Tag 408 – Menschen, Tiere, Symposionen. 

Also erstmal das Positive vorweg: ich war pünktlich. Tadaaaa! Ich hatte zwar keine Zeit, meine Fahrradbatterie, Helm, Jacke, Rucksack und Regenhose ins Büro zu bringen, und weil da dann natürlich das Schreibzeug noch lag, musste ich die ersten Sessions auf dem Handy mittippen, aber: ich war pünktlich. Und ich bekam viele Komplimente für mein Kleid. (Norwegerinnen, die am Tag drei Hosen für die Kinder stricken, behaupten, sie könnten nicht nähen. Und das würde bei ihnen ja ein halbes Jahr dauern, so ein Kleid. Haha. Hahaha. Hahahahaha…)

Das wars dann aber auch schon. Gut, manche Vorträge waren sehr interessant (Leona D. Samson war da, <3), aber erstmal ging alles wegen Taxi-Issues total verspätet los, dann erzählten manche sehr langatmig recht belangloses Zeug, manche hatten echt schlecht vorbereitete Folien, manche echt schlechten (also zu monotonen oder zu leisen oder zu hektischen) Vortragsstil. Das ganze in einem Raum, der zu klein für die Anzahl Anwesender war (warum nochmal mussten wir uns vorher registrieren?), in dem die Vorhänge zugezogen waren, damit das bisschen Tageslicht bloß draußen blieb (bedeckter Himmel und überhaupt ja auch Herbst, keine blendende Sonne in irgend einer Form), dann aber die fiesen Neonlampen an, man will ja was sehen. Seufz. 

Was mich aber echt am meisten störte, und da sind wir wieder bei einer der Sachen, die mich am Uni-Betrieb so stören, ist die Einstellung einiger Redner*Innen (Geschlechterverhältnis 6:6, dafür Daumen hoch) zu Menschen und Tieren. Ich schreibe das jetzt hier in dieses Internet, wenn Sie mich mal dabei erwischen, dürfen Sie mich gerne daran erinnern: ich lehne das Zeigen von Bildern Kranker oder Behinderter (Kinder, insbesondere) ohne daraus folgenden Erkenntnisgewinn ab. Was bringt es denn, fünf, sechs, sieben Bilder von Xeroderma Pigmentosum-Betroffenen (Yeeeaaahhh, Hautkrebstumore all over!!!) zu zeigen, wenn ich hinterher doch nur auf der molekularen Grundlage davon herumreite. Oder Erbkrankheit Tralala: „Lebenserwartung 5-7 Jahre, schwerste Fehlbildungen unter anderem im Gesicht.“ Reicht da nicht die Beschreibung? Müssen da wirklich mehrere (!) Bilder von betroffenen Kleinkindern und Babys mit auf die Folie? Solche Bilder sind sinnvoll für Diagnostiker oder Kinderärzte, Menschen, die wirklich Leute treffen, die sowas haben. Denen sollte vielleicht beim Anblick eines Erbgutgeschädigten Säuglings nicht das Mittagessen wieder hoch kommen. Aber wir Labormenschen treffen ungefähr nie auf Patienten. NIE. Als Motivation, an Protein X oder Mutation Y oder Modifikation Z zu arbeiten, sollte eine Beschreibung des Krankheitsbildes reichen, wir sind zwar Naturwissenschaftler, aber so viel Phantasie kann man uns ruhig zutrauen. Sensationsgeile Schockbilder, dann auch noch in der Mehrzahl, braucht kein Mensch. Lenkt nur ab: es ist eben wie ein Unfall, man kann nicht weggucken. Und gegenüber den dargestellten Menschen ist es zutiefst respektlos. Oder wollen Sie, dass, sagen wir mal, ihre Nichte, für immer „Das Kind, das Google-Treffer Nummer 1 für diese krasse Erbkrankheit ist!“ ist? Die Menschen werden auf die Krankheit eingedampft. Auf das Bild der Krankheit. Fallbeispiele. Mehr nicht. 

