Tag 433 – Ähm. 

Pippi hat irgendwas. Seit ein paar Tagen hat sie dauernd die Finger im Mund und sabbert auch ordentlich, Profi-Eltern denken da natürlich sofort an Zähne, zumal sie ja auch erst vier Schneidezähne hat. Einen neuen Schneidezahn vermutete ich auch schon im Oberkiefer, allerdings nicht so richtig kurz vorm Durchbruch. 

Dann sah ich heute Nachmittag einige weiße Flecken an ihrer Zunge. Ich vermutete Soor. Dann brüllte sie nach dem Essen plötzlich wie am Spieß, wir wechselten ihre Windel und sahen kleine Pustelchen. Ich vermutete weiterhin Soor und fragte bei Twitter obs dagegen was rezeptfrei in der Apotheke gibt. 

Ich bekam eine Antwort (von einer Ärztin), es könne auch Hand-Fuß-Mund sein. Das Brüllen (also Schmerzen) spräche dafür. Auch die Punkte auf der Zunge, ohne Belag. Ich möchte nicht, dass sie HMF hat, weil ich das mal mit Michel hatte und eine Woche lang nicht essen konnte, so voll war mein Mund mit offenen Stellen. Das war die Hölle. Das wünsche ich keinem. 

Sie wurde wieder wach, brüllend. Wir gaben ihr ein Zäpfchen, denn offenbar tat ihr ja was sehr weh. Ich versuchte, die Stellen in Pippis Mund zu fotografieren, es klappte nicht, denn: sie waren irgendwie weg. 

Dafür fand ich einen halben Backenzahn oben rechts. 

Dann aß Pippi nach ungeheurem Gebrüll ein halbes Hörnchen. Jetzt sitzt sie friedlich neben mir und wischt sich die Zunge mit Feuchttüchern ab. Total glücklich. Und ich weiß auch nicht. 

Update: zehn Minuten später kam sie angemurcht, legte sich auf meine Brust und – schlief einfach ein. 

Mein komisches Kind.

Tag 431 – Pakete! Pakete! Bielefeld Tag 2

Es ist da, es ist da, es ist da! 


Auf 433 Seiten das letzte Jahr ausgedruckt. Die Qualität ist ganz ordentlich, würde ich sagen, eben automatisch gesetzt, da ginge noch was, wenn man es alles nochmal manuell durchsehen würde (oder überhaupt könnte), aber ich finde es in Ordnung. Die Bindung ist absolut professionell und hochwertig, der Druck auch, die Farben bei den Abbildungen sind klar und die Bilder scharf. Insgesamt hat das jetzt seit Hochladen 10 Tage gedauert, bis es geliefert war, das finde ich aus UK durchaus im Rahmen. Einziges Manko eventuell: die Seiten sind sehr sehr dünn, aber sonst würde das wahrscheinlich auch drei Kilo wiegen und wäre zehn Zentimeter dick. Insofern passt auch das. Daumen hoch, Into Real Pages!

Und damit sich die Koffer-Im-Koffer-Taktik auch gelohnt hat, haben wir den riesigen Stapel Pakete von meinen Schwiegereltern abgeholt, den Spaß ausgepackt und auf eine der Kisten zusammengedampft (80% von dem, was die Post ausliefert ist scheinbar Luft), waren dann noch shoppen bei dm und in unserem Bielefelder Lieblingsladen und sind jetzt mit Einkaufen durch. Hurra! Nach dem Shoppen hab ich auch ein schickes Kleid für morgen* und muss auch nicht am Dienstag nackt zurückfliegen. Wegen „Ach, ich pack ja den Pulli noch ein der noch auf der Leine hängt, dann brauch ich den hier ja doch nicht“ und dann den Pulli auf der Leine vergessen (zusammen mit den Lätzchen für Pippi und den Schlafanzügen für beide Kinder) habe ich nämlich tatsächlich zu wenig Klamotten dabei. Also, gehabt, jetzt hab ich einen neuen, dazu ein Kleid und ein T-Shirt aus dem Sale. Plus eben Kinderzahnpasta, Gesichtsreinigungsöl und Vitamin-D-Tabletten für die gesamte Familie für den gesamten Winter (Nieder mit Tran! Tran ist des Teufels!), jetzt ist der Koffer voll, wie geplant. 

Vorher.

Nachher.


