Tag 1899 – Schöne digitale Welt.

Ich sagte es neulich schon mal auf Twitter: dass, bei all dem Abfuck, den 2020 bisher so zu bieten hatte, viele Konferenzen und Seminare plötzlich als online-Versionen angeboten werden, finde ich richtig gut. Es ist einfach was ganz anderes, ob ich mich in ein Flugzeug setzen, um die halbe Welt fliegen, mit Jetlag Vorträgen lauschen und noch casual mit mir völlig unbekannten Menschen interagieren muss, oder ob ich mich zu Hause an den Computer setze, meinen eigenen guten Kaffee trinkend Vorträgen lausche, niemand sieht mich, niemand hört mich… hach! Für so introvertierte wie mich ist das Gold wert, das senkt die Hemmschwelle ungemein. Ich konnte quasi in meinem eigenen safe space meine ersten Erfahrungen mit einer großen, internationalen Inspektions-Organisation machen und es hat gar nicht nicht weh getan. Angesichts des Klimas ist es auch nur von Vorteil, wenn nicht Menschen aus aller Welt in Flugzeuge steigen, um sich irgendwo zu treffen. Ich wünsche mir, dass wir ein bisschen davon aus der Coronazeit mitnehmen.

Jetzt weiß ich auch mehr als vorher über Quality Risk Management und vor allem diese Organisation und ihre Arbeit. Die klingen gut, da muss ich noch mal mit meinem Kollegen sprechen, ob er meint, dass ich auch Mitglied werden und darüber einige Kurse belegen sollte. Hab plötzlich Bock auf Quality Risk Management, Zwinkersmiley, Werbeopfer.

(Tatsächlich mag ich das Thema, aber die entsprechende ICH-Guideline ist so unglaublich langweilig, dass ich mehrere Anläufe brauchte, die zu lesen ohne einzuschlafen.)

Ansonsten war heute nur noch Hip-Hop, das war gut, aber meine Blase an der Ferse ist wieder aufgegangen, weil die billigen Blasenpflaster nicht gescheit halten. Das tut jetzt natürlich weh. Aber das ist es auch wert, wenig macht so schnell Glücksgefühle bei mir, wie mich zu Musik zu bewegen.

Tag 1898 – Schlimme Prokrastination.

Ich gebe es nur ungern zu, aber meine Prokrastination in Verbindung mit Homeoffice nimmt ungute Züge an. Erschwerend kommt hinzu, dass mein Gedächtnis momentan nicht das beste ist und wenn ich mir nicht alles als To-Do abspeichere… tja. Ich hatte ja gehofft, dass das mit dem Homeoffice bald wieder etwas weniger werden könnte, aber Pustekuchen. Oslo ist komplett rot. Als Sahnehäubchen streiken die Busfahrer*Innen. Und jetzt kommt auch noch Sturm. 2020 ist echt zum Abgewöhnen.

Ob ich jemals wieder ins Büro darf? Ob wir unsere Inspektionen wie geplant durchführen können? Wer weiß das schon.

(Ganz im Ernst: ich glaube, das ist der Grund für meine ausufernde Prokrastination. Corona macht mich mürbe, ich ertrage die Planungsunsicherheit nur mit Mühe überhaupt. Diese Mühe frisst extrem viel Energie.)

Tag 1841 – Normalitätssehnsucht.

Corona soll vorbei sein.

Ich möchte ohne schlechtes Gewissen zum Tanzen gehen können. In einem geschlossenen Raum, mit anderen Leuten. Es hat mir gefehlt und selbst wenn es „nur“ HipHop ist, hat es heute unheimlich gut getan.

Aber eigentlich kann man das nicht verantworten. [Sehen Sie auch den sprachlichen Kniff, mit dem ich mich von dieser Entscheidung distanziere? Also gut. Eigentlich kann ich das nicht verantworten.]

Andererseits haben die norwegischen Behörden nichts dagegen. Weil wir ja Hände waschen.

Die norwegischen Behörden gehen von Tröpfchen- und Schmierinfektion aus und dann müssen nur alle, die husten zu hause bleiben und alles ist super. Aerosole gibt’s hier nicht, also stecken asymptomatisch Infizierte nicht über ihre ausgeatmete Luft ohne größere Tröpfchen andere an. Hände desinfizieren reicht.

