Tag 561 – Platt. 

Auch heute kam ich klar. 

Wesentlich dazu beigetragen hat wohl, dass ich zu Fuß zur Arbeit und wieder zurück ging, jeweils so etwa 30 Minuten. Danach ist der Kopf schön leer, das ist sowohl für halbwegs konzentriertes Arbeiten als auch für einen entspannten Feierabend hilfreich. 

Das Poster wird langsam. Bei ShareLaTeX gibt es inzwischen unheimlich viele Vorlagen für alles, was man in LaTeX* machen kann (also alles außer Kaffee kochen). So auch mehrere Poster-Vorlagen. Hurra! Nach stundenlanger ein bisschen Bastelei mit den Corporate Farben der Uni (NTNU-blau ist CMYK 100,75,0,5, falls Sie das auch so brennend interessiert, wie mich) hatte ich ein Design, dann bastelte ich die Abbildungen hinein und dann soweit meine Konzentration reichte noch Text dazu. Der Rest (hauptsächlich bei drei Abbildungen das „blablablabla hier muss Text hin blablabla“ durch echten Text ersetzen und die Einleitung noch mal umschreiben, die gefällt mir noch nicht) ist morgen gut machbar. 

Ich merke, dass es nicht so der Knüller ist, 7,5 Stunden lang auf einen Punkt ca. 40 cm vor meinem Gesicht zu starren. Es fühlt sich an, als hätte ich einen Krampf in den Augenmuskeln. Sehr unangenehm und leider auch Kopfschmerz-induzierend. Außerdem bin ich nach einem kompletten Arbeitstag auch echt platt und möchte eigentlich nur noch ins Bett. Genau das mache ich deshalb jetzt auch: ins Bett gehen. 

*kleine Anekdote zum Thema „Ich lasse mir nicht helfen und schon gar nicht von Herrn Rabe“: nachdem ich meine Bachelorarbeit noch in Word schrieb und deswegen am Tag vor der Abgabe fast einen Nervenzusammenbruch hatte, lag mir Herr Rabe in den Ohren mit LaTeX und dass ich das doch lernen solle. Ich sagte immer „hmmhmmm, jaja…“. Als ich dann, ein Jahr später, in meinem Stockholmer Wohnheimszimmerchen saß und einen Projektbericht schreiben sollte, brachte ich es mir selbst bei. Herrn Rabe erzählte ich nichts davon. Kein Wort. Erst Monate später, bei einem anderen Bericht, ließ ich nebenbei fallen, dass ich noch überlege, ob ich dafür mal eine KOMA-Klasse** ausprobieren solle. Hähä. 

** Schwer zu erklären. Eher für Bücher. Variabler als normale LaTeX-Dokument-Klassen. Aber auch ungleich komplizierter, weil es eben mehr Optionen gibt. Schlussendlich schrieb ich bisher nur meine Masterarbeit und einen 15-seitigen Essay zum wenig erbaulichen Thema „cancer (stem) cell dormancy“ mit KOMA-Klassen. 

Tag 560 – Was ich noch lernen muss.

Gute Nachrichten zuerst: ich kam heute halbwegs klar. Stellen Sie sich jetzt vor, wie ich mir selbst auf die Schulter klopfe. 

Poster basteln ist aber eher so eine Herausforderung. Das Problem ist in meinem Fall: hohe Ansprüche an die Ästhetik kollidieren mit der Auswahl der Programme. Postervorlagen der Uni gibt es in PowerPoint (meine Nackenhaare stellen sich hoch) und in InDesign. Die Abbildungen, von denen ich jeweils Teile (nicht die ganzen Abbildungen, leider, das würde vieles einfacher machen) verwenden will, habe ich als .pdf und als .eps. Mein Computer bei der Arbeit sagt, .eps kann er nur mit Illustrator öffnen und bearbeiten (Herr Rabe sagt das stimmt nicht, aber, Tjanun, der Computer war sehr stur). Beim .pdf habe ich das Problem, dass die Auflösung zur Darstellung auf einem A0-Poster zu schlecht ist, wenn ich das dann entsprechend hochskalieren muss. (Kurzer Exkurs: es wundert mich immer wieder, wie Menschen, die immerhin ganze Bücher mit vielen und detailreichen Abbildungen versehen, alles in Word und PowerPoint machen. So wie mein Chef. Und der Ex-Chef von Herrn Rabe. Ich verstehe es wirklich nicht, gerade Word ist bei großen Dokumenten ein einziger großer Mist. Dieses Meme „In Word einen Punkt eingefügt. Word verschiebt alle Abbildungen, ändert die Sprache auf Koreanisch und bestellt die 35 mit extra Chilli.“ kommt nicht von ungefähr. Aber da lebt Mensch scheinbar mit, solange es einen wysiwyg-Editor bietet, freundet man sich mit den schrulligen Macken die es sonst so hat, eben an. Und dann alles per Copy-Paste. „Kannste doch einfach per Snapshot aus dem .pdf kopieren und dann einfügen!“ Gruselig.)

