Tag 328 – WMDEDGT Juli ’16

Heute ist wieder der fünfte und das heißt, Frau Brüllen will von uns wissen, was wir den ganzen Tag so machen.

Heute begann damit, dass ich nach einer weiteren ziemlich schrecklichen Nacht eigentlich beim Weckerklingeln beschlossen habe, noch eine Stunde liegen zu bleiben. Fünfzehn Minuten später war Pippi wach und weckte durch ihr Herumgeturne auch direkt Michel mit auf. Gaaaanz toll. Also stand ich doch mit beiden auf, wechselte Pippis Windel, machte mir Kaffee, ging duschen, putze Michels Po ab, schmierte Michel Brote. Alles im Zombiemodus. Und während Herr Rabe weiterschlief.

Wie immer in den letzten Tagen überlegte sich Michel just in dem Moment, als ich zur Tür raus wollte, dass er von mir in den Kindergarten gebracht werden wollte. Ich erklärte, ich müsse zur Arbeit. Er brach in Geheul aus. Ich tröstete nach Kräften, kuschelte noch ein bisschen mit ihm, erklärte und machte und tat, aber es half alles nichts. Am Ende musste ich wirklich dringend los und ließ ein brüllendes Kleinkind und ein hungriges Baby bei Herrn Rabe.

Dann bastelte ich fluchend den Fahrradschlosshalter an ein anderes Rohr an meinem Fahrrad, weil an der alten Anbringestelle irgendeine ungute Schloss-Kabel-Kombination nervtötend gequietscht hatte. Quietschfrei* fuhr ich zur Arbeit. 10 Minuten frische Luft und Bewegung und ich bin ein fast ganz anderer Mensch.

Weil ich bei der Arbeit eh durchs Labor reinkomme, guckte ich kurz auf meine Zellkulturen und entwarf fix einen Arbeitsplan. Medium ins Wasserbad und weiter ins Büro. Kram abladen und Frühstück holen. Dann Frühstück vorm Computer und dabei verzweifelte Suche nach den richtigen Zellen in unseren drei Stickstofftanks. In Power-Point-Sheets ist da eigentlich alles vermerkt, aber ich bin ja immer hypergenau und wenn dann da „HeLa S3 old“ steht, wo ich nach „HeLa“ gesucht habe, macht mich das total nervös. Egal. Letzten Endes taute ich dann „HeLa S3“ ohne alt oder neu, dafür von ’98 auf. Mal sehen, wie die sich so machen. Keine zwanzig Minuten später kam eine e-mail, in zwei der Stickstofftanks seien lose Boxen gefallen, da kriege man die Türme jetzt nicht mehr rein. Die müssen geleert werden, um an die Boxen zu kommen, das passiert jetzt über den Sommer und überhaupt könne man dann mal Ordnung in die Zellen bringen. Jaja.

Nach Zellkulturpflege ging ich Mittagessen kaufen. Kirschtomaten für 10 €/kg, ein Kohlrabi für knapp 2 €/Stück (es gibt grade Kohlrabi! ich raste aus!), eine Birne für fast 4 €/kg. Es ist zum heulen hier.

Mittagspause alleine. Juli in Norwegen ist einsam.

Bewaffnet mit diversen Protokollen wieder ins Labor. Hydrolyse von ein paar Proben, während der Wartezeiten Puffer und Gedöns angesetzt. Pakete entgegengenommen. Dabei Podcast gehört (ein <3 an den kleinerdrei-Podcast). Irgendwann fertig mit Puffern aber trotzdem noch Wartezeiten übrig: Kaffee geholt und in der Sonne draußen getrunken (heute ohne Besuch von jungen Möwen. Die machen mich immer sehr nervös, weil wo junge Möwen sind, sind die Eltern nicht weit. Und wenn die Eltern finden, dass man zu nah an ihren Babies ist, greifen die an.). Noch ein paar Handgriffe, alles ins Papierlose (Neuerung!) Laborjournal eingetragen und Feierabend. Quasi auf dem Weg aus der Tür kam mir mein Schweizer „Kollege“ (nicht wirklich, er macht nur einen Forschungsaufenthalt bei uns) entgegen und berichtete von der Horrortour des Wochenendes: Er, seine Frau und die drei Kinder (alle unter 5) sollten Sonntag Mittag von Zürich über Oslo nach Trondheim fliegen. Dann hatte der Flug von Zürich Verspätung, sodass sie den Anschluss in Oslo nicht bekommen hätten. Sie wurden also umgebucht auf einen Flug nach Stockholm, der dann (spät) abends Anschluss nach Trondheim hätte haben sollen. Der hatte dann aber auch Verspätung, sie kamen zwar nach Stockholm, wurden da aber direkt ins Hotel verfrachtet. Am Flughafen, wohlgemerkt, nicht IN Stockholm. Für ZWEI Nächte, denn Montag seien alle Flüge schon voll. Tja, so gewannen sie einen Tag im Flughafenhotel Arlanda Airport (sie fuhren in die Stadt, aber alle waren ziemlich fertig und gerädert) und kamen heute nach zwei Tagen Tortour endlich in Trondheim an.

