Tag 2732 – Apokalypse snow.

Es schneit und schneit und schneit. Herr Rabe braucht keinen extra Sport machen, der schippt Schnee im Akkord und es hört ja nie auf, es ist also immer nur kurz ok geräumt und dann nicht mehr. Wir haben etwa einen halben Meter Schnee einfach herumliegen und die Berge aus weggeräumtem Schnee erreichen beeindruckende Höhen, bald kann man zum Beispiel vom Haus aus den Apfelbaum nicht mehr sehen, weil der hinter dem Schneewall vom Parkplatz ist. Es wäre alles schön, wenn nicht auch deshalb ziemliches Verkehrschaos wäre (meine Chefin schickte ein Video von der Müllabfuhr, die bei ihr zu Hause den Hang herunter gerutscht ist) und es nicht angekündigt wäre, dass es ab morgen Nachmittag regnen statt schneien soll. Dann saugt sich also der jetzt noch sehr leichte, aber einfach viele Schnee voller Wasser, und das macht er auch auf Haus- und (schlimmer) Hüttendächern. Die haben oft weniger Gefälle und dann rutscht das nicht ab und im schlimmsten Fall sackt dann das Dach ein. Dabei fällt mir ein, vielleicht sollten wir morgen schnell den Schnee vom Balkon fegen. Naja, wir haben also auf den Straßen dann Schneematsch in rauen Mengen, das Wasser fließt vermutlich nicht vernünftig ab, weil ja überall Schnee ist und dann friert es doch wieder und alles wird noch glatter als eh schon. Die Schulbusse haben heute schon angekündigt, dass sie Montag eventuell nicht fahren.

Heute mussten wir trotzdem nach Jessheim fahren, aus dem eigentlich bescheuerten Grund, dass ich eine Bratpfanne mit Click&Collect bestellt habe, weil ich zu geizig für die Versandkosten war. Damit es sich wenigstens lohnt haben wir noch neue Schlittschuhe für Pippi erstanden, die war aus ihren (obwohl mitwachsend) herausgewachsen. Die Kinder wachsen ja wie Unkraut, auch und bevorzugt an den Füßen, und in Norwegen hat man Schlittschuhe (und Skier) so selbstverständlich wie man ein Fahrrad hat. Skier haben wir schon keine passenden mehr für irgendwen, glaube ich, aber immerhin Schlittschuhe. Niemand von uns fährt auch gern Ski und weder der Schnee jetzt noch der Schnee morgen ist besonders gut zum Langlauf geeignet. Der jetzt ist zu pudrig, der morgen zu nass. Aber zumindest theoretisch können wir dann Sonntag auf der nassen Eisbahn im Regen Schlittschuh laufen. Oder im warmen und trockenen Zuhause irgendwas schönes braten, das geht auch.

Tag 2731 – Unzufrieden.

Die Vorsätze klappen alle total super. Nicht. Vor allem der, sich nicht mehr wegen irgendnem Sch… bei der Arbeit fertig zu machen und viel zu lange zu arbeiten, damit ich „fertig“* werde, der klappte schon in den ersten zwei Arbeitstagen des Jahres eher so mittel gut. Immerhin habe ich mich bisher jeden Tag für irgendeine Art Bewegung aufraffen können, aber ich merke, dass ich das letzte halbe Jahr eher sehr sporadisch mal Sport gemacht habe, ich bin leider ziemlich unfit. So viel Geige üben, wie ich gern würde, geht auch nicht, weil zu viel Arbeit. Hrmpf. Die Kinder sind auch schon wieder erkältet.

Ich versuche es mal mit Schlafen. Dafür soll dieses Sport machen ja eigentlich auch gut sein, überhaupt ist das ganz toll, jaja, aber warum muss das denn dabei so anstrengend sein und wofür soll Muskelkater gut sein, warum hat der sich noch nicht weg-evolutioniert?

Sie sehen, es ist zweite Zyklushälfte.

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*man ist nie fertig. Nie.

Tag 2730 – Winterwonderland.

