Tag 931 – „Organisation ist alles.“

Schrieb ich gestern. Und wie toll ich vorbereitet sei. Yeah.

Von da zu „Ach du Scheiße, ahhhh, alle rein in die Klamotten, hier, nimm nen Smoothie mit als Frühstück!“ waren es nur 10 Stunden.

Und das kam so: um 04:50 kam Pippi angetappst um Banane zu essen. Davor war ich schon geraume Zeit von Michel zwangs- und kampfbekuschelt worden. Nachdem Pippi mit Banane und Wasser und „mir ist kalt“ und Gewühl fertig war, schlief sie wieder ein. Ich überlegte, ob ich aufstehen soll, tat es aber dann doch nicht und schlief kurz vor dem Weckerklingeln auch wieder ein. Es folgte ungut langes Snoozegedrücke. Aber ich war ja vorbereitet, kein Problem!

Ich stand irgendwann dann doch auf, wusch mir die Haare und das Gesicht, zog mich an und machte einen Kaffee. Pippi wurde von Michels Gewühl wach. Sie war aber zufrieden damit, den Rest Nudeln von gestern zu frühstücken, ich nahm also meinen Kaffee mit ins Bad und wollte grad anfangen, mich zu schminken, als Michel kam und direkt fünfunddreißig Dinge von mir wollte, dann war auch Pippi wieder da und sagte, ihr sei kalt, also zog ich erstmal Pippi um und versuchte, Michel dazu zu überreden, Wollsachen anzuziehen. Es sind -15 Grad und Mittwochs ist Ausflugtag, da ist das eigentlich keine Diskussion, es wird lange Wollunterwäsche angezogen und auch Wollsocken. Michel sieht das mit dem „keine Diskussion“ aber ganz und gar nicht so und diskutiert das tagtäglich mit mir aus. „Ich mag die Socken nicht.“ „Ja, ich weiß, aber frieren magst du noch weniger.“ „Aber vielleicht gehen wir heute gar nicht raus.“ „Ihr geht jeden Tag raus und heute ist Tourtag, da ganz sicher.“ „Ist heute Skitag?“ „Hä? Nein, es ist ganz normaler Tourtag.“ „Bist du sicher? Kannst du eine SMS schicken?“ „Ich kann das in meinen mails nachgucken. Aber egal wie, du musst die Wollsachen anziehen!“ „Kannst du das jetzt nachgucken?“ „Ja, ich mache ja schon.“

Ja, raten Sie mal.

„Skitag für Jahrgänge 2012 und 2013, Schlittentag für 2014 und 2015. Treffen spätestens 08:30 Uhr.

Es ist 08:10 Uhr.

Ich bin dann mal wach.

„Aber wir haben eh keine Ski für dich, die hab ich L. zurückgegeben! Du kannst deinen Schlitten mitnehmen. Aber wir müssen in 10 Minuten los, zieh dich jetzt sofort an.“

