Tag 1412 – Husch, husch ins Bettchen.

Huff, mit Glück werden es noch sechs Stunden Schlaf, das ist ja leider bei mir das Minimum, bei dem ich noch funktioniere.

Warum so spät? Nun, ich machte einen laaaaangen Spaziergang, bei dem ich nicht weit kam, weil ich dauernd unterwegs irgendwas einsammeln und bekämpfen musste. Seit gestern spiele ich Harry Potter Wizards Unite und seit heute weiß ich, dass wir dafür strategisch ungünstig wohnen, denn die nächsten Inns, bei denen man seine Spell Energy aufladen kann, sind im Ort, knapp 2 km zu laufen, 2 km sind aber auch die Strecke, auf der man die ganze Spell Energy verbraten kann, wenn man will, das ist also nur so mittel cool. Alternativ kann man sich natürlich Spielgeld kaufen, mit dem man dann die Spell Energy auffüllen kann, aber In-App-Käufe mache ich aus Prinzip nicht. Dann sollen sie die App an sich was kosten lassen, da wäre ich sofort dabei, aber konstant gemolken werden, nee Danke. Insofern: mal schauen wie der Elan sich da so entwickelt. Mich stört auch, dass man die selben Dinge immer und immer wieder befreit, die sind nicht so schlau da, die Beamten im Ministry of Magic, scheint mir, wenn man die fünf mal in 20 Minuten befreien muss. Im Zusammenhang mit dem Plot (Dinge, Menschen, Tiere sind von dunklen Mächten gestohlen worden und man muss sie befreien, damit sie zurück zu ihrem Bestimmungsort können und nicht von Muggeln gefunden werden) ist das auch alles nicht logisch, damit kann ich schlecht umgehen.

Jedenfalls musste ich nach dem Spaziergang ja noch das normale Pensum machen, bügeln, die aufgeschobene Arbeit erledigen, kochen, mit Michel kuscheln und ihm die Fingernägel lackieren. Das wollte er haben, weil er seinem Freund beweisen will, dass das nämlich überhaupt gar nicht ne Mädchensache ist. Weil es keine Mädchensachen gibt. Sagt er. Und ich hoffe, der Plan geht auf, aber ich fürchte übles. Dass im Kindergarten mal ein Kind zu ihm gesagt hat, dass er ein Mädchen ist, wenn er Nagellack hat, hat ihn ziemlich mitgenommen, das erzählte er heute wieder mit Wuttränen in den Augen, dabei ist das gut zwei Jahre her. Jedenfalls sagte Michel, dass er das morgen allen zeigen wird und wenn wer zu ihm Mädchen sagt, dann…! (Wir haben gesagt, er soll das dann einfach ignorieren, er weiß es ja eh besser.) Aber dass seine Lieblingsfarbe pink ist, das verrät er lieber doch keinem. (Pink wie Essie Watermelon und das T-Shirt des Babysitters am Donnerstag. Nicht meine Lieblingsfarbe, aber schön knallig und einfach eine schöne Farbe.)

Ach, der kleine große Zwerg.

Tag 1411 – Wie lief es denn nun?

Die Kinder haben gestern beim Babysitter übernachtet. Das hatte die Mama des Babysitters angeboten, dass die Kinder gern auch mal bei ihnen schlafen könnten, in den Ferien zum Beispiel. Dann kamen wir mit dem gestrigen Tag um die Ecke, aber die Mama des Babysitters musste bis spät abends arbeiten und hätte dementsprechend nicht als Taxi zur Verfügung gestanden, also wurde aus „Babysitter bringt Kinder ins Bett“ „Kinder bleiben gleich ganz da“. Uiiii, wie aufregend!

Das war es wirklich und unter Herrn Rabes missbilligendem Blick schrieb ich vom Restaurant aus, in dem wir zu Abend aßen, eine SMS, wie es denn so liefe, weil wir bis dahin gar nichts gehört hatten. Gut, schrieb der Babysitter, er habe Pippi grad hingelegt. (Hingelegt??? Meine Kinder legt man nicht hin, die bleiben dann ja da niemals, die brauchen ja Körperkontakt und all das beim Einschlafen.) Sie schliefe jetzt. (Öhhhh. Ok.) Er und Michel spielten Super Mario. (Hurra, jemand anders bringt Michel das bei, ich hab doch keine Geduld dafür und eindeutig zu gute Gameboy-Skills, das frustriert alle Seiten nur.)

