Tag 1025* – Politikerschwund in Norwegen.

Hach, jetzt sollte hier die geradezu herzerweichende Geschichte stehen, wie Michel heute beim Frühstück in einem Gespräch, dass sich aus seiner Frage „Können zwei Jungen ein Baby zusammen machen?“ entsponnen hatte, vorschlug, wir sollten doch unsere norwegischen Politiker nach Deutschland schicken, damit die da mal sagen, dass das ganz ungerecht ist, wenn gleichgeschlechtliche Paare nicht so einfach Kinder adoptieren dürfen. Aber dann habe ich beim googeln festgestellt, dass das seit der „Ehe für alle“ gar nicht mehr so ist**, und das ist zwar für meine Geschichte jetzt blöd, aber ja aus dem besten denkbaren Grund.

Ansonsten waren wir heute auf dem Festival und es war sehr aufgebaut und wegen absolutem Bombenwetter einfach großartig, da kann man auch mal Sonnencremeflecken auf dem T-Shirt verzeihen. Bilder morgen, gesammelt vom Wochenende.

Auch ansonsten: in der Not frisst der Teufel fliegen und Frau Rabe bekämpft Migräne aus Mangel an Alternativen*** mit Paracetamol und… Magnesium. Das war ein „toller“ Tipp von der Apothekerin in Kroatien gewesen, wo Triptane auch alle rezeptpflichtig sind****. Nun. Es hat funktioniert. Allerdings mussten dafür 2000 mg Paracetamol her (1000 gestern abend und dann noch mal 1000 heute früh um fünf, als ich von Kopfschmerzen geweckt wurde, wenn das passiert, ist es normalerweise Alarmstufe rot) und 800 mg Magnesium. Und von so viel Magnesium auf einen Schlag kriegt man dann auch Durchfall. Aber besser das, als Migräne. Oder Legevakt. Aber ehrlich, wenn Sie Migräne haben: sprechen Sie mit der Ärztin Ihres Vertrauens, finden Sie möglichst ein Triptan, das Ihnen hilft, finden Sie möglichst einen Weg, Anfälle zu verringern, sei es durch Vermeidung bestimmter Trigger oder durch Medikamente, aber glauben Sie nicht der Frau aus dem Internet, die in ihrer Verzweiflung einmal Magnesium probierte und bei der es (vielleicht auch nur wegen der Verzweiflung) half.

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Auto-Lobhudelei*****: Heute die meiste Zeit recht gut mit den Kindern gewesen, obwohl Michel ziemlich am Flippen war, vermutlich wegen des Festivals. Ungeduldig, nah am Wasser gebaut, sofort auf der Palme und auf 180 und „nienienie werde ich [akuten Aufreger einfügen]“. So wie ich sonst. Gemessen daran eigentlich Supermutti gewesen. Und gesunde Snacks dabei gehabt (und den Kindern trotzdem Zuckerwatte gekauft).

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*Na super, Tag 1024 einfach übergangen. Sorry, 2^10-Tag.

**auf dem Papier jedenfalls, praktisch sieht es wohl anders aus.

***kurz vor Kroatien bestürzt festgestellt, dass nur noch 1 Tablette des OTC in Deutschland gekauften Triptans da ist und die quasi aus Schock direkt zwei Tage später nehmen gemusst. Dann gedacht, ach, ich bin ja in Kroatien, da sind Triptane bestimmt auch OTC. Nein, sind sie nicht****. Und die Ibuprofen-Lysinat-Tabletten sind auch irgendwie schon wieder alle. Die gibt’s hier ja auch nicht. Seufz.

****Ich finde das eigentlich nicht schlimm, in Deutschland war es ja auch bis vor ~10 Jahren so, nur im Akutfall ist es halt blöd, wenn man sich statt zur Apotheke dann zur (Notfall-, wenn Wochenende oder spät) Praxis schleppen muss, da ewig wartet und die Migräne in der Zeit völlig eskaliert. Aber Montag habe ich einen Arzttermin, ich hab schon ne Liste an Dingen, die ich ihm vortragen werde.

*****hab ich ja auch schleifen lassen, ne? Ich werd mich bemühen, das wieder einzuführen.

Tag 1023 – Laufen, Atmen, Kind einschulen.