Bei Michel kam nur „keine Ski“ an. Und er weint jetzt. Und weil ich mit Stress ja total gut umgehen kann, schnauze ich ihn an, dass ich das jetzt halt auch nicht ändern kann aber wenn er heult, kommen wir zu spät und dann sind die schon weg und er muss mit den Babys im Kindergarten bleiben. Das hilft insofern, dass Michel sich jetzt endlich anzieht. Mir fällt ein, dass die Skischuhe noch auf dem Dachboden sind, die waren der Tochter von L. nämlich zu klein. „Dann kannst du dir vielleicht von jemand anderem Ski ausleihen.“ Ich renne auf den Dachboden und hole die Schuhe. Mache Michel Cornflakes und öffne Pippi einen Smoothie – die hatte ja vor 3 Stunden ne komplette Banane. Michel sagt „Aber die Ski sind doch im Keller…?“, ich erinnere mich vage an sowas wie „Wir brauchen nur die Stöcker zurück, H. hat jetzt längere Ski.“ und renne in den Keller. Da sind tatsächlich die Ski. Und die Stöcker auch. Hupsi. Haben wir wohl vergessen, zurückzugeben. Ganz offensichtlich. „Organisation ist alles.“ Egal, ich raffe alles zusammen und renne wieder in die Wohnung hoch. Die Kinder sind so mittelfertig mit ihrem Frühstück, es ist 08:20 Uhr, ich scheuche beide ins Bad zum Zähneputzen und Kämmen. Michel ist jetzt auch sehr sehr aufgeregt. Den zähnegeputzten Kindern sage ich, sie sollen ihre Skianzüge anziehen, während ich die Brotdosen und Wasserflaschen und den angefangenen Smoothie auf die Rucksäcke verteile. Geht natürlich nicht, weil Pippi auf Michels Ski eifersüchtig ist und Michel sich darauflegt, damit Pippi nicht drankommt. Ich schnauze nochmal beide an. Es ist 08:27 Uhr. Ich schreibe dem Kindergarten die leicht euphemistische SMS „Sind auf dem Weg.“, stopfe Pippi etwas unsanft in ihren Anzug, helfe Michel bei seinen Reißverschlüssen, überrede Pippi zum Tragen von Schuhen, Michel klemmt Ski und Stöcker unter den Arm, ich die Rucksäcke und Skischuhe, grabsche auf dem Weg aus der Tür noch schnell meine Handschuhe und unten Pippis Schlitten und dirigiere irgendwie die Kinder über die Straße. Keins wird überfahren. Um 08:33 Uhr ist alles Gedön im Kofferraum und wir alle angeschnallt. Pippi hat Rotzwürmer und ich kein Taschentuch. Es ist wirklich saukalt, so ohne Mütze merke ich das doch sehr. Um 08:36 Uhr sind wir an der KiTa. Michel nimmt wieder seine Ski und ich den Rest. Der KiTa-Bus steht da noch – weil er nicht startet. Die großen Kinder sind auf dem Weg raus, die Kleinen sind aber drin. Michel braucht Hilfe mit den Skischuhen. Die sind echt sehr sehr eng. Pippi und ihre Rotzwürmer stehen verloren mitten im Große-Kinder-Gewusel, Michel zappelt und erzählt mindestens drei Leuten gleichzeitig, dass ich vergessen habe, dass Skitag ist, und dass ich vergessen habe, meiner Kollegin die Ski zurückzugeben. Nach gefühlt ewigen fünf Minuten habe ich Michel in die Skischuhe bekommen, da fehlt sein Handschuh. In der KiTa-Garderobe sind gefühlte 30 Grad. Pippi will hoch, alle anderen Kinder reden, rufen, brüllen und meine Synapsen laufen langsam vor Transmittern über. Ich sage unwirsch zu Michel, dass sein Handschuh nicht weg sein kann, der war ja vor drei Minuten noch da und bringe Pippi nach oben. Die ist erst happy, ihre Freunde zu sehen, stößt sich dann aber den Kopf und weint und will, weil ich noch da bin, natürlich nicht von der Betreuerin getröstet werden, sondern von mir. Aber immerhin darf die Betreuerin ihr endlich die Nase putzen. Als ich unten aus der KiTa komme, ist es 08:51 Uhr. Aber ich kann noch nicht nach Hause fahren, denn ich werde von Michel überfallen, der seinen einen Ski nicht anbekommt. Mit langsam absterbenden Ohren und Fingern helfe ich ihm bei seinem Ski, was sich schwierig gestaltet, weil er die ganze Zeit nervös herumhampelt und als dann der Bus endlich startet, ist alles vorbei. Glücklicherweise kriege ich in der selben Sekunde den Ski fest.

Um 09:02 Uhr bin ich wieder zu Hause, völlig im Eimer.

Organisation ist halt alles, ne?

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Auto-Lobhudelei: Herrje. Überlebt. Kinder haben warme Dinge an, Essen dabei und waren nahezu pünktlich da. Und inzwischen bin ich auch bei der Arbeit.

Tag 929 – Kleine Diebe.

Bei Ihnen ist Fastenzeit, hier ist morgen im Kindergarten Karneval. Heidenland, Soddom und Gomorrha, barbarische Vikinger, whatever, ich finde Karneval eh unlustig und verkleide mich auch nicht gern. Insofern war ich ganz froh, dass Michel heute (ja, doch schon heute) mit einer sehr konkreten aber leicht umzusetzenden Kostümidee um die Ecke kam, geschrieben auf einem Zettel und wohl mit nur ganz wenig Hilfe*:

Da steht (mit ein bisschen Phantasie jedenfalls) „TYVE DRAKD OG TYVEHAT“ und heißt soviel wie „Diebanzug und Diebmütze“, garniert mit wundervollen Rechtschreibfehlern, wie sie nur Schreibanfänger machen können**. Auf dem Bild ist Michel in der Mitte, der von seinem Kumpel mit Polizeispleen (rechts) festgenommen wird. Weshalb Michel auch sauer ist. Michels Freundin, die auch eine Diebin ist, sitzt schon im Gefängnis und ist auch sauer. Und weil Diebe in Michels Welt gestreifte Gefängniskleidung anhaben und er sich davon auch absolut nicht abbringen ließ, kauften wir heute einen Weiß-Ganzdunkelblau-gestreiften… Schlafanzug und noch einen Minions-Dieb-Schlafanzug für Pippi, zwei dunkelgraue Wollmützen dazu (weil die Lego-Diebe sowas aufhaben) und morgen werden also zwei kleine Diebe in den Kindergarten gehen und möglicherweise allen die Herzen stehlen. *hust* mindestens.