Eigentlich hatte Michel heute einen Arzttermin, zu dem ich ihn 30 Minuten hätte fahren müssen, aber der wurde heute morgen wegen Krankheit der Ärztin abgesagt. Das fand ich erst reichlich schockierend, einfach weil ich (und Michel) sehr darauf eingeschossen waren, aber im Endeffekt war das gar nicht so schlimm. Wir versinken nämlich hier sogar am nördlichen Rand von Østlandet im Schnee. Es schneit seit gestern Abend feinsten Pulverschnee, was schön anzusehen ist, aber zum Auto fahren ist das eher nicht so schön. Es gab auch viele Unfälle, quer gestellte LKWs, Staus und die Putzhilfe kam etwas zu spät, weil sie hinter dem Räumfahrzeug herkriechen musste. Die Räumenden kommen gar nicht hinterher, Salz und Split ist eh aus, und so hoffen wir alle einfach, dass sich Konacar auch morgen noch durch den Schnee pflügen kann, damit die Kinder zur Schule kommen, ohne durch (für sie) knietiefen Schnee waten zu müssen. Unter dem sehr losen Schnee ist ja auch nach wie vor eine massive Eisschicht, was ein ganz neues und echt anstrengendes Spaziererlebnis ergibt, ich habe das ausprobiert. Und es soll jetzt erst mal so weiter schneien. Ich hoffe, die Müllabfuhr kommt trotzdem irgendwann zu uns durch, die Feiertage waren geradezu peinlich müllintensiv.

Apropos Putzhilfe, das ist eigentlich auch so ein Nachtrag zu den losen Fäden: ich habe heute eine andere Firma beauftragt. Die waren 5 Stunden zum Erstreinigen da, das ist viel, aber jetzt ist es auch richtig sauber. So richtig richtig. Es ist auf jeden Fall ein gutes Zeichen. Und ab jetzt soll es auch nur 3 Stunden dauern.

Weiterer Nachtrag: Herr Rabe hat heute die neue Heizspirale in den Backofen eingebaut und jetzt geht der Ofen auch auf Oberhitze wieder, ohne, dass die Sicherung rausfliegt, Hurra! Die Gütersloher Firma war echt schnell mit der Lieferung und wir haben sogar noch in letzter Minute einen Nupsi für den Staubsauger in den Warenkorb werfen können. Für den allein (so ein kleines Plastikdings, mit dem man die Größe des Loches am Schlauch, bei dem ich gar nicht verstehe, warum es da überhaupt ist, regulieren kann) hätten sich die Versandkosten nie im Leben gelohnt, aber jetzt ist das Loch endlich nicht mehr mit Gaffa zugeklebt.

Tag 2729 – Must I, Miss Sophie?

Muss morgen wieder arbeiten, meh. Lust habe ich nicht, ein Arbeitschat verrät, dass da schon wieder erwartet wird, dass wir IT-Projektmäßig alles stehen und liegen lassen und springen und eigentlich möchte ich nur ungern direkt morgens meine Chefin anrufen und nachfragen, was da los ist und ob irgendjemand vor hat, sich da zu involvieren, oder ob ich erst wieder rumschreien soll. Ich nehme an, alle denken, es wird schon wer sagen, was zu machen ist, die sind ja auch alle noch nicht so lange im Projekt wie ich, ich weiß, dass niemand da was konkretes sagen wird, sie erwarten einfach, dass wir machen. Also muss ich vermutlich sagen, was zu machen ist, aber das ist auch schon wieder ne Rolle, die ich nicht haben will und zu der ich nie Ja gesagt habe. Genau genommen gibt es bei uns jemanden, der dafür bezahlt wird, soll der es machen, ey*.

Nun ja. So kann man sich den letzten Ferientag auch versauen. Nächstes mal lösche ich Teams über die Ferien vom Handy.

Ansonsten war heute recht entspannt, ich war sogar bei klirrender Kälte draußen spazieren. „Nur“ spazieren, weil ich gestern ein At-Home Balletttraining gemacht habe, das mir zornigen Muskelkater beschert hat. Stange ohne Stange (oder, weil at home, Stuhllehne) ist eine sehr effektive Trainingsform, ganz sicher, aber au. Ich habe sogar Muskelkater zwischen den Rippen. Was gut ist, offenbar hab ich meinen Core sehr kompakt gehabt, aber au!

