Tag 2310 und 2311 – Zwooosh! (Und Quietschschschrebbel)

Gestern bin ich abends auf dem Sofa eingeschlafen. War aber auch nicht viel los gewesen ansonsten, nur viel Arbeit.

Heute ist auch nicht so viel los gewesen. Wochenende eben. Essensplan, Einkaufen, Blumen gießen, Schweine saubermachen, Kinder baden. Ein bisschen Rumhängen und ein bisschen mehr Geige spielen. Ich mache weiter mit der Selbstfolter und übe Dinge, die ich nicht kann – Spiccato und Doppelgriffe. Nicht gleichzeitig, das ist beides schon einzeln schwer genug. Besonders Doppelgriffe sind ein einziger Schmerz im Po, weil mein kleiner Finger im Verhältnis zu den anderen Fingern ziemlich kurz ist. Das führt dazu, dass es wirklich schwierig ist, den zu greifen, ohne die höhere Nachbarsaite mit zu berühren, insbesondere wenn ich auf der Nachbarsaite den 2. Finger greifen muss. Das sind leider die Terzen, also recht gebräuchliche Intervalle. Auf der G-Saite in der 1. Lage geht’s quasi gar nicht, aber eine andere, bequemere Lage nehmen erscheint mir wie Schummeln. Manchmal mache ich es aber doch, 1-3 auf 2-4 auf D und G im schnellen Fluss klingt nämlich einfach grausam im Vergleich zu 1-3 auf 1-3. aber wie gesagt, ich übe, es wird ganz ganz langsam besser. (Ich habe zu viel „Hilary Hahn plays Bach“ gehört, selbst mit 40 Stunden Üben am Tag komme ich da nicht mehr hin. Aber die Doppelgriffe häufen sich auch in dem, was ich spielen möchte zunehmend, also muss ich da wohl durch.)

Abends haben Herr Rabe und ich Matrix – Resurrection geguckt. Matrix habe ich damals sicher mehr als 10 mal geguckt, weil der mich so beeindruckt hat. Ich war aber ja auch grad erst 14. Den 2. und 3. fand ich dann ziemlich scheiße, aber der Trailer vom neuen Film war verhältnismäßig vielversprechend und wir haben eh ein HBO-Abo. Und ich muss sagen – das war ein guter Film. Keine Spoiler, aber mir hat die Selbstironie und die Nostalgie sehr gut gefallen. Man sollte die früheren Filme aber schon kennen, sonst bleibt einem beides verborgen und dann bleibt eine komplizierte Geschichte voller Referenzen auf ein diffuses „früher“. Ein extra Herzchen kriegen die Filmemacher*Innen für die Wiederverwendung von (Teilen von) Kampfchoreografien und Drehorten aus dem 1. Teil. Da bin ich gleich wieder 14.

Tag 2366 – Der drei-Minuten-Plan.

Wieder jeden Tag wenigstens spazieren gehen scheitert heute an Zyklusendmigräne. Immerhin habe ich das eingesehen und zwinge mich nicht dazu, trotzdem noch rauszugehen (hilft eh nicht).

Wäre trotzdem mal langsam wieder schön, wenn Pläne etwas länger hielten.

Heute gut gemacht: lange Geige gespielt (bevor ich Kopfschmerzen bekam). Die neuen Saiten sind ganz ganz toll, ich bin hin und weg. Sofort da, voll, butterweich und NOCH MEHR OBERTÖNE! Ich muss üben, leise zu spielen. Falls hier Interessierte mitlesen: Pirastro Passione habe ich jetzt drauf. Japp, Darm, da bin ich altmodisch (lies: ich habe nie auf was anderem gespielt und mag mich nicht umstellen). Bisher ist lediglich (ausgerechnet) die A-Seite etwas instabil, die sackt auch nach einer Woche noch ab, allerdings jetzt immerhin nur noch 3-5 Hertz statt bis aufs G, wie zu Anfang. Nach einer halben Stunde spielen hat sich auch alles akklimatisiert und bleibt stabil, aber zu Anfang muss ich immer mal wieder nachjustieren.

