Tag 817 – Pfannkuchenrezept mit etwas genaueren ungefähren Mengenangaben.

Es begab sich aber zu der Zeit:

(Also erstmal: das war das erste mal, dass ich Herrn Rabe einen Link von mir selbst geschickt hab, das mache ich nicht regelmäßig oder so. Aber das tut auch nichts zur Sache, eigentlich.)

Weil die Kinder dann auch noch das ins-Bett-gehen mit dem Angucken alter Fotobücher verzögerten, unter anderem unserem Hochzeitsbuch, und ich plötzlich schreckliche Oma-Vermissung hatte, hier also nochmal das Rezept für mein All-Time-Absolutes-Unsterbliches-Lieblingsessen: Pfannkuchen wie bei Oma.

Man nehme pro mitessender Person ein Ei und verquirle es mit einem knappen Esslöffel Zucker (p.P.) und einer Prise Salz. Dann gebe man Mehl und Milch abwechselnd hinzu, immer so viel Mehl, dass es ziemlich zäh wird, dann so viel Milch, dass es wieder dünnflüssig ist. Insgesamt wandern so pro Person ca. (!) 300 mL Milch und ca. (!) 250 g Mehl in den Teig. Irgendwann noch zu dem Mehl einen sehr knappen halben Teelöffel Backpulver pro Person dazumogeln (für vier Personen nehme ich einen gehäuften). Die Konsistenz und die Menge des Teigs entscheiden letztlich die Mehl- und Milchmenge: wir wollen einen mitteldicken Teig, der sich gut gießen lässt und in der Pfanne auch schön breitläuft, aber keine Suppe, wie bei Crêpe-Teig. Mit den Mengenangaben oben bekomme ich drei Pfannkuchen pro Person heraus, wobei die Kinderpfannkuchen kleiner sind. Das ganze lasse man jetzt ein wenig stehen, ungefähr so lange wie es dauert, pro Apfelessender Person eineinhalb normal große, säuerliche Äpfel zu schälen und zu entkernen und den ersten schon mal in ca. (!) 2 mm dicke Scheiben zu schneiden. Dann die Konsistenz des Teiges noch mal überprüfen, es kann sein, dass er durch das gequollene Mehl etwas dicker geworden ist, dann noch einen Schluck Milch dazugeben.

Jetzt werden die Pfannkuchen in (wirklich!) reichlich heißem Öl (neutrales Speiseöl, irgendeins) ausgebacken. Dazu eine Suppenkelle Teig in die Pfanne geben, Apfelscheiben drauf verteilen (pro Pfannkuchen ca. einen halben Apfel), nochmal etwas Teig zum Apfel fixieren darüber geben (nicht komplett, eher so wie ein Netz oder Schlangenlinien, hmm, jetzt wäre ein Bild nicht schlecht, ne?) und solange backen, bis der Rand braun wird. Dann mit Schwung umdrehen und aufpassen, dass die Apfelscheiben dranbleiben und man keine Fettspritzer abbekommt. Das ist die Kunst daran.

Mit Zimtzucker servieren. Und an meine Oma denken, die für die ganze Familie in zwei Pfannen gleichzeitig buk und nie die Äpfel vorher schnitt, sondern direkt über den Pfannen blitzschnell Scheiben runterschnibbelte.

Tag 0815 – A. is the nicest guy ever.

Also, he is incredibly smart AND handsome. Welcome, Mr. Computerinder!

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Mein Kollege hat meinen Blog gefunden. Tjanun*, ich hab es ja nicht aktiv verheimlicht, aber ich bin tatsächlich ein bisschen nervös, dass das jetzt hier Kreise zieht und demnächst mein Chef** besser weiß als mir lieb ist, wie wenig ich mit der norwegischen Art, Konflikte zu hantieren*** zurechtkomme. Aber egal, mich hemmt das ja nicht (muhahaha).

Leider ist ansonsten heut wenig passiert. Ich saß laaaaaaange am Mikroskop, ich habe ein (in Worten: ein) Stress granules gesehen, ich habe auch herbes Photobleaching gesehen (und die Pi-Elektronen sind schuld, wie an allem) und konnte deshalb nicht gerade schöne 3D-Bilder von dem Stress granule machen. Zwei Bewerbungen geschrieben, eine davon ohne zu wissen, worauf genau, weil außer der Überschrift und dem Standort keine Information abrufbar war. TJANUN. Daten ausgewertet und Unterschiede gesehen. Hurra! Wir mögen Unterschiede. Unterschiede lassen sich viel besser diskutieren, als keine Unterschiede.

