Tag 2341 – Der neue Alltag.

Ich glaube noch nicht so recht dran, dass es jetzt so bleibt, aber montags fahre ich wohl nun ins Büro. Herr Rabe auch, was bedeutet, dass einer von uns sehr früh fährt. Im Büro suche ich mir einen Platz in Base 6B, das war bisher zwei mal der gleiche und „zufällig“ der Platz, an dem ich vorher auch saß, nur eine Etage höher. Überhaupt sitzen irgendwie alle „zufällig“ genau da, wo sie vorher auch saßen, nur eine Etage höher. Angekommen, streite ich ein wenig mit der Technik, oder auch ein wenig mehr, so wie heute. Dann habe ich den Tag über ein paar geplante und viele spontane Meetings und leiste IT-Hilfe, wo ich kann, weil alle mit der Technik streiten. Dann ist der Arbeitstag irgendwann vorbei und ich schlafe sozial gerädert im Zug ein, nachdem ich mich ausgiebig innerlich darüber geärgert habe, das es kein Einheitsparfum gibt, sondern alle meinen, sie müssen irgendwie individuell riechen und, besonders wichtig, auch stärker als die anderen. Gegeneinander anstinken in Reinkultur. Aber wahrscheinlich liegt das, dass ich mich ärgere, nur an einer zu dem Zeitpunkt bereits abgebrannten sozialen Lunte.

Zu Hause angekommen reicht der Tag grad noch so für Essen und Kinder ins Bett bringen und danach Geige ODER Sport, momentan gewinnt zu 95% die Geige (außer dienstags). Da so spät, in der Küche und mit Mute, weshalb ich manche Dinge nicht so gut üben kann, einfach weil ich nicht so gut höre, was ich treibe. Als neues Projekt habe ich mir jetzt vorgenommen, ein paar dieser Student-Concertos, an denen ich so herumübe (Seitz Op.15, Riedel Op.21 und Accolay a-Moll) nach und nach auch auswendig zu lernen. Ich hab mit dem Schwersten angefangen (Seitz), aber das übe ich auch schon am längsten und der erste Satz sitzt nach zwei Tagen mit dem Rücken zum Notenständer ganz ok. Ich erhoffe mir davon, freier spielen zu können, wenn ich nicht Hirnkapazität aufs Ablesen verschwenden muss. Vorteil an dieser Art üben: das geht gut auch mit Mute und sogar ohne Instrument, weil es in erster Linie drum geht, die Bewegungsabläufe zu trainieren und mit dem „gewünschten Ton“ zu verknüpfen. Nachteil: ewige Ohrwürmer.

Jedenfalls, ich schweife ab: danach ist eigentlich nur noch Bett angesagt. Wenig spannend, aber ich finde Zug fahren und schon wieder Leute in 3D sehen auch irgendwie schon spannend genug nach 2 Jahren Pandemie. Ich hab mir sogar noch ne Laugenstange gekauft, einfach weil ich’s konnte, weil ich ja in Oslo war, wo es eine Bäckereikette gibt, die allerlei „deutsches“ Gebäck verkauft, wie eben Laugenstangen oder Apfeltaschen. Wenn das nicht Spannung genug ist.

Tag 2323 – Behauptung.

Nix los gewesen, was berichtenswert wäre, deshalb behaupte ich einfach mal wieder was über meine Geigen-Fortschritte. Ich möchte bitte noch mal mit meinem 15-Jährigen Ich reden und sagen: die anderen (vor allem der eine, dessen Namen du vergessen hast, der wahrscheinlich Jan-Phillip hieß, oder Lennart oder Stefan, wie alle Jungs zu der Zeit) sind gar nicht so viel talentierter als du. Manche haben früher angefangen und der Stefan-Lennart übt halt. Einziges Geheimnis. Üben, üben, üben, und sinnvoll üben, also Fehler auch korrigieren, hinhören, nochmal genau die eine scheiß-Stelle, und nochmal und dann noch mal langsam.