Die Rückseite von dem Zettel war auch noch der Brüller:

Und ich so: „Mohehe?!?“ Und Michel: „Ja! MUHÄHÄHÄHÄ! *lacht diabolisch*“

Dieses Kind, ey!

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Auto-Lobhudelei: Vier Folien zusammengedutzelt, um 22:39 Uhr das Sportprogramm abgeschlossen (Au!).

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*Das eine Kind schreibt, das andere zählt bis zwölf („ein, fei, grei, fide, fümpf, seks, sju, åtte, ni, ti, elf, gölf. yeahhhh!“). Ich schwanke zwischen Hachz und Hui.

**Ich finde schreiben lernende Kinder fast so niedlich wie sprechen lernende. Nein, niedlicher.

Tag 922 – Kann doch nicht wahr sein…

Ja, genau. Michel hat irgendeinen Infekt oder so, ihn plagen weiterhin Kopfschmerzen, trockener Husten und manchmal leichtes Fieber. Es ist zum Mäusemelken. Und ja, ich nörgle über die Untätigkeit, und dann nörgle ich auch, wenn ich was zu tun hab – nämlich kranke Kinder betreuen. Aber, herrje, die sind ja im Moment auch echt dauernd krank. Und ich verstehe rational, dass ich wirklich nun mal diejenige bin, die keinen Job hat. Aber halt nur rational. Emotional bleibt damit IMMER ALLES an mir hängen. (Ich benutze jetzt grad mal absichtlich die Paarberatungs-Triggerphrasen zur Verdeutlichung.) Ich waschetrocknefalteverräume nebenher Wäsche, räume nebenher die Spülmaschine ein und aus, räume auf, rödle herum. Ich besorge Dinge. Ich gehe zur Post. Ich, ich, ich.

Ha! Schön wär’s! Ich mache das ja noch nicht mal alles! Ich gebe mir jede Mühe, eben nicht den kompletten Haushalt zu schmeißen. Aber das kostet richtig bewusstes Nicht-tun von mir, immer wieder muss ich mir sagen, nein, du bist jetzt nicht automatisch Hausfrau, dein Job ist jetzt die Jobsuche und die Vorbereitung auf die Defense. Herr Rabe arbeitet grad die Stunden wieder rein, die ihm im Dezember verloren gegangen sind, das hält ihn aber nicht davon ab, abends eine Maschine Wäsche aufzuhängen. Oder einen Liter Milch mitzubringen. Und diese Schieflage – ich, die ich mich bewusst bremsen muss, Dinge zu tun, die ich total blöd finde, die ich aber gut machen könnte und zu denen ich mich auf eine fiese, diffus protestantische und hundertprozentig von meiner Mutter übernommene Art auch stark verpflichtet fühle – auf der anderen Seite Herr Rabe, der (wegen mir) Arbeit liegen lassen musste, die jetzt wartet und der sich vermutlich auch dazu verpflichtet fühlt, gerade jetzt bei seiner Arbeit vollen Einsatz zu zeigen, hängt doch unser Familieneinkommen maßgeblich davon ab – diese Schieflage jedenfalls, die ist richtig unangenehm. (War das der längste Satz bisher in diesem Blog? Ich vermute es stark. Nun Ellipsen. Obwohl. Nee.)

Und dann fühlt man frühmorgens ungewöhnlich warme Füße am Bein und weiß: mein Job ist grad eben doch kein Job. Und wenn nichts super wichtiges ansteht (Mittwoch zum Beispiel habe ich einen Augenarzttermin und ich sage es mal so: noch eine Person, der Michel offenherzig erzählt, dass seine Mama „einfach keinen Job findet“ und ich nehme den nie wieder irgendwo hin mit), bin ich dran. Dran, dranner, am dransten.

Gut, dass mir das wenigstens bewusst ist, da ist die Gefahr etwas geringer, es sich in der Situation bequem zu machen. Und für die Zeit ab Donnerstag, wenn ich die Vorträge, den Druck, das ganze Tralala einfach fertig bekommen *muss*, haben wir schon abgemacht: da teilen wir auch die Kindkrank-Tage wieder.