Sonst war nix. Aber hier ein „Video“ von meinen schnaufi-schnarch-fiependen Kindern. Ich geh tot, so niedlich sind die. Wenn sie schlafen.

Fehler
Dieses Video existiert nicht

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* Was macht Google Translate eigentlich aus Tjanun? Hmm?

** Who, by the way, is the best supervisor ever. Of course. Very supportive.

*** Ich überlege grade: das sagt man auf deutsch nicht so, oder? Oje, was ist nur aus mir geworden.

Tag 814 – Grumpy Pumpkin.

Halloween mag ich nicht. So, jetzt ist’s raus. Hier waren diesmal auch zum ersten mal überhaupt Kinder. Zwei. Von denen ich eins sah. Und so ganz schienen sie das Konzept nicht verstanden zu haben, denn das ganze lief ca. so ab:

*ring*

Ich, in den Hörer: „Hallo?“

Kinderstimme: „Hallo?“

Ich: „…“

Kinderstimme: „Äh, können wir rein?“

Ich: „Ihr müsst schon erst was sagen.“

Kinderstimme: „Äh, wir wollen rein um Süßigkeiten zu kriegen?“

Ich, nach kurzem Lachanfall: „Na, dann kommt mal hoch.“

Ja, und wie gesagt: gesehen hab ich dann von zwei Kindern nur eins (ca. 8 oder 9 Jahre alt, also auch kein schüchternes Kleinkind), das hatte seine Hexen-Gummimaske in der Hand (vermutlich ist die halt schwitzig-eklig innendrin, Augen auf und Hirn an beim Kostümkauf, würde ich da sagen) und war schneller wieder weg, als ich gucken konnte.

Laaaaangweilig!

(Außerdem vermisse ich ECHT RICHTIG DOLL Laterne-singen. Dafür würde ich sogar basteln. Und dass Michel heute einen Heulanfall bekam, weil ich ihm keine Fledermausflügel genäht hab (hahaha, wann denn? Ich hab noch nicht mal schwarzen Stoff!), macht’s auch nicht grad besser.)

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(Ganz kurzes Karri-Update: heute hab ich das Haus verlassen und es war wohl etwas übermütig, dass ich noch einen Espresso auswärts getrunken hab, jedenfalls brüllte Pippi ziemlich als ich zurückkam und wollte danach am liebsten in mich reinkriechen. Hmmhmmhmm. Donnerstag geht’s weiter, dann aber mit Herrn Rabe – ich werde mal wieder am Mikroskop sitzen.)

Tag 813 – Sichelzellanämie ist es auch nicht.

Heute waren drei Dinge:

  • Kackwetter
  • Kinderarzttermin
  • Start der Pippi-Karri-Gewöhnung

Bis auf das Wetter lief alles super, also das Wetter war auch echt grandios im Kacke sein und ich bin jetzt um die Erkenntnis reicher, dass der heutige ColourPop-Lippenstift (Bichette Matte Lippie Stix) zwar Essen, Trinken und allgemein langes draufsein tadellos übersteht, aber bei eiskaltem Wasser (ok, es war eher so Eisstrahlen) blättert der einfach ab. Vielleicht lässt sich das ja zum Abschminken nutzen.

Jedenfalls ließ ich nach dem Weg zur Arbeit für die weiteren Wege des Tages dann doch lieber das Fahrrad stehen, auf dem einen Weg musste ich schon drei mal anhalten und warten, bis meine Augen, in die es die ganze Zeit quasi reinhagelte, aufgehört hatten zu tränen. Dann fing es noch an zu schneien, alles war voller Schneematsch, ich hab noch keine Spikes aufgezogen und muss dringend meine Bremsen nachziehen, die funktionieren nämlich bei kalt und nass nur mäßig und überhaupt war wirklich Fahrrad-feindseliges Wetter. Also nahm ich den Bus von der Arbeit nach Hause, dann das Auto (nachdem ich den Reboarder eingebaut und die Bezüge wieder aufgezogen hatte…) von zu Hause zum Kindergarten, sammelte Pippi ein, fuhr mit ihr zum Kinderarzt, legte mich fast auf die Fresse, weil der Lehmboden am abschüssigen Parkplatz so nass und glibschig war, kam mit Pippi um 12:59 in die Kinderarztpraxis und schaffte es nicht mal, meine Schuhe auszuziehen*, da wurden wir schon aufgerufen.

