Tag 633 – #WmDedgT Mai ’17

Oh, mein Opa hat heute Geburtstag und ich hab’s bisher vergessen. Kann man da jetzt noch anrufen? Vielleicht lieber morgen…

Jedenfalls ist ja der 5. und da will Frau Brüllen von der gemeinen Blogger*In wissen: Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?

Erstmal stehe ich zu spät auf. Irgendwie bin ich nach dem Weckerklingeln in einem Döse-Zustand, nur kleine Patschfüße und „Mama?“-Rufe aus der Küche reißen mich dann doch aus dem Bett. Dann Frühstück machen für die Kinder, Kaffee machen für die Großen. Nebenbei Twitter aufgemacht. Böser Fehler, weil schwuppdiwupp eine Diskussion über arm und reich und Verdienst und Abgaben und weiß nicht was gestartet. Vorm ersten Kaffee. Ich empfehle das nicht. Sowas regt auf und frisst Zeit. Und regt auf. 

Naja, irgendwann Dusche, Zähneputzen, Make-up in der Sparversion wegen keine Zeit, Kinder mit Frühstück versorgen, Kinder anziehen (das meiste davon hat aber Herr Rabe gemacht, genauso wie Zähne putzen und Eincremen) Kaffee trinken und los. Ach nee, erst noch merken, dass auf meinem Shirt Schokoflecken sind, also schnell ein anderes Shirt angezogen. Kinder in den Kindergarten gebracht, da erfahren, dass die Kitaleiterin die Schuhe von Pippi mitgenommen hatte – ihr Sohn hat welche die ganz ähnlich aussehen. Noch mit der Betreuerin abgeklärt, dass Pippi bei 15 Grad und strahlendem Sonnenschein nicht Wollunterwäsche, dicken Wollanzug UND Spielanzug anhaben muss. Sollte. 

Auf dem Weg zur Arbeit nur das Rad zu Hause abgestellt und dann zu Fuß gegangen. Kaffee und Banane als Ersatzfrühstück auf dem Weg. Ich Google nach Herrn Rabes Geburtstagswunsch und gucke in die Röhre. Weiter Twitterdiskussion, aber das geht alles viel besser (und macht mich nicht so aggressiv) nach Kaffee und den ersten Kalorien im Magen. Auf dem Weg überall grün. Es wird wirklich Frühling hier, kaum zu fassen. 


Dann Arbeit. Unheimlich stressig. Ich schachtele alles und rotiere sechs Stunden lang quasi ununterbrochen. Mein Mittagessen hole ich während eines Roboterprogramms von 14:32 Minuten (!) Länge beim vegetarischen Imbiss und esse es stehend im Flur vorm Labor. Leider sind Teile der Versuche nur von mäßigem Erfolg gekrönt und am Ende gehen mir auch noch die Materialien aus. Als letzte Amtshandlung bestelle ich also neuen Kram (von der Firma, deren Vertreter gestern da war – das hätten wir einfacher haben können…), exe 2 Gläser Wasser, amüsiere mich über den Titel der Doktorarbeit meiner Kollegin und gehe dann nach Hause. 


Ich spaziere nach Hause. Das Wetter ist „deilig“ (das g ist stumm), also wunderbar. Ich schwitze ein bisschen in meiner Jacke, die Sonne scheint, es ist einfach ganz toll und ich denke die ganze Zeit „DEILIIII!“. Alle Menschen, denen ich begegne, Lächeln. Was so ein bisschen Vitamin D mit den Leuten macht!

Zu Hause hole ich das Fahrrad und fahre in den Kindergarten. Hole zwei dreckige, aber glückliche Kinder ab, schnacke noch ein bisschen mit der KiTa-Leiterin, unterschreibe einen Wisch, dass in dem Altenheim, das Michel öfter mit den anderen großen Kindern besucht, eine Reportage über Kindergartenbesuche in Altenheimen gedreht werden darf und dass es ok ist, wenn Michel da mit auf den Bildern ist. Michel will unbedingt nach Hause laufen, also schiebe ich das Fahrrad und den Anhänger mit Pippi drin nach Hause. Ist egal, die Sonne scheint („DEILIIIII!“). 

Zu Hause Wäsche ich den gröbsten Dreck von den Kindern, dann dürfen sie essen. Beide Kinder wollen getoastetes Brot mit „nur Butter“. Meine Kinder halt. Nach dem Essen will Michel Peppa Wutz gucken. Pippi guckt mit und ich ergoogle mir ein Alternativgeschenk für Herrn Rabe. Dann habe ich es plötzlich eilig, Herr Rabe kommt nach Hause und ich sprinte quasi sofort los. Radle („DEILIIII!“) wo hin, erfülle meine geheime Mission und radle zurück. Wieder zu Hause sacke ich die Kinder ein und fahre kurz entschlossen zum Stoffladen. Mein Ersatzshirt von heute früh ist schuld. Das war mal mein Lieblingsshirt. Jetzt, nach nur 10 Jahren regelmäßigen Tragens selbst in zwei Schwangerschaften, ist es aber langsam hinüber. Der Stoff ist schon ganz dünn und nach ca. einer halben Stunde Tragen geht es total aus der Form. Vermutlich ist das Elasthan langsam tot. Aber ich hab ja noch schöne Jerseystoffe. Ich brauche nur noch was neutraleres, damit man vom gemusterten Kinderstoff nicht erschlagen wird. Und dann nehme ich einfach (haha) den Schnitt von dem jetzt langsam hinüberen Shirt. 

Im Stoffladen eskaliert alles ein bisschen. Wie immer. Dann erfüllen Michel, Pippi und ich unsere geheime Restmission, Michel muss aufs Klo, neben uns versucht eine Frau ihren Einkaufswagen mit in die Klokabine zu nehmen und lässt am Ende einfach die Tür auf. Michel ist beeindruckt. Beide Kinder grabbeln auf dem Supermarktklo alles an und das stresst mich sehr. Wir waschen alle sehr gründlich die Hände und kaufen dann noch Himbeeren. Etwa sechstausendmal sage ich „Nein, wir kaufen das jetzt nicht.“, beim sechstausendersten Mal mag ich nicht mehr und Michel kann seine Tüte Knusperfische haben. Stolz drückt er seine Trophäe im Auto an sich, bis er einschläft. Pippi fallen auch die Augen zu, aber irgendwie gelangt es mir, ihr Einschlafen zu verhindern. 

Zu Hause gibt es frisch erwachten Nörgelmichel und frisch gemachten Kirschmichel. Die Kinder wollen nicht so recht. Dann geht es erst für Michel ins Bett. Ich kleide derweil Pippi um, die sich sehr über die vielen kleinen „Bäsen“ auf ihrem Schlafanzug freut. Dann putze ich ihr die Zähne. Aus dem Schlafzimmer kommt die Meldung: Michel schläft noch nicht. Ich schaue mit Pippi Eule und dann noch zwei Mausclips. Michel schläft ein und ich bringe Pippi ins Schlafzimmer. 

Ich wasche alle dunklen Stoffe und lese ein bisschen im Internet herum. Ich höre Pippi brüllen. 

Deutlich später löse ich Herrn Rabe ab. Pippi möchte nicht ins Bett. Pippi möchte herumbrüllen. Nach einer halben Stunde trösten und kuscheln gebe ich auf. Pippi will nicht schlafen. Wir gehen aufs Sofa, wo ich diesen Beitrag schreibe und Pippi spielt. Irgendwann, Pippis Augen sind schon ganz klein, steckt Herr Rabe sie in die Manduca. Ich tippe. Ich döse weg. Ich wache auf und tippe weiter. Jetzt bin ich fertig. Und reif fürs Bett. 

Tag 572 – WmDedgT im März ’17

Es ist spät, aber ich will noch schnell aufschreiben, was ich heute den ganzen Tag gemacht habe, schließlich möchte Frau Brüllen das heute wissen. Wegen der Uhrzeit und der anderen Uhrzeit auf dem Wecker gibt es aber nur Stichpunkte.