Ein wenig später dann „Ich habe jetzt auch Michel ins Bett gelegt und sie schlafen beide!“

Well, Hurra, I guess. Die Kinder sind da recht gut eingeschlafen, haben fast durchgeschlafen und mussten heute morgen geweckt werden. Alle Beteiligten sind einig, dass sie das nochmal machen können. Ich hab die Kinder ein bisschen vermisst und war nachts mehrmals wach, weil irgendwas komisch war (keine Kinder da halt!) aber es war auch einfach unfassbar toll, eine Nacht lang nur wir zu sein, ein bisschen wie früher, nur älter. Seit wir Kinder haben, haben wir genau zwei Nächte zu zweit gehabt: im August 2013, da haben Freunde von uns in Wien geheiratet und Michel war bei seiner Oma. Michel war ein unkompliziertes Baby, mit Pippi wäre das nie im Leben gegangen (die wurde in dem Alter ja noch fast voll gestillt). August 2013 ist fast sechs Jahre her. Das ist echt was, worum ich andere Paare oft beneide: Paarzeit. Über Nacht. Weil es nun mal was anderes ist, ob man ins Kino geht oder essen und dann kommt man wieder und nach ner Stunde im Bett kommen diverse Kinder angetapst und stapeln sich im Ehebett wie immer, oder ob man nach Hause kommt und da ist niemand, man ist nur Paar und niemand kommentiert den Geburtstags-Anzug am Morgen mit „Oh nein! Pulli abbefallt!“. (Generell denke ich ja oft, ein Stundenhotel für Eltern wär was, Auszeit light sozusagen, ein Ort zum Sie wissen schon und dann noch drei Stunden schlafen und wieder nach Hause. Ich sollte mir die Idee schützen lassen, bevor es wer anders umsetzt.) Aber die mangelnde Paarzeit ist hier halt ein Fakt, geschaffen durch Umzüge und noch zu kleine Pippi, die erst noch ins Übernachtungsbesuch-Alter kommen muss.

Bis dahin: Babysitterfamilie. Was für liebe Menschen, generell, auch ohne Geschäftsbeziehung. Ich bin so dankbar für das Angebot und so froh, dass alles geklappt hat und alle eine gute Zeit hatten. Da nehme ich auch gerne in Kauf, dass die Kinder heute so ein gaaaaanz wenig anhänglich waren. Sehr gerne – vermisst hab ich sie ja auch.

Tag 1406 – Swuuusch.

Die letzten zwei Wochen Probezeit sind angebrochen, wo ist denn das letzte halbe Jahr hin bitte? Wie wahrscheinlich bei allen ist bei uns auch vor den Ferien die Geschäftigkeit groß, alles muss noch Ferien-fertig werden. Hier noch ein paar Altlasten abschließen, da noch was wegarchivieren, diese Zulassung noch rausschicken und jenes Zertifikat. Die nächsten Tage werden einigermaßen vollgepfropft, dann noch Montag und Dienstag nächste Woche eine letzte Inspektion, Sommerfest, Kollegenabschied, dies, das und dann: Urlaub. Ein echter, verdienter Urlaub. Verdient aber unbezahlt aber Tjanun. Nächstes Jahr dann auch bezahlt. Dieses Jahr müssen halt die Überstunden dafür herhalten, das ist schon in Ordnung.

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Michel und ich waren heute bei den Zweitklässlereltern. Das war drei Leuten sehr unangenehm: Michel, mir und dem Vater, der die Tür öffnete. Seltsame Situation, mitten in Norwegen geht man nicht einfach zu Leuten und sagt „hallo, ich wollte mal mein Gesicht zeigen und hallo sagen und dass der Tankstellenausflug gar kein Problem gewesen wäre, wenn die Jungs uns Bescheid gesagt hätten“. Es stellte sich heraus, dass auch der Zweitklässler nicht bis zur Tankstelle darf. Hups.