Ich will das alles gar nicht wissen. Ich will nicht selber diese Entscheidungen treffen müssen. Ich will keine seitenlangen Erklärungen an Hersteller schicken müssen, dass wir zwar zur Inspektion kommen aber dies und das und jenes nicht/extra viel/anders machen werden und sie sich bittedanke auch danach zu richten haben.

Abgesagte Veranstaltungen, Homeoffice-Chaos, Kinder, die sich selbst in die Übelkeit schielen (fragen Sie nicht!) und nach Hause geschickt werden. Leute die eine schräg angucken, wenn man im Laden Maske trägt, Leute, die eine entsetzt angucken weil man draußen auf der Blumenwiese (Pollen?) mit 10 Metern Abstand zu allen plötzlich niesen muss. Reisebeschränkungen, Verbote, Gebote, Politiker*Innen, die sich schwammig ausdrücken und unlogisch verhalten. All die Unlogik. Entscheidungen, Entscheidungen, Entscheidungen. Basierend auf dünnen, sich widersprechenden, unvollständigen Informationen.

Ich bin Corona-müde.

Tag 1835 – Hoffnung auf Pilze.

Ich weiß, Sie haben noch Hitzewelle, jaja. Wir nicht so, beziehungsweise seit heute ist auch die norwegische Version von Hitzewelle vorbei und es regnet. Immerhin regnet es noch bei 20 Grad und noch nicht wieder bei 10.

Wenn der Sommer vorbei ist, kommen die Pilze und hier könnte ich jetzt sehr viel Häschtäck Pilzliebe reinkübeln, aber eigentlich trauere ich noch dem Sommer hinterher. Ich will jetzt keinen Herbst mit Corona und allem, noch nicht mal mit Pilzen.

Generell war meine Stimmung heute irgendwo nah am Gefrierpunkt. Abends hab ich dann noch mit Herrn Rabe gestritten. Regen, innen wie außen.

Tag 1832 – Back to sowas wie Alltag.

Heute war der erste Schultag für den frisch gebackenen Drittklässler. Whoop, whoop. Wir haben am Wochenende schon seine Stifte durchsortiert und den Rucksack gepackt, gestern den Stundenplan und den Hort-Plan ausgedruckt und heute früh einen sehr aufgeregten Michel zur Schule gebracht.

Da war es dann: „Gut.“

(Morgen ist Schulsport draußen, was bin ich froh, dass ihm mit der Schiene kein Schuh außer Crocs passt, er ist so schon kaum zu bremsen, seit der Fuß nicht mehr weh tut. Ab übernächstem Montag hat er dann endlich auch Schwimmunterricht – das hätte eigentlich im März, in der ersten Woche, in der die Schule dann geschlossen hatte, starten sollen.)

Für Pippi und mich habe ich Tanzkurse gebucht und auch gleich bezahlt. Vielleicht stecke ich mir grade die Finger in die Ohren und mache Lalala, was die Pandemie angeht. Ich mag nicht mehr. Ich mag wenigstens die Illusion haben, dass Dinge wieder in halbwegs geordneten Bahnen laufen.

Wenig alltäglich: wir haben heute für Pippi eine Brille ausgesucht. Gestern war Herr Rabe mit ihr beim Augenarzt, der Termin hätte ebenfalls irgendwann während der Alles-Schließungen stattfinden sollen und wurde dann jetzt nachgeholt. Und ja, Pippi sieht schlecht. Nicht mega schlecht, aber korrekturbedürftig. Pippi findet das alles noch total cool und aufregend und kennt ja auch ihre Mutter nur mit Brille, ich denke, das wird sie schon ok finden. Zur Erhöhung der Compliance durfte sie ohne Schielen auf Preisschilder und nur minimalem Eingreifen unsererseits, was Farbe und Form anbelangt, das Gestell selbst aussuchen. Es wird eine lila-rosa Hello-Kitty-Brille. Jetzt freut sie sich riesig auf die Brille und war sehr enttäuscht, dass es knapp zwei Wochen dauern wird, bis sie fertig ist.

Ganze 28% der Brille bekommen wir erstattet. Uns tut sowas nicht schlimm weh, aber ich kann mir vorstellen, dass eine Brille bei Familien, die nicht mal eben ein paar Hunderter locker machen können, übel reinhaut. Ach, ach.

Tag 1826 – Muss leider draußen warten.