  • Ich war dran mit „Ausschlafen“, das heißt, als Herr Rabe um halb acht mit der greinenden Pippi aufstand, durfte ich noch eine Stunde dösen. In dieser Stunde hatte ich merkwürdige Stress-Träume, in denen ich in einem Kloster versuchte, ein WG-Zimmer zu finden und dafür allerlei Prüfungen machen musste.
  • Frühstück war lecker, ich habe am Freitag Abend endlich mal wieder Brötchen gebacken, die gab es.
  • Nach dem Frühstück versuchten wir, Maus zu gucken, das ging aber nicht. Michel war immer noch sehr fordernd-nörgelig und wir Erwachsenen davon abgenervt ohne Ende, also durfte er zwei Folgen Dinotrux gucken. Ich wünsche mir die Dinozug-Phase zurück. Während Dinotrux lief las ich meinen Feedreader leer und rekapitulierte dann aus Gründen etwas Wissen über die enzymatische Spaltung verschiedener Mehrfachzucker in ihre Einfachzuckerbestandteile. Dazu gibt es hier zeitnah was.
  • Herr Rabe ging von da nahtlos zum Räumen über, ich kam nicht so recht aus dem Quark und dödelte mit den Kindern und Twitter herum. Pippi schlief ein und ich legte sie ins Bett, dann malte ich ein bisschen mit Michel. Herr Rabe war schon auf dem Dachboden. Michel überraschte mich sehr (sehr sehr sehr und außerdem wäre ich fast vor Stolz geplatzt) als er seinen Namen auf das Blatt Papier schrieb. Krakelig, die Buchstaben unterschiedlich groß, das M hat einen Zacken zu viel, aber es ist alles erkennbar und er hat das einfach so gelernt, im Kindergarten, nehme ich an. Mit Vormalen durch mich schrieb er dann auch noch den Namen der Babysitterin und Pippis (richtigen) Namen. Wir zeigten das Ergebnis stolz dem ebenfalls sehr stolzen Herrn Rabe und dann kam auch schon die Babysitterin.
  • Pippi wollte partout nicht bei der Babysitterin bleiben, also schnallte ich mir sie auf den Rücken in die Manduca (wo sie wieder einschlief) und gesellte mich zu Herrn Rabe auf den Dachboden. Es musste heute nämlich wegen der anstehenden Bauarbeiten alles aus unserem Kabuff in ein etwas größeres Kabuff, das wir aber vorerst mit der Nachbarin von oben teilen. Außerdem mussten da auch die Möbel hin, mit denen die Wohnung hier vermietet wurde, die wir aber nicht nutzen (das Bett zum Beispiel). Im Zusammenhang mit der Räumerei wurde ein Beschluss gefasst, allen sperrigen Babykram (Klamotten erstmal nicht, weil zu viel Arbeit und lohnt sich weder finanziell noch platzmäßig) zu verschenken oder zu verkaufen, je nachdem. Das führte bei mir zu heftigem Schlucken, aber Vernunft und Gefühl sagen, dass mindestens ein paar Jahre ins Land gehen werden, bis ich mir überhaupt vorstellen kann, noch ein Baby zu bekommen und vielleicht wird das auch nie passieren. Was aber passieren wird, sind Umzüge und so und da Zeug mitschleppen, das man dann am nächsten Ort nur in das nächste Kabuff stellt „für den Fall der Fälle“, wäre totaler Quatsch. Ich fotografierte also weiterhin heftig schluckend und wehmütig seufzend und aber auch irgendwie befreit diverse Babydinge und werde sie in den nächsten Tagen ins Internet stellen. Schluck.
  • Ich rief meine Omi an. Nachdem ich ihren 85. Geburtstag total verdrabbelt habe (das war, als ich krank geschrieben war) wollten wir jetzt wenigstens unsere Urlaubspläne mitteilen. Wenig überraschend ist meine Cousine (die mit der Hochzeit in Portugal) schwanger, mein Opi verwirrt, meine Mutter meldet sich nie und es ist warm in Bielefeld. Überraschend ist auch meine Omi zunehmend verwirrt und außerdem hat sie ein Buch von Walter Moers gelesen (wir mögen Walter Moers beide sehr, haben ihr aber mehrfach gesagt, dass wir nicht glauben, dass ihr das gefallen würde), was ihr, wieder wenig überraschend, überhaupt nicht gefiel.
  • Dann machten wir einen Spaziergang. Erst diskutierten wir mit Michel erfolglos die Wahl der Draußenbekleidung. Er weigerte sich standhaft, seinen Winteranzug anzuziehen. Also ließen wir ihn mit Fleecejacke und Jogginghose raus. Ca. 25 Meter vor der Haustür sagte er „Mir ist kalt.“, was aber auf Nachfragen zu „Mir ist Wald.“ erklärt wurde. Schon klar. Naja, wir wollten ja nur bis zum Bakklandet, tranken dann da halt drinnen einen Kaffee und auf dem Rückweg rannte er dann den Großteil des Weges um nicht zu frieren. Ich fror auf dem Rückweg auch nicht, weil ich Pippi nach Hause trug, die nicht im Wagen sitzen wollte, aber beim Laufen wegen dem kalten Wind im Gesicht auch sehr fror. Dazu sang ich ihr „Der lustige Astronaut“ vor, beim „Laaaaalalalalaaaalaaaalaaaala“ machte sie nach dem dritten mal auch mit, das ist schon sehr niedlich, wenn sie singt. Alles in allem war es ein schöner Ausflug und vor allem eine willkommene Abwechslung vom Aufräumen. Und das beste: Rexto Plexto hat derweil die Bude gesaugt.
  • Sendung mit der Maus und paralleles Brokkoli-schnippeln. Wir mögen alle gerne rohen Brokkoli, deshalb kam nicht ganz die anvisierte Menge in der Suppe an.
  • Brokkolisuppe zum Abendbrot, dazu Brot und einen Klecks saurer Sahne. Michel brachte uns alle zum Lachen mit dem Spruch „Ich will auch Rømme, aber erst muss ich aufs Klo. Bis später dann!“ Dann servierte uns Michel noch Nachtisch: Weintrauben für Pippi (die sehr dankbar war) und Minipaprika und „Gurke“ für sich. Die Gurke war aber eine Zucchini, was er auf Nachfrage mit „Ja. Für Papa.“ erklärte. Dann holte er aber noch richtige Gurke, steckte Gurkenstücke und Paprika auf einen Spieß und aß es wie Schaschlik. Manchmal könnte ich den einfach auffressen, weil der so toll ist.
  • Rund ums Essenzubereiten haben wir schon mal angefangen, aufzuräumen. Morgen kommt ja Liv.
  • Nach dem Essen satt die satten Kinder ins Bett gebracht. Beide Erwachsenen schliefen kurz bei den jeweiligen Kindern ein. Nachdem Karen das in einem Kommentar hier vorschlug, habe ich beschlossen, nicht mehr dagegen anzukämpfen, sondern mich darauf einzulassen und zu hoffen, dass ich recht schnell wieder aufwache. Und es hat, zumindest heute, funktioniert. Erstens schläft Pippi schneller ein, wenn ich mich auch entspanne (sie will nicht mehr in die Manduca zum Einschlafen, sondern einfach im Bett liegen und kuscheln, es muss aber dunkel sein und Handy ist nicht) und ich döse eben eine halbe Stunde. Danach stehe ich wieder auf (so der Plan, und wie gesagt, heute hat’s geklappt) und mache mit dem Abendprogramm weiter.
  • Abendprogramm: Wohnung Liv-fertig machen, Pizzateig ansetzen, Gemüse für Pizza grillen, Brotdosen machen, eine Maschine Wäsche waschen, aufhängen, eine weitere Maschine Wäsche anwerfen, Spülmaschine laufen lassen, Schnecken füttern und sprühen, Müll runterbringen, eine email schreiben. Zähneputzenabinsbett.
  • Den Tag am Computer aufschreiben, damit’s schneller geht.

Und jetzt: ganz schnell schlafen!

 

Tag 545 – WmDedgT im Februar ’17

Es ist der 5., das heißt, dass Frau Brüllen von uns wissen möchte: Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?

Ja, erstmal früh aufstehen. Yeah. Mein persönlicher Tiefpunkt des Tages: vor halb acht die Kinder beide zum Teufel wünschen (da war Pippi schon ewig wach und hatte ihre Füßchen immer wieder in meine Unterhose gesteckt, kleine Füßchen, mit kleinen Knubbelzehen, mit scharfkantigen Zehennägeln), inklusive anschnauzen. Egal. Wer so schon morgens die Hoffnung auf den Mutterorden fahren lassen kann, der kann dann auch die Kinder Nutellabrötchen und Muffins frühstücken lassen. Auf die Art konnte ich mir genug Zeit erkaufen, um mir einen Kaffee zu machen und nach dem Kaffee war ich dann auch ein Mensch. Ein grummeliger immernoch, aber mit frischen Brötchen auf dem Tisch ging es dann weiter bergauf. 

Um halb neun waren wir mit dem Frühstück fertig. Gut das die Sendung mit der Maus da schon abrufbar ist. Wir räumten also zusammen das Frühstück weg und sahen dann Maus. Und dann Dino-Zug. Dann rief Herr Rabe an, der auf seinen Bus wartete und wir FaceTime-Redeten ein bisschen, wobei hauptsächlich die Kinder redeten und ich aufpasste, dass sie mein Handy pfleglich behandeln. Nach dem Telefonat waren die Kinder etwas aufgedreht und wir spielten ein bisschen Dino-Zug (Michel ruft dann „Zeit-Tunnel!“ und dann müssen wir uns alle festhalten und dann besuchen wir ganz tolle Dinosaurierfreunde), Pippi sogar mit Brille. 


Nachdem wir so munter durch die Zeit gereist waren, wollten wir duschen. Ich machte die Badewannen fertig, währenddessen zerdepperte Pippi Michels Glas. Alle barfuß und Glassplitter, wie schön. Immerhin holte Michel sofort den Staubsauger, als ich ihn darum bat. Und stöpselte ihn ein und machte ihn an. Und aus. Und an. Irgendwann hatte ich aber tatsächlich alle Splitter weggesaugt und wir gingen Baden / machten aus Ermangelung an 1,70 m langen Faltbadewannen andere Körperpflegedinge. Derweil schickte ich Rexto Plexto durch die Küche. Fertig gereinigt schmierten wir uns alle gegenseitig mit der neu gekauften Bodylotion ein, hatten dabei viel Spaß und dann zogen wir uns an. 