Nun ja, ich fuhr nach dieser fürchterlichen Geschichte los, traf Herrn Rabe und Pippi, die auf Shoppingtour waren und begleitete sie ein Stückchen. Fuhr dann fix weiter nach Hause, schmiss meinen Rucksack rein und fuhr wieder los um Michel abzuholen.

Michel abholen dauerte eine geschlagene Stunde, weil sein Kumpel H. wieder da ist und wir mit denen ein Stück Weg „gingen“, also spielten und turnten und Quatsch machten. Und dann musste Michel noch Blumen am Weg pflücken. Und an jedem Hundehaufen anhalten. Gnaaaaahhhh.

Wieder zu Hause gab es eine fixe Wäsche für Michel, ein paar Erdbeeren für Pippi, ein trockenes Brötchen für mich, weil ich sonst wen gebissen hätte, und dann irgendwann endlich Essen für alle. Während des Essens sprach ich mit H.s Mutter ab, dass wir uns später noch im Park treffen würden. Nach dem Essen machte ich Pippi schon mal Bettfertig, Michel zog sich was halbwegs sauberes an, wir packten die letzten zwei kleinen Vanilleeis ein und dann gingen wir mit Fahrrad und Kinderwagen in den Park.

Michel und H. spielten ziemlich wild, aber alleine, Pippi turnte auf einer Bank herum und wir Erwachsenen unterhielten uns. Irgendwann war Michel im Brunnen, weil H. das Duplo-Auto etwas zu weit hereingeworfen hatte. Immerhin hatte er sich vorher die Schuhe ausgezogen und die Hose hochgekrempelt, deshalb war nur die Hose nur untern ein bisschen nass. Herr Rabe zog trotzdem los, ein Handtuch holen. Kaum hatte er sich umgedreht, rutschte Michel im Brunnen aus und landete auf dem Po. Bis zur Brust im Wasser. Er kam dann auch gleich angewackelt, H.s Mutter und ich zogen ihm die klitschnassen und eiskalten Sachen aus und Michel bekam die Jacke von H.s Mutter geliehen, damit ihm nicht zu kalt sei. Also flitzte er mit einem Hoodie Größe L über den Spielplatz, bis Herr Rabe zurückkam. Und dann noch etwas mehr, bis Herr Rabe ihn einfangen konnte.

Irgendwann schafften wir es dann aber doch nach Hause. Ich verfrachtete Pippi direkt ins Bett, während Herr Rabe Michel noch mal warm abduschte und dann auch bettfertig machte. Pippi schlief beim Stillen sehr schnell ein, war dann aber auch schnell wieder wach und wollte ewig Nuckeln. Nach einigem Hin und Her und Diskussion und Gebrüll schlief sie aber dann doch wieder ein und ich sitze jetzt hier und schreibe auf und möchte sehr gerne ein Eis, aber ich befürchte, sobald ich hier fertig bin und zum Kühlschrank gehe, wird Pippi wieder wach.

Also gucke ich noch ein bisschen die Schnecken an, die hier neben mir stehen und Süßkartoffel fressen. Der einen klebt ein Stückchen Eierschale am Häuschen. Papa-Schnecke ist schon ziemlich gewachsen. Die anderen auch, aber bei Papa-Schnecke fällt es mehr auf. Morgen wird das große Terrarium geliefert. Dann können sie eventuell umziehen, mal sehen. Nötig ist es glaube ich noch nicht.

 

*Ein Kabel ist komisch verlegt und quietscht immer noch. Es nervt mich zu Tode. Tipps?