Beim Üben habe ich mich allerdings ein wenig gewundert, wie das hier seinen Weg in eine Etüde in der 1.-4. Lage gefunden hat:

Unerforschte Gebiete auf dem Griffbrett.

Gefühlt 528. Lage, in echt… keine Ahnung, da sind die Tonabstände eh alle so kurz. Über 7 jedenfalls. Gnädiger Weise ist der letzte ein Flageolett, da muss man nur grob treffen.

So, Augen zu jetzt. Sonst wird die Migräne auch nicht besser.

Tag 2335 – Müdolaus.

Es war so ein Tag, an dem ich eigentlich dem einen Kind gerne ne Rute in den Stiefel gesteckt hätte. Zumindest bis mittags. Danach übten wir uns in paradoxer Intervention (oder so) und fuhren schwimmen, inklusive dem Kind, das sich morgens noch um spontane Adoption beworben hatte, was beide Kinder sehr froh stimmte. Der Rest des Tages verlief dann tatsächlich größtenteils harmonisch. Ich bin so müde von dieser ständigen Streiterei.

Den späteren Nachmittag vertrieb ich mir mit der vierten Lage. Ich habe da so eine Etüde, zu der ich eine innige Hassliebe pflege. Sie ist nicht sonderlich schön oder interessant, dafür aber schwer und schnell. Schnell ist nicht mein Freund. Schwer kriegt mich nicht klein, schwer ist eine Herausforderung und ich werde sie bezwingen! Die vierte Lage ist noch nicht so bequem wie die 3., aber nachdem ich die 2. Lage übersprungen habe (ich schiebe das bequem auf meine frühere Lehrerin, ich hab ja einfach da wieder angefangen, wo ich damals aufgehört habe) und das nach der 3. bereut habe, wollte ich nicht den Fehler wiederholen, indem ich gleich mit der 5. anfange.

Natürlich habe ich am Ende des Tages doch Schokolade in die Stiefel verteilt und keine Ruten und auch keine Kohlestücke (letzteres ist auch eh irgendwie nicht so zeitgemäß). Morgen können die Kinder dann wieder in der Schule von dem super besonderen Tag erzählen, den wir haben und sonst keiner. Ein paar importierte Traditionen muss man ja haben.

(Ein Wort zum Adventskalender: als Werbeopfer habe ich da einen Notkauf am 29.11. getätigt, und runtergesetzte Adventskalender für mich und Herrn Rabe bestellt. Schokoladenpralinen für Herrn Rabe und Lakritzpralinen für mich. Ich bin zwar immer noch recht skeptisch gegenüber der Kombination Lakritz und (Milch-)Schokolade, kann nach 5 Tagen aber mit Verzücken feststellen, dass die Kombination Lakritz und Himbeere ganz und gar köstlich ist. Selbst mit Schoko. Ich hoffe, es kommt noch ganz viel mit Himbeere.)

Tag 2289 – Auch heute nichts zu erzählen.

Im Homeoffice passiert wenig, nur manche saufen Lack, haben keine Ahnung, verschwenden meine Zeit und die von Kolleg*Innen, und überhaupt, aber so ist das halt, wenn ich mich darüber aufrege ist auch niemandem geholfen. Stattdessen spiele ich lieber noch ein Stündchen Geige und versuche, Intonation und Tempo miteinander zu vereinbaren und das Ganze bitte auch noch Spiccato ohne verwaschen zu klingen. Nur noch so 800 Stunden üben, dann klappt das bestimmt. Mit Etüdenbuch 3 bin ich bald fertig, dann kann ich mit Etüdenbuch 4 weiter machen (hab schon angefangen) und in Etüdenbuch 2 hab ich diverses übersprungen (Aufstrich-Staccato, was zur…?), aus Unlust, aber vielleicht sind das gute Challenges.

