Tag 572 – Zufrieden. 

Es war ein blöder Tag. Wirklich blöd. Alles lief schief, Michel war unheimlich fordernd und nervtötend, Pippi fiel zwei mal vom Stuhl und beide male auf den Hinterkopf (nix passiert, nur Beulen und Geschrei straight outta hell), Michel hatte einen Unfall im Einkaufszentrum (und besitzt jetzt spontan neue Schlüpper), ich habe für die USA-Reise nix zum Anziehen und auch heute außer neuer Schlüpper (braucht man ja manchmal, ich kaufe dann immer drei Dreierpacks und sortiere die gleiche Anzahl aus. Mit Socken mache ich das genauso, seit ich von zu Hause auszog und ca. 400 Paar Socken und 200 Schlüpper mitnahm, weil immer neu gekauft und nie aussortiert) nix gefunden. Aber auch nur halbherzig geguckt, die diesjährige Mode ist ja mal echt so gar nicht mein Ding. Bodys zum unten zuknöpfen? Mich schauderts. Aber egal, ich schweife ab. 

Trotz der blöden Dinge bin ich nämlich im Grunde heute recht zufrieden. 

Das hat ja auch mal was. 

Tag 571 – Gemischtes

Die Kinder. Die lieben Kinderchen. Ach ja. 

Gestern fiel Pippi irgendwie blöd die Treppe vorm Kindergarten runter und schrammte sich die rechte Nase, Wange und Stirn ziemlich übel auf. Jedes mal, wenn sie im Schlag irgendwie da dran kam, heulte sie vor Schmerz auf. Entsprechend bescheiden lief unsere Nacht. Und als reichte das noch nicht, fing sie an zu Husten und hat jetzt auch eine Rotznase, die wir aber nicht putzen dürfen, weil ihr das wegen der Schrammen ziemlich weh tut. Entsprechend unleidlich war sie im Kindergarten. Und was macht der Kindergarten? Fieber messen, Fieber (vorsichtshalber ungenannter Höhe) feststellen und die Eltern informieren. Die brav andackeln und das Kind, das zappelt und schreit, weil es gar nicht nach Hause will, abholen. Zu Hause hatte Pippi dann in erster Linie Hunger und danach recht fix Wickelbedarf. Und eine Temperatur von, Trommelwirbel, 37,7 Grad. Ich kann mich da schon kaum noch drüber aufregen. Es nervt mich einfach unendlich, und ja, ich werde das am Montag auch nochmal ansprechen, dass wir mitnichten zu Hause sitzen und darauf warten, ein diffus missgestimmtes Kind mit minimal erhöhter Temperatur aus der KiTa abholen zu dürfen. Dass unsere Kindkrank-Tage nach 1/6 des Jahres schon zu 3/4 aufgebraucht sind. Dass mir jeder Arzt, dem ich das Kind heute gezeigt hätte um eine Krankschreibung zu bekommen (wenn die Kindkrank-Tage aufgebraucht sind, müssen wir für jeden Extra-Tag zum Arzt), was gehustet hätte. Sowas halt. Seufz. 

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Michel lernt Lügen. Schritt 1: Ausreden. 

„Mama, guck mal, das Klopapier ist ganz abgerollt! Aber ich war das nicht, das war ein Roboter. Ein unsichtbarer. Sowas passiert eben manchmal.“

Ich weiß, es ist normal, auch sowas müssen Kinder ja lernen. Ich weiß nur nicht so ganz, wie ich damit umgehen soll. Heute sagte ich „Ich glaube nicht, dass das ein Roboter war, ich glaube du hast dir das grade ausgedacht, weil du dachtest, ich schimpfe. Komm, wir legen das Papier zur Seite, das kann man ja noch benutzen.“. Ich glaube, wegen des Lügens schimpfen bringt nichts, außer dass er das nächste mal besser lügt („Das war Pippi!“ wäre zumindest sehr viel wahrscheinlicher). Aber glauben heißt ja auch nicht wissen. 

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Ich bin so aufgeregt wegen der USA-Reise! Noch eine Woche!