Dann der Arzttermin. Also, Herr Prof. Dr. Stein Dingenskirchen, der war sehr nett. Er erinnerte mich sehr an meinen alten Frauenarzt. Erstens war er alt. Richtig alt. Die Hände schon voll Altersflecken-alt. Und dabei ein gutmütiger, etwas behäbiger Opa. Er machte sich handschriftlich Notizen zu allem möglichen (Ich kam mir vor wie beim Heilpraktiker, so lange und ausführliche Anamnesegespräche hab ich bisher selten erlebt), während Pippi vor sich hin spielte. Er fragte wirklich alles ab, von ihrem Geburtsgewicht zu ihrem aktuellen Gewicht, wie lange ich gestillt habe, wie lange voll, was und wie viel sie so isst, ob es ihr im Kindergarten gefällt und so weiter. Dann fragte er erst nach dem mysteriösen Fieber. Und zum ersten Mal sagte mein Gegenüber nicht „also ca. einmal im Monat?“ als ich sagte, dass sie alle drei Wochen Fieber bekommt, wie ein Uhrwerk. Er fragte dann noch ein paar Sachen, hörte Pippi ab, guckte in ihren Hals, fühlte an ihrem Bauch, bewunderte ihr Pflaster an der Hand**, tastete alle möglichen Lymphknoten ab, kitzelte sie hinterm Ohr und dann durfte Pippi wieder spielen während ich erklärt bekam, was er für die wahrscheinlichste Erklärung hält. Und das ging so: „Also, erstmal um dich zu beruhigen: das ist keine Leukämie und auch kein Rheuma. Bei Erwachsenen würde man das bei solchen Symptomen vermuten und deshalb wollte Euch wohl auch die Hausärztin herschicken. Es könnte noch Sichelzellanämie sein, aber das wüsstest du sicher, wenn das in eurer Familie vorkäme. Bei so kleinen Kindern und nachdem das andere ausgeschlossen ist, gibt es noch etwas, das Periodisches Fiebersyndrom heißt. Da schreibe ich mal hier einen Artikel*** auf, da ist das sehr gut beschrieben. Im Grunde ist es genau das: alle drei bis vier Wochen Fieber für ein paar Tage, ohne weitere Symptome. Manchmal geht damit eine Schwellung der Lymphknoten**** oder eine Mandelentzündung einher. Das ist nicht schlimm und geht von selbst wieder weg, man kann auch mit einem Hals-Nasen-Ohrenarzt mal überlegen, ob die Mandeln entfernt werden sollten, wenn es zu häufige oder zu lange Episoden werden.“ Dann fragte er noch, ob ich noch Fragen hätte (nein, also ja, aber nein, ich muss das erstmal verdauen) und füllte mir einen Antrag auf Erweiterung der (bezahlten) Kindkrank-Tage aus, damit wir nicht jedes Mal einzeln zum Arzt rennen müssen. Und dann wars auch schon vorbei, 45 Minuten waren wir „behandelt“ worden, Pippi sagte ganz bezaubernd Tschüss zu allen Spielzeugen, die in der Praxis wohnen und ich fuhr sie zurück zum Kindergarten. Ohne Kind auf dem Schoß arbeitet es sich einfach besser, vor allem im Labor. Auch wenn es dann nur noch ne Stunde war, bis ich wieder losmusste um Karri zu treffen.

Um exakt 15:45 parkte ich vor unserer Haustür, wo auch schon Karri stand (aber noch nicht lange, puh) und wir gingen – immernoch durch den Schneeregen – zum Kindergarten. Michel wollte unbedingt zu seinem besten Freund, weil da heute „ein Kürbis gemacht wurde“, whatever, ich fand eine Solo-Gewöhnung von Pippi für den ersten Tag auch gar nicht schlecht, also sagte ich ja. Ich stellte Karri den verbliebenen Kindergärtner*Innen vor und erklärte ihr das nötige. Und dann rollten wir gemeinsam das Kind im triefenden Fahrradanhänger nach Hause. Da kam ich mir dann kurzzeitig sehr Gutsherrinnenmäßig vor, weil ja Liv heute da gewesen war und alles blitzte und blinkte und ich komme mit meiner Nanny zur Tür rein… Naja. Pippi war überraschend fröhlich, ließ sich von Karri direkt ein Brot schmieren und wollte dann unbedingt Peppa Wutz gucken (etwas peinlich für die Mama, das Fernsehsüchtige Kind…). Aber sie darf ja eine Folge gucken und Karri bekam dann auch gleich einen astreinen Wutanfall mit, als die Folge vorbei war und ich ausschaltete. Ganz reale Bedingungen also. Während der Folge hatte ich Karri weitere nötige Dinge gezeigt (Klo, Windeln, Kleidung, Essen…) und ihr alle unsere Nummern gegeben und meinen Plan erläutert, nämlich zwar hier zu sein, aber eben Kram zu machen, auf den Dachboden zu gehen und so weiter. Und das machte ich dann auch, fast gar nicht nervös, und als ich vom Dachboden wiederkam, die Hände voller Kinderstiefel, hörte ich Pippi fröhlich quietschen. Pippi und Karri bauten Lego, das Kunstwerk würde mir stolz präsentiert und dann rödelte ich weiter. Einmal rief Pippi im Wohnzimmer „Mama?“ und ich rief aus dem Schlafzimmer „Ich bin hier!“ und das war‘s. Für einen ersten Tag mit meinem bisher eher klammerigen Kind bombastisch gut. Vielleicht hat sie ja endlich verstanden, dass wir sie nicht bei Kinderessern lassen würden.