Irgendwann zwischen allem waren wir auf dem Markt, trafen unverhofft meine ehemalige Balletttrainerin nebst Kind und eine ehemalige Klassenkameradin nebst Kind**, besuchten sehr schnell Freunde und lieferten ein Geburtstagsgeschenk ab, trafen sehr schnell einen Freund, der inzwischen zu 90% in der Schweiz lebt und erfuhren, dass er in ca. 25 Wochen Papa wird (<3!!!) und trafen Flavius und Brutus, samt Jenni, Mister Geilo und Monstro auf dem Spielplatz bei Herrn Rabes Elternhaus. Das war sehr schön, wenn auch viel zu kurz und irgendwie gab es auch einen Konflikt, es hatte irgendwas mit Sandkuchenförmchen und Sandkuchen und Michel und Flavius zu tun, jedenfalls war Flavius hinterher ziemlich sauer auf uns und er hofft jetzt, dass wir erstmal in Norwegen bleiben. Dabei war er so herzerfrischend ehrlich und direkt, dass er mich sofort als seinen größten Fan gewonnen hat!

Zum Abendessen ne Pizza vom Lieferdienst, die echt lecker war und einen nicht arm macht, dazu ein kaltes Bier und Findet Nemo (Michel sagt, er war spannend, aber nicht zu spannend, mal sehen, was für Fragen in den nächsten Tagen kommen…). Der Tag kriegt ein <3 von mir. 

*Ach ja, dann hätte ich den Pulli ja doch nicht gebraucht, ich hab ja jetzt ein Kleid übrig. Ach, egal. Man gönnt sich ja sonst nichts.

**Wir sind jetzt in dem Alter, in dem alle Kinder kriegen. Die gucken dann immer total ungläubig auf unsere „total großen“ Kinder. Echt wahr. 

6 von 12 im Oktober

Gestern war ja der zwölfte. Das heißt also 12 Fotos machen. Ich bin diesmal nur auf sechs gekommen. Qualität statt Quantität ;)

Ne, Quatsch. Bei Stress habe ich nicht die Ruhe um Fotos zu machen, die ich auch gerne zeigen mag. Oder ich verpasse einfach zu oft den richtigen Augenblick. Ich bewundere ja Frau Rabe, dass sie es so knallhart durchzieht!

1 von 6

Der kleine Waschbär ist schon wach und macht Quatsch im Bad.

2 von 6

Geisteszustand: Dinge auf Post-It notieren und sich dann wundern, dass CTRL+V nicht geht.

3 von 6

Nachtisch

4 von 6

Mit dem besten Freund das Veranstaltungsprogramm studieren. So kommen wir nie zu Hause an.

5 von 6

Schon so groß! Holt selbst Päckchen von der Post ab.

6 von 6

Miss Strubbelhaar in den Schlaf manducan. Erzählt sie sei gar nicht müde.

Mehr

Mehr und vorallem echtes 12 von 12 gibt es wie immer bei Draußen nur Kännchen.

Tag 429 – #12von12 im Oktober ’16

Heute gibt es hier 12 Bilder von einem stressigen und streckenweise echt bescheidenen Tag. Ich nehme mal an, dass andere schönere Tage hatten, die Sie bei Draußen nur Kännchen nachlesen können. 

Strubbelfrisurencontest


Los gings früh, alles wie immer, nur dass Michel ein Aua an seinem Po hat, dass er mit Hingabe aufkratzt. Wir mussten da viel Salbe draufschmieren heute morgen, dann wollte er sich nicht auf sein Fahrrad setzen und schob lieber. Nach der Hälfte des Weges meinte er dann plötzlich „Ah! Ich glaube, meine Creme ist weggeschmolzen!“, setzte sich auf sein Rad und fuhr los. 

Zum Kindergarten bringen: läuft.


Tatsächlich geht es mit dem Abliefern im Kindergarten jetzt meistens richtig gut. Sobald ich Pippi aus dem Anhänger nehme, tapst sie los, und je nach Betreuer*In, die sie begrüßen, gibt es kein oder nur kurzes Weinen. Puh. 

Aus der Reihe: Schmöschte das nischt.

Äh ja. Winter is coming. Memo an mich: Wenn wir aus Deutschland wieder da sind, muss ich Winterräder mit Spikes für mein Fahrrad kaufen. 

Auf der Arbeit erst mal Haare machen.

Wegen Mütze und Helm auf gewachstem Haar sah ich die letzten zwei Tage bei der Arbeit sehr lustig aus, deshalb mache ich mir die Haare jetzt erst bei der Arbeit. 

