Tag 424 – Portugal. 

Ich bin ja jetzt in Portugal. Genau genommen bin ich in einer Pousada oben auf einem Berg hinter einem Kaff hinter einem etwas größeren Kaff hinter Porto. Oder, wie ich es gestern bei der Ankunft nannte: 

Die Reise hierher war ok, lang halt, und anstrengend auch, die letzte Etappe mit der S-Bahn und dann die allerletzte mit dem Taxi zogen sich gefühlte Ewigkeiten, aber ich kam irgendwann doch an und wurde von meiner Mutter und meiner Tante empfangen. Großes Hallo und Sachen ins Hotelzimmer (ich wohne direkt in der Pousada, das kostet ein Schweinegeld, aber man gönnt sich ja sonst nichts, nicht wahr?) bringen, die Kleider aufhängen, dann: Menschen treffen. 

  • Meine Mutter: hat jetzt künstliche Wimpern. Ich brauchte mich schon keinem mehr vorstellen, ich bin „die Tochter“. Offensichtlich hat sie die letzten Tage allen von mir erzählt. 
  • Meine Tante: angeheiratet, zweite Frau von meinem Onkel, deshalb nicht die Mutter der Braut, die lebt leider nicht mehr. Trotzdem so aufgeregt wie die Mutter der Braut wohl wäre und außerdem angenervt vom Organisieren von allem. 
  • Mein Onkel: tiefenentspannt. Ich bin ewig dankbar, dass er mir zwei Bananen holte, nachdem mir um sieben (ja eigentlich schon acht) eröffnet wurde, Essen gäbe es erst in einer Stunde. 
  • Meine Omi: beängstigend dünn und noch beängstigender schusselig. In dauerndem Nörgel-Modus über die Pousada/den Service/das Essen. Emily Gilmore, nur älter. 
  • Mein Opi: dement halt. Es ist hart, das mit anzusehen. Furchtbar dünn, Kurzzeitgedächtnis eigentlich nicht mehr vorhanden, dazu ein unfassbar großes Veilchen mit Pflaster auf der Augenbraue, weil er am Dienstag gestürzt ist. 
  • Meine angeheiratete Cousine und ihr chilenischer Freund (Barbier, mit vielen Tätowierungen. Meine Omi findet ihn unmöglich.), die sind lustig. <3
  • Meine tatsächliche Cousine (die Braut): aufgeregt, aber glücklich. 
  • Ihre Freundinnen samt Familien (Kinder: 2 Monate, 10 Monate, 2,5 Jahre): die kenne ich noch von vor 15 Jahren (also die Freundinnen, nicht die Kinder), die sind auch nett und lustig. 
  • Der Bräutigam und seine Freunde: schwieriges Thema. Ich kenn den ja gar nicht, ehrlich gesagt, weiß ich gar nicht, wer da nachher meine Cousine heiratet. Gestern Unterhaltung mit seinem Mentor bei der Armee, der ihn gerne als Armee-Anwalt im Irak oder Afghanistan oder so hätte. Great opportunity, honour und so. Der Pazifist in mir sitzt weinend in der Ecke, der Pazifist an meiner Außenseite nickt, lächelt und schluckt alle Kommentare runter, es bringt doch einfach mal gar nix, mich hier mit Armee-Menschen anzulegen. 
  • Meine Cousins samt Freundinnen traf ich erst heute, mein kleiner Cousin (den wir in Wien trafen) ist sehr nett wie immer, meinen großen Cousin hab ich erst nicht erkannt, weil er jetzt eine lange Wallemähne hat, aber nicht wie so ein Mettler oder Hippie, sondern wie der Münchner Schnösel, der er ja auch ist. Seine Freundin wurde mit „Diejana“ vorgestellt, das sorgte für Verwirrung, weil ich „Die Anna“ verstanden hatte, meine Omi „Diana“ („Die hat aber rein deutsche Vorfahren!“) und mein kleiner Cousin sagte „Die Jana“. Letzteres stellte sich in einem längeren Gespräch mit ihr als Richtig heraus. Außerdem ist sie Lehrerin, Gymnasium, Geschichte, Deutsch, SoWi und verbeamtet in Lüneburg. Knapp 30, sehr nett und erstaunlich gewitzt, schlau und bestimmt für meinen Cousin, der sonst auch gerne mal reine Deko-Mädchen anschleppte. Also, damals, als wir noch mehr Kontakt hatten. 

