Tag 966 – Motzi.

Die gute Nachricht: Pippi ist soweit wieder gesund, dass sie in den Kindergarten gehen kann.

Die schlechte Nachricht: Pippi steckt bis zu den entzückenden Haarspitzen in der, ja, ich lege mich da jetzt schon fest, allerschlimmsten aller Entwicklungsphasen: der Autonomiephase.

Es ist furchtbar. Ihr Lieblingswort ist Nein. Ein geschrienes, wütendes Giftzwerg-Nein. Ziehst du dich bitte an? Nein. Kann ich dir die Zähne putzen? Nein! Gibst du das Michel bitte zurück? NEIHEIN! Aussagen statt Fragen formulieren hilft auch mal so gar nicht. Lass den Becher stehen. Nein. Jetzt ist gut mit Hände waschen. Nein! Ich ziehe dir jetzt die Windel an. NEIHEIN!

Ist das alles? Nein. Denn dazu kommt, dass sie ein Sturkopf sondergleichen ist und wenn sie nicht bekommt, was sie will, folgt halt ein Wutanfall. Heute hatten wir derlei drei:

  • Auf dem Weg zum Kindergarten, weil sie Laufrad fahren wollte, dann doch nicht mehr, dann aber nicht im Kinderwagen sitzen wollte, sondern den selbst schieben und wir nach dem Laufradgehampel und diversen Neins am Morgen da keine Zeit für hatten. Ergo: brüllendes Kleinkind auf dem Bürgersteig, mitten zwischen den angetauten Hundehaufen und den sechs Tonnen Split die da noch liegen.
  • Beim Abholen aus dem Kindergarten, weil sie ihre Hausschuhe da lassen musste. Das ging so weit, dass ich sie einfach so, wie sie war, ohne Mütze, Schuhe oder Anzug aus dem Kindergarten schleppte und im Kinderwagen festschnallte. Da tobte sie dann noch weiter vor sich hin und verweigerte den ganzen Nachhauseweg standhaft jedes Angebot, ihr was anzuziehen. NEIHEIHEIHEIN! Bei 5 Grad ist das sicher nicht schön gewesen.
  • Beim Aufwachen aus dem Schläfchen, was sie spontan auf dem Sofa hielt, nachdem sie vor lauter Wut im Kinderwagen eingeschlafen war (ca. 5 Sekunden nach dem Foto). Für dieses Schläfchen war ich sogar ganz dankbar, weil ich auch nicht so sehr gerne in jeder freien Minute von meinem Kind angeschrien werde. Dieser letzte Wutanfall geschah augenscheinlich grundlos, bestand aus infernalischem Gebrüll und um sich schlagen und treten und alles vollschnoddern vor lauter Geheul und dauerte eine geschlagene Stunde. In der Stunde war ich ihr Boxsack, weggehen durfte ich nicht, sie anfassen aber auch nicht, mit ihr reden nicht. Als Michel ankam und ihr ein Schokoei anbot, pfefferte sie ihm das ins Gesicht. NEIHEIN!!! (Nahm Michel nicht übel, er aß es dann halt einfach.) Gerade als ich soweit war, mich im Bad zu verbarrikadieren, um dieses Gebrüll mal kurz nicht ganz so laut hören zu müssen, schluchzte sie laut „Maahaamaaa! Maaaamaaaa!“ und reckte ihre Arme in die Luft (nicht in meine Richtung, eher so irgendwohin halt) und auf meine Frage „Soll ich dich jetzt trösten?“ kam ein kaum hörbares „ja.“ zurück.

Ich weiß ja, es geht vorbei. Man kann nichts machen außer aushalten und das brüllende Bündel im Zweifel ganz schnell aus Supermärkten, KiTas und Arztpraxen entfernen (umstritten, ob man das wirklich sollte, aber erstens würde ich nicht wollen, dass mich jemand einfach Rotz und Wasser heulend in der Öffentlichkeit sitzen lässt, wenn es auch anders geht, auch wenn „Kinder halt dazu gehören“ und, zweitens, ja, da oute ich mich gern, aber fremde Kinder in der A-Phase kann ich, wenn ich ohne Kinder irgendwo bin, noch schlechter aushalten als mein eigenes. Wenn deshalb die Möglichkeit besteht, dass das Kind irgendwo anders brüllt, sorge ich als Mutter dafür, dass es das auch tut und schätze es auch, wenn andere Eltern das tun.). Diese Phase ist total wichtig für die Entwicklung des Kindes und blablablablabla, weiß ich alles.