Nun ja, dann war Arbeit, alles wie immer, ein langweiliges Meeting zwischendurch, irgendwann in Inkubationspausen Kaffee holen. 

Müde. Mimimi.

Kurz nach dem nächsten Foto entglitt mir dann irgendwie alles innerhalb von kurzer Zeit. Vor allem meine Laune entglitt mir sehr. 

Ich möchte trotzdem Handschuhe anziehen, aber reiße mich zusammen.

Der mistige Computer wollte dann meine Daten, die er zwar gemessen, aber nicht prozessiert hatte, nicht speichern. Nur als .jpg , also als verdammte Bilddatei, könnte ich die Daten abspeichern. Irgendwie hat das Programm nen Hau, aber warten bis irgendwer kommt, der sich damit auskennt, hätte mir auch nix gebracht, dann hätte ich das Experiment gleich in den Müll werfen können. Also speicherte ich die drei Platten à 96 Messwerte schlussendlich als .jpg und freute mich schon auf die Auswertung. 

Dann wollte ich los, noch ganz schnell bei einem Laden vorbei, der Online ein paar hübsche Kleider gehabt hatte. Ich hab nämlich nix zum Anziehen für die Hochzeit am Samstag. Kleiner Tipp: wenn Sie mich zu einer größeren Feier einladen, feiern Sie doch bitte im Sommer oder so richtig im Winter. Für dazwischen hab ich nix. Jedenfalls wollte ich also los, aber mein Bediencomputer vom Fahrrad ging nicht an. 

Hat sich aufgehängt.

Egal wie lange ich welche Knöpfe drückte, es tat sich nix. Die Zeit wurde aber langsam knapp, also fuhr ich ohne Motorunterstützung (die geht ohne die Steuerung  nicht) in die Stadt. Ohne Motor fährt sich mein Fahrrad schon aufgrund seines Gewichts relativ bescheiden. 

Im ersten Laden hatten sie nichts. Bzw. natürlich hatten sie haufenweise Klamotten, aber nichts, was mir auch nur halbwegs gefiel. Ich beschloss, noch zu einem anderen Laden zu fahren. Da hatten sie ein okes Kleid und ein super tolles – in XS und M. Leider war M wirklich zu groß und XS wirklich zu klein. Aus Verzweiflung kaufte ich das Oke und rannte förmlich aus dem Laden. Es war fünf vor vier und um vier sollte ich mit dem Auto (!) bei Herrn Rabes Firmas Parkplatz sein. 

Verschwitzt und gefrustet wegen allem war ich um 16:10 da, außer mir aber niemand. Ich schrieb Herrn Rabe, der stand dann aber plötzlich neben dem Auto und meinte „Du bist hier falsch!“. Ganz ehrlich: woher soll ich denn wissen, dass die Firma ihren Parkplatz nach dem Umzug vor einem Jahr immer noch am alten Firmensitz hat? 

Mit 25 Minuten Verspätung kam ich dann am richtigen Parkplatz an. Glücklicherweise war unser Freund mit den Schafen noch da und lud mir fix 10,6 kg Lamm in den Kofferraum. 

Dann fuhr ich ins Einkaufszentrum, zu einer anderen Filiale des Ladens mit dem tollen Kleid. Und zu Eis. 

Ich besänftige mich selbst.

Um das Ganze abzukürzen: nein, ich hab das Kleid nicht bekommen. 

Wieder zu Hause verstauten wir das Lamm im Gefriehrfach. Es war sogar noch Platz für den Schnaps. 

Lamm in bester Gesellschaft.

Ich wusch noch eine Maschine Wäsche. Böser Fehler, denn ich verfärbte mir grandioser Weise den Pinguin-Kragen von meinem Selbstgenähten Pulli fleckig rot.

Gleich nochmal anmachen mit Oxi-Action. Brachte nix.

Auf dem Einkaufszettel für Deutschland steht jetzt auch Entfärber. 

Tja, und dann eben Packen. Klamotten in kleinen Koffer in großen Koffer. 

Es wird langsam.

Pippi wollte nur auf Herrn Rabe schlafen, er schleppte sie tapfer in der Trage herum, aber irgendwann wollte er sie doch gerne loswerden – und ich ins Bett. Trifft sich gut. 

Dem Mann die Maus abnehmen.


So, jetzt schnell schlafen, damit wir morgen fit in den Tag starten können!