Langsam brauche ich wirklich jemanden, der mich unterrichtet, damit ich mich nicht aus Faulheit um schwierige Dinge drücke. Außerdem kann ich selbst vorm Spiegel (ja, ich übe jedes Mal erst leere Saiten und dann Tonleitern vor dem Spiegel) meine Augen und meine Konzentration nur an einer Stelle haben. Allein der rechte Arm besteht aber ja aus erschreckend vielen Einzelteilen, die alle wichtig sind und so gut sind meine Ohren nicht, dass ich irgendeinen suboptimalen Ton automatisch auf „Handgelenk zu hoch/tief/steif/locker“ oder so zurückführen könnte, wenn ich grad auf die Finger (locker! Noch lockerer! Wie eine Qualle!!!) oder den Ellbogen (nicht hängen lassen wie einen angeschossenen Flügel! Nicht hochziehen! Eine Linie!!!) konzentriert bin.

Morgen geht’s ins Büro, ich bin fast ein bisschen aufgeregt. Dann ist tagsüber gar keiner hier, wie 2019! Uiuiui.

Tag 2220 – Frust, halber.

Also, so ne Schilddrüsenoperation kann ich niemandem wirklich empfehlen, die*er gerne singt, selbst wenn’s nur unter der Dusche ist. Heute versuchte ich im Auto ein bisschen Radiopop mitzuträllern, und… naja. Selbst ganz leise komme ich bei manchen Tönen – und wir reden nicht von Mariah Carey! – einfach nicht mehr an. Es kommt einfach gar kein Ton mehr, oder, wenn ich es wirklich mit Gewalt versuche, der höchste, den ich produzieren kann und der klingt ziemlich schrecklich. Es ist jetzt nicht so, als hätte ich vorher unfassbar gut gesungen, aber halt schon ok, für den Hausgebrauch. So würd ich nicht mal Happy Birthday singen wollen, weil ich vermutlich das dritte „birth-“ nicht erreichen würde. Ich finde das offen gestanden ziemlich scheiße.

Und da kommen wir zum nächsten Punkt. Ich muss ja noch zur Nachkontrolle der OP, also zur Endokrinologin im Krankenhaus. Wie das in Norwegen so ist, bekam ich gestern den Termin per digitaler Post – und er ist, wenn ich auf einer Inspektion bin. Das passt nun wirklich nicht so besonders gut, selbst für einen Videotermin. Inspektion ist nicht Kaffee bei Oma, wo ich mal grad „bin gleich wieder da“ sagen könnte. Man kann aber, das ist neu, direkt online um einen neuen Termin bitten. Was ich tat, woraufhin keine fünf Minuten später mein Handy klingelte. Was folgte kann ich auch mit einem Tag Abstand nicht anders beschreiben: die Sprechstundenhilfe setzte mich massiv unter Druck, den Termin zu behalten, ich könne doch sicher mal kurz während meiner Jobreise telefonieren, ich sei schließlich operiert worden und MÜSSE diesen Termin haben, aber wenn ich den jetzt nicht nähme, müsse ich bis nach Weihnachten auf einen neuen Termin warten. Ich bekam immerhin heraus, dass ich mich überrumpelt fühle, und nun ist der Termin erst mal so stehen geblieben und ich habe mir ein wenig Zeit erkauft aber bitte was sind denn das für Kommunikationsmethoden?

Ich habe jetzt mehrere Optionen und weiß nicht, was ich machen soll:

  • Ich behalte den Termin und habe immerhin zeitnah einen Termin. Unglücklich: ich bin da auf einer Inspektion, muss mit Kollege und Kollegin und der kompletten Firma dort absprechen, das irgendwie möglich zu machen. Besonders unglücklich: das ist der Tag, an dem wir normalerweise die Produktion inspizieren, das ist zeitlich nicht gut planbar. Es ist immerhin quasi zur Mittagessenszeit, also wenigstens nicht komplett unmöglich („Kann mich jemand ausschleusen und in 10 Minuten wieder einschleusen, ich müsste mal telefonieren!“ hahahaha nein.) Allergrößter Minuspunkt: ich bin ein bisschen bockig und will, dass das Krankenhaus lernt, dass sie nicht alles mit mir machen können.
  • Ich bitte meine Hausärztin um eine Überweisung in ein anderes Krankenhaus. Da bekomme ich dann innerhalb von, laut Webseite, 12 Wochen einen Termin. Unglücklich daran: das ist auch schon fast Weihnachten und meine Hausärztin müsste die Einstellung bis zum Spezialist*Innen-Termin allein managen und mich gegebenenfalls auch an HNO überweisen. Daran besonders unglücklich: allein nen Termin zur Blutabnahme muss man bei der Hausärztin am besten 3 Wochen im Voraus abmachen, von einem Termin um dann eine Überweisung zu bekommen ganz zu schweigen. Realistisch gesehen reden wir also auch hier von Mitte bis Ende Dezember, bis ich eine*n Spezialist*In zu Gesicht bekomme. Trostpflaster: ich glaube meine Hausärztin ist wirklich gut und lässt mit sich reden, was „meinen persönlichen Wohlfühlwert“ angeht, außerdem kann sie ja jederzeit im Krankenhaus anrufen und die Spezialist*Innen um Rat fragen, im Gegensatz zu mir Normalsterblicher.
  • Ich gehe damit in die Privatklinik. Vorteil: da kriege ich, wenn ich will, morgen einen Termin. Nachteil: der kostet mich dann 250€ und das jedes Mal, wenn ich hingehe (und da ist weder Massage noch Champagner mit inbegriffen, Frechheit). Ob die zum Beispiel wieder an die HNO des Krankenhauses (des ANDEREN Krankenhauses, denn in DIESES Krankenhaus möchte ich inzwischen nur noch im totalen Notfall einen Fuß setzen) überweisen können, weiß ich auch nicht. HNO in der Privatklinik dann halt wieder 250€. Und so weiter.

Tja, so sieht das aus, alles nicht so richtig einfach, ehrlich gesagt.

Warum der Frust dann nur halb ist? 1. ist Michel heute fast direkt nach der Entspannungs-CD, die die Babysittermama mir geliehen hat, eingeschlafen und 2. habe ich heute Nachmittag, nach ein paar Fingerbrechern mit zu vielen Vorzeichen (die Etüden sind in steigender Schwierigkeit im Buch und ich beackere grad die letzte und vorletzte in kombiniert 1. und 3. Lage) sowohl am Ende das Vivace in, naja, größtenteils lebendigem Tempo und größtenteils echt okayer Intonation gespielt und danach die zwei Kinderkonzerte so sauber durchgeorgelt, dass ich selbst erstaunt war. Aber G-Dur/D-Dur/e-Moll/h-Moll sind nach c-Moll, H-Dur und As-Dur ein bisschen wie Urlaub für Finger und Ohren. Besonders schön finde ich, dass meine Geige jeden Tag besser (voller, irgendwie „klingender“) klingt. Ist wohl doch was dran, dass Streichinstrumente „schlafen gehen“, wenn man sie lange nicht spielt und man sie danach erst wieder „öffnen“ muss.

Nur Vibrato kann ich nach wie vor nur mit 2,5 Fingern in akzeptabler Ausführung.

Tag 2200 – Lange her.

Neue Etüde, musste googeln was das x da heißen soll.

x???

Das x ist ein zusätzliches Kreuz wo schon ein Kreuz ist, also ein Doppel-kreuz. Es mangelt nicht an Kreuzen.

Geh du alter Esel hole. Uff.

Die x sind also alle Fisis-e, auch genannt G. Warum nicht einfach als G notieren? Aber egal, haben wir wieder was wieder gelernt (ich bin sicher, dass ich das schon mal wusste, man macht keine 15 Punkte in Musik schriftlich im Abi, wenn man sowas nicht weiß).