Long story very short: ich war mit Michel erst bei der Hausärztin, dann im Krankenhaus, da durfte ich teilweise nicht mit rein und wir wurden behandelt wie Aussätzige, weil wir vor neun Tagen aus dem Ausland(TM) zurückgekehrt sind. Michels Sprunggelenk außen ist gebrochen. Es geht ihm gut und er hat auch, im Gegensatz zu seiner Mama, nicht geweint.

Die ganze Geschichte ist natürlich ungleich länger. Aber es war alles so scheiße, dass ich mich dabei nur in Rage und eine Migräne rede. Ich habe auch das Gefühl, ich kann das kaum zusammenhängend erzählen, weil mich das emotional so geschlaucht hat. Als wir endlich zu Hause waren, musste ich mich erst mal hinlegen, so fertig war ich.

Die Ärztin hatte uns nur gesagt, wir sollen nach Ahus fahren. Das ist ein großes Krankenhaus mit mehreren Gebäuden. Sie hatte nicht gesagt, in welches Gebäude wir müssen und ich habe Michel erst in das falsche getragen. (Natürlich getragen, er konnte ja nicht laufen, deshalb waren wir ja da.) Danach habe ich Michel also in das richtige Gebäude getragen. Da wurden wir erst ins falsche Wartezimmer gesetzt und wenn nicht ein Patient (!) gesagt hätte, dass wir zum Röntgen sicher nicht ins HNO-Wartezimmer müssen, würden wir da vielleicht jetzt noch sitzen. Aber schon geil, wenn man ein Kind mit einem dicken Fuß reinträgt, sagt, man komme zum Röntgen des Fußes, dass einen dann Planlose Person A ins falsche Wartezimmer setzt. Whatever, jedenfalls mussten wir in den Keller.

Da fragte uns eine Westenperson, eine Infektionsschutzaufpasserin, ebenfalls ohne wirklichen Plan, ob wir in den letzten 10 Tagen im Ausland gewesen seien. Ich sagte „äh.“ und rechnete nach und sagte dann, wir seien vor 9 Tagen aus Deutschland zurückgekommen. Ich muss jetzt dazu sagen, dass Deutschland ein okayes Reiseland war und nach wie vor ist, das heißt, wir mussten und müssen nicht in Quarantäne nachdem wir da waren. Die Westenfrau war aber von dieser Information trotzdem überfordert und musste erst wen anrufen. Die kamen dann nach 10 Minuten, in denen wir wie Falschgeld auf dem Gang standen, mit 1 Mundschutz und 1 Paar Handschuhe – fürs Kind. „Oder waren Sie auch im Ausland?“ Ja zur Hölle natürlich war ich auch im Ausland. Vor neun Tagen. In einem „grünen“ Land. What the fuck? Ok, nach weiteren 5 Minuten kam also noch ein Mundschutz und ein paar Handschuhe und alles wurde uns mit sehr spitzen Fingern am sehr langen Arm gereicht.

Danach durften wir uns endlich anmelden. Also in einem Wartezimmer eine Nummer ziehen, warten, und uns dann anmelden. Als einzige mit dem Mundschutz und den Handschuhen der Schande. An der Anmeldung wurde uns dann mitgeteilt, dass wir im Auto warten müssten. Wegen der Auslandsreise. Vor neun Tagen. In einem grünen Land. Wir würden dann angerufen.

Ich schleppte also Michel wieder zum Auto. Es war weit und warm. Nach etwa 45 Minuten warten, in denen ich vorsorglich schon mal organisiert habe, dass Pippi mit einem anderen Kind nach dem Kindergarten nach Hause fahren kann (wir haben ja nur ein Auto), klingelte das Telefon. Michel sei in 5 Minuten dran. Wir sollen zum Ambulanzeingang kommen. An der kurzen Seite des Gebäudes. Ich dürfe nicht mit rein. Wegen der Auslandsreise. In einem grünen Land. Vor neun Tagen. Einem Land, das geringere Infektionszahlen hat als Oslo. Vor neun Tagen. Vermutlich haben wir sogar vor Mitternacht die Grenze passiert.

