Tag 743 – Mal nachdenken. 

Ich schrieb es ja schon mal: „Erst die Arbeit, dann das Vergnügen“ sitzt tief in mir. Und Vergnügen ist in dem Zusammenhang auch oft genug einfach als Ruhepause zu verstehen, Arbeit aber gleichzeitig mit Perfektionismus garniert, gewürzt und angerichtet. Da kann man jetzt irgendwen zwischen Luther und meiner Mutter für blamen*, aber das bringt ja auch nur minimal weiter. Woran ich halt arbeiten muss, um nicht mit schöner Regelmäßigkeit wieder kaputt (oder fast kaputt) zu gehen, ist, die Überforderung früh genug zu erkennen. Das klappt manchmal recht gut und ich mache mir dann Strategien, wie ich mit der Situation zurechtkomme. Manchmal klappt es gar nicht. Manchmal ignoriere ich die Anzeichen. Aber was sind denn die Anzeichen überhaupt genau? Spontanes Brainstorming mit mir selbst ergab: 

  • Essen. Ich vergesse das, habe auch keinen Appetit auf nix, manchmal dann Heißhunger. Langfristig nehme ich in Stressphasen immer ab. 
  • Schlafen. Ich stehe voll unter Strom bis zehn, elf Uhr, gehe ins Bett, lese bis zwölf, kann trotzdem nicht einschlafen bis… eins? Halb zwei? Zwei? Morgens komme ich dann nicht aus dem Bett und fühle mich direkt wegen der ersten Tätigkeit des Tages (Aufstehen) schon als Versagerin.
  • Wut. Mein Geduldsfaden ist am Ende nicht mehr vorhanden und ich kann auch meine Wut, wenn sie kommt, nur noch sehr schwer kontrollieren. Spätestens wenn ich anfange, wegen Nichtigkeiten gegen Wände zu schlagen, sollten alle, aber auch wirklich alle, Alarmglocken heulen. Aber gereizt und ungeduldig bin ich auch schon weit vorher. 
  • Konzentration. Wenn die flöten geht, ist’s aus. Leider gibt’s da keine Vorzeichen, mein Verstand läuft auf Hochtouren mit Karacho an die Wand.  Jedes Mal. 
  • Aufschieberitis. Dinge, die nicht supersupersuperwichtig sind, bleiben liegen. Seit Wochen ist das Laborbuch eine lose Blattsammlung? Hmm…
  • Self Care (ich hasse das Wort). Sport? Keine Zeit. Frisör? Keine Zeit. Neue Unterhosen besorgen, weil die alten alle ausgeleierte Gummis haben? Ach, nächstes Jahr vielleicht. Der Gedanke „Oh bitte jetzt nicht krank werden, Ich hab dafür keine Zeit!“ klingt selbst in meinen Ohren nach „Wheeeoooooeeeeeooooo!!!“, aber ich denke den oft. Wirklich erschreckend oft. 
  • „Nur noch diese Woche.“ Stimmt leider fast nie, denn dann kommt das nächste. Aber allein der Gedanke lässt ja darauf schließen, dass mir die Überforderung durchaus bewusst ist. 

Tja, ich würde sagen, ich habe gerade so ca. eine 8-9 auf der 10-Punkte-Stressskala. 

Nur noch… zwei Monate**. 

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*es tut mir echt leid, das Denglisch bricht sich seinen Bahn, das bringt das dreisprachige Leben hier so mit sich. Ich denke auch so und mir fallen manche Formulierungen echt erst nach langem Nachdenken auf Deutsch ein. 

**maximal ein Monat Labor, ein Monat am Schreibtisch. Ich bin jetzt in der Phase des PhD angelangt, wo ich noch bevor ich meinen Kram in mein Büro bringe in des Chefs Büro gehe, um irgendwelche bahnbrechenden Neuigkeiten, Versuchsergebnisse oder die vielfältigen Verfehlungen des Konfokalheinis zu besprechen. 

Tag 726 – Verschenkt. 

Tjaja. Natürlich werde ich das irgendwie alles schaffen. Weil ich ja immer alles schaffe. 

No pressure und so. Aber ich schaffe doch immer alles. Hab ich schon immer und deshalb wird es auch immer so sein*. 

