tun, davon macht eins aber Zeug mit radioaktiven Isotopen gegen Krebs, das ist jetzt auch nicht grad meine Kernkompetenz. Bleiben 1-2. Das ist keine Perspektive, sondern ein Witz.

      Dann Suche ausgedehnt auf ganz Skandinavien. Wenig überraschend: Kopenhagen is the place to be. Aber alle ausgeschriebenen Stellen* klangen in etwa so „Du musst mindestens einen Professortitel haben und 15 Jahre Berufserfahrung mit top Referenzen von noch größeren Global Playern, als wir es sind, in GENAU DEM futzikleinen Spezialgebiet, was du hier machen sollst“ oder eben „Ach, Hauptschulabschluss reicht eigentlich und wir gucken mal, was du dann machen kannst, aber mach dir keine große Hoffnung darauf, dass das irgendwas interessantes sein könnte“. Frustrierend, sowas.

      Zu Hause heulte ich deswegen ein bisschen den Mann voll, fasste dann den Beschluss, am Donnerstag endlich ein LinkedIn-Profil zu erstellen und mich außerdem bei all den Unternehmen in die „Wir melden uns, wenn wir ne Stelle haben, die du vielleicht eventuell möglicherweise haben wollen würdest“-Liste einzutragen, die sowas haben. Kann ja nicht schaden. Und morgen werde ich noch ein bisschen über den Sinn und Unsinn von Trainee-Programmen meditieren.

      Und zum Abschluss des Tages Skypte ich länglich (nicht so sehr wie gestern, das eskalierte etwas…) mit einem Ex-KollegenSlashKommilitonen, der lange in Dänemark gearbeitet hat, jetzt aber da weggezogen ist, aber nicht wegen Dänemark sondern aus Gründen halt. Dänemark klingt (Shitstorm in drei, zwei, eins) wie der kleine, unsportliche und bebrillte Bruder von Norwegen, mit längerem Sommer und undeutlicher Aussprache. Also, da das gestern nicht so ironisch rüberkam, wie es sich in meinem Kopf anhörte: Ich finde weder die Schweiz noch Dänemark wirklich furchtbar. Ich habe diffuse Bauchgefühle und weiß abseits von Käse, Schokolade, Schweinen und Strand quasi nichts über diese Länder. Weshalb ich mich, manche vermuteten es schon, mit Frau Brüllen über die Schweiz unterhielt und jetzt eben mit dem Ex-KollegenSlashKommilitonen über Dänemark. Weil Erfahrung aus erster Hand dann doch Bauchgefühle schlägt. Hätte ich mich mal mit jemandem unterhalten, der in Trondheim lebt, bevor ich herzog, wäre ich vielleicht besser vorbereitet gewesen. 

      Hoffen Wir mal auf einen klärenden Schlaf. (Der auch gerne länger als 4 Stunden am Stück sein darf, liebe Pippi und lieber Michel ;) )

      ___

      *Nein, ich will mich nicht jetzt schon bewerben. Macht ja null Sinn. Aber mal die Fühler ausstrecken, was gesucht wird. Noch habe ich ein bisschen Zeit, um mich eventuell gezielter vorzubereiten. Wenn ich denn erstmal weiß, was ich machen will (Kollege heute meinte auf die Bemerkung „Ich krieg zu viel in Uni-Laboren, ich brauche mehr Regeln, sonst will ich schnell alle erwürgen.“ von mir hin : eher D als R. Immerhin schon mal was.)

      Tag 636 – Bekymringswoche Tag 1

      Erinnerungen Sie sich noch an das Gespräch mit Cecilie? Da hatte ich ja festgelegt, dass ich mir in KW 19 ordentlich Sorgen um meine berufliche Zukunft machen würde und vorher aber nicht (mehr). Das mit dem ‚vorher nicht mehr‘ hat tatsächlich relativ gut geklappt, wobei sich mehr und mehr ein grober Plan herauskristallisiert hat, der im Wesentlichen aus einer örtlichen Wunschliste bestand, nämlich (in der Reihenfolge)

      1. Norwegen, speziell Oslo
      2. Schweden (Göteborg, Stockholm, Malmö)
      3. Dänemark (Kopenhagen)
      4. Schweiz (Basel)

      Das schöne an dem Plan war, dass er sich grob genug anfühlte um nicht zu viel Druck auszuüben, aber auch konkret genug war um meine innere Unruhe im Zaum zu halten.