Tag 427 – Wie krass ist das denn?

Vor Monaten sagten hier Menschen, ich solle doch den Montag nach Portugal frei nehmen, damit ich Zeit hätte, Michels Geburtstag vorzubereiten. Hätte ich mal auf Sie da draußen gehört! Stattdessen war ich natürlich heute arbeiten, machte natürlich jede Menge Zeug und zwei Überstunden, um dann schon total gerädert hier noch Kuchen zu backen, zu dekorieren und Herrn Rabe für seine Einpackkünste zu bewundern. 

Tja, und jetzt wird morgen mein Baby schon vier, ich kann es selbst kaum glauben, aber es ist wohl so. Vor vier Jahren um diese Zeit wartete ich immer noch auf irgendein Zeichen, dass es bald losgehen würde, es passierte aber einfach nix und ich fürchtete mich schon ein bisschen vor dem Frauenarzttermin am nächsten Morgen um acht, bei 41+0, weil ich nicht wirklich scharf auf eine Einleitung war. Tja, und dann war Michel plötzlich doch noch vor acht da, also rief Herr Rabe erst seine Eltern, dann meine Mutter und dann den Frauenarzt an und dann stießen wir mit der Besten auf das alles an, den ganzen verrückten Scheiß, der in den letzten paar Stunden passiert war, ich legte Michel das erste Mal an, er saugte direkt und sie sagte zu mir: Jetzt kriegst du so richtige Muttinippel. 

Damit hatte sie Recht. 

Und damit, was sie zwischen zwei Presswehen zu mir sagte, auch. 

Gleich bist du Mama! Wie krass ist das denn?

Tag 426 – Die Hochzeit. 

Heute die Langfassung, nachdem ich ausgenüchtert bin. 

Diese Hochzeit war ja einfach mal komplett anders, als alle anderen Hochzeiten auf denen ich überhaupt je war, und so langsam sind das ja auch einige. Sie war nämlich extrem durchgeplant von einem richtig echten Weddingplanner. Sowas kenne ich nur aus dem Fernsehen. Ehrlich. Meine Freunde machen sowas nicht, schon alleine weil es einen Haufen Geld kostet. Aber naja, diese (meines Onkels) Seite der Familie hat ja Geld. Es wurde also nichts dem Zufall überlassen. Von der Deko über das Essen (Probeessen zwei Tage vorher!) über die letzte Anpassung des Brautkleids am Vorabend zum Anschneiden der Torte auf einem beleuchteten Tisch mit Wunderkerzen mit dem Logo-Schriftzug der beiden Namen dran. Menükarten mit dem gleichen Design wie die Einladungkarten, Tischkarten, Sitzplan. Es gab sogar ne Hochzeitsprobe! Am faszinierenden fand ich aber, dass man von dem ganzen Brimborium im Hintergrund während der Feier selbst fast gar nichts merkte. Vermutlich macht das einen guten Weddingplanner aus: dass man ihn und seine Arbeit als Gast nicht bemerkt. 

Die Trauung selbst war tatsächlich traumhaft schön, im Innenhof der Pousada unterm Orangenbaum. Zuerst marschierten die Trauzeugen und Brautjungfern (jaja, natürlich, je drei, und die Damen hatten ähnliche, aber nicht gleiche Kleider an, wie es muss.) zu Musik ein, dann der Bräutigam mit seiner Mutter (zum Allzeit-Karaoke-Schmetterklassiker „Wonderwall“) und dann die Braut mit ihrem Vater. Die Musik war eine tatsächlich gelungene Kombi aus Aufnahme und Live-Stehgeiger, mit E-Violine und vollem Emo-Körpereinsatz. 