Aber mein 15-Jähriges Ich war sehr besserwisserisch und beratungsresistent und meinte, sich selbst und generell die Welt genau gecheckt zu haben und hätte wahrscheinlich einfach hart mit den Augen gerollt und gemeint, 20 Minuten an guten Tagen und am Wochenende vor dem Weihnachts- oder Sommerkonzert 3 Stunden pro Tag, bei denen die schnellen/blöden/unsauberen/schwierigen Stellen aber einfach weggehudelt werden, das muss reichen. Und dann würde sie 20 Jahre lang den mangelnden Fortschritt auf das mangelnde Talent schieben. Ist ja auch praktisch, Talent ist so schön ungreifbar und vermutlich angeboren, machste nix!

(Nicht falsch verstehen. Ich wäre nie ein Wunderkind geworden oder gewesen, aber auch ein Wunderkind muss üben.)

Jedenfalls, ich übe immer noch mit Spaß und es wird in meinen Ohren auch immer okayer. Nach drei „leichten“ Doppelgriffetüden (agree to disagree on the „leicht“), bei denen ich mir anfangs wirklich einen abgebrochen habe, habe ich die vierte beim 3. Durchgang heute einfach so runtergespielt, und es kamen weder 20 Katzen, um mit mir zu jaulen, noch zogen Mann, Kinder oder Meerschweinchen mit Rucksäcken und Schlafsäcken an mir vorbei, um dem Lärm für immer zu entfliehen. Selbst ich war zufrieden. Ha. Übung.

Tag 2322 – Kultur.

Heute Abend war ich relativ spontan in der Osloer Philharmonie, nämlich da: Beethoven Violinkonzert mit Veronika Eberle als Solistin. Dazu kam es, weil ich ein Facebook-Werbeopfer bin und alle meine Apps (obwohl ich Tracking immer ablehne) wissen, wofür ich mich auf anderen Kanälen interessiere und mir deshalb Montag eine Werbung für Tickets zum halben Preis für eben dieses Konzert angezeigt wurden. Aber kann man ja dann tatsächlich mal machen und ich bereue nichts, das war sehr schön, sowohl mal aus dem Haus zu kommen, um was schönes nur für mich zu machen, als auch das Konzert an sich. Sogar die Kadenzen haben mir gefallen, auch wenn ich ja keine spezielle Anhängerin von moderner Kunst bin und auch sagen muss, die hätten auch mit einem Tacken weniger Gedön gewirkt. Man muss ja nicht zwingend sämtliche alternativen Techniken* (inklusive Stampfen beim Spielen) einbauen, bloß weil man‘s kann. Schreien fehlte noch, das ist ja sonst auch sehr beliebt. Jedenfalls, moderne Kadenzen in Beethoven… kann man erstaunlicher Weise machen. Gibt dem Ganzen tatsächlich noch mal eine spezielle Note, die man aber mögen muss. Wie Koriandereis.

Hach ja. Das war wirklich schön.

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*was ich mich ja frage: so jemand benutzt ja zur Stradivari nicht nen 150€-Bogen. Da wird sicher auch der Bogen den Wert eines Kleinwagens haben. Aber spielt man mit so einem Bogen dann col legno (also mit dem Holz)? Da geht doch der Bogen von kaputt! Andererseits spielt man ja auch nicht 99% des Konzerts mit dem guten Bogen, um dann für die drei, vier mal col legno fix auf den 150€-Bogen zu wechseln. Naja whatever. Vielleicht hat sie ja auch einen Carbon-Bogen.

Tag 2310 und 2311 – Zwooosh! (Und Quietschschschrebbel)

Gestern bin ich abends auf dem Sofa eingeschlafen. War aber auch nicht viel los gewesen ansonsten, nur viel Arbeit.