Zum Mittagessen machte ich uns aus den Resten von gestern Bratnudeln. Dabei kam bei Michel etwas Sprachverwirrung auf: 

Das ist aber auch komisch. 

Pippi war inzwischen hundemüde und Herr Rabe vermeldete, dass sie an Værnes vorbei gefahren seien. Ich überredete die Kinder mit Engelszungen zum Aufräumen im Wohnzimmer, Rexto Plexto saugte derweil das Esszimmer, ich komplimentierte die Kinder in ihre Draußensachen und dann gingen wir los, Herrn Rabe abholen. Nach drei Minuten Kinderwagengeschaukel war Pippi eingeschlafen. Michel war sehr aufgeregt und laberte in einer Tour. Als wir dann am Bus waren und Herrn Rabe wiederhatten, sagte er dann erstmal nichts. 

Zwei Minuten später hatte er sich gefangen und hörte von da an bis zum Einschlafen am Abend quasi nicht mehr zu reden auf. Wir gingen unter Erzählen einen Kaffee holen, wurden dann nach Hause gequatscht, dort wurde der Einkauf von Herrn Rabe ausgiebig kommentiert, uns wurde noch einmal etwas Dinozug erklärt, das Kochen und Aufräumen wurde kommentiert, das Essen selbst natürlich auch, ungelogen nicht mal beim Zähneputzen schaffte er es, nicht zu reden. Uff. Wir alle haben jetzt nicht nur einen Knopf an der Backe. 

Nach dem Essen (Nudeln mit Sauce) machten wir die Kinder bettfertig, putzten alle die Zähne und dann brachte Herr Rabe Michel ins Bett, während ich Pippi in den Schlaf schaukelte (mein armer Rücken). Wie durch ein Wunder schaffte ich es, sie ins Bett zu verfrachten ohne dass sie aufwachte und so konnte ich noch weiter aufräumen, morgen früh kommt nämlich unsere neue eventuell-Putzfrau. Aufregend!

So, und jetzt nehmen Sie’s mir bitte nicht übel, ich hab sicher die Hälfte vergessen, aber mir fallen schon beim Schreiben die Augen zu. Gute Nacht!

Tag 514 – WmDedgT Januar ’17

Yeah, Es ist der 5., es ist WmDedgT-Zeit bei Frau Brüllen. Es folgt: eine wirre Darstellung meines wirren Tages. 

Um sechs klingelte der Wecker. Ich war darüber sehr irritiert, weil ich offenbar gestern vergessen habe, meinen Lichtwecker zu stellen. Deshalb war zwar Lärm aber nicht hell und mein Gehirn und die zirkadianen Hormonspiegel sagten: Nacht. Schlaf. Es ist Nacht. Guck, so niedlich, die Kinder…

Ewig langes Gesnooze und Gekuschel mit allen später gelang es mir dann aber doch, Pippi so an Michel zu drapieren, dass beide Kinder glaubten, ich sei noch da und so konnte ich aufstehen. Herr Rabe hatte schon Kaffee gemacht und ich schaffte tatsächlich fast eine ganze Haarwäsche, bevor er mit beiden Kindern auf dem Arm im Bad auftauchte. Nun denn. Wir machten also uns alle fertig und standen uns auf den Füßen im Bad, dann frühstückten die Kinder und Herr Rabe musste los. Damit er sich verabschieden konnte, klopfte ich an die Tür des Kinder-/Gästezimmers um meine Mutter zu wecken. Die stand dann auch auf und verabschiedete sich und war dann etwas im Weg, während ich versuchte, die Kinder fertig zu bekommen. Ich zog mit einem Nagellackriss Fäden aus Pippis Wollbody, da war am Mittelfinger rechts was gerissen, egal, dachte ich, aber dann splitterte das alles sehr unschön ab und Michel rödelte eh noch was mit Oma, Also entfernte ich fix den Nagellack. Seither sind meine Nagelhäute etwas blau, sieht ein bisschen ungesund aus, ungefähr so, als bekäme ich wirklich sehr schlecht Luft. Tjanun. 

Nach ordentlicher Zeitschinderei von Michel waren wir irgendwann aufbruchsbereit. Michel bestand darauf, dass er mit „Papa abesprochet“ habe, dass er den Schlitten mit zum Kindergarten nehmen dürfe. Um die Diskussion, die bei -11 Grad im Hausflur geführt wurde, schnell zu beenden, knotete ich den Schlitten an den Anhänger, hängte den Anhänger ans Rad, steckte Kinder und KiTa-Rucksäcke in den Anhänger und fuhr Sattelschleppergleich zum Kindergarten. Trotz dicker Skihandschuhe froren mir dabei fast die Fingerkuppen ab. Und mein Gefährt war insgesamt bestimmt vier Meter lang oder so. Naja. Immerhin war es schon hell. 

In der KiTa dann das Übliche: Michel reißt sich beim Reinkommen schon die Sachen vom Leib, Pippi setzt sich freudig auf die Treppe und hält mir ihre Füße zum Schuhe ausziehen hin, ich verteile Schuhe und Handschuhe, sammele Michels Sour aus Kleidungsstücken ein und verteile sie auf die entsprechenden Haken, pelle Pippi aus ihrem Schneeanzug, dann aus dem Wollanzug, dann überrede ich Pippi dazu, den Rucksack an den Haken zu hängen, kriege noch einen Schmatzer (wenn ich Glück habe ohne Lecken und ohne Schnodderlippe, heute hatte ich Glück), winkewinke, fertig. Michel ist da meistens schon verschwunden und spielt irgendwas. Manchmal kommt er nochmal angelaufen und sagt Tschüss, ganz manchmal kriege ich sogar noch einen Kuss (wenn keiner guckt, dafür aber inzwischen zuverlässig ohne Lecken und ohne Schnodderlippe). 

Heute besonders: gepetzt, dass die Schulkinder mit den privaten Schlitten der Kindergartenkinder spielen (das ist sicher kein Problem, bis sich entweder ein Kind mal richtig weh tut oder ein Schlitten kaputt geht). 

Dann zur Arbeit gefahren. Das geht im Grunde dank der Spikes super auf dem festgefahrenen Schnee. Aber! Bei -11 Grad hat mein Rad scheinbar keinerlei Federung mehr, was bei der eisigen Buckelpiste echt kein Spaß ist und auf weichem, matschigem Schnee mit glatten Steinen darunter bringen die Spikes überhaupt gar nix. Ich muss mir für solche Wetterlagen ne alternative Route überlegen, im Bakklandet fahre ich wie auf rohen Eiern. Unspaßig. 

Obwohl ich dann wegen allem schon echt spät dran war, ging ich noch einkaufen, ohne was gefrühstückt zu haben konnte ich mir keine zwei Stunden Arbeit ohne die Aussicht auf ein Mittagessen vorstellen. Ich kam bis zum Joghurt (alle griechischen Jughurteimer waren am 03.01. abgelaufen) als mein Handy klingelte. Ich ging eine Nanosekunde zu spät ran. Der Kindergarten. Ich versuchte zurückzurufen, aber es war besetzt. Dann rief Herr Rabe an. Pippi habe Fieber. Ich sagte, ich könne sie abholen. Ich kaufte in Windeseile zu Ende ein, vergaß über dem Umplan-Film in meinem Kopf, dem Laden wegen des Joghurts Bescheid zu sagen, fuhr sehr kurz im Labor vorbei und sagte meinem Kollegen, dass wir die Einweisung in das Magnet-Pipettier-Roboter-Maschinen-Dings verschieben müsste, räumte den frisch gekauften Käse in den Kühlschrank und fuhr wieder zurück zum Kindergarten. 

Pippi spielte fröhlich mit den größeren Kindern. 38,9 Grad habe sie gehabt. Zwei mal, im Abstand von 30 Minuten gemessen. Sonst sei sie wie immer. Nur warm. Es ginge ja auch so viel Grippe und Norovirus rum und Windpocken ja auch und überhaupt. 

Pippi hat garantiert weder Norovirus noch Grippe noch Windpocken. Was gut ist. Aber diese Panikmache immer, die nervt mich inzwischen ein bisschen. 

Naja. Also Pippi in den Anzug, dann in den Anhänger, Anhänger ans Rad. Ab nach Hause. Pippi grantig hoch zehn, nicht weil sie sich krank gefühlt hat, nein, ich durfte kaum meine Schuhe ausziehen, da hämmerte sie schon an die Tür, denn hinter der Tür ist der Esstisch und auf dem Esstisch steht immer irgendwas zu Essen. 

Drei Portionen Grøt, zwei umgekippte Becher und allerlei nervige Konversation mit meiner Mutter später war Pippi satt und weiterhin grantig, jetzt wegen Müdigkeit. Also wickeln und dann ab ins Bett. Ich hatte immer noch nichts gegessen. Leider ließ sich Pippi dann nicht davon überzeugen, alleine zu schlafen, insgesamt dauerte es fast ne Stunde, bis ich mich mit knurrendem Magen und randvoller Blase aus dem Bett mogeln konnte. Immerhin hatte ich so Zeit für Feedreader und Blogkommentare und dergleichen. Las ein bisschen herum und habe eventuell jetzt sowas wie eine Idee, weshalb meine Mutter ist wie sie ist. Whatsappte mit Menschen, die sie auch kennen und erfuhr, dass andere Menschen diese Idee auch schon ganz unabhängig von mir hatten. Interessant. 