Dieses ganze Familiendings ist für mich sehr anstrengend, deshalb lieber noch ein paar Fotos von der Location, dazu ein paar Verdrängungsmechanismen und ein Bad, dann bin ich fertig für die Trauung nachher. (Dann ist meine Hauptaufgabe, mich nicht abzuschießen. Ich hab absolut keinen Nerv auf nen Kater morgen.)

So, auf geht’s. Trauung in 15 Minuten. 

Impressionen aus dem Ort, No.1

Impressionen aus dem Ort, No.2

Die Kirche, direkt an dem ehemaligen Kloster. Imposant, he?

Eingang, links geht es rein, geraudeaus zum einen Innenhof.

Der eine Innenhof von der anderen Seite.

Mein Zimmer mit Erkerfenster samt Steinpritschen fürs kontemplative Gebet.

Essenssaal, mit um 8:45 noch jungfräulichem Frühstücksbüffet auf ehemaligem Altar (auf dem früher vermutlich Jungfrauen geopfert wurden oder so).

Anderer Innenhof, in dem die Trauung sein wird.

Granatapfelbaum.

Es gibt sogar einen Pool.

Vor lauter Traumhochzeit kommts mir gleich schon hoch.

Orangengarten.

Hier wird wohl nachher getanzt.

Hübsche Blumen.

Tag 423 – Weshalb ich manchmal froh bin, dass mein Körper meine Pläne durchkreuzte. 

Es ist mal wieder Zeit für einen Disclaimer: ich werde im Folgenden meine Gedanken zu sehr dicht aufeinander geborenen Kindern beschreiben. Ich will in keinster Weise sagen, dass alle Eltern mit Kindern in kleinem Abstand überfordert sind, oder dass irgendwelche Abstände generell  schlechter oder besser wären. Nur meine Gedanken. K? K.

Heute in der Metro vom Flughafen in Porto in die Stadt saß eine Familie. Beziehungsweise saß nur die Mutter, der Vater stand. Auf dem Schoß hatte die Mutter ein ca. anderthalb Jahre altes Kind, neben ihr turnte ein ca. zweieinhalb Jahre altes Kind herum und ein ca. vierjähriges Kind flitzte dauernd von Mama zu Papa und zurück. Ja, genau, das ist so ziemlich so dicht zusammen as it can be. Die Kinder waren allesamt niedlich und machten ihrem Alter entsprechend Quatsch. Der Große baumelte an den Sitzen, der Mittlere  stand auf dem Sitz und drückte sein Gesicht an die Scheibe, der Kleine wusste nicht so ganz was er wollte, zog sich an Mamas Nase hoch und ließ sich dann wieder hinplumpsen. Der Kleine machte auch Kindstypische Geräusche, aber alles im Rahmen, keins der Kinder störte irgendwie krass oder benahm sich total daneben oder brüllte alles zusammen. 

Die Mama sah müde aus. Sehr müde. Grunderschöpft. 

Und ich dachte: das hätte ich sein können. Ich wäre genau so. Ganz genau so. Ich wollte immer vier Kinder und ein Alterabstand von maximal zwei Jahren erschien mir erstrebenswert. Als Michel dann ein Jahr alt war, war ich in der Probezeit, außerdem war mein Zyklus kein Zyklus sondern das reinste Chaos, dazu hatte Herr Rabe keinen Job, kurz: wir verhüteten kräftig weiter. Als Michel dann anderthalb war war klar, wieso mein Zyklus komisch war: ich hatte eine Schilddrüsenüberfunktion, musste Hemmer nehmen, mit aktiver Hyperthyreose soll man bitte nicht schwanger werden und Sorgen hatte ich plötzlich auch genug andere. Kurz: wir verhüteten kräftig weiter. Dann war Michel zwei und die Stoffwechsellage halbwegs ok, der Zyklus aber nach wie vor nicht zyklisch. Ich dachte ehrlich, an dem Tag wäre noch keine „Gefahr“ schwanger zu werden. Tjanun, ein Dreiviertel Jahr später war Pippi da. 