Heute ist auch nicht so viel los gewesen. Wochenende eben. Essensplan, Einkaufen, Blumen gießen, Schweine saubermachen, Kinder baden. Ein bisschen Rumhängen und ein bisschen mehr Geige spielen. Ich mache weiter mit der Selbstfolter und übe Dinge, die ich nicht kann – Spiccato und Doppelgriffe. Nicht gleichzeitig, das ist beides schon einzeln schwer genug. Besonders Doppelgriffe sind ein einziger Schmerz im Po, weil mein kleiner Finger im Verhältnis zu den anderen Fingern ziemlich kurz ist. Das führt dazu, dass es wirklich schwierig ist, den zu greifen, ohne die höhere Nachbarsaite mit zu berühren, insbesondere wenn ich auf der Nachbarsaite den 2. Finger greifen muss. Das sind leider die Terzen, also recht gebräuchliche Intervalle. Auf der G-Saite in der 1. Lage geht’s quasi gar nicht, aber eine andere, bequemere Lage nehmen erscheint mir wie Schummeln. Manchmal mache ich es aber doch, 1-3 auf 2-4 auf D und G im schnellen Fluss klingt nämlich einfach grausam im Vergleich zu 1-3 auf 1-3. aber wie gesagt, ich übe, es wird ganz ganz langsam besser. (Ich habe zu viel „Hilary Hahn plays Bach“ gehört, selbst mit 40 Stunden Üben am Tag komme ich da nicht mehr hin. Aber die Doppelgriffe häufen sich auch in dem, was ich spielen möchte zunehmend, also muss ich da wohl durch.)

Abends haben Herr Rabe und ich Matrix – Resurrection geguckt. Matrix habe ich damals sicher mehr als 10 mal geguckt, weil der mich so beeindruckt hat. Ich war aber ja auch grad erst 14. Den 2. und 3. fand ich dann ziemlich scheiße, aber der Trailer vom neuen Film war verhältnismäßig vielversprechend und wir haben eh ein HBO-Abo. Und ich muss sagen – das war ein guter Film. Keine Spoiler, aber mir hat die Selbstironie und die Nostalgie sehr gut gefallen. Man sollte die früheren Filme aber schon kennen, sonst bleibt einem beides verborgen und dann bleibt eine komplizierte Geschichte voller Referenzen auf ein diffuses „früher“. Ein extra Herzchen kriegen die Filmemacher*Innen für die Wiederverwendung von (Teilen von) Kampfchoreografien und Drehorten aus dem 1. Teil. Da bin ich gleich wieder 14.

Tag 2366 – Der drei-Minuten-Plan.

Wieder jeden Tag wenigstens spazieren gehen scheitert heute an Zyklusendmigräne. Immerhin habe ich das eingesehen und zwinge mich nicht dazu, trotzdem noch rauszugehen (hilft eh nicht).

Wäre trotzdem mal langsam wieder schön, wenn Pläne etwas länger hielten.

Heute gut gemacht: lange Geige gespielt (bevor ich Kopfschmerzen bekam). Die neuen Saiten sind ganz ganz toll, ich bin hin und weg. Sofort da, voll, butterweich und NOCH MEHR OBERTÖNE! Ich muss üben, leise zu spielen. Falls hier Interessierte mitlesen: Pirastro Passione habe ich jetzt drauf. Japp, Darm, da bin ich altmodisch (lies: ich habe nie auf was anderem gespielt und mag mich nicht umstellen). Bisher ist lediglich (ausgerechnet) die A-Seite etwas instabil, die sackt auch nach einer Woche noch ab, allerdings jetzt immerhin nur noch 3-5 Hertz statt bis aufs G, wie zu Anfang. Nach einer halben Stunde spielen hat sich auch alles akklimatisiert und bleibt stabil, aber zu Anfang muss ich immer mal wieder nachjustieren.

Beim Üben habe ich mich allerdings ein wenig gewundert, wie das hier seinen Weg in eine Etüde in der 1.-4. Lage gefunden hat:

Unerforschte Gebiete auf dem Griffbrett.

Gefühlt 528. Lage, in echt… keine Ahnung, da sind die Tonabstände eh alle so kurz. Über 7 jedenfalls. Gnädiger Weise ist der letzte ein Flageolett, da muss man nur grob treffen.

So, Augen zu jetzt. Sonst wird die Migräne auch nicht besser.

Tag 2335 – Müdolaus.

Es war so ein Tag, an dem ich eigentlich dem einen Kind gerne ne Rute in den Stiefel gesteckt hätte. Zumindest bis mittags. Danach übten wir uns in paradoxer Intervention (oder so) und fuhren schwimmen, inklusive dem Kind, das sich morgens noch um spontane Adoption beworben hatte, was beide Kinder sehr froh stimmte. Der Rest des Tages verlief dann tatsächlich größtenteils harmonisch. Ich bin so müde von dieser ständigen Streiterei.