Ich habe ein neues Geigenprojektlein ausgedruckt, als nächstes spiele ich Meditation von Massenet, das sieht machbarer aus als Bach. Hat auch nur eine Seite, das ist ja quasi nichts.

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*aus Gründen ist die Einstellung von absolut allen, die ich bisher im IT-Projekt getroffen habe, dass sie es dann doch lieber selbst machen, als das er es macht. Aber ich habe ja generell eine leicht destruktive Haltung gegenüber dem Projekt angenommen, in der ich Dinge mit voller Absicht zu Demonstrationszwecken gegen die Wand fahren lasse statt sie um jeden Preis zu verhindern (der Preis sind meine Nerven und schlussendlich meine Gesundheit), vielleicht jetzt auch dieses Ding.

Tag 2728 – Vorletzter…

Ferientag für mich. Seufziseufz. Diverses getan, das meiste war auch wirklich nur für mich (Sport, unter anderem, bin ein bisschen raus, aua). Am Ende des Tages habe ich noch einen Ausflug in die Hauptstadt gemacht und war beim Gynäkologen, so einem richtigen echten Facharzt. Das bezahle ich privat (und das ist wahrlich kein Schnäppchen), damit ich nicht mit recht spezifischen Uterus- und Menstruationsplagen zum Hausarzt muss, der ja zur Zeit auch nur eine Vertretung auf der nach wie vor vakanten Stelle ist. Mit dem habe ich heute nur telefoniert und um Tabletten für Pippi gebeten, damit sie nicht mehr diesen ekligen Saft nehmen muss. Das war kein Problem, nur ist der arme Hausarzt so dermaßen hörbar erkältet, dass ich mir nur mit Mühe verkneifen konnte, zu bemerken, was er überhaupt bei der Arbeit mache. Der Hausarztvertreter ist halt auch noch ziemlich jung, ich schätze so um die 30, da kicken irgendwelche mütterlichen Instinkte. Wobei – ich sag sowas auch zu meinem Kollegen, und der ist knapp 20 Jahre älter als ich. Vielleicht ist es irgendwas anderes, vielleicht möchte ich einfach nicht von kranken Menschen umgeben sein, die sollen gefälligst leise zu Hause leiden? Auch plausibel, so evolutionär betrachtet.

Ansonsten nichts Neues.

Tag 2727 – Frohes Neues!

Kleiner Nachtrag zu gestern:

– die elektrischen Zahnbürsten. Nach gründlicher Recherche musste ich ja auch da die nehmen, die man hier bekommt, deshalb sind Happy Brush und co., so gut die auch bei Stiftung Warentest abgeschnitten haben mögen, leider raus. Irgendwann lerne ich das mal und spare mir die Recherche. Jedenfalls war die Auswahl begrenzt auf das Verfügbare und dann waren manche im Angebot und andere nicht und deshalb haben Herr Rabe und ich jetzt jeweils eine Sonicare (die zweitneueste Version) und die Kinder haben Oral B irgendwas, nicht i-O, wesentlich günstiger aber laut der Recherchen trotzdem sehr gut. Ich bin weiterhin begeistert und das Zahnfleischbluten hält sich selbst unter Einbeziehung der Zyklusvariationen seither echt in Grenzen. Der Unterschied zum Putzen von Hand ist ein Unterschied wie vom Kettcar zum Auto. Auch für Kinder, die nicht sooooo begeistert die Zeit aufwenden, die Zähne gründlich zu putzen, kann ich das empfehlen, weil bei selbem Zeit- und Gründlichkeitsaufwand die Zähne einfach wesentlich sauberer werden. Vibrationssignale helfen auch dabei, zu wissen, wann man genug geputzt hat, aber an die muss man sich ja als ungeduldiger 10-Jähriger nicht zwingend halten, nicht wahr.

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Wir sind gut und entspannt rüber gekommen. Heute waren die Nachbarn zum Resteessen da und das war auch sehr nett, außerdem ein guter Anlass zumindest die untere Etage in einen präsentablen Zustand zu versetzen. Jetzt Bett, morgen haben die Kinder wieder Schule und Herr Rabe muss arbeiten, also müssen alle früh raus. Ich habe zwar frei, aber darf dafür so schöne Sachen machen wie beim Hausarzt anrufen und fragen, ob es eine Alternative zu diesem ekligen Penicillinsaft gibt, weil ich mein Kind nicht mit körperlicher Gewalt dazu zwingen werde, das Zeug zu nehmen und wir uns aber dem Punkt annähern, wo das nötig wäre, um die zehn Tage durchzuziehen. Hurra.

