Tag 2350 – Fischähnliche.

Zyklusende, Zyklusanfang, Zack, Laune besser, Wasser weg, keine Schmerzen mehr, produktiv gearbeitet. Ein monatlich wiederkehrendes Wunder.

Anekdote von heute: ich war mit Pippi bei der Schulschwester, zum Kennenlerngespräch und um abzuchecken, ob wir vernünftig füttern, pflegen und impfen. Auf einem Bild mit verschiedenen Nahrungsmitteln sollte Pippi auf das zeigen, was sie mag, und dann fragte die Schulschwester, ob sie denn auch *zeigte auf ein Weißfischfilet* das hier möge. Was das sei, fragte Pippi. Fisch, sagte die Schulschwester. Neeeee, Fisch möge sie nicht, behauptete Pippi. Da musste ich widersprechen, Pippi möge ja Lachs, Lachs sei auch Fisch. Und Fischstäbchen und Fiskekake (Fischfrikadellen) möge sie ja auch. Nein, das sei kein Fisch, Lachs sei nur so ähnlich wie Fisch, davon war Pippi überzeugt.

Abends holte ich mir dann aus einer Laune heraus eine Portion Sushi, was mir Pippi dann mit großer Begeisterung wegaß.

(Michel nannte einen im ganzen gebackenen Lachs bei einer Freundin mal „Fischfleisch“, das muss so ein Ding sein bei Kindern, dass sie Lachs nicht als Fisch wahrnehmen. Vielleicht auch nur bei norwegischen Kindern.)

Tag 2348 – Endlich.

Es ist mir gelungen, Geigenbögen zur Ansicht zu bestellen. Hallelujah. Bei einem ganz normalen Musikgroßhandel, der alle Modelle, die ich gern ausprobieren möchte, auf Lager hat. In verschiedenen Lagern zwar, sodass das nun in drei Lieferungen verschickt wird, aber immerhin. Kein Gehampel mit Zoll, kein Schwitzen beim Fahren über die Grenze, kein ewiges Warten auf Lieferung. Ich habe mir vorher noch mal per Mail und Telefon bestätigen lassen, dass das Rückgaberecht auch besteht, wenn an einem Bogen Kolophonium ist, weil man ohne halt nicht ausprobieren kann. Aus lauter Begeisterung (und weil sich in meinem 25 Jahre alten der Schaumstoff der Polsterung langsam auflöst) habe ich noch ein Case dazu bestellt. Und jetzt bin ich sehr gespannt.

Während ich abends (mit Mute) tapfer Kreutzer 8 übe, sitzt neuerdings Herr Rabe mit Bass und Kopfhörern im Wohnzimmer und spielt Akkorde und sagt dabei „Ceeehhhh… Effffff… Beeehhhhh…“, den Quintenzirkel rückwärts auf. Das ist ein Teil eines Bass-Übungsprogrammes, das er jetzt macht und es mutet seltsam an, soll aber helfen.

Ich beneide Herrn Rabe um Frets und versuche weiter, das zweigestrichene f im 2. Satz von Seitz Op. 15 mit dem dritten Finger auf der A-Seite auf Anhieb zu treffen, und am Ende des Satzes auch wieder da zu landen (und nicht irgendwie Richtung fis gewandert zu sein). Isoliert kann ich zwar schon sagen, ob ich grad eher f oder fis spiele, aber im Spiel und bei ständigen Lagenwechseln ist das nicht so einfach, wenn ich nicht zufällig direkt mit dem e vergleichen kann.

Geige (alle Instrumente, bei denen es derart leicht ist, „einen Tacken“ daneben zu hauen) spielen ist zu einem großen Teil auch das Gehör zu schulen.

Nun ja. Mit einem neuen Bogen wird bestimmt alles viel besser. Und einfacher. BESTIMMT.

Tag 2347 – Altes und neues Genörgel.