Interessant auch, mit so einer Idee im Kopf ein Gespräch mit ihr zu führen. Aufschlussreich. Ich sag mal so: Hmm, Hmm. (Ach ja: ich aß zwei Scheiben Brot. Es waren noch vier da, aber die anderen zwei hätte ich vermutlich mit harten Bandagen verteidigen müssen, die aß dann jemand, der solange ich denken kann behauptet, nur einmal täglich, nämlich abends, zu essen.)

Pünktlich zur Verabschiedung war Pippi nach einer laut auf den Boden gefallenen Handtasche wach. Also verabschiedete ich meine Mutter mit Pippi auf dem Arm, Pippi winkte brav, wenigstens diesem Kind wurde nicht erzählt, wie gerne man es ja klauen würde (mir aber ne halbe Stunde zuvor noch gesagt „Für Pippi bräuchte ich noch ne Woche…“) und dann waren Pippi und ich alleine. 

Der Rest des Nachmittags verlief entspannt, wir guckten ein bisschen fern (ich, Pippi schlief), spielten ein bisschen, aßen (also Pippi, das neue Brot war noch halb gefroren) ein bisschen, twitterten ein bisschen und schon waren auch Herr Rabe und Michel da. 

Aus geschwisterlichen Differenzen heraus sahen wir dann auf zwei Endgeräten Mausclips. Einer Sachgeschichten, einer Mausclips. Herr Rabe kochte Nudeln. Dann gab es Essen, alle, auch Pippi, schaufelten den Riesenhaufen Nudeln mit oder ohne Soße/Pesto/Ketchup in nullkommanix weg und dann war es endlich Zeit, das gestern angekommene Paket von meiner Tante zu öffnen. 

Ja. Also, wir haben jetzt ein paar schicke Anziehsachen für 6-7 jährige Jungs und 2-4 jährige Mädchen. 

Außerdem hat Michel einen Autotransport-LKW bekommen, mit Autos, und Pippi einen von Michel annektierten Teddy. Deswegen spielten wir danach noch ein bisschen Autotransport. Herr Rabe machte Feuer im Kamin und wir sahen Rexto Plexto beim Aufsaugen des Holsspäne-Asche-Zeugs vorm Kamin zu. Und dann war auch schon Bettzeit. 

Beide Kinder bettfertig gemacht, einem Pinguin (Michel) und einer Meckermaus (Pippi) die Zähne geputzt, mit Herrn Rabe Michels Bett frisch bezogen und Michel gute Nacht gesagt. Omas Teddybären und das Bügelperlen-Herz, das ihr Michel geschenkt hat, gefunden. Pippi in die Trage gesteckt, herumgetragen, ins Bett verfrachtet, jetzt liege ich hier und darf wieder nicht weg, Pippi liegt auf meinem Bauch und ist warm, ich blogge, Herr Rabe war schon los und hat ein Verpackungsdings für den Teddybären und das Bügelperlenherz besorgt und ich freue mich auf eine Nacht mit viel räumlichem Abstand zu allem was vorhin noch sehr nah an mir dran war. 

Tag 453 – WmDedgT November ’16

Es ist der 5., das heißt Frau Brüllen will wissen: Was machst Du eigentlich den ganzen Tag? 

Der Tag beginnt für mich recht früh, um sieben ist Pippi wach und will auch nicht weiterschlafen, sondern mir lieber ihren Finger in die Nase stecken. Ich stehe also mit ihr auf und mache mir einen Kaffee. Mir fällt ein, dass ich sowohl vergessen habe, die Linsen für die Linsensuppe, die es heute Abend geben soll, einzuweichen, als auch Vorteig für Brötchen anzusetzen. Ich hole also beides nach und mache dann Frühstück für Pippi und mich. Die Herren des Hauses schlafen noch. Wir frühstücken gemütlich, dabei lutscht sie ungefähr drölfzig mal die Marmelade vom selben Brötchenstück und reicht es mir dann zunehmend durchgelüllert wieder an, damit ich neue Marmelade drauf mache. Erst als ich das Brötchen in mikroskopisch kleine Häppchen schneide, die ich ihr dann mit Marmelade bestrichen komplett in den Mund schiebe, isst sie auch das Brötchen. Schlaues Kind. 

Nach diesem ersten Frühstück ziehe ich Pippi was an, inzwischen ist auch Michel wach, also mache ich den Rest des Frühstücks fertig. Wir (Pippi und ich) gehen also quasi nahtlos in ein zweites Frühstück über. Danach gibt es Shaun das Schaf für alle, Pippi schläft auf meinem Arm ein, wacht dann aber schnell wieder auf und guckt apathisch und schnarchend (!) aber mit Augen auf (!) Shaun das Schaf mit uns. Den Mutterorden für erfolgreich vermittelte Medienkompetenz, Unterpunkt „wann man lieber ausmachen sollte“ kriegt also heute wer anders. 

Wie wir so auf dem Sofa gammeln, merken wir, dass wir alle mal duschen müssten. Zuerst wird Michel in die Wanne gesteckt (mit Prinzessinnen-Schaumbad), dann macht er allerlei Quatsch und nörgelt rum, weil er nicht eingecremt werden will, ich aber wegen „Mama, mich juckt es!“ drauf bestehe. In der Zwischenzeit duscht Herr Rabe und Pippi badet derweil. Ich hole Michel einen frischen Schlüppi aus seinem Zimmer. Im Zimmer mieft irgendwas, irgendwie wie kalte Asche? Komisch. Michel eskaliert weil er bereits vor Monaten sein Aufzieh-U-Boot weggeschmissen hat, weil es nicht mehr ging. Komplett entnervt von dem Geschrei und überhaupt der ganzen bek***ten Automiephase schmeiße ich die Familie aus dem Bad und gönne mir erstmal eine lange Körperpflegesession. Yeah, Me-Time. Nahezu alleine, nur gelegentlich unterbrochen durch „Mamaaaa? Machst duuuu?“ schaffe ich Wellnesspunkte wie Beine rasieren und Spülung machen. Es ist der Hammer. 

Ich komme aus dem Bad und Michel brüllt, weil er kein Brötchen bekommt (weil wir keine mehr haben). Herr Rabe eröffnet mir, er habe rausgefunden, wieso es in Michels Zimmer so komisch riecht: eine Steckdose sei ganz heiß und würde stinken. Außerdem hinge an der gleichen Leitung eine weitere schmurgelige Steckdose und dann, hinter der Wand, der eine unserer beiden Heizkörper. Einfach abklemmen und auf Montag warten geht also nicht, weil kalt.  Ich möchte schreiend im Kreis laufen, natürlich am Samstag passiert sowas, ich möchte noch zum Stoffladen, was für ein Mist! Herr Rabe kontaktiert den Hausverwalter, der gibt sein OK für den Elektrikernotdienst, ich suche den Elektrikernotdienst raus (døgnvakt heißt sowas, falls sie sowas mal brauchen, ich musste erst rumgoogeln um das Wort herauszufinden) und rufe da an, der Bård ist sehr nett und erklärt mir, was ich jetzt machen muss (eine SMS an die Firma schicken mit Name, Adresse, Mailadresse und der Bestätigung, dass mir klar ist, dass die Anfahrt am Samstag 3000 NOK kostet). Irgendwann kommt eine Bestätigung. Michel will auf den „Bauarbeiter“ warten (er meint Handwerker, das führte letztes Wochenende schon zu einem großen Misverständnis, als wir auf eine (Kunst-)Handwerksmesse fuhren und er mit seiner Warnweste als Bauarbeiter verkleidet seinesgleichen unter den Strickomis suchte…), ich schnappe mir aber Pippi und fahre mit ihr zum Stoffladen. 

Vorher kratze ich noch das Auto frei und überprüfe die Klingel, die geht aber auch nicht, also schicke ich noch eine SMS an Bård, er soll doch bitte bei Herrn Rabe anrufen, wenn er da ist. Pippi schläft im Auto ein. Um zwanzig Minuten vor Ladenschluss bin ich im Stoffladen. Ich kaufe sehr viele gemusterte Jerseystoffe. Alle Kinder die wir kennen kriegen Mützen zu Weihnachten. Weil ich an diesem Samstag im November Frustshoppen war. Außerdem kaufe ich noch einen dunkelroten Stoff für einen Pulli für mich. Er sieht etwas arg braun aus, aber geht schon. Es sollen giftgrüne Bündchen und ein Hoodie-Rollkragen-Hybrid mit grünen Füchsen dran, da sähe zu kräftiges Rot vermutlich sehr nach Weihnachten aus. Denke ich mir. Was ich nicht bedenke, ist wie sich das rauswäscht. Spoiler: es sieht jetzt noch brauner aus. Ich hadere noch mit mir, was tun. 