Lange Rede kurzer Sinn: Illustrator und InDesign sind beides keine Programme, die man sich mal so eben erschließt. Auch nicht mit fertiger Vorlage*. Die Abbildungen sind zwar jetzt halbwegs ok, aber eben auch nur halbwegs und allein das Skalieren kostet mich Nerven, die ich nicht habe. Aber ich habe ja den allerbesten Mann der Welt, der nach einem verzweifelten „Ich glaub ich machs doch einfach in PowerPoint, dann sieht’s halt kacke aus, mir doch egal!“ nach LaTeX-Vorlagen googelt und mir Hilfe bei der Bearbeitung der Abbildungen anbietet. 

Ich lieb den sehr. 

Aber seine Hilfe annehmen, das muss ich noch lernen. 

*die Vorlage ist auch so ein Witz: bis auf das Maß und einen Footer in Corporate Dings-Blau mit Logo der Uni hat die nix. Weiße Fläche und Arial. Meh. 

Tag 559 – Und nun.

Ein paar kleine Updates. 

Herr Rabe und ich haben heute, als die Babysitterin da war (da hatte ich mich neulich im Tag vertan, spielt aber ja eigentlich keine Rolle), einen Ausflug gemacht. Erstmal saß ich noch eine gute halbe Stunde mit Pippi bei der Babysitterin, weil die sich noch nicht so gut kennen. Als ich das Gefühl hatte, dass es jetzt ok wäre zu gehen und außerdem beide Kinder plus Babysitterin mit Bügelperlen und -brettern versorgt waren, machten wir uns auf den Weg. Das Wetter war wirklich grausig, wir spazierten (immerhin händchenhaltend) durch eiskalten Regen, fanden in 2 Cafés keinen Platz, das dritte hatte zu und als wir beim 4. ankamen, waren wir gut durchgeweicht und schlotterten ein bisschen. Aber egal: 2 Stunden eine normale, erwachsene Unterhaltung über normale Erwachsenendinge waren es wert. Natürlich sprachen wir auch (kurz) über die Kinder, aber nicht viel, dafür gibt es grade genug anderen Kram der ansteht, wie zum Beispiel…

… Mein Plan zum Klarkommen. Tja. Kurz gesagt: kleine, erreichbare Tagesziele setzen, mir bei der Arbeit jemanden suchen, dem gegenüber ich die auch formuliere (nicht mein Chef, der macht immer gleich ein halbstündiges Meeting aus sowas). Das Denken an „was ist in einem halben Jahr?!?“ sein lassen (das wird hart). Öfter mal Home Office machen, dafür TeamViewer auf meinem Rechner installieren (mein Plan für morgen), damit ich auch von zu Hause ins Intranet und an Daten kann. (Home Office nimmt, so meine Vorstellung, drei Sorten Druck: zeitlich mit Hinbringen zum oder Abholen aus dem Kindergarten; den Druck, irgendwie menschlich aussehen zu müssen und andere Dinge als Jogginghosen zu tragen; sozial (mit der wichtigste Punkt): ich mag manchmal nicht mit Menschen reden und das dann auch nicht zu müssen stelle ich mir sehr schön vor.) Ich glaube ich würde nicht wirklich oft Homeoffice machen, aber eine Absprache mit meinem Chef, sodass ich davon Gebrauch machen kann, wäre schon ein Erfolg. Natürlich vorausgesetzt, dass keine Experimente anstehen, aber solche Tage oder sogar Wochen hat man ja auch immer mal wieder. Weiterer Plan, der eher das Private betrifft: unbedingt die Putzhilfe behalten. Und Dinge, die mich extrem frusten ohne irgendwie zu fruchten (so wie die Heimaturlaubsplanung) vermehrt an Herrn Rabe delegieren oder zumindest ihn mehr mit einbinden. Und dann mal sehen. Wenn ich merke, dass das alles noch nicht hilft und ich einfach keine 37,5 h-Woche durchhalte, gibt es ja immernoch die Möglichkeit einer partiellen Krankschreibung. Oder den Psychologen. Wie gesagt: mal sehen. 