Michels Einschulung stresst mich ja aus mehreren Gründen sehr. Da ist zum einen das leidige Thema Jobsuche, eigentlich wollten wir ja schon längst hier weg sein, aber, Tamara, sind wir nicht. Herr Rabe hat das Thema „dann halt trotzdem nach Oslo ziehen, arbeitslos sein kann man da ja auch“ eigenmächtig ad Acta gelegt, und weil er außerdem 100 Jahre mit dem Bloglesen hinterher ist aber weil das ca. monatlich schwankt, kann ich das auch schreiben. Jedenfalls sieht es so aus, als würde Michel an der Stadtteilschule anfangen. An der gemobbt wird. Mit dem unangenehmen Kind (das wird auch nicht besser, sondern schlimmer) in einer Klasse. Und das Ganze, wie ich finde, ein Jahr zu früh. Er ist doch noch so klein.

Aber er freut sich auch wahnsinnig doll und deshalb haben wir uns heute Nachmittag alle vier auf den Weg zur Schule gemacht. Die Kinder frisch geduscht, Michel frisch entladen, denn er freut sich zwar, aber es stresst ihn eben auch und dann zettelt er wegen irgendwas Streit an und bricht dann ein unfassbares Drama vom Zaun, um sich mal wieder ordentlich auszuheulen. Ganz die Mama. Ähämm. Ich war – quasi zur Vorbereitung – heute morgen schon zu Fuß einkaufen und mich beim Kinderfestival akkreditieren*, das machte dann vor 12 schon 14.000 Schritte und etwas über 10 km und das war dann meine Form von Entladung. Bei dem Einschulungsdings schluckte ich alle meine Negativität runter, mit sehr viel Mühe, er freut sich so, er freut sich so, er freut sich so. Und weil ich ja grad nicht twittern möchte, bekamen Menschen einen Teil meiner Boshaftigkeiten über What’s App ab, der Rest jetzt hier (sorry, wirklich, aber es geht nicht anders, es muss raus, sonst kriege ich davon Magengeschwüre): Michel wird also mit dem Kind in eine Klasse gehen, das immer ohne Sitz und ohne Helm auf dem Gepäckträger seiner Mutter transportiert wird, mit zwei sechsjährigen Mädchen mit Kopftuch (das haben die natürlich aus ganz freien Stücken auf und ja, ich müsste auch bei deutlich sichtbaren christlichen Symbolen mindestens eine Augenbraue sehr weit hochziehen), mit mehreren Kindern, die auf dem Weg zu ner „gesunden Bräune“ offenbar auch den ein oder anderen Sonnenbrand mitnehmen, mit dem unangenehmen Kind aus der KiTa, mit Hermione Granger aka myself when I was 6, und zu guter Letzt mit dem Sohn eines Biotech-Professors, den ich schon oft an allen möglichen Orten getroffen habe, zuletzt gestern (!) in seinem eigenen f*cking Lunchroom und der trotzdem grundsätzlich so tut, als würde er mich nicht kennen gar nicht wahrnehmen. Hrmpf.

So, jetzt ist es raus, dann mal der Rest: Das mit der Einschulung läuft hier ja ganz anders als in Deutschland, denn am 1. Schultag gibt man das Kind recht unaufgeregt beim SFO (Skole-fritids-ordning, wie Randstunden- und Ferienbetreuung in einem) ab, bleibt eventuell noch ein wenig da und dann ist die ersten drei Wochen eben eh nur SFO, das Schuljahr geht erst in der zweiten Augusthälfte richtig los. Keine Feier**, keine Schultüte***. Dafür ist der Tag wichtig, an dem die Kinder ihre Schulranzen bekommen. Nicht so feierlich wie in Deutschland, aber schon halt ein großes Ding. In Norwegen bekommen Erstklässler*Innen einen Rucksack vom „Fylke“, also in unserem Fall (dem frisch vereinten) Trøndelag. Das finde ich aus tausend Gründen wiederum gut, denn so hat man als Eltern dieses, wie ich auf Twitter immer wieder beobachten darf****, völlig irrsinnige Thema Ranzenkauf („Welcher! Ergonomisch! Preis! Muster!“ und am Ende gehen alle mit einem Ding nach Hause, das fast größer als das Kind ist, eine Niere kostet und in dem dann trotzdem die Schulbrote vergammeln) umschifft*****, es gibt keinen Wettbewerb unter den Eltern Kindern, wer den ergonomisch besten coolsten Ranzen hat, der ist nicht besonders groß, also geht auch nicht viel rein, also wenig Geschleppe und wenig vergessenes Gedöns, der hat drülfzig Reflexstreifen und weil der eben als Erstklässlerrucksack erkennbar ist, wissen auch Unbeteiligte gleich, dass das ein Erstklässler ist und kein KiTa- oder älteres Kind. Nun denn. Heute gab es also diesen Rucksack, Michel ist unglaublich stolz und Pippi unglaublich traurig, dass sie keinen bekommen hat.