Ich kaufe also binnen zwanzig Minuten den Stoffladen leer. Dann fahre ich zurück und nehme zum tausendsten Mal die falsche Abfahrt. Naja, egal, so komme ich am Rema vorbei und kann noch Haferflocken kaufen. Pippi hat sich im Auto die Schuhe ausgezogen und stapft auf Wollsocken aber im Erdbeeren-Regenmantel durch den Supermarkt. Es sieht zum Knutschen aus. Wirklich. Vor allem, weil sie jetzt ein Weglaufspiel spielt: ein paar Schritte vorgehen, umdrehen, gucken, ob wer guckt, dann unter lautem Freudengejohl und -gekreisch weglaufen. Beim gefangen werden sich kaputtlachen. Repeat. Das heitert mich auch sehr auf. 

Zu Hause ist schon ein Feuer im Kamin an, Herr Rabe erstattet Lagebericht: der Bård war da, war nett, hat alles gefixt, 6000 NOK. Uffz. Gut, dass die Bude nicht uns gehört. 

Michel ist nölig, Herr Rabe geht mit ihm raus und spontan nehmen Sie Pippi mit. Für mich beginnt Me-Time Runde 2: Brötchenteig machen und Linsensuppe kochen. Nebenher die Stoffe waschen. 

Die Familie kommt wieder, wir essen, Michel will mehr Würstchen, es gibt aber nur für jeden eins, Geheul, ich träume mich auf einen Planeten, in der Kinder diese Phase einfach überspringen. Herr Rabe geht mit den Kindern ein bisschen spielen, ich kümmere mich um die Brötchen, Herr Rabe bringt Michel ins Bett, ich schnalle mir Pippi auf den Rücken und kümmere mich weiter um die Brötchen, Pippi schläft ein, ich backe so vor mich hin und schneide ein bisschen Fleecestoff für ein Kleid für Pippi zu (Hab ich letzte Woche auf dem Handwerkermarkt gesehen, ist mir zu blöd, dafür 300 NOK hinzublättern, selbst den Stoff hatte ich noch zu Hause, den Schnitt hab ich mir kurz selbst überlegt, keine Ärmel, also easy), dann verfrachte ich Pippi ins Bett, es gelingt mir das sagenhafte Kunststück, sie vom Rücken ins Bett zu wuppen, ohne dass sie aufwacht, ich klopfe mir selbst auf die Schulter und verblogge den Tag. 

Tja, und dann ist auch schon jetzt. Müde bin ich. Aber dank gefixter Steckdosen kann ich erstens ruhig schlafen und zweitens morgen Nähen. Das wird schön. Me-Time. 

Tag 422 – WMDEDGT Oktober ’16 (Turbo edition)

Wheeeee, schon so spät, jetzt aber zackig! Hier, Dings, Frau Brüllen, Tagebuchbloggen.

  • Aufgestanden irgendwie zu knapp. Michel wollte noch kuscheln.
  • Kinder fertig machen, Michel langsam, Pippi gefräßig.
  • Kinder zum Kindergarten bringen, Michel gesprächig. Michel will kein Dieb sein, weil man dann ins Gefängnis kommt. Ich bin darüber froh.
  • Zur Arbeit fahren, schweinekalt.
  • Arbeitarbeitarbeit, nix besonderes. Räume Schreibtisch auf und nehme mir Artikel mit, die ich in den nächsten Tagen vermutlich nicht lesen werde.
  • Ich checke für die Flüge ein. Dann suche ich mir Bahnverbindungen in Porto raus und schreibe sie total Oldschool auf einen Zettel, weil das Einloggen in meinen Google-Account aus diversen Gründen fehl schlägt (wo ist das Pipe-Zichen auf einer norwegischen Tastatur?).
  • Kurz Feueralarm, nutze ich um mir einen Kaffee zu holen.
  • Arbeitarbeit.
  • Nach Hause fahren.
  • Kleider anprobieren. Man weiß ja nie, was einem nach Schwangerschaft und Stillzeit noch so passt. Passt aber. Puh.
  • Kinder abholen. Michel langsam, Pippi gefräßig. Hat wieder nix gegessen zum Mittag, futtert mir aber noch  in der Umkleide die Brotdose leer.
  • In den Briefkasten gucken: Mein Ring ist wieder da! Ich war schon mittelmäßig besorgt.
  • Hände waschen, leere Brotdosen verräumen, Klamotten auf Haken verteilen, anfangen zu spülen, dann Krisenintervention im Wohnzimmer: Pippi hat Michels Haus auseinandergebaut.
  • Herr Rabe kommt und übernimmt die Kinder: ich kann weiter spülen. Hurra.
  • Essenplan wird umgeworfen: wir kriegen nächste Woche neues Lammfleisch, Parole: Gefrierschrank leer essen. Wir tauen Pickert auf.
  • Die Mikrowelle übernimmt das mit dem Auftauen, ich packe derweil meinen Ring aus. Der ist wie neu, es liegt eine Karte mit einem ganz lieben Gruß von Lars (dem Designer) dabei, aber keine Rechnung. Ähm.
  • Pippi sitzt schon wieder auf dem Tisch und schmeißt eine Flasche Wasser um. Ich wische und vergesse darüber kurz die nicht vorhandene Rechnung.
  • Das Essen ist warm. Wir essen. Michel nicht, der will Brot, weigert sich aber standhaft das höflich zu formulieren („ICH WILL JETZT SOFORT BROOOOOOT!“), woraufhin wir uns standhaft weigern, ihm ein Brot zu schmieren. Alles eskaliert.
  • Eine Stunde später: Michel hat immer noch nichts gegessen. Ich frage ihn: „Möchtest du ein Brot?“, er sagt „ICH WILL DAS NICHT SO HÖÖÖÖÖREN!“.
  • Eine weitere viertel Stunde später antwortet er auf die gleiche Frage mit ja.
  • Michel kriegt Brot, muss dabei auf meinem Schoß sitzen.
  • Ich schiele auf die Uhr. Bettzeit und Packzeit. Eigentlich. Michel isst noch. Pippi turnt rum.
  • Bettzeit wird ausgerufen. Ich lese Michel das „Wir sind jetzt vier“ Buch vor, er will das unbedingt. Im Kindergarten sprechen sie grade darüber, wie der Körper so von Innen aussieht und ja, auch darüber, wo die Babys herkommen.
  • Zehn Sekunden nach Schließen der Buchdeckel schläft Michel wie ein Stein. Ich höre Pippi begeistert „DAAAAAA!!!“ rufen.
  • Kleider bügeln. Ich hasse bügeln.
  • Packen. Herr Rabe schaukelt Pippi in den Schlaf. Dann geht er noch mit ihr Milch kaufen, die reicht nicht mehr für morgen.
  • Geld (Euro) und Pass zusammensuchen.
  • Geschenk basteln: Das Paar wünscht sich nichts. Ich komme diesem ungewöhnlichen Wunsch fast nach und schreibe auf eine weiße Karte mit Zitronensaft Sachen, dann bastle ich mit tatkräftiger Hilfe von Herrn Rabe eine Teelicht-Tüte aus Brotpapier, mit ausgeschnittenen Buchstaben-Herzen-Dingen. Ich habe gebastelt. Ich.
  • Während Herr Rabe noch Buchstaben ausschnitzt dusche ich und entferne hastig diverse Haare an mir.
  • Runterladen des neuen Blink-182-Albums, das ich bei Amazon als CD gekauft habe.
  • Sichern von tausend Folgen Lila Podcast.
  • Tag aufschreiben, dabei den letzten Pickert essen, mit Apfelmus. Essen Sie Pickert mit Apfelmus, das ist sehr lecker.
  • Jetzt gleich ZähneputzenabinsBett, morgen klingelt der Wecker um viertel nach fünf. Uff.

Tag 390 – WMDEDGT September ’16

Es ist der 5., es ist WMDEDGT bei Frau Brüllen.

Sechs Uhr: alle Wecker gehen gleichzeitig. Kurzer Check: Pippi liegt neben mir (mit den nackten Füßen an meinem Oberschenkel, wie immer), Herr Rabe ist auch da, Michel nicht. Erstmal Snooze.

Dinge passieren (hallo, Snooze-Taste…), jedenfalls stehen wir dann doch zu spät auf, duschen sehr schnell, Kaffee für die Großen, Grøt für die Kinder machen, Michel wecken, Herr Rabe muss los. Kinder abfüttern (im Moment sind beide Fressmaschinen, das Grøt ist am Ende fast alle, Pippi zieht sich noch heimlich im Stehen auf seinem Stuhl Michels Reste rein), anziehen, allen die Zähne putzen, mich schminken und zack, zack, Wachs in die Haare, Ohrringe rein, die gestern schon gemachten Brotdosen in die Rucksäcke: Abmarsch. Es ist 08:15.