      Und dann wurde mir letzte Woche irgendwann – während ich so mit ca. 20 Zellkulturflaschen jonglierte – klar, dass KW 19 ja am 8. Mai anfängt. Wie soll ich sagen, der Rest der Woche war dann relativ vollgepfropft, um diese Woche halbwegs frei zu haben, aber es hat funktioniert. 

      Und seit heute früh mache ich mir eben aktiv und bewusst Sorgen. Mein bisheriger größter Meilenstein ist das hier*:


      Joa. Ich werde mich noch eingehender mit dem Thema „Wissenschaftliches Schreiben als Broterwerb, eventuell sogar in einem Unternehmen angestellt“ beschäftigen, weil ich viel zu wenig darüber weiß, um es als Vergiss-den-Quatsch abzutun. 

      An der Stelle hätte ich vermutlich abbrechen und nach Hause gehen und Kleider nähen sollen, stattdessen machte ich den Fehler und googelte Unternehmen, die Menschen wie mich möglicherweise anstellen wollen könnten. In Norwegen. Das Ergebnis war mehr als ernüchternd: es gibt hier (also, in Oslo) kaum entsprechende Unternehmen. Wirklich nur ganz ganz wenige und die sind zum allergrößten Teil sehr kleine Buden. Und als ich meine Suche ausdehnte, kam einiges weniges in Schweden dazu, etwas mehr in Dänemark und sehr, sehr viel in der Schweiz und in Deutschland. An der Stelle machte ich das einzig Sinnvolle und ging mit meiner Kollegin draußen in der „Sonne“ (lies: Nieselregen) einen Kaffee trinken. Danach war ich wenigstens wieder so gut drauf um die Google-Ergebnisse Google-Ergebnisse sein zu lassen und statt mich zu grämen, weil wir eventuell in ein so grauenvolles Land wie Dänemark oder gar die Schweiz zu ziehen, Gespräche mit Menschen anzuleiern, die eben da wohnen. Und obendrein noch eins zum Thema Schreiben. Alleine komme ich da auf keinen grünen Zweig und „Wie ist das Leben in der Schweiz“ zu Googlen macht vermutlich in etwa so viel Sinn, wie eine Suchmaschine nach „was ist das für ein komischer Knubbel an meinem Finger“ zu befragen.

      Außerdem ist das DIE Gelegenheit, mal mit Leuten in echt zu reden. 

      Wird schon. Morgen gehts weiter.

      *Ach, schade, ich dachte, ich hätte den ganzen Zettel fotografiert. Naja, dann zeige ich Ihnen den morgen. 

      Tag 631 – Mimimi. 

      Ein Tag, wie geschaffen, um einen großen, GROSSEN Haufen Schokolade zu essen. 

      Kurzfassung (ohne mich wieder voll reinzusteigern, hoffentlich): 

      • das Batterieladegerät meines Fahrrads lädt nicht mehr.
      • Ich habe es irgendwie geschafft, mein Fahrradschloss zu verlieren (fragen Sie nicht, ich weiß es doch auch nicht).
      • Michel hatte heute morgen beim Aufstehen schon Kopfschmerzen – ich nehme mal an, er hat zu viel Sonne abbekommen, denn
      • nach dem Kindergarten und zwei mal Sonnencreme hat Michel volle Möhre Mallorcaakne*. Wenigstens scheint es nicht zu jucken. 
      • Bei der Arbeit viel zu viel zu tun, knapp zum Essen gekommen, zum Trinken gar nicht (praktisch, dann muss man auch nicht aufs Klo, spart also doppelt Zeit) morgen wird auch ganz toll (nicht!) weil da so ein Mensch von einer Firma kommt, den ich von meinem Chef aufgrund dessen spontaner Flitterwochen geerbt habe. Den betuddel ich dann und weine nur ein minibisschen, weil ich vermutlich zu sonst nix komme morgen (aber doch so viel zu tun hab…)
      • Pippis Schuhe sind irgendwie verschütt gegangen. 
      • Pippis andere Schuhe passen eigentlich noch nicht so ganz, aber weil die anderen Schuhe ja verschwunden sind, hatte sie die einmal an und gingen direkt kaputt.
      • Herr Rabe hat extra am Montag Abend noch das Regal in unserem kleinen Flur auseinandergebaut, weil die Brandschutztür laut Nachbarin diese Woche eingebaut werden sollte und die in die andere Richtung (also in den Flur, statt in die Wohnung) aufgehen wird. Heute früh trafen wir Bob den Baumeister: sie machen das irgendwann nach dem 17. Mai. 