Tag 2726 – Lose Fäden und unbeantwortete Fragen.

So möchte ich nicht ins neue Jahr starten. Am liebsten hätte ich möglichst wenig Ballast und könnte einfach von vorne Anfangen, mit einem neuen Blatt und getauschter Batterie. Das wird wohl nichts, aber ich kann wenigstens hier ein paar Dinge zu Ende erzählen und einen Haken dran machen. (Keine Angst, ich blogge weiter. Ist ja auch eine dieser Routinen geworden, ohne die sich ein Tag unvollständig anfühlt.)

Die Reihenfolge weiß ich nicht mehr, insofern wird das eher so eine lose Sammlung.

  • Ohne Schilddrüse geht es mir prima. Ich hätte die OP früher machen sollen, denn endlich ist wenigstens die ständige Frage „könnte es die Schilddrüse sein?“ bei jedem Wehwehchen und jeder Verstimmung weg. Eine gute Dosis für das Ersatzhormon zu finden, war bei mir nicht besonders schwer und meine Ärzte und Ärztinnen sind eigentlich alle auch Team „Hauptsache, die Patientin fühlt sich gut“ (also nicht nur fixiert auf nominelle Blutwerte und Normbereiche). Die Narbe ist ganz ok geworden, bis auf am rechten Ende, da, wo ich vermute, dass auch die Elektrode für den Stimmbandnerv steckte, da ist sie noch ein mini bisschen rosa. Inzwischen kann ich auch wieder normal singen, das hat aber echt richtig lange gedauert. Ein Jahr bis ok, anderthalb bis fast wie vorher. Auch wenn das ja angeblich niemand gehört hat, dass meine Sprache weniger moduliert war als vorher, hat es mich sehr gestört. Das war aber auch echt das einzige Problem, ansonsten würde ich jeder empfehlen, maximal ein Rezidiv mitzumachen. Die Morbus-Basedow-Antikörper sind bei mir auch weiterhin auf dem Rückzug und nähern sich der Messbarkeitsgrenze. Daumen hoch.
  • Mit der Markgräfin (dem neuen Geigenbogen) bin ich super zufrieden. Es haben sich alle latent vorhandenen Wünsche nach einer besseren Geige in Luft aufgelöst, weil ich so rundum mit dem Klang zufrieden bin. Voll, rund, etwas dunkel, weich, aber präsent (Herr Rabe nennt es laut) und voller facettenreicher Obertöne, was es einfacher macht, zu hören, wie sauber man so spielt (das hat für mich mehr Vor- als Nachteile, weil ich sehr perfektionistisch bin). Gute Saiten und ein guter Bogen machen jede Menge aus, ich kann nur empfehlen, erst mal da zu investieren, bevor man meint, man müsse ein neues Instrument haben.
  • Vielen Dank an dieser Stelle auch an die Violistin, die mich ganz am Anfang ermutigte, dran zu bleiben. Es war es absolut wert, dran zu bleiben und macht nach wie vor großen Spaß, und, oh Wunder, ich werde auch nach wie vor immer besser, Hurra.
  • Vibrato läuft für mein Können gut, Doppelgriffe laufen so weit echt gut und sogar einfache Akkorde gehen inzwischen. Yeah!
  • Barfußschuhe bzw. Probleme mit einem Hallux. Ich habe festgestellt, dass bei mir das Wichtigste ist, dass der große Zeh GERADEAUS abrollen kann. Das bedeutet, dass ich keine Schuhe tragen kann, die vorne den großen Zeh nach innen „biegen“, was allerdings nahezu alle herkömmlichen Schuhe machen, unter anderem meine geliebten Chucks und Adidas. Es müssen nicht unbedingt Barfußschuhe für mich sein, es gehen alle Schuhe mit breiter Zehenbox. Ich nenne sie liebevoll Ökotrulla-Schuhe (El Naturalista und co.) bzw. Oma-Schuhe (Rieker, Birkenstock und co.). Die sind nicht unbedingt wesentlich günstiger, aber wenigstens zum Teil hübscher und (großer Vorteil) ich bekomme sie hier. Ich bin zu jung für ständige Schmerzen im Fuß, dann lieber Ökotrullaschuhe. Oder halt Barfußschuhe, für noch mehr Komfort und die eingebaute Möglichkeit, beim Stehen mein exorbitantes Bedürfnis nach Bewegung der Füße (auf Zehenspitzen stellen, auswärts drehen, Zehen knacken lassen, Zehen anziehen, einrollen, Mittelfuß hochziehen, kleinen Zeh in den Boden drücken…) erfüllen zu können.