(Da steht, total witzig, hahaha, drauf: „Erstklassiger Trønder“. Groan.)

Ansonsten fangen in der ersten Klasse 32 Kinder an, genauso viele wie in meiner Grundschulklasse waren. Allerdings wird Michel immer 3 Lehrerinnen****** in der Klasse haben, ich hatte damals exakt 1 und dass das nicht so gut funktioniert hat, hat dann in meinem Fall sogar die Schule eingesehen und die Klasse aufgeteilt. Wie es bei Michel mit 3 Lehrerinnen wird, wird man sehen. Für mich wären ja 33 Sechsjährige in einem Raum schlimmer als Folter, aber deshalb bin ich ja auch nicht Grundschullehrerin, ne? Vielleicht wird das ja alles ganz gut. Persönlich finde ich ja, so langsam kann dann auch mal was überraschend gut laufen, statt immer nur Mist und noch mehr Mist. Ich wünsche mir für Michel so sehr, dass das gut wird, sogar noch besser, als er sich das jetzt vorstellt. Mein großer kleiner Zwerg.

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*Dazu mehr dann morgen.

**Wobei ich auch da schon des öfteren sehr verwundert war, zu was das teilweise in Deutschland aufgeblasen wird, inklusive gemieteten Räumlichkeiten und eeeewig im Voraus ausgebuchten Restaurants und Familie, die durch halb Europa anreist. Äh, ok. Kann man halt machen, ne? Muss ich ja nicht. Und n bisschen bekloppt kann ich’s schon auch finden.

***Eine Schultüte hingegen werden meine Kinder kriegen. In Deutschland würde ich wohl eine kaufen, da es hier aber keine gibt, muss ich die wohl basteln. Sei’s drum. Schultüte muss sein.

****Grad halt nicht und der Teil des Twitter-Verzichts, nämlich das wesentlich weniger häufige #alleirre-denken, der ist echt schön.

*****Zumindest aufgeschoben, aber ich hab noch nie mitbekommen, dass hier um den Ranzen so ein Gewese gemacht wird wie in Deutschland.

******Leider keine mitzumeinenden Männer.

Tag 1020 – Schwere Gespräche.

„Mama, gibt es Leute, die Kinder klauen?“

Mein erster Reflex war „Nein, nicht hier, nicht euch, ich passe einfach immer auf euch auf und lasse euch nicht aus den Augen, nienienieniemals!“, aber das stimmt ja nun leider nicht. Michel fährt schon manchmal allein zum Kindergarten und im Zweifel reicht ja einmal kurz nicht hingeschaut. Also führten Michel und ich ein Gespräch, das mir sehr schwer fiel, weil das mein Herz herausreißt, schockgefriert, in Tausend Stücke schlägt und die Brösel zu Stein werden lässt, wenn ich daran denke, was manchen Kindern angetan wird. Michel nahm das ganze auch in seiner ganzen Fünfjährigenart nicht so wirklich ernst und ich kann ihm ja auch nicht „Vergewaltigt, erwürgt, im Wald verscharrt“ erklären, da müsste ich weinen und er hätte vermutlich Albträume, deshalb ließ ich es bei „böse Menschen“* und dass er nie, nie, NIE!!! bei irgendwem mitgehen darf, den (oder die) er nicht kennt, auch nicht wenn der (oder die) seinen Namen kennt oder unsere Namen, oder Babykatzen/echte Dinoeier/Eis/Lollis im Auto hat. Einfach nie. Für den Fall, dass wer sagt, „Deine Eltern haben gesagt/sind im Krankenhaus/können grad nicht…“ soll er nach dem Passwort fragen und wenn das nicht sofort kommt, rennen, so schnell er kann, dahin wo Leute sind.

Bleibt zu hoffen, dass er jetzt keine große Angst bekommt, er das nienienie anwenden muss und wenn, dass er nicht wirklich versucht, die Bösen mit seinem Fahrradschloss zu fesseln oder unter dem Tisch** heimlich die Polizei anzurufen.

Und irgendwann ist mir bestimmt auch nicht mehr übel.