Mehr delightful: Die Kinder sind so niedlich! Pippi spricht jetzt viel mehr und versucht, ganze Sätze zu sagen. Außerdem ist sie im Nachplapperalter angekommen und sagt alles, was man möchte. Oder wiederholt alles, was man nicht möchte. Eine ihrer Standardantworten ist aber momentan „Blablabla.“. Da kann ich nicht anders als drüber lachen, wenn die Situation ungefähr so ist:

Ich: „Ey, Pippi, nicht mit dem Essen werfen! Wenn du satt bist, lass es einfach stehen!“

Pippi: „Blablabla.“

Michel spricht ja viel besser Norwegisch als Deutsch, aber wir versuchen ihn im Moment mehr zum Deutsch sprechen zu animieren. Es wäre schon schön, wenn wir für Familienmitglieder nicht dauernd die Übersetzer geben müssten. Manchmal ist es aber auch unheimlich lustig, wenn er norwegische Dinge falsch versteht. So sagte er in den letzten Tagen häufiger voller Enthusiasmus „Jeg er en potet!“ („Ich bin eine Kartoffel!“). Darauf folgte stets irgendeine Ausführung oder Idee, wie irgendwas sein könnte oder wer irgendwas gemacht haben könnte. Es dauerte eine Weile, bis mir die Idee kam, dass er Dinozug (falsch) zitiert und eigentlich „Jeg har en hypotese!“ („Ich habe eine Hypothese!“ meint. 

Auch mehr delightful: neues Schneckenbild, weil heute sauber gemacht. Wir haben jetzt (aus Gründen) zwei große (ich nehme an, ausgewachsene) und zwei kleinere Schnecken. Eier gelegt haben sie immer noch nicht, nicht, dass ich darauf scharf wäre, aber ich mache mir etwas Gedanken, ob was nicht stimmt, oder ihnen was essenzielles fehlt. 

Tag 557 – Zu viel. 

Ich hatte echt nen Kacktag. Bei der Arbeit war unser zweiwöchentliches Gruppen-Meeting und ich war Cake-Responsible und dachte, das geht schon alles, ist ja bloß ne Stunde oder so. Dann wurden es aber zwei Stunden* plus backen und vorher war ich schon so gestresst, dass mir das hier passierte: 

und nachher war ich einfach komplett im Eimer, inklusive Kinder anschnauzen und Mann anranzen und insgesamt unausstehlich sein. 

Ich weiß, nächste Woche ist wohl noch zu früh um wieder arbeiten zu gehen, aber die Deadline! Das blöde Poster muss fertig sein bis Freitag. Leider auch Arbeit, die mir keiner abnehmen kann. 

Irgendwie muss ich das also hinbekommen, Donnerstag und Freitag habe ich eh frei, drei Tage sind es also, die ich durchhalten muss. Und mehr als durchhalten geht offenbar noch nicht. (Klarkommen! Wer kommentierte das hier? Ich muss klarkommen. Erledigen was anliegt. Nicht mehr und nicht weniger.)