 

Tag 327 – Schlafen wie ein Baby, wer will das schon?

Pippi ist vom Wochenende total geschafft. Gestern waren wir auf einem ersten Geburtstag und da fiel der Mittagsschlaf bis auf 5 Minuten im Auto für sie aus. Als wir dann nach Hause fuhren, schlief sie natürlich wie ein Stein ein und wir mussten sie zum Abendessen wecken, was sie uns ziemlich übel nahm. Die Nacht war dann furchtbar. Dauergestille vom Feinsten. Das heißt, sie stillt ja nicht mehr richtig, und das Dauergenuckel habe ich auch scheinbar erfolgreich unterbunden. Also nuckelt sie kurz, ich docke sie ab, sie rollt sich weg und schläft weiter. Aber letzte Nacht wollte sie halt jede Stunde (oder öfter?) kurz Nuckeln. Vielleicht lag es auch dran, dass sie, scheinbar angepisst, weil ich auch das Kneifen und Kratzen nicht möchte, nach ausgiebigem Stillen dann erst noch herumlabern und zappeln wollte, bevor sie ohne Brust einschlief. Neben mir, einfach so. Vielleicht war das noch zu viel Neues. Jedenfalls war sie heute auch einfach k.o. und machte zwei Stunden Mittagsschlaf auf Herr Rabe. Danach war sie den ganzen Nachmittag wach, ohne das sonst übliche zweite Schläfchen. 

Ich glaube langsam, dass sie sich auf den Kindergartenrythmus vorbereitet. Ein ausgedehnter Mittagsschlaf, ansonsten Spielen, Quatsch machen, Sachen lernen. Abends dann nach dem Essen direkt ins Koma fallen. 

Mir solls recht sein. Solange ich irgendwann auch mal wieder etwas Schlaf am Stück kriege. 

Tag 326 – Versteckkönig. 

Michel hat gestern die Fernbedienung vom Apple-TV als Telefon benutzt und danach fanden wir sie nicht wieder. Heute morgen sagte dann Herr Rabe auf Michels Nachfrage, dass wir gerne gleich Sendung mit der Maus gucken könnten, aber zuerst müssten wir die Fernbedienung wieder finden. 

Michel: „Warte kurz, ich gucke Fernbedienung finden!“ *sprintet zum Sofa, reißt alle Polster auseinander, triumphiert* „Guck ma, ich entdeckt hab, hahaha!“ 

Er hält die Fernbedienung wie Arthus das Schwert gehalten haben muss, damals. Als wir ihm alle gebührenden Respekt gezollt haben, steckt er sich die Fernbedienung vor unseren Augen unter den Pulli. Es macht eine riesige Beule direkt auf seiner Brust. 

„Oh, nein, Mama! Fernbedienung wieder verschwunden ist! Du suchen!“

Ich frage Quatschmäßig verschiedene Orte ab, Michel verneint lachend. 

Ich: „Ooooder ist die vielleicht in deinem Pulli?“ 

Michel zieht unter Gekicher die Fernbedienung hervor. Geht zum Regal und holt ein Buch. Legt die Fernbedienung rein und klappt das Buch zu. Die Seiten des Pappbilderbuches klaffen auseinander. 

„Mama? Wo Fernbedienung ist?“ *giggelgiggel*

Ich frage wieder diverse Orte ab, bis ich beim Buch angekommen bin. Unter einem Lachanfall wird die Fernbedienung herausgezogen. Danach stapft Michel zum Regal, zieht eine Box raus, steckt die Fernbedienung (immer alles vor unseren Augen, ne?) rein, schiebt die Box zurück, geht einen Schritt zurück, begutachtet sein Werk, geht zurück zum Regal, schiebt die Box etwas extra rein und bleibt direkt vor dem Regal breitbeinig stehen, damit wir die Box nicht sehen.

„Mama, du Fernbedienung noch mal suchen! Wieder verschwunden!“ *breitestes Grinsen der Welt*

Tja, und da konnte ich meinen Lachanfall leider nicht mehr zurückhalten. Dieses Kind, ey. Zum Knutschen. 

Tag 325 – Dann halt heute. 

Rosa Prosecco an Wäscheberg und Fußball.