  • Apropos letzter Punkt: ja, das ist auch eine Art von Stimming, eine, die nicht so offensichtlich ist und sich gut „verstecken“ lässt (besser als ständiges Kuli-Gespiele jedenfalls). Mit Michel sind wir immer noch nicht fertig mit der Neurodiversitäts-Diagnostik. Das ist also weiter ein loser Faden. Ob ich je offiziell eine machen kann, ist fraglich, ob sie wirklich nötig ist, auch (let’s face it: es ist recht offensichtlich). Bringen würde sie mir Rechte (hoffe ich), Vorurteile (fürchte ich) und möglicherweise diese verruchten Medikamente, falls ich da auch offiziell ausschlage. So, Sie dürfen jetzt alle augenrollend entfolgen, weil ich mich in die immer länger werdende Reihe der (vorläufig nur selbst diagnostizierten) neurodiversen Eltern mit neurodiversen Kindern stelle.
  • Wir haben leider kein gebrauchtes Drittschwein auftreiben können, aber da mir grad auch die Löffel dafür fehlen, ein weiteres Lebewesen zu versorgen (das heißt ja dann auch wieder öfter sauber machen und so weiter), ist das vielleicht gar nicht so schlimm.
  • Die Schneckenmango lebt! Sie sah sehr lange nicht so aus, es war eigentlich nur ein toter Stock, aber ich habe sie eisern jede Woche gegossen, weil die Wurzeln immer noch ok aussahen. Vor ein paar Wochen entdeckte ich einen kleinen Trieb an der Wurzel und jetzt ist schon ein ca. 7 cm großes neues Mangobäumchen mit zwei Blättchen daraus gewachsen.
  • Die Schnecken selbst sind leider der Erdfliegenseuche zum Opfer gefallen. Die hatten nach meiner Umtopfaktion ja nur noch das Terrarium als Rückzugsort und haben das massiv befallen. Die vier verbliebenen Schnecken kamen kaum noch aus den Häusern und waren alle von den Fliegen selbst befallen, die krochen in die Atemlöcher. Sie hatten einfach kein gutes Schneckenleben mehr unter diesen Umständen und ich habe keine Möglichkeit mehr gesehen, die Fliegen loszuwerden, ohne den Schnecken zu schaden. Das ist ein sehr wunder Punkt, weil ich denke, dass ich mehr hätte machen müssen.
  • Warum hab ich gedacht, Kinder haben sei alternativlos? Ich habe keine Ahnung. Das beschäftigt mich seither, aber ich weiß es einfach nicht. Mir kam einfach nie in den Sinn, dass eine fest heterosexuell verpartnerte Frau mit festem Einkommen, guter Ausbildung, Dach über dem Kopf und (damals noch) robuster Gesundheit nicht als nahezu logische Konsequenz Kinder bekommt oder es zumindest versucht.
  • Konacar bestes Auto. Bin sehr zufrieden, das einzige, was ich vermisse (bei dem Wetter) ist Allradantrieb. Allen anderen Schnickschnack von Carona braucht man bei Licht betrachtet einfach nicht. Die Fahrassistenzsysteme sind, Achtung!, meiner Meinung nach sogar besser, weil Konacar nicht phantombremst, nicht wegen Schneematsch auf der mittleren Fahrbahnmarkierung plötzlich meint, die Gegenspur gehört auch noch zu uns und mitten in der Mitte (also halb im Gegenverkehr) fährt und der Übergang vom Spurhaltesystem zum selber lenken butterweich ist (bei Carona nicht, ganz im Gegenteil). Meine ehrliche Meinung: Tesla hat die Elektroautorevolution so richtig in Gang gebracht mit den ersten E-Autos, die tatsächlich im Alltag wie Verbrenner nutzbar waren, aber inzwischen bauen andere Hersteller einfach bessere, weil technisch rundere und erschwinglichere, E-Autos. Man merkte bei Carona einfach oft, dass da hinter kein erfahrener Autohersteller steckt. Da hilft auch kein Weihnachtsmodus und keine Pupsgeräusche.
  • Den Kastanienmann hab ich nicht zu Ende gelesen, das ist kein gutes Buch.
  • Die Puzzles, die ich vor dem Urlaub gekauft habe, habe ich bisher nicht gepuzzelt, aus Mangel an Zeit, Platz, Löffeln und Muße.
  • Mit der DnD-Kampagne kümmern wir auch nicht weiter, aus den selben Gründen.