Schön isses trotzdem nicht.

(Steigst du jetzt aus? NEIN!)

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Auto-Lobhudelei: Adoptionspapiere noch nicht ausgedruckt.

Tag 965 – Leuchtende Augen.

Am Samstag waren wir Einkaufen. Hier ist ja über Ostern immer superlanges Wochenende, der Mittwoch ist schon nur noch Larifari-Arbeitstag, Gründonnerstag ist Feiertag, Karfreitag eh, Samstag ist dann halber Feiertag mit eingeschränkten Öffnungszeiten und dann eben Sonntag und Montag wieder Feiertag. Aber da sämtliche Norweger ihre Osterferien auf der Hütte* verbringen und Ski fahren, ging es eigentlich sogar mit dem Samstagseinkauf, bis auf eine Aubergine habe ich alles bekommen. Für die Aubergine wollte ich dann aber nochmal in den Meny, wir kaufen ja sonst alles beim Rema, der ist ein bisschen wie Aldi, der Meny eben eher so Edeka. Viel mehr Auswahl, aber halt auch alles teurer und bei 5 Litern Milch pro Woche merkt man das eben schon irgendwann, ob die 19,80 oder 20,90 kostet und hey – hier ist eh alles pseudo-monopolisiert, man kriegt zu 90% im Meny halt die gleichen Produkte wie im Rema. Für die anderen 10% fahren wir dann doch hin. Und wie das dann so ist, kauft man noch dies und das und bleibt nochmal an der Fisch- oder Käsetheke stehen. Die gibt’s im Rema nämlich nicht. Und wie ich da so stehe, am Karsamstag eine Stunde vor Ladenschluss, und in die Käsetheke starre, spricht mich ein sicher 2 Meter großer und recht beleibter Herr an, wonach ich denn suchen würde. Erst erschrecke ich mich fast zu Tode, denn Norweger sprechen eine nicht einfach so an der Käsetheke an. Aber der Herr arbeitet da. Trotzdem sage ich nur „ach, ich suche nur mal was, was ein bisschen besonders ist…“ und will schon zum Brie** greifen, da sagt der Herr „Haben Sie den hier schon mal probiert?“ und reicht mir Chambre. Sieht lecker aus. Und da fährt der Herr auch schon fort: „Wissen Sie, was Sie damit machen können? Wir hatten mal welche davon, die waren kurz vorm Ablaufen. Und dann haben wir die einfach in den Ofen getan! Das ist ganz toll, geht ganz einfach und schmeckt herrlich, einfach Cräcker reindippen und mhhhhh! Wunderbar!“ und dabei hat er ganz leuchtende Augen, ganz niedlich ist der 2-Meter-150-kg-Mann, dass ich es weder übers Herz bringe ihm zu sagen, dass das Konzept Ofenkäse in Deutschland jetzt nicht grad neu ist, noch den Käse nicht zu kaufen.

Heute gab’s deshalb Ofenkäse.

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Michel fummelte sich beim Abendessen dauernd im Mund rum und beschwerte sich, dass der Zahn wehtue. Ich besah mir das also und sah ordentlich abgenutzte Milchzähne, Michel knirscht ja auch nachts mit den Zähnen (jetzt nicht mehr so stark wie auch schon mal, aber immernoch manchmal), ich sah auch hinter den Milchzähnen unten gerötete und geschwollene Kauleisten, da warten wohl die bleibenden Backenzähne auf ihren Durchbruch, und dann konnte ich nach ein bisschen Gefühle meinerseits endlich die heiß ersehnte Nachricht überbringen: „Der eine Schneidezahn unten, der sitzt nicht mehr ganz fest.“. Michel hat quasi komplett geleuchtet vor Stolz. Hachz.

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Auto-Lobhudelei: auf einigermaßen merkwürdige Mails einigermaßen sachlich geantwortet.