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Auto-Lobhudelei: Gezielt in einen Glitzertopf gefallen und Bombe ausgesehen, während ich mitsamt Michel bei der komplett sinnfreien Beratung des Karrierecenters war. Bombe ausgesehen, während ich Blubberwasserpatronen kaufte. Pippi aus der KiTa holte. Das Spitzenoberteil anpasste. Mit einer Dame telefonierte, die mich ein wenig über die Arbeit der EMA aufklärte. Mit Michel fünfzig Mal durchdiskutierte, dass er kein Fernsehen gucken darf, weil wir das so abgemacht haben, als er am Morgen sagte, er wolle nicht in die KiTa. Also auch: viel geschafft. Erwachsenenpunkte verdient.

Tag 921 – Ein bisschen Fortschritt.

Am Kleid: Rigilene verarbeiten ist gar nicht schwer. Einfach abschneiden, Enden abrunden, mit nem Feuerzeug anschmurgeln (stinkt, ich war selbst überrascht, gar nicht), zwei, drei Sekunden warten, dann mit den Fingern rund drücken. Zwei bis drei Stecknadeln bei dem Versuch, das Band festzustecken, abbrechen. Diesen Schritt kann man aber auch weglassen. Auch sich fies in den Finger stechen ist optional. Das Band dann mit einigen Stichen quer am oberen Ende fixieren. Dann von oben nach unten zuerst eine, dann die andere Seite des Bandes direkt auf den Stoff nähen. Aufpassen, dass man immer zwischen den gleichen Stäbchen bleibt. Fertig.

Ich bin jetzt mit dem Oberteil fertig und zufrieden, die Spitze ist zugeschnitten, morgen geht’s weiter.

Mit den Kindern: bei Michel etwas lockerer, bei Pippi etwas strenger geworden. Die kleinen Individuen brauchen Feinabstimmung meiner grad erst wieder halbwegs aufgefüllten Erziehungskräfte.

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Kleine Anekdote: wenn ich die Kinder ins Bett bringe, sage ich immer „Schlaf gut und träum was schönes, von Sauren Gurken und Zucker und Anis.“ Pippi kommt mir jetzt gerne zuvor, sobald ich gesagt habe „Schlaf gut…“ sagt sie „Ja, däum ssönes, saue Guhke, Zucka, Nis!“ und dann schmilzt mein Herz immer ganz doll.

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Auto-Lobhudelei: Das Kleid wird, glaube ich, echt schön. Ansonsten sind die Kinder bei mir nicht verwahrlost oder verhungert während Herr Rabe auf seinem Skitrip war.

Tag 920 – Lessons learned.