      So. Darauf eine Tüte Smash**.

      Und aus Gründen: ein Comic über Glauben und Abwehrhaltungen.

      *Ich hab ihm echt meine Haut vererbt. Neigt zu Sonnenbrand, hat Sommersprossen und reagiert empfindlich auf ab.so.lut alles. Meh. 

      **Smash ist das beste überhaupt: Salzige Maisknusperkegelchen, überzogen mit Schokolade. 

      Tag 628 – Geschafft.

      Mit dickem Kopf einschlafen heißt meistens, mit dickem Kopf aufwachen. Das weiß ich, gehört aber zu den Dingen, die ich offenbar einfach nicht wahrhaben will, sonst würde ich mich ja dementsprechend verhalten. Naja, es sieht also so aus, als hätte ich einfach ne fette Erkältung – die Nase ist verstopft und/oder läuft, der Kopf tut ohne Schmerzmittel ordentlich weh und der Hals kratzt. Unangenehm, aber nix wildes.

      Entsprechend heute (langsam und vorsichtig) die ToDo-Liste abgearbeitet:

      • Maus gucken
      • Ausführliche Körperpflege (Fingernägel!)
      • Schminkpinsel waschen („man“ sollte das wohl so ca. Einmal die Woche tun. Wegen der Hygiene. Leuchtet ein, aber ob ich wöchentlich dazu komme, wird die Zukunft zeigen)
      • Fahrradreifen aufpumpen
      • 2 Stunden arbeiten (ja, und morgen auch. Gestern auch schon. Nein, das macht mir nicht besonders Spaß, muss aber trotzdem sein)
      • Der Familie hinterherfahren zum „Valborgsmässoafton“, der schwedischen Walpurgisnacht. Exilschweden in Norwegen sind auch nicht kontaktfreudiger als die Norweger. Auch ansonsten ein völlig normales Norwegisches Fest: es gab ein Lagerfeuer, aber erst, als die meisten Familien schon weg waren, weil Feuer ja so wahsninnig gefährlich ist und sich kleine Kinder ja bekanntermaßen gerne mal direkt in die Flammen stürzen. Während die Familien da waren, gab es Würstchen und Schokoladenkuchen. Ein paar schwedische Flaggen dazu und hier und da sprachen Menschen schwedisch. Aber was hatte ich an einem Nachmittag auch erwartet? Vielleicht sollte ich jetzt nochmal in die Bucht fahren…
      • Den Rest des Tages in der Küche verbracht. Quiche gemacht, Brötchen gebacken, Brot gebacken. Sauerteige geführt und mit Michel zusammen neue Teige für ein zweites Brot morgen angesetzt. Michel meinte „Ich will immer mit dir backen, Mama. Und dann sage ich allen meinen Freunden, dass das mein Brot ist. Und du kannst das dann deiner Familie sagen.“

      Jetzt Bett*. Verdient. 

      Hier noch ein Bild, das Herr Rabe heute gemacht hat:

      * Ach ja, Update Schlafsituation: Gestern bzw. heute früh schliefen die Kinder friedlich in Michels Bett bis um sechs. Und ich war auch nur zwei Mal panisch gucken, ob sie noch leben. Das ist ganz wunderbar gelaufen, auch wenn Herr Rabe und ich uns noch dran gewöhnen müssen: wir schliefen nämlich beide regungslos jeweils ganz außen im Bett, mit ca. einem Meter freiem Platz zwischen uns. Heute früh kamen dann erst Pippi (ok, die kam nicht, sondern weckte uns mit rufen und fröhlichem brabbeln) und dann Michel an, zum kuscheln. Ich kuschle viel lieber, wenn ich nicht die ganze Nacht zwangsbekuschelt werde. Heute Abend brachte Herr Rabe dann zuerst Pippi und dann Michel in Michels Bett. Das klappte ganz gut, wird im Alltag aber vermutlich zeitlich etwas eng.