Vor dem Gebäude stehend, nachdem ich Michel da wieder hin getragen hatte, ging mir auf, dass ein Rechteck zwei kurze Seiten hat. Ich ging also rein, zu Planloser Person A (s.o.) und fragte, wo der Ambulanzeingang sei. „Sind Sie die aus Deutschland???“ „Ja.“ „Wo ist ihr Mundschutz???“ „Im Mülleimer. Wo ist der Ambulanzeingang?“ (was zur Hölle einfach? Soll ich Mundschutz und Handschuhe stundenlang anlassen, damit in mein eigenes Auto und alles mögliche anfassen und dann einfach wieder damit ins Krankenhaus? Was. Zur. Hölle.). Planlose Person A zeigte es mir auf einer Karte: auf der entgegengesetzten Seite des kompletten Krankenhausgeländes. Geschätzte 10 Minuten Fußweg für mich allein, ohne humpelndes Kind, das ich tragen muss. Da brach ich in Tränen aus. „Ist das ihr Ernst?“ „Das ist der Ambulanzeingang.“ „Ich muss ihn da hin tragen, er ist sieben, und da kriege ich ganze fünf Minuten vorher Bescheid???“ Achselzucken.

Ich kam, mit Michel auf dem Arm, ziemlich sehr fertig, etwa den halben Weg weit, bevor mein Telefon wieder klingelte. Wo wir denn seien? „Auf dem Weg. Ich muss ihn tragen und ja um das ganze Gelände rum, ich darf ja auch nicht durch das Gebäude…“ „Warum um das Gelände rum, das ist auf der kurzen Seite des Gebäudes.“ „Ja aber welchen Gebäudes denn?“ „Dem, in dem Sie eben waren.“ „Planlose Person A in dem Gebäude hat mich grad zum anderen Gebäude geschickt!“ „Ja, das ist falsch.“ Ich brach schon wieder in Tränen aus. Wollten die mich alle verarschen? „Sie können mit dem Auto fahren und direkt vor der Tür parken.“ na immerhin etwas.

20 statt fünf Minuten nach dem Anruf, dass Michel bald dran sei, waren wir dann also am Ambulanzeingang DER ORTHOPÄDISCHEN AMBULANZ. NICHT DES GESAMTEN KRANKENHAUSES. Und ich war mit den Nerven runter. Und Michel wurde an der Tür von der Krankenpflegerin abgeholt, mit Handschuhen und Mundschutz versorgt, in einen mit Plastik ausgekleideten Rollstuhl gesetzt und davon gefahren. Ich durfte nicht mit rein. Nicht nur nicht in den Röntgenraum. In das Gebäude. Wegen der Auslandsreise. Die vor neun Tagen war. Die kein Problem gewesen wäre, wäre sie einen Tag früher beendet gewesen. Oder wenn wir in Oslo Urlaub gemacht hätten, das, ich sage es nochmal, wesentlich höhere Ansteckungszahlen hat als Deutschland, NRW und Bielefeld. Das sagte ich der Krankenpflegerin auch, als sie Michel wieder rausrollte. Dass ich das unverhältnismäßig finde, einen Siebenjährigen deshalb nicht in ein Krankenhaus begleiten zu dürfen. Sie verstand das, ich verstand, dass das nicht auf ihrem Mist gewachsen war, ich bat trotzdem um die Weitergabe meines Feedbacks.

Vielleicht deshalb durfte ich dann immerhin zur Behandlung mit rein (mit Mundschutz und Handschuhen). Wir wurden in einen leer geräumten Raum gesetzt, in dem alles, was noch drin war – ein Stuhl für mich, ein Hocker für den Arzt, ein Tischchen und diverse Türklinken – mit blauem Plastik abgedeckt war. Ich kam mir vor als hätten wir MRSA, Krätze, Syphilis und Covid19 zusammen und würden aus offenen Geschwüren heftig eitern oder so.

Nach sehr langer Warterei kam dann ein Orthopäde, der sich von einem sehr aufgeregten Michel nochmal die ganze Geschichte erzählen ließ, hielt erst übertrieben viel Abstand und musste dann doch eine körperliche Untersuchung vornehmen, Überraschung, Michel hat nicht einen meter fünfzig lange Beine. Immerhin wurde er dann zutraulicher. Zur Besprechung des Röntgenbildes holte er dann noch einen Kollegen dazu, der aber auch der Meinung war, es sei eben das Sprunggelenk etwas untypisch gebrochen, nur ein bisschen, nicht verschoben und ohne Spaltbildung, und ohne Bänderriss, also kommt da so eine abnehmbare Schiene drum, Schmerzmittel und schonen und in ein paar Wochen springt Michel wieder rum und spielt Fußball, kein großes Ding.

Auch der Rest – das Anpassen der Schiene und Herauskomplimentieren aus dem Krankenhaus – lief einigermaßen ok ab, aber ich glaube es dauert noch ne Weile, bis ich mich von der Aktion heute erholt habe.

