Tag 1580 – War voll gestern.

Voll lustig.

Voll gut.

Voll interessant.

Und ich war wohl auch voll ein kleines bisschen angeheitert.

Also gestern war ja die Weihnachtsfeier von Herrn Rabes Firma und weil wir ja die beste Babysitterfamilie der Welt haben hatten wir kinderfrei UND haben im Hotel übernachtet wo auch die Weihnachtsfeier war.

Zweimal im Jahr für 20 Stunden nur Paar sein, nicht Eltern. Ich möchte das als absolutes Minimum beibehalten. Mag anderen anders gehen (die blocke ich halt kommentarlos auf Twitter), aber wir brauchen das. Das Paarleben mit allem was dazu gehört bleibt hier im Alltag sowas von auf der Strecke, dass es traurig ist. Orga frisst Zuneigung auf. Zusammenhalt. Zu wissen, da ist immer noch der eine, in den man sich damals verliebt hat, der ist aber auch weiter gekommen und hat sexy graue Haare und noch viel mehr sexy Einstellungen dazu gewonnen. All das kommt hier zu kurz.

Es braucht meiner Meinung nach nicht zwingend ein Dorf* um ein Kind großzuziehen, aber es hilft ungemein um die Elternbeziehung am Leben zu erhalten.

So und nun ganz schnell schlafen. Wer erst um viertel vor vier ins Bett kommt und um neun beim Frühstück sein will, hat ein gewisses Schlafdefizit.

___

*das andere Extrem „wir erziehen nur zu zweit, fuck everyone else“ finde ich aber auch bedenklich

Tag 1578 – Zu aufregend.

Es ist ja einigermaßen faszinierend, dass ich am einen Tag noch voll Businessmäßig mit vielen sehr seriösen Leuten rede und über Zertifikate für Fabriken am anderen Ende der Welt fachsimple und am nächsten Tag sitze ich erst fluchend im Auto weil Google Maps mit den ganzen Baustellen nicht klar kommt und fange dann in der Röhre vor lauter Angst an zu weinen.

Im Ernst, das ist nichts für mich. Erst der Stress mit dem Piercing, dann der Stress mit der Fahrt, dann weiter Stress mit Piercing und ohgottogott da ist ja auch ein Draht hinter meine Zähne geklebt, ohgott! und am Ende fixieren sie einen auf einem Dings, montieren einen Käfig um den Schädel und schieben einen in ein weiteres Dings, das eng ist und hell und laut und überhaupt, man kann nicht raus und was ist wenn das Piercing doch magnetisch ist, oder der Draht, hab ich wirklich den BH ausgezogen, hab ich wirklich die Ringe abgemacht, die Uhr abgelegt, bestimmt hab ich was vergessen und bin gleich sofort tot, oder es bricht ein Feuer aus und ich kann nicht aus diesem Dings raus, Hilfe ich will bitte sofort raus aber ich will auch das die Bilder gemacht werden, Hilfe Hilfe.

War scheiße.

Ja.

Und ach so: das ABS am Auto piept wenn man in einer Kurve einfach wegrutscht, das wusste ich noch gar nicht. Das war auch scheiße.

Tag 1577 – Hab dich!

Ok, dass Herr Rabe am Abend vor meinem MRT-Termin nicht da sein würde war so nicht geplant. Und ich sag es mal so: der neue Ohrring, der „ganz leicht“ auf und zu geht, geht überhaupt gar nicht leicht auf und zu. Ich musste erst ein paar Verzweiflungstränen darüber vergießen, bis ich auf die Idee kam, ihn mit der Spreizzange aufzubiegen. Dann ging er auf, aber zu bekam ich ihn trotzdem wieder nicht, obwohl ich ihn dann ja in der Hand hatte. Das muss ich wohl noch ein paar mal üben. Aus Spaß guckte ich dann mal, ob der Ring denn nun überhaupt magnetisch ist und Überraschung:

Ja.

Der Ring an sich ist aus Chirurgenstahl und nicht magnetisch, aber das Schließsegment ist mit einem winzigen Scharnier angebracht und das ist offenbar aus einem magnetischen Metall. Das hätte morgen echt weh tun können.

Das Zungenpiercing hingegen ist immer noch drin. Ich hab da keine Chance, auch mit zwei Zangen nicht. Keine Ahnung, was ich noch machen soll, ein Piercingstudio das morgens auf hat, gibt’s in Hamar, wo das MRT-Labor ist, nicht. Vielleicht haben sie einen Dremel da oder so.