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*Anekdote: am Sonntag fragte die S. die M., ob der Sohn (H.) denn beim Papa auf dem Bauernhof sei. Ja, sagte die M., obwohl es erst geheißen hatte, „sie wollen auf die Hütte, aber da muss man 30 Minuten Ski laufen und das macht H. nicht mit“. Und da musste ich echt sehr lachen, das ist so klischeemäßig, Ylvis haben ein Lied darüber gemacht.

**Traurig, wie man hier gemainstreamed wird, aber Brie, Camembert, alter Gouda, echter Feta oder echter Parmesan sind für mich schon besondere Käsesorten geworden.

Tag 962 – Familie Langsam feiert Ostern.

Vielleicht liegt es an dem geplatzten Urlaub, aber ich genieße grad die Langsamkeit und Planlosigkeit in vollen Zügen. Wir schlafen morgens lange, dann stehen die Kinder auf und machen Quatsch, wenn wir Glück haben, ohne Sauerei und nicht in unserem Bett. Wir essen gut und viel, ich mache sehr sporadisch mein Sportprogramm weiter (das ärgert mich dann immer kurz, aber dann esse ich stattdessen und ach, es ist ja absehbar, die Ferien sind ja schon wieder fast vorbei), wir gehen spazieren, Pippi hat gestern das erste mal das Laufrad ausprobiert, Michel ist das erste mal echt fies vom Fahrrad gefallen, wir Erwachsenen kleben also Pflaster und schwatzen müde Kinderbeine zum Spielplatz/nach Hause/zum Café… es könnte schon echt alles viel schlimmer sein. Ich ignoriere auch alle Bewerbungen bis Dienstag, dann geht’s damit auf Priorität 1 weiter, aber bis dahin ist Pause angesagt. Einfach durchschnaufen und die Familie genießen. Michel, der schon so groß ist und langsam, ganz langsam, tatsächlich Lesen lernt. Einfach so, weil er das gerne können will. Da fragt er nach, wie Sachen geschrieben werden (und kommt dann mit Zetteln, auf denen zum Beispiel steht, was er essen möchte, von rechts nach links geschrieben „da war sonst kein Platz“ und auf Norwegisch mit Schreiben-nach-Gehör-Fehlern, ich sag’s mal so: da scheitert selbst mein wohlwollendes Mutterhirn daran, das zu entschlüsseln) und versucht, aus den Buchstabenfolgen auch Wörter zu bilden, was bei ganz kurzen Wörtern auch schon ganz gut geht. Pippi ist eine kleine Rübennase, stur und unfassbar niedlich gleichermaßen. Macht Quatsch, sobald man nicht hinguckt, wenn man dann freundlich drum bittet, den Quatsch zu lassen, kommt ein ebenso freundliches „Nein!“ zurück. Und dann macht sie wieder Kaffeekränzchen mit ihren Teddybären und ich hachze so vor mich hin. Herr Rabe liest unermüdlich vor und bemalt (von mir ausgeblasene) Ostereier, die die Kinder dann beim Spielen zermanschen, obwohl wir drülfzig mal gesagt haben, sie sollen nicht mit den Ostereiern spielen. Heute hat sich Herr Rabe bei den Kindern zum Held gemacht, weil er eine Nintendo Switch gekauft hat, mit Mario Kart! Michel war dann „der grüne T-Rex“ (Yoshi) und gewann einen Pokal, oder wie Pippi sagte: „Yeah! Tasse!“. Doch, schon schön so.

Mir war sogar fast komplett egal, dass der Hefezopf, den ich heute gebacken habe, vermutlich keinen Schönheitswettbewerb gewinnt.

Aber vielleicht einen Größenrekord?

Morgen werden wir dann frisch gekochte Eier färben, die Kinder werden Schokolade und kleine Geschenke im Wohnzimmer suchen, wir werden den zweifelsohne leckeren Zopf essen und abends noch viel leckerer kochen, zwischendurch spazieren gehen, Laufrad fahren, Pflaster auf Knie kleben und uns gern haben.

Hachz!

Tag 961 – Pokus, Pokus.