  • Die Kinder halten es kuschelnd und sich nur ab und an schlagend noch etwa 30 Minuten im Bett aus, nachdem sie aufgewacht sind.
  • Die Kinder sind trotzdem am Samstag immer gegen halb acht wach. (Das Klischee sagt ja eigentlich, dass das erst mit der Schule losgeht, wir müssen aber beide Kinder jetzt schon unter der Woche wecken, damit sie rechtzeitig in die KiTa kommen. Das wird noch richtig spaßig, wenn das Aufstehen noch mal ne Stunde eher (ca.) sein muss, wenn Michel mit der Schule anfängt.)
  • Michel hat so vieles von mir. Temperament, unter anderem. Vermutlich rasseln wir deshalb gern mal aneinander. Hautfarbe inklusive damit verbundenen Problemchen hatte ich ja auch schon mal festgestellt – Michel muss wirklich immer mit Sonnencreme eingecremt werden, sobald ein bisschen die Sonne scheint, verträgt gleichzeitig aber nur wenige Sonnencremes dauerhaft. Das ist plöd, armes Kind, ich kenne das. Und neuerdings hat Michel auch noch ab und zu Kopfschmerzen. Nie Bauchweh. Immer Kopf. Heute: einseitig. Oh Mann. Kindermigräne brauchen wir und vor allem er nicht auch noch, bittedanke.
  • Pippi versucht jetzt, durch puppenhaftes Wimpernklimpern Schimpfe zu entgehen. Klappt nur ganz selten.
  • Auch mit Michel allein im 1,60 m breiten Bett liegt er zu zwei Dritteln auf mir drauf. Q.e.d.
  • Michel ist jetzt in der, wie soll ich es nennen? linguistischen Phase. Jedes Wort wird auf seine Bedeutung hin erforscht. Infoquelle: Ich. „Was bedeutet „Sonne“?“ Keine Ahnung, Dings, Sonnengott, großer leuchtender Ball, ähh, wahrscheinlich hat irgendein Urzeitmenschenvorfahre mal in den Himmel geguckt „SO-EH!“ gegrunzt und dann hieß das eben so. Und das dann für HundkatzemausSchuheHoseWaschmaschineWäscheGrätenKnochenFleischFischSäugetierEi. Hunderttausendmal am Tag. Ich will die Warum-Phase zurück.
  • Man kann schon auch ohne zweite Person (und ohne Büste) Kleider abstecken. Es ist halt etwas umständlich. Aber nach nur drei Stunden (oder so) bin ich jetzt mit dem Anpassen soweit fertig, dass ich die (Hilfs-)Nähte alle aufmachen und endgültig wieder zusammensetzen kann. Was für ein Akt. Man muss aber dazu sagen: ich hab das noch nie gemacht, das Kleid ist ja auch trägerlos und Satin verzeiht gar nichts. Da sind sofort Falten oder es rutscht, sobald man ausatmet, es hat ja auch noch gar keinen Stand, weil das Innenfutter, das mit (noch so ein erstes Mal) Rigeline verstärkt wird, noch nicht drin ist. Es ist jedenfalls bisher mein anspruchsvollstes Projekt, ich bin gespannt, wie es am Ende wird. Und ich bin ein bisschen froh, dass noch die Spitze drüber kommt. Dann sieht man wenigstens kleinere Schnitzerchen nicht mehr sofort.
  • Ich bin viel schlanker als gedacht, vor allem über der Brust. Ich dachte immer, ich hätte ein recht breites Kreuz, aber ich musste fast 10 cm im Umfang über der Brust wegnehmen, vor allem im Rücken und den Rest unter den Armen. Dann noch unter den Brüsten ordentlich was weg, Taille verschmälern… dabei habe ich ja vorher extra gemessen und dann mit den angegebenen Maßen des fertigen Kleidungsstücks verglichen. Vielleicht geht auch mein Maßband falsch. Hmmhmm.
  • ohne Spitze sieht das Kleid an mir aber noch recht… behämmert aus. Wobei solche Kleider das vielleicht an fast jeder*m tun würden, deren/dessen Schultern nicht miniminischmal sind.
  • Ich bin so furchtbar diszipliniert. Sport ist Sport und wenn ich halt erst dazu komme, wenn die Kinder im Bett sind so be it. Dann mache ich halt Sport um zehn Uhr abends. Und lache ein bisschen über mich selbst.

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Auto-Lobhudelei: den Tag mit den Rübennasen ganz gut überstanden, meist nicht wie die schlechteste Mutter der Welt gefühlt, die Kinder haben gebastelt und wir waren sogar draußen und hatten den Schlitten dabei (es waren aber keine guten Schlittenhügel auf dem Weg. Dafür kann man auf so nem Goretex-Hintern echt sehr sehr schnell Rutschen herunterrutschen).

Tag 907 – Wäähäähää und Squiiieeeeek.

Heute lief der Tag im Prinzip gut, mit ein paar kleinen Holperern, als Pippi mit Filzstift auf den Fußboden malte und Michel das gesamte Bad flutete. Das mit dem Filzstift war extra mies, weil ich vorher noch die Filzstifte weggelegt hatte mit den Worten „Hier auf dem Fußboden wird nicht mit Filzstiften gespielt.“, dann aber aufs Klo ging und Herr Rabe holte irgendwas und in den wirklich höchstens zwei Minuten holte sich Pippi die Box, machte sie auf und bedeckte zwei gut tellergroße Stellen mit Rot. Nun. Es gab einen Anschiss und Herr Rabe schrubbte dann in Windeseile das Rot vom Laminat, erst mit Feuchttüchern und den Rest mit einem Glitzischwamm „für Teflon geeignet“ und Spüli. Ging. Das mit dem gefluteten Bad war einfach nicht aufgepasst von Michel, dadurch aber nicht weniger blöd, kurzzeitig hatten wir dann auch keine trockenen Handtücher (oder Hausschuhe oder Schlafanzüge für Pippi) mehr und Michel grummelte vor sich hin, weil auch er von mir eine Ansage bekam. Aber wer meint, groß genug fürs Wasser selbst steuern zu sein, der muss auch checken, ob die Duschtür richtig zu ist. Hat er jetzt hoffentlich gelernt.