Trotzdem fühlt es sich grad scheiße an und raubt so viel Kraft, dass ich mich heute Mittag einfach nicht mehr auf den Beinen halten konnte und erst drei Stunden später vor Hunger wieder wach wurde. „Homeoffice“.

Es war auch früher schon nicht so, als hätte ich immer alles locker geschafft. Geschafft, ja, aber locker war daran wenig. Aber gemeckert habe ich ja auch selten, also muss es wohl locker gewesen sein. Zumindest sah es so aus. 

Vielleicht sollte ich mehr meckern. 

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*meint meine Mutter jedenfalls. Alles Gute zum Geburtstag!

Tag 704 – Wieder da, fast wieder weg und ZZZzzzZZZ…

Wir sind wieder in Trondheim. Es ist sehr kalt. Außerdem sind wir alle ziemlich müde (wovon bloß?) und statt noch tausend Tonnen Kram zu packen für den morgen beginnenden Trip gen Bergen, und auch statt jetzt noch umfangreich zu bloggen, geht’s ohne Umweg ins Bett. Hier noch ein Impressiönchen aus dem Flugzeug. Beide Kinder waren da eingeschlafen und ich versuchte Go-Go-Gadgetto-Arm mäßig, beide mit aufs Foto zu kriegen. Klappte so… naja. Aber mehr gaben meine Arme einfach nicht her. 

Tag 695.2 – Was ich eigentlich sagen wollte. 

Es wird alles. Bestimmt wird es das. Ich kann das Ende schon sehen, zwar noch nicht greifen, aber immerhin. 

Nebenher mache ich übrigens noch ein Experiment. Es muss ja noch ein drittes Paper her, ne? Alternativ müsste ich ein Review schreiben, aber, hui, das ist viel Arbeit und muss zumindest eingereicht sein, um als Bestandteil der Diss anerkannt zu werden. Also da nur irgendwas hinklatschen geht auch nicht. Lieber Minipaper aus jetzt hastig zusammengekochten Versuchen bauen. Mithilfe der nicht mehr traurigen Masterstudentin, die aber auch „nur“ nachmittags und am Wochenende kann. 

Und dann kommt der Mann um die Ecke und plötzlich macht man halbe Zukunftspläne. Aber wenn ich da jetzt auch noch zu viel drüber nachdenke, platzt demnächst mein Kopf* und die ganze Gedankensuppe klebt dann an den Wänden. Unschön stelle ich mir das vor. 

Also denke ich da einfach *nicht* weiter drüber nach, stecke meine Finger in die Ohren und singe schubidu. Und schreibe Zeug über N1-methyladenine in mRNA, das geht schnell, da gibt es nämlich bisher nur eine Veröffentlichung zu. Und dann Schlaf. 

*zusätzlich dazu, dass ich mir vermutlich grad mein halbes Genom wegen Stress kaputtmethyliere. R. Rabe, 32, Epigenetophobikerin

Tag 690 – Schnarch.

Ich bin so müde, ich kann einfach nicht weiter arbeiten. Und auch hier schreiben mag ich jetzt nicht mehr.

Falls Sie aber zu der Sorte gehören, die mit solchen Informationen gut umgehen können: ich habe vor, äh, über drei Jahren (das Datum im Titel stimmt nicht ;) ) mal was* (*totales Understatement) geschrieben über Krebs und späte Metastasen. Bat biwähr: itz in Inglisch.

Und hier ist der Link, ich hoffe es funktioniert.

Tag 685 – Knappe zehn Seiten.

Fast zehn Seiten habe ich jetzt. Nur Text und Anmerkungen „hier muss ein Bild hin“ und „hier eine Tabelle“. Ca. 100 Referenzen. Das größte Kapitel ist fast abgeschlossen, nur noch ein bisschen die bypass-Mechanismen aufschreiben (4 Mechanismen, maximal 8 Sätze) und an einer Stelle muss ich nochmal ran, das gefällt mir so noch nicht, da muss ein Teilaspekt rausgearbeitet werden und dafür andere Teile glaube ich raus. Aber das ist ja kein Problem in LaTeX, wird halt einfach auskommentiert und gut ist, ist ja trotzdem noch da, wenn der Chef dann meckern sollte.

Apropos Chef: der hat sich heute endlich aus seinem Urlaub gemeldet. Ich soll den Antrag für die „Aufstockung“ der Forschungsgelder selbst schreiben und dann „signiert“ er das (will ich sehen, wie er ein online-Dings signiert, aber egal). 