Als alle ihre Jacken und Regenhosen und Fahrradhelme und Schuhe anhaben und in und auf ihren Fahr-Devices sitzen, beamt sich der Uhrzeiger auf 08:32. Gnaaahh, das ist zu spät, ich habe Meeting um 09:00. Um 08:42 habe ich Michel erfolgreich zum Kindergarten gequatscht, hänge Jacken auf und stelle Schuhe ins Regal und schwitze ein bisschen und schnauze auch ein bisschen Michel an, der natürlich erst Hilfe dabei will, seinen Helm aufzuhängen, während ich zwei Rucksäcke, eine Matschhose und Pippi balanciere. Oben angekommen wird Pippi ohne viel Tamtam der Erzieherin übergeben. Die fragt mich, ob ich am Samstag beim Marathon mitgelaufen wäre. Ich lache. Pippi weint. Michel geht spielen. Auf dem Weg nach draußen hänge ich Michels Helm auf, reiße mir die Überschuhe von den Füßen und sprinte zum Rad. Dann rase ich wie eine gesengte Sau zur Arbeit (08:49). Um 08:59 (Rekord!) stelle ich mein Fahrrad ab. Wegen Abschließen und Weg bin ich dann zwar doch erst um 09:04 im Meetingraum und ich habe auch noch meinen Helm auf und meine Jacke an, aber es hätte schlimmer kommen können.

Meeting bis 09:30, super langweilig. Einziger interessanter Punkt: am Freitag wird hier Kreftfest sein (also Flusskrebse essen, dabei vermutlich trinken und gesellig™ sein). Es wird nochmal drauf hingewiesen, dass Sozialising wichtig ist. Innerlich lache ich mich kaputt. Äußerlich lasse ich mir nichts anmerken. Dann geht es um die Weihnachtsfeier, „die können wir ja näher an Weihnachten haben, an einem Freitag am besten“, ich rufe von hinten „SIXTEENTH“, das wird eingetragen, fertig. Keine Diskussion. Sozialising ist wichtig.

Nach dem Meeting verbringe ich geraume Zeit mit dem vergeblichen Versuch, meinen Computer hochzufahren. Er hängt sich aber immer irgendwo im Anmeldeprozess auf. Statt mich aufzuregen, gehe ich in den nahe gelegenen Supermarkt und kaufe fürs Frühstück und Mittagessen der nächsten Woche ein. Es gibt norwegische Äpfel, die wunderbar riechen und ebenso schmecken, das ist schön. Außerdem gibt es den neuen Weißkohl. Das heißt, ich kann demnächst mal Sauerkraut machen (das norwegische Sauerkraut schmeckt nicht).

Ohne Frühstück habe ich um elf großen Hunger und esse einfach schon mal Mittag. Mein Computer startet ja eh nicht. Ich versuche, das IT-department zu erreichen, aber erst ist besetzt, dann geht niemand ran. Ich schreibe eine Mail.

Nach dem Essen gehe ich ins Labor. Ich habe eine mail mit den Ergebnissen von letzter Woche bekommen und kann mit meinem Versuch weiter machen. Also mache ich, dann habe ich sehr viel Zeit zwischendurch (Inkubation, ich hab echt keinen Job für Ungeduldige) und dödel im Internet rum. Mein Computer geht weiterhin nicht. Ich stelle fest, dass sich um 13:00 schon elf Menschen beim WMDEDGT verlinkt haben und denke da ein bisschen drauf rum, außerdem wundere ich mich öffentlich bei Twitter und bekomme die Erklärung, dass man sich ja schon mal morgens verlinken und dann fortlaufend aktualisieren kann. Ich denke mit der Erklärung da weiter drauf rum und entschließe mich dann, das nicht so zu machen. E-mail-Abonnenten zum Beispiel würden dann ja immer nur den ersten Happen zu Lesen bekommen, bei machen Feedreadern ist es auch so: find ich blöd. Dann bin ich halt Nummer 120 in der Linkliste – was solls. Aber ich fange schon mal an zu schreiben, ich hab ja Zeit. UPDATE: Ich bin Nummer 48.

Irgendwann ist dann auch mal die Stunde Inkubation rum, ich mache im Labor weiter und habe dann ZWEI Stunden Inkubation. Meh. Ich geh Kaffee holen.

Mit Kaffe in der einen Hand und Handy in der anderen tausche ich mich mit Freundinnen über die Wonnen des Lebens mit Dreijährigen aus. In Echt tauschen wir Erfahrungswerte, wie oft wir so unsere Kinder anschreien (oft) und wie viel es bringt (nix) aus. Tjanun. Wir arbeiten an uns und sind uns unserer erzieherischen Unzulänglichkeiten bewusst, das ist ja schon mal was.

Zwischendurch rufe ich noch bei der Versicherung an und frage nach, was schiefgelaufen ist und warum ich Post vom Straßenverkehrsamt bekommen habe, mein Auto sei nicht versichert und sie würden es demnächst aus dem Verkehr ziehen. Ist natürlich alles gar kein Problem und schon lange erledigt, warum ich vor Wochen auf meine Mail keine Antwort bekommen habe, weiß natürlich auch keiner.

Zeitgleich mit einer Mail vom IT-Support, dass sie das total bedauern und dran arbeiten und das aber grad bei vielen Computern der Fakultät so sei, geht mein Computer plötzlich wieder. Gut, dann tippe ich da. Gucke über meine Daten, werde nicht schlau draus, google herum, werde etwas schlauer, zack, zwei Stunden rum, wieder ins Labor. Eine weitere Stunde später friere ich mal wieder alles in drei unterschiedlichen Gefrierschränken auf zwei Stockwerken und bei zwei unterschiedlichen Temperaturen ein, dann schreibe ich noch eine mail, in der ich den Leuten, die jetzt damit weitermachen müssen, erkläre, was ich gemacht hab (it’s natürlich magic!) und dann ist Feierabend und ich fahre nach Hause.

Zu Hause dann Kinderbespaßung und Essen machen (helfen, Herr Rabe macht das meiste der Arbeit, ich koche nur Reis und ziehe Tomaten ab), den von Pippi ausgeräumten Papiermüll wieder einräumen, dann Essen. Dabei Gespräche mit Michel:

Michel: „Ich und H. und M. und A. sind beste Freunde. Wir spielen immer zusammen. E. nicht.“
Ich: „Warum denn nicht E.?“
Michel: „Weil der ist nicht nett.“
Ich: „Warum ist der denn nicht nett?“
Michel: „Der sagt immer so Politi und Bæsj*. Das mag ich nicht so gerne.“ *Kacke

Fünf Minuten später, mit dem Essen fertig.

Michel: „Ich brauche so Papier! Und Stifte!“ *Fummelt sich im Schritt rum*
Herr Rabe: „Musst du nicht vielleicht erst mal aufs Klo?“
Michel: „Ja! Und Pillern! Und Kacken! So ganz viel!“

Herr Rabe bastelt noch mit Michel, ich mache Pippi bettfertig (die Rübennase hat sich Reis und Eis komplett überall hingeschmiert, es ist eine wahre Freude), dann mache ich noch ein zuckersüßes Video wie Pippi ganz nonchalant auf mich zu läuft (auf zwei! Beinen! Wir sind alle sehr stolz!), dann schaukele ich Pippi in der Manduca in den Schlaf, während Herr Rabe Michel ins Bett bringt. Dann muss Herr Rabe zum Sport, ich räume mit Pippi in der Manduca auf, füttere und wässere die Schnecken, spüle ab und dann gelingt mir sogar noch das Kunststück, Pippi schlafend ins Bett zu legen. Die günstige Gelegenheit nutze ich, um mein Gesicht zu waschen (ich hab jetzt das Reinigungsöl von dm und das ist mal ein echter Fortschritt in meiner Gesichtspflegeroutine!) und mich einzucremen, das geht mit Kind umgebunden sehr schlecht.

Und jetzt sitze ich hier am Küchentisch, trinke Wasser und esse schwedische Zitronenkekse und schreibe auf, was ich so den ganzen Tag gemacht habe. Das werde ich dann gleich verlinken und danach (! Für e-mail- und Feedreader-Leser!) versuchen, dass Pippi-Video hochzuladen. Das kann aber dauern. Aber es könnte sich lohnen, dann später nochmal vorbei zu schauen *augenzwinker*.


 

Tag 359 – WMDEDGT August ’16

WMDEDGT (was machst du eigentlich den ganzen Tag) ist eine Tagebuchblog-Aktion der äußerst geschätzten Frau Brüllen

Weckerklingeln um 6:30 Uhr. Gesnoozt bis viertel vor sieben. Ist im Rahmen. Aus dem Bett gepirscht, rein mit der Eisen-Sprudeltablette, raus mit dem Brot aus dem Gefrierfach (warum der Herr Rabe das dauernd übersieht, dass das Brot alle ist, ist auch so ein ewiges Rätsel), Brötchenvorteig angesetzt, Sauerteige hochgefüttert, mich fertig gemacht, Kaffee gemacht, Michel wach. Den Kindern Frühstück gemacht (Grøt, also Porridge) und dabei Kaffee getrunken, Zähne geputzt, um kurz vor acht endlich unterwegs. 

Plastikmüll weggebracht, oben auf den Container gelegt, weil der Container schon hoffnungslos überfüllt war.

Abfahrt Müllcontainer 07:59. Møllenberg, Bakklandet, am Fluss lang, am Samfundet über die Ampel (2 Minuten auf grün warten), Ankunft Fahrradkäfig 08:10. Ankunft Laborplatz 08:15. Der Schrittzähler meldet 1482 Schritte: das ist wohl das Kopfsteinpflaster im Bakklandet. 