*extra Stress: der Kollege, der mir unterstellte, ich hätte mehr oder weniger absichtlich eine Liste und zwei Abfallboxen aus dem Radioaktivitäts-Labor verschwinden lassen. Es dauerte 30 Minuten, zu rekonstruieren, dass einfach über ein Jahr lang (während ich in Elternzeit war) niemand in dem Labor gearbeitet hat und somit die einzige Liste aus 2016 die ist, die im Juli 2016 beginnt und noch immer an der Bench hängt. Aber zwischendurch schwitzte ich schon sehr. 

Tag 541 – Kichererbsen. 

Wir hatten heute Projektmeeting, mit dem Struktur-Projekt. Etwas peinlich: wegen zu viel zu tun mit dem RNA-Projekt und dauernd kranken Kindern hatte ich seit dem letzten Meeting vor, hüstel, sechs Wochen daran rein gar nix gemacht. Das machte aber nichts, auch ohne große Beiträge von meiner Seite überzogen wir kräftig. Darüber hinaus war das ganze Meeting auf Norwegisch. Das ist für mich normalerweise kein Problem mehr, heute waren es aber verschärfte Bedingungen, nämlich

  • Vier verschiedene Dialekte: Trøndersk (Leksvik), Pen-Trøndersk, Østfold und Oslo
  • Meine österreichische Kollegin die einen starken österreichischen Akzent im Norwegischen (im Englischen auch) hat
  • Mein dänischer Co-Supervisor, der stur Dänisch spricht. 

Ich kann gar kein Dänisch. Den Rest verstehe ich ja, selbst die Österreicherin kann ich verstehen, aber Dänisch? So hört sich für mich Dänisch an: „Gouwuuuluowuuul uiiiiiche bjüül.“ Äh. Als der Däne dann sowas sagte wie „Henäääde scherüüüüü schom schiekärtr, mens häääärerejü bare skuuug.“ was vielleicht heißen sollte „Hier unten (her nede) sieht das ja aus (ser det jo ut) wie Kicherebsen (som kikerter), während das hier nur Wald ist (mens her er det jo bare skog).“ oder auch was ganz anderes, da musste ich doch sehr auf meine Zunge beißen um nicht laut loszulachen über diese absurde Situation, sieben Leute in einem Raum und sechs verstehen den siebten nicht, was der aber einfach ignoriert. 

Ergebnis des Meetings übrigens (soweit ich das mitbekommen habe): es geht voran. Und da waren sie wieder, meine zwei Probleme. Zwei Projekte, sie haben nichts miteinander zu tun und beide laufen nahezu gleich gut. Vielleicht sollte ich einfach zwei PhDs machen?

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Kurz nebenbei: nächste Woche Mittwoch wird hier das FM-Radio abgestellt. Ab dann gibt’s nur noch DAB+ und Internetradio. Die Info kam heute mit der Post (frühzeitig vorwarnen ist nicht so der Norweger Ding). Die Mobilfunkanbieter reiben sich schon die Hände und empfehlen jedem, doch einfach im Auto das Internetradio zu nutzen. Und die DAB+-Empfänger werden wohl auch die nächsten Wochen nicht gerade billiger werden. Tja, dann brennen wir wohl wieder CDs fürs Auto. 


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Der Papa eines KiTa-Kindes hat mit dem norwegischen Team den 2. Platz beim Bocuse D’Or -Kochwettbewerb belegt. Da kann man schon mal die Fahne hissen. (Norwegen. International bekannt für seine herausragende Gourmetküche. Oder so.)

Tag 540 – Mehr Zeug. 

Beide Kinder sind wieder fit und können beide morgen wieder in den Kindergarten. Raten Sie, wer jetzt vermutet, krank zu werden? Bingo: ich. Yeah. 

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Der Kindergarten schrieb heute eine etwas merkwürdige Mail mit dem Tenor: alle sind krank, also tut doch bitte einfach weiter so, als gäbe es die 24-Stunden-Fieberfrei-Regen noch, als wir die nämlich noch hatten waren nicht alle krank. Merkwürdig ist das weil wir zum Einen gar nicht mitbekommen haben, dass diese Regel abgeschafft wurde und zum Anderen ist eben Januar. Und das ist ein Kindergarten. Wundern die sich echt drüber, dass KiTa-Kinder sich untereinander mit ihren Rotznasen anstecken?