Alljährlich muss ich kurz mal meckern über die immer noch nicht abgeschaffte Uhrzeitumstellung. Dieses Jahr hatte ich auch wieder versäumt, die Aufstehzeit allmählich nach früher zu verschieben, also hatte ich mir heute „einfach“ einen Wecker auf 8 Uhr gestellt, damit ich heute Abend trotzdem halbwegs ok ins Bett komme. Mein Plan war auch, dann die Kinder zu wecken. Naja, die Kinder waren schon wach, ich hörte sie rödeln, als der Wecker klingelte. Ich hingegen dachte „was zum… es ist Wochenende, Herrschaftszeiten!“ und stellte den Wecker 1 h weiter. Döste noch die Stunde weiter, daddelte etwas am Handy und quälte mich um halb zehn aus dem Bett. Also eigentlich halb neun, an einem Sonntag, an dem nichts ansteht. Das ist doof, ich möchte das nicht.

So, bis in einem Jahr, wenn es wieder heißt „Wer hat an der effing Uhr gedreht, hatte die EU nicht irgendwie vor, den Kack abzuschaffen, warum passiert da nichts, HMMMMM?“

Neues Gemecker: Steuererklärung. Ja eigentlich in Norwegen super einfach. Außer man hat Konten im Ausland, Rentenversicherungsverträge im Ausland, einen Kindergarten, dessen Buchhaltungsbüro aufgrund Konkurs des Kindergartens kurz vor Weihnachten hingeschmissen hat (und der deshalb nicht zu Neujahr automatisch die Betreuungskosten gemeldet hat) und einen Sport-Hort, der aus unbekannten Gründen nicht automatisch an die Behörde gemeldet hat. Dann muss man ziemlich viele Belege zusammensuchen. Besonderer Spaß, wenn man im Vorjahr mittendrin die Bank gewechselt hat und dementsprechend Belege in drei Banken (ausländische mitgerechnet) und einem e-mail-Fach liegen. Immerhin ist das meiste eh elektronisch, außer dem Kram von der Rentenversicherung, die mögen Papier und mögen auch, das ins Ausland zu schicken.

Einziger Pluspunkt: ich habe festgestellt, dass ich bei der Bank in Deutschland offenbar inzwischen als Steuerausländerin geführt werde, steht zumindest so auf einer Bescheinigung. Dann hat das also geklappt, gut. Ich war etwas in Zweifel, weil mir wenige Tage nach Hochladen der norwegischen Bescheinigung, dass ich wirklich hier lebe und ganz viele* Steuern zahle, ein Brief ins Haus flatterte, in dem ich in scharfem Behördenton dazu aufgefordert wurde, eben jene Bescheinigung hochzuladen, aber zackig.

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*naja naja, eigentlich nicht, ich beschwere mich nicht. In Deutschland zahlte ich anteilig deutlich mehr von meinem Gehalt (Umsatzsteuer nicht mit einbezogen, das ist mir jetzt zu kompliziert).

Tag 2344 – Stichpunkte.

– Pippi hat den dritten Zahn verloren, den oberen linken (also Zuschauer-links, ihr rechts) großen Schneidezahn. Gestern sagte sie im Auto plötzlich „Mama! Ich blute!!!“ und dann „Ich hab nen Zahn verloren! Und ich blute jetzt!“ und weil ich ja fuhr konnte ich nicht mal gucken sondern nur die Hand nach hinten strecken und mir den Zahn anreichen lassen. Sie sieht aber schon sehr drollig aus mit der Zahnlücke, und das Mundgefühl ist wohl anders, sie lispelt jetzt leicht.

– Michel Harry Potter vorlesen ist nahezu abgeschlossen. Noch ein Kapitel. Gestern ist (Achtung, Spoiler, aber kann man nach 20 Jahren noch wen spoilern? Ich weiß ja nicht. Achtung Spoiler: am Ende vom Herrn der Ringe gewinnen die Guten(TM), Don Quichotte erlegt keine einzige Windmühle und der Vater im Erlkönig schafft’s leider nicht rechtzeitig.) Harry Potter „gestorben“, heute Voldemort. Ein bisschen traurig bin ich, gut, dass wir noch ein Kind haben.