Generell H-Dur, sowas machen auch nur Leute, die Geigenschüler*Innen quälen wollen. Das muss ich mit nem Stimmgerät üben, weil ich kaum hören kann, ob ich sauber spiele (meine Geige hat bei vielen der Töne nur wenige oder gar keine Obertöne, oder wenigstens keine, die ich imstande bin, zu hören). Pfffft, Ais. Geh weg.

Wenigstens lenkt H-Dur davon ab, das ich heute Nachricht bekommen habe, dass der Chipsmann 1. noch lebt und 2. schon wieder Dinge tut, von denen ich naiv gehofft hatte, dass er sie nie wieder täte. Kriege ich direkt wieder Puls, wenn ich daran denke. Das einzig gute: er tut seine Chipsmann-Dinge an einem sehr weit entfernten und abgelegenen Ort. Möge er da für immer wegen flüssigem Durchfall festsitzen. Ohne Internet.

Tag 2183 – Nix neues.

Hier gibt es heute nichts spannendes zu erzählen. Das aufregendste, was passiert ist, ist, dass wir wieder Gemüse vom Bauern holen können (nach einem erst zu nassen und dann zu warmen Frühling begann die Erntesaison sehr spät) und ich eine andere Art der Bogenhaltung ausprobiere. Erster Eindruck: es ist halt lockerer, das hat Vorteile (mehr Flexibilität, weichere Bogenwechsel, potentiell schnellere Fingerbewegungen) und Nachteile (schwieriger Gewicht zu transportieren, potentiell schwieriger schnelle Bewegungen zu kontrollieren). Insgesamt ist es ein neues Konzept für mich, dass es nicht nur 1 Richtige Art(TM) gibt und ich probiere da gerne rum, alles, um nicht wieder in ein tiefes Stagnationsloch zu fallen.

Sonst war nix.

Tag 2168 – Endspurt.

Arbeit, Arbeit, zu viele Meetings, zu viel muss heute und morgen noch fertig werden. Tjanun. Danach sind 5,5 Wochen frei.

Ebenfalls Endspurt als Elternvertreterin der Grundschulklasse. Mache ich eher nicht noch mal, die Möglichkeiten, tatsächlich Einfluss zu nehmen erwiesen sich als minimal nicht existierend. Traurig, aber wahr. Sommerabschluss wird wie Weihnachtsfeier: nur die Kinder in der Schule, wir Eltern müssen zu Hause bleiben (für mich definitiv eh besser!). Es gibt ein Tütchen Süßkram und ein Trinkpäckchen für jede*n, das hat Familie Rabe heute in Teamarbeit gepackt. Als Dankeschön für die Lehrerinnen habe ich jeweils eine kleine Blumenampel mit Erdbeeren bepflanzt, weil ich wirklich was dagegen hab, sterbende Blumen (die in Norwegen halt auch einfach absurd viel Geld kosten) zu verschenken.

Noch nicht ganz Endspurt aber endlich etwas, das man vielleicht „Rohvibrato“ nennen kann, im Vibratoprojekt. Ich muss jetzt endlich nicht mehr nur Katzen quälen, sondern verkleinere die Bewegung, bis der jeweilige Finger an einem Punkt ist. Das funktioniert bei allen Fingern, außer dem 1. Der ist immer noch irgendwie steif, da ist ja auch kein Platz, da oben an der Schnecke, gnah (zugegebenermaßen geht es in den anderen Lagen auch nicht sonderlich viel besser). 4. Finger ist quasi kein Problem (den finden wohl viele sehr schwierig) aber der 1. verlangt mir sehr viel Konzentration ab um wenigstens ganz leicht… Hmpf. (Gut dass ich bald Ferien hab, da kann ich den 1. Finger zu mehr Lockerheit meditieren.) Mit meinem neu gewonnenen, noch nicht fein geschliffenen Skill habe ich dann die langsameren Sätze der zwei KinderSchülerkonzerte mal extra langsam und mit dem Ziel, auf jeder mindestens Viertelnote Vibrato zu benutzen, durchgespielt und das macht schon sehr sehr viel aus, jetzt schon. Ich freue mich auf den Feinschliff, ich glaube, der Grind wird sich am Ende wirklich auszahlen.