Wie sehr ich keine Lust hab, mir morgen den Hohn der Praxis anzuhören, kann man sich vermutlich in etwa vorstellen.

___

Was war sonst? Letzte Inspektion des Jahres gut überstanden. Möchte meine Kollegen aber irgendwie gern ein bisschen schütteln, weil ich Montag noch fragte, was wir antworten sollen, wenn Die Frage(TM) der Qualitätschefin kommt und keine Antwort bekam und heute als Die Frage(TM) kam, guckte mich dann nicht nur die Qualitätschefin erwartungsvoll an sondern auch die Kollegen. Hallo? Bin ich hier die mit Ahnung oder die? Ich hab schon auch was geantwortet aber meine Güte wir hatten zu dem Thema Meetings in verschiedenen Zusammensetzungen und haben keine Antwort gefunden. Was sagt man da, so als Behörde? „Keine Ahnung“ ist nicht gut, rumeiern auch nicht, schwafeln erst recht nicht. Meh.

Manchmal, da möchte ich allein auf einer einsamen Insel leben.

___

Wir haben mal wieder Bettzeug gewaschen und aus irgendeinem Grund riecht der Trockner innerlich wie schlecht gewordene Nudeln. So roch dann auch das Bettzeug. Das ist sehr eklig. Gut, dass ich seit Stoffwindeltagen weiß, dass Teebaumöl absolut jeden Geruch übertüncht killt, also ein paar Tropfen Teebaumöl auf einen Waschlappen getropft und noch mal 10 Minuten den Trockner samt Bettzeug laufen lassen und jetzt erinnert mich mein Bett zwar an picklige Teenager-Tage aber immerhin riecht es nicht mehr nach gammligen Nudeln.

Tag 1576 – 43/44.

Morgen noch und dann sind alle Inspektionen für dieses Jahr rum. 14 Stück. 44 Tage.

Mehr hab ich leider heute nicht zu erzählen, bzw. darf ich nicht erzählen. Doof ist dass Pippi heute mit Ohrenschmerzen aus dem Kindergarten abgeholt werden musste, Herr Rabe ab morgen Workshop hat und generell krankes Kind doof ist. Der angerufene Hausarzt sagt auch, was zu erwarten war, nämlich: Schmerzmittel und Nasenspray, wenn’s schlimmer wird oder Fieber dazu kommt, vorbei kommen. Also keine antibiotische Wunderheilung. Hoffen wir mal, dass Herr Rabe zu seinem Workshop kann.

Kopfschmerzen habe ich leider auch. Ich muss mehr drauf achten, regelmäßig zu essen.

Tag 1575 – Zwei Mäntel.

So, ich sitze im Zug [Update: 12,5 Stunden später sitze ich wieder im Zug, aber in die andere Richtung] und habe einen einigermaßen apokalyptischen Artikel zur Klimakatastrophe gelesen, habe jetzt Lust wirklich nachdrücklich unbequem zu werden und in Schule, Hort und Kindergarten den Fleischkonsum anzusprechen zu kritisieren zu shamen, irgendwo müssen wir alle anfangen und da macht es tatsächlich einen Unterschied. Die Alternative ist dass unsere Kinder in 30 Jahren vielleicht gar nichts mehr zu essen haben, das muss man einfach mal so plump sagen.

Aber zu etwas positiverem: wir kaufen auch alle viel zu viele Klamotten aus Niedriglohn- und Hochausstoßländern und als wäre das ein großer Unterschied, wenn man industriell hergestellte, gefärbte, bedruckte usw. Stoffe kauft statt ganze Kleidungsstücke.

Meine Güte die Sonne scheint mir aus dem A…Hintern, merkt man, ne? Die gute Italienische Seide gibt’s dann auch in 30 Jahren nicht mehr, weil es Italien nicht mehr gibt. Aber vielleicht lerne ich einfach spinnen und weben, in Norwegen gibt’s vielleicht weiter Schafe. Oder ich leg mir ne Alpaca-Herde zu, das hat eine andere Inspektørin auch gemacht, ganz bei uns in der Nähe. Dann kann ich meinen Kindern (die dann erwachsen sind, aber oh je meine armen Babies was habe ich getan) wenigstens was zum Anziehen beschaffen. Dann reaktiviere ich noch Grundschulwissen über Flachsspinnerei und schon sind wir immerhin nicht nackt.