Aber eigentlich wollte ich das immer anders. Dichter beieinander sollten die Kinder sein, damit sie „noch miteinander spielen können“. Meine eigene Familie und die heute im Zug hat mir gezeigt: ach Quatsch. Wenns passt, dann passts. Fast drei Jahre Altersunterschied bei Michel und Pippi führen jedenfalls im Moment noch nicht dazu, dass sie nicht miteinander spielen können. Der Große der Familie heute kam bestens mit dem Kleinsten zurecht und umgekehrt. Der Mittlere hingegen ärgerte seine beiden Brüder bei jeder Gelegenheit, piesackte den Kleinen und sprang dem Großen auf den Rücken. Die Mama schien das schon gewohnt. Müde wies sie den Mittleren zurecht, versuchte ihn anders zu beschäftigen, versuchte ihm Aufmerksamkeit zu geben, was aber sofort von einem der anderen durchkreuzt wurde. Sie gab dem Kleinsten Blaubeerweingummi und zog ihm hundertmal die Schuhe wieder an, die er sofort wieder auszog. Sie versuchte den Großen im Zaum zu halten, der kreuz und quer über die Sitze und Passagiere stieg und wirkte bei all dem einfach nur erschöpft und resigniert. Der Vater stand etwas unbeteiligt rum und beschäftigte sich immer nur mal kurz mit dem Großen, wenn der vom Generve des Mittleren die Nase voll hatte. Aber mindestens 90% der Zeit und 100% der Erziehungsarbeit waren Ding der Mutter. Sie war immer liebevoll, verstehen Sie mich da nicht falsch, aber ich hatte das Gefühl, sie wird keinem der Kinder wirklich gerecht, Ihrem Partner vielleicht nicht und sich selbst sicher nicht und sie weiß das. So wirkte sie auf mich. Als wüsste sie, das das alles nicht optimal läuft, dass drei Kinder unter vier, die zeitgleich an einem hängen, unheimlich viel ist, vielleicht manchmal zu viel. Als wüsste sie, dass der Satz „Hör auf!“ wenn zehnmal pro Minute in drei verschiedene Richtungen ausgesprochen längst zu einer hohlen Phrase verkommen ist. Und ich weiß: ich wäre genau so*. Ich wäre genau so müde, resigniert und latent traurig. Genauso verliebt in meine Kinder. Und am Rande des Wahnsinns. Knapp drei Jahre Altersunterschied kann ich stemmen. Mehr wäre vermutlich auch ok. Weniger auch, aber es wäre anstrengender. Heute bin ich dankbar, dass mein Körper den ursprünglichen Plan so nicht mitgemacht hat. Und ich bin Pippi dankbar, dass genau sie sich zu genau dem Zeitpunkt einfach eingeschlichen hat. 

*das, meine Damen und Herren nennt man Projektion: ich dichte meine vermeintlichen Unzulänglichkeiten der anderen Mutter an, um dann von außen drüber herzuziehen. Ist natürlich bestimmt alles nicht so, es ist ja auch nur eine Momentaufnahme, von außen betrachtet. Weiß ich ja alles.

Tag 422 – WMDEDGT Oktober ’16 (Turbo edition)

Wheeeee, schon so spät, jetzt aber zackig! Hier, Dings, Frau Brüllen, Tagebuchbloggen.