Noch eine etwas lustige Anekdote und ein Grund zur Freude: Herr Rabe (Jahrgang ’83) bekam heute seine Impf-SMS und hat nun einen Termin nächste Woche. Zwei Stunden später hatten sie sich zu Jahrgang ’85 durchgearbeitet und wenn ich wollte, könnte ich mich nächsten Dienstag gleich noch mal impfen lassen. Ich habe mich also tatsächlich nur um 1,5 Wochen vorgedrängelt, das ist ein bisschen beruhigend und das System benachrichtigt wirklich jede*n, das ist auch beruhigend, auch wenn’s bei mir jetzt unnötig war. (Ja, ich hab geguckt, ob es irgendwie möglich wäre, ein drei-Wochen-Intervall hinzumogeln, aber das haut mit der OP zeitlich nicht hin und 14 Tage nach dem OP-Termin waren noch keine Termine zu vergeben.)

Ich bin ja eh großer Fan von BankID.

Tag 2141 – Bloßkäse.

„Pippi, zieh ne Jacke an, bitte.“

„Nein, ich will nicht, mir ist nicht kalt.“

„Aber es regnet.“

„Wir können ja ne Jacke *mitnehmen*. Der Ordnung halber.“

(Warum man diesem Kind oft nichts abschlagen kann.)

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Michel: „Was ist das?“

„Tortellini.“

„Sind die gefüllt? Ich maaaaag nicht gefüllt!“

„Es ist bloß Käse, probier doch wenigstens erst!“

Michel: „Nein, ich mag das nicht, das weiß ich.“

Pippi: *probiert* „Hmmmmm, lecker, ich mag Bloßkäse!“

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Vibrato-Übung „Große Sirene“, im grunde Finger auf die Saite setzen und dann in großen, runden, weichen Bewegungen über das ganze Griffbrett schubbern. 1 Minute jede Saite jeder Finger, eine Woche lang geräuschlos, dann eine Woche mit Streichen. Dann in kleiner, eine Woche geräuschlos, eine Woche mit Streichen. Danach bin ich einem schönen Vibrato bestimmt schon viel näher, brauche aber sicher neue Saiten und vermutlich neue Fingerkuppen. (Ich hab mir das nicht so ausgedacht, ich mache da online so ein kleines Programm… fragen Sie nicht, es ist alles sehr rosa, aber klingt einleuchtend und hilfreich. Und wirkt tatsächlich schon ein wenig.)

Nein, die Finger sind nicht nass oder fettig, die sind nur blank poliert.

Tag 2128 – Gestern/heute.

Heute war nix, das ist schnell erzählt.

Gestern. Ich war, wegen meiner Bauchschmerzen, die mich immer noch immer mal wieder anfallsmäßig plagen (KEINE TIPPS!), beim Ultraschall. Leider hatte ich mich im Tag vertan (genau genommen sogar im Monat, ähäm) und musste fast drei Stunden warten, bis sie mich dazwischen schieben konnten. Das wäre nicht so schlimm gewesen, wenn ich nicht vorher nichts gegessen hätte – wie es im Infozettel zu dem Termin stand – und nicht einen Liter Wasser getrunken hätte – wie es auch in der Einladung stand – oder wenigstens aufs Klo gedurft hätte – raten Sie einfach. Als ich dann dran war, musste ich dem Arzt sagen, dass er bitte nicht so doll auf der Blase rumfahren soll, es sei denn, er möchte provozieren, dass ich auf die Liege pullere. Der Arzt war aber sehr vorsichtig und ich sehe innerlich komplett normal aus, bis auf eine grenzwertig große Milz (die aber, wie er meinte, nicht diese Schmerzen verursachen dürfte) und eine wenig überraschend absurd volle Blase und einen komplett leeren Magen. Auch die Blutwerte sind ok, insofern ist das vorläufige Fazit „Ursache nicht gefunden“, super, hab ich halt einfach so Schmerzen (KEINE, wirklich gar keine, Tipps bitte).