Was ich auch ablehne: total verklausulierte Sprache in Bezug auf Tierversuche. Man hätte heute teilweise meinen können, wir wären auf nem Werbevortrag irgendeines Pharmariesen vor lauter Tierschützern gewesen. Mein Kopf übersetzt das immer automatisch in Normalsprech. Das klingt in meinem Kopf dann so:

  • „Wir terminierten die Tiere an Tag 115 post treatment.“ –> Wir töteten die Tiere. 
  • „Wir induzierten Hypoxia-Ischemia, indem wir die Blutzufuhr im Gehirn im Bereich blablabla unterbrachen.“ –> Wir schnitten den Mäusen die Köpfe auf und quetschten ein Blutgefäß im Gehirn ab. 
  • „Nach einer Stunde Erholung isolierten wir das Material und untersuchten die Tiefenpenetration der nekrotischen Areale.“ –> Nach einer Stunde, die die Gehirnabgequetschten Mäuse noch so vor sich hinvegetierten, töteten wir sie, nahmen das Gehirn raus und schnitten es in Scheibchen, um zu sehen, was alles kaputt gegangen ist.“

So könnte ich weitermachen. Ich finde ja, was wahr ist darf wahr bleiben. Töten ist töten. 10 Tage alte Mäuse sind noch Babies, da tötet man Babymäuse („Termination an P10“). Vielleicht hilft es ja auch dem ein oder anderen dabei, den nächsten Versuch etwas besser zu planen, sodass vielleicht weniger Tiere gebraucht werden, wenn die Sprache da klar und ehrlich ist. 

Und dann war da noch die Sache mit dem  „disappointing Phenotype“, was heißt, dass die Mäuse nachdem man ihnen Gen A oder B oder A und B kaputt gemacht hat, eigentlich ganz normal sind, keine Tumore entwickeln, keine abnorme Körpergröße haben, sich normal bewegen, Nachkommen zeugen und so. „Oh, dem Tier hier geht’s scheinbar gut. Schade.“ Das kann man vielleicht denken, denn klar wäre es einfacher, würde die Maus einfach was ganz eindeutiges wie „wird quasi schon mit Krebs geboren“ (oder wenigstens „embryonic lethality“) zeigen, aus einer wissenschaftlichen Perspektive. Aber es ist eben nicht alles immer einfach. Und sagen, dass man enttäuscht ist, weil es einem Lebewesen gut geht? Find ich einfach kacke. Man kann das ja auch anders formulieren. Mein Vorschlag: „Die Mäuse zeigten zu unserer Überraschung keinen auffälligen Phänotyp. Also mussten wir zurück ins Labor…“. Da hat man gleich der Maus ein Minibisschen Respekt entgegengebracht. Nein, wir können nicht auf Tierversuche verzichten*, aber wir können Tierversuche mit Respekt machen. 

*die pharmakologische Forschung kann nicht, bei der Grundlagenforschung wäre der Umfang vielleicht manchmal diskutabel. Aber sowas muss ja auch durch Ethikräte, zumindest hier.

Tag 407 – Schneller Mix. 

Morgen ist ein Mini-Symposium, zu dem ich gehe. Das fängt um 08:20 an, ich möchte gerne um 07:30 mit den Kindern hier los, es ist schon spät aber dafür alles vorbereitet: Brotdosen, Frühstück, Klamotten rausgelegt und mein Kleid ist auch noch fertig geworden. 

Wenn der Mann von mir komische Posen verlangt („Schultern zurück! Noch mehr! Noch mehr! Und jetzt das Kinn nach vorne!“) kommt das dabei raus.

An das Klamotten selber nähen könnte ich mich gewöhnen. Das macht Spaß, entspannt (wenn man nicht grad fünf Zentimeter vor Ende der letzten Naht neuen Unterfaden aufspulen muss) und man hat am Ende Dinge, die einem wirklich gut gefallen. Zum Beispiel weil sie voller Pinguine sind. Und Taschen haben. 

Im Ballettbody sieht man die ganze Pracht der Kalbsschnitzel sehr deutlich. Stellte ich heute so ganz achtsam beim Blick in den Spiegel fest. Und stellte auch fest: is schon ok. Is alles ok so. At peace with my body. 

Das hässliche Tattoo der einen hübschen beim Ballettkurs ist jetzt nicht mehr ganz so hässlich. War wohl vor ein paar Wochen noch frisch, inzwischen erkennt man mehr Details. Aber gefallen tuts mir immer noch nicht. Ich hoffe ihr schon. 

Apropos. Vermutlich finden die Mädels beim Ballett mein Tattoo* auch nicht ganz so hübsch. Ich seh es ja quasi nie. Aber ich weiß, dass die Linien inzwischen recht breit gelaufen sind und die Schattierungen nicht mehr ganz so schön. Wäre eigentlich Zeit, das mal nachstechen zu lassen, aber die Erinnerung an die Schmerzen hat sich die letzten 12 Jahre ganz gut gehalten. 