Michel: „Kan dokk trille?“

Ich: „Was? Was ist denn dokktrille?“

Michel: „Kannj dokk trille?“

Ich: „?“

Michel: „Trille! Kannj dokk det?“

Ich: „Hä? Ob wir rollen können?!?“

Michel: „Nein, so Pokus Pokus… *wedelt wild in der Gegend rum*“

Ich: „Ach zaubern! Nee, das kann ich nicht.“

Michel: „Ich kann das aber! Ihr müsst nur die Augen zumachen.“

Herr Rabe: *unterdrückt mühsam Lachen*

Michel: „Augen zumachen!“

Wir: *machen die Augen zu*

Michel: „Pokus Pokus, Fidebokus, Bärchen soll weg sein! *Gekruschel, etwas, das sich verdächtig nach dem Plüschbärchen anhört, fällt auf den Boden* Jetzt Augen aufmachen!“

Wir: *bemühen uns um ernsthafte Gesichter und öffnen die Augen*

Michel: „Tadaaaa!“

Ich: „Nein, ist das Bärchen weg? Sowas.“

Herr Rabe: *lachschnaubt durch die Nase*

Michel: „Augen zumachen!“

Wir: *machen Augen zu, lachend*

Michel, aufgeregt: „Pokus Pokus Fidebokus, Salebim, *Gekruschel* Waschlecken soll wapp sein!“

Ich: *Lachtränen quellen aus meinen geschlossenen Augen*

Michel: „Augen aufmachen! Tadaaa! Der Waschlappen ist weg!“

Wir: *mühsam unterdrückte Lachkrämpfe*

Pippi: „Auge sssumachen! Mama! Papa! Auge ssumachen!“

Wir: *schließen die Augen*

Pippi: „Bogüs, bogüs, fertig Auge sssumachen!“

Wir: *liegen vor Lachen fast unter dem Tisch*

Pippi: „Tadaaa!“

Michel: „Warum lacht ihr?“

Tag 959 – Nix zu erzählen.

Naja, fast nix.

– Wir, also die Kinder (haben Ferien) und ich haben meine Mutter zum Flughafen gebracht.

– Danach waren wir einkaufen.

– Und Eis essen.

– dann haben wir aufgeräumt, die Kinder nur so mittelviel, Michel noch deutlich mehr als Pippi.

– aber Pippi hätte ich heute absolut alles verziehen, wegen dieses Zöpfchens:

– Ich bin bei Peppa Wutz kurz weggenickt.

– Ich hab Eier ausgeblasen. Mit Hack, weil der Klassiker ‚Oben ein Loch, unten ein Loch, Eigelb kaputtstochern und dann halt blasen‘ ist ja mal scheiße anstrengend. YouTube hilft aber und so bastelte ich mir dann aus dem Spritze mit Kanüle-Trick aus Mangel an Kanülen meinen eigenen Hack: in die spitze Seite vom Ei ein Loch pieken und das dann so groß prökeln, dass man einen Strohhalm reinbekommt. Den Strohhalm (mit Knick) reinstecken und kräftig Luft ins Ei pusten. Inhalt des Eis läuft/quillt dann durch das gleiche Loch raus. Vorteil: es ist nicht so anstrengend wie normales Pusten, man hat keinen Mund-zu-Ei-Kontakt, es geht echt schnell. Nachteil: das eine Loch ist relativ groß, halt so Strohhalmdurchmesser.

– Resteessen.

– Kinder ins Bett komplimentiert.

– Mit Herrn Rabe, Champagner (von der Schwägerin, zur Disputation mitgebracht, aber heute anlasslos getrunken) und Netflix auf dem Sofa abgehangen.

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Auto-Lobhudelei: Distanzlose Fragen einsilbig beantwortet, nur wenig dem geplatzten Urlaub hinterhergeheult.

Tag 957 – Ein paar Gedanken zur Bestechung.