Nun ja. Neuer Anlauf: ich bin zur Zeit nicht nackt. Ich habe mir nämlich zwei Mäntel genäht. Erst den einen, der dauerte ein Jahr, dann noch einen, der dauerte keine zwei Wochen wenn man davon absieht dass ich die zweite Knopfleiste immer noch nicht angenäht habe. Ich fange aus Bildgründen mit dem zweiten Mantel an, nämlich Ingvild:

Ingvild hat Taschen (Liebe für Taschen) und das sogar innen, weil man Ingvild nämlich wenden kann. Ich liebe Ingvild sehr, das Muster ist super gut beschrieben (gibt’s auch auf Englisch) und es war einfach zu nähen und (am Wichtigsten) Ingvild passt gut und sitzt ohne großes Anpassungstralala. Wer aber gerne anpassen will, findet IN DER ANLEITUNG eine Anleitung dazu. Ein Hoch auf die Nähmutter Melilot. (Werbung aus Überzeugung, ich kriege da nix für, ok vielleicht nen Kaffee beim nächsten Treffen aber Werbung müsste eventuell vorher ja abgesprochen sein und das ist sie nicht, nicht mal Kaffee.)

Bei Ingvild habe ich mich zur Abwechslung mal ans Muster gehalten, das mache ich ja oft nicht und ärgere mich dann. Vielleicht mache ich mir wirklich noch eine dünnere Version mit Kapuze, Kapuzenmäntel sind einfach noch einen Tacken praktischer bei Regen. [Mir fällt grad ein: ich hab ja die Ärmel länger gemacht, damit ich sie umschlagen kann. Soviel zu ans Muster gehalten. Und ich hab keine Knopflöcher gemacht sondern Knopfschlaufen.]

Ich habe zwei Wollstoffe verwendet, deshalb ist der Mantel wirklich schön warm. Auch um die Beine ist so viel Stoff, dass ich da auch bei Minus 10 Grad (für Sie getestet) nicht friere. Auf dem Bild habe ich im Übrigen zwei Strumpfhosen übereinander an, dann Wollsocken und gefütterte Stiefel und so kam ich bis auf die letzte Viertelstunde ohne taube Zehen durch das Baumanzünden. Zurück zu den Wollstoffen: der innere ist ein grün gestreifter angeblicher Loden, für Loden ist er aber zu flexibel und Brennprobe ergab einen deutlichen Synthetikanteil (schmurgel) aber er ist warm und war ein Rest, also hab ich mich immerhin nicht dumm und dämlich gezahlt. Der karierte Stoff außen ist reine Wolle in hellblau-erdfarbenem (Senf, Oliv, äh… Lehm?) Schottenkaro vom Wollhändler meines Vertrauens, den ich seit dem anderen Mantel habe (in Norwegen).

Also insgesamt super Mantel, 10/10 Punkten. Aber warum habe ich diesen Mantel zusätzlich zum Jahresmantel genäht? Tjanun. Der Jahresmantel ist kein Alltagsmantel und kriegt trotz stolzem Preis für die Rohmaterialien höchstens 7/10 Punkte. Aber erstmal zeigen:

Das ist Berga von Schnittquelle. Wie man sieht eher schick und deshalb auch mein Businessmantel. Hier habe ich mich nicht ans Muster gehalten, nämlich:

  • Ich habe den Mantel gefüttert, in Norwegen ist es kalt.
  • Ich habe Taschen aufgesetzt (wer erfindet taschenlose Mäntel???). Einfach zwei rechteckige Stoffstücke aufgesetzt, mit „offenen“ Nähten.
  • Ich habe Schulterpolster und Ärmelfische eingesetzt.
  • Der Kragen hat einen Druckknopf bekommen, weil der sonst immer offen steht.

Ich habe für Berga außen Vadmel (echten Loden) genommen und weil mir das wirklich für den norwegischen Winter nicht gereicht hätte ihn noch mit einem dünneren Wollflanell gefüttert. Das Futter war im Muster nicht vorgesehen (wie auch einiges mehr) und da habe ich mehr oder weniger drauflos gebastelt. Das hat gut geklappt, aber so richtig erklären was ich da gemacht habe kann ich leider nicht.