Ich bekam dann auch noch die geballte Wut von gleich zwei Kindern ab, weil ich Ketchup auf der Pizza untersagte. So eine Barbarei fangen wir gar nicht erst an und da beide vorher ne halbe rohe Paprika gegessen hatten, sah ich auch keinen in akuter Skorbut-Gefahr. Dann war ich halt mal kurz die super fiese Mama. Ich konnte es grad noch retten, indem ich auch auf die Kinderpizza Räucherlachs legte. Puh.

Dafür meinte meine Nähmaschine nach dem Abendessen, sie hätte für heute schon genug getan. Ich hatte am frühen Nachmittag einen Pulli für Herrn Rabe fertig genäht und dachte, ich könnte heute Abend noch den für meinen Bruder zusammennähen. Aber beim Ärmel einsetzen fing irgendwas an, zum Gottserbarmen zu Quietschen und zwar in einer Frequenz, die mir Zahnschmerzen bereitet und Fledermäuse gegen die Wand klatschen lässt. Das war schier unerträglich. Da ich dann aber auch beim näheren Drübernachdenken mich nicht mehr dran erinnern konnte, wann ich das letzte Mal die Maschine gründlich* gereinigt hab und vor allem geölt hab, brach ich das Nähen erstmal ab und baute die Maschine nach Anleitung auseinander. Es ist tatsächlich schon ein bisschen länger her, dass ich das gemacht habe. Inzwischen ist es mir wieder eingefallen, es war im Sommer 2015. Hupsi. Kein Wunder, dass da was quietscht. Obwohl es alles noch gut geschmiert aussah, das muss man sagen, es war nur wirklich alles voller feiner Stofffussel. Ich saugte also alles erstmal grob mit dem Staubsauger ab, bürstete den Rest mit dem Tool, das zur Nähmaschine gehört, weg, ölte die zwei Stellen, die nach Anleitung geölt werden sollen, baute alles wieder zusammen, ließ die Maschine ca. 2 Minuten lang ohne Faden laufen (es quietschte jetzt nicht mehr, ich hoffe, es bleibt so) und dann packte ich alles auf den Schrank, weil morgen die Putzhilfe kommt. Mein Bruder wird also noch einen Tag länger auf seinen Pulli warten müssen. Schlimm.

Gebacken wird auch erst am Dienstag, weil ich heute keine Lust hatte Vorteige zu machen und die Kinder sich eh schon auf kalte Pizza in der Brotdose freuen. Ohne Ketchup.

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*Also grob reinige ich die schon sehr viel häufiger. Aber ich baue eben eher selten die Platte ab, fummle das Unterfadengehäuse raus und mache darunter und da drum rum sauber.

Tag 902 – Heute mal nur Gutes.

Fangen wir hinten (chronologisch) an:

  • Ich bin immer noch schwer begeistert von Star Trek Discovery. Eben WEIL es nicht noch eine ähnliche Star Trek-Serie ist, sondern weil es eine TOTAL ANDERE Star Trek Serie ist. Ja, düster, ja, Menschen sind nicht die ultimativ tollste Spezies, nicht mal „die Federation“ macht nur tolles. Irgendwie kann man auch die Klingonen verstehen und der Plot in Folge 10-13 rüttelt die Kategorien dann auch nochmal ein bisschen durch. Ich mag es halt. Andere nicht, ist auch ok.
  • Meine allerherzlichsten Glückwünsche an Mademoiselle Read On, die heute den Preis als beste Bloggerin bei den Goldenen Bloggern bekommen hat. Verdient. Hochverdient.
  • Pippi hat kein Fieber mehr. Ich sehe einem arbeitsreichen Tag morgen freudig entgegen. Eine Woche mit kranken Kindern ist echt lang.
  • Mein Bruder hat heute Geburtstag und wird 31. Gefühlt gestern wurde er noch 13 und malte seine Warhammer-Figuren an (und schwor Stein und Bein nienieniemals zu Rauchen, zu Trinken oder sonst irgendwelche Drogen anzufassen). Alles Gute, Brudi!
  • Allen Mut zusammen genommen und eine Mail an die „betroffenen“ Recruiterinnen geschickt. Ich konnte es auf dem Erwachsenenkonto quasi katsching-en hören.
  • Eine Bewerbung angefangen, wird morgen früh abgeschickt. Zwei habe ich dann noch in der Pipeline, bevor ich die Global Player wieder bombardiere.
  • Meine Defense wurde tatsächlich verlegt! Ich habe jetzt einen anderen Opponenten (was wirklich schade ist, aber so ist das eben, man kann in diesem Fall wirklich nicht alles haben) und die Defense wird am 22.03. sein. Noch bin ich hauptsächlich begeistert, dass es so bald schon vorbei ist.