(Und die Moral von der Geschicht: 1. bitte immer Leuten wirklich genau sagen, wo sie hinmüssen, 2. bitte nicht Ehrlichkeit mit unverhältnismäßigen Maßnahmen bestrafen, 3. Maßnahmen wenigstens erklären, damit sie Leuten nicht ganz so unverhältnismäßig vorkommen, 4. selbst Menschen mit Covid19 sind doch Menschen, die man nicht behandeln sollte wie Aussätzige.

Danke.)

(5. Zeit, in der man ansteckend wäre, Zeit bis zur Entwicklung von Symptomen, dies, das, egal.)

(6. Wenn es sich vermeiden lässt, nicht mehr nach Ahus.)

Tag 1824 – Uffz.

Ein etwas zäher aber im Großen und Ganzen ereignisloser Arbeitstag liegt hinter mir. Was gut ist, in Covid19-Zeiten* als Medikamentenbehörde, denn das heißt, es brennt grad nicht überall die Hütte. Hinter Herrn Rabe liegt ein aufregenderer Arbeitstag, denn der hat heute bei einem neuen Kunden angefangen und arbeitet jetzt für das norwegische Finanzamt. Auch da macht er natürlich wieder irgendwas mit Computern, fragen Sie mich einfach nicht, sondern im Zweifel ihn auf einem Kanal Ihrer Wahl. Morgen ist er auch wieder im Büro und ich fahre auch ins Büro, aufregend, alle aus dem Haus!

Hier ist der Spätsommer noch mal im vollen Gange. Generell nicht meine allerliebste Jahreszeit aber es ist wenigstens warm und sonnig und die Hitzewelle bedeutet für uns bis knapp unter 30 Grad mit dem üblichen Wind – es ist sehr gut auszuhalten. Selbst die gestrige Gartenarbeit ging sehr gut bei dem Wetter.

Herr Rabe hat heute mein Sportprogramm mitgemacht, das möchte er jetzt öfter machen, er ist nämlich neidisch auf meine schicken Muckis schmerzfreien Schultern. Es hat auch echt Spaß gemacht, nicht alleine zu sporteln. Meine Beine sind jetzt zwar der totale Pudding aber von nichts kommt ja nichts, auch keine starken Oberschenkel.

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*die norwegischen Zahlen deuten den Beginn einer zweiten Welle an. Tourismus, Studentenfeiern, Familienzusammenkünfte. Schkotze ehrlich gesagt, und sehe schon unseren Inspektionsplan für den Herbst wanken. Das wäre gelinde gesagt uncool, denn das ist ja alles nur aufgeschoben und wird eh durch den Backlog von März-Juni schon einigermaßen stressig.

Tag 1820 – Eigentlich.

Ich müsste eigentlich schlafen. Heute auf dem Heimweg bin ich fast über dem Versuch, im Zug die ICH Q9 (Quality Risk Management) zu lesen, eingeschlafen. Ist ja fast immer kein Problem, außer halt man sitzt im Zug nach Lillehammer. Dann wacht man halt im Zweifel in Lillehammer auf, und da will man nicht sein. Ich saß natürlich im Zug nach Lillehammer, nachdem ich eigentlich den Zug zehn Minuten früher nehmen wollte. Das hätte eigentlich auch geklappt, aber ich muss mich noch an neue Routinen gewöhnen, unter anderem daran, dass das Verlassen meines Arbeitsplatzes wegen Infektionsschutzmaßnahmen (Schreibtisch weitgehend leer räumen, private Dinge einschließen, alles in die Spülmaschine räumen, was man angefasst hat und spülmaschinenfest ist, Schreibtisch abwischen) länger dauert. Meine Blase kommt auch noch nicht ganz mit den eigentlich normalen und leider über die Ferien etwas schleifen gelassenen drei Litern Wasser am Tag klar, also muss ich eh noch mal aufs Klo, danach ausgiebiges Händewaschen, Hände desinfizieren – schwupps, sind mindestens fünf Minuten mehr rum als eigentlich üblich.

Eigentlich würde ich auch gerne nähen, bin aber zu müde. Eigentlich müsste ich auch die Schneckenerde tauschen, aber dito.