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Heute kam ein Paket von meinem Schwiegervater an. Mit Absender: 29.11.16. Darin: Süßkram, der wohl mehrmals zu warm und zu kalt geworden ist. Zeitgleich hat mein Schwiegervater ein anderes Paket abgeschickt, das am 06.12. ankam. Wie kann sowas sein?

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Es kam auch noch ein Päckchen von einer Twitterin an, darin Nagellack (Schickes, Dunkles Rot, ich bin ganz hin und weg), Katjes (Katjes! Herzchenaugensmiley!) und Nagelöl. Um Letzteres hatte ich sie gebeten, weil meine Fingernägel dank des häufigeren Lackierens in einem katastrophalen Zustand sind. Ich gehe ja erstmal davon aus, dass der Effekt auf den Nagel an sich eher ein gefühlter sein wird, das ist ja totes Horn, da kann ja nix „repariert“ werden. Aber vielleicht ist das was nachwächst dann tatsächlich stabiler, weil elastischer. Ich werde berichten. 

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Ich musste heute keine Mäuseorgane pürieren und bin darüber sehr dankbar. Meine Kollegin fand noch fertig isolierte RNA im Gefrierschrank. Puh. 

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Pippi kann jetzt ein neues Wort: Nein. (Hurra!) Und wenn man sie bittet, wiederholt sie alles was man sagt, heute war das „fertig MIT kacken“, Michel sagt nämlich immer „fertig und kacken“ weil das norwegische „å“=“zu“ (das im Norwegischen an der Stelle richtig wäre) sich genauso anhört wie „og“=“und“. Bei Pippi hörte sich das dann an wie „fedee me kaake“ und war auch sonst sehr viel niedlicher weil weniger situationsnah. 

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So, und jetzt mache ich den Bildschirm aus. Die Kopfschmerzen werden es mir hoffentlich danken, indem sie verschwinden. 

Tag 539 – Zeug. 

Heute hat soweit alles geklappt, bis auf den Part mit dem zu Hause lesen. Tjanun. Dafür stimmen unsere Finanzen jetzt wieder. 

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Michel geht es besser, aber noch nicht gut. Heute sah er ein paar Folgen Dino-Zug. Nach anfänglicher Unsicherheit finde ich die Serie ziemlich gut, denn 1. sind die Figuren echt niedlich, 2. ist die Musik ganz gut und 3. lernt man echt was. 

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Mein Chef hat mir ein uneingeschränktes Go für Chemikalien-Shopping gegeben. Wär doch gelacht, wenn wir die RNA nicht sequenziert bekämen wenn wir sie mit Geld bewerfen.

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Die Austernpilze ärgern mich: die werden immer am Strunk schon trocken. Ich glaube, es ist ihnen zu trocken hier in der Wohnung. Aber im Keller oder draußen ist es zu kalt. Da müssen wir wohl aufs Frühjahr warten. 

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Die Paula’s Choice Creme (Hellblau, ohne LSF) ist endlich alle. Die hat jetzt mehr als fünf Monate gehalten. Die ist auch echt toll, aber in Erwartung einer viel geringeren Ergiebigkeit (zur Erinnerung: der Tester in 1/6 der Größe reichte grade mal eine Woche) habe ich schon vor Monaten eine andere, etwas günstigere PC-Creme gekauft, ohne Anti-Age. Mal sehen, was die kann. Eigentlich wollte ich ein vorher-nachher-Bild von meinem Faltenstatus machen, aber das scheiterte heute daran, dass ich Pippi umgebunden habe und sie nicht durch schonungsloses Beleuchten meines Gesichts wecken wollte. 

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Mein Zyklus ärgert mich aus diversen Gründen auch und wenn wir es nicht in näherer Zukunft nach Deutschland schaffen, muss ich wohl hier mal für viel Geld  zu einem Gynäkologen*.