  • Aufgestanden irgendwie zu knapp. Michel wollte noch kuscheln.
  • Kinder fertig machen, Michel langsam, Pippi gefräßig.
  • Kinder zum Kindergarten bringen, Michel gesprächig. Michel will kein Dieb sein, weil man dann ins Gefängnis kommt. Ich bin darüber froh.
  • Zur Arbeit fahren, schweinekalt.
  • Arbeitarbeitarbeit, nix besonderes. Räume Schreibtisch auf und nehme mir Artikel mit, die ich in den nächsten Tagen vermutlich nicht lesen werde.
  • Ich checke für die Flüge ein. Dann suche ich mir Bahnverbindungen in Porto raus und schreibe sie total Oldschool auf einen Zettel, weil das Einloggen in meinen Google-Account aus diversen Gründen fehl schlägt (wo ist das Pipe-Zichen auf einer norwegischen Tastatur?).
  • Kurz Feueralarm, nutze ich um mir einen Kaffee zu holen.
  • Arbeitarbeit.
  • Nach Hause fahren.
  • Kleider anprobieren. Man weiß ja nie, was einem nach Schwangerschaft und Stillzeit noch so passt. Passt aber. Puh.
  • Kinder abholen. Michel langsam, Pippi gefräßig. Hat wieder nix gegessen zum Mittag, futtert mir aber noch  in der Umkleide die Brotdose leer.
  • In den Briefkasten gucken: Mein Ring ist wieder da! Ich war schon mittelmäßig besorgt.
  • Hände waschen, leere Brotdosen verräumen, Klamotten auf Haken verteilen, anfangen zu spülen, dann Krisenintervention im Wohnzimmer: Pippi hat Michels Haus auseinandergebaut.
  • Herr Rabe kommt und übernimmt die Kinder: ich kann weiter spülen. Hurra.
  • Essenplan wird umgeworfen: wir kriegen nächste Woche neues Lammfleisch, Parole: Gefrierschrank leer essen. Wir tauen Pickert auf.
  • Die Mikrowelle übernimmt das mit dem Auftauen, ich packe derweil meinen Ring aus. Der ist wie neu, es liegt eine Karte mit einem ganz lieben Gruß von Lars (dem Designer) dabei, aber keine Rechnung. Ähm.
  • Pippi sitzt schon wieder auf dem Tisch und schmeißt eine Flasche Wasser um. Ich wische und vergesse darüber kurz die nicht vorhandene Rechnung.
  • Das Essen ist warm. Wir essen. Michel nicht, der will Brot, weigert sich aber standhaft das höflich zu formulieren („ICH WILL JETZT SOFORT BROOOOOOT!“), woraufhin wir uns standhaft weigern, ihm ein Brot zu schmieren. Alles eskaliert.
  • Eine Stunde später: Michel hat immer noch nichts gegessen. Ich frage ihn: „Möchtest du ein Brot?“, er sagt „ICH WILL DAS NICHT SO HÖÖÖÖÖREN!“.
  • Eine weitere viertel Stunde später antwortet er auf die gleiche Frage mit ja.
  • Michel kriegt Brot, muss dabei auf meinem Schoß sitzen.
  • Ich schiele auf die Uhr. Bettzeit und Packzeit. Eigentlich. Michel isst noch. Pippi turnt rum.
  • Bettzeit wird ausgerufen. Ich lese Michel das „Wir sind jetzt vier“ Buch vor, er will das unbedingt. Im Kindergarten sprechen sie grade darüber, wie der Körper so von Innen aussieht und ja, auch darüber, wo die Babys herkommen.
  • Zehn Sekunden nach Schließen der Buchdeckel schläft Michel wie ein Stein. Ich höre Pippi begeistert „DAAAAAA!!!“ rufen.
  • Kleider bügeln. Ich hasse bügeln.
  • Packen. Herr Rabe schaukelt Pippi in den Schlaf. Dann geht er noch mit ihr Milch kaufen, die reicht nicht mehr für morgen.
  • Geld (Euro) und Pass zusammensuchen.
  • Geschenk basteln: Das Paar wünscht sich nichts. Ich komme diesem ungewöhnlichen Wunsch fast nach und schreibe auf eine weiße Karte mit Zitronensaft Sachen, dann bastle ich mit tatkräftiger Hilfe von Herrn Rabe eine Teelicht-Tüte aus Brotpapier, mit ausgeschnittenen Buchstaben-Herzen-Dingen. Ich habe gebastelt. Ich.
  • Während Herr Rabe noch Buchstaben ausschnitzt dusche ich und entferne hastig diverse Haare an mir.
  • Runterladen des neuen Blink-182-Albums, das ich bei Amazon als CD gekauft habe.
  • Sichern von tausend Folgen Lila Podcast.
  • Tag aufschreiben, dabei den letzten Pickert essen, mit Apfelmus. Essen Sie Pickert mit Apfelmus, das ist sehr lecker.
  • Jetzt gleich ZähneputzenabinsBett, morgen klingelt der Wecker um viertel nach fünf. Uff.

Tag 421 – Zeitsprung.