Belohnen ist ja das neue Strafen, sagt der Juul. Spoiler vorweg: so eng sehe ich das beileibe nicht. Trotzdem belohnen wir relativ wenig. Und seltenst ausdrücklich, so wie „Und weil du dies und das getan hast, kriegst du jetzt…“. Aber vielleicht ändere ich das in Zukunft und belohne ein bisschen mehr. Oder vielmehr besteche, indem ich für ein gewünschtes Verhalten eine Belohnung in Aussicht stelle. Es funktioniert nämlich. Ich meine damit nicht Dinge, die eigentlich selbstverständlich sein sollten und das auch langfristig werden sollen, also es wird hier kein „Wenn du die Socken vom Sofa räumst, kriegst du ein Bonbon“ geben. Aber für Ausnahmedinge, so wie Pippis Antibiotikum zum Beispiel. Da kriegt man jetzt hier in der einen Apothekenkette direkt einen Bogen dazu, mitsamt Aufklebern. Jedes Mal, wenn man das Antibiotikum (oder sonst eine Medizin) genommen hat, kann man einen Aufkleber auf den Bogen kleben, bis er dann voll ist. Den vollen Bogen und das übrige Antibiotikum kann man dann in der Apotheke wieder gegen eine „Prämie“ eintauschen, also: eine Belohnung. Nun war ja das neue Antibiotikum schon mal viel weniger eklig als das Nullachtfuffzehnpenicillin, aber immernoch nichts, was sich Pippi gern dreimal am Tag verabreichen ließ (wie zum Beispiel Nurofen-Saft, den würde sie auch aus der Flasche trinken, wenn wir sie ließen. Michel nicht, der nimmt lieber Tabletten als irgendeine Form von flüssiger Medizin). Das änderte sich, als sie verstanden hatte, dass sie nach der Medizin einen Aufkleber kleben durfte. Sie durfte das übrigens immer, auch wenn’s Geschrei gab oder ellenlange Diskussionen im Kleinkindstyle – Nein – Doch – Nein – Doch… alles egal, Hauptsache drin. Dann hieß es „Fosch kleben Bärsen/Snegge!“, was soviel heißen soll wie „Zum Frosch [auf den Bogen] kleben wir jetzt ein Bärchen/eine Schnecke!“ und dann war das mit der Medizin schon nur noch ein bisschen eklig und mit Nachspülen eh ok. Ich fand das also tatsächlich eine gute Maßnahme, die es Pippi sichtlich leichter machte, sich zu überwinden und auch die Verhältnismäßigkeit Medizin – Aufkleber fand ich durchaus gegeben. Zumindest für ihr Alter, ich glaube Michel fand die Aufkleber alle albern, aber dafür neidete er ihr das Bestechungsmittel auch nicht. Im Gegensatz zur Belohnung, die wir heute eintauschten (mir ging es eher um die Rückgabe der überzähligen Antibiotika, fachgerechte Entsorgung ist wichtig!). Da bekam Pippi nämlich für ihr „Fosch-Bild“ ein richtiges kleines Säckchen mit einem Plüsch-Bärchen und allerlei Verarztungskram dazu: Mundschutz, Pflaster, Mullbinden. Ohhhh, wie sie sich freute. Ohhhh, wie traurig Michel war. Für ihn war es absolut nicht verständlich, dass Pippi für ihr Kranksein so reich beschenkt wurde. Und auch Pippi verstand glaube ich nicht so ganz den Grund für diesen Geschenkesegen. Da passte dann halt wieder die Verhältnismäßigkeit nicht. Pippi ist ja ich noch viel zu klein, als dass sie mit „und in 10 Tagen kriegst du dann“ bestochen werden könnte. Selbst bei Michel würde ich den Zeitraum noch zu lang finden. Insofern, langer Rede kurzer Sinn: direkte, kleine Belohnung für nicht-alltägliches yay, großes Ding nach langen Zeiträumen eher nay. (Und, ne? Jede Familie macht’s eh wie’s passt und gefällt. Muss man ja immer dazu sagen.)

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Auto-Lobhudelei: Heute trotz diverser Querelen nicht ausgerastet, ein wichtiges Gespräch (wie ich finde) mit Bravour gemeistert.

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Tag 956 – Ist noch nicht vorbei.

Soeben habe ich meine erste Bewerbung als Dr. Rabe abgeschickt. Noch grade so fristgerecht. Und schnell zusammengekloppt. Aber eine unwiderstehliche Stelle, in Oslo, und quasi genau das habe ich schon gemacht, nur mit weniger Verantwortung, deshalb hab ich ja diesen bekloppten Titel überhaupt angefangen. Also musste ich da wirklich dringend meinen Hut noch schnell in den Ring werfen. Ansonsten hatte ich Freitag ein Interview bei der Kröte und naja, lief halt so gut es laufen konnte, vermutlich kaufen sie mir nicht ab, dass ich das Jahr wirklich bleibe, das war aber auch nicht mein selling point und ich war da ehrlich: ein paar halbwarme Eisen sind in ein paar Feuern und zwei (jetzt drei) der Stellen wären von der Sorte „Ich lasse alles stehen und liegen und ziehe um“. An Erfahrung muss es mir bei der Stelle erstmal wer gleichtun und ich glaube nicht, dass sie da wen haben.