Doch, insgesamt alles gut! (Heute, kurz, alles nur eine Phase, aber ich genieße jetzt einfach mal.)

Tag 901 – Achachachach.

Ich vermute, mein Schilddrüsenblocker ist momentan zu hoch dosiert, jedenfalls möchte ich immerzu schlafen, komme morgens nicht aus dem Bett (egal, wie lange ich da drin lag, nach 5 Stunden fast noch besser als nach 8) und sobald es ein bisschen gemütlicher ist, schlafe ich ein.

Pippi nicht so. Pippi schläft nicht, sie ist auch immernoch krank und hat deshalb Mittagsschlaf gemacht. Und jetzt ist sie wach. Und nur ich bin ok, will heißen: sie brüllt nicht. Schläft aber auch nicht. Erwachsenenzeit? Serie schauen? Mal allein sein? Mööööp.

(Es wird besser, ich weiß das, bestimmt schon morgen, aber jetzt grad, da möchte ich einfach nur auf eine einsame Insel gebeamt werden und dem Meeresrauschen zuhören und allein sein. Und jetzt grad, da ist mir nach Auskotzen darüber.)

Tag 898 – Wie so ein Tier.

Erstens hing ich heute noch einen Tag lang mit einem kranken und einem gesunden Kind zu Hause rum und so langsam muss ich echt Willenskraft aufbringen um nicht wie so ein Tiger Furchen in den Boden vor der Tür zu laufen. Im Ernst, ich bin gern mal gemütlich, ich hatte sogar wieder die Gelegenheit, ein bisschen zu dösen, aber herrje, ich muss mich bewegen! Und damit meine ich kein Herumhopsen vorm Fernseher, damit meine Muskeln nicht verkümmern, damit meine ich aus dem Haus gehen. Morgen. Morgen gehe ich aus dem Haus, und wenn ich Pippi dafür fitspritzen muss, ich werde sonst irre hier.

Zweitens hatte ich mit Michel heute naturwissenschaftliche Diskussionen. Warum sind die Affen zu Menschen geworden? Menschen und Affen haben gemeinsame Vorfahren. Was heißt das? Dass es mal ein Tier gab, das war vielleicht so wie ein großer Affe und daraus haben sich dann die Menschen und die Affen entwickelt. Sahen die Menschen immer so aus wie jetzt? Nein, die sahen am Anfang ganz anders aus. So wie Boxer? (Bleiben Sie da mal ernst!) Naja, ein bisschen vielleicht wie Boxer, weil der Kiefer noch so aussah, wie ein Mensch heute mit Mundschutz. Und die Augenbrauen waren auch dick! Ja stimmt, die waren auch ein bisschen so, wie wenn ein Boxer da drauf gehauen wurde. Menschen sind auch Säugetiere, Mama. Ja. Warum heißen Säugetiere (auf norwegisch: Pattedyr) eigentlich so? Weil sie ihre Babies säugen. Haben alle Säugetiere Fell? Nein, Wale zum Beispiel haben kein Fell, sind aber Säugetiere. Fische sind keine Säugetiere! Nein, Wale sind aber keine Fische, weil sie lebende Babies bekommen und keine Eier legen und die Babies dann auch Milch trinken. Kann man Wale essen? Ja, kann man, man kann fast alles essen. Ist das erlaubt, Wale zu essen? Ja, das ist erlaubt, aber fast überall ist verboten, Wale zu fangen und zu töten. Hier ist es erlaubt, aber ich finde das nicht gut und esse deshalb keine Wale. Warum findest du das nicht gut? Weil es nicht viele Wale gibt und die Menschen durch das Fangen von Walen schon viele Arten davon fast ausgerottet haben. Ich finde das auch nicht gut. Wenn man eine Walmama tot macht, wird das Baby bestimmt traurig. … Es dauert noch lange, bis ich sterbe. Ja, das stimmt. Und bis ihr sterbt? Dauert das auch noch lange. Warum sterben wir irgendwann? Weil unsere Gene alt werden. Was heißt das? Naja, wenn du ein Bild immer wieder kopierst, dann wird das ja auch immer schlechter, irgendwann erkennt man fast nichts mehr. Das passiert mit deinen Zellen auch. Irgendwann sind die Gene da drin so oft kopiert, dass das nicht mehr gut funktioniert mit dem Kopieren. Dann werden die Zellen alt und dann stirbt man irgendwann. Warum werden die Gene alt? Ja, weil sich halt da drin Fehler ansammeln. Wie beim Kopierer. Und die werden auch immer kürzer, das Bild wird sozusagen immer am Rand ein kleines bisschen abgeschnitten und irgendwann ist nichts mehr zum abschneiden da, dann ist die Zelle auch alt und stirbt. Und wenn viele Zellen sterben, stirbt irgendwann auch der ganze Mensch, das ist leider so.