Tadaaaaaa! Ich hab das Blogbuch endlich bestellt. Dafür hab ich heute während ewig langer Inkubationszeiten die durcheinandergeratenen Posts wieder auf Linie gebracht, mich dabei über die Entdeckung gefreut, dass man „einfach“ das Veröffentlichungsdatum der Posts ändern kann (so einfach ist es nicht, man muss schon wissen, wie man das Fenster findet, wo das geht), mich dann geärgert, dass ich ganz offensichtlich einen Post von Weihnachten komplett gelöscht hab (klassischer Mausrutscher), mich dann nochmal etwas geärgert, dass ich zwei Tage doppelt hab und dann hab ichs auch schon hochgeladen. 

Erst dachte ich, dass es schon cool ist, wenn man die Links als QR-Codes hat, aber dann waren das plötzlich 30 Seiten voller QR-Codes hinten im eh schon 420 Seiten langen Buch, das gefiel mir nicht. Außerdem war ein Beitrag zu viel mit reingerutscht, das gefiel mir auch nicht, das soll schließlich Bitteschön dann auch mit dem ersten Jubiläum abschließen. Also löschte ich das Ganze und lud es mit den Änderungen neu hoch. Dann passte alles und ich bestellte. 

So wird es von außen aussehen.


Wie man an dem folgenden Bild unschwer erkennen kann, habe ich bei Into Real Pages bestellt, weil mir das Layout* besser gefiel und es günstiger schien als Blog2Print. Tjanun, das mit dem günstiger war eine Fehlannahme, am Ende des Bestellprozesses erschien dann doch eine recht stattliche Summe, aber mit extra Sommer-Gutscheincode ging es halbwegs. Vorgezogenes Weihnachtsgeschenk an mich selbst. Rechtfertigung ist alles. 

Payment successful, aber mein Konto weint trotzdem.


Jetzt heißt es hoffen, dass das Buch nur vier Tage zum Drucken braucht und nicht sieben und auch nur zwei Tage zum Liefern und nicht fünf und dann ist alles geritzt!

Was man jetzt hier nicht sieht: wie total niedlich der amerikanische Hipster-Slang der Webseite ins deutsche übersetzt ist.

Außerdem hab ich mich entschlossen, die zwei doppelten Tage einfach zu korrigieren. Es gibt daher Tag 419 und 420 nicht. Nächstes Jahr beim neuen Blogbuch bestellen werde ich mich dann vermutlich wieder fragen, was ich da vermurkst hab, aber dann hoffentlich diese Erklärung finden. Future me: des passt scho. 

* Team Form! 

Tag 418 – Schluss mit Nörgeln. 

So, nachdem gestern Panik war, ist heute Tatendrang. Deshalb hatte ich auch einen ziemlich produktiven Tag. 

  • Das Holz kam und ich hatte tatsächlich auch genug Bargeld schon morgens geholt (und Michel rechtzeitig im Kindergarten und so!). Der Holzheini, der ein ganz netter war, fuhr mit dem Hänger ganz and Haus, gab mir dann die Säcke an und ich stapelte sie im Flur. 21 mal 80 L und 6 mal 60 L. Weil das Holz aber viel trockener ist als das vom letzten Jahr war, ging das erstaunlich gut. 
  • Ich habe bestellt: bei Amazon (Piep-Ei und diversen Schnick-Schnack), bei der online-Apotheke (30 Euro für ne komplette aufgestockte Hausapotheke. Das.ist.nix. Medikamente sind in Norwegen so teuer, hier hätte ich sicher das Fünffache bezahlt. Oder mehr. Wenn man bedenkt, dass es von vielen Dingen nur das „Original“ gibt und keine Generika… doch, mehr.), bei Paulas Choice, mit Rabattcode (mal sehen ob diesmal alles klappt…).
  • Ich war bei IKEA und hab Michel ein Geburtstagsgeschenk zum Auspacken besorgt UND ES GLEICH EINGEPACKT!!! 
  • Ok, ich hab auch noch ein paar andere Dinge bei IKEA gekauft, unter anderem ein Bügelbrett, damit sich der arme Herr Rabe nicht seinen Rücken kaputtbügelt auf unserer ollen Möhre von Bügelbrett-Erbstück.
  • Danach war ich sogar noch bei Clas Ohlsson und hab eine neue Halogenbirne für meinen WeckerSlashNachtlicht gekauft, der gestern runtergefallen war UND ICH HAB SIE GLEICH REINGEMACHT! UND DANACH DIE ZWEITE WEGGERÄUMT!!!1elf!
  • Ich habe Herrn Rabe die Pistole auf die Brust gesetzt: ich werde vor Portugal das Blogbuch bestellen. Wenn seine Bilder bis dahin nicht hochgeladen sind, fehlen sie halt. 
  • Ich habe meine Cousine und nebenher noch jemanden aus diesem Internet um Infos zum Transport vom Flughafen zur Hochzeitslocation gebeten. 
  • Ich habe mir – wieder mit Unterstützung aus diesem Internet – ein Geschenk für meine Cousine überlegt, damit ich nicht mit ganz leeren Händen mein Nichts überreiche. Muss ich dann jetzt nur noch basteln. 
  • Ich habe M. für morgen eingeladen zwecks Planung von Michels und H.s Geburtstag. 
  • Irgendwann zwischendurch war ich auch noch beim Friseur (holla, das war nötig. Aber ja auch generalstabsmäßig geplant: vor einer Woche Strähnchen blondiert, Samstag den Rest gefärbt, heute geschnitten. Wenn ich muss, kann ich total organisiert sein.).
  • Und ich hab die Schnecken endlich wieder in ihr Terrarium umgesetzt, dabei ein paar Bilder für die Schneckenversenderin gemacht UND DEN ZWEITEN SACK BLUMENERDE HAB ICH AUCH DIREKT WEGGERÄUMT UND DANACH GESAUGT!!!