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Ansonsten waren wir heute beim nationalen Waffeltag auf der Rønningen-Hytte und, naja, die 3 km einfacher Fußweg hin waren für alle U10 und Ü50 nicht so ganz einfach. Zurück, mit Waffeln und Kaffee im Bauch, ging es dann aber. Das wenige Genörgel auf dem Rückweg haben wir dann abends mit Pizza gefeiert*, das war schön.

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Michel kam heute morgen um halb neun (neuer Zeit**) ins Schlafzimmer getapst und schreiflüsterte „PAPA! Papa, weißt du was? Ich hab die ganze Nacht in mein‘ eigen‘ Bett ‚eschlafen!“. Das war schon sehr niedlich. Also beides – die Tatsache an sich und die Aufregung, mit der er diese Nachricht überbrachte.

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Auto-Lobhudelei: Achja, achja, das Durchwurschteln geht weiter, ne? Und knapp 10.000 Schritte laut Handy***.

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*Falls Sie mal den „Perfekte Pizza„-Teig machen, aber mit Übernacht-Vorteig mit ca. 0,5 g Hefe, und dann morgens vergessen, die restliche Hefe reinzutun: das geht überraschend gut. Bisschen sehr unlocker ist der Pizzaboden dann, aber durchaus gut essbar.

**Ich hasse es ja, aber das ist ja kein Geheimnis und ich beschränke das Nörgeln auch auf diesen Satz, versprochen.

***Ich bin mir fast sicher, dass das bei den Schritten lügt. Herr Rabe hat mir einen Gutschein für eine Smartwatch oder einen Fitnesstracker geschenkt, ich werde das also vermutlich demnächst herausfinden und dann kann sich das Handy aber mal warm anziehen, ey!.

Tag 948 – Keine Zeit.

Hui, die Zeit rennt. Der Vortrag ist immernoch nicht fertig, aber eigentlich schon zu lang, aber es hilft ja jetzt auch nichts, ich muss ihn erst fertig machen und dann kürzen. Das Kleid ist auch noch nicht fertig, es ist alles nur so mittelentspannt grad. Dazu ein halb krankes Kind und eins, dem die Decke auf den Kopf fällt, das das aber nicht einsehen will. Hrmpf. Ich murmle also hübsch mein Mantra „Es wird schon hinhauen“ und versuche, den zeitlichen Druck so gut es geht zu nutzen ohne mich hetzen zu lassen. Und ohne die Kinder allzu doll und zu oft anzuschreien. Klappt alles eher mäßig aber man wächst mit seinen Aufgaben, ne?

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Update von gestern: Antibiotikum scheint zu wirken und nicht ganz so schlimm zu schmecken, nach einiger Diskussion und mit ein bisschen Zwang und Bestechung hat Pippi alle drei Dosen heute genommen.

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Auto-Lobhudelei: mir erfolgreich eingeredet, dass ich nicht die schlechteste Mutter der Welt bin, auch nicht die zweitschlechteste, vielleicht, wenn ich mir Mühe gebe, nicht mal im untersten Drittel. Außerdem das Futter fürs Kleid zusammengebaut, gewaschen und gebügelt. Uff.

Tag 947 – Kleiner Tipp…

… wenn Sie mal in wenigen Tagen was wichtiges anstehen haben und es Sie eh schon viel Kraft kostet, sich davon zu überzeugen, dass das alles zeitlich und kräftemäßig hinhauen wird, dann ist die Kinder-Notaufnahme* im Krankenhaus nicht der Ort für Sie.

Wenn Sie aber eh Migräne haben und die Folien vor Ihren Augen Samba tanzen und deshalb auch weder Nähen noch Sport geht, isses eigentlich auch egal.

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Auto-Lobhudelei: nichts angezündet.