Ich hatte mir gestern einen Prosecco kalt gestellt, den wollte ich abends trinken, weil ich einfach mal ein richtig super tolles Ergebnis bei der Arbeit hatte und sehr stolz auf mich bin. (I’m a fuckin‘ genius!!!) Das ganze Gerödel am Donnerstag bis spät und so, das selbst erfundene Verfahren zur Elution, sogar der verrückte Antikörper, alles hat bombig funktioniert. ICH SEHE DAS ZEUG IM CHROMATOGRAMM, HALLELUJAH! Es ist da, und es ist angereichert! Das heißt konkret jetzt für mich erstmal Prost und dann den ganzen Kram nochmal in Groß und dann pünktlich am 1.8. nach deren Urlaub den Sequenziermenschen Proben geben, von denen ich sicher sein kann, dass sie genug Zeug von guter Qualität enthalten. Und in der Zwischenzeit Daumen sehr fest drücken, dass kein Anderer mit ner Veröffentlichung um die Ecke kommt (da dürfen auch Sie gerne mitmachen).

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Herr Rabe hat heute Michels Bett aufgebaut. Sein Zimmer ist jetzt voll. Aber das Bett ist echt super. Groß, stabil, schlicht. 

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Die Schnecken sind so toll. Heute hab ich ein Video gemacht, wie die eine Schnecke Salat frisst. Das klingt unspektakulär, aber da man durch die Haut alles sieht, sieht es doch interessant aus.

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Pippi ist einfach zu niedlich. Trotz gerade mega Einschlafgenerve mit Kneifen und Kratzen und Geschrei und wieso zur Hölle drückt sie denn Müdigkeit mit Mama Kneifen aus, bitte? Aber dann hält sie mir beim Wickeln die nackten Füße ins Gesicht und macht „Pffftpffft!“ und lacht sich dann kringelig, wenn ich an ihren Füßen rieche und so tue, als würden die furchbar stinken und „Puuuhhhhh!“ mache. Und dann ist alles gut. 

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Ich bekam von jemandem™ den Tipp, die Eucerin Sonnencreme für das Gesicht sei ganz gut. Und die ist tatsächlich sogar total super. Die mattiert wenigstens mal! Also bei mir. Vermutlich kriegen die meisten anderen Leute davon trockene Haut, aber meine ist eben zur Zeit wirklich furchtbar ölig. Ich teste die jetzt gegen meinen zweiten Tester von Paula’s Choice. Und ja, man ist ja durch und durch Wissenschaftler, also kommt Eucerin auf die linke Gesichtshälfte und Paula’s Choice rechts. Beide sind LSF 50 und ich werde ja zum Glück eh nicht braun, da ist also kein Unterschied in der Gesichtsfarbe zu befürchten. Aber ich denke nach ca. einer Woche kann ich wenigstens sagen, ob die eine oder die andere mehr Pickel verursacht. 

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Donnerstag Arzttermin. Die arme Vertretung meines eigentlichen Arztes wird überhäuft werden mit Wääähhh. Haut Wäh, Zyklus Wäh, Schilddrüse Wäh (weil hart, vermutlich Krebs, sagt Dr. Google-Hypochonder). Irgendwie Gesamt-Hormon-Wäh. Tut mir leid für die Vertretung, andererseits bin ich eh das letzte Mal in der Praxis, weil ich ENDLICH für Pippi und mich Plätze in einer nah bei uns gelegenen Hausarztpraxis ergattert habe. Ich hoffe auf eine schnelle Überweisung zur endokrinologischen Poliklinik. Und kein „ich kann Ihnen die Pille verschreiben, das hilft gegen Haut und Zyklus“.