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Und auch mein Phantomzahnschmerz erreicht gerade neue Höhepunkte. Damit war ich schon diverse Male beim Zahnarzt, der immer wieder bestätigte: da ist nichts. Zumindest nichts, was er im Röntgen oder mit seinen Augen sehen kann. Zum*r Neurologen*in solle ich mal gehen. Das war mir aber auch immer zu blöd. Es geht ja auch immer wieder weg, irgendwann nach ein paar Monaten. Vorgestern schrubbte ich in meiner Verzweiflung extra gründlich mit Zahnseide und (Achtung, eklig) dabei muss ich in irgendwas reingeschnitten haben, jedenfalls blutete es mit einem Mal wie Sau und danach war der ganze Druck weg. Ich merke mir das mal, vielleicht kann ich damit den Zahnarzt beim nächsten Mal zum Lachen bringen. 

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Vielleicht bin ich grad etwas im Stress. 

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Nach dem ganzen Gemecker: hier ein Bild von Baby-Michel. Das war beim Umzug nach Norwegen, in unserer Kabine auf der Fähre. So lang her… 

Michel hebt die rechte (!) Augenbraue. Vielleicht ist er doch nicht mit mir verwandt.


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* Ja, ich bevorzuge männliche Gynäkologen. Nach einigen wenigen aber ausnahmslos unschönen Erfahrungen mit Gynäkologinnen bin ich da stur. Ich bin geneigt, den Frauen da generell eine „stell Dich nicht so an“-Haltung zu unterstellen. Total schlimm verallgemeinernd und diskriminierend, das ist mir bewusst. Aber gerade wenn ich 1200 NOK für die Konsultation bezahlen soll, möchte ich wenigstens ein vorgewärmtes Spekulum mit Respekt und Gefühl behandelt werden.

Tag 535 – Kjempebra jobba, altså!

Gestern ging mir beim Starren auf Pyrimidinbasen ein Licht auf. Und dann noch eins. Und dann noch eins. Dann war ich so aufgeregt, dass ich vergaß, dass Michel Schwimmkurs hat und bin nur dank halsbrecherischer Fahrt* mit dem blauen Blitz (meinem Fahrrad) nicht total zu spät gekommen sondern nur fünf Minuten. 

Heute musste ich dann aber wirklich, wirklich, WIRKLICH trotz krankem Kind mit selbigem zur Arbeit fahren, um mit meinem Chef zu besprechen, was ich mir ausgedacht habe. Sonst wäre ich vermutlich bis morgen geplatzt. Das war dann so aufregend, dass ich mich schon im Vorfeld mit Kaffee begoss, und auch Pippi (der es schon viel besser geht) wollte nicht so recht schlafen. Aber egal. Mein Chef kennt mich ja schon ne Weile und der kennt auch meine Kinder, so ne Rotznase auf dem Schoß stört ihn nicht so. Ich breitete also all meine (schlecht) selbst gemalten Strukturformeln auf seinem Besuchertisch aus, und die Reaktionsgleichungen, und die ausgedruckten Artikel mit noch mehr Strukturformeln und Reaktionsgleichungen und Methoden. Dann unterbreitete ich ihm souverän mit Kaffeefleck und Rotzi-Pippi meine Theorie. Wir redeten über Elektronendichten und so Zeug und mir brach nicht der Schweiß aus (gut!), er bestätigte meine selbst gemachten Gedanken, googelte ein bisschen und Google bestätigte einen weiteren meiner selbst gemachten Gedanken, dann malten wir ein bisschen gemeinsam einen möglichen Versuch auf, es gab eine kurze Diskussion, welche modifizierten Purinbasen denn nun wohl die Reverse Transkription blockieren würden und ich konnte aus dem Gedächtnis herleiten, welche das wohl sein müssten und es wurde wieder gegoogelt und das bestätigt und dann war ich schon sehr zufrieden mit mir. 

Als Belohnung darf ich jetzt das Experiment genau so machen und als beste Belohnung überhaupt sagte mein Chef: „Das ist ein richtig gutes Experiment. Eine sehr elegante Methode. Wenn das was wird, können wir das direkt veröffentlichen. Kjempebra jobba, altså!“. Das letzte kann man als „Supergute Arbeit!“ verstehen und dürfte somit das höchste Lob sein, dass man von einem Norweger bekommen kann. 

Vielleicht bin ich doch gar nicht so schlecht in Chemie. Und vielleicht bin ich auch nicht die schlechteste Doktorandin der Welt. 