Ich wurde außerdem von einem Makler angeschrieben, ob das Haus, das wir Dienstag angeschaut hatten, denn wohl für uns in Frage käme. Meine Antwort war „hahaha Nein, das Haus entsprach nicht unseren Vorstellungen und der Standard rechtfertigt unserer Meinung nach nicht den veranschlagten Preis“ und damit wissen Sie jetzt auch so grob, wie diese Hausbesichtigung war. Neugierig darauf waren wir wegen der Lage geworden und weil die Bilder einiges versprachen, was dann aber der Realität nicht standhielt. Liebe Makler*Innen: Sie haben es selbst in der Hand, ob Leute realistische oder völlig überzogene Erwartungen an das Objekt haben. Zum Beispiel würde ich davon abraten, das Objektiv mit dem weitesten Winkel, das sie finden können, zu benutzen, damit der winzige Flur und die 60 cm breite Treppe aussehen wie eine herrschaftliche Eingangshalle oder das Klo, in das man rückwärts einparken muss, wie ein richtiges Badezimmer. Und vielleicht wäre es auch ratsam, Reparaturbedarf, Schäden und nicht zeitgemäße Kellertreppenlösungen nicht zu verschweigen.

Ich sehe es als erneute Übung im Justieren von Erwartungen und direktes Feedback geben.

Apropos Übung: ich habe mir ein einfaches Concerto runtergeladen und spiele das jetzt und das macht mich sehr sehr glücklich. Ich bin gar nicht so schlecht. Ok, es ist ein Stück für Schüler*Innen, die 2-3 Jahre Unterricht hatten und dementsprechend „unter meinem Niveau“, ähäm, aber ich finde, ich darf ein paar Erfolgserlebnisse haben. Außerdem gibt es auch da noch genug für mich zu tun, unter anderem ist mein Vibrato scheiße ausbaufähig und meine Dynamiken sind auch noch nicht differenziert genug (laut ist einfach. Leise hingegen… hmmmmmmnaja). Intonation mit dem 4. Finger ist auch nicht optimal. Was ich, das kann ich ja mal einfach so behaupten, gut kann sind Phrasierungen und generell Musikalität/Gefühl. Ist auch einfach, das Stück ist in h-Moll und voller Gefühl (Romantik halt) und ich wollte sowas immer spielen und meine Geigenlehrerin war aber eher so Team Telemann (schnarch). Kein Wunder, dass meine Motivation irgendwann sehr stark nachließ, diese Barockstücke klangen für mich alle gleich. Jetzt suche ich mir das selbst aus und Telemann ist da eher nicht dabei, fürs erste. (Hab ich erwähnt, dass ich auch im Blockflötenkreis der selben Lehrerin war? Noch mehr Barock, Hurra…)

Am liebsten würde ich an allen Ecken gleichzeitig bauen, reiße mich da aber am Riemen (ein wenig), mache Bogenübungen auf leeren Seiten und Vibratoübungen ganz ohne Instrument und übe Saite für Saite den Lagenwechsel zwischen 1. und 3. und kontrolliere brav mit leeren Saiten, die ich auch ständig nachstimmen muss, weil ich blöde Saiten hab vor allem das A halt. Und damit das halt nicht langweilig wird, ein kleines, schönes, einfaches Concerto.

Ich bin kurz davor, Herrn Rabe das E-Piano zu kaufen, das er sich wünscht, dann können wir zusammen spielen, das klingt dann (wenn ich irgendwann besser Vibrato kann) irgendwann so: Rieding op. 35. (Nehme an, auch Herr Rabe müsste da vielleicht erst mal ein bisschen üben.)