Ich glaube, das war’s vorerst. Dieses Jahr möchte ich einfach gern abhaken, war nicht so doll, vor allem hinten raus nicht. Mein einziger guter Vorsatz fürs nächste Jahr: mehr (haha, überhaupt mal) nein sagen und Aufgaben loswerden, damit wieder mehr Zeit für mich bleibt.

Tag 2725 – Piep.

Meh, Freitag Abend und müde und Kopf voll aber einzelne Gedanken wollen sich nicht fassen lassen. Das Wetter ist auch wieder zum abgewöhnen, es regnet auf festgebackenen Schnee, da ist selbst Müll rausbringen Risikosport. Vorgestern, bei -13 Grad, dachte ich noch, ach, was ist das schön hier. Haha. Und dann kommt wieder dieses Wetter. Meh, meh, meh.

Morgen muss ich mich echt um diese Foto-Sache hier auf dem Blog kümmern, das ist ja kein Zustand hier.

Tag 2724 – Piek.

Meine Omi hört man bis hierher im Grab rotieren. Die hat immer geschimpft, dass man als Eltern ja auf jedes Kratzerchen Pflaster klebt und pustet und hofft, dass ja nichts zurückbleibt, und dann gehen die Kinder hin und bohren Löcher in sich rein. Sie bezog sich damit auf Ohrlöcher. Pippi (jetzt wieder quietschfidel) liegt uns seit einem Jahr in den Ohren damit, dass sie Ohrlöcher haben will und so langsam knicken um uns rum immer mehr Eltern ein, was dann auch noch „Aber die X hat auch welche!!!“ mit sich bringt. Dazu kommt, dass ich selbst nen Haufen Löcher in den Ohren habe und die ersten davon habe ich auch mit sechs oder sieben bekommen, glaube ich. Super Argumente, warum man das auf gar keinen Fall machen sollte, habe ich also nicht und nachdem wir Eltern das intern besprochen hatten, lag ein Ohrlöchergutschein unterm Baum.