Den Rückweg (auf dem Hinweg war Michel mit Nörgeln beschäftigt, dass er da nicht hin will und auf gar keinen Fall irgendwas sagen wird und das überhaupt total doof ist alles) haben wir dann genutzt um ein paar Begriffe zu klären, nämlich „peinlich“ und „unangenehm“. Wie putzig mein Kind ist, es weiß nicht, was das Wort „peinlich“ bedeutet. Und erklären sie das mal, das ist gar nicht so einfach. Ich habe ihm erklärt, dass die Situation grad für mich auch unangenehm war, weil ich die ja nicht kenne und nicht weiß, wie die reagieren, aber dass mir das nicht peinlich war. Es aber ok und verständlich ist, wenn ihm das peinlich war. Dann haben wir Regeln festgelegt, zusammen. Michel darf bis zur Unterführung und nicht weiter, ohne Bescheid zu sagen. Wenn wir ihn irgendwo vermuten, er aber für länger woanders hingeht (anderer Kumpel, Spielplatz, whatever), sagt er auch Bescheid. Nicht-Befolgung führt zu Suspendierung eben dieser Privilegien.

Puh. Jetzt muss ich nur noch für ein autofreies Eidsvoll von hier bis zur Unterführung sorgen, dann kann ich wieder ausatmen.

Tag 1405 – Wurm drin.

Unsere Familienkommunikation lässt grad ein wenig zu wünschen übrig. In alle Richtungen. Gestern dachte ich noch, dass man mit Michel inzwischen wirklich gut reden kann, weil wir eine echt gute Absprache zum Thema „Fernsehen in den Ferien“ getroffen haben. Ich sagte, wir müssen das absprechen, Michel machte Vorschläge, ich fand die dann zu streng (!!!) und wir einigten uns auf was in der Mitte. Heute machte Michel dann aber ordentlich Mist. Er spielte mit einem Jungen aus der 2. Klasse, erst brach der Hahn der Regentonne unter mysteriösen Umständen ab, was zunächst mit Tesa zu kaschieren versucht wurde, dann wurde versucht, Beweismittel* verschwinden zu lassen**. Das fanden wir aber alles erst raus, nachdem Michel, den wir bei eben jenem Zweitklässler zu Hause (drei Häuser weiter) vermuteten, aus der Gegenrichtung eintrudelte: sie waren an der Tankstelle*** gewesen, Süßigkeiten kaufen. Ich weiß nicht, ob die Zweitklässlereltern**** das wussten, wir jedenfalls nicht. Ich machte eine klare Ansage, die Michel schon geknickt hinnahm, Herr Rabe machte allerdings wenig später eine sehr viel wütendere Ansage***** und nun will Michel zwei Wochen lang kein Fernsehen gucken******.

Ach ja, Kinder. Sie werden so schnell groß und der Scheiß, den sie machen, auch. Ich tue mich ja schon schwer damit, ihn überhaupt so rumstreifen zu lassen, andererseits denke ich, das habe ich doch auch gemacht, dann wiederum war das auch in den 90ern, da hatte noch nicht jede Hausfrau nen fetten SUV, der das Kind einfach zermalmen würde. Ich möchte nicht herumhelikoptern, aber so einen kleinen Sender mit Mikrofon, ist das helikoptern? Ich will doch nur, dass es meinem Baby gut geht. Ich hab so schreckliche Angst vor bösen Leuten, die Kindern böses wollen, vor Autos und vor LKWs. Das sind alles meine Probleme, nicht seine, ich muss damit klarkommen und loslassen und all das, das weiß ich, aber es ist so schwer. Und sich nicht abmelden, wenn man zur Tankstelle fährt, macht es nicht leichter.

(Mein Baby! Mit seinem orangenen Fahrradhelm, der immer schief sitzt. Der Zahnlücke und allem. Draußen allein in der Welt. Wahhhh!)

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*der Hahn

**aufs Dach der Gartenhütte geworfen

***die ist an der Schule, zu der man ja laut Schule die Kinder auf gar keinen Fall vor der 5. Klasse allein mit dem Rad fahren lassen kann. 1,7 km. Quasi am anderen Ende der Welt.