Den geringsten Redeanteil an der Trauung hatte die Standesbeamtin, die kurz zu Anfang was sagte, dann gab es je eine Rede vom Vater der Braut, von der Mutter des Bräutigams, vom Best Man und der Maid of Honour (die mir etwas leid tat, weil ihr zwei Monate altes Baby auf dem Arm des Papas die ganze Zeit wie am Spieß brüllte). Dann Trauzeremonie mit sämtlichen Formeln die es gibt bis auf das Ding mit dem Schweigen. Plus jeweils selbst geschriebene Vows von Braut und Bräutigam (in Heftchen mit dem Hochzeits-Design, natürlich), Ringtausch (die Ringe wurden von der zweijährigen Tochter der Maid of honour gebracht, und alle so: aaaaawwwwwwww!!!, es war aber auch so unheimlich süß) und Kuss und fertig. Klingt jetzt voll nüchtern, wenn ich das so schreibe, aber ich sachs mal so: ich brauchte sehr sehr viele Taschentücher und das lag nicht (nur) an der Sonne, die mir voll in die Augen schien. Und auch nicht daran, dass ich „bei Hochzeiten immer heule“, wie es ja vielen geht, mir nicht so, ich gehe ja auch immer erstmal nicht von einer Verbindung für immer und ewig aus, noch nicht mal (oder vor allem nicht?) bei meiner eigenen Hochzeit. Aber es war schon sehr schön, vor allem die Reden und überhaupt, das Ganze, so ein schönes Kleid, mit Schleier und dem ganzen Scheiß, den ich nie haben wollen würde, aber hier passte es einfach. Dann passt auch Heulen. 

Nach der Trauung gab es nach den obligatorischen Gratulationsschlangen erstmal Snacks und Getränke, ich fokussierte mich auf Snacks, weil ich sonst wohl wen angefallen hätte vor Hunger. Das Paar machte dann weiter Fotos, es wurde überhaupt wahnsinnig viel fotografiert und gefilmt, später wurde das etwas nervig, als nicht nur ein Fotograf, sondern auch ein Videograf und ein Beleuchtungsheini mit einer grellen Lichtstange zwischen den Tanzenden auf der Tanzfläche herumhüpften. Jedenfalls war mit den Snacks quasi ein sechsstündiger Fressmarathon eingeläutet, mit vier Gängen und dann noch Hochzeitstorte, von der ich mein Stück da schon nicht mehr aufessen konnte, weil ich sonst echt einfach geplatzt wär. Das Essen war größtenteils echt sehr gut, der Nachtisch war bombastisch gut, dazu musste man etwas aufpassen, dass man nicht zu schnell den Wein trank, weil die Kellner das Glas immer voll hielten. 

Wie das aber ja so ist, ist das Interessante bei sowas eher das Drumrum, deshalb hier ein paar Highlights aus den Tischgesprächen:

  • Mein („kleiner“) Cousin, der sich aufregte, dass die kulturlosen Kanadier alle schon ihre Jackets ausgezogen hatten, obwohl der Bräutigam seins noch anhatte. Er ging dann echt hin und machte die an, worauf einer von denen mit ihm zum Bräutigam ging, der nur sagte „You know, I don’t give a f*ck.“. 
  • Mein („großer“) Cousin https://twitter.com/rabensalat/status/784496913231990784
  • Meine Mutter (natürlich), die sich nur mit Mühe von der Idee abbringen ließ, man könne die Army-Kanadier bestimmt zum Pazifismus bekehren, wenn man nur gewaltfrei kommunizieren würde. Bei der Vorstellung, wie meine Mutter zu den Army-Kanadiern marschiert (die sich ja alle für lange Jahre, teilweise Lebenszeit, verpflichtet haben!) und denen sagt „Dass ihr Soldaten seid, macht mich sehr traurig, ich möchte gerne verstehen, warum ihr das System Konflikt wertschätzt!“ muss ich immer noch lachen. Das Beste war dann aber folgender Dialog zwischen meiner Mutter und meinem Cousin, der meine Auffassung teilte, dass die Army-Kanadier eine wie gewaltfrei auch immer geäußerte Kritik an der Armee mit großer Sicherheit als Angriff auf sie selbst und ihre Lebensentscheidung interpretieren würden: https://twitter.com/rabensalat/status/784526587224096769
  • Die kleine Ringträgerin, die total begeistert davon war, dass ihr jemand vier Gabeln, drei Messer und drei langstielige Weingläser gedeckt hatte. Und ihr Papa, der panisch versuchte, ihr ohne Geschrei das meiste davon abzuluchsen. Dafür viel <3.