Dieses Kind. Es wird mich irgendwann Löcher in alle erdenklichen Körperteile gefragt haben, mich totdiskutieren und dann meine Telomere nachmessen. Während die kleine Schwester perfekt geometrische Formen aus Bügelperlen und Lego baut, was ich für zweieinhalb auch schon beachtlich finde. Und sie kann, kein Witz, bis elf zählen.

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Auto-Lobhudelei: keine Furchen in den Boden gerannt. Die Bewerbung von gestern heute Abend endlich fast fertig gestellt.

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Tag 894 – Ich mach das!

Das ist einer der häufigsten Sätze von Pippi. Sie kann jetzt „Ich“ sagen, statt ihres Namens, und natürlich lässt sie da voll das kleine Geschwisterchen raushängen: „Ich auch!“ und „Das ist MEINS!“ (Vorher sagte sie „das ist Pippi mein seins!“ und das war eigentlich auch sehr sehr niedlich.) sind auch hoch im Kurs. Und halt „Ich mach das!“ in diesem wütenden „Ich brülle gleich alles zusammen, wenn du noch länger versuchst, mir die Schuhe anzuziehen!“-Ton, den auch nur Zweijährige so authentisch drauf haben.

Ansonsten kann sie „Ich“ nur in Verbindung mit „bin“ und zwar auf Norwegisch. „Jeg er“, das hört sich aus ihrem Mund dann wie „Yeah yeah“ an. Und weil sie eben noch keine anderen Hilfsverben kann, wie „wollen“ oder „haben“, kommen da lustige Kombinationen bei raus. Satz Nummer eins: „Ich bin Banane.“. „Yeah yeah Nane.“ „Ich bin Hunger.“, „Ich bin Papa/Mama/Peppa Wutz.“, „Ich bin Joghurt.“, „Ich bin malen.“ und heute neu, der bisher längste Satz: „Ich bin Kaplette Mund nehmen.“ (über ihre abendliche Eisentablette, die sie wie jeden Abend noch im Bett in der Hand hatte).

Weiterhin singt Pippi immernoch sehr gern und, für so ein kleines Kind, echt gut. Sie hat offenbar ein Gehör für Melodien und ein Gespür für Rhythmus. Und neuerdings denkt sie sich selbst Lieder aus und nervt Michel damit zu Tode, wenn sie „Pippi, Matti, Jenni, Bukke Buuuuuse!“ in Dauerschleife trällert, während ich nur denken kann, was für ein tolles, kreatives Kind sie ist. Auch beim vierhundertsten Mal Lille Kattepus/Vader Jakob/Bæ, bæ lille lam/Lille Petter Edderkopp und wie sie alle heißen. Nur beim Tip-Toi-Stift muss ich manchmal ihre Kopfhörer holen, weil mich manche von den Stimmen so nerven, aber nie ihre (wenn sie singt. Wenn sie schreit, schon).

Auch neu heute: ein Witz. Pippi ist eh ein kleiner Clown und tut zum Beispiel seit ein paar Wochen bei jeder Autofahrt so, als sei sie eingeschlafen. Grinsend kneift sie dann die Augen zusammen und macht kleine Schnarchgeräusche. Es ist so niedlich! Heute übernachtete Michel wieder bei seinem besten Freund und Pippi drehte beim Frühstück voll auf. Endlich stahl ihr mal keiner die Show. „Ha-ha-haaa-haaa…Ei!“ machte sie plötzlich. Und schob sicherheitshalber hinterher: „Das war Ei-Hatschi!“.

Hachz. Die ist echt so niedlich. Wenn sie einem nicht grad Sachen an den Kopf haut, weil man sie nicht den Fünfpunktgurt am Kindersitz schließen lässt.

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Auto-Lobhudelei: aus Stoffresten, die jetzt endlich stark dezimiert sind, Mützen, Buffs und ähnliches für die ganze Familie genäht. Es sind nämlich auch -10 Grad draußen.