Warum ist das nun kein Alltagsmantel? Nun, mein Hauptmanko ist, dass die Ärmel so eng sind, dass wirklich ein dickerer Pulli drunter einfach nicht mehr geht. Wenn ich den Mantel *und* einen Blazer anziehen will, muss ich den Blazer in einer Jutetüte mit mir rumtragen. Auch ohne dicken Pulli sind die Ärmel so eng, dass es anstrengend ist, die Arme anzuwinkeln. Natürlich kommt ein Teil der Ärmelenge vom im Muster nicht vorgesehenen Futter, aber bei weitem nicht alles und ich sag mal so, ich hab ja schon mal ein Schnittquelle-Muster genäht und da sind die Ärmel auch eher… eng anliegend. Was alles kein Problem ist, wenn man in Jersey oder Wollwalk näht, aber bei Stoffen, die nicht nachgeben… tja. Hat man halt nun einen Mantel mit sehr engen Ärmeln. Und ein Kleid mit recht engen Ärmeln. (Und dabei hab ich beim Mantel an den Ärmeln schon alles an Nahtzugabe rausgelassen :/)

Schwachstellen am Muster (meiner Meinung nach):

  • Der Beleg vorne und der Kragen werden laut Muster nicht verstürzt. Weiß nicht, wie das gehen soll ohne dass es ömmelig aussieht, sobald man den Mantel auszieht. Hab ich mit dem Futter gelöst.
  • Der Kragen stand ohne den Druckknopf auf wie bei Sherlock.
  • Ärmel zu eng.
  • Keine Taschen.

Aber sonst schon sehr schön.

Jetzt haben Sie also meine Mäntel gesehen. Die Welt geht trotzdem unter, aber was soll’s, wenigstens ist mir warm dabei.

Tag 1574 – Vom Versuch, bettschwer zu werden.

Ich liege im Bett und denke, ich schaffe es nicht mehr, heute noch meine zwei Mäntel, von denen wir Sonntag endlich Bilder gemacht haben, zu zeigen. Weil das etwas mehr Mühe erfordert als hier einfach was hinzutippern. Andererseits bin ich gar nicht müde. Ich war müde, dann ging ich duschen um danach ins Bett zu gehen und jetzt bin ich nicht mehr müde. Aber das mit den Mänteln ist mir trotzdem zu riskant.

Ich liege also im Bett und trinke Kakao. Bestimmt muss ich wieder nachts aufs Klo, ich habe mir über den Abend verteilt nämlich noch eine Kanne Tee reingeschraubt. Ich scheine diese seltsame Erkältung zu haben, die zur Zeit umgeht, bei der man sich zwei Wochen lang täglich fühlt wie „wenn das nur noch nen Tucken schlimmer wird, bleibe ich morgen echt zu Hause“ aber am nächsten Tag geht’s einem halt wie immer nur halbschlecht. Bei mir kommen dann nachmittags Gliederschmerzen dazu. Nur müde bin ich nur wie üblich, also morgens, aber abends nicht. Möge der Kakao es richten.

Früher™️ trank ich gerne Kakao mit Amaretto. Der besorgt immerhin die Bettschwere zuverlässig. Ich mag auch Amaretto, aber ich liebe ja auch Marzipan. Vielleicht bin ich morgen nett und bringe meinen Kollegen Marzipankartoffeln zum probieren mit. Aber wahrscheinlich gibt’s nur Halsbonbons, wegen der halben Erkältung. Vom Amaretto bin ich aus Kosten- und Alkoholismusgründen weg. Sie können sich nicht vorstellen, wie viel Angst ich habe, von was abhängig zu werden.

Aus diesem Grund scheue ich mich auch nach wie vor, Schlaftabletten zu nehmen. Nur im äußersten Nervositätsnotfall nehme ich die und obwohl der Arzt gesagt hat, bis zu ner Woche kann man die ruhig nehmen, mache ich nach spätestens zwei Tagen Pause. Und weil ich ja immer erst so spät im Bett bin und früh raus muss und man aber laut Packungsbeilage nach Einnahme 6-7 Stunden für Schlaf einplanen sollte, lohnt das oft dann auch eh nicht mehr. Nur schlafen kann ich vom Nicht-Nehmen halt dann trotzdem nicht.

In der Zeit die das Getippe hier gekostet hat, hätte ich auch was zu den Mänteln schreiben können, oder irgendwas hübsches zuschneiden. Aber dafür merke ich, dass die Lider schwerer und das Blinzeln häufiger wird.

Und morgen schreibe ich über die Mäntel. Am besten gleich morgens aus dem Zug.

Tag 1573 – Baum anzünden.