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Heute war eine Dame da, die unsere neue Putzhilfe sein möchte. Die, die letztens einmal da war, war leider nur einmal da. Heute war also Liv da. Bei Liv habe ich ein besseres Gefühl. Liv ist frühpensioniert, hat einen Putzfimmel (oder wie soll man das nennen, wenn wer nach eigener Aussage nie ohne Putzhandschuhe im Gepäck verreist?) und langweilt sich. Außerdem hat sie sehr genaue Vorstellungen davon, unter welchen Bedingungen sie hier arbeiten möchte, was ich sehr gut finde. Unter anderem möchte sie gerne andere Produkte* benutzen, als wir haben, soll mir recht sein, sie geht das jetzt am Wochenende einkaufen und gibt mir die Rechnung dann am Montag, wenn sie hier anfängt. Sie sei sehr gründlich, sagt sie. Und ich schäme mich ein bisschen, dass jetzt jemand anderes als Herr Rabe all meine runden Ecken finden wird. 

*“So größere Mikrofasertücher, die sind grün, die gibt es nächste Woche im Angebot bei Nille. Da gibt es auch so einen großen Schwamm mit Griff, der kostet 100 Kronen, aber der hält jahrelang. Ich hab meinen schon vier Jahre und der ist immer noch in Ordnung. Und bei Obs gibt es diese Woche 4 Flaschen Jif Badezimmerspray für 100 Kronen! Das besorge ich dann auch, ich sprühe aber nicht damit, das mache ich nicht mehr, das geht zu sehr auf die Lunge, ich habe da so eine Dose, da tauche ich dann den Schwamm mit dem Griff rein und dann reicht das auch viel länger, da habt ihr mit den 4 Flaschen genug für’s restliche Jahr…“ 

Tag 569 – Immer das Gleiche. 

Hier gibt’s heute nichts neues, aber Sie können sich anlässlich des Equal Care Day (eigentlich ist der am 29.02. also nur  jedes vierte* Jahr, weil Frauen etwa vier mal so viel unbezahlte Familienarbeit erledigen, wie Männer) noch ein paar Beiträge lesen, zum Beispiel den von Herrn Paul und Jott, den von Frau und Herrn Brüllen oder einen (oder mehrere)  der vielen anderen auf dem Equal-Care-Day-Blog! 

Und hier noch nachgeliefert unser wunderhübsches Foto, das wir extra aufgenommen haben, weil ich das immer schon haben wollte und Ironie (zumal über Bilder und ohne Worte) ja bekanntermaßen im Internet ganz großartig funktioniert. 


*Gratis Nerd-Wissen: Schaltjahre sind Jahre, die ganzzahlig durch 4, aber nicht durch 100 (Bsp. 1900) teilbar sind, es sei denn, sie sind auch durch 400 (Bsp. 2000) teilbar. Fragen Sie mich nicht, woher ich das weiß, ich weiß es selbst nicht mehr. Googeln hat nur grad ergeben, dass ich das richtig erinnere. 

Tag 568 – Klarkomm-Update. 

Ich komme weiterhin klar, aber es ist anstrendend. Alles kommt mir anstrengend vor. Am Besten geht noch Laborarbeit, da brauche ich nämlich mein Gehirn nicht (klingt jetzt für Sie womöglich komisch, aber für mich ist das allermeiste davon wie Autofahren: man blinkt und bremst und kuppelt und macht Scheibenwischer an und aus, da denkt man ja auch nicht mehr drüber nach). Hirnarbeit aber zieht sich wie Kaugummi weil meine Konzentration einfach noch echt schlecht ist. Heute zum Beispiel hatte mich mein Chef gebeten, meine Versuchsplanung mal zu verschriftlichen, und damit meinte er (leider) kein Gekrakel auf Papier. Ich brauchte zweieinhalb Stunden für ein Flowchart und eine grobe Seite Erklärungen dazu. Musste immerimmerimmer wieder die gleichen Sachen nachgucken. Musste mich sehr zusammenreißen, nicht doch nochmal die Grundlagen zu checken, vielleicht habe ich ja was übersehen, nicht bedacht, falsch erinnert. 

Insgesamt bin ich grade sehr froh, dass ich vermutlich bis Ende nächster Woche meine Zeit im Labor verbringen darf. Und dann geht’s los in die USA. (Das zu organisieren fällt mir lustiger Weise gar nicht schwer, ich habe mein Poster jetzt hier, ich habe Visitenkarten, ich überlege noch, Handouts vom Poster zu machen (vermutlich nicht, Geheimhaltung wird ja nicht grad einfacher, wenn man den Leuten das Geheimzuhaltende auf Papier gedruckt mitgibt), ich habe mir ein iPad Pro zum Abholen im Laden bestellt, habe dabei wunderschöne Schuhe gesehen, ich weiß jetzt grob, wo es Make-Up von welchen Marken zu kaufen gibt, ich habe beim Hotel angefragt, ob die für mich Päckchen annehmen würden, falls ich was bestellen würde… kurz gesagt: läuft!) Und danach mal sehen, da mache ich mir jetzt jedenfalls noch keinen Kopp drum. 