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*Er kam auf die Idee, dass die ihn auf dem Lagerfeuer grillen wollen und das ist zwar weniger realistisch, aber doch ausreichend makaber um es einfach so stehen zu lassen.

**Woher der Tisch nun plötzlich kam, oder auch das Telefon, man weiß es nicht.

Tag 1019 – Gråkallen.

Heute haben wir uns sehr spontan der Familie von Michels bestem Freund angeschlossen und sind auf den Gråkallen gestiegen. Wir, das waren in diesem Fall Michel, Pippi und ich. Der Gråkallen ist ein kleinerer Berg oder größerer Hügel*, von dem aus man einen schönen Blick über Trondheim und den Fjord hat und es geht ein Weg von Skistua den Berg hoch. Das hörte sich alles ganz gut an, es war strahlender Sonnenschein bei 20 Grad (Sommer!) also packte ich die Kraxe mit Sonnencreme, Wasser und Keksen und wir fuhren los. Es wurde dann auch ein wirklich schöner Ausflug, Michel lief ohne Gemecker den Berg hoch und wieder runter, Pippi hätte ich nur auf dem Rückweg mal kurz aussetzen können, als sie „Renn doch, Mama, Heia! Heia!“ von meinem Rücken skandierte, und leider hab ich nur dieses eine Bild gemacht:

Aber nachdem ich Pippi samt Traxe den ganzen Berg hoch- und wieder runter geschleppt habe, über Stocksteinfels und sogar durch Mooriges Gelände, brauchte ich heute auch echt kein extra Bein-Workout mehr. Aber etwa 2 Extraliter Wasser. Uffz.

Abends dann noch mit der Lieblingskollegin (Ex-Kollegin) gegrillt, das war auch sehr schön und jetzt liegen drei sehr erledigte und ein nicht ganz so erledigter Rabe im Bett und freuen sich** auf eine neue Woche.

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Außerdem: ein Missverständnis geklärt, was mich seit einer guten Woche sehr beschäftigt und meine Selbstzweifel ordentlich befeuert hat. Wegen nix, weil mir da offenbar mein Unterbewusstsein einen komplett unlustigen Streich gespielt und mir was vorgegaukelt hat, was da gar nicht war. Wie froh ich bin, dass es nur Einbildung war, kann ich gar nicht sagen. Sehr froh. Auch darüber, nicht gleich meinen ganzen schon vorbereiteten Vorwurfs-Sermon abgelassen zu haben. Das wäre eventuell ziemlich peinlich geworden.

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Auch außerdem: möchte Twittergebrauch für eine Weile sehr stark einschränken. #AusGründen. Mal sehen, wie es klappt und was es bringt.

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Auch außerdem: muss einen Plan haben, was ich die nächsten Monate mache. Herr Rabe schlug vor, R zu lernen und darüber zu bloggen. Ich finde die Idee gut, aber das würde ich dann anderswo verbloggen, mal sehen wo.

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*551 Meter

**(Hoppla, den hatte ich vergessen.) Also wir freuen uns alle so mittel auf die neue Woche, wie das halt so ist, Wochenende ist ja doch ganz schön.

Tag 1015 – Dr. Sommer.