Das Ganze natürlich die ganze Zeit mit Pippi im Schlepptau, die aber heute kein Fieber mehr hatte und deshalb morgen wieder in den Kindergarten gehen kann. 

So groß sind sie schon. Selbst Baby-Schnecke ist ganz ordentlich gewachsen.

Eine tanzt immer aus der Reihe.

Hmmm, Aubergine!

Zwei Minuten später: die großen Schnecken haben die Auberginenscheibe umgerissen und dabei Baby-Schnecke begraben.


Als letztes ein Hinweis zu Ihrem eigenen Besten: falls sie auch so einen Feed-Reader haben, der ihnen jede Änderung an einem Artikel als bahnbrechend neuen Artikel verkaufen will, oder ihr Handy jedes Mal plüngelt, wenn wir hier husten: entfernen Sie den Rabensalat für die nächsten zwei Tage. Operation „alles Umräumen“ startet hier sehr bald und wird hoffentlich bis Mittwoch Abend abgeschlossen sein: dann sind sie wieder Safe und wir machen nie mehr so nen Quatsch. Versprochen. Also: bis Mittwoch Abend dann! 

Tag 417 – Fließband. 

Michel guckt zu viel Sendung mit der Maus. 

„Mama, ich muss eine Maschine haben.“

„Hmm?“

„Ja, eine Maschine, zum Kastanien transportieren!“

„Wo sollen denn die Kastanien hin?“

„Zu einer anderen Fabrik. Mit einem Fließband. In so einer Box. Können wir ein Fließband machen?“

„Was macht denn die Fabrik mit den Kastanien?“

„Ich hab das im Fernsehen gelernt. So wie mit den Kleiderbügeln. Die machen das so ab und dann so klein und dann machen die andere Sachen da draus. Mit einem Fließband. Ich muss auch ein Fließband haben.“

„Und die Fabrik macht dann Kleiderbügel aus deinen Kastanien?“

„Ja. Kann ich jetzt ein Fließband haben? Die Kastanien müssen in so einer Box auf dem Fließband transportiert werden!“

(Da sag noch einer, Fernsehen macht blöd. Mein Kind, noch nicht vier, sagt „transportieren“. Problem bei dem ganzen ist: wenn wir hier keinen Maus-getreuen Maschinenpark haben, ist die Wut groß. So nen Quatsch-Fließband tuts da nicht.)

Pippi geht’s besser, aber noch nicht gut. Wir waren nicht bei der Notfallpraxis, aber wenn morgen früh das Fieber wiederkommt, gehe ich mit ihr zum Arzt. Weil ja morgen das Holz (2000 L!) geliefert wird, hab ich mir eh frei genommen, da ist doch so ein Arzttermin eine willkommene Abwechslung*.