Norwegische Weihnachtstraditionen sind mitunter gar wunderlich. Zum Beispiel muss man Anfang Dezember überall zum „Julegrantenning“, also den Weihnachtsbaum anzünden. Es dauerte wirklich ein bisschen, bis ich verstanden hatte, dass da mitnichten der ganze Baum angezündet wird, sondern man nur die Beleuchtung anschaltet. Donnerstag waren wir bei einer Julegrantenning (ich hab’s verpasst wegen Zugodyssee), heute waren wir bei einer Julegrantenning und morgen werden wir auch auf einer Julegrantenning sein. Das läuft immer nach dem gleichen Schema ab: Man macht unter einigermaßen großem Buhei den Baum an, dann laufen alle (alle!) im Kreis mit Händchen halten drum rum und singen, am Ende kommt der Weihnachtsmann und die Kinder kriegen kleine Süßigkeitentütchen. So einfach, so schwer. Denn natürlich kann niemand alle gefühlt 25 Strophen von der Musevisa oder Julepresangen, und auch das (echt doofe) Lied mit dem Wachholderbusch scheint schwer zu erinnern zu sein. Meine Aufgabe für morgen ist Auswendiglernen der kompletten Musevisa, dann kann ich schon mehr als die meisten Norweger*Innen. Haha! Der goldene Muttiorden am Band ist mir sicher.

___

1. Weihnachtsgeschenk ist bestellt. 2. gekauft.

Tag 1572 – Vainakts-Räuming.

Heute morgen wachte ich mit dickem Kopf, Husten, Niesreiz und wenig Stimme auf und schmiss (mal wieder) die Wochenendpläne über den Haufen. Herr Rabe ging allein mit den Kindern zur Bibliothek und dem dortigen Weihnachts-Singen und -Basteln und ich genoss die Stille zu Hause.

Ich überlegte kurz, wieder ins Bett zu gehen aber dann dachte ich an letztes Wochenende und dass ich vermeiden muss, das Gefühl zu haben, nichts zu tun.

Dann dachte ich, ich könnte den Adventskalender packen, aber ich wusste ja nicht, wann die Familie zurück kommen würde und sah mich hektisch bei jeder klappenden Autotür einen Haufen Süßigkeiten vom Tisch wischen.

Dann dachte ich, ich könnte ja nähen. Ich habe noch Wollflanell in rötlichem Lila, der müsste für einen Rock reichen. Aber dann kam ich ins Arbeitszimmer, mich traf der Schlag, Nähen war da nicht möglich und dann räumte ich halt stattdessen 6 Stunden lang im Arbeitszimmer auf. Das war sehr nötig, ich habe unter anderem Kontoauszüge von 2002 weggeworfen und Michels Geburtsurkunde wieder ins Stammbuch geheftet, wo sie seit der Ausweisaktion im Sommer nicht mehr war. Ich fand kleinere Scheißelkram-Verstecke, wo ein Kind sämtliche Fliegen (die zum um den Hals machen) die Michel besaß, zerschnitten hat und dann die Leichen wohl verschwinden lassen wollte. Diverse Filzstifte wurden weggeworfen und ich fand eine komplette Box mit sicher 40-50 Bleistiften – Notiz an mich: wir müssen wirklich keine im Laden kaufen. Alle Stifte sind risikobasiert verräumt – Eddinge versteckt, Filzstifte im Schrank, Bunt- und Bleistifte in einer Box im Regal. Wir haben sehr sehr viele Eddinge weil der Mann früher mal so einer war der Stromkästen vollgetaggt hat.

Weil ich ja krank bin dauerte das Aufräumen wegen Teepausen etwas länger aber jetzt ist der Zustand des Arbeitszimmers so, dass man da arbeiten, nähen und auch Gäste haben könnte. Die Papiermülltonne ist schon halb voll, weil ich auch viel Kinder“Kunst“ weggeworfen habe.

Derweil erzeugte Herr Rabe mit den Kindern wie erwähnt neue Kinderkunst, aber hübsche. Unter anderem hat Michel Weihnachtskarten für Opa und die Tante geschrieben und sich sehr viel Mühe gegeben, auf deutsch zu schreiben. Vielleicht geht „Vainakten“ jetzt in unseren Familienwortschatz über.

Was mir dabei einfällt: Beide Kinder können „Weihnachts-„[-Baum, -Mann, -Plätzchen] nicht aussprechen. Die Lautkombination ch-t ist zu schwierig für die kleinen Halbnorweger und da wird es bei beiden Weihnaks. Und ich finde das so putzig, das darf gerne so bleiben.

Abends noch den Adventskalender gepackt und wir haben Adventskerzen in eigenwilliger Anordnung auf dem Tisch.

Also außer krank sein alles guti.