„Mama? Weißt du was das hier ist?“ Sprach das Kind, formte Zeigefinger und Daumen der einen Hand zu einem O und schob den Zeigefinger der anderen Hand in dem O hin und her. „Ähm…“ machte ich, aber Michel löste schon auf: „Jentetiss mot guttetiss! Hihihi!“ [Mädchenpiller gegen Jungenpiller]. Hihihi indeed. Eine Ecke meines Gehirns freute sich kurz daran, dass es hier für das, was in der Unterhose ist, das Geschlechtsneutrale Wort tiss gibt, eine andere war empört über das beknackte „gegen“ und eine wieder andere wusste die Antwort auf meine nicht so kluge Frage leider schon vorher: „Von wem hast du das denn?“ – „Von M.“ Ja klar, es ist immer M. M.s tiss hab ich auch schon gesehen. Und M. wartet ja auch mit so Weisheiten auf wie „Von Knäckebrot kriegt man große Eier.“ Yeah. Nicht. Aber egal, ich verdaute kurz daran herum, dass mein Kind irgendwie Mädchengeschlechtsteil gegen Jungengeschlechtsteil zeigt, ohne zu wissen was das heißt und sagte dann, auch nicht so ganz geistreich: „Ich möchte aber nicht, dass du so Zeichen machst.“. „Warum?“ „Weil das ganz schön unanständig ist. Und weil du ja nicht mal weißt, was das heißt.“ „?“ „Weißt du denn, was jentetiss mot guttetiss ist?“ „Nein…?“ Tja. Und dann wurde ich ein bisschen rot, aber hauptsächlich weil mich Herr Rabe von der Seite anstarrte, als hätte ich vor, aus dem Stand einen doppelten Salto über den Küchentresen zu schlagen, also zu 90% deshalb, rede ich mir ein. „Das ist eigentlich ein Zeichen für Sex haben. Weißt du was das ist?“ „?“* „Ja, also, wenn zwei Erwachsene sich sehr gern haben, und die sich gern ganz nah sein wollen, dann ziehen die sich manchmal nackt aus und haben Sex, dabei kommt auch manchmal der Penis in die Scheide, aber es gibt auch ganz viele andere Arten, Sex zu haben. Und das ist einfach ganz schön und macht viel Freude und da muss man sich nicht mit so Zeichen drüber lustig machen.“ „Das sag ich M. morgen.“ „Ja. Das sag dem ruhig mal.“ Und dann fiel mir noch was ein. „Es ist halt wichtig, dass beide das wollen. Und man muss zum Sex haben Erwachsen sein.“ „Warum?“ „Ähh…“ „Das ist wie Kaffee. Oder Bier. Manche Sachen dürfen halt nur Erwachsene.“ sagte der Mann da. Und Michel: „Und Jugendliche.“ und ich hoffe doch sehr, dass zumindest das mit dem Bier und dem Sex noch mindestens 11 Jahre kein Thema sein wird.

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*da war eine Ecke meines Gehirns dann kurz sehr froh, erinnere ich mich doch noch sehr genau an sein lachendes und sehr waches Babygesicht, das ich im Tiefschlaf wähnte, damals, als… naja, lassen wir das.

Tag 1014 – To-Do.

Wie ich schon des Öfteren beschrieb, brauche ich einen Plan, um nicht ziellos im Kreis zu laufen. Ich machte mir also heute morgen eine To-Do-Liste für die Woche. Und machte mich mit dem Punkt „Einkaufen“ (nachdem das am Samstag ja einigermaßen gescheitert war) auch direkt an die Erledigung. Und weil die Autowaschmenschen im Parkhaus vom Supermarkt die Autos waschen und das sehr viel besser machen als jede Anlage und dabei nur ein bisschen mehr kosten, fragte ich auch gleich nach nem Termin für „Reifenwechsel, Waschen innen, außen, unten, mit alles unn‘ scharf“. Womit ich nicht rechnete, war „können Wir in einer Stunde machen“. Daraufhin kaufte ich in Rekordzeit ein, fuhr nach Hause, baute die Kindersitze aus, holte die Sommerreifen aus dem Keller, räumte die Sommerreifen ins Auto, räumte die Einkäufe in den Kühlschrank, exte einen Dreiviertel Liter Wasser, suchte gefühlt ewig nach den Schrauben für die Sommerreifen*, rupfte die speckigenBezüge von Michels Kindersitz und stopfte sie in die Waschmaschine und fuhr wieder zum Supermarkt. Dauer: exakt eine Stunde. Lieferte das Auto ab, wusch mir auf dem Supermarktklo die Reifen-dreckigen Hände und ging nach Hause. Hängte die Kindersitzbezüge auf, startete eine Maschine dreckiger Wintersachen, ging auf den Dachboden, nach Gummistiefeln für Pippi suchen, hakte „Gummistiefel“ und „Einkaufen“ ab, und dann ging ich wieder zum Supermarkt. Holte das Auto ab, jetzt glänzend und mit Sommerreifen, fuhr nach Hause, räumte die Winterreifen aus dem Auto in den Keller**, baute Pippis Kindersitz wieder ein, wusch, nein, schrubbte meine Reifen-dreckigen Hände, hakte „Reifen wechseln und Auto waschen“ ab und dann hatte ich noch 15 Minuten Zeit, bis ich die Kinder abholen musste.

Ich hab dann mal das Tarkus-Buch ausgefüllt. Tarkus ist das Kindergarten-Kuscheltier. Ein Gürteltier. Tarkus war mit in Kroatien, den Tarkus wird jedes Wochenende verlost und das Los fiel auf Michel. Und weil Tarkus von allen Kindern heiß geliebt wird, durfte Tarkus auch erstmal in Hygienespüler baden, bevor ich bereit war, ihn mit in ein Flugzeug zu nehmen. Aber wenn wir dann morgen früh die eben ausgedruckten Bilder noch ins Tarkus-Buch geklebt haben werden, kann ich auch „Tarkus“ auf der Liste abhaken.