Pippi hatte einen richtig guten Tag im Kindergarten. Schlief 2 Stunden (im Bett, alleine!!!), aß Brot und Obst und Joghurt und spielte sehr fröhlich im Sandkasten. Da lief sie auch herum, zum Erstaunen der Betreuer*innen, die das so noch nicht gesehen hatten. Drinnen läuft sie schon mehr, aber da hat sie ja auch keinen Michelinmännchen-Parkdress an. Es ist sehr sehr erleichternd, zu sehen, dass sie im Kindergarten inzwischen eine gute Zeit hat.

Michel zieht keinen Michelinmännchen-Parkdress mehr freiwillig an und deshalb braucht er im Moment täglich für den Kindergarten ne neue, gewaschene Hose. Und wir waschen uns nen Wolf. 

Frustrierender Mist bei der Arbeit, aber dafür werden die Proben für das Nature-Paper jetzt endlich gemessen. 

Das wars. Gute Nacht!

*Eine Elfe. Nackt. Auf meiner Schulter. Is schon ok so ;)

Tag 406 – Energieloch. 

Ich bin eine Eule. Ich finde das an sich auch nicht schlimm, nur leider hat der Kindergarten nur bis 16:30 auf, davor müssen 8 h Arbeit erledigt sein, deshalb muss ich völlig gegen meinen Biorhythmus (und den meiner Kinder) mitten in der Nacht aufstehen, die Kinder wecken und sie zum Kindergarten bringen. Das bezahle ich doppelt und dreifach teuer: morgens komme ich kaum aus den Federn. Dann bin ich sehr langsam, sodass das morgendliche Fertigmachen ewig lang dauert (dauert es wirklich, das ist nicht nur Gerede. So an die zwei Stunden von Weckerklingeln bis Haus verlassen.). Bis ich bei der Arbeit bin bin ich dank frischer Luft und so doch meist wach und arbeite dann auch effektiv: bis etwa 14:00 Uhr. Da ist das erste kleine Loch, das wird konsequent mit Kaffee gestopft und dann geht’s noch mal für zwei Stunden. Dann muss ich ja eh nach Hause (meistens jedenfalls) oder die Kinder abholen, nochmal Bewegung und frische Luft lassen mich dann bis ca. 18:00 Uhr ganz gut durchhalten und dann kommt das richtig große Energieloch. Um 19:30 bin ich soweit, dass ich im Stehen oder vermutlich auch im Gehen (oder Pippi in den Schlaf schaukeln) augenblicklich einzuschlafen drohe. Ich gehe aber fast nie dann schon ins Bett, wegen Me-Time und To-Do-Liste und vermutlich noch drei bis vier Anglizismen, die mir grad aber nicht einfallen. (Einzige Ausnahme sind die (vielen) Male, in denen ich bei einem der Kinder mit einschlafe. Und da bin ich hinterher immer grantig, weil ich da unbequem liege/sitze/hänge und mir nach so nem Nickerchen dann alles weh tut und außerdem: die Anglizismen.) Und um 20:30 drehe ich dann nochmal auf, bis gegen 23:00 Uhr. Vor halb zwölf schlafe ich fast nie und jeden Tag um sechs bereue ich es wieder. 

Es wäre so schön, wenn Gleitzeit echte Gleitzeit wäre. Ich glaube ich könnte total gut konzentriert von ca. 11:00 Uhr an acht Stunden arbeiten (mit Essenspausen halt, Sie wissen was ich meine). Wenn ich erst um neun Uhr aufstehen muss, reicht mir auch eine Stunde locker um mich fertig zu machen (und wegen besserem Nervenkostüm geht dann auch mit den Kindern alles besser und schneller), und wenn ich um Mitternacht im Bett war, reicht der Schlaf immernoch mehr als dicke aus. Ach ja, ach ja. Es wäre so schön…

Tag 405 – Gnääääääähhhh.

Erwarten Sie heute bloß keinen Content. Der Tag war ein Brei aus krankem/nicht-krankem Kind (Die Fiebermesspolitik. Sie erinnern sich? Heute probierten wir es, nach nicht mal 10 Minuten bei der Arbeit klingelte mein Telefon: 38,1. Als wir zu Hause ankamen waren es 37,9, ja ich weiß, das ist erhöhte Temperatur, aber Pippi war quietschfidel, futterte die ganze Zeit, spielte und lief (!) herum, sie wirkte auf mich einfach nicht krank. Aber Fieber ist Fieber. Seufz.) nach Nacht mit kaum Schlaf weil eben jenes Kind auf mir drauf lag und mir in den Hals kniff. Da war ich doch froh um die halbe Stunde Mittagsschlaf, die mir nach Arbeitsemails beantworten und was essen noch blieb. 