– Arbeit ist zum alles anzünden zur Zeit

– Bin leicht bedröppelt, weil ich bei den Kommunen-Grünen jetzt im Programmkommitee bin, aber irgendwie zu nichts was beitragen kann. Ich kann ja nur Biotechnologie und Pharmaindustrie, das sind jetzt nicht die Themen, die bei den lokalen Grünen hoch im Kurs stehen. Werde dementsprechend eher mit… anderer Arbeit (???) beitragen, äh, vielleicht Kaffee kochen oder so. Ich mag auch Tiere und finde Natur gut und würde gerne sicherstellen, dass meine Kinder noch in einer halbwegs bewohnbaren Welt aufwachsen und alt werden, wie schreibe ich das ins Programm? Außerdem haben die Grünen in Norwegen jetzt eine heiße Debatte laufen, ob man stärker darauf hinweisen sollte, dass man KEINE Eine-Sache-Partei ist, sondern tatsächlich zu allen Bereichen eine Meinung und Vorschläge hat. Da ist „Rettet die Wale“ vielleicht nicht so der hippeste Spruch. Dass wir die Wale retten wollen (und alles andere auch, vor allem die Menschen, sogar noch vor den Walen) weiß man ja eh, aber niemandem ist klar, dass wir eine Bildungspolitik haben, oder Gesundheitspolitik. (Aber Wale! Hach!)

– Ich wünsche mir einen neuen Bogen, würde gerne einen aus Carbon ausprobieren, oder eher mehrere, aber auch das Projekt zünde ich demnächst einfach an, weil es einfach in Norwegen niemanden gibt der a) mehrere (so 2-3) Modelle von mehreren (2, VIELLEICHT 3)namhaften Marken hat und nicht verlangt, dass alle Waren nur unbenutzt zurückgegeben werden können. Ich kaufe doch auch kein Auto nach Internet-Bewertungen und weil das beim Händler auf dem Hof aus 10 m Entfernung hübsch aussah.

– Michel ist die zweite Nacht in Folge allein eingeschlafen. Nach Ewigkeiten erst, aber allein. Yeah, I guess? (Traue dem Braten noch nicht so recht.)

Tag 2343 – Pipi, Hunger, Durst…

… kalt, müde.

Und Laune. Wahrscheinlich eine Mischung aus müde, sozial müde (war heute wieder im Büro, inklusive Zugfahrt und allem Tralala) und Zyklus. Keine Ahnung, wie ich das vor der Pandemie gemacht habe, so früh aufzustehen und ständig unter Leuten zu sein und dabei nur gelegentlich Mordphantasien zu haben.

Momentan geht das Pendeln dann auch auf meine Arbeitsleistung, mal gucken wie sich das entwickelt.

Insgesamt heute einfach unzufrieden.

Tag 2341 – Der neue Alltag.

Ich glaube noch nicht so recht dran, dass es jetzt so bleibt, aber montags fahre ich wohl nun ins Büro. Herr Rabe auch, was bedeutet, dass einer von uns sehr früh fährt. Im Büro suche ich mir einen Platz in Base 6B, das war bisher zwei mal der gleiche und „zufällig“ der Platz, an dem ich vorher auch saß, nur eine Etage höher. Überhaupt sitzen irgendwie alle „zufällig“ genau da, wo sie vorher auch saßen, nur eine Etage höher. Angekommen, streite ich ein wenig mit der Technik, oder auch ein wenig mehr, so wie heute. Dann habe ich den Tag über ein paar geplante und viele spontane Meetings und leiste IT-Hilfe, wo ich kann, weil alle mit der Technik streiten. Dann ist der Arbeitstag irgendwann vorbei und ich schlafe sozial gerädert im Zug ein, nachdem ich mich ausgiebig innerlich darüber geärgert habe, das es kein Einheitsparfum gibt, sondern alle meinen, sie müssen irgendwie individuell riechen und, besonders wichtig, auch stärker als die anderen. Gegeneinander anstinken in Reinkultur. Aber wahrscheinlich liegt das, dass ich mich ärgere, nur an einer zu dem Zeitpunkt bereits abgebrannten sozialen Lunte.

Zu Hause angekommen reicht der Tag grad noch so für Essen und Kinder ins Bett bringen und danach Geige ODER Sport, momentan gewinnt zu 95% die Geige (außer dienstags). Da so spät, in der Küche und mit Mute, weshalb ich manche Dinge nicht so gut üben kann, einfach weil ich nicht so gut höre, was ich treibe. Als neues Projekt habe ich mir jetzt vorgenommen, ein paar dieser Student-Concertos, an denen ich so herumübe (Seitz Op.15, Riedel Op.21 und Accolay a-Moll) nach und nach auch auswendig zu lernen. Ich hab mit dem Schwersten angefangen (Seitz), aber das übe ich auch schon am längsten und der erste Satz sitzt nach zwei Tagen mit dem Rücken zum Notenständer ganz ok. Ich erhoffe mir davon, freier spielen zu können, wenn ich nicht Hirnkapazität aufs Ablesen verschwenden muss. Vorteil an dieser Art üben: das geht gut auch mit Mute und sogar ohne Instrument, weil es in erster Linie drum geht, die Bewegungsabläufe zu trainieren und mit dem „gewünschten Ton“ zu verknüpfen. Nachteil: ewige Ohrwürmer.

Jedenfalls, ich schweife ab: danach ist eigentlich nur noch Bett angesagt. Wenig spannend, aber ich finde Zug fahren und schon wieder Leute in 3D sehen auch irgendwie schon spannend genug nach 2 Jahren Pandemie. Ich hab mir sogar noch ne Laugenstange gekauft, einfach weil ich’s konnte, weil ich ja in Oslo war, wo es eine Bäckereikette gibt, die allerlei „deutsches“ Gebäck verkauft, wie eben Laugenstangen oder Apfeltaschen. Wenn das nicht Spannung genug ist.

Tag 2340 – Gotta love norwegischen Spätwinter.

Gestern hatte ich ja schon über das tote Braun überall genölt. Heute muss ich mich mal kurz über einen weiteren echt doofen Nebeneffekt dieses Wetters beklagen: meine Haut und meine Schleimhaut sind eine einzige Problemzone, von Kopf bis Fuß. Pickel, trockene Stellen, juckende Füße, aufreißende Fingerknöchel, aufblühende Candida-Flecken, noch mehr Pickel, nachts trockener Hals, ständiges Nasenbluten wegen „Traumata“ wie „beim Gesicht waschen den Nasenflügel von außen berührt“, und hatte ich die Pickel erwähnt? Arrrgh. Dabei ist die Luftfeuchtigkeit gar nicht so niedrig, das Handy behauptet 84% draußen, die Wetterstation in der Küche sagt was von 40%. Ich will auch keine Luftbefeuchter im Haus haben, dazu habe ich viel zu viel Angst vor Schimmel (hatten wir mal in einer Wohnung, brauche ich nicht noch mal). Mehr als Wäsche im Wohnzimmer trocknen machen wir da nicht. Aber es ist ätzend hoch 10. Hoffentlich geht es bald wieder vorbei.

Immerhin konnte ich heute Abend durch sorgsame Vermeidung des echt schlimmen Nasenloches und dafür extra gründlichen Rachenabstrich (würgi!) eine nicht-blutige Schnelltest-Probe generieren und bin weiter Schnelltest-negativ. Ich stelle mir mein Immunsystem als bis an die Zähne bewaffnete, bullige Gladiatoren vor, die die Coronaviren durch bloße Präsenz schon in die Flucht schlagen. Hurr hurr hurr.

Positiver Nebeneffekt des späten Frühlings: es war heute noch nicht zu spät, den Apfelbaum und den Holunder zu beschneiden. Hier kann man das gut „vor Ostern“ machen, wie ein Gartenblog schrieb. Beides wurde recht brutal beschnitten, vor allem der Holunder, der erst mal nach oben wachsen soll und nicht so sehr in die Breite, letztes Jahr hingen die Zweige mit den schweren Fruchtdolden bis auf den Boden.

Und jetzt noch ein Hieb aus dem schleimhautbefeuchtenden Nasenspray mit Hyaluronsäure und dann Licht aus. Morgen muss ich wieder unter Leute, gruselig, bin dazu noch gar nicht wieder bereit.