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*Jetzt liegen die Schrauben für die Winterreifen AUF DEM WINTERREIFENSTAPEL. Wo sie hingehören.

**So ein Tag hat dann auch über 18.000 Schritte, fast 40 gestiegene Etagen und über 2 Stunden „körperliche Aktivität“ und jetzt fühlt sich der Körper halt auch, als hätte ich acht Autoreifen jeweils etwa 30 Meter weit und über ein Stockwerk geschleppt. Uffz.

Tag 1012 – „Mama, weißt du was?“

„Zum Geburtstag wünsche ich mir ein Tellifon. Oder einen Roboter. Mit Fernsteuerung. Wenn ich kein Tellifon oder einen Roboter kriege, werde ich ganz sauer. Man kann auch einen Roboter haben, der mit dem Tellifon gesteuert wird. Dann drückt man auf das Tellifon und dann geht der Roboter los. Gibt es dass, Mama? Das wünsche ich mir. Und der Roboter, der muss drei Knöpfe haben. Wenn man auf einen Knopf drückt, dann verwandelt der sich. In ein Flugzeug. Und dann fliegt der so rum, fju fju, und dann, wenn man wieder auf den Knopf drückt, dann fliegt der so ganz nah am Boden und blüpdiblübbediblüp, ist der wieder ein Roboter. Und der Roboter muss auch aufgeladen werden, aber nicht mit einer Bratterie. Und dann, wenn der aufgeladen ist, dann macht der so „Miep Mop!“ und dann blinkt das auch. Miep Mop! Hehehe. Und wenn man auf einen anderen Knopf drückt, dann soll sich der Roboter in was anderes verwandeln. In einen T-Rex! Wääuuu! Wäääuuuuu! Und der muss auch, wenn gemeine Leute oder Kinder kommen, dann muss der so böse Augen kriegen. Und dann erschreckt der alle bösen Kinder. Alle die ich nicht kenne. Nicht M. und M. Und H. auch nicht. Aber K. und I. Weißt du was K. gemacht hat? Die hat mich gekniffen und getreten. Und dann kann der Roboter die erschrecken und dann so fju fju, kommen da Schießraketen aus den Armen, aber der schießt damit nicht, der erschreckt die nur und dann rennen die weg. Das ist cool. Das möchte ich haben. Kannst du das für mich finden, Mama? Du kannst das im Internet finden. In dein‘ Tellifon.“

Ich habe also noch knapp fünf Monate, um einen ferngesteuerten Flugzeug-T-Rex-Wachhund-Roboter zu finden, der „Miep Mop“ macht, wenn er aufgeladen ist. Aber ohne Batterie. Kein Ding.

Tag 1009 – Sonnentag.

Unerwartet gutes Wetter heute, also gingen wir einfach an den Strand und Baden und ich ging ein paar Kleinigkeiten einkaufen und dann gingen wir Essen und dann war der Tag irgendwie sowie auch schon fast um.

Kleinigkeiten: ich liebe es ja, im Urlaub neuen Süßkram auszuprobieren. Heute kaufte ich so Waffeldinger, wie Männer-Waffeln, aber mit Zitronencreme drin. Mjammi! Was ich allerdings nicht vermissen werde: das Mineralwasser hier schmeckt richtig salzig. Bah.

Essen: es ist so ein Ding mit den Kindern. Die können sich schon benehmen. Wenn es Pommes gibt und es noch nicht allzu spät ist. Heute war es spät und es gab keine Pommes. Das ergab dann eine elende Spielerei mit der Salzmühle, bis sich Michel sein Brot so versalzen hatte, dass er’s nicht mehr mochte, Pippi verkrümelte eine Scheibe Brot überall und warf tausendundeine Sache mehr oder weniger absichtlich vom Tisch und dann noch ihr Glas um, kein Kind aß nennenswert was und Herr Rabe und ich waren recht gehetzt beim Essen. Das macht so ja auch nicht so viel Spaß. Vielleicht gehen wir doch dazu über, für solche Fälle immer das iPad dabeizuhaben, denn im Urlaub nicht mehr essen gehen? Kommt nicht in Frage. Dazu kam noch, dass Michel eine trockene Hautstelle am Po hat und (wie grad jeden Tag abends wegen irgendwelchen random Gründen) ein Heidentheater veranstaltete, dass man meinen konnte, es fräßen ihn grad die Lake Lachrymose Leeches* bei lebendigem Leib vom Po her auf. Wundersamer weise war das ganze Trara nach dem Verzehr eines am Kiosk gekauften Eises vergessen.