Für die Twitter-Problematik habe ich eine nicht ganz befriedigende Lösung gefunden, da sind jetzt alle Interaktionen mit Leuten, denen ich nicht folge, stumm. Dadurch verpasse ich bestimmt auch interessante Dinge, aber vor allem muss ich mir nicht zum 1000sten mal anhören, dass das Kleid doch schön ist und überhaupt, da sind Neuronen drauf, das weiß ich ja sicher nicht. Ich schätze mal ne Woche, dann regt sich das Internet über was anderes auf und ich kann die Benachrichtigungen wieder anschalten. 

Apropos aufregen: ich regte mich ja mal über die Phrase „Erziehung ist Gewalt“ auf. Sehr sogar. Dazu hat jetzt die Ökohippierabenmutter einen wie ich finde ganz tollen Text geschrieben, dafür noch mal viel Liebe! (Und das sagt hier eine, die sich geschworen hatte, ganz sicher nie mehr irgendwas von so Unerzogen-Vögeln zu lesen.) UPDATE: ich wurde darauf hingewiesen, dass manche wirklich wirklich überhaupt gar nix zu Unerzogen lesen wollen und dass ich nicht ganz klar gemacht hab, dass der verlinkte Text davon handelt. Also: TRIGGERWARNUNG! Unerzogen! TRIGGERWARNUNG!

Tag 404 – Wie ich mal versehentlich ne Welle machte. 

Eigentlich schuld an allem. (Es geht ihr übrigens ganz ok, kein Fieber, hat zusammen mit ihrem Bruder uns die Haare vom Kopf gefressen und weder viel geschlafen (leider) noch weniger gespielt.)


Pippi hatte nach einer überaus anstrengenden Nacht heute morgen 37,4 Grad Temperatur. Das ist kein Fieber, aber mit der Fiebermesspolitik* des Kindergartens hätten wir sie nach spätestens ner Stunde eh wieder abholen müssen. Also disponierten wir kurzfristig um und ich schleppte Pippi mit zur Arbeit, ich musste eh nur kurz Labordinge machen und sonst am Computer sitzen, das muss dann eben mal mit Kind gehen. Naja, es ging so halb, Pippi wollte dann auf der Tastatur rumkloppen, also kam ich doch zu nix. Dann wurde sie irgendwann müde und ich schob sie herum, zweimal im Kreis durch die Uniklinik, in der die Gebäude untereinander mit Brücken verbunden sind. Nach zwei mal schlief sie endlich, aber da war ich schon zweimal am Schrein vorbei gekommen. Der Schrein, das ist eine Vitrine zu den Nobelpreisträgern May-Britt und Edvard Moser (und John O’Keefe, der ist aber kein Norweger und wird deshalb konsequent ignoriert nur am Rande erwähnt). In der Vitrine ist ein großes Bild des Paares, eine kurze (wirklich sehr stark runtergebrochene) Erklärung des Themas, Kopien (nehm ich mal an) der Nobelurkunden, drei kleine Bilder aus dem Laboralltag (gaaaar nicht gestellt, wie so Fotos eben sind) und: das Kleid, das May-Britt Moser bei der Preisverleihung trug. Es ist ein meiner Meinung nach sehr schönes Kleid, und mein Nerd-Herz hüpft ein bisschen ob der Aufgestickten Nervenzellen, die die Zellen, die sie und ihr Mann (und O’Keefe) entdeckt haben, darstellen sollen. Ich bin schon oft an dem Schrein vorbei gelaufen, aber heute fiel mir zum ersten Mal auf, dass das Kleid ziemlich raumfüllend da steht, dass es doch eigentlich kaum was mit ihrer Forschung zu tun hat und dass ich mir wünschen würde, dass in so einer Vitrine nicht als Hauptsache „The Dress“ steht sondern etwas mehr zu der Forschung, vielleicht ein kleines Video**, ein Bild von der Verleihung mit Erklärung, dass es eben diese Nervenzellen sind. Denn, kommt man ohne Ahnung da hin, sieht man: Aha, Nobelpreis, irgendwas mit Ratten (iiihhhh!) und ein Abendkleid. Nun ja, ich verpackte mein diffus ungutes Gefühl in semilustige hundertvierzig Zeichen und twitterte:

Ich Idiot. 