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Danach führte ich ein etwas lustiges Gespräch mit meiner ebenfalls deutschen Kollegin über Mäuseorgane. 

Ich: „Habt ihr auch brain?“

Sie: „Hmm, ich weiß nicht ob wir noch total brain haben. Wir machen das ja immer klein. Auf jeden Fall haben wir hypothalamus, frontal lobe und hippocampus.“

Ich: „Ach das passt schon, im Zweifel kann man das ja auch poolen.“

Sie: „Ja, sonst haben wir auch noch ein paar komplette brains im freezer. Die musste dann halt erst disrupten.“

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Mein Antrag auf das Reisestipendium wurde bewilligt! Hurra! Damit reise ich jetzt auf Kosten der Norwegischen Vereinigung der Biochemiker nach Kalifornien, statt auf Kosten meines Projektgelds und kann ein paar mehr Experimente machen. Oder werde einen Tucken länger bezahlt werden können. 

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Doch, doch, heute bin ich recht zufrieden mit mir. Und Sie können in den nächsten Wochen und Monaten verfolgen, wie ich mich total davor ekle, ein Mäusegehirn zu pürieren, wie das selbst ausgedachte Experiment vermutlich drölfzig mal schwieriger ist, als ich bisher so denke und wie ich ganz alleine nach Amerika fahre! Huiiiii, so aufregend! 

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*Ich weiß übrigens nur wegen Little Q.s Fahrradführerschein, wie man richtig durch Kreisverkehre fährt. Als ich den Fahrradführerschein gemacht habe (mit acht, also vor ca. 500 Jahren), hatten wir ja nix, nichtmal Kreisverkehre. Grüße und Danke in die Schweiz!

Tag 533 – Luft raus. 

Ich verrate Ihnen jetzt mal etwas über mich. Kompromat, wenn Sie so wollen. 

In der Schule wurde ich gemobbt. Sie nannten mich Hexe (wegen meiner großen, höckerigen Nase) und Streber (wegen meiner guten Noten), das war beides hässlich, aber nichts war schlimmer als: Heulsuse. Weil ich dann immer anfing zu heulen. Und dann rannten sie mir lachend hinterher und riefen „Heul doch, heul doch, Heulsuse!“ und ich lief und heulte. Das wurde mit einsetzender Pubertät immer schlimmer, bis ich quasi in jeder Mittagspause heulend unter der Tischtennisplatte hockte. Da hatten wir dann mal so ein Vermittlungsgespräch in der Klasse, wo mir die Lehrerin allen ernstes vorschlug, doch einfach nicht zu weinen. Man müsse die anderen ja verstehen, wenn ich ja auch immer zu heulen anfinge…? Haha. Victim blaming galore. Funktionierte damals insofern, dass mir schlagartig klar wurde dass nur ich das abstellen kann, indem ich mich ändere, denn Hilfe konnte ich keine erwarten. Ich schwor mir, nie wieder in der Öffentlichkeit zu weinen. 

Das zog ich, mit einer Ausnahme*, bis heute durch. Bis zum nächsten Klo schafft mans immer noch irgendwie, auch wenn einem die Augen so voller  Tränen sind, dass man halb blind durch die Gegend torkelt. Ich bin, zusätzlich zum normalen Trauer- und Enttäuschungsheulen, ein Angstheuler und ein Wutheuler, also Gelegenheit gabs echt genug. Aber, bitte, keine Genugtuung für andere. Nie mehr. 

Was ich bisher aber noch nicht kannte: Erleichterungsheulen. Heute morgen lief ich, noch in Fahrradmontur, meinem Chef über den Weg. Er kam gerade aus dem MS-Labor. Er strahlte über beide Backen. Meine Resultate, sagte er, seien super. Wunderschön. Nur minimale Abweichungen der Replikate untereinander. Und im zeitlichen Verlauf des Versuchs genau wie wir erwartet hätten. Endlich füge sich das Puzzle zusammen. 