****Die ich gar nicht kenne, da werde ich morgen mal vorbei gehen (mit Michel) und mich vorstellen und meine Telefonnummer da lassen, falls mein Kind in Gesellschaft des Zweitklässlers nochmal unauffindbar sein sollte

*****unabgesprochen mit mir, siehe Titel

******keine Ahnung wie er darauf kommt. Herr Rabes Ansage lautete auf „heute und morgen nicht“. Ich glaube, Michel hat eine Tendenz, sehr streng mit sich zu sein. Weiß ich ja auch nicht, woher er das hat (Ironie off).

Tag 1399 – Kinder zu verleihen.

Ich fühle mich ja immer echt schlecht, wenn ich das mache, aber heute Mittag ging mir Michel so auf den Senkel mit seiner zur Schau getragenen Langeweile, dass ich I. schrieb, ob Michel nicht B. besuchen könne, der ginge zu Hause die Wände hoch. Kein Problem, schrieb I., es ist eigentlich nie ein Problem außer sie sind nicht da oder krank, außerdem haben sie das riesige Haus und den noch viel riesigeren Garten umgeben von Äckern weil sie halt einen großen Bauernhof bewirtschaften. Das Haus ist jetzt im Sommer noch viel schöner als im Winter, am liebsten hätte ich mich gleich mit eingeladen, aber ich wollte ja auch nähen und so lieferte ich Michel ab und fuhr… tanken. „Nur“ 15,55 kr/L, zwei Kronen weniger als irgendwann letzte Woche, aber immer noch 2 Kronen mehr als ich zu bezahlen wünsche, also tankte ich nur halb voll.

Zu Hause nähte ich dann den Rock fertig, er hat jetzt ein Bündchen und einen Geradband-eingefassten Saum im Ex-Lieblingshosenstoff, sehr hübsch sieht das aus. Morgen besorge ich einen Reißverschluss und ein bis zwei Knöpfe. Zwischenfall: ich kam in den Rock zwar durch über den Kopf ziehen trotz zugenähter Reißverschluss-Öffnung rein, aber dann nicht wieder raus. Keine Ahnung, wie ich das geschafft habe, aber es war mir nicht möglich, meine Schultern wieder aus dem Ding rauszuwurschteln. Sehr seltsam. Am Ende musste ich, den Rock über den Brüsten hängend wie ein groteskes, trägerloses Zelttop, die Reißverschlussöffnung (die ja dann quasi direkt unter meinem Kinn war) ein Stück auftrennen um mich zu befreien.

Irgendwie ging so der Tag recht fix rum. Pippi ging zwischen hier und den Nachbarn ein und aus, die Nachbarn waren auch immer mal wieder hier, Herr Rabe kämpfte gegen den Löwenzahn und überhaupt kann man ja jetzt eigentlich jede Woche Rasen mähen. Alle zusammen fuhren wir dann Michel wieder abholen, bewunderten die Terrasse, Pippi durfte auch noch Trampolin hüpfen und Herr Rabe das Musikzimmer besichtigen. Sehr schön und sehr entspannt das alles. Michel war nach dem Besuch auch deutlich umgänglicher, Pippi leider nicht, die war danach eigentlich müde, sah das aber nicht ein. Sie musste auch noch baden, denn sie hat sich gestern so einen Kinder-Lippenpflegestift mit (ca.) Marshmallow-Einhornpups-Sugarcookie-Geruch in die Haare geschmiert. Dreimal haben wir seither ihre Haare gewaschen, es riecht nun nicht mehr ganz so streng aber die Haare sehen auch nach dem (mit dem Bad heute Abend) vierten Mal waschen und Spülung einfach total strähnig-fettig aus. Tjanun. Mir fällt dazu nix mehr ein, das muss nun die Zeit regeln. Jedenfalls war Pippi ins Bett bringen eher Kampf als Entspannung, aber es glückte dann doch noch und ich konnte noch Pizzaschnecken für das Sommerfest der Schule (der 1. Klassen) morgen backen. Wer denkt sich denn aus, dass man gemeinsam Picknicken soll, aber Grillen ist verboten? Die Info kam darüber hinaus am Freitag, man hatte also einen ganzen Dreiviertel Tag, sich irgendwas Picknickmäßiges als Grillalternative auszudenken. Mir kam die Idee dann auch erst heute, aber wir haben ja gewisse Dinge immer da: Mehl, Hefe, Zwiebeln, Knoblauch, gehackte Tomaten aus der Dose, dann war noch eine halbe Tüte Veggie-Hack da und eine kleine Dose Mais (von der ich den Rest löffelte und dabei an Twittermenschen dachte) und Käse muss man halt im Zweifel vom Stück runterhobeln, ist aber auch immer da. Morgen also Pizzaschnecken zum vermutlich unorganisierten Picknick. Schade, dass Bier auf solche Events mitbringen hier total verpönt ist.