Seitdem verbringe ich den Tag damit, mich zu erklären, das mit den Zellen erklärt zu bekommen (ca. tausend mal), mit Leuten mehr oder weniger fruchtbare Diskussionen zu führen, mit Alice Schwarzer verglichen zu werden, meinen ersten Troll kennenzulernen, mich als doof bezeichnen zu lassen***, kurz: es ist etwas anstrengend grad. 

Merke: nix mehr von Bedeutung twittern. Oder dickes Fell wachsen lassen. 

*wenns Kind schreit, am besten nach 10 Minuten Gebrüll, messen. Dann Eltern anrufen, weil 38,1. Meh. 

**Erklärung zum Video: die Ratte hat eine Elektrode im Gehirn, die (in einem örtlich stark abgegrenzten Bereich im enthorinalen Cortex) genau messen kann, welche Zellen gerade „feuern“. Das feuern wird durch die weißen Punkte angezeigt. Je nach Aufenthaltsort feuert immer nur eine einzige Zelle und das Muster der Zellen entspricht einer Karte der Umgebung. This is fuckin‘ awesome!

***weil ich ja nicht weiß, ob sie das nicht vielleicht selbst so wollte. Als wäre es nicht total egal, wer da findet, ein Kleid sei eine angemessene Darstellung für Wissenschaft. 

Tag 403 – Wochenende zu Ende. 

Heute gibt’s für Sie mal wieder ein paar Bilder von unserem Wochenende, zwar ohne Verlinkungen zu nix wegen ach, aber trotzdem hoffentlich irgendwie hilfreich um unser Wochenende zu colorieren. 

Michel und Schafe. Letzte Woche kauften wir bei IKEA diese Warnweste und seitdem legt er sie nicht mehr ab, mein kleiner Weirdo.


Gestern waren wir ja bei unserem Schaf-Freund P. zum Schafe angucken und Pilze suchen. Einen kleinen Teil der Schafherde (dieses Jahr alleine über 100 Lämmer, manche sind auch noch sehr klein weil die so spät im Sonmer geboren wurden) fanden wir auch und verfütterten eine Tüte trockenes Brot an die begeisterten Schafe. Michel hat inzwischen gar keine Berührungsangst mehr und fütterte begeistert. 

Ich durfte auch mal die Kraxe tragen. Uff. (Stellen Sie sich einen Wanderrucksack vor, der aber statt fest und kompackt mit einer 10 kg Unwucht beladen ist. Ein Spaß!)

Unser Freund und sein Sohn, davor Michel.


Der Sohn unserer Freunde (R.) war auch mit auf dem Ausflug. Fast drei Stunden wanderte er mit seinen zweieinhalb Jahren mit uns mit. Auch sehr praktisch: P. hat ihm beigebracht, Pilze für ihn aus dem Wald zu holen. Einfach drauf zeigen, schon wetzt er los. 

Als der Pilzkorb voll und wir wieder am Hof waren, musste R. erstmal Michel und Pippi das ganze Spielzeug zeigen. Die haben wirklich sehr viel Spielzeug. 

Wir immer so „blablabla, Massentierhaltung ist schlecht wegen blablablabla…“ Juckt das Kind offensichtlich nicht im Geringsten.

Pippi war total begeistert vom Traktor. Auch wenn sie noch nicht an die Pedale kommt.


Wir wurden dann noch spontan zum zum Essen bleiben überredet und blieben zu Hirsch (vom eigenen Land, inklusive Geschichte, wie er den von zwei Dänen bekam, die dämlich genug waren, am letzten Tag Urlaub noch einen Hirsch zu erlegen), selbst angebauten Kartoffeln, selbst gesammelten Pilzen und Rohkostteller, um den sich Michel und R. fast schlugen. Alles war sehr lecker, sogar der Hirsch, selbst Michel aß zwei Stücke Fleisch und einen Haufen Rohkost. Pippi haute sich die Pilze rein wie nix, die findet Pilze unheimlich gut inzwischen. Danach spielten die Kinder nochmal etwas, wir bliesen dann irgendwann aber doch zum Abflug und innerhalb von drei Minuten war Pippi, innerhalb 20 auch Michel eingeschlafen. Zu Hause bugsierten wir die zwei schlafend ins Bett und putzten dann die Pilze. Romantisch. 

Am Sonntag durfte ich „ausschlafen“. Das heißt, ich wurde erst zum Frühstück geweckt, um halb neun. Tjanun. Nach dem Frühstück wie immer Sonntags die Maus und dann Spielen. 