Tag 323 – Blfffftttt

Verrückter Arbeitstag, fing an mit Gesprächen mit den Bioinformatikern wegen Sequenzieren und so und da nicht komplett ahnungslos zu wirken war schon nicht so einfach. Dann „mal eben“ das noch nie gemachte und maximal schlampig geplante Experiment durchgezogen, inklusive selbst ausgedachtem Elutionsschritt und allem. Ahhhhhh, ein Spaß. Zwischendurch zwei Stunden Inkubation (also: Warten), da in die Stadt geradelt, Herrn Rabe getroffen, Pippi übernommen, sie durch die Stadt geschoben, damit er Michels Bett abholen und nach Hause bringen kann. In der Stadt kurzerhand Kaufrausch und direkt zwei Kleider und ein Paar Ohrringe gekauft. Die Kleider: 150 und 100 NOK, Da ist mir auch recht, dass ich bei dem einen eventuell unter der Brust etwas enger machen muss. Aber enger geht ja bekanntlich besser als weiter, also das schaff ich schon. Egal, zurück zum Thema, dann jedenfalls wieder zurück zur Arbeit, mit Weckerpiepen ins Labor gestolpert, alles fertig gemacht bis halb sechs. Proben in die SpeedVac (für Menschen, die nicht so Ahnung vom Labor haben: das ist eine Zentrifuge mit Absaugfunktion zum Sachen trocknen) und ab dafür. Noch schnelles Briefing wegen Urlaubsvertretungszellkulturpflege, da fiel tatsächlich das Wort „DEIN Projekt“ über das Projekt, das nicht meins ist, aber für das ich grade sehr viel mache, ich dachte nur Aha, so schnell kommt man zu einem neuen Projekt. Nach Hause, Kinder, Familie, Mann, Essen, runter kommen beim Schnecken beobachten. 

Echt total gut zum Entspannen.


Michel ins Bett gebracht, Pippi ins Bett  gebracht, wieder ins Labor, die Proben aus der SpeedVac holen. Noch schnell Bananen für Pippi und Eis für uns besorgt und nach Hause. Da Email an die geschrieben, die morgen (am letzten Tag vor ihrem Urlaub) noch die Proben untersuchen soll. 

Jetzt: Bett. Uffz. Morgen noch. Dann sind alle weg und ich kann machen, was ich will. 

Tag 322 – Da sind sie. 


Und sie leben auch alle, als wir nach Hause kamen von unserem Ausflug (wir kauften den Fahrradanhänger einer Kollegin von mir, blieben spontan zum Essen/Spielen/Eis…) dachten wir nämlich erst, sie wären ausgebüchst, dabei hatten sie sich nur unter den Gurkenscheiben versteckt. Ich freu mich sehr. Michel freut sich auch und ist total fasziniert und würde wohl am liebsten 24/7 Schnecken gucken: „Mama da guckt so bisschen raus! Guck ma, Mama, der da hinschwimmt! Der Gurke essen will elleicht!“.

Ach ja: Michels Bett wurde auch geliefert, dass muss jetzt nur noch vom Laden abgeholt werden. Und ich habe heute die kompletten Daten vom RNA-Versuch gesehen: es ist ein Traum. Echt jetzt. Ich muss mir da kurz ein bisschen auf die Schulter klopfen. Replikate top, Fehlerbalken winzig, und sogar das Ergebnis macht Sinn. Die Daten sind so gut, dass ich meinem Chef sogar heute gesagt habe, dass ich es sinnvoller fände, das von der Proteingeschichte abzuspalten und separat zu veröffentlichen. Das wird sonst nur unübersichtlich und weniger zitiert. Da kam ich mir sehr mutig vor. (Ab morgen hat er drei Wochen Urlaub, er fliegt nach Bali, da kann man schon mal mutiges Zeug vorschlagen vorher.)

Alles in allem ein sehr erfolgreicher Tag. 

Tag 320 – Trostlos

Die Schneckenbabys werden doch morgen erst verschickt. Die Schneckenfrau ist nämlich krank. Ein Teil von mir möchte Beweise für die Krankheit einfordern, natürlich mit ganz vielen Smileys versehen. Immerhin wurde ich auch lächelnd zum Schicken von Fotos des neuen Wohnorts der Schnecken aufgefordert. Nun ja, ich hätte ja auch gerne etwas schickeres geschickt, als das hier:


Man muss dazu ein paar Dinge sagen. Erstens: das hier ist nicht das endgültige Terrarium. Das ist angeblich unterwegs. Die Schneckenfrau sagte außerdem, dass eine Plastikbox mit Luftlöchern anfangs besser sei, bis die Schnecken größer sind. Deshalb die Box mit den Löchern. Zweitens wollte ich gerne gestern mit Michel nach Korsvika zum Strand gehen und da ein paar Muscheln und vielleicht etwas Treibholz oder so suchen. Das scheiterte am Hügel und am schwülen Wetter und am Schwitzekind und am am Weg gelegenen Superspielplatz. Drittens fanden wir auf dem Spielplatz immerhin einen hübschen Stein, der ist allerdings für die kleine Box viel zu groß. Deshalb gibt’s erstmal keine Deko. 