Den späteren Nachmittag vertrieb ich mir mit der vierten Lage. Ich habe da so eine Etüde, zu der ich eine innige Hassliebe pflege. Sie ist nicht sonderlich schön oder interessant, dafür aber schwer und schnell. Schnell ist nicht mein Freund. Schwer kriegt mich nicht klein, schwer ist eine Herausforderung und ich werde sie bezwingen! Die vierte Lage ist noch nicht so bequem wie die 3., aber nachdem ich die 2. Lage übersprungen habe (ich schiebe das bequem auf meine frühere Lehrerin, ich hab ja einfach da wieder angefangen, wo ich damals aufgehört habe) und das nach der 3. bereut habe, wollte ich nicht den Fehler wiederholen, indem ich gleich mit der 5. anfange.

Natürlich habe ich am Ende des Tages doch Schokolade in die Stiefel verteilt und keine Ruten und auch keine Kohlestücke (letzteres ist auch eh irgendwie nicht so zeitgemäß). Morgen können die Kinder dann wieder in der Schule von dem super besonderen Tag erzählen, den wir haben und sonst keiner. Ein paar importierte Traditionen muss man ja haben.

(Ein Wort zum Adventskalender: als Werbeopfer habe ich da einen Notkauf am 29.11. getätigt, und runtergesetzte Adventskalender für mich und Herrn Rabe bestellt. Schokoladenpralinen für Herrn Rabe und Lakritzpralinen für mich. Ich bin zwar immer noch recht skeptisch gegenüber der Kombination Lakritz und (Milch-)Schokolade, kann nach 5 Tagen aber mit Verzücken feststellen, dass die Kombination Lakritz und Himbeere ganz und gar köstlich ist. Selbst mit Schoko. Ich hoffe, es kommt noch ganz viel mit Himbeere.)

Tag 2289 – Auch heute nichts zu erzählen.

Im Homeoffice passiert wenig, nur manche saufen Lack, haben keine Ahnung, verschwenden meine Zeit und die von Kolleg*Innen, und überhaupt, aber so ist das halt, wenn ich mich darüber aufrege ist auch niemandem geholfen. Stattdessen spiele ich lieber noch ein Stündchen Geige und versuche, Intonation und Tempo miteinander zu vereinbaren und das Ganze bitte auch noch Spiccato ohne verwaschen zu klingen. Nur noch so 800 Stunden üben, dann klappt das bestimmt. Mit Etüdenbuch 3 bin ich bald fertig, dann kann ich mit Etüdenbuch 4 weiter machen (hab schon angefangen) und in Etüdenbuch 2 hab ich diverses übersprungen (Aufstrich-Staccato, was zur…?), aus Unlust, aber vielleicht sind das gute Challenges.

Langsam brauche ich wirklich jemanden, der mich unterrichtet, damit ich mich nicht aus Faulheit um schwierige Dinge drücke. Außerdem kann ich selbst vorm Spiegel (ja, ich übe jedes Mal erst leere Saiten und dann Tonleitern vor dem Spiegel) meine Augen und meine Konzentration nur an einer Stelle haben. Allein der rechte Arm besteht aber ja aus erschreckend vielen Einzelteilen, die alle wichtig sind und so gut sind meine Ohren nicht, dass ich irgendeinen suboptimalen Ton automatisch auf „Handgelenk zu hoch/tief/steif/locker“ oder so zurückführen könnte, wenn ich grad auf die Finger (locker! Noch lockerer! Wie eine Qualle!!!) oder den Ellbogen (nicht hängen lassen wie einen angeschossenen Flügel! Nicht hochziehen! Eine Linie!!!) konzentriert bin.

Morgen geht’s ins Büro, ich bin fast ein bisschen aufgeregt. Dann ist tagsüber gar keiner hier, wie 2019! Uiuiui.

Tag 2220 – Frust, halber.