Antikörper gekoppelt, Minihappen Frühstück vorm Computer, zwischendurch schon Gedöns für den großen Zellkulturversuch vorbereitet. 20 Minuten Mittagspause mit zwei Scheiben Brot und 6 Kirschtomaten, mehr war nicht mehr da und zum Einkaufen keine Zeit, bei der Mittagspause Gespräche von arroganten Lerchen-Menschen belauscht getwittert. Weiter gekoppelt. Angefangen mit dem Ausplattieren von Kultur 1 von 6: Medium ab, waschen, Ablöse-Enzym drauf, kurz warten, mit Medium stoppen, Zellen aus der Flasche spülen, zählen, ausrechnen, wie die verdünnt werden müssen, verdünnte Zellbrühe ansetzen, wieder zählen, auf Platten verteilen, Backup-Flaschen machen, alles wieder in den Brutschrank räumen. Mal vier Flaschen. Und aseptisch. 

Antikörper fertig gekoppelt. Es ist schon eins, wie ist das denn passiert, um zwei soll ich beim Kindergarten sein. Das Handy plingelte: ‚holst du die Kinder ab?‘ Ähh. 

Zellkulturen 2-6. Um halb zwei zurückgeschrieben: ’nicht vor 3′. Herr Rabe schreibt zurück, dass er sie holt. Um viertel vor vier bin ich fertig, in jedem denkbaren Sinn des Wortes. 117 Platten. 

Vorher.

Nachher.

Sogar meine Autokorrektur kann nicht mehr.


Batterie aus dem Büro geholt und direkt nach Hause. Ankunft zu Hause: 16:11 Uhr. Viele Trondheimer fahren mit sehr platten Fahrradreifen durch die Gegend. 
Pippi wollte kuscheln und stillen, machten wir, dann gab es noch etwas Brot für alle und Abmarsch zum Matfestival (Essens-Festival, wenn Sie mal Bärenfleisch essen wollen: kommen Sie zum Matfestival!) um fünf wegen vermuteter Schließzeit um sechs. Ankunft am Matfestival halb sechs, Pippi eingeschlafen, alles angeguckt und Michel bei 90% der Dinge das Kaufen ausgeredet, einen Öko-Burger gegessen, Michel beim Essen einer Öko-Bratwurst (ja, einer echten, richtigen Bratwurst, nach deutschem Rezept) geholfen (also die Wurst immer wieder aus dem Brot rausgeschoben, damit das Kind bloß nichts vom Brot essen muss…), weiter geschlendert und die Kinder-Ecke entdeckt. 

Michel backt sein eigenes Knäckebrot.


Jaja, ich hab die hübschesten Kinder der Welt. Hier der Beweis.


Man konnte sich seinen eigenen Smoothie erstrampeln.


Überhaupt war die Kinderecke am coolsten. Da gab es Krebse im Aquarium zum Anfassen, Fische, die man essen kann in tot zum Angucken (so ein ganzer Steinbeißer sieht ja auch etwas gruselig aus), Fische und Muscheln und Krebse und Garnelen und was weiß ich noch alles zum Angucken im Aquarium und so weiter. 

Um sieben, als das Festival dann doch mal schloss, die Kinder losgeeist und den Heimweg angetreten. Auf dem Weg noch ein Eis, dann Geschrei, dann gewickelt (im Stehen auf dem Kinderwagen…), dann Geschrei vorbei und Geruchsnerven für immer tot. Schade. 

Zu Hause angekommen um viertel nach acht, komplett in Eimer und eigentlich alle Mann reif fürs Bett. Doch dem aufmerksamen Leser wird es nicht entgangen sein: der Brötchenvorteig!

Brötchenteig angesetzt, Kinder vertröstet, Herr Rabe brachte Michel ins Bett, Sauerteige für Brot angesetzt, Brötchenteig betuddelt und kurz nicht gesehen, dass Pippi den Salzstreuer ausleert, von Pippi Salz ins Gesicht gerieben bekommen, Salz vom Herd und der Umgebung weggesaugt, Pippi gestillt, an Herrn Rabe übergeben, Brötchen geformt, Gesicht gewaschen, wollte Pippi übernehmen, die schlief aber schon halb auf Herrn Rabes Schoß, also doch nicht, statt dessen bloggen. 

Jetzt ist die erste Brötchenfuhre im Ofen, der Schrittzähler meldet knapp 14.000 Schritte, so fühlt sich auch alles an. Puh. 

Tag 328 – WMDEDGT Juli ’16

Heute ist wieder der fünfte und das heißt, Frau Brüllen will von uns wissen, was wir den ganzen Tag so machen.

Heute begann damit, dass ich nach einer weiteren ziemlich schrecklichen Nacht eigentlich beim Weckerklingeln beschlossen habe, noch eine Stunde liegen zu bleiben. Fünfzehn Minuten später war Pippi wach und weckte durch ihr Herumgeturne auch direkt Michel mit auf. Gaaaanz toll. Also stand ich doch mit beiden auf, wechselte Pippis Windel, machte mir Kaffee, ging duschen, putze Michels Po ab, schmierte Michel Brote. Alles im Zombiemodus. Und während Herr Rabe weiterschlief.

Wie immer in den letzten Tagen überlegte sich Michel just in dem Moment, als ich zur Tür raus wollte, dass er von mir in den Kindergarten gebracht werden wollte. Ich erklärte, ich müsse zur Arbeit. Er brach in Geheul aus. Ich tröstete nach Kräften, kuschelte noch ein bisschen mit ihm, erklärte und machte und tat, aber es half alles nichts. Am Ende musste ich wirklich dringend los und ließ ein brüllendes Kleinkind und ein hungriges Baby bei Herrn Rabe.

Dann bastelte ich fluchend den Fahrradschlosshalter an ein anderes Rohr an meinem Fahrrad, weil an der alten Anbringestelle irgendeine ungute Schloss-Kabel-Kombination nervtötend gequietscht hatte. Quietschfrei* fuhr ich zur Arbeit. 10 Minuten frische Luft und Bewegung und ich bin ein fast ganz anderer Mensch.

Weil ich bei der Arbeit eh durchs Labor reinkomme, guckte ich kurz auf meine Zellkulturen und entwarf fix einen Arbeitsplan. Medium ins Wasserbad und weiter ins Büro. Kram abladen und Frühstück holen. Dann Frühstück vorm Computer und dabei verzweifelte Suche nach den richtigen Zellen in unseren drei Stickstofftanks. In Power-Point-Sheets ist da eigentlich alles vermerkt, aber ich bin ja immer hypergenau und wenn dann da „HeLa S3 old“ steht, wo ich nach „HeLa“ gesucht habe, macht mich das total nervös. Egal. Letzten Endes taute ich dann „HeLa S3“ ohne alt oder neu, dafür von ’98 auf. Mal sehen, wie die sich so machen. Keine zwanzig Minuten später kam eine e-mail, in zwei der Stickstofftanks seien lose Boxen gefallen, da kriege man die Türme jetzt nicht mehr rein. Die müssen geleert werden, um an die Boxen zu kommen, das passiert jetzt über den Sommer und überhaupt könne man dann mal Ordnung in die Zellen bringen. Jaja.

Nach Zellkulturpflege ging ich Mittagessen kaufen. Kirschtomaten für 10 €/kg, ein Kohlrabi für knapp 2 €/Stück (es gibt grade Kohlrabi! ich raste aus!), eine Birne für fast 4 €/kg. Es ist zum heulen hier.

Mittagspause alleine. Juli in Norwegen ist einsam.

Bewaffnet mit diversen Protokollen wieder ins Labor. Hydrolyse von ein paar Proben, während der Wartezeiten Puffer und Gedöns angesetzt. Pakete entgegengenommen. Dabei Podcast gehört (ein <3 an den kleinerdrei-Podcast). Irgendwann fertig mit Puffern aber trotzdem noch Wartezeiten übrig: Kaffee geholt und in der Sonne draußen getrunken (heute ohne Besuch von jungen Möwen. Die machen mich immer sehr nervös, weil wo junge Möwen sind, sind die Eltern nicht weit. Und wenn die Eltern finden, dass man zu nah an ihren Babies ist, greifen die an.). Noch ein paar Handgriffe, alles ins Papierlose (Neuerung!) Laborjournal eingetragen und Feierabend. Quasi auf dem Weg aus der Tür kam mir mein Schweizer „Kollege“ (nicht wirklich, er macht nur einen Forschungsaufenthalt bei uns) entgegen und berichtete von der Horrortour des Wochenendes: Er, seine Frau und die drei Kinder (alle unter 5) sollten Sonntag Mittag von Zürich über Oslo nach Trondheim fliegen. Dann hatte der Flug von Zürich Verspätung, sodass sie den Anschluss in Oslo nicht bekommen hätten. Sie wurden also umgebucht auf einen Flug nach Stockholm, der dann (spät) abends Anschluss nach Trondheim hätte haben sollen. Der hatte dann aber auch Verspätung, sie kamen zwar nach Stockholm, wurden da aber direkt ins Hotel verfrachtet. Am Flughafen, wohlgemerkt, nicht IN Stockholm. Für ZWEI Nächte, denn Montag seien alle Flüge schon voll. Tja, so gewannen sie einen Tag im Flughafenhotel Arlanda Airport (sie fuhren in die Stadt, aber alle waren ziemlich fertig und gerädert) und kamen heute nach zwei Tagen Tortour endlich in Trondheim an.