Danach eben mehr Fotos, mehr Wein, Hochzeitstorte (Uffz) und dann: Party. Da dann endlich auch größere Durchmischung der Gäste, noch mehr Wein (eieiei), irgendwann Whisky (der ging noch) und danach ein Zeug, was aussah wie Whisky und mir einfach in die Hand gedrückt wurde, ich ohne Hinterfragen herunterstürzte, das Gesicht ob des definitiv nicht Whisky-igen Geschmacks verzog und naja, danach war ich sehr lustig. Ich fragte den Typen, der mir das gegeben hatte noch, was das war und bekam die Antwort „I don’t have a clue. It sure tasted like the sum of bad life decisions.“. Möglicherweise war es Captain Morgan. Ist ja auch egal, danach war es wirklich lustig, es kam dann noch zu der Sache mit den Anklebe-Schnurrbärten, der Sache mit des Kanadiers Handy in diesem Tümpel (und vier Männern, die sich weigern, das wieder rauszuholen, weil is ja voll eklig, so Wasser. Aber Leute abknallen. Naja, Schwamm drüber.) und der Sache mit dem Wein auf und in meinen Schuhen. Ich schaffte es, der Braut auf der Tanzfläche für ein Foto ein Getränk in die Hand zu drücken, das Tanzen im Hochzeitskleid mit alkoholischem Getränk in der Hand ist eine Familientradition, die ich vor sieben Jahren startete. Zu dem Zeitpunkt trank sie aber schon gar nichts mehr, weil es ihr nicht soooo gut ging, also leerte ich das Glas auch noch. Die Musik war echt schräg, aber es wurde trotzdem viel getanzt, bis um drei Uhr die Party für beendet erklärt wurde. 

Wir, also der Rest, der den Diskoschluss nicht als willkommene Gelegenheit zum ins-Bett-Gehen nutzte, nahmen dann noch die angebrochenen Flaschen aus der Bar mit (jaja, dämlich…) und setzten uns auf die Terrasse, einer der Kanadier heulte sich bei mir aus, wie unheimlich schlecht es ihm ginge, seine Frau hat sich von ihm getrennt und lässt sich scheiden, die 18 Monate alte Tochter sieht er deshalb nur alle zwei Wochen für vier Tage, es ist alles ganz schrecklich. Vielleicht strahle ich so große Mütterlichkeit aus, dass man mir sowas erzählt. Oder er hatte sich eine andere Reaktion erhofft, vielleicht in Richtung „warmer Schlafplatz neben Frau“ anstatt „Oh, I’m sorry to hear that!“. Kurz drauf war der Wein leer und nur noch Portwein da (bläh), da fand ich es sinnvoll, ins Bett zu gehen. 

Insgesamt war es wirklich eine wunderbare Hochzeit. Und mein besonderes <3 geht an:

  • Die Freundin meines Cousins, die sicher 1,85 m groß ist und mit unheimlichem Selbstbewusstsein krass hohe Schuhe trug und damit sogar meinen Cousin deutlich überragte, der 1,90 m groß ist. (Und die den Brautstrauß fing, zwinkerzwinker.) 
  • Die Portugiesische Cousine, die trotz Gipsbein mit Krücken wild tanzte und bis zum Schluss durchhielt. (Und die das coolste Kleid von allen anhatte.) 
  • Den Bad-life-decisions-Typen, der irgendwann aus Solidarität mit den barfuß tanzenden Damen die Schuhe auszog. Der auch echt gut tanzen konnte und drauf bestand, die Dame zu sein: wenn ich mich schon nicht führen lasse dann aber richtig. 
  • Die 87 Jahre alte Oma des Bräutigams, die konsequent mit allen Anwesenden Portugiesisch sprach. 

Ach ja, doch, war schön. Und jetzt bin ich gleich wieder zu Hause, bei meinen Babies, das ist noch viel schöner. 

Tag 425 – Kater. 

Ähm ja. Das mit dem nicht so viel trinken hat nicht ganz so gut geklappt. Kurzzusammenfassung: die Trauung war sehr schön, das Essen größtenteils super, die Gespräche so hmm, alles war Bombe durchgeplant, die Party war trotz echt nicht so guter Musik echt gut. 

Ich fischte das Handy eines der Armykanadier aus einem Tümpel, da war viel Moos involviert und ich muss jetzt mein Kleid waschen. Aus einem nicht mehr ganz vollständig zu rekonstruierenden Grund sind meine Schuhe gebadet in Wein, ich habe Sonnenbrand vom verkaterten Rumschimmeln heute, eine Blase auf dem großen Zeh vom Tanzen und bin nach vier Stunden „Schlaf“ letzte Nacht unendlich müde. Und zufrieden. Und müde. Morgen um sechs geht mein Flug. 

Fundstück auf dem Handy heute morgen.

Sparklers. Falls Sie sich fragen, wie Wunderkerze auf Englisch heißt.

Alles ca. 1000 mal schicker, als unsere Hochzeit damals war.