Also, so ne Schilddrüsenoperation kann ich niemandem wirklich empfehlen, die*er gerne singt, selbst wenn’s nur unter der Dusche ist. Heute versuchte ich im Auto ein bisschen Radiopop mitzuträllern, und… naja. Selbst ganz leise komme ich bei manchen Tönen – und wir reden nicht von Mariah Carey! – einfach nicht mehr an. Es kommt einfach gar kein Ton mehr, oder, wenn ich es wirklich mit Gewalt versuche, der höchste, den ich produzieren kann und der klingt ziemlich schrecklich. Es ist jetzt nicht so, als hätte ich vorher unfassbar gut gesungen, aber halt schon ok, für den Hausgebrauch. So würd ich nicht mal Happy Birthday singen wollen, weil ich vermutlich das dritte „birth-“ nicht erreichen würde. Ich finde das offen gestanden ziemlich scheiße.

Und da kommen wir zum nächsten Punkt. Ich muss ja noch zur Nachkontrolle der OP, also zur Endokrinologin im Krankenhaus. Wie das in Norwegen so ist, bekam ich gestern den Termin per digitaler Post – und er ist, wenn ich auf einer Inspektion bin. Das passt nun wirklich nicht so besonders gut, selbst für einen Videotermin. Inspektion ist nicht Kaffee bei Oma, wo ich mal grad „bin gleich wieder da“ sagen könnte. Man kann aber, das ist neu, direkt online um einen neuen Termin bitten. Was ich tat, woraufhin keine fünf Minuten später mein Handy klingelte. Was folgte kann ich auch mit einem Tag Abstand nicht anders beschreiben: die Sprechstundenhilfe setzte mich massiv unter Druck, den Termin zu behalten, ich könne doch sicher mal kurz während meiner Jobreise telefonieren, ich sei schließlich operiert worden und MÜSSE diesen Termin haben, aber wenn ich den jetzt nicht nähme, müsse ich bis nach Weihnachten auf einen neuen Termin warten. Ich bekam immerhin heraus, dass ich mich überrumpelt fühle, und nun ist der Termin erst mal so stehen geblieben und ich habe mir ein wenig Zeit erkauft aber bitte was sind denn das für Kommunikationsmethoden?

Ich habe jetzt mehrere Optionen und weiß nicht, was ich machen soll:

  • Ich behalte den Termin und habe immerhin zeitnah einen Termin. Unglücklich: ich bin da auf einer Inspektion, muss mit Kollege und Kollegin und der kompletten Firma dort absprechen, das irgendwie möglich zu machen. Besonders unglücklich: das ist der Tag, an dem wir normalerweise die Produktion inspizieren, das ist zeitlich nicht gut planbar. Es ist immerhin quasi zur Mittagessenszeit, also wenigstens nicht komplett unmöglich („Kann mich jemand ausschleusen und in 10 Minuten wieder einschleusen, ich müsste mal telefonieren!“ hahahaha nein.) Allergrößter Minuspunkt: ich bin ein bisschen bockig und will, dass das Krankenhaus lernt, dass sie nicht alles mit mir machen können.
  • Ich bitte meine Hausärztin um eine Überweisung in ein anderes Krankenhaus. Da bekomme ich dann innerhalb von, laut Webseite, 12 Wochen einen Termin. Unglücklich daran: das ist auch schon fast Weihnachten und meine Hausärztin müsste die Einstellung bis zum Spezialist*Innen-Termin allein managen und mich gegebenenfalls auch an HNO überweisen. Daran besonders unglücklich: allein nen Termin zur Blutabnahme muss man bei der Hausärztin am besten 3 Wochen im Voraus abmachen, von einem Termin um dann eine Überweisung zu bekommen ganz zu schweigen. Realistisch gesehen reden wir also auch hier von Mitte bis Ende Dezember, bis ich eine*n Spezialist*In zu Gesicht bekomme. Trostpflaster: ich glaube meine Hausärztin ist wirklich gut und lässt mit sich reden, was „meinen persönlichen Wohlfühlwert“ angeht, außerdem kann sie ja jederzeit im Krankenhaus anrufen und die Spezialist*Innen um Rat fragen, im Gegensatz zu mir Normalsterblicher.
  • Ich gehe damit in die Privatklinik. Vorteil: da kriege ich, wenn ich will, morgen einen Termin. Nachteil: der kostet mich dann 250€ und das jedes Mal, wenn ich hingehe (und da ist weder Massage noch Champagner mit inbegriffen, Frechheit). Ob die zum Beispiel wieder an die HNO des Krankenhauses (des ANDEREN Krankenhauses, denn in DIESES Krankenhaus möchte ich inzwischen nur noch im totalen Notfall einen Fuß setzen) überweisen können, weiß ich auch nicht. HNO in der Privatklinik dann halt wieder 250€. Und so weiter.