Nur machen wir das dann auch richtig. Der Ohrlöchergutschein kam vom Piercingstudio in Oslo, bei dem ich auch schon ein paar mal war, um Schmuck zu kaufen und einsetzen zu lassen. Das macht einen guten Eindruck und sie haben einen langen Artikel auf ihrer Webseite, warum man Ohrlöcher nicht mit der Maschine schießen lassen sollte, und dass sie deshalb auch bei Kindern Ohrlöcher machen (viele Studios hier haben eine 12-Jahres-Altersgrenze, dieses aber nicht). Warum nicht mit der Maschine? Nun, erstens ist die Maschine selbst nicht steril. Dann sind diese ersten Stecker, die da durchgetackert werden, oft zu dick, zu stumpf und zu kurz. Dadurch wird Gewebe eher verdrängt als sauber durchstochen, es kann Narben geben und dadurch schief werden oder wieder zuwachsen, wenn man mal 2 Wochen keinen Stecker trägt, und dadurch dass sie zu kurz sind und der Verschluss oft sehr hart drauf gepresst wird, ist die Durchblutung oft nicht optimal und das ist ebenfalls für die Heilung nicht gut. Beim Piercen wird eine sterile Einmal-Kanüle durchgestochen, die wesentlich schärfer ist und ein „echtes“ Loch macht (man kann sich das wie einen Plätzchenausstecher vorstellen, im Gegensatz zu einem Speer). Dann wird ein sterilisierter Stecker in das Loch gesetzt und mit einer sterilisierten Schraubkugel verschlossen. Beides ist aus Chirurgenstahl oder Titan, nicht legiert und damit unbedenklich, was Allergien angeht. Der Stab ist zu Anfang ein gutes Stück länger als der Stichkanal, weil verletztes Gewebe anschwillt und das auch können soll, ohne dass der Verschluss dann das Ablaufen von eventuellem Sekret behindert. Ich hatte ja lange ein Zungenpiercing, das muss man am Anfang alle paar Tage gegen ein kürzeres tauschen, weil man sonst, wenn die Zunge abschwillt, einen unverhältnismäßig langen Stab im Mund hat, auf den man auch gerne mal drauf beißt, was sehr unangenehm ist. Aber ich schweife ab, deshalb jedenfalls vom Profi gestochene Löcher statt vom Friseur/Juwelier gestanzte. Außerdem bekommen Piercingstudios wesentlich öfter Besuch von den zuständigen Behörden als Friseure oder Juweliere (letztere, vermute ich mal, bekommen entweder nie oder nur ganz am Anfang, bevor sie diesen Service anbieten dürfen, solchen Besuch). Piercer*Innen sind eben professionelle Löchermacher*Innen, nicht professionelle Schmuckverkäufer*Innen die auch hin und wieder Löcher tackern.

Ich kann ja jetzt nur für dieses Studio (und das in Bielefeld, bei dem alle meine anderen Löcher gemacht wurden) sprechen, aber die machen das außerdem echt super. Schon allein, dass das vorher aufgemalt wird, damit man anhand des Spiegelbildes ja oder nein sagen kann, BEVOR man unwiederbringlich Löcher macht, finde ich echt einen Vorteil. Außerdem waren die mit Pippi, die verständlicher Weise aufgeregt war, total lieb. Die Piercerin erklärte, was sie macht, Pippi durfte mit der Zange herumspielen, sie durfte auch auf meinem Schoß sitzen und als sie kurz vorher in Tränen ausbrach, war auch das kein Drama, sondern ganz verständlich und in Ordnung. Es wurde nichts beschönt, sondern kindgerecht erklärt, dass es kurz wehtut, aber echt nur ganz kurz. Weil es zwei Löcher sein sollten, durfte Pippi auch wählen, ob zwei Piercerinnen gleichzeitig beide Löcher stechen sollen, was Pippi annahm. Bis drei gezählt (Pippi durfte zählen), Zack, zwei Löcher drin. Pippi bekam hinterher eine Urkunde und einen Anstecker für Tapferkeit. Bei mir bedankte sich die Piercerin sogar, dass wir unsere Kinder piercen lassen statt die Löcher mit der Pistole schießen zu lassen. Alles in allem war das ein total positives Erlebnis, bei dem ich mich und mein Kind gut aufgehoben und in professionellen Händen fühlte. Es ist und bleibt eine selbst gewählte, völlig unnötige Verletzung, aber wenn man sich nun dazu entschieden hat, würde ich es jederzeit wieder auf diese Art machen, wenn nicht zwei Löcher erst mal reichen würden. Pippi ist auch mega stolz und guckt sich und ihre Ohren jetzt sehr gern im Spiegel an. Ich bin gespannt, was für wilde Geschichten sie morgen ihrer Freundin davon erzählt.

P.S. Michel will jetzt auch, mal gucken, ob er sich das noch anders überlegt.

Tag 2723 – Nichts zu erzählen.

Eigentlich ganz viel ungeordnetes Zeug im Kopf, aber nichts davon ist aufschreibereif.

Pippi geht es um Längen besser und sie hat heute auch ihre vier Dosen Penicillin ohne großes Drama genommen. Ein bisschen Meckern gehört dazu, das sei ihr auch zugestanden, aber wenigstens gab es heute keine Tränen deshalb. Sie hat auch kein Fieber mehr, das Ohr tut nicht mehr so weh und selbst das Geschnodder ist abgeklungen, es reichten heute ca. 2 Taschentuchpackungen, das sind ca. 6 weniger, als vorgestern noch. Das ist leider nicht übertrieben, es war wirklich extrem.