*Ironie. Ich hab total viel zu tun und komm zu nix. Ahhh, und Donnerstag nach Portugal. PANIK!

Tag 416 – Fiebermaus. 

Pippi hat weiterhin Fieber. Bis morgen muss das besser sein, sonst wäre es der vierte Tag mit >39 Grad, und da wäre dann wohl mal ein Besuch bei der Notfallpraxis angezeigt. Das macht aber keinen Spaß, nicht mal im Ansatz, meist sitzt man da lange rum, zwischen all den Leuten mit ihren Virenschleuderkindern oder ihren gebrochenen Gliedmaßen oder ihren Platzwunden (ja, alles schon da gesehen), dann kommt man nach so zwei Stunden irgendwann mal dran, CrP-Test, kurz in den Hals und die Ohren geschaut: hmmhmm, irgendeine Diagnose (vielleicht), irgendeine Medizin (noch vielleichter) und Tschüss. 

Wenn sie davon ja wenigstens gesund würde, würd ichs ja sogar machen. Es geht ihr nämlich echt schlecht. Wegen dem Fieber, das wir mit Ibuprofen/Paracetamol im Wechsel bekämpfen, wenn wirs nicht mehr mit angucken können, macht ihr Kreislauf oft schlapp. Ergebnis ist ein kaltes Kind mit glühendem Kopf, blauen Lippen und eiskalten Händen und Füßen. Heute Nacht gipfelte es in Schüttelfrost und einer Runde Mama vollkotzen. Zum Glück wirklich nur mich, ich bin ja abwaschbar, wir mussten nicht noch das Bett abziehen oder so. (Eindeutig ein Argument gegen ein Familienbett. Echt jetzt. Einer wach: alle wach. Einer kotzt: alle müssen raus.) Nach einem Zäpfchen schlief sie dann bis heute früh um halb zehn. Beim Abendessen brach sie dann nochmal, da wars aber nach einem Schleimhustenbiszumwürgen-Anfall. Also insgesamt echt nicht schön und sie tut mir furchtbar leid, auch wenn ich mir langsam auch vorstellen könnte, mal wieder was anderes zu machen, als mein 9,5 kg – Kind 24/7 an mir kleben zu haben. 

Tag 415 – Nix zu erzählen. 

Beim besten Willen. Seien Sie froh, dass ich normalerweise nicht so viele Serien sehe (holladiewaldfee, hat Gilmore Girls viele Folgen pro Staffel!), sonst wäre das öfter so. 

Tageszusammenfassung: Arbeit war, Pippi ist immernoch fiebrig, mit Zäpfchen/Saft geht’s aber, Michel war baden, es gab Pfannkuchen zum Abendessen, das war lecker. 

Tag 414 – U-Dings und so. 

Michel ist das superste Superkind über zwei Jahren, das ich habe. Wir hatten ja gestern nicht wirklich Zeit, ihn auf diesen Gesundheitscheck heute vorzubereiten, deshalb verkündeten wir ihm das heute früh recht spontan und ein bisschen ängstlich, dass er sich total verweigern könnte. War aber nicht so, im Gegenteil: er war total begeistert und konnte es gar nicht abwarten, loszukommen. Als er dann gemessen wurde und mit 104 cm genau auf der Krokodilhöhe ist, fing er auch schon an, loszuerzählen: „Ich hab so T-Shirt mit Krokodil. Und Sonnenbrille.“ Und eigentlich hörte er dann auch nicht mehr auf zu erzählen, bis wir fertig waren. Fazit des Ganzen: Michel sieht auf beiden Augen sehr gut. Er spricht gut und hat einen großen Wortschatz. Er malt altersgerechte Muster und Kopffüßler. Er kann Ursache und Wirkung erkennen und erklären (der Junge drückt zu fest auf die Zahnpastatube, deshalb kommt Zahnpasta raus. „Dann wird die leer! Und überall Zahnpasta! So aufm Boden und überall, bis zur Decke!“) Er kann Emotionen auf gezeichneten Bildern erkennen und beschreiben. Er kann bis elf zählen „Eins, zwei, drei, vier, sechs, achtneunzehn, elf“. Er weiß, wie sein Nachname ist (ha! Seit ner Woche vielleicht). Und er kann einen uralten Röhrenfernseher erkennen, dann sagen (auf norwegisch natürlich, wie alles) „Ich weiß nicht was das auf norwegisch heißt.“ und dann auf Nachfrage, wie das Wort denn auf deutsch wäre, „Fernseher“ sagen. Und bei diesem ganzen Programm, das auch echt zügig durchgekloppt wurde, war er niedlich und quatschig und redselig und einfach total Vorzeige-Vierjähriger. 