Tja, so sieht das aus, alles nicht so richtig einfach, ehrlich gesagt.

Warum der Frust dann nur halb ist? 1. ist Michel heute fast direkt nach der Entspannungs-CD, die die Babysittermama mir geliehen hat, eingeschlafen und 2. habe ich heute Nachmittag, nach ein paar Fingerbrechern mit zu vielen Vorzeichen (die Etüden sind in steigender Schwierigkeit im Buch und ich beackere grad die letzte und vorletzte in kombiniert 1. und 3. Lage) sowohl am Ende das Vivace in, naja, größtenteils lebendigem Tempo und größtenteils echt okayer Intonation gespielt und danach die zwei Kinderkonzerte so sauber durchgeorgelt, dass ich selbst erstaunt war. Aber G-Dur/D-Dur/e-Moll/h-Moll sind nach c-Moll, H-Dur und As-Dur ein bisschen wie Urlaub für Finger und Ohren. Besonders schön finde ich, dass meine Geige jeden Tag besser (voller, irgendwie „klingender“) klingt. Ist wohl doch was dran, dass Streichinstrumente „schlafen gehen“, wenn man sie lange nicht spielt und man sie danach erst wieder „öffnen“ muss.

Nur Vibrato kann ich nach wie vor nur mit 2,5 Fingern in akzeptabler Ausführung.

Tag 2200 – Lange her.

Neue Etüde, musste googeln was das x da heißen soll.

x???

Das x ist ein zusätzliches Kreuz wo schon ein Kreuz ist, also ein Doppel-kreuz. Es mangelt nicht an Kreuzen.

Geh du alter Esel hole. Uff.

Die x sind also alle Fisis-e, auch genannt G. Warum nicht einfach als G notieren? Aber egal, haben wir wieder was wieder gelernt (ich bin sicher, dass ich das schon mal wusste, man macht keine 15 Punkte in Musik schriftlich im Abi, wenn man sowas nicht weiß).

Generell H-Dur, sowas machen auch nur Leute, die Geigenschüler*Innen quälen wollen. Das muss ich mit nem Stimmgerät üben, weil ich kaum hören kann, ob ich sauber spiele (meine Geige hat bei vielen der Töne nur wenige oder gar keine Obertöne, oder wenigstens keine, die ich imstande bin, zu hören). Pfffft, Ais. Geh weg.

Wenigstens lenkt H-Dur davon ab, das ich heute Nachricht bekommen habe, dass der Chipsmann 1. noch lebt und 2. schon wieder Dinge tut, von denen ich naiv gehofft hatte, dass er sie nie wieder täte. Kriege ich direkt wieder Puls, wenn ich daran denke. Das einzig gute: er tut seine Chipsmann-Dinge an einem sehr weit entfernten und abgelegenen Ort. Möge er da für immer wegen flüssigem Durchfall festsitzen. Ohne Internet.

Tag 2183 – Nix neues.

Hier gibt es heute nichts spannendes zu erzählen. Das aufregendste, was passiert ist, ist, dass wir wieder Gemüse vom Bauern holen können (nach einem erst zu nassen und dann zu warmen Frühling begann die Erntesaison sehr spät) und ich eine andere Art der Bogenhaltung ausprobiere. Erster Eindruck: es ist halt lockerer, das hat Vorteile (mehr Flexibilität, weichere Bogenwechsel, potentiell schnellere Fingerbewegungen) und Nachteile (schwieriger Gewicht zu transportieren, potentiell schwieriger schnelle Bewegungen zu kontrollieren). Insgesamt ist es ein neues Konzept für mich, dass es nicht nur 1 Richtige Art(TM) gibt und ich probiere da gerne rum, alles, um nicht wieder in ein tiefes Stagnationsloch zu fallen.

Sonst war nix.