In den letzten Tagen viel Meta-Zeug über wissenschaftliche Veröffentlichungen gelernt, aber das ist ein Thema für einen eigenen Post, wenn es mal noch nicht ganz so spät ist.

Tag 682 – Realität. 

Was ich wollte: Ganz viel schreiben. 

Was ich tat: Migräne haben, Tablette nehmen, mit wattigem Kopf ein bisschen was schreiben, Paper sortieren, lesen, und in die Papers-App einpflegen. Sehr lange tat ich vor allem das letztere, weil mir erst heute Abend mal auffiel, dass die seit Monaten nicht richtig gesynct hatte. Aber jetzt sind alle 127 bisher geladenen* Artikel drin und lassen sich gut lesen. Hurra. 

Jetzt Bett. (Es tut mir leid, ich wär grade auch gern interessanter. Ich wär auch grad gern mehr zu Hause. Michel fragt schon** und mein Herz bröckelt ein wenig…)

* Da ich erst so ca. 1/4 geschrieben habe, ist das ganz ok. 

** Pippi fragt nicht. Die schreit dann halt beim ins-Bett-bringen (zu dem ich wieder grade so pünktlich zu Hause war) so lange rum, bis ich mit ihr kuschle. Dann sagt sie schluchzend „kuschln“*** und mein Herz bröckelt noch mehr. 

*** und „Hunga“, aber ich glaube das ist eher ihr Ausdruck für „irgendwas passt nicht“.

Tag 680 – Ordnung und Dankbarkeit. 

Huch, so spät schon. Schlaf kann ich für die nächsten Wochen wohl vergessen, ich kriege zwar am Abend nix wirklich produktives mehr geschrieben, aber so langweilige und stumpfsinnige Dinge wie Zitate suchen, runterladen und in die Bibliografie eindutzeln, das geht auch im Halbschlaf noch. Und morgen dann: Nitrosamine aus Tabak, Pflanzen, dem Magen und Dings und was sie mit DNA machen. Yeahy. 

Des Weiteren war ich heute beim Arzt und es war blöd. Ich bin jetzt zwar krank geschrieben, aber der Vertretungsarzt war noch ganz jung und dachte wohl, ich hüpfe demnächst aus dem nächstbesten Fenster. Das habe ich sowas von nicht vor! Hinschmeißen übrigens auch nicht. 

Beim NAV (der Agentur für alles Soziale) habe ich auch angerufen. Da wird sich dann ein Mensch bei mir melden. Bald. 

Das Beste aber ist: es werden von meinem Institut kurzfristig kleine Forschungsmittel ausgeschrieben, ich habe mich da direkt erkundigt und ja, mein Chef kann die für mich beantragen. Hab ich ihm auch geschrieben, aber er hat sich noch nicht zurückgemeldet. 

(Insgesamt ein ok erfolgreicher Tag.)

Das Allerallerallerbeste aber, das sind heute echt: Sie. Sie alle. Ehrlich. Ich freue mich riesig und bin auch ziemlich gerührt über so viel Zuspruch und die vielen praktischen Tipps und Hilfsangebote! Sie sind, das kann ich ja mal so sagen, ungefähr tausend mal hilfreicher und unterstützender, als mein Chef. Wenn ich etwas geschlafen habe antworte ich Ihnen auch morgen auf Ihre Nachrichten, wirklich hoch und heilig versprochen, aber jetzt muss ich schlafen. 

Aber Danke. 

Sie sind die Besten!

<3

Tag 670 – Sie wollte das Kinderfestival verbloggen, doch was dann geschah, konnte keiner glauben!

Wir waren dieses Jahr wieder auf dem Juba Juba Kinderfestival. Es war wieder sehr schön. Aber ausführlich berichten kann ich jetzt nicht mehr, nach sechs Stunden draußen und teils in der prallen Sonne brutzelnd bin ich nämlich so müde, dass ich während Michel malte fast und während ich Michel ins Bett brachte ganz einpennte. 

Hoffentlich hilfts was, wenn ich jetzt einfach schlafe. Mich gruselt es ein wenig vor morgen. Eigentlich doll. Um genau zu sein, möchte ich schreiend im Kreis laufen, aber ich bin zu müde. Was ja auch irgendwie ein gutes Zeichen ist. Bestimmt.