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Über Twitter wurde mir ein Text von graslutscher.de angespült, der eine „Doku“ auseinandernimmt, die die ARD zum Thema Elektromobilität ausgestrahlt hat. [Disclaimer: ich habe die Doku nicht gesehen wegen des drecksver… Geoblockings.] Da sind eigentlich alle Argumente, die gegen E-Autos von so „besonders gut“ informierten Mitmenschen kommen, ganz gut aufgegriffen und dagegen argumentiert. Etwas länger zu lesen, aber wirklich ein guter Text zum Thema.

„Und jetzt das Schrillste: Selbst wenn es 100.000 km wären, die ein E-Auto fahren müsste, bis es klimafreundlicher ist als die Benzinversion, wäre das immer noch ein großer Schritt in die richtige Richtung, denn die Technik ist sehr robust: Es gibt bereits Teslas mit über 600.000 km Fahrleistung, im Durchschnitt verfügen die Batterien nach 300.000 km noch über 90 Prozent ihrer Leistung und nach 800.000 über 80 Prozent. Es wäre selbst mit diesen sehr pessimistischen Rechnung die deutlich klimaschonendere Technologie. Ich halte kurz mal fest:

  1. Deutsche Elektro-SUV sind ein kleines Nischenprodukt auf dem Markt, die Doku tut jedoch so, als seien sie die Regel

  2. Die zitierte, veraltete Studie setzt zu hohe CO2-Emissionen an und spricht selbst an keiner Stelle von 17 Tonnen CO2 pro Akku

  3. Nur wenige E-Autos haben 100-kWh-Akkus

  4. Diese großen Modelle aus dem Luxussegment vergleicht die Doku mit kleinen, sparsamen 6-Liter-Autos

  5. Selbst mit dem behaupteten 17-Tonnen-CO2-Rucksack wären die Elektroautos insgesamt die klimaschonendere Variante

Übrigens: Das meistverkaufte Elektroauto weltweit, das Tesla Model 3, verfügt im Standard über nur 50 kWh und wird bis Ende 2019 voraussichtlich komplett klimaneutral hergestellt. Vor dem Hintergrund gerät der komplette Abschnitt beginnend mit „Doch die Rechnung geht so nicht auf“ zu peinlichem Fake-News-Mumpitz.“

Im Artikel wird auch genannt, was ich auch gerne anführe: ein heute gebautes Elektroauto kann in 15 Jahren vielleicht komplett mit Strom aus erneuerbaren Energien betrieben werden, auch in Deutschland, wenn da endlich dieser Blödsinn mit dem Kohleabbau sein gelassen wird. Ein Benziner verbrennt auch dann noch Benzin, unweigerlich, genau so viel wie heute. Und wie wird eigentlich so ein SUV recycelt, in der Boardelektronik stecken doch sicher auch da ganz viele seltene Erden.

Tag 1396 – Noch drei Tage drei.

Gestörtes Verhältnis zu ungeraden Zahlen, man kennt das. Ich leide seit 97 Tagen.

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Heute so: Kinder weggebracht, einziger Tag diese Woche, Montag bis Donnerstag habe ich immer abgeholt und dafür halt super früh den Bus genommen, damit ich vor acht bei der Arbeit bin. Schlaucht. Morgens Die Kinder wegbringen schlaucht allerdings auch. Michel macht ja einigermaßen mit, der trödelt nur, aber Prinzessin Sturkopf ist halt morgens schlecht drauf UND hat ihre ganz eigenen Ideen von allem und das strengt an. Heute zum Beispiel wollte sie den Werkzeugkoffer samt Inhalt mit in den Kindergarten nehmen. Ich sagte, sie könne eine Sache aus dem Koffer mitnehmen, „aber nicht den ganzen Koffer!“, woraufhin sie den Koffer in ihren Rucksack ausleerte und alles mitnahm, außer dem Koffer selbst. Widerstand durch Eltern zwecklos, es sei denn man will weitere 20 Minuten vergeuden, weil das Kind schreulend auf dem Boden liegt.

Bei der Arbeit: guter Tag. Dinge getan, die sich erwachsen und kompetent und ernst genommen anfühlten. Außerdem weiter ausgebildet worden zur Behandlung von (internationalen) Qualitätsfehlern, weil ich Ende Juli da „Vikar“ sein werde, also katholischer Geistlicher Vertretung für die Frau, die das bei uns hauptamtlich macht. Das ist Teil meiner Jobbeschreibung als Inspektørin und ich glaube, ich werde da Spaß dran haben, jedenfalls hatte ich an der Einarbeitung schon viel Spaß. Ich kann ja inzwischen auch sehr gut damit leben, überall Streberin und flink pike zu sein, habe ich heute gemerkt, weil natürlich hatte ich die Hausaufgabe gemacht und natürlich hatte ich die SOP frisch ausgedruckt dabei. Wenn sowas anderen aus der Gruppe nicht gefällt sagt das ja mehr über sie aus als über mich, ne? Jedenfalls freue ich mich darauf, da Geistliche Vertreterin zu sein. (Trotzdem bitte nicht in den Reaktor spucken, falls Sie bei einem Pharmaunternehmen arbeiten. Danke.)

Die Verabschiedung der Kollegin war einigermaßen traurig für mich. Für die meisten anderen war sie wohl eher heiter. Die meisten anderen sind auch schon lange da und machen sich nicht so viele Gedanken drum, dass nun innerhalb von 6 Monaten 3 Inspektørinnen gekündigt haben und ob das wohl möglicherweise irgendwas bedeuten soll. Ich mag den Job aber weiterhin.

Außerdem heute Geld ausgegeben. Ich hoffe auf Enthüllung am Dienstag, dann sollte was in der Post sein, das dann hoffentlich was erklärt, das mich ein gutes Stück voranbringen sollte, mit dem letzten Jahr abzuschließen. Aber Geld ausgeben geht schon mal und ich brauche wirklich neue Sommerschuhe – meine Chucks fallen auseinander und die letztes Jahr reduziert gekauften haben mir in den letzten Tagen in kürzester Zeit furchtbare Blasen beschert. Für sowas ist das Leben zu kurz. Im Vorbeigehen heute außerdem Birkenstock’s hübsch gefunden. Es geht vielleicht auch einfach zu Ende mit mir.

Nun Bett. Noch ist kein Kind hier, das muss genutzt werden.

Tag 1391 – Bereit?

Eine Woche zur Probe 5 Tage arbeiten steht uns bevor, dann ist Pfingsten und dann keine Feiertage mehr bis Weihnachten. Das schockt mich jedes Jahr aufs Neue.

Ich bin nicht bereit für diese nächste Woche, zu viel hat mich dieses Wochenende beschäftigt und lässt mich nicht los.

Über Dead to me jedoch am Ende nach einiger Aufregung herzlich gelacht.

Die Stockrosen und der Malvenrost werden eine längere Geschichte, ich habe erstmal alle kranken Blätter abgeschnitten, aber der Pilz ist sogar im Stamm. Die Chemiekeule ist in Norwegen, wie mir im Gartencenter mitgeteilt wurde, verboten, ich habe noch ein bisschen Chemiekeule aus Prä-Norwegen-Beständen, aber das würde ich natürlich nie tun, verbotene Dinge, niemals. Ich sprühe also die Stockrosen nun täglich mit einer milchigen Flüssigkeit, die nichts außer Hoffnung und Sud aus Ackerschachtelhalm (was ist das überhaupt?) enthält, ein und hoffe auf das beste. Und bei Gelegenheit werde ich das Geld für die Stockrosen im Gartencenter, wo ich sie gekauft habe, zurückfordern.

Michel ist, wenn er nachts verschlafen angetapst kommt, sein IT-Konferenz-Goodie-Chamäleon fest im Griff, so niedlich, dass ich ihn fressen könnte. Das macht den Winkezahn (zweiter oberer Schneidezahn, der so locker ist, dass er eigentlich bei scharfem Einatmen durch den Mund schon ausfallen müsste) allemal wett. Was nicht ganz so niedlich ist, sind Michels Füße, die inzwischen, wenn er am Fußende liegt, ungefähr auf meiner Brusthöhe liegen. Ich kuschle also nachts mit Füßen, das ist nicht das, was mir die Familienbett-Kuschel-Werbemafia damals vorgegaukelt hat. Überhaupt finde ich, Kinder, die lesen, schreiben und selbständig MarioCart spielen können, könnten dann langsam mal in ihren Betten durchschlafen. (Aber das bin nur ich. Jedem Tierchen sein Plaisierchen, nicht wahr, wenn wer gern noch mit seinen pubertierenden Kindern das Bett teilt, bitte. Ich finde es langsam zu eng und hätte das Ehebett auch gern mal wieder nur für das Ehepaar des Hauses.)

Spät schlafen hilft nicht beim ausgeruhten Aufstehen morgen. Irgendwann lerne ich das.

Nun kam auch noch Pippi an, während ich tippte. In der Hand ihre halb gegessene Zuckerperlenkette, die sie nur durch unsere geballte pädagogische Kraft* zum Schlafen auf das Regal neben dem Bett zu legen bereit war. Es wird also eng heute Nacht.

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*nach viel Argumentation (gefährlich wegen Schnur, Zucker könnte alles vollschmieren, eh schon Zähne geputzt, könnte verloren gehen…) war die Ansage „Das kommt nicht mit ins Bett, fertig, ich zähle jetzt bis drei, wenn du die Kette bis dahin nicht Papa gegeben hast, nehme ich sie! Eins…“ und weiter muss man nie zählen. Ich möchte das eigentlich nicht, aber es funktioniert, im Gegensatz zum Argumentieren „auf Augenhöhe“**, sehr gut. Sie murrt dann auch nicht mehr. Ein Schelm wer „manche Kinder brauchen klare Ansagen“ dabei denkt.

**Augenhöhe wäre für mich aber auch, wenn mehr zurückkäme als „Nein!“ und „ICH WILL ABER!“, da kann ich genauso gut versuchen mit der nächstbesten Betonmauer auf Augenhöhe zu kommunizieren.

Tag 1388 – Faultiertag.

Wir haben heute eigentlich fast gar nix gemacht. Das war super. Ein bisschen ungeplant, aber das Wetter war mies und mit Rotze-Pippi ins Schwimmbad wär sicher keine gute Idee gewesen, also gab es stattdessen Mittagsschlaf für Pippi und Herrn Rabe, Nachmittagsschläfchen für mich, ein wenig ausgehaltene Langeweile für Michel und ganz viel Ruhe für alle. Gut, am Ende des Tages gingen die Kinder ein wenig die Wände hoch, aber ich hoffe wirklich, dass es für Pippis Erkältung was gebracht hat, die schleppt sie ja nun auch schon wieder zwei Wochen mit sich rum. Was sie nicht davon abhält, mit großer Energie Grenzen zu testen, leider. Huff. Heute hatten wir wieder ein „Gespräch“, das darin endete, dass ich fragte „Hast du verstanden, was du nicht machen sollst?“ – „Den Föhn schmeißen.“ – „Warum hast du denn den Föhn geschmissen?“ – „Ich war sauer. Ich wollte dass du mir Socken holst und du hast nein gesagt.“ – „Ja, du warst sauer. Aber du darfst dann nicht immer Sachen schmeißen. Die können kaputt gehen und du kannst dir weh tun.“ – „Ja. … kannst du mir Socken holen?“ Gespräch mit Gänsefüßchen, weil sie halt erst was schmeißt und dann heult, wenn wir dann auch lauter werden. Das heißt, man muss, bevor man überhaupt mit ihr reden kann, abwarten bis der Zorn verraucht ist und gegebenenfalls trösten, dabei versuchen, auch selbst runterzukommen, weil mit dem Föhn schmeißen, ich meine, hakt’s??? Und überhaupt. Erziehung von dickköpfigen kleinen Rübennasen kriegt von mir lieb gemeinte 3/10 Punkten, macht einfach gar keinen Spaß und ist furchtbar viel Arbeit.