So kann’s gern morgen weiter gehen. Also, minus den Arzt, dafür mehr Arbeit.

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*Nein, das macht man in Norwegen nicht in jeder Arztpraxis so, aber da stand ein Schild, man solle das doch tun, weil Babys herumkriechen. Und innerhalb der Praxis ist handyfreie Zone.

**glorreicher Moment der Mutterschaft gestern: am Herd herumwurschteln und vergessen, das kleine, sehr scharfe Gemüsemesser außer Reichweite von Pippi zu legen. So schnell wird sie wohl kein Messer mehr anpacken.

*** einen richtigen, Wissenschaftlichen Journal-Artikel. Hachz!

**** zum Abschluss zeigte er mir noch, wie man die Lymphknoten am Hals und im Nacken abtastet, damit ich überprüfen kann, ob die bei den Fieberepisoden anschwellen. Hachz!

Tag 812 – Auf in den Endspurt.

Diese Aktion von gestern ist… whoahhh! Was für ein toller Ort das Internet ist, mit was für tollen Menschen darin. Ich bin komplett beseelt und wie auf Wolken und weiß gar nicht, wie ich mich jemals angemessen dafür bedanken soll. Sie alle sind ganz wunderbare Menschen! So viel Unterstützung und gute Gedanken und einfach Anteilnahme an unserem Leben hier… Ich wünschte, jedem Mensch würde so etwas zuteil werden.

Die Erfahrung, nicht ganz allein und verloren hier zu stehen und an allen Fronten zu kämpfen, hat jedenfalls dazu geführt, dass ich grad alles für machbar halte. Für gut machbar sogar. Es ist nicht mehr so lang, und das meiste Praktische ist getan, es fehlt nur noch Mikroskopie, eventuell Auswertung der Bilder (also zum Beispiel Bubbles in Zellen zählen, damit man dann hinterher so Zeug schreiben kann wie „Das eine Protein ist in der einen Zelle in x % der Bubbles, wenn man aber ein anderes Protein ausknockt, ist es nur noch in z %.“, ich veranschlage für die Auswertung, wenn mein Chef die will, einen Tag), Auswertung der Western Blots (per Scannersoftware bestimmen, wie dick die Banden für die 5 Proteine in meinen 8 Zelltypen sind, das dauert ca. ne Stunde) und von einem Experiment muss ich die Daten noch in einem anderen Programm statistisch auswerten und dann so darstellen, wie ich das vor Monaten schon mal gemacht hab. Leider hab ich keine Lizenz für das Programm und muss deshalb dafür an den Rechner meiner Kollegin, die aber ab Donnerstag eh einen Monat in Afrika weilt. Und dann muss ich das nur noch in ein Paper schreiben. Das ist alles total gut machbar.

Da ist es tatsächlich auch gar nicht so ein riesiges Drama, dass Pippi morgen um 13 Uhr einen Termin beim Kinderarzt* hat, Herr Rabe mit einer Konferenz sehr busy ist (er organisiert die Teilnahme und die Standpräsenz seiner Firma auf der Konferenz) und ich deshalb vermutlich morgen eher gestückelt und eventuell auch mit Kind auf dem Schoß arbeiten werde. Es wird schon klappen. Es ist nicht mehr viel.

Und ab morgen dann ja auch Pippi-Karri-Gewöhnung, wir werden das alle schon schaukeln.