Ich und der Kloß in meinem Hals schafften es nickend und lächelnd bis in mein Büro. Da brach ich in Tränen aus. All die Arbeit (Sie erinnern sich? Vor Weihnachten die zwei Wochen, nach Weihnachten nochmal so viel?) und das ganze Geld (Vier Liter teures Medium, zwei teure Kits, zwei Flaschen teurer beads, ein Mülleimer voller verbrauchter Pipettenspitzen (RNAse frei, versteht sich) etc., die Analyse von 175 Proben durch die Core Facility und natürlich meine Arbeitskraft für vier volle Wochen) und es hat sich gelohnt! Was für ein Stein plumpste mir da vom Herzen. Ich konnte förmlich spüren, wie sich mein Kiefer entspannte. Dabei hatte ich gar nicht den Eindruck gehabt, so unter Druck zu stehen. Aber wenn sich Druck so lange aufbaut und dann schlagartig entweicht, dann, tja, dann reicht das wohl für ein paar Erleichterungstränen. 

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*Unvergessen, im gläsernen Büro des Professors nach der Klausur „Next Generation Sequencing Methods“. Der arme Mann war etwas überfordert. Verständlich, wenn die Studentin nach der Erklärung, warum bei der einen Aufgabe  entscheidende Punkte zum ‚A‘ fehlen, in Tränen ausbricht und stammelt „But that is so basic, and logic, and everything that I wrote later shows that I know it, I just didn’t think I had to write it down…“. 

Tag 531 – Wieder zu Hause. 

Und nirgends ist es schöner. Das vertraute Kleinkindschnarchen (Pippi, und laaaaaange nicht so schlimm wie es bei Michel in dem Alter war, ich denke, wir kommen bei ihr um eine Polypenkürzung herum) ersetzt das nicht ganz so niedliche Schnarchen meiner Zimmernachbarin, statt Buffet gibt es Nudeln mit Soße, statt Nachtischbuffet ein Tütchen Weingummi in Eppiform, fair unter vier Personen aufgeteilt. 

Insgesamt war es schon sehr interessant, die Plenarvorträge waren sehr divers (von Hirnforschung über Pflanzen-Genetik zu Hardcore Bioinformatik war da alles bei. Eindeutiger Trend: die Darmflora.) und die Vortragenden sehr engagierte Redner*Innen und (so weit ich das beurteilen kann) in ihrem Feld herausragende Forscher*Innen. Ja, tatsächlich kamen auf 8 Vorträge (von denen einer leider abgesagt wurde) 3 Frauen, alle drei absolute Spitzenforscherinnen (Von Emmanuelle Charpentier habe ich ja schon berichtet, außerdem waren Marianne Fyhn und Ines Thiele da, wenn Ihnen das was sagt.), ich finde das sehr gut, denn oftmals wird ja behauptet, Frauen™ wollen sowas ja gar nicht, so Karriere und so, das liegt denen nicht. Und deshalb hat man leider für Gebiet XY keine Frau als Rednerin gefunden. So schade. Naja, also, die Norweger kriegens hin ;)

Auch die Minisymposia waren teils sehr interessant, ich weiß jetzt zum Beispiel sehr viel mehr über das Immunsystem von Pflanzen, als ich jemals wissen wollte. 

Im Endeffekt habe ich sogar gesocialized, wer hätte das gedacht, ich habe Leute aus Bergen und Oslo kennengelernt, traf jemanden, der Kleider selbst näht, sich selbst bunte Blümchen auf die Fingernägel malt und HIGH HEELS MEINER LIEBLINGSMARKE ANHATTE (‚Irregular Choice‘, kennt kaum wer, das macht es ja so außergewöhnlich). Gut, das war jetzt vielleicht nicht, was mein Chef unter professionalem Netzwerken versteht, aber was solls. Ich muss ja nicht morgen soundsoviele Visitenkärtchen vorzeigen. 

Das schönste: alle, wirklich restlos alle, Letztjahrs-PhD-Studenten die ich traf, sind genauso angepisst und überfordert und hadernd wie ich. Es liegt also doch nicht an mir. Auch wenn ich mich bei dem Spruch „I know who you are, you are the one who said you’re in a complicated relationship with your PhD!“ etwas ertappt fühlte. 

Post-Party Fundstück. Morgen mal googeln.