Gratis-Holz aus der Holzhandlung, aus dem wir irgendwann einen Lernturm bauen wollen. Solange dient es als Autobahn.

In der Zwischenzeit meldete sich M., die Mutter von Michels Freund H., ob wir Lust hätten zu etwas, das sich „Grill-Berg“ nennt, mitzukommen. Hatten wir, Soyawürstchen fanden sich auch noch, also los. Der Grillberg liegt ein (wirklich kleines) Stück im Wald, da sind Feuerstellen und vor allem Wald und Kletter- und Spielmöglichkeiten überall. Die Kinder waren alle in ihrem Element: Michel und H. rannten als Dinosauriermonstertigerpolizei wir auf Speed durch die Gegend, Pippi saß auf dem schwarzen Waldboden und schaufelte Erde mit den Händen von A nach B. 

Von denen hörte man die meiste Zeit nur „ROOOAAAARRRRR!!!“.

Tannennadeln von einer Seite des Baumstamms auf die andere schaffen. Wichtig.


Dann grillten wir unsere mitgebrachten Würstchen, ignorierten nach Kräften die anderen beiden Familien, die mittlerweile gekommen waren und erst ohne irgendwas zu sagen (Hallo oder so…) zu viel Holz auf unser Feuer kloppten und es dadurch fast kaputt kriegten und dann das am besten brennende Stück von unserem Feuer nahmen um ein eigenes Feuer in Gang zu bekommen und unser Feuer dadurch fast kaputt kriegten. Da hatte ich schon etwas Augenzucken. 

Was ich ja auch nicht verstehe: warum manche Leute ihre Kinder („Das ist nicht nett, Leute zu hauen!“) zum Entschuldigen zwingen. 

Anyways, auf dem Rückweg fanden wir wirklich total zufällig und unbeabsichtigt noch mehr Pilze (Kuh-Röhrlinge und Semmelstoppelpilze), Pippi schlief in der Kraxe nach 10 Sekunden ein und wir spazierten gemütlich zum Auto zurück. Zu Hause machte ich dann die Kuh-Röhrlinge zum trocknen fertig und briet dann alle anderen Pilze (also die von gestern und heute) nochmal gut durch, kochte kleine Kartoffeln, die Kinder badeten mit Herrn Rabe und alles war sehr friedlich, sogar beim Essen. 

So groß schon…


Leider dauerte es nach dem Abendessen ungefähr ewig, Pippi ins Bett zu bekommen. Irgendwann glückte es mir aber doch, erkennbar daran, dass Sie jetzt diesen Text lesen können.

Jetzt Bett, leider ist das Wochenende ja schon wieder vorbei. 

Tag 402 – Pilzrausch. 

Wir waren heute auf der anderen Seite vom Fjord, bei unserem Schaf-Freund. Allerdings diesmal nicht wegen der Schafe, sondern wegen der Pilze. Drei Stunden Pilztour später ist die Ausbeute: 

Das sind: ein Wiesenchampignon, viele Pfifferlinge, ein paar Brocken eines Steinpilzes, viele Birkenröhrlinge in verschiedenen Farben, einige Heiderotkappen und ein Hainbuchenröhrling. Ein Pilz, den unser Freund (der sehr viel bewanderter auf dem Gebiet ist, als wir) nur neidisch blickend mit „Oh, der ist gut!“ betitelte, ist irgendwie undefinierbar, sieht aus wie ein weißer Birkenröhrling, ist aber definitiv kein Gallenröhrling und auch nix giftiges. Also wanderte der zusammen mit allen anderen (außer den Pfifferlingen) in die Pfanne, morgen wird dann der Essensplan geändert zu „Ein Haufen Pilze mit kleinen* Kartoffeln“ und überhaupt war das ein ganz feiner Ausflug an einem ganz tollen Tag. 

Nachtrag: den Reizker hab ich vergessen in der Auflistung.

*die Kartoffeln sind so klein, dass sie im Supermarkt bei meiner Arbeit zum Sonderpreis angeboten werden. Norweger mögen keine Minikartoffeln. Ich hab jetzt für 1400 g sage und schreibe 9 Kronen bezahlt und musste dabei an meine Großeltern denken, die ihre Kartoffeln noch direkt beim Bauern holten und da immer auch „Kinderkartoffeln“ kauften: kleine Kartoffeln, die, glaube ich, teurer waren als die anderen.