Tja, die armen Schneckenbabys erwartet also ein etwas trostloses neues Heim. Immerhin haben sie Sepiaschale und Blumenerde und der Kühlschrank ist voller potentiellem Schneckenfutter. Und unter so nem Salatblatt kann sich so ne Miniriesenschnecke ja vorerst auch verstecken. 

Tag 319 – Vielleicht ein kleiner Fortschritt. 

Wochenende mit müden Kindern, also alle drei, irgendwie. Dafür schlief Pippi gestern immerhin zwei mal zwei Stunden im Beistellbett, und heute schläft sie da auch schon seit halb neun, mit einer Unterbrechung wegen durchgeschwitzt, als ich gerade Tanken war. Entsprechend sitze ich jetzt mit Bier auf dem Sofa und höre Fußball und kann mein Glück kaum fassen. 

Überhaupt gestern das mit dem Schlafen, das war ja so ne Sache. Ich fuhr gestern mit Michel zu IKEA, um den Matratzenkauf für sein neues Bett vorzuziehen. Unsere aufblasbare  Gästematratze ist nämlich im Eimer (die Kackdinger, echt mal, das ist schon die dritte!) und wir wollten A. samt Baby nicht einfach aufs Sofa verweisen. Bei IKEA war Family-Tag und die Hölle los. Es war schrecklich. Echt. Michel findet das Småland auch einfach gruselig und dann gab es noch an jeder Ecke Gedöns zum Probieren und Quatsch zum Gewinnen und und und. Furcht-bar. Jedenfalls, zurück zum Thema, kaufte ich eine Matratze und Laken und ein Pee-sheet und eine zusätzliche Bettdecke und ein zusätzliches Kissen. Denn, so dachten wir, Michel kann ja, wenn er nachts angetrottet kommt, im Beistellbett schlafen, der passt da ja noch ganz gut rein und Pippi schläft da ja eh nicht drin. 

Einmal probierte ich es gestern noch. Die letzten Abende war Pippi immer aufgewacht, sobald ich mich rührte. Nicht so gestern: ich stillte sie im Beistellbett, sie schlief ein, ich stand auf UND SIE SCHLIEF WEITER! Der Hammer. Irgendwann wurde sie wieder wach, ich quetschte mich noch mal zu ihr, sie nuckelte und schlief wieder ein. Ich stand auf UND SIE SCHLIEF IMMER NOCH WEITER! Wie geil* das ist in der Position einzuschlafen, die man selbst bevorzugt, merkt man ja auch erst, wenn man seit über einem Jahr (in den letzten Schwangerschaftsmonaten schläft man ja auch nicht mehr irgendwie, sondern eher wie ein an Land gespülter Wal) in suboptimalen Stellungen geschlafen hat. 

Jedenfalls konnte ich dann ca. zwei Stunden so schlafen, dann war Pippi wach und ich holte sie rüber und sie schlief wieder ein. Dann kam irgendwann Michel und ich bugsierte ihn ins Beistellbett. Pippi machte sich sehr breit, aber immerhin waren wir nur zu dritt im Bett, das geht schon. Gegen acht wurde Michel wach und wollte kuscheln, Pippi lag eh inzwischen quer in unserem Bett, also quetschte ich mich zu Michel. In das 70 x 140 cm Kinderbett, jaja. Michel wurde das recht fix zu eng (Überraschung) und er weckte Herrn Rabe um aufzustehen. Ich checkte die Lage im großen Bett: Pippi belegte es sozusagen im Alleingang. Ich blieb einfach im Kinderbett liegen. So schliefen Pippi und ich weiter: bis zehn. So schön. Zehn. Hach. (Natürlich haben wir nicht durchgeschlafen. Pippi wacht nach wie vor ca. alle zwei Stunden auf, nuckelt kurz und schläft dann weiter. Ich bin jedes Mal kurz mit wach. Ohne Scheiß*: es ist ein Wunder, dass ich noch lebe. Hätte mir das vor den Kindern wer gesagt, dass es so übel werden würde, ich hätte geschworen, das nicht zu überleben. Aber Tadaaa: irgendwie geht’s doch.)

Also so war das gestern. Mal sehen, ob es heute wieder Reise nach Jerusalem mit Bettplätzen veranstaltet wird. Bis jetzt sieht es ganz gut aus. 

*Ja, es gibt schönere Wörter. Ist mir egal.