Tag 567 – Knoten geplatzt.

Pippi lernt im Moment in einem rasenden Tempo neue Wörter und Sprechen im Allgemeinen. Was sie jetzt kann:

  • Mama, Papa, Michel*, Pippi*
  • Ja, Jaaaa!, nein, neineinein, Oh neiiiin!
  • Blablabla
  • Hallo!, Ha det! (Tschüss)
  • Mjamjam, Omnomnom
  • Chhhrrrrpschschsch (Fake-Schnarchen)
  • Uiuiuiui
  • Yeah!
  • Okay.
  • fals (falsch)
  • heiß
  • Eis
  • Kaffee
  • Ahne (Sahne)
  • Guga (Kuchen)
  • Det er (das ist)
  • Aua
  • litt Aua (kleines** Aua)
  • vent litt (warte kurz)
  • ryddetid (Aufräumzeit)
  • Bäbi (Bärchen)
  • Gocka (Socken)
  • Gua (Skoa, Schuhe)
  • Gagagei (Papagei)

Außerdem diverse Lieder oder Teile davon, aber erstaunlich Melodie- und Rhythmussicher (viel mehr als Michel):

  • Bææ, bææ lille lamm
  • Mikkel rev
  • Her er jeg (Fingerspiel)
  • Hjulene på bussen (the wheels on the bus)
  • Lille Petter edderkopp
  • Juba, juba

Die kleine Maus wird groß, wie schön <3

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*natürlich sagt sie die richtigen Namen

**=nonexistentes, das hat sie sich von Michel abgeguckt

Tag 566 – Heimaturlaub in Planung. 

Wir wollten die ganze Zeit, als meine Schwägerin da war, unseren Heimaturlaub über Ostern planen. Wie das so ist, klappte das natürlich nicht. Aber als sie heute Nachmittag gefahren war, da setzten wir uns endlich daran. 

Diese Flug-Geschichte mit Norwegian regt mich immer noch sehr auf. Deshalb musste Herr Rabe mitentscheiden und mitmachen bei der Planung, so Frust-induzierende Dinge kann ich gerade nicht alleine tun. Es wurden also gemeinsam Dinge beschlossen:

  • Wir fahren mit dem Auto. (Ja. Hahaha.) 
  • Wir fahren mit der Oslo-Kiel-Fähre, lieber 20 h auf dem Boot als 10 h Gegurke durch Dänemark. 
  • Wir fahren am 9. April mit dem Boot. Am 8. April fahren wir hier los und übernachten bei unseren Freunden in Oslo*.
  • Am 20. April geht es zurück, am 21. übernachten wir wieder in Oslo. 
  • –> praktisch: so können wir es vielleicht so hinbekommen, dass ein Großteil der Bauarbeiten am Wassertank, den Rohren, der Elektrizität und dem ganzen illegalen Mist noch in unserer Abwesenheit erledigt wird. 

Glauben Sie’s oder nicht, aber fliegen wär fast genauso teuer gewesen, erst recht wenn wir dann noch ein Auto samt Kindersitzen hätten mieten müssen. Und dafür haben wir das Auto ja auch. 

Trotzdem brauche ich ob des Preises für den Spaß gleich noch einen Gute-Nacht-Tee mit Schuss. 

*den Plan hatten wir leider ohne die Freunde gemacht, die sind da nämlich noch gar nicht wieder da. Aber wir dürfen trotzdem in ihrer Wohnung übernachten (Danke :*) und besuchen dann halt zwecks Schlüsselübergabe am Nachmittag/Abend unsere anderen Freunde in Oslo. Und auf dem Rückweg sind sie dann ja wieder da.

Tag 565 – Es ist an der Zeit. 