Eigentlich würde ich über diese ganzen Pläne, die ich nicht einhalte, mich vermutlich fertig machen. Aber das versuche ich zu lassen, weil das eigentlich alles relativ egale Pläne sind oder waren. Ich gehe einfach gleich ins Bett und dann ist morgen, Überraschung, auch noch ein Tag. Mit Homeoffice, das minimiert die Chancen, im Zug einzuschlafen, drastisch.

(Eventuell einer, bei dem ich bei der Hausärztin anrufen muss, weil es in meinem Hals kratzt, was ich sehr unpassend von meinem Hals finde, so vier Tage nach einer Fahrt mit einer Fähre, fünf Tage nach Aufbruch aus Deutschland. Vielleicht habe ich aber auch einfach ein bisschen zu trockenes Brot gegessen.)

Tag 1818 – Back in the Game.

Ach, eigentlich war das Arbeiten heute sogar ganz schön. Ich fuhr ins Büro, da war es leer und leise, was mir Zeit ließ, mich zu akklimatisieren. Zum warm werden ging ich alte Inspektionen durch, überprüfte, ob meine Kollegin die abgeschlossen hat und fütterte daraufhin die Dokumentenvernichtungstonne mit den entsprechenden Unterlagen. Sehr viel Papier fand da heute den Weg rein und jetzt habe ich viel viel weniger Papier zu Hause und auch deutlich weniger im Büro. Ich liebe Wegwerfen. Was ich sonst noch so gemacht habe: Schreibtischstuhl beschriften, Passwörter ändern, Festplatte und Cloudspeicher aufräumen, Daten synchronisieren, To-Do-Liste aufräumen und neu aufsetzen, Kalender pflegen, und das gar nicht so schlimme Projekt Inbox Zero. Ein easy Start.

Beim Mittagessen mit meiner einzigen Kollegin, die da war, habe ich gemerkt, dass mir das Soziale schwer fällt nach all der Zeit. Ich hoffe, sie nimmt mir nicht übel, dass ich bei der Unterhaltung mit ihr die meiste Zeit an ihr vorbei aus dem Fenster geguckt habe. Es ging nicht anders.

Trotzdem ein guter Tag. Ich mag meine Arbeit. Ich hab’s eh gerne sauber und ordentlich und kein Papier auf dem Schreibtisch und ich reinige auch gerne meine Tastatur mit Desinfektionsmittel. Dann noch für eine Gesundheitsbehörde arbeiten dürfen. Besser geht’s doch eigentlich nicht.

Nachmittags habe ich das gute Wetter genutzt, um die Meerschweinkiste sauber zu machen. Drei Meerschweinchen pullern ja doch deutlich mehr als eins. Muffin hat immerhin keine neuen Bisswunden.

Pippi schlief wohl heute im Kindergarten ein. Hatte sie trotzdem immerhin um halb neun im Bett – war halt ein langer Tag nach langen Ferien. Michel konnte leider nicht vor halb zehn einschlafen, aber momentan freue ich mich immer, wenn er kuscheln oder normal erzählen will, dann schreit er mich wenigstens nicht wütend an. Think pink.

Tag 1804 – Schplorz.

Wir haben heute zum ersten Mal seit März die Babysitterfamilie getroffen, das war so super schön. Wir haben die alle so gern, nur leider ist S. so schlimm chronisch Lungenkrank, dass sie an Covid19 vermutlich sehr schwer erkranken und möglicherweise sterben würde, weshalb sie im Prinzip seit März völlig isoliert leben. Uff, uff, uff. Aber die großen und die kleinen Kinder hatten Spaß miteinander und wir Erwachsenen saßen mit Abstand im Garten und unterhielten uns und das war wirklich toll.

Da habe ich nahezu drüber vergessen, dass ich vorher mit Muffin beim Tierarzt gewesen war, wo sein kurz zuvor von selbst geplatzter Abszess geleert und gespült wurde (think pink: immerhin keine OP mehr nötig!), was… unschön war. Ich gehe mal nicht weiter ins Detail.

Morgen darf er dann die Mädels kennen lernen, und die ihn, das wird bestimmt sehr spannend für alle. Und dann wird ja auch Pippi schon 5! Die große Zwergmaus. Hach. Genau genommen fühlt es sich für mich grad gar nicht wie „schon fünf“ an, sondern wie „endlich offiziell fünf“, weil sie so weit für ihr Alter ist, dass ich gerne mal vergesse, dass sie erst vier ist.

(Mal gucken, wann sie morgen vorm Bett steht und feiern will. Es erscheint mir schon wieder unklug, dass ich noch wach bin.)