In den Kindergarten wollte er dann erst nicht, aber er bekam von der Helsestasjon eine billige Trinkflasche geschenkt, die durfte er im Kindergarten rumzeigen und dabei von seinen Abenteuern erzählen, dann gings. 

Ich fuhr dann zurück zur Fieber-Pippi, die mit Herrn Rabe zu Hause wartete. Heute morgen hatte sie richtig geglüht, das tat sie auch immer noch als ich wieder da war. Sie döste herum, ich guckte tausend Folgen Gilmore Girls, versuchte vergeblich von zu Hause aus auf das neue Online-Bestellsystem der Uni zuzugreifen, irgendwann als Pippis Laune wegen 39,7 komplett im Keller war, gab ich ihr Nurofen-Saft, dann gings ihr erstmal besser, dafür kriegte ich dann Koofschmerzen, die sich leider vom Ibuprofen bisher unbeeindruckt zeigten. Deshalb gabs für mich kein Ballett heute und ich liege schon im Bett. Fazit von Pippis Kranktag: um ihr den Appettit zu verderben muss mehr passieren als ein läppisches Fieber. Und wenn sie echtes Fieber hat, merkt man das sofort: sie ist schlapp, anhänglich und schläft eigentlich die ganze Zeit. Und will sich ausziehen. Kluges Kind. 

Hier noch das Bild, dass Michel von mir bei der Helsestasjon malte. Das kam so: er sollte eigentlich einen Kreis malen, die Frau malte ihn vor und er sagte: „Das ist ja so rund! Wie ein Ball! Oder die Sonne! Ein Kopf ist auch rund! Und Gläser…“ die Frau fragte ihn dann, ob er auch sowas malen könnte, er meinte aber, er hätte keine Lust. Ob er denn dann vielleicht Lust hätte, Mama zu malen? Ja klar. (Den Kreis so und auch ein Kreuz malte er dann später noch. Fürs Protokoll.)

Nase, Augen, Mund, Nasenlöcher, Beine. Damit ich „so über den Boden laufen kann“.

Tag 413 – Fragebögchen. 

Heute, ich auf dem Weg zum Meeting.

Telefon: bsssbssssbssss (Trondheimer Nummer, kommt mir vage bekannt vor. Wieder so Verkaufsheinis? Egal, im Abwimmeln bin ich Profi.)

Ich: Ja, hei?

Frau: Ja, hei, Strindheim Helsestasjon. Bin ich da bei Frau Rabe?

Ich: Jaaaa…? (Oh weh. Hab ich nen Gesundheitscheck verpasst???)

Frau: Wir hätten morgen einen Termin für Michel zur 4-Jahres-Kontrolle, können Sie da?

Ich: Äähhhh. Wann denn morgen? (Morgen? MORGEN???)

Frau: Um 08:30 oder 09:30. 

Ich: Ähh. Ok. Dann nehmen wir doch 08:30. 

Frau: Gut, dann kriegen Sie gleich ne Terminbestätigung. Sagen Sie mir noch Ihre E-Mail-Adresse, wir haben da einen kleinen Fragebogen, wenn Sie den morgen mitbringen könnten…?

Ich: Vorname.Nachname (Wie heißt das @ auf norwegisch??? Krølledings.) krølledlglln NTNU.no

Frau: Gut, dann schicken wir Ihnen das per Mail. Bis morgen dann! Ha det!

Ich: Ja, danke! Ha det!

Tja, und jetzt entschuldigen Sie uns bitte, wir müssen noch 16 (!!!) Seiten Fragebogen ausfüllen. 

(Alle irre.)

P.S. Ist morgen ohne Impfung, so weit ich weiß. Wenn es Sie interessiert, können Sie aber meine Waldorf-Abenteuer nachlesen, da steht es sehr kurz umrissen.