Heute morgen wachte ich mit Migräne auf. Richtiger, handfester, nach Triptanen verlangender Migräne. Ich nahm eine Tablette, quälte mich durchs Frühstück und ging wieder ins Bett, um die Wirkung abzuwarten. Inzwischen war mir auch schlecht. Ich schaffte es irgendwie eine Dreiviertel Stunde zu dösen und danach waren die Schmerzen weg und die Übelkeit auch, jedenfalls in der Stellung, in der ich gerade lag und im abgedunkelten Raum. Ich verharrte noch eine ganze Weile in ebender Stellung. Dann fühlte ich mich sicher genug um aufzustehen. Inzwischen war es 12 und der halbe Tag also rum. Und den Rest des Tages verbrachte ich mit Migränekater: Kreislauf, Schwindel, allgemeine Schlappheit und Müdigkeit. Toller Samstag. 

Mal ehrlich: das ist kacke. Das habe ich wieder mindestens einmal im Monat mindestens so. Und deshalb werde ich beim nächsten Deutschlandbesuch  wieder die guten freiverkäuflichen Triptane besorgen (tatsächlich das einzige was mir hilft. AspirinParacetamolKoffein bringen bei mir weder einzeln noch in Kombination was) und außerdem dem Hinweis einer Twitterin nachgehen und das hier machen lassen. Das ist unwissenschaftlicher Bullshit und funktioniert sicher nicht. Oder doch. Placeboeffekt olé. Ich habe früher, als ich noch kein Hardcore-Verfechter der evidenzbasierten Medizin war, auch schon ganz tolle Placeboeffekte von „richtiger“ Akupunktur gehen Migräne gehabt. Ich hatte sogar mal an der Stelle einen Dauer-Akupunkturstecker, den ich mit einem Minimagneten immer mal wieder „aktivieren“ konnte. Auch da: super Effekt! Der Placeboeffekt ist mächtig in mir! 

Und was das allerwichtigste ist: ich finde Piercings an Stellen im Ohr, die nicht jede*r so hat, auch einfach schick. Und das letzte Piercing (ein Microdermal in der Halsgrube) ist auch schon über 10 Jahre her. Da könnte man ja schon mal wieder…

Mein allererstes Piercing. Bald wird es 17 Jahre alt. Dafür habe ich ewig auf meine Mutter eingeredet. E-wig.


Mein schmerzhaftestes Piercing. (Abgesehen von dem Microdermal, das war echt Folter.) Mit Schwung durchstechen ging da nicht, der Piercer „schraubte“ langsam die Nadel da durch. Ich sach mal so: es gibt schöneres. Aber schick finde ich es schon nach wie vor.

Tag 564 – So schön!

Wir hatten einen richtig tollen Tag, meine Schwägerin ist da, es gibt endlich mal wieder Schnee, wir waren rodeln, haben einen Schneemann gebaut und dann haben wir Kuchen gebacken und lecker gegessen und jetzt liegen wir alle im Bett und sind satt und platt und glücklich und zufrieden. 

Tag 563 – Ich weiß nicht, ob Sie’s schon wussten…

… aber ich liebe meine Kinder wirklich sehr. Und wenn die weg wären gäbe es für mich wohl drei Möglichkeiten: a) retrograde Amnesie über >5 Jahre, damit ich mich gar nicht dran erinnern kann, jemals Kinder gehabt zu haben. b) sterben. c) irre werden und dann sterben. 

Heißt nicht, dass die nicht auch manchmal nerven, mich manchmal auch schier in den Wahnsinn treiben, ich manchmal vor lauter Verantwortung das Gefühl habe, mich kaum rühren zu können. Insgesamt bleibt einfach das Gefühl, dass sie mein Leben sind. Der Spruch „Kinder zu haben, heißt, sein Herz für immer außerhalb des eigenen Körpers herumlaufen zu lassen“ (oder so ähnlich, Quelle: schlechtes Gedächtnis und irgendwas auf Facebook) trifft auf mich 100%ig zu. Meine Kinder stehen nicht an erster Stelle, sie sind die Stelle. Wenn ich mich wegwünsche, dann mit ihnen zusammen und an einen Ort, an dem es (primär) ihnen gut geht. Das ist vielleicht die größte Veränderung, die ich mit dem Mutter-werden durchgemacht habe: ich und die Kinder, wir sind eine Einheit. Ich würde für die zwei alles* tun. Nicht weil ich muss, weil ich die eben durchbringen muss bis sie 18 sind, sondern weil es einfach so ist. Weil das was da ist noch viel viel mehr ist, als ich je wusste, das man für einen anderen Menschen empfinden kann. Und viel mehr, als ich mit Worten beschreiben kann. 

Ihr zwei. Ihr seid mein Leben. 

(Morgen blogge ich dann wieder vorm Wein und nicht danach.)

*ja, alles.