Pippi singt gern das Kaptein Sabeltann**-Lied. Aber statt „snart er skatten vår!“ [bald ist der Schatz unser!] singt sie „snart er katten vår!“ [bald ist die Katze unsre!] und das ist schon sehr niedlich. Auch wenn sie mit typisch norwegischem Sprachfehler – geschlagenes r wird zu l – weitersingt „så kan vi ta de‘ looooli‘ de neste hundle åååål!“. Hachja. Heute sagte ich zu ihr übrigens „Komm, Süße!“ und bekam zurück „Ich bin keine Süße! Ich bin Pippi.“ Okay, Süße!

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*Frau Brüllen hat eh oft recht und Lemony Snicket bei Netflix ist wirklich eine tolle Serie.

**Käpt’n Säbelzahn, das kennen alle norwegischen Kinder. (Dafür kennen die Wickie nicht, die armen Menschen hier, es ist schlimm. Bildungslücke!)

Tag 1005 – Geht grad so.

Gestern im Flugbuss fiel mir ein, was ich vergessen hatte: meinen Bikini. Aber jetzt soll ja das Wetter ab morgen nicht mehr so prall sein, heute schien aber die Sonne und alles war so grün und das Wasser glitzerte so verlockend zu uns rüber, also gingen wir eben doch über die Straße. Höhö. Das Meer ist nämlich direkt über die Straße! Alles richtig gemacht, würde ich sagen. Und schön war’s, wenn auch in der Sonne wirklich sehr heiß und im Kleid nicht so erfrischend. Deshalb beendeten wir den Ausflug nach etwa eineinhalb Stunden und fuhren in ein „nahe“ gelegenes Einkaufzentrum, mir einen Bikini zu kaufen. Die Anführungszeichen sind dem geschuldet, dass es nah aussieht, man aber irgendwie einmal komplett um Split rumgurken muss, um da hinzukommen. Wie dem auch sei, ich kaufte im erstbesten Laden einen Bikini (in Türkis, weil <3 Türkis, in Wickeloptik oben, weil ist grad in, mit Push-up oben, weil sah gut aus und mit einem für meine Verhältnisse knappen Höschen, das noch nicht mal mein Feuermal auf dem Po komplett bedeckt. Auf meine alten Tage wird’s mir tatsächlich egal.), verkniff mir dann in Laden 2-73 nachzuschauen, ob’s sowas ähnliches nicht auch für viel billiger gegeben hätte und wegen quengeliger, müder (war spät gestern) und absolut konzentrationsloser Kinder war es dann auch schon wieder spät und bis wir wieder am Strand waren ganz schön kalt. Aber da bin ich ja härter.

(Mein Mascara ist auch härter.)

Hier noch ein paar Bilder von Strand-Ausflug 1:

(Die Kinder sind so weiß wie ich, wobei man bei Pippi schon deutlich dunklere Töne sieht als bei mir und vor allem Michel, dem weißen Spargel. Und allesamt haben wir etwa die Farbe der Steine.)

Ein paar Fossilien. Wir haben wirklich viele gefunden, von Schnecken und Moosen und so, Michel ist ganz aus dem Häuschen.

Anekdoten:

  • Michel am Geldautomaten, als die Quittung zur Abhebung rauskommt: „Hast du jetzt gewonnen, Mama?“ (in Norwegen haben wir nur alle Jubeljahre Bargeld, dafür drücken wir bei der Pfandrückgabe immer den Lotterieknopf, auf dem Pfandbon steht dann eben, ob man gewonnen hat oder nicht.)
  • Auch Michel: „Murmelmurmelmurmel?“ Ich: „Was hast du gesagt?“ – „Hatteledessu?“ – „Ich versteh dich nicht, sag’s mal auf deutsch.“ – „Hat den* Läden ssu?“ (Hupsi. Hatte er vorher auch gesagt. Auf deutsch.)
  • Pippi, die ihren ersten Stein ins Wasser schmiss. Und freudig auf das Plumpsen wartete. Was nicht kam. Es war ein Bimsstein. Und Pippi dann sehr verwirrt.
  • Pippi, die auf den Schultern von Herrn Rabe einfach einschlief.