Nun ja, ich fuhr nach dieser fürchterlichen Geschichte los, traf Herrn Rabe und Pippi, die auf Shoppingtour waren und begleitete sie ein Stückchen. Fuhr dann fix weiter nach Hause, schmiss meinen Rucksack rein und fuhr wieder los um Michel abzuholen.

Michel abholen dauerte eine geschlagene Stunde, weil sein Kumpel H. wieder da ist und wir mit denen ein Stück Weg „gingen“, also spielten und turnten und Quatsch machten. Und dann musste Michel noch Blumen am Weg pflücken. Und an jedem Hundehaufen anhalten. Gnaaaaahhhh.

Wieder zu Hause gab es eine fixe Wäsche für Michel, ein paar Erdbeeren für Pippi, ein trockenes Brötchen für mich, weil ich sonst wen gebissen hätte, und dann irgendwann endlich Essen für alle. Während des Essens sprach ich mit H.s Mutter ab, dass wir uns später noch im Park treffen würden. Nach dem Essen machte ich Pippi schon mal Bettfertig, Michel zog sich was halbwegs sauberes an, wir packten die letzten zwei kleinen Vanilleeis ein und dann gingen wir mit Fahrrad und Kinderwagen in den Park.

Michel und H. spielten ziemlich wild, aber alleine, Pippi turnte auf einer Bank herum und wir Erwachsenen unterhielten uns. Irgendwann war Michel im Brunnen, weil H. das Duplo-Auto etwas zu weit hereingeworfen hatte. Immerhin hatte er sich vorher die Schuhe ausgezogen und die Hose hochgekrempelt, deshalb war nur die Hose nur untern ein bisschen nass. Herr Rabe zog trotzdem los, ein Handtuch holen. Kaum hatte er sich umgedreht, rutschte Michel im Brunnen aus und landete auf dem Po. Bis zur Brust im Wasser. Er kam dann auch gleich angewackelt, H.s Mutter und ich zogen ihm die klitschnassen und eiskalten Sachen aus und Michel bekam die Jacke von H.s Mutter geliehen, damit ihm nicht zu kalt sei. Also flitzte er mit einem Hoodie Größe L über den Spielplatz, bis Herr Rabe zurückkam. Und dann noch etwas mehr, bis Herr Rabe ihn einfangen konnte.

Irgendwann schafften wir es dann aber doch nach Hause. Ich verfrachtete Pippi direkt ins Bett, während Herr Rabe Michel noch mal warm abduschte und dann auch bettfertig machte. Pippi schlief beim Stillen sehr schnell ein, war dann aber auch schnell wieder wach und wollte ewig Nuckeln. Nach einigem Hin und Her und Diskussion und Gebrüll schlief sie aber dann doch wieder ein und ich sitze jetzt hier und schreibe auf und möchte sehr gerne ein Eis, aber ich befürchte, sobald ich hier fertig bin und zum Kühlschrank gehe, wird Pippi wieder wach.

Also gucke ich noch ein bisschen die Schnecken an, die hier neben mir stehen und Süßkartoffel fressen. Der einen klebt ein Stückchen Eierschale am Häuschen. Papa-Schnecke ist schon ziemlich gewachsen. Die anderen auch, aber bei Papa-Schnecke fällt es mehr auf. Morgen wird das große Terrarium geliefert. Dann können sie eventuell umziehen, mal sehen. Nötig ist es glaube ich noch nicht.

 

*Ein Kabel ist komisch verlegt und quietscht immer noch. Es nervt mich zu Tode. Tipps?

 

Tag 299 – WMDEDGT Juni ’16

WMDEDGT (Was machst du eigentlich den ganzen Tag) ist quasi der monatliche Aktionstag Tagebuchbloggen und wird von Frau Brüllen gehostet. 
Der Tag begann mit schreiendem Baby. Und dann nochmal eine Stunde später mit einem kuschelnden Kleinkind und der langsam durchsickernden (haha) Erkenntnis, das bei selbigem die Notfall-Schlüpferwindel nicht gehalten hatte. Also Bett abgezogen, alles in die Waschmaschine. Michel wollte seinen feuchten Schlafi partout nicht ausziehen, weshalb wir uns schon vor dem Frühstück anschrieen. Nachdem ich kurz eine Tür geknallt und etwas geatmet hatte, war das Frühstück fertig und siehe da, nach einem Kaffee ging alles schon viel besser. Außerdem lagen drei Kinderfreie Stunden vor uns: Michels Babysitterin sollte kommen und parallel die Oma Pippi im Kinderwagen herumfahren. Dann kam die Oma viel zu spät („Guten Morgen!“ flötend. Um viertel nach eins.) , Pippi war inzwischen auf mir eingeschlafen, meine Laune wieder im Keller, Herr Rabe putzte schon mal (Michel war ja pünktlich abgeholt worden). Als Pippi und Oma abgedampft waren (Pippi natürlich wach) ging ich duschen und putzte danach das Bad. Kinderfrei heißt bei uns: Haushalt, Finanzen und anderes romantisches Gedön. Also schrubbte ich Fußabdrücke in Größe 18 in Wickeltischhöhe von der Außenseite der Duschkabine. Dann wischte ich und Zack, war es drei und Michel samt Babysitterin vom Ausflug auf den Bauernhof zurück. Meine Laune weiterhin eher nicht so gut. Draußen super Wetter. Nach weiteren 15 Minuten waren auch die Oma und Pippi zurück, recht fröhlich und meine Mutter mit deutlichem Sonnenbrand. Heller Hauttyp, rote Haare, und keine Sonnencreme dabei. Ich schenkte ihr den Rest einer Flasche, das kann ich ja nicht verantworten sonst. Und Sonnencreme ist hier auch einfach echt teuer. Da jetzt wegen vielleicht vier mal eincremen ne Flasche kaufen? Naja egal, jedenfalls gab es dann erst mal Kaffee und Kakao und Joghurt für alle die wollten, Herr Rabe bastelte kleine Rankhilfen und dann gingen Michel, meine Mutter und ich in unseren Minigarten, um einen Teil unserer Wartepflanzen auszuwildern. Versehentlich weckten wir dabei die Nachbarin von ganz unten, die in der Hängematte schlief. Im Gegenzug durften wir uns deren Gartengerät und Blumenerde leihen. Michel und ich pflanzten also erstmal die Silberbäumchen und dann die Stockrosen ein, dann band ich die Stockrosen hoch, Michel drehte ein paar Beetbegrenzungs-Schieferplatten um und fand allerlei interessantes Kriechtier, dann schnitt er den Rasen mit seiner Bastelschere, wir gossen die Blumen an und zum Abschluss bekam Michel vom Nachbarn von ganz unten noch Möhrensamen geschenkt, die wir dann natürlich auch wieder in Pötten aussähen mussten. 

Sechs mal zwei Stockrosen (die, die aussehen, wie am Galgen), ganz rechts die Silberbäumchen.


Zwei Pötte raus, zwei Pötte rein: hier wachsen also demnächst Möhren.


Links die Minigurken, mit den Schaschlikspieß-Rankhilfen. In der Mitte Minichili-Bäumchen, rechts gestern von Michel angepflanzte Zuckerschoten.


Also unsere Fensterbank wird so auch nicht leerer. Ziel ist, die Minigurken in ca. zwei Wochen auch auszusetzen, dann können die den hässlichen Zaun überwuchern. Aber erstmal müssen die etwas größer und robuster werden. 

Danach etwas Gespiele, Pippi war auf Herrn Rabes Arm eingeschlafen und weil der Kochen wollte, legte er sie auf den Spielteppich. Irgendwann wurde sie wach, war sehr anhänglich, ich schleppte sie herum, nähte in Ultraschallgeschwindigkeit das abgerissene Gummi unseres Matratzenschoners wieder an, schleppte Pippi noch mehr herum und deckte dabei den Tisch, Michel und Oma bauten Lego. Dann gab es Essen, Pippi warf mit Reis um sich (in der frisch geputzten Wohnung, wääääähähä!), Michel machte Blödsinn und wurde nach dem Essen direkt ins Bett komplimentiert. Pippi bekam Milch-Nachtisch und kurz dachte ich, sie schliefe dabei ein, doch weit gefehlt: danach krabbelte sie eineinhalb Stunden wie verrückt durch die Gegend und schien sich sehr am Patsch-Patsch ihrer eigenen Hände zu erfreuen. Dabei erfreute sie gleichzeitig auch Oma, Herrn Rabe und mich. Meine Mutter musste sich irgendwann wegen großer Müdigkeit verabschieden, da steckte Herr Rabe Pippi auch in ihren Schlafi, wir putzten alle unsere Zähne, ich wusch mich und machte brav das Peeling drauf und cremte mich ein und machte einen Eintrag in mein imaginäres Pickel-Bestandsheftchen, um hoffentlich bald entscheiden zu können, ob die zum Testen bestellten Paula’s Choice-Produkte ihr Geld wert sind. 

Tja, und seitdem liege ich hier im frisch bezogenen Bett, Pippi ist (ein Hurra auf Verdunkelungsrollos!) eingeschlafen und schnarcht mich an, und gleich werde ich zurückschnarchen. Das wird fein.