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*Nichts Schlimmes. Nur Pippis Fieber wurde dieses Mal nach drei Tagen kein Stück besser sondern schlimmer. Dazu hat sie wohl Halsschmerzen und dichte Nebenhöhlen. Also ging Herr Rabe doch mit ihr zum Arzt, da wurde ein hoher CRP gemessen und keine Streptokokken (beides völlig normal bei PFAPA) aber wegen der offensichtlichen Besiedlung mit Bakterien wollte die Ärztin trotzdem ein Antibiotikum aufschreiben. Hier gibt’s ja immer nur Penicillin ohne Geschmack, und das kotzt Pippi postwendend aus. Das sagte Herr Rabe auch und was sagte die Ärztin dazu? „Naja, dann müssen Sie heute halt noch in die Notaufnahme fahren.“

Joa. Wir probierten das also mit dem Penicillin, Pippi kotzte und dann saßen wir wirklich ewig** mit einem, später dann zwei unzufriedenen Kindern da in der Notaufnahme rum. Jetzt haben wir ein anderes Antibiotikum und ich habe starke Aggressionen gegenüber der Ärztin, die uns das alles hätte ersparen können, hätte sie einfach geglaubt, was Herr Rabe sagt.

** viereinhalb Stunden

Tag 945 – Alternative Splicing.

95% aller menschlichen Gene unterliegen alternativem Splicing, wussten Sie das? Ha. Jetzt wissen Sie’s. (Ist auch logisch, wir haben auch nur rund 20.000 Gene aber über 250.000 verschiedene Proteine*, die müssen ja irgendwoher kommen.) jedenfalls bin ich mit dem Vortrag jetzt beim Alternativen Splicen angekommen und das geht alles zu langsam und nervt mich.

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Die zweite wichtige Bewerbung heute abgeschickt. Öfter mal was neues: gar keine Möglichkeit, irgendwelche Dokumente hochzuladen. Alles direkt ins online-Formular getippt und auch schon vorgefertigte Sektionen – Motivation und Skills, Abeitserfahrung 1 bis N mit relevanten Tätigkeiten… für jedes ein eigenes Feld. Aber ist jetzt weg, hurra.

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Pippis periodisches Fiebersyndrom ist weiterhin periodisch. Aber jetzt gerade ist Herr Rabe der designierte Kinderaufpasser. Pippi geht es auch eigentlich ganz gut damit, sie sieht zwar käsig aus und ist schlapp, aber solange sie noch permanent singt ist eigentlich alles gut.

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Michels Skikurs ist glaube ich ein voller Erfolg. Nach dem Skitag neulich war er nur so mittelmäßig angetan vom Skilaufen, aber jetzt, nach drei Tagen kommt nur noch die übliche Kinderantwort auf die Frage „Wie war das Skilaufen?“ – „Gut.“.

Vielleicht kann der Erzieher mir das ja auch beibringen?

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Heute Sport statt Nähen, meine Augen wollten einfach nichts mehr tun, was Fokussierung auf irgendwas in 20-30 cm Abstand erfordert. Schade, dass ich mich grad zwischen den beiden Dingen (und Schlaf) oft entscheiden muss, andererseits: totales Luxusproblem. Aber Sport ist schon super. Vielleicht muss ich doch gar nicht so viel schlafen? (Spoiler: doch.)

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Mein Douglas-Paket ist da! Hurra! Ich bin jetzt also endlich im Besitz eines vernünftigen Bronzers. Und eines blauen Eyeliners, Eiskönigin, Sie wissen schon. Übrigens finde ich bei Douglas super gut, dass sie es schaffen, die Produkte komplett ohne Extra-Plastik zu verpacken. Keine Luftpolsterfolie, kein Klebeband… Trotzdem war alles tadellos „festgedrückt“ mit so einem Papp-Dings.

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So, hundemüde, Licht aus. Mal sehen, ob ich heute besser schlafen kann. Mein Körper und mein Geist haben die letzten Tage wieder Schwierigkeiten gehabt, runterzukommen. Eine Woche (und ein Tag) noch, dann ist es vorbei. Geschafft.

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Auto-Lobhudelei: Letzten Rest Bewerbungsmotivation erfolgreich umgesetzt, zäh aber kontinuierlich am Vortrag gearbeitet. Gesportelt, obwohl mir 50 Minuten absurd lang vorkamen (in echt waren dann nur die letzten 20 Sekunden des jeweils 2. Beins bei den Pilates-Übungen unglaublich lang).

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*Note to self: Nachgucken, ob diese Zahl Isoformen beinhaltet.