Ha, eins ist doch passiert: Herr Rabe hat unser kleines Lagerräumchen aufgeräumt. Das war nötig, aber wie nötig es wirklich war sieht man eigentlich erst jetzt, man kann sich nämlich plötzlich zu zweit darin aufhalten und noch umdrehen, Hammer. Note an uns: wir haben Eierfarben und sie sind bei der Osterdeko. Im bod.

Tag 1385 – Unkrankes Kind die drölfzigste.

Pippi hat ja echt ein ausnehmendes Talent dafür, im Kindergarten seltsame Symptome zu zeigen, die dann ganz schnell wieder weg sind, sobald wir sie abgeholt haben. Heute neu im Angebot:

„Pippi hat den ganzen Morgen geweint und sich um 11:15 hingelegt. Wir müssen mal gucken, wie es ihr geht wenn sie aufwacht.“

Da war es zwölf.

Um zwei schrieb ich, wie es ihr denn ginge.

Da schlief sie immernoch und ich wurde gebeten, sie abzuholen, sie sei ja offenbar nicht fit.

(Exkurs: liebe Kindergartenmitarbeiter*Innen, wenn das Kind dann zwischendurch aufwacht, dann benachrichtigen Sie doch bitte die herbeieilende Mutter, denn die überlegt vielleicht grad im Zug, ob „hat sich hingelegt“ vielleicht ein Code für ganz stark sein müssen ist und das Kind vielleicht, aber lassen wir das, diese Gedanken sollen hier nicht sein.)

Mit schwärzesten, ungebetenen Phantasien kam ich jedenfalls in den Kindergarten, da war Pippi hoch erfreut, mich zu sehen, sprang zur Demonstration ihrer Fitness in jede Matschepfütze auf dem KiTa-Gelände und rannte dann singend zum Auto.

Ich glaube, das war den Kindergärtnerinnen auch ein bisschen peinlich.

Jedenfalls, ich bin ja total froh, dass sie nicht total krank ist, sondern halt Husten und ne Rotznase hat wie auch schon seit einer kompletten Woche und eben müde war, aber Himmel. Dieses Kind. Kann es nicht einfach mal ne Woche lang nicht solche Sachen machen?

(Morgen wird dem Kindergarten Herr Rabes Nummer gegeben. Morgen kann ich leider nicht mal eben von der Arbeit losspringen und dann halt zu Hause noch eine Stunde dranhängen. Und generell kann ich das halt genauso gut oder schlecht wie Herr Rabe und immer mich kontaktieren ist nervig für mich und zeugt nicht grad von Bewusstsein für gleichberechtigte Elternschaft. Außerdem ist Herr Rabe der empathische Krankheits-Kümmerer bei uns. )

Die Schule hat auch schöne Matschepfützen.

Tag 1382 – Geschafft!!!

Uff.

Die Woche ist geschafft. Geschafft! Alle haben ausreichend Nahrung zu sich genommen, sind bekleidet mit einigermaßen sauberen Sachen und mit geputzten Zähnen morgens aus dem Haus gegangen, waren alle zu ihren Kernzeiten (bis auf Pippi und mich am Dienstag) bei ihren Tagesbeschäftigungen anwesend und haben sich nur selten gegenseitig angeschrien. Minimalziel erreicht, nächstes mal arbeiten wir dann am Ausbau dieser, nennen wir es optimistisch „soliden Grundleistung“.

Herr Rabe ist jedenfalls wieder da und nicht nur hab ich jetzt wieder wen zum Drag Race gucken, nein, der Sohn hat auch neue items zum Angeben:

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Putting some conference swag to use 😎

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und Herr Rabe hat 8 (!) neue T-Shirts sowie echt fancy anderen Kram. Es gibt Kinderbücher „A Children’s Guide to Kubernetes“, wo die kleine Giraffe App Phippy neue Freunde und ein Zuhause endlich zu Kubernetes findet und da musste ich so lachen, dass ich immernoch nicht verstanden habe, was Kubernetes jetzt genau ist. Ich muss mal dafür sorgen, dass wir auf Konferenzen und Meetings fahren, wo es „A Children’s Guide to the Centralised Procedure“ oder „A Children’s Guide to Inspections of Pharmaceutical Manufacturers“ gibt. Da ist bestimmt ein Markt!

Nun schon wieder seit ewig im Kinderbett weil Pippi erkältet ist und schlecht schläft. Ich möchte doch auch schlafen. Meh.