Es tut sehr gut, mal wieder etwas zuversichtlicher zu sein.

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*der lang ersehnte Termin, damit auch ein Spezialist mal drauf schaut, wieso dieses Kind so oft krank ist. In Norwegen macht man Termine ja auch nicht selbst aus, sondern bekommt einen nach Überweisung durch den Hausarzt zugeteilt. Den kann man zwar verschieben, aber wer weiß, wann sie den nächsten hätten? Wir nehmen da, was wir kriegen können.

Tag 811 – Von Freundschaft.

Hier stand eben ein fast 800 Wörter langer Text über meine beste Freundin und mich. Und dann hab ich das alles wieder gelöscht.

Freundschaft hat viele Gesichter. Manche brauchen regelmäßige Treffen.. Mit manchen ist es, egal wie lange man sich nicht gesehen oder gesprochen hat, immer sofort wieder wie früher. Manche machen ab und zu mal piep. Manche kann man nachts um drei anrufen. Mit manchen macht man das auch. Manchen verzeiht man alles. Manche sind wie eine wilde Romanze und fangen stürmisch an und blasen sich dann sehr schnell müde. Manche gehen kaputt. Manche dramatisch. Manche schlafen ein. Machen heult man noch lange nach. An manche kann man sich kaum noch erinnern.

Und dann gibt es solche, die man eigentlich kaum kennt, zum Großteil noch nie gesehen hat und die einen selbst auch nur vom täglichen Geschreibsel kennen und die sehen: da geht es wem sehr schlecht. Eine Umarmung per Internet verschicken wird schwer, aber ein bisschen Geld, um ein bisschen Druck aus der Lage zu nehmen*, das kann man zusammen sammeln. Und dann leiern die das an**, einfach so. Und die Person mit dem Geschreibsel ist total überwältigt und ihr fällt nichts ein, als

Danke
.***
Sie machen das hier grade sehr viel erträglicher. Sie sind echte Freunde. 

(Wer wissen will, von wem ich genau rede:

Mademoiselle ReadOn
Drehumdiebolzeningenieurin
Herrpaul_
Übrigens auch allesamt sehr empfehlenswerte Blogs!)

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*Marry Poppins wird aller Voraussicht nach Karri heißen.  Fragen Sie nicht, wie ich das organisiert hab und woher ich die Kraft genommen hab, ich weiß es grad auch nicht mehr. Und Marry Poppins ist übrigens einer meiner Lieblingsfilme, ich kann den komplett mitsingen und -sprechen und -tanzen und ich fand die Mutter, die eine Nanny braucht, weil sie selbst mit den Sufragetten für das Frauenwahlrechtkämpft, auch immer schon super.

**Aus rechtlichen Gründen steht da mein Vorname. Ja, ich finde den auch sehr schön. Der bleibt aber trotzdem unter uns, ja?

***Das müsste da eigentlich in blinkend mit rosa Herzchen drumrumfliegend stehen. Aber dafür reichen meine HTML-Kenntnisse nicht aus.

Tag 807 – Back to business.

42 mal poly(A)-RNA isoliert. Zum letzten Mal.

Eine Bewerbung geschrieben. Immerhin, nachdem ich heute morgen so müde war, dass ich die Augen kaum aufbekam, finde ich das eine Leistung.

Elterngespräch im Kindergarten. War. Ich war sehr müde und sehr gestresst und sehr dankbar, dass einer der männlichen Betreuer das Gespräch mit mir hatte. Das hat nämlich nur halb so lange gedauert, wie die zwei anderen Elterngespräche, die wir bisher da mit Frauen hatten. Kann aber genauso gut auch an meiner Wortkargheit gelegen haben. Fazit jedenfalls: Kinder sind super, ein paar Minibaustellen gibt es schon (unter anderem findet der Kindergarten, dass Pippi undeutlich spricht), aber nix, was ich dramatisch finde.

Jede Menge alte Proben, die niemand mehr braucht aufgeräumt. Aufgeräumt = weggeworfen. Ich finde das ja sehr befreiend. Auch ein paar -80er-Leichen gefunden, zum Beispiel eine ganze Box voll aufgereinigtem Bitch-Protein, mit Mutationen, ohne Mutationen, hinten trunkiert, vorne trunkiert, mit His-Tag, ohne His-Tag, Maus und Human. 

Schönen Nachmittag mit Pippi allein gehabt. Dabei ist mir aufgefallen, wie „groß“ die geworden ist. Auch ihr Gesicht hat sich verändert. Übers Wochenende, quasi (und nein, das liegt nicht nur dran, dass die Bläschenkrusten kamen und jetzt langsam wieder abklingen). Vermutlich erklärt das, wieso sie im Moment gerne mal rumpelstilzt. Nachts. 

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Pippi: „Laser Puppen?“

Ich: „?“

Pippi: „Laser Puzzeln?“

Ich: „Laser…?“

Pippi: „Mama Pippi Laser puzzeln? *zeigt auf Schnoddernase*“

Ich: „Ahh, du willst Nase putzen?“

Pippi: „Ja.“

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Über dem ganzen Hand-Mund-Fuß-Mist ist mir entgangen, dass bei Pippi eine Ecke des 5. Backenzahns durchgebrochen ist.

Viel über Freundschaft nachgedacht. Muss ich mal zu bloggen. Aber dazu jetzt zu müde.

Tag 806 – Puh.

Seltsamer Tag. Ging damit los, dass Michel ein dickes Auge hatte, das sehr ähnlich aussah, wie das, was ich in Bergen hatte. Also Vereinbarkeitsspagat mit Einbindung des Besuchs, der nach dem Arzt- und Apothekenbesuch Michel dahin brachte, wo der Kindergarten auf Ausflug war. Herr Rabe brachte Pippi mitsamt ihrer Hand-Mund-Fuß-Krusten in den Kindergarten, während wir beim Arzt waren. Dann Arbeitarbeitarbeit, zum letzten Mal Zellen mit krebserregendem Zeug behandelt, zum letzten Mal Zellen fixiert. Die Fischleute angerufen und… eine Abfuhr kassiert. “Es liegt nicht an Dir, es hatte nur jemand anders einen stärkeren Hintergrund.” Joa. Geatmet, nicht geheult, geatmet, zum letzten Mal RNA isoliert. Aus 42 Proben, für die ich versehentlich die DNAse für 50 Proben verbrauchte, so ganz konzentriert war ich also wohl nicht. 

Dann super gute Nachrichten von Frau Brüllen. Hurra! 

Während der RNA-Isoliererei schleichende Erkenntnis: Ich bin irgendwie erleichtert, dass das mit den Fischleuten nicht geklappt hat. Vermutlich hätte ich mich tatsächlich nach ein paar Jährchen da gelangweilt. Und dann wäre ich in einem Job, von dem aus ein Wechsel auch recht schwierig wäre. Insofern: kein Mitleid nötig, es ist ok. Was nicht so schön ist, ist dass ich jetzt wieder voll drinstecke in der Zukunftsangst. Aber es ist auch da ein Entschluss gereift: Wenn mich Norwegen ganz offensichtlich nicht will (ich meine, mehr als mich auf alle in Frage kommenden Stellen bewerben kann ich halt auch nicht machen), weite ich mein mögliches Gebiet ab sofort aus. Ja, auf Deutschland und die Schweiz. Ich hab auch schon von Freundinnen Stellenanzeigen geschickt bekommen, das gehe ich morgen alles mal an. Nachdem ich zum letzten Mal poly(A)-RNA angereichert habe.

Dann nach Hause, lecker gegessen, unlecker Pippi ins Bett gebracht. Brüllpippi muss derzeit mal wieder Terror machen, bevor sie dann einschlafen kann – um nach zwei Stunden wieder loszubrüllen. So schön.

Simpsons geguckt, mit Besuch und Smash und Chips, dabei Fingernägel mal wieder überaus scheiße lackiert. 

Jetzt Bett und nicht grübeln. Bekymring ist nicht. 

Tag 804 – Das Alter.

Manche werden im Alter grau, manche kahl, dick oder faltig. Ich werde gefühlt nur immer müder.

Was heut gut war: Pippi hat kein Fieber mehr, nur Bläschen en Masse um den Mund, das scheint sie aber zumindest tagsüber nicht sehr zu belasten. Wir haben Besuch bekommen, der bis Die stag bleiben wird. Wir haben Michels Pupsspiel* ausprobiert u d eine Menge (infantilen) Spaß gehabt. Ich habe den blöden Versuch ganz smooth fertig gemacht und bin damit fertig im Zelllabor, Hurra.

Trotzdem: so müde, dass mir grad das Handy aus der Hand fiel.

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*ein Spiel mit einer Art elektrischem Pups-Generator. Mann muss Karten ablegen und dem Wert entsprechend auf das Dings drücken. Irgendwann pupst es, derjenige hat dann verloren. Das Spiel macht echt sehr viel Spaß!