Dochdoch, schon schön hier.

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*typisch Michel: alle Artikel im Deutschen werden kurzerhand durch das norwegische „den“ ersetzt, Fälle gibt’s auch keine mehr, fertig ist die Laube. Manchmal zweifle ich dieses Zweisprachigkeitsding echt stark an.

Tag 1002 – Dies und das.

Die letzten drei Tage war hier Sommer. Nur noch sehr wenig grün. Aber 24 Grad – das ist, wenn wir ehrlich sind, ein ziemlich guter Tag im August. Ich verdenke es den Trondheimern auch in keinster Weise, dass sie diese 24 Grad nutzen um im Park herumzuliegen und zu grillen und Planschbecken zu verkaufen. Was ich ihnen etwas übel nehme ist: sie lassen überall ihren Müll liegen, die Mülltonnen sind heillos überfüllt und es liegen Haufen aus Plastiktüten gefüllt mit allem zwischen Grillfleischverpackungen, Essensresten und gefüllten Windeln einfach um die Mülleimer herum. Zum Kotzen, und erst recht wenn drei Meter weiter einer der Gullideckel mit dem schönen Spruch „Kacke, Pipi, Klopapier – mehr soll nicht ins Klo!“ dafür wirbt, keine Essensreste ins Klo zu werfen, weil das Ratten anlocken könnte. Wäre ich Ratte, ich würde wohl einfach oberirdisch Müllbeutel plündern.

Was ich auch mehr als befremdlich finde: alle Jahre wieder sieht man an den ersten sonnigen Tagen viele, viele Sonnenbrände. Wirklich fiese, zum Teil, wir sind ja hier immerhin im Norden und die „Ureinwohner“ haben tendenziell schon sehr blasse Haut, sind gern mal (hell-)blond und haben blaue Augen. Bei Erwachsenen denke ich dann ja oft noch „selber schuld, sind ja erwachsen, an jeder Apotheke hängen die Plakate und gibt’s Sonnenschutz mit Faktorrabatt“, aber was mich ratlos macht, sind Kinder mit verbrannten Nasen und Nacken. Da möchte ich, von Eltern bis KiTa-Personal, alle schütteln und sagen: „Cremt. Die. Kinder. Ein. Hautkrebs. Ist. Scheiße. Verdammtnochmal!“. Ja, es ist oft auch keine wahre Freude, ein sich windendes Kleinkind einzucremen, das weiß ich aus erster Hand, aber ich weiß auch: der Groschen fällt irgendwann und dann ist „Sonne scheint, also eincremen“ fast so selbstverständlich wie das abendliche Zähneputzen. Bis dahin sehe ich das wie eben Zähneputzen: es ist meine Verantwortung, dass meine Kinder weder Karies noch Sonnenbrand kriegen, Zweidreivierjährige können solche diffusen Konsequenzen wie „akkumulierte DNA-Schäden“ noch nicht abschätzen, also wird da nix mitentschieden, Zähneputzen, eincremen, basta.

Hrmpf!

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Urlaubsvorbereitung war heute etwas frustrierend: die Wettervorhersage sagt, dass es an drei von sechs Tagen bei 17 Grad regnen wird. Juchheh.

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Trotzdem Kinder-Sommer-Klamotten gesichtet und sortiert, um zu schauen, ob morgen noch was besorgt werden muss. Antwort: eher nicht, Pippi hat ca. 8 Kleider, die letztes Jahr noch zu groß waren und geschätzt 16 kurze Leggins, die an ihre Spargelbeine immernoch sehr gut passen, auch in Größe 86.

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Pippis A-Phase ist wirklich nicht schön. Dieses Kind ist wie Dr. Jekyll und Mr. Hyde. Im einen Moment niedlich hoch 10, singt Lieder, erzählt einem was, macht Quatsch, aber im nächsten Moment (wenn man ihr dann gesagt hat, sie soll den Quatsch doch sein lassen) ein Wutzwerg sondergleichen, der kreischheulend und um sich tretend und schlagend auf dem Boden liegt. Heute hat sie Herrn Rabe volle Wucht ins Gesicht gehauen. Mit Absicht. Generell wird kein von uns in normaler Lautstärke und Ton geäußertes „Nein“ akzeptiert, wir müssen immer erst laut werden. Und dann brüllt sie und beschimpft sich als „Dumme Pippi!“. Hoffentlich ist das bald vorbei.