In der Hoffnung, dass es besser wird, wenn ich es aufschreibe, folgt jetzt ein Post voller, Sie ahnen es schon, Selbstmitleid. Lesen Sie einfach lieber nicht weiter.
Ich bin so müde. So. Müde. Müüüüüde. Pippi will abends nicht ins Bett, wird dann, wenn sie einmal drin ist, dauernd wach, nuckelt an mir herum, döst weiter, will auf der anderen Seite liegen, nuckelt, döst, wühlt herum, kneift mir in die Nase, die Brust, die Oberarme, hat Hunger, trinkt, nuckelt, und so weiter. Bis morgens. Letzte Nacht die Krönung: nachdem ich verzweifelt und vergeblich versucht hatte, sie wieder zum Schlafen zu kriegen, wollte sie gerne ein bisschen Spielen und laberte im Bett herum, offensichtlich hellwach. Um zwei Uhr nachts. Nachdem ich ca. 1,5 Stunden geschlafen hatte. Ganz ehrlich: da ist das Ende meines Geduldsfadens erreicht. Pippi angeschrien, Mann angeschrien, mit Pippi auf dem Arm wütend durch die Wohnung gestapft, Heulanfall bekommen, volles Programm. Und da sind wir auch schon beim zweiten Punkt: ich bin ungeduldig und pampig und gereizt und hasse alles und jeden, wegen nix. Michel ist in der „Warum?“-Phase angekommen, es hat etwas gedauert, bis wir das gerafft haben, weil er in einer Kindersprache-Version des lokalen norwegischen Dialekts fragt: „Kuful?“. Dieses Kuful nervt mich aber schon beim zweiten Mal zu Tode und ich ranze nur Michel an, obwohl ich sehr genau weiß, dass Kinder Sarkasmus nicht verstehen, dass es für ihn wichtig ist, Zusammenhänge zu erfragen, Blabla, pädagogisch KANN ICH GRAD NICHT! Und dann fühle ich mich super schlecht, wenn ich statt einfach zu sagen „Leute in Norwegen wohnen eben in Häusern, sonst wäre es zu kalt, deshalb wohnt auch dein Kumpel C. in einem Haus.“ nur pampig „Orrrrrr DARUM!!!“ antworte. Und das nicht nur einmal am Tag. Eigentlich will ich nur meine Ruhe. Michel soll weggehen mit seinem Kuful und seinen Stinkepupsen und seinem nächtlichen Zähneknirschen. Pippi soll weggehen mit ihrer Kacklaune, dem Geschrei, dem Kneifen. Und schon das zu denken macht mich in meiner eigenen Wertvorstellung zu einer sehr sehr schlechten Mutter. Und hatte ich schon erwähnt, dass ich obendrein eine schlechte Hausfrau und allgemein Frau bin? Ich kriege nichts auf die Reihe, ehrlich, mal die Spülmaschine anmachen oder ausräumen oder mal ne Maschine Wäsche ist das Höchste der Gefühle diese Woche. Geduscht habe ich heute auch einfach mal nicht: Pickeln, trockenen Stellen und Hautproblemchen wie bei einer Pubertierenden gefällt das! Meistens laufe ich zu Hause in meiner XL-Jogginghose rum, die viel zu groß ist, weil im 8. Monat schwanger gekauft. Inzwischen habe ich aber ich weiß nicht wieviel abgenommen, viel, da würden sich viele sicher drüber freuen, ich so geht so. Weil mir nix mehr passt. Hosen am Po zu weit, rutschen trotz Gürtel. Pullis und Kleider die Schlabbern. Mal abgesehen von meinen Brüsten, die einen sehr traurigen Anblick bieten. Und für neue Garderobe kaufen bin ich zu geizig. Ich weiß ja auch nicht, ob mein Körper schon fertig ist mit Abnehmen. Dank Stillen und Schilddrüse geht da ja vielleicht noch was. Oder vielleicht nehme ich auch wieder zu. Weiß man ja alles nicht. Also laufe ich in den immer gleichen Schlabbersachen rum und dieser Modeheini nickt wissend in meinem Kopf und steckt Herrn Rabe Visitenkarten von Scheidungsanwälten zu. Dann bin ich also demnächst getrennt erziehend und arbeitslos, weil das mit der Promotion läuft ja auch eher schleppend und ich müsste echt mal Druck machen, dass gewisse Dinge noch laufen bevor ich zurückkomme aber Ich. Hab. Gar. Keinen. Bock. Meine Arbeitsmotivation ist beim absoluten Nullpunkt angekommen. Ich will noch nicht mal Paper lesen. Am liebsten würde ich irgendwelche stumpfsinnigen Handlangeraufgaben machen, aber dafür bin ich wohl überqualifiziert und außerdem würde mich das auch wieder nerven nach ner Weile, deswegen hab ich die Promotion ja angefangen. Vielleicht hab ich auch einen ganz falschen Job, aber ich dachte lange, dass das das einzige ist, was ich kann. Und bei Licht betrachtet: irgendwas mit Menschen: nein. Mit Schreiben Geld verdienen: zu risky. Zu unkreativ. Am ehesten noch Gastro, aber zu blöde Arbeitszeiten. Oder Dienstleistung: zu schlecht bezahlt. Also hallo, Pharmamafia. Die dunkle Seite der Macht. Hrmpf.
Ich habe